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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

L I B R.A 
OF THL 

U N 1 V L 5 l i-y. - 
Or ILLINOIS 

V 

V. 46 

ACES LIBRARY 



II' Q^' 



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Theft, mutilation, and underiining of books 
are reasons for disciplinary action and may 
result in dismissal from th» University. 
University of Illinois Library 


SEP 2 5 IJ 
NOV( 


5 1987 


L161— O-1096 



Yerhandluiigen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Ftedig-irt von. Dr. Carl Fritseh, 

k. k. a. 0. Univei'sität.s-Professor. 

Jahrgang 18%. 
XLVI. Band. 

Mit 9 Tafeln und 7 Figuren im Texte. 



Wien, 1896. 

Im Iiilande besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und L'niversitäts-Buclihiindler. 
Für das Äasland in Kommission bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 

Druck von Adolf Holzhausen, 
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien. 

Adresse der Redactioii: Wien, I., Wollzeile 12. 



Uebersielit der in diesem Bande enthaltenen Sitznngs- 
nnd Sectionsberichte. 



Monatsversammlung am 8. Jänner 1896 

« 5. Februar 1896 49 

r, 4. März 1896 99 

General -Versammlung am 1. April 1896 I53 

Monatsversammlung am 6. Mai 1896 197 

« „ 3. Juni 1896 231 



Botanischer Discussionsabend am 20. December 1895 . 5 

« « „24. Jänner 1896 53 

« 14. Februar 1896 100 

« 20. März 1896 164 



Constituirende Versammlung der Section für Botanik I99 

Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896 * 232 

» " « r „ 16. Juni 1896 265 

" » " r « «13. October 1896 377 

" »1 r, : „ „ 10. November 1896 . . 447 

Constituirende Versammlung der Section für Zoologie . " 332 

Versammlung der Section für Zoologie am 13. November 1896 . " " ' 450 

Constituirende Versammlung der Section für Coleopterologie ..... 382 

" " " « r Kryptogamenkunde . . 389 

Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 27. November 1896 . 449 



Ausschuss-Sitzung am 6. November 1896 3go 



7328 ! 4 



Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/verhandlungender4618zool 



stand der Gesellschaft am Ende des Jahres 1896, 



Protector: 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft 

im Jahre 1897. 

Präsident: (Gewählt bis Ende 1898.) 
Freiherr Dr. Richard Dräsche v. Wartimherg. 

Ticepräsidenteii: (Gewählt bis Ende 1898.) 

P. T. Herr Maren zeller, Dr. Emil v. 
„ „ Ostermeyer, Dr. Franz. 

Secretäre: (Gewählt bis Ende 1898.) 

P. T. Herr Fritsch, Dr. Carl. 
„ „ Handlirsch Anton. 

Rechnungsführer: (Gewählt bis Ende 1898.) 
T. Herr Kaufmann Josef. 

Ausschussr'äthe : 

T. Herr Adensamer, Dr. Theodor. (Gewählt bis Ende 1898.) 

„ Beck R. V. Mannagetta, Dr. Günther. „ „ 

„ Birnbacher Josef. „ „ 

„ Braun Heinrich. „ „ 

,, Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl. „ „ 

„ Brunnthaler Josef. „ „ 

„ Burgerstein, Dr. Alfred. „ „ 

„ Csokor, Dr. Johann. „ „ 

„ Eichenfeld, Dr. Michael Ritter v. « « 
Fuchs Theodor. 



VI 



Leitung der Gesellscliaft. 



P. T. Herr Gaiiglbauer Ludwig. 
^ G robben, Dr. Carl. 
„ Habich Otto. 

Haläcsy, Dr. Eugen v. 
Heimerl, Dr. Anton. 
Hungerbyebler, Julius Edler v 
Kornhuber, Dr. Andreas. 
Krasser, Dr. Fridolin. 
„ .. Linsbauer, Dr. Ludwig. 
„ „ Lorenz, Dr. Ludwig v. 

Lütke müller, Dr. Johann. 
Mayr, Dr. Gustav. 
„ Mik Josef. 
„ „ Müllner M. Ferdinand. 
„ „ Pfurtscheller, Dr. Paul. 
„ „ Pintner, Dr. Theodor. 
„ „ Rebel, Dr. Hans. 
„ „ Spaeth, Dr. Franz 
„ ^ Sturany, Dr. Rudolf. 
Wilhelm, Dr. Carl. 
.. Zahlbruckner, Dr. Alexander. 



Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen: 

Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Anton Handlirsch, Josef 
Kaufmann. 

Die Pflauzensammlung ordnen die Herren J. v. Hungerbyebler, M. Ferd. 

Müllner und Dr. Franz Ostermeyer. 
Die Betheilung von Lehran.stalten mit Naturalien besorgen die Herren: Anton 

Handlirsch, Dr. Franz Ostermeyer, Dr. Paul Pfurtscheller. 
Die Bibliothek verwalten die Herren J. Brunnthaler und Dr. A. Zahlbruckuer. 
Das Archiv hält Herr Paul Low im Stande. 

Kaiizlist der Gesenschaft: 

Herr Cornelius Frank, VIII., Lenaugasse 11. 

(Äesellsclialtslocale: 
Wien, J., Wüllzeile 12. — 'J^äglich geöffnet von 3—7 Ulir Nachmittags. 



(Gewählt bis Ende 1898.) 



1896. 



Geschäfts - Ordnung 

der 

k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 



I. Präsidium. 

§. 1, Der Präsident oder dessen Stellvertreter beruft und leitet die Aus- 
schuss- und General -Versammlungen, überwacht die Administration und Cassen- 
gebahrung, vertritt die Gesellschaft nach Aussen und den Behörden gegenüber 
und unterzeichnet alle v?ichtigeren Ausfertigungen. In der General -Versammlung 
erstattet er Bericht über den Stand und die Leistungen der Gesellschaft während 
des abgelaufenen Jahres. 

II. Aussehuss. 

§, 2. Der Aussehuss beschliesst über alle nicht speciell den Functionären 
oder der General -Versammlung vorbehaltenen Agenden. Er stellt das Präliminare 
fest, wählt zur Erledigung der laufenden Bibliotheks- und Redactionsgeschäfte 
je ein Comite und ist berechtigt, mit der Besorgung gewisser Angelegenheiten 
(z. B. Archiv, Vertheilung der Lehrmittel, Instandhaltung der Sammlungen etc.) 
einzelne Personen zu betrauen, 

§. 3. Vor jeder Ausschusssitzung sind rechtzeitig Einladungen mit der 
Tagesordnung zu versenden. 

§. 4. Ausschusssitzungen werden einberufen, so oft es die Erledigung 
der Agenden erfordert; jedenfalls aber einige Tage vor jeder General -Versammlung. 



III. Seeretäre. 

§. 5. Die Seeretäre eröffnen alle unter der Adresse der Gesellschaft oder 
des Secretariates einlangenden Briefe und Sendungen, ausser den für die Bibliothek 
bestimmten, und führen dieselben ihrer Bestimmung zu. Sie vertreten sich im 
Verhinderungsfalle gegenseitig und sind ermächtigt, in dringenden Fällen Aus- 
lagen bis zu 50 fl. anzuweisen. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. a 



2 



§. 6. Sie theilen sich in die Geschäfte so, dass dem einen alle Verwal- 
tungsgeschäfte und die Aufsicht über die Cassengehahrung, dem anderen hingegen 
alle Redactionsangelegenheiten zukommen. 

§. 7. Die oben erwähnten Verwa.ltungsgeschäfte bestehen u. a. in der 
Führung eines genauen Mitgliederverzeichnisses, in der Ausgabe und Mitfertigung 
der Aufnahmsschreiben, in der Erledigung der Correspondenz, mit Ausnahme 
jeuer. welche sich auf die Publicationsthätigkeit oder auf die Bibliothek der 
Gesellschaft bezieht, und in der Besorgung der Wahlangelegenheiten. Der ver- 
waltende Secretär weist ferner alle zur Auszahlung gelangenden Beträge, mit 
Ausnahme jener für Druck und Bibliothek, an und sorgt für die Aufbewahrung 
und Eegistrirung des Archives und der Sammlungen, soferne der Ausschuss 
nicht eigene Personen mit diesem Geschäfte betraut, er führt endlich die Proto- 
colle der General- und Voll -Versammlungen und ist verpflichtet, sowohl in den 
Ausschusssitzungen als in der General -Versammlung Bericht über seine Thätigkeit 
zu erstatten. 

§. 8. Der mit den Redactionsangelegenheiten betraute Secretär ist Redacteur 
aller von der Gesellschaft herausgegebenen wissenschaftlichen Publicationen und 
leitet den Druck und die Ausgabe derselben; er übernimmt demnach alle ein- 
laufenden Manuscripte, übergibt dieselben den Berichterstattern und führt die 
auf die Publicationsthätigkeit bezügliche Correspondenz. Er ist Vorsitzender 
im Redactiouscomite, legt die eingelaufenen Manuscripte in den Versammlungen 
vor, führt das Protocoll in den Ausschusssitzungen und erstattet der General- 
Versammlung Bericht über die Publicationsthätigkeit der Gesellschaft. 

IV. Rechnungsführer. 

0. Der Rechnungsführer nimmt die an die Gesellschaft gelangenden 
Gelder in Empfang und verbucht dieselben. Er zahlt alle durch das Secretariat 
oder das Bibliothekscomite als zur Zahlung geeignet bezeichneten Conti und 
Anweisungen aus. 

§. 10. lieber die zeitweilige, fruchtbringende Anlage grösserer Baar- 
beträge (über 200 fl.) berichtet er in der nächsten Ausschusssitzung. 

§.11. Er unterfertigt alle Jahreskarten und führt über die Ausgabe der- 
selben ein Vormerkbuch. 

12. Er hat alljälirlich einen Voranschlag für die Gelderfordernisso 
des näfihstcn Jahres dem Ausschusse vorzulegen, eine vollständige Jahresrechnuug 
vorzubereiten, dieselbe reclif z(!itig den Revisoren vorzulegen und in der Genonil- 
Vers.inurjlung mitzutlicilcn. 

g. lU. Im Verliinderungsf;ill(! wird der Rechnungsführer durch ein Mitglied 
des An^ fbusscs vortreten. 

vj. I 1. Eine cventuello Sr-outiining der Casse erfolgt durcli den l*räsi- 
d<-iif« ii oder s»'iiicri Sf<-Ilvcrl n-lcr und die Scfrctiirc. 



3 



V. Redaetionscomite. 

§. lö. Bei der Wahl des Eedactionscomites wird der Ausschuss darauf 
Rücksicht nehmen, dass die einzelnen Hauptrichtungen der Zoologie und Botanik 
durch Fachmänner vertreten sind. Die Schriftführer der Sectionen und die 
heiden Secretäre haben Sitz und Stimme im Redaetionscomite. 

§. 16. In dem Redaetionscomite, welches über die Aufnahme aller für 
die „Verhandlungen" bestimmten Arbeiten und Referate beschliesst, führt der 
redigirende Secretär den Vorsitz. 

§. 17. Die Beurtheilung der vorgelegten Arbeiten steht jenem Comite- 
mitgliede zu, in dessen Fach die betreffende Arbeit gehört. In kritischen Fällen 
ist das Comite verpflichtet, das schriftliche Urtheil eines als Autorität in dem 
betreffenden Fache anerkannten Gelehrten einzuholen. 

§. 18. Das Redaetionscomite hat vor Abschluss der einzelnen Nummern 
der „Verhandlungen", also in der Regel am Anfange der Monate October bis Juli, 
je eine Versammlung abzuhalten. 

VI. Bibliothekseomite. 

§. 19. Das Bibliothekseomite, in welchem die beiden Secretäre stimm- 
berechtigt sind, beschliesst über neu einzuleitenden Schriftentausch, über Ankäufe 
zur Completirung lückenhafter Zeitschriftenserien und über den Ankauf selbst- 
ständiger Werke bis zum Preise von 30 fl. Bei den Ankäufen ist das Comite 
an das vom Ausschüsse aufgestellte Präliminare gebunden. Die Anschaffung 
grösserer, kostspieliger Werke ist der speciellen Bewilligung des Ausschusses vor- 
behalten. 

§. 20. Das Bibliothekseomite übernimmt alle an die Gesellschaft gelangenden 
Bücher und Zeitschriften und führt über dieselben ein genaues Verzeichniss, besorgt 
die Katalogisirung und Einreihung der Bücher und hat der General -Versammlung 
über den Stand der Bibliothek Bericht zu erstatten, es besorgt endlich im 
Namen der Gesellschaft die auf die Bibliothek bezügliche Correspondenz, unter- 
zeichnet die zur Auszahlung geeigneten Buchhändler- und Buchbinderrechnungen 
und überwacht die Benützung der Bibliothek. 

§. 21. In den Versammlungen des Bibliothekscomites führt der ver- 
waltende Secretär den Vorsitz. 

VII. Anträge. 

§. 22. Selbstständige Anträge, gleichviel ob sie für die Ausschuss- oder 
General -Versammlung bestimmt sind, müssen dem Seeretariate schriftlich oder 
mündlich früher mitgetheilt werden, damit sie noch rechtzeitig auf die Tages- 
ordnung gesetzt werden können und das Seeretariat in der Lage ist, die zur 
Beschlussfassung eventuell nothwendigen Vorerhebungen zu veranlassen. 

§. 23. Wird, ein selbstständiger Antrag ohne vorherige Anmeldung erst 
in der betreffenden Sitzung eingebracht, so muss die Besehlussfassung (besonders 



4 



dringende oder ganz unbedeutende Fälle ausgenommen) auf die nächstfolgende 
Sitzung verschoben werden, 

§. 24. Alle Anträge, welche die Bibliothek oder Redaction betreffen, 
werden vor der Beschlussfassung den betreffenden Comites zur Meinungsäusserung 
übermittelt. 

VIII. Wahlen. 

§. 25. Die in der General -Versammlung vorzunehmenden Wahlen erfolgen 
in der Regel durch Abgabe von Stimmzetteln und sind geheim. Die General- 
Versammlung kann jedoch in einzelnen Fällen (Ehrenmitglieder, Präsident etc.) 
eine Wahl durch Acclaraation verlangen. 

§. 26. Mindestens einen Monat vor jeder Wahl ist eine vom Ausschusse auf- 
gestellte Candidatenliste im Locale der Gesellschaft aufzulegen. Jedes Mitglied hat 
das Recht, unabhängig vom Ausschusse, eine eigene mit seiner Namensfertigung 
versehene Candidatenliste aufzulegen. 

§. 27. Jedes zur Wahlsitzung erscheinende Mitglied erhält einen Stimm- 
zettel mit der vom Ausschusse aufgestellten Candidatenliste, in welcher selbst- 
verständlich beliebige Aenderungen vorgenommen werden können. 

§. 28. Die Vertretung eines Wählers durch Vollmacht ist unstatthaft. 

§. 29. Jeder Wahlzettel muss zur Giltigkeit folgende Erfordernisse enthalten: 
a) Das Datum der Wahl. 

h) Vor- und Zunahme der zu Wählenden in deutlicher Schrift. 

c) Die Angabe der Vereinswürde, für welche dieselben gewählt werden. 

§. 30. Mit der Vornahme des Scrutiniums, welches während der Wahl- 
sitzung stattzufinden hat, betraut der Vorsitzende zwei Mitglieder aus der Ver- 
sammlung. Zu Beginn der Wahlsitzung hat der Vorsitzende die Mitglieder auf- 
zufordern, sich an der Wahl zu betheiligen. Hierauf übernehmen die Scrutatoren 
die Stimmzettel und der Vorsitzende erklärt den Wahlact für geschlossen. Nach 
erfolgtem Srcutinium übergeben die Scrutatoren die Stimmzettel zugleich mit 
einem Wahlprotocolle dem Vorsitzenden, welcher das Resultat verkündet. 

§. 31. Nach vollzogener Wahl sind die Wahlacten im Archive zu hinter- 
legen. Einsichtnahme in die Wahlacten kann nur in Gegenwart eines Vice- 
Präsidenten oder Secretärs erfolgen. 

§. 32. Jede Wahl ist den Gewählten sogleich mitzutheilen und deren 
Zustimmung einzuholen. 

IX. Publicationen. 

§. 33. Die Gesellschaft ])ublicirt ihre „Verhandlungen" in jährlich 
Monatsheften und übernimmt ausserdem die Herausgabe grösserer selbst- 
staudif^«'r Werke. 

In die „Verliiindlungen" werden ausser den Sitzungsberichten selbstständigo 
Arlifitcn in der Regel nur im Umfange l)is zu zwei Druckbogen und einer Tafel 
und K*;fcratc über die neue liiteratur ('mit ])es()nderer Rücksicht auf Fauna und 



5 



Flora Oesterreichs und wichtige andere Publicationen) aufgenommen. Für solche 
Eeferate zahlt die Gesellschaft ein Honorar von 20 fl. per Druckbogen. 

§. 34. Der Umschlag der Monatshefte und eventuell eine Beilage werden 
mit Inseraten bedruckt. Mitglieder haben das Recht, unentgeltlich Inserate bis 
zum Umfange von einer halben Seite jährlich drucken zu lassen. 

§. 35. Arbeiten, welche den für die „Verhandlungen" festgesetzten Umfang 
überschreiten, müssen dem Ausschuss vorgelegt werden, welcher nach Einholung 
eines Gutachtens über deren Aufnahme beschliesst. Solche Werke werden in 
beschränkter, dem Bedarfe entsprechender Auflage gedruckt und zu möglichst 
hohen Preisen in den Buchhandel gebracht. Mitglieder bekommen von diesen 
Publicationen je ein Exemplar zum Herstellungspreise. 

§. 36. Sobald die Drucklegung einer Arbeit beschlossen ist, wird der 
Autor davon verständigt und dessen Zustimmung bei eventuellen Aenderungen 
im Manuscripte eingeholt. 

§. 37. Mit der Annahme einer Arbeit wird dieselbe Eigenthum der 
Gesellschaft. 

§. 38. Die Drucklegung erfolgt thunlichst nach der Pieihenfolge der 
Einreichung der Manuscripte. 

§. 39. Arbeiten, welche druckwürdig befunden wurden, können auch 
abgewiesen werden, wenn deren Drucklegung oder Ausstattung die Kräfte der 
Gesellschaft zu sehr in Anspruch nehmen würde. 

§. 40. Unter sonst gleichen Bedingungen haben Arbeiten von Mitgliedern 
den Vorzug vor anderen. 

§. 41. Jedes Manuscript ist dem redigirenden Secretär druckfertig und 
einseitig geschrieben zu übergeben. Gleichzeitig sind die Zahl der gewünschten 
Separata und eventuell auch Wünsche in Bezug auf besondere Ausstattung der- 
selben bekannt zu geben. 

§. 42. Von den in den „Verhandlungen" publicirten Original-Arbeiten erhält 
jeder Autor 50 Separatabzüge kostenlos und auf Wunsch weitere 50 zum Her- 
stellungspreise. 

§. 43. Bei selbstständigen Publicationen kann nur eine beschränkte Zahl 
von Freiexemplaren bewilligt werden, und zwar: 

Bei einem Umfange bis 4 Bogen 20 gratis und 20 zum Herstellungspreise, 
« 8 „ 10 „ „ 20 „ 
über 8 „ 5 „ „ 10 „ 
Hiebei zählt eine Tafel als Druckbogen. 

§. 44. Jeder Verfasser erhält im Allgemeinen den ersten Correctur- 
abzug; auf besonderen Wunsch wird eine zweite Correctur zugesendet. Auf 
Correcturabzügen dürfen umfangreiche Textänderungen nicht gemacht werden. 
Wie weit diese gehen dürfen, ist dem Ermessen des redigirenden Secretärs über- 
lassen. Aenderungen, die Kosten verursachen, hat der Autor zu vergüten. 

§. 45, Bezüglich des Druckes und der Ausstattung der Abhandlungen 
und Illustrationen gelten folgende Bestimmungen: 



6 



A. Druck uud Ausstattung der Abhandlungen, 

Als Abweieliuiigeii von gewöhulichem Textdrucke sind zulässig Cursiv-, 
gesperrter und Fettdruck. 

ü) Cursivdmclx, kommt bei allen im Texte vorkommenden Thier- und 
PÜanzonnameu zur Anwendung. 

h) Gesperrter Druck dient zur Hervorhebung der Autornamen mit 
Ausnahme der den Pflanzen- und Thiernamen beigesetzten. 

c) Fetter Druck in verschiedenen Abstufungen wird aiisser in Ueber- 
schriften nur zur Hervorhebung von Autornamen in Literaturverzeichnissen 
oder von Thier- und Pflanzennamen am Kopfe von Diagnosen oder aus- 
führlicher Literaturnachweise angewendet. 

(1) Eine der drei genannten Drueksorten kann zur besonderen Hervor- 
hebung einzelner Textstellen über besonderen, am Manuscripte ersichtlich zu 
machenden Wunsch der Autoren angewendet werden. 



B. Abkürzungen und Citate. 

a) Die Buchstaben p. oder S. für Seite; Taf., Tab. oder PI. für Tafel; 
Bd. oder Vol. für Band u. s. w. werden je nach der S})rache des citirten Werkes 
gebraucht, so dass z. B. bei Anführung eines deutschen Werkes S., Taf., Bd., 
eines englischen dagegen p., PL, Vol. gesetzt wird. 

h) Für Masse und Gewichte sind folgende Abkürzungen zu verwenden: 



1. Längenmasse. 
Myriameter /am 



Kilometer 
Meter . . 
Decimeter 



1cm 

m 

dm 



Centimeter cm 

Millimeter mm 

Mikron u 



2. Flüche nmassc. 

Quadratkilometer 

Quadratmeter 

(^uadratdecimeter 

Quadratccntimetcr . . 
Quadnitiiiilliirntfr . . 
n.ktar 
Ar 

■ It' ;i II III III :i 1' 

Cubikkilomefor . 
rubikiiict<;r 



km'' 
m^ 

rm^ 

mm'^ 

ha 



nr 



Cubikdecimeter din^ 

Cubikcentimeter cm^ 

Cubikmillimeter mm^ 



4. Hohlmasse. 

Hektoliter hl 

Liter l 

Dcciliter dl 



Centiliter 



cl 



5. Gewichte. 



Toime t 

Metrischer Centner r/ 

Kil()gra,miii % 

])(']<;igr;iiinM dkf) 

Gramm (j 

Decigramm dfi 

(Jentigrairi cff 

Milligr.-inirri mg 



7 



C. Illustrationen. 

a) Textfiguren für die „Verhandlungen" dürfen nicht in das Manuscript 
selbst gezeichnet, sondern müssen auf selbstständigen Cartons angefertigt sein, 
welche etwa auf eine leicht ablösbare Art an der betrefi'enden Stelle in das 
Manuscript eingefügt sein mögen. 

h) Die bei einer einfachen Tafel strenge einzuhaltende Bildfläche misst 
10*5 cm und 16*5 cm. — Bei der grossen Schwierigkeit, gutes, gyps- und holz- 
freies Papier zu erhalten, ist die Herstellung von Doppeltafeln bei Kreide- 
zeichnung und bei allen jenen Darstellungen, welche nicht auf dünnem Papier 
erfolgen können, thunlichst zu vermeiden. Insbesondere werden die Herren Ver- 
fasser darauf aufmerksam gemacht, dass im Falle eines Kreuzbruches, nämlich 
wenn sowohl Höhe als Breite überschritten werden, eine Beschädigung der Tafel 
im Kreuze nicht zu vermeiden ist. 

c) Tafeln werden zum Abdrucke nie angenommen, wenn sie noch nicht 
vollkommen fertiggestellt eingereicht werden. Als Ausnahme ist zulässig die 
Vorlage einzelner getrennter Figuren, wenn eine Skizze der Tafel beigefügt ist. 

d) Zur photographischen Reproduction bestimmte Abbildungen müssen 
dementsprechend ausgeführt sein. 

§. 46. Ausnahmen von allen diesen Bestimmungen kann nur das Re- 
dactionscomite oder der Ausschuss von Fall zu Fall beschliessen. 

X. Benützung der Bibliothek, 

§. 47. Die Ausgabe und das Einreihen von zur Benützung verlangten 
Werken besorgt der Kanzlist der Gesellschaft an allen Wochentagen von 3 — 7 Uhr 
Nachmittags. 

§. 48. Die im Laufe der letzten Woche eingelangte neue Literatur wird 
an jedem Freitage, ebenso vor jeder Versammlung zur Ansicht aufgelegt. Das 
Bibliothekscomite wird übrigens dafür sorgen, dass die neue Literatur vor ihrer 
Einreihung in die Bibliothek auch an den übrigen Abenden (ausser den oben 
genannten) benützt werden kann. 

§. 49. Das Entlehnen von Büchern, deren Titel in einem eigenen Journale 
einzutragen sind, erfolgt nur in beschränkter Anzahl gegen Ausfertigung eines 
vom Entlehner unterzeichneten Empfangsscheines. Der Entlehner verpflichtet 
sich, die Bücher in gutem Zustande zu erhalten und nach Ablauf von längstens 
einem Monat zurückzustellen. Etwaige Versendungskosten hat der Entlehner 
zu tragen. 

§. 50. Die Haftung für ausgeliehene Bücher währt so lange, als der 
vom Entlehner ausgestellte Empfangsschein bei der Gesellschaft erliegt. Jedes 
Mitglied hat das Recht, länger als einen Monat ausständige Bücher durch das 
Bibliothekscomite reclamiren zu lassen. 

§. 51. Den durch das Secretariat oder das Bibliothekscomite erfolgten 
Aufforderungen zur Rückstellung eines entlehnten Werkes ist sofort und unbedingt 
Folge zu leisten. Das Bibliothekscomite ist berechtigt, trotz wiederholter schrift- 



8 



lieber AuflForderung nicht zurückgestellte Werke auf Kosten des Entlehners neu 
anzuschaffen. Derartige Betrtäge sind in Wien zu bezahlen. 

§. ö2. Handbücher und einzelne Nummern der laufenden Jahrgänge 
von Zeitschriften können nur ausnahmsweise mit specieller Bewilligung des 
Bibliothekscomites oder eventuell des Ausschusses entlehnt werden. 

§. ö3. Für besonders werthvolle Werke kann eine Caution gefordert 
werden. 

XI. Benützung der Sammlungen. 

§. 54. Im Allgemeinen darf die Ordnung in den Sammlungen in keiner 
Weise gestört werden. Alle Objecte sind nach ihrer Benützung wieder ein- 
zureihen. 

§. ö5. Für Beschädigungen jeder Art bleiben die Schuldtragenden ver- 
antwortlich und ersatzpflichtig. 

§. 56. Die Schlüssel zu den Sammlungen verwahrt der Kanzlist. 

§. 57. Entlehnungen aus den Sammlungen können nur mit Zustimmung 
des Ausschusses, des Secretärs oder der mit der Ueberwachung der Sammlungen 
vom Ausschuss betrauten Persönlichkeit auf von diesen zu bestimmende Zeit statt- 
finden. Hiebei sind Verkürzungen des Benützungsrechtes der das Gesellschafts- 
local besuchenden Mitglieder thunlichst zu vermeiden. 

§. 5S. Eine Entlehnung von einzelnen Objecten oder Partien erfolgt nur 
gegen eigenhändig unterzeichnete Bestätigung des Empfanges derselben, gegen 
die Verpflichtung, alle entlehnten Objecte in gutem Zustande zu erhalten und 
gegen Vergütung aller Verpackungs-, Transport- und sonstigen Kosten. 

XII. Archiv. 

5i). Im Archive werden alle für den Verein wichtigen Urkunden, 
Sitzungs])rotokolle, Diplome etc. für immerwährende Zeiten hinterlegt und 
darüber ein Register geführt. Alle anderen Acten wie die gesammte Corre- 
.spondenz, Rechnungen etc. sind nach Jahren geordnet in eigenen Packen durch 
je zehn Jahre aufzubewahren, dann aber zu vernichten. 

XIII. Abänderungen der Geschäftsordnung. 

§. (>0. Zur Ahändcnnig dieser Goscliärtsordnung, wclclie alle diesbezüglich 
bisher geltenden Bcstininiungen aus.scr Kraft setzt, ist eine Zweidrittcl-Majorität 
des Ausschusses erforderlich. 



Iirurk von Adi.ll llnuliuimni in Wien. 



n ung am 8. Jänner 1896. 

/ Herr Dr. Emil v. Marenzeller. 

. eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 

hrUm^i Professor, Wien, YI. A. Handlirsch, M. F. Müllner. 

Moriz, k. u. k. 

Steiermark . . Dr. C. Fritsch, Dr. H. Rebel. 
V., Wien, XIII, 

Dr. C. Fritsch, Dr. C. Eechinger. 

3r, Szt.-Györgj, 

rn Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 

3 im, Ferdinand, 
•ahn-Gesellschaft, 

e 11 .... Dr. Lütkemüller, Dr. Zahlbruckner, 
en, VIII., Lamm- 
Dr. C. Fritsch, Dr. C. Rechinger. 



'ritsch legte Exemplare des Banunculus 
, welche von Prof. Dr. F. Thomas in Ohr- 
Gesellschaft eingesendet wurden, 
n von Prof. Thomas am 27. Juli 1895 im obersten 
i oberhalb des Zirmsees (zwischen Seebichlhaus und 
ron ca. 2660— 2680 w gesammelt und zuerst Prof. 
übermittelt, welcher mir zuerst von diesem Funde 
V/^^ P . ^'^8 pygmaeus Wahlbg. ist bekanntlich eine arktisch- 

I ^ Cp ^ a Alpen nur von wenigen Standorten in Tirol und 

tlichster bisher der Velbertauern südlich von Mitter- 
I ^ Q / ^^^^ bedeutend östlicher und ist auch zugleich der 

^ ^ ^ ärnten, aus welchem Lande die Pflanze bisher nicht 

rurde Banunculus pygmaeus Wahlbg. auch in den 



Z. B. Ges. Bd. XLVI. 



1 



8 



lieber Aufforderung nicht zurückgestellte Werke auf Kosten des Entlehners neu 
anzuschaffen. Derartige Beträge sind in Wien zu bezahlen. 

§. 52. Handbücher und einzelne Nummern " --^pn "^„i 

von Zeitschriften können nur ausnahmsweise mit 
Bibliothekscomites oder eventuell des Ausschusses entl 

§. 53. Für besonders vv^erthvolle Werke kai 
werden. 

XI. Benützung der Samml 

§. 54. Im Allgemeinen darf die Ordnung in 
Weise gestört werden. Alle Objecte sind nach ih 
zureihen. 

§. 55. Für Beschädigungen jeder Art bleibe 
autwortlich und ersatzpflichtig. 

§. 56. Die Schlüssel zu den Sammlungen ver 

§. 57. Entlehnungen aus den Sammlungen k 
des Ausschusses, des Secretärs oder der mit der Ueb 
vom Ausschuss betrauten Persönlichkeit auf von dies( 
finden. Hiebei sind Verkürzungen des Benützungsrt 
local besuchenden Mitglieder thunlichst zu vermeidei 

§. 58. Eine Entlehnung von einzelnen Objec 
gegen eigenhändig unterzeichnete Bestätigung des 
die Verpflichtung, alle entlehnten Objecte in guter 
gegen Vergütung aller Verpackungs-, Transport- un( 

XII. Archiv. 

59. Im Archive werden alle für den 
Sitzungsprotokolle, Diplome etc. für immerwähr 
darüber ein Register geführt. Alle anderen Act( • 
spondenz, Rechnungen etc. sind nach Jahren georc 

je zehn Jahre aufzubewahren, dann aber zu vernicl 

XIII. Abänderungen der Gesc 

60. Zur Abäiidcniiig dieser Geschältsordi 
hivli.T geltenden HcstiiiiiMungen ausser Kraft setzt 
(b's Ausschusses crfordcilich. 




I>rurk von Ail<il| IIoi/Iiuiihch in Wien, 



1 



Versammlung am 8. Jämier 1896. 

Vorsitzender: Herr Dr. Emil v. Marenzeller. 



Neu eingetretene Mitglieder: 
P. T. Herr 

Ficker Gustav, Gymiiasial-Professor,Wien, VI. 

Hutten V. Klingensteiii Moriz, k. u. k. 
Major a. D., Marburg in Steiermark . . 

Kei ssler, Dr. Carl Kitter v., Wien, XIII, 
Cumberlandstrasse 10 

Nedwed Carl, Gutsbesitzer, Szt.-Györgj, 
Comitat Eisenburg, Ungarn 

Pfeiffer Ritter v. Wollheim, Ferdinand, 
Secretär der k. k. Südbabn-Gesellschaft, 
Wien, IV., Weyringergasse 11 .... 

Sostaric Max, stud. phil., Wien, VIII., Lamm- 
gasse 12 ur. u. JjTitscü, L»r. (j. Kecninger. 



Herr Prof. Dr. C. Fritsch legte Exemplare des Ranunculus 
pygmaeus Wahlbg. vor, welche von Prof. Dr. F. Thomas in Ohr- 
druf für das Herbar der Gesellschaft eingesendet wurden. 

Diese Exemplare wurden von Prof. Thomas am 27. Juli 1895 im obersten 
kleinen Fleissthale in Kärnten oberhalb des Zirmsees (zwischen Seebichlhaus und 
Sonnblick) in einer Seehöhe von ca. 2660 — 2680 m gesammelt und zuerst Prof. 
Dr. P. Asche rson in Berlin übermittelt, welcher mir zuerst von diesem Funde 
Mittheilung machte. Ranunculus pygmaeus Wahlbg. ist bekanntlich eine arktisch- 
alpine Pflanze, welche aus den Alpen nur von wenigen Standorten in Tirol und 
Salzburg bekannt ist, deren östlichster bisher der Velbertauern südlich von Mitter- 
sill war. Der neue Standort liegt bedeutend östlicher und ist auch zugleich der 
erste Standort dieser Art in Kärnten, aus welchem Lande die Pflanze bisher nicht 
bekannt war. — Bekanntlich wurde Ranunculus pygmaeus Wahlbg. auch in den 
Centraikarpathen aufgefunden. 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 

A. Handiirsch, M. F'. Müllner. 
Dr. C. Fritsch, Dr. H. Bebel. 
Dr. C. Fritsch, Dr. C. Rechinger. 
Dr. C. Fritsch, A. Handiirsch. 

Dr. Lütkemüller, Dr. Zahlbruckner. 



Z. B. Ges. Bd. XLYI. 



1 



2 



Versammlung am 8. Jänner 1896. 



Hierauf demoiistrirte Herr C. Reichert einige neuere Mikro- 
skope und deren Nebenapparate. 

Nach einem kurzen historischen Rückblick betreffend die Aenderungen der 
mikroskopischen Technik in den letzten Decennien besprach der Vortragende die 
Verbesserung der heutigen Mikroskope gegenüber den älteren Instrumenten, die 
er in folgender Weise zusammenfasste : 

1. Verbesserung der groben und feinen Einstellung und hauptsächlich die 
der Mikrometerschraube. 

2. Bessere Beleuchtung bei den stärkeren Vergrösserungen. 

3. Zweckmässige Einrichtung bei starken Vergrösserungen, um die Präparate 
systematisch durchsuchen zu können. 

4. Zweckmässige einfache Einrichtungen, um das unter dem Mikroskop 
gesehene Bild entweder durch Zeichnung oder Photographie festzuhalten oder zu 
vervielfältigen. 

Das vor etwa zwanzig Jahren am meisten verbreitete Mikroskopstativ 
war das mittlere Hartnack 'sehe Hufeisenstativ Nr. 8. Die Construction dieses 
Modells ist einfach und solid und die Mikronieterschraube für mittlere Ver- 
grösserungen ausreichend; das Ganze, wenn es gut ausgeführt ist, als Schul- 
und Laboratoriummikroskop für viele Bedürfnisse auch heute noch vollständig 
genügend. 

Für stärkere Vergrösserungen ist jedoch die Construction der Mikrometer- 
schraube nicht sorgfältig genug, da sie zu hart geht, und das Bild in vielen 
Fällen schwankt, das heisst sich nach links und rechts verschiebt, beim dauernden 
Arbeiten infolge dessen das Auge und durch den harten Gang der Mikrometer- 
schraube auch die Hand ermüdete. Weiter hat es in solchen Fällen, wo man 
oft genöthigt ist von schwacher zu starker Vergrösserung überzugehen, noch den 
Nachtheil, dass sich ein Revolver an demselben nicht zweckmässig anbringen 
lässt. Für solche Fälle ist ein Mikroskop mit Zahn und 'J'rieb unbedingt vorzu- 
ziehen, und es werden deshalb heute auch beinahe alle Mikroskope mit Zahn und 
Trieb angefertigt. 

Für stärkere Vergrösserung ist jedoch das Wichtigste an jedem Mikrosko]» 
die feine Einstelhmg mittelst der Mikrometerschraube. 

Die Hartnack 'sehe Construction der Mikrometerschraube ist sehr ein- 
fach, leicht und billig auszuführen, hat jedoch den Nachtheil, dass die Ueber- 
tnigungsfläche der Mikrometermutter auf die Prismaführung selbst nicht richtig 
angeordnet ist, weil diese zu gro.ss ist und dadurch auch ein Theil der Bewegung 
(h-.r Mikrometerniuttcr auf die Prismaführung selbst übertragen wird, was bei 
starken Vf.-rgrössorungen den bok;iniitcn Nachthoil des Scliwankons des mikro- 
MkopiHchon Bildes li:it. 

Bei der Hpätcr von Winkel angcgebonc'n Construction wird die Bewegung j 
nur durch eine Stahlspitzo auf eine gehärtete Stahlfläche übertragen. Diese 
ConKtniction ist wesentlich besser, da der Gang ein viel leichterer und sich(!ror 
und namentlich bei kleineren und mittleren Stativen ein ausgezeichneter ist. 



Versammlung am 8. Jänner 1896. 



3 



Für grosse Mikroskope, wo der Obertheil des Mikroskopes sehr schwer ist, 
und wo ebenfalls der ganze Mikroskopkörper mittelst Feder, wie bei der Hart- 
nack 'sehen, in die Höhe gehoben werden miiss, hat sie den Nachtheil, dass, wenn 
die Feder nicht sehr stark ist, diese bald erlahmt, oder aber, wenn sie wirklich 
stark ist, die Mikrometerschraube durch den Druck zu sehr leidet und sich bald 
abnützt, oder der Gang ein unregelmässiger wird. 

Dies hat mich veranlasst, abweichend von den beiden früheren Construc- 
tionen, nicht die Prismaführung mittelst Feder in die Höhe zu drücken, sondern, 
wie die untenstehende Abbildung zeigt, dieses Princip umzukehren und die eigene 
Schwere des Mikroskopkörpers als Gegengewicht zum theilweisen Ausgleich des 
gleichmässigen Ganges der Mikrometerschraube zu benützen; bei dieser Con- 
struction genügen ausserordentlich zarte Federn, um 
einen dauernden und weichen Gang der Mikrometer- 
schraube zu erhalten, da die Schraube nur ein klein 
wenig mehr wie das Gewicht des Mikroskopkörpers 
zu heben hat. Da nun eine Verminderung des Ge- 
wichtes des Obertheiles des Mikroskopes nie zu be- 
fürchten ist und dasselbe immer nach abwärts 
drücken wird, so bietet diese Construction eine 
Dauerhaftigkeit, wie sie von keiner der früheren 
Constructionen erreicht w^urde. 

Der am meisten gegenwärtig verbreitete Be- 
leuchtungsapparat ist der Abbe 'sehe. Derselbe hatte, 
als er zu Anfang der Siebzigerjahre von Abbe cou- 
struirt und von Zeiss ausgeführt wurde, im Anfang 
gar keinen Erfolg, erst als durch Dr. Eobert Koch 
neue Präparations- und Färbemethoden gefunden 
und eingeführt wurden, hat sich dessen hohe Braucli- 
barkeit gezeigt, und hat er auch allgemeine Auer- 
kennung errungen. Speciell hier in Wien verhielt 
man sich lange sehi* skeptisch ihm gegenüber, und nachdem vom Auslande vor- 
wiegend Instrumente mit und in Oesterreich solche ohne Beleuchtungsappai'at be- 
stellt wurden, so musste ich, um die Fabrication nicht zu compliciren, abweichend 
von der ursprünglichen Construction, eine Einrichtung treffen, welche es leicht 
ermöglicht, entweder das Eine oder das Andere am Mikroskop leicht anzubringen. 

Diese Einrichtung erlaubt durch wenige Handgriffe, den Condensor gegen 
die Cylinderblende auszuwechseln und auch das Ganze zu heben und zu senken 
und vom Tisch ganz zu entfernen, so dass diese Construction von vielen Gelehrten 
der Zeiss 'sehen vorgezogen wird. 

Für solche Untersuchungen, wo es sich darum handelt, sehr oft und bequem 
von der Condensorbeleuchtung zur gewöhnlichen Spiegelbeleuchtung überzugehen, 
habe ich diese Einrichtung in der Weise modificirt, dass ein einfacher Druck 
genügt, den Condensor aus- oder einzuschalten und von der Condensorbeleuchtung 
zur Spiegelbeleuchtung oder umgekehrt überzugehen. 

1* 




4 



Versammlung am 8. Jänner 189(). 



lu England ist es seit langer Zeit üblich, an jedem besseren Mikroskop 
einen beweglichen Objecttisch zu besitzen. Bei uns wurde diese Einrichtung lange 
Zeit ignorirt und als Spielerei betrachtet. 

Wenn es nun bei schwachen Vergrösserungen auch gar keine Schwierig- 
keiten bietet, bei einiger Geschicklichkeit und Fertigkeit ein Präparat zu durch- 
suchen, so ist es bei einer tausendfachen Vergrösserung ganz unmöglich, ein 
Object derart zu durchsuchen, dass man mit gutem Gewissen sagen kann, jede 
Stelle im Gesichtsfelde vor sich gehabt zu haben. Zu solchen Untersuchungen 
ist ein gut gehender beweglicher Objecttisch eine grosse Annehmlichkeit und 
erleichtert die systematische Durchmusterung der Präparate. 

In England wird das Mikroskop von Anbeginn gleich für einen beweglichen 
Objecttisch eingerichtet, bei uns ist dies nur bei den ganz grossen und theueren 
Instrumenten der Fall. In den meisten Fällen wird der Tisch aus ökonomischen 
Gründen erst später angepasst, er muss also jederzeit nachgeliefert werden können. 
Dies hat zu der von mir zuerst ausgeführten Construction des aufsetzbaren Kreuz- 
tisches geführt, der von Prof. E. Fleischl 1887 in der Behrens'schen Zeit- 
schrift beschrieben wurde und heute auch von vielen anderen Firmen etwas ver- 
ändert hergestellt wird. 

Diese Vorrichtung kann an jedem beliebigen, nach continentalem Typus 
gebauten Mikroskop auf- und abgesetzt werden, es können sowohl grosse als 
kleine Objectträger verwendet werden; in seiner heutigen Ausführung entspricht 
er allen Anforderungen, die man an einen solchen Hilfsapparat stellen kann. 
Er kann jedoch nur an grösseren Instrumenten mit Vortheil angebracht werden, 
weil nur diese genügend Raum zur Bewegung und Ausnützung bieten. 

Dies war die Veranlassung zu einer Modification, bei der durch eine neue 
Befestigungsmethode viel Raum gespart und hiedurch soviel Weg gewonnen wurde, 
dass der bewegliche Objecttisch auch an kleineren Instrumenten mit Vortheil ver- 
wendet werden kann; nachdem die Mikroskoptische verschieden sind, werden die 
Befestigungsrahmen auch in verschiedenen Formen und Grössen den Objecttischen 
entsprechend angefertigt. Bei Nachbestellung eines solchen Objecttisches ist es nur 
nöthig, die Grösse des Mikroskoptisches anzugeben. Er kann ebenfalls leicht auf- 
gesetzt und wieder entfernt werden. 

Ich komme nun zum Schlüsse zu den photographischen Hilfsapparaten. 
Die Mikrojfhotographie gibt nur da gute Resultate, wo gute Objecto mit scharfen 
(Jontouren, das heisst wo genügende Contraste vorhanden sind. Je dünner und 
schöner die Präparate sind, umso bessere Resultate darf man auch erwarten. 
Vor einigen Jaliren hat man sehr voluminöse, mit allem möglichen Beiwerk ver- 
sehene A)i)»arate gebaut, aber man hat bald gesehen, dass die einfachen und 
stibilen AjjjKirate die besten sind, die allerdings, je nachdem man s])ecielle Be- 
dürfnisse im Auge hat, auch eine specielh; Einrichtung haben können und müssen. 

Ith möchte mir nun zwei mikrophotogra])hischo Ai)parate zu zeigen er- 
l-iiibf-n, wie sich solche durch vielseitige Erfahrungen ergeben haben. 

Der kleine Apparat ist, damit er sehr solid und dauerhaft sei, aus Guss- 
fertigt. An dcins'^lbcn kann mit jedem Mikroskop gearbeitet werden, 



Botanischer Discussionsabend am 20. Decemher 1805. 



5 



es können ganz schwache und mit entsprechenden Objectiven und Ocularen Ver- 
jrösserungen bis 1000 erzielt werden. 

Für Institute, wo der Anschaffungspreis keine so grosse Kolle spielt, habe 
ich einen grösseren, unilegbaren Apparat construirt; derselbe hat einen längeren 
Auszug und es können auch mit schwächeren Ocularen Vergrösserungen von 1000 
und darüber hergestellt werden. 

Der Apparat kann sowohl in aufrechter wie liegender Stellung verwendet 
werden. Auch können die optischen Behelfe wie Spiegel, Heliostat oder Lampe, 
Beleuchtungslinse, Lichtfilter, matte Scheibe u. s. w. an dem Apparat selbst an- 
gebracht und in fixe Stellung gebracht werden. 

Die grobe Einstellung geschieht am Mikroskop mit der Mikrometerschraube, 
iann mit dem Hook "sehen Schlüssel; bei ganz starken Vergrösserungen hat sich 
iie Einstellung mit Hebel und zwei über Rollen gehenden Schnüren am besten 
bewährt. 



Botanischer Discussionsabend am 20. December 1895. 

Herr Dr. AI. Zahlbruckner demonstrirte einige Typen 
peruanischer Phanerogamen. 

Hierauf legte Herr Prof. Dr. C. Fritsch einige neue 
Phanerogamen der europäischen Flora vor. 

Zur Vorlage gelangten : 

1. Knautia Byzantina Fritsch, eine neue Art aus der Verwandtschaft 
ier Knautia integrifolia (L.). Dieselbe wurde von J. Nemetz bei Constantinopel 
gesammelt. Vergl. diese „Verhandlungen", 1895, S. 429. 

2. Hesperts VelenovsJcyi Fritsch = Hesperis Steveniana Yelenovsky, 
lon DC. Wächst im Banat, Serbien und Bulgarien, wo sie die nahe verwandte 
)annonische Hesperis silvestris Cr. = Hesperis runcinata W. K. vertritt. Vergl. 
liese „Verhandlungen", 1895, S. 375. 

3. Krysimum heterotrichum Fritsch, eine Hybride zwischen Ery- 
ümuni Pannoniciim Cr. = E. odoratum Ehrh. und Erysimum silvestre Cr. = 
E. Cheiranthus Pers., bisher nur in Serbien beobachtet. Vergl. diese „Verhand- 
ungen", 1895, S. 377. 

Schliesslich überreichte Herr F. Anger ein Exemplar von 
Ruscus Hypoglossum L. für das Herbar der Gesellschaft. Das- 
selbe stammt von einem neuen Standorte in Niederösterreich, Kii'ch- 
3erg bei Hainfeld (900 m). 



6 



Franz Werner. 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo- 
orientalisehen Region. 

Von 

Dr. Franz Werner. 

(Mit Tafel I.) 

(Eingelaufen am 30. December 189.5.) 

Nachstellend gebe ich ein zweites Verzeichniss von Keptilien und Batra- 
chiern des indo-australischen Faunengebietes, welche ich theils vom kgl. Museum 
für Naturkunde in Berlin (M. B.)^) (Sunda-Inseln), theils von den Herren Prof. 
Dr. V. Gr äff (G.) in Graz und Dr. Th. Adensamer (A.) in Wien (Java und 
Amboina) und schliesslich von den Herren Gustav Schneider in Basel, Wilhelm 
Schlüter (S.) in Halle und G. Eedemann (R.) in Antwerpen zur Bestimmung 
erhielt. 

Wenngleich der Werth derartiger, wenn auch mit systematischen Bemer- 
kungen versehener Verzeichnisse gewöhnlich nicht sehr hoch angeschlagen wird, 
wo es sich nicht um wenig bekannte Gebiete oder seltenere Arten handelt, so 
halte ich sie doch schon darum nicht für überflüssig, weil sie in der Eegel einen 
Ueberblick über denjenigen Theil der Fauna eines bestimmten Gebietes gewähren, 
der dem sammelnden Tropenreisendeu, mag er nun selbst auf die Suche gehen 
oder sich die Thiere von den Eingebornen bringen lassen, mit einer gewissen Noth- 
wendigkeit unterkommt, also der betreffenden Fauna ihren Charakter verleiht. 
Ein solches Charakterbild der Fauna des botanischen Gartens von Buitenzorg und 
Umgebung gewähren uns die auf Java angelegten Collectionen von Prof. v. Graff 
und Dr. Th. Adensamer. Aus demselben vorher angeführten Grunde ist auch 
die Angabe der Zahl der Exemplare jeder in der betreffenden Collection enthaltenen 
Art nicht uiinöthig, da sie, wenn auch nur sehr beiläufig, die Verhältnisszahl 
der Häufigkeit derselben vorstellt. Was schliesslich die Angaben über Pholidose 
und Färbung anbelangt, so sind solche darum nicht ohne Werth, weil aus solchen 
Aufzeichnungen in vielen Fällen ein Bild der Variabilitätsgrenzen einer Form 
gewonnen und Annäherung mancher verwandter Arten bis zum Verschwinden der 
bisher angenommenen Artunterschiede, ebenso wie die scharfe Scheidung oft sehr 
ähnlicher Formen erkannt werden kann. Derjenige, welcher schon ein grosses 
Material durchgearbeitet hat, weiss von der geradezu staunenswerthen Variations- 
fähigkeit mancher Rojjtilien zu erzählen, welche oft kein einziges der Artmerk- 
male ganz unberührt lä.sst, wie wir dies wohl im höchsten Grade bei der Kreuz- 
otter auagftprägt finden. Aus diesem ({runde sind derartige Angal)en Manchem, 



') hits Uuchhtabci; in Kluinnicrn koiiinioii iliiuii in dor AiilziliiunR der Allen als Alikürzunj,' 
dM NsDcaa de« Hinnnilcrn oder Linhcudcr« der botroH'ündcu Art vor. 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 



7 



der sonst leicht versuclit ist, aus einer abweichenden Form, namentlich wenn sie 
nur in einem einzigen Exemplar vorliegt, frischweg eine neue Art zu construiren, 
und der davon absteht und die Novität in den Formenkreis einer Art einfügt, 
wenn er in der Literatur derartige Abweichungen bei dieser Art erwähnt findet, 
gewiss nicht unerwünscht. 

Das vorliegende Yerzeichniss enthält kurze Beschreibungen mehrerer seltener 
Arten und einiger Novitäten, welche grösstentheils aus der Sendung des Berliner 
Museums stammen. Die Bezeichnung „Blngr., R. B. I." bedeutet wieder: Bou- 
lenger, Fauna of British India, Eeptilia and Batrachia, die Bezeichnung „Blngr.. 

Cat " bezieht sich auf die betreffenden Kataloge der herpetologischen 

Sammlung des British Museum vom selben Verfasser. Alle übrigen Literatur- 
angaben sind ausführlicher, wo solche überhaupt nothweudig erschienen. 

A. Ceylon. 

1. Gymnodactylus frenatus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 42.) (E.). 

2. Hemidactylus gleadoivii Murray. (R.) 

3. Ceratophora stoddariii Gray. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 227.) Diese Art 
scheint nicht sehr selten vorzukommen, da ich von Herrn Redemann bereits 
eine ziemliche Anzahl von Exemplaren erhielt. 

3 a. Cophotes ceylanica Ptrs., Monatsber. d. Akad. d. Wissensch, in Berlin, 
1861, S. 1103. (Blngr., Cat. Liz., L p. 275.) 

Ein cT dieser seltenen Art, welche durch ihren prehensilen Schwanz 
ausgezeichnet ist. Greifschwänze erkennt man bei Eidechsen (Chamaeleonten, 
Sfenodactylus guttatus, PhrynocepJiaJus mystaceus, caudivolvulus. Cophotis 
Xipliocercus, manche Amphisbaenen, Corucia) und Schlangen (Boiden, Atheris, 
Trinteresunis) in der Regel an der überall gleich dicken, wenigstens etwas ventral- 
wärts eingerollten und am Ende mitunter etwas verdickten, oft von der Basal- 
hälfte verschieden gefärbten hinteren Schwanzhälfte. 

4. Calotes saleoides n. sp. 

Diese Art, welche mir leider nur aus einem weiblichen Exemplar bekannt 
ist, gleicht der Salea JiorsfieJdi so sehr, dass ich sie anfänglich als ceylonesische 
Varietät derselben betrachtete. Vor der Schulter befindet sich eine kleine schwarz- 
gefärbte Falte, welche nicht auf die Kehle übergeht. Der Kopf ist jederseits nur 
mit einem einzigen Dorn bewehrt, der sich über und etwas hinter dem Tympanum 
befindet. Die Rückenschuppen sind grösser als die ventralen, schwach gekielt, die 
Kiele sehr wenig nach aufwärts gerichtet, die Ventralschuppen sind stark gekielt. 
Die oberen Kopfschuppen sind ziemlich gross, an der Schnauze gekielt, die 
Supraorbitalen in der Längsrichtung des Kopfes verlängert. Die Kehlschuppen 
Bind stark gekielt, kleiner als die dorsalen. Nackenkamm sehr klein (9), aus 
wenigen einzeln stehenden Dornen bestehend, kein Rückenkamm. 51 Schuppen 
um die Rumpfmitte. Tympanum etwa so lang wie das Auge. Der vierte Finger 
ist etwas kürzer als das Auge, das Hinterbein erreicht mit der Spitze der vierten 
Zehe den Vorderrand des Tympanums. 



8 



Franz Werner. 



Oberseite graugrün mit dunklen Querbinden auf Extremitäten, Schwanz 
und Rumpf. Die dunklen Schuppen daselbst haben helle Mittel-Längsstriche wie 
bei Salea. Seiten mit einem dunklen Netzwerk. Unterseite hell graugrün, ein- 
farbig. Mehrere vom Auge ausgehende schwarze Linien, zwei auf die Oberlippe, 
zwei zum Tympanum ziehend. 

Totallänge 225 nun, Schwanz 152 mm. (S.) 

5. Calotes Uocepkalus Gthr. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 329, PI. 26.) 

Von dieser schönen Art liegt mir ein prachtvolles vor, welches sich 
von der Abbildung in Boulenger's Katalog namentlich durch die noch stärkere 
Verdickung der Schwanzbasis unterscheidet. Der Kopf ist gross, unter und 
hinter dem Tympanum stark backenartig aufgetrieben, Dorsal- und Guiarschuppen 
sehr schwach gekielt. Fünf dunkle Querbinden am Rücken, drei Flecken auf 
der Schnauze, dahinter mehrere dunkle Querbänder auf dem Kopfe. Totallänge 
350 mm, Schwanzlänge 225 m7n, Kopflänge 30 mm, Kopfhöhe 20 mm, Kopfbreite 
22 mm, Schwanzhöhe an der dicksten Stelle 15 mm. 

6. Lyriocephalus scutatus L. (Blngr., Cat, Liz., I, p. 281.) ad. (S.) 

7. Varanus hengalensis Daud. Ein junges Exemplar. (S.) 

8. Mdbuia carmata Theob. 

Mir liegen zwei Exemplare (ad.) vor, welche mich die Richtigkeit meiner 
Bestimmung der in meiner früheren Arbeit für Ceylon angeführten Mdbuia 
macularia Blyth zu bezweifeln veranlassten. Nicht dieses, aber die mir neuer- 
dings zugekommenen zwei Exemplare besitzen allerdings deutlich siebenkielige 
Dorsalschuppen. Die Zahl der Schuppenreihen beträgt 30, die der Supraciliaren 5, 
von denen das dritte das längste ist. Die Hinterbeine erreichen nur bei einem 
Exemplare die Achsel, bei den zwei anderen nur das Handgelenk. (R.) 

9. Lygosoma (Homolopida) fallax Ptrs. blauer, weisspunktirter 
Kehle. (R.) 

10. Rhinophis trevelyanus Kel. (Blngr., R. B. I, p. 156; Cat. Snakes, I, 
p. 142.) (S.) 

11. Tropidonotus asperrimus Blngr., Ann. Mag. N. H. (6), VII, 1891, 
p. 281; Cat. Snakes, I, p. 232, PI. 15, Fig 2. 

Von die.ser specifisch ceylonesischen, dem T. piscator sehr ähnlichen Art 
liegt mir jetzt wieder ein altes und ein junges Exemplar vor. Die in der früheren 
Arbeit (Verhaudl. der k. k. zool.-botan. Gesollsch. in Wien, 1893, S. 351) für Ceylon 
erwähnten Exemplare von T. piscator gehören natürlich, wie auch schon Boettger 
in .seinem Referat im Zoologischen Centraiblatte corrigirte, ebenfalls zu 2\ asper- 
rimtis. (R.) 

12. Tropidonotus stolatus L. (R.) 

13. Aspidura cojiii Gthr. (Blngr., R. B. I., ]). 289; Cat. Snakes, I, ]). 311.) 
Von dieser .seltenem Schlangenart erhielt ich von Herrn Redemann 

zwei schöne Exemplare, aus denen man ersieht, dass Aspidura copii wohl die 
grössto ylK/nV/urrz-Art i.st, da das eine Exemplar eine Länge von 500?h??i besitzt 
(Schwanz 36 mm). Beide Exemplare sind bis auf den Umstand ganz ty])isch, dass 
da8 lto.stralc von oben etwas .sichtbar ist. Die oberen Schwan/schui)j)en sind 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalisclien Kegion. 



9 



gekielt, es sind also beide Exemplare Temporalia 1 + 2, Ventralen 136, 138, 
Subcaudalpaare 17. Färbung oben schön rothbrauu mit zwei Längsreiben grosser, 
dunkler, beller geränderter, undeutlicher Flecken. Unterseite mit grossen und 
kleinen unregelmässig angeordneten Sprenkeln. Bauchseite hellgelb, Schwanzunter- 
seite grau gewölkt. Oberlippenschilder mit dunklen Seitenrändern, (ß.) 

14. Äspiclura guentheri Ferg. 

Ein Exemplar. V. 115, A. 1, Sc. 19. (E.) 

15. Aspidura trachyprocta Cope. 

Mehrere Exemplare, auch ganz junge. Einige sind nahezu schwarz (der 
Bauch auf gelblichem Grunde dicht dunkelgrau gefleckt ) und gleichen dann einiger- 
massen der vorigen Art. (R.) 

16. Haplocercus ceylonensis Gthr., Cat. Col. Sn., p. 15; R. B. I., p. 204. 
— Blngr., R. B. L, p. 291; Cat. Snakes, I, p. 309. 

Zwei Exemplare. Sechs Oberlippenschilder, das vierte das Auge berührend. 
V. 178 (cT), 197 ($), Sc. 50 (cf), 45 ($). Oberseite dunkelbraun mit der typischen 
Zeichnung. Unterseite lebhaft ziegelroth (x^), lachsfarbig ( 9 )• (R-) 

17. Zamenis mucosus L. (R.) 

18. Coluber helena Daud. (R.) 

19. JDendrophis caudoUneolatus Gthr., Proc. Zool. Soc, 1869, p. 506, PI. 40, 
Fig. 1. — Blngr., R. B. I., p. 339; Cat. Snakes, II, p. 85. 

Mir liegen von dieser seltenen Schlange drei Exemplare vor, von denen 
die Länge des grössten 865 mm beträgt (Schwanz 290 mm). Das Auge ist bei allen 
so gross wie seine Entfernung vom Nasenloch. Schuppenzahlen der drei Exemplare : 
I. Ventralen 156, Subcaudalpaare 115, Temporalia 1 + 2, Supralabialia 7 — 8 

(4. und 5. berührt das Auge). 
II. Ventralen 153, Subcaudalpaare 123, Temporalia 2 + 2, Supralabialia 8— 9 

(4. und 5., beziehungsweise 5. und 6. berührt das Auge). 
[II. Ventralen 154, Subcaudalpaare III, Temporalia 1 + 2, Supralabialia 9 
(5. und 6. berührt das Auge). 
Bei Exemplar III fehlt beiderseits das Frenale, wie dies bei manchen 
Lejitophis -Arten ausnahmsweise, bei anderen constant vorkommt. 

Oberseite graugrün, manche Schuppen mit weissen und schwarzen Rändern, 
luf der Hinterhälfte des Körpers nur mit schwarzen; diese dunklen Ränder bilden 
m Zusammenhange die Längsstreifen des Schwanzes (am deutlichsten ist der 
Streifen am Rande der Ventralen). Ein dunkler Schläfenstreifen vorhanden. 
Oberlippe und Kehle gelblich. Unterseite des Rumpfes grasgrün, gegen den 
Schwanz zu und auf dessen Unterseite blaugrün, dieser mit dunkler Längslinie 
n der Mitte. Halsseiten röthlichgelb, mit grossen dunklen Flecken am Rande 
ier Ventralen, die sich hinter dem ersten Rumpfviertel allmälig verlieren. (R.) 

20. Simotes arnensis Shaw. 

Drei ziemlich erwachsene Exemplare. Scheint die häufigste Simotes -Art 
2ej\ons zu sein. (R.) 

21. OUgodon sublineatus DB. (R.) 

22. Bipsas ceyloneyisis Gthr. (R.) 

Z. B. Ges. Bd. XLA^I. 2 



10 



Franiz Werner. 



Ein Exemplar. 7 — 7 Supralabialia, von denen wie bei dem seinerzeit er- 
wähnten mit 8 — 8 Supralabialen das dritte bis fünfte das Auge berührt. Prae- 
oculare 1. Postoculare 2. Temporalia 2 + 3, 3 + 4, das mittlere der ersten Reihe 
vertical halbirt. 

23. Bungarus coeruleus Schneid. (R.) 

Oberseite graugrün mit kleinen weissen Flecken, die meistens in paarigen 
Ringen angeordnet sind. Bauchseite einfarbig w^eiss. Sq. 15, V. 199, A. 1, Sc. 40. 

24. Naja tripudians Merr. (R.) 

Junges, rothbraunes Exemplar; unten lichter, Kehle gelb. Schu])pen- 
formel: Sq. 22 (Hals), 19 (Rumpf), V. 171, A. 1, Sc. ^% + l. 

25. Vipera russeUii Shaw. (R.) 

26. Äncistrodon hypnale Merr. (R.) 

Mehrere Exemplare. Wie bei Psammodynastes pulverulentus (s. Seite 19) 
sind die mehr rothbraun oder gelbbraun, die 9 mehr graubraun oder grau- 
schwarz. Ein trächtiges 9 enthielt sechs Junge, welche die Färbung des 9 
und deutliche Zeichnung besassen, während die erwachsenen Exemplare meist 
fast einfarbig sind. 

27. Trimeresurus trigomcephalus Daud. 

Ein schönes, halbwüchsiges Exemplar, im Gegensatze zu dem im früheren 
Verzeichnisse beschriebenen blaugrünen Exemplar gelbgrün gefärbt {(^). Sq. 17, 
V. 151, Sc. «Vei + l. Oberlippenschilder 10— 10. (R.) 

28. Rana hexadactyla Less. (R.) 

29. Ichthyophis glutinosus L. (S.) 

B. Sunda- Inseln. 

Die nachfolgend verzeichneten Arten stammen von Borneo (Museum Berlin), 
Sumatra (M. B., ferner von Herrn W. Schlüter, G. Redemann, Dr. Aden- 
samer und G. Schneider) und schliesslich von Java (Buitenzorg, wenn nicht 
anders angegeben: Dr. Aden sanier und Prof. v. Gr äff, ferner vom Museum 
Berlin). 

I. Clieloiiia. 

1. Cyclemys amhoinensis Daud. 

Kopf eines gro.ssen und ein junges Exemplar. — Sumatra. (M. B.) 

2. Geoemyda spinosa Gray. (Blngr., Cat., p. 137.) 
Ein junges, schönes Exemidar. — Borneo. (M. B.) 

3. Trionyx suhplanus Geollr. (Blngr., Cat., p. 240; R. B. 1., p. 11.) 
Ein altes und ein Embryo mit Dottersack (G.), sowie zwei junge Exem])lare 

(A.) dieser Art (alle von Java), welche sich von der folgenden schon durch die 
Zeichnung des Kopfes (braun mit einer dunklen Linie von der Schnauze zum 
Auge und von da schief über die Scliliifo herunter, ein WinkelHecken auf d(^in 
Hint«'rk<.pf - Spitze nach \mu — , Sclieukel parallel zum Schläfenstreifen, ferner 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Kegion. 



11 



eine diesen Winkel halbirende Längslinie) leicht unterscheiden lassen. Halsseiten 
gelbbraun, scharf von der braunen Nackenfärbung abgesetzt. 

4. Trionyx cartilacjineus Bodd. (Blngr., Cat., p. 253; R. B. I., p. 15.) 
Zwei grössere Exemplare von Java (A.), ein junges von Sumatra (M. B.). 

Kopf oben und unten braun mit gelben Flecken. 

II. Saiiria. 

5. Gymnodactylus marmoratus Kühl. 

Java. (A., G.) Ein Exemplar (M. B.), welches ich als var. quadrilineatiis n. 
abtrennen möchte, unterscheidet sich vom Typus durch das stark ausgerandete, 
des Längseinschnittes entbehrende Rostrale und durch die Zeichnung, die aus vier 
dunkelbraunen Längsstreifen besteht, von denen die äusseren beiden am Hinter- 
rande des Auges beginnen. Zwei Paar Kinnschilder, das äussere sehr klein. Keine 
Grenzreihe von Tuberkeln gegen die Ventralgegend. Vielleicht n. sp. — Sumatra. 

6. Gymnodactylus lateralis ii. sp. (Taf. I, Fig. 4.) 

Aus der Gruppe des Gymnodactylus pulchellus Gray, aber die Hautfalte 
an jeder Seite des Rumpfes stark und ungleichmässig gezähnelt. Kopf gross, 
vorn zugespitzt mit starker longitudinaler Längsfurche. Oberseite mit sehr kleinen 
Granulae, die auch auf der Schnauze nicht grösser sind, und kleinen, glatten 
oder schwach konischen Tuberkeln. Rostrale oben ausgerandet, gross, polygonal 
(neuneckig), Nasenloch zwischen dem Rostrale, dem ersten der 11 Supralabialia 
und fünf kleineren Schild chen. 10 Sublabialia, Mentale etwa fünfeckig, 2—3 Kinn- 
schilder, die innersten am grössten und hinter dem Mentale in Contact. Kehl- 
schuppen sehr klein, Bauchschuppen ziemlich klein, sonst wie bei pulchellus. 
Durchmesser des Auges kleiner als seine Entfernung von der OhrölFnung, die 
schief, rundlich und von kaum Vs Augendurchmesser ist. Oben graubraun mit 
zwei undeutlichen helleren Längsstreifen, zwischen denen zwei Reihen grosser, 
runder, dunkelbrauner, hell geränderter Flecken. Schwanz mit wirtelig gestellten 
stachelförmigen Tuberkeln (sechs in einem Wirtel) und vier breiten dunkelbraunen 
Ringen. Länge 140 mm (Schwanz 75 mm). — Sumatra. (M. B.) 

7. Hemidactylus frenatus DB. 

Java. (A., G.) Jedenfalls die häufigste Geckonidenart Javas ausser der 
folgenden. 

8. Gehyra mutilata Wiegm. 

Zahlreiche Exemplare, meist (namentlich die Jungen) mit hellen, häutig 
iunkel geränderten Fleckchen, wie dies auch Boettger (Herpetol. Mittheil, in 
29.-32. Bericht des Offenb. Ver. für Naturk., S. 115) angibt. Die reproducirten 
Schwänze sind weit dicker und breiter als die ursprünglichen, mitunter mit zahl- 
reichen dunklen Flecken, Seitenkante weniger scharf. Die ursprünglichen sind an 
ier Spitze weiss geringelt. (A., G.) 

9. Gehyra oceanica Less. (Blngr., Cat. Liz., I, p. 152.) 

Neu für die Sunda-Inseln (Sumatra), bisher nach Westen nur bis zu den 
Molukken bekannt. Das vorliegende Exemplar ( 9 ) unterscheidet sich von typischen 

2* 



12 



Franz Werner. 



Stücken nur dadurch, dass das Rostrale oben nicht ausgerandet ist. 12—12 Ober-, 
10—12 Uuterlippenschilder. Das vertical elliptische Nasenloch wird vom Rostrale, 
ersten Supralabiale und vier Schildchen begrenzt, von denen das über dem Rostrale 
liegende das grösste ist. Oben hellgrau mit schwarzen Flecken und Längs- 
streifen. (M. B.) 

10. Spatlioscdldbotes mutilatusQdhY. (Blngr., Cat., I, p. 157, PI. XIII, Fig. 1.) 
Ein ganz typisches Exemplar von Nord-Borneo (M. B.), ein zweites von 

Java (A.), ein drittes von Sumatra (R.). Eine durch den langgestreckten Körper 
sofort auffallende Form. 

11. Gec'ko stentor Caut. (Blngr., Cat., I, p. 184.) 

Ein grosses Exemplar (145 -f- 115 m??i), welches keine weissen Querbinden, 
sondern nur einzelne weisse Tuberkeln besitzt. — Sumatra. (M. B.) 

12. Gecico verticillatus Laur. — Java. (A., G.) 

13. Ptychozoon homalocephalum Crev. — Java. (A., G.) 

14. Draco volcins L. — Java (A., G., M. B.), Sumatra (S.). 

15. Gonyoceplialus Icuhlii Schleg. — Zwei aus Java. (M. B.) 

16. Gonyocephalus heyschlagi Bttgr., Herpet. Mittheil, in 29. — 32. Bericht 
des OflFenb. Ver. für Naturk., 1892, S. 104. 

Ein erwachsenes dieser schönen Art (Sumatra), ganz typisch. Tym- 
panum elfeubeinweiss. Länge 375 mm (Schwanz 270 mm). (Taf. I, Fig. 5.) 

17. Calotes cristatellus Kühl. — Sumatra. (M. B.) 

18. Calotes jiihatus DB. — Java. (A., G.) 

19. Varanns sdlvator Laur. — Java (A., G.), Sumatra (S.), Nord-Borneo 
(M. B.). 

20. Varanus dumerüii Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 312.) 

Ein junges Exemplar dieser an den grossen Nackenschuppen sofort kennt- 
lichen hübschen Art. — Sumatra. (S.) 

21. Tachydromus sexlineatus Daud. — Java. (A., G., M. B.) 

22. Mahuia multif asciata Kühl. — Java. (A., G., M. B.) 

Die unter Nr. 5, 7, 8, 12—14, 18, 19, 21, 22 und 25 angeführten Eidechsen- 
arten sind geradezu charakteristisch für die Umgebung von Buitenzorg auf Java. 
Die Eidechsenfauna dieser Gegend ist ärmer als die Schlangenfauna, wir finden 
unter den massenhaft auftretenden Mabuien und Calotes stets nur die eine Art, 
so da.ss eigentlich die Zahl der in dieser sonst so üppigen Tropenfauna gemeineren 
Arten nicht grösser ist, als die von Oesterreich-Ungarn. 

23. Mabuni quinquecarinata ii. sp. 

Nahe verwandt der Mahuia multicarinata Gray, mit 28 Schuppenreihen 
um die Rumpfmitte, die dorsalen und lateralen mit fünf sehr starken Kielen. 
Das erste Frenale i.st kaum halb so ])reit, aber um ein Driltel höher als das 
zweite. Kein Post nasale. Siipranasalia durch das Frontonasale getrennt, welches 
etwas länger als breit ist. Hinterbeine reichen trotz der kurzen Zehen mit der 
vierten Zehe zur Achselhöhle. Oben dunkelbraun mit sieben schmalen weisslich- 
gelben Läugsstreifen. Rumpfseiten und Unterseite der Extremitäten rothbraun. 
Extremitüt^-nschuppen 2— 3 kielig. Unterseite sclimutzigweiss, Kehle jnit einigen 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 



13 



dimklen Punkten. Länge 58 + 116 ww. Vorderextremität 21 mm, Hinterextremität 
27 min. — Sumatra. (M. B.) 

24. Lygosoma (Himilia) paradoxuni u. sp. (Taf. I, Fig. 3.) 
Diese neue Art ist namentlich durch die Länge ihrer Hinterbeine, die mit 

der vierten Zehe bis zwischen Auge und Ohröffmmg reichen, durch die auffallende 
Kürze der ersten und fünften Zehe und die Länge der vierten Zehe ausgezeichnet. 
Verhältniss der Zehenlängen (mit Kralle) von 1—5 2'5 : 4'5 : 7*5 : 16 : 3. Femur 12, 
Tibia 12 mm. Totallänge der hinteren Extremität 47 mm, der vorderen 20 mm. 
Kopfrumpflänge 63 mm (Schwanz abgebrochen). 

Ohrötfnung ohne Läppchen, ziemlich gross, fast vertical elliptisch. Fronto- 
nasale bildet mit dem Eostrale eine lange Sutur. Fünf Supraocularia, die ersten 
drei in Berührung mit dem Frontale; zwei vordere Frenalia übereinander stehend. 
Frontopa rietalia deutlich. Schuppen glatt, die der Seiten kleiner als die des 
Kückens und Bauches. Kopf lacertenartig. Unterseite der 2. — 4. Zehe mit zahn- 
artig vorspringenden, scharfkantigen Schuppen in einer Reihe, die unter den 
Gelenken besonders gross. Oben rothbraun, mit heller braunen, an den Seiten 
weisslichen Flecken und Querbinden; unten schmutzigweiss. Extremitäten und 
Schwanz gelblich. Schwanzunterseite mit einer Reihe quer erweiterter Schilde. 

— Sumatra. (M. B.) 

25. Lygosoma (Keneuxia) olivaceiim Gray. 

Mit zahlreichen olivenbraunen Längsstreifen, die durch die dunklen Ränder 
der Dorsal- und Lateralschuppen entstehen; nur ein junges Exemplar besitzt 
deutliche Querbinden, die bei den erwachsenen nur im Nacken angedeutet sind. 

- Java. (A., G.) 

26. Lygosoma (Liolepisma) noctua Less. 

Diese Art ist von Boulenger in seinem Catalog (I, p. 256) nicht von den 
Sunda-Inseln erwähnt; doch liegt mir ein Exemplar aus Sumatra (R.) vor und 
habe ich ein zweites aus Java im Wiener Museum gesehen. 

27. Lygosoma (Homolepida) temmincJci DB. — Sumatra. (R.) 

28. Lygosoma (Lygosoma) chalcides L. — Sumatra. (R.) 

III. Opliidia. 

29. Typhlops Uneatus Boie typ. und var. sumatrana n. 

Diese Varietät unterscheidet sich vom Typus (der von Java in der Coli. A., 
G. und M. B. vertreten ist) durch 24 Schuppenreihen um den Körper, durch die 
andere Form der Mundspalte (mehr U-förmig, also mit parallelen Seitenräudern, 
bei Uneatus mehr V-förmig, also mit divergirenden Rändern). Färbung fahlgelb 
mit undeutlichen Längslinien; 320 mm lang, davon 7 mm, also V45 f^uf den 
Schwanz. (S.) Vielleicht n. sp. 

30. Typhlops hraminus Daud. — Java. (A.) 

31. Python reticulatus Schneid. — Java (A.), Unter-Langkat, Sumatra 
(M. B.). 

32. Cylindrophis rufus (Laur.). — Java. (A., G., M. B.) 



14 



F r a u z We r n e r. 



33. Xenopeltis unicölor Reinw. 

Je zwei alte und junge Exemplare von Sumatra. (R., M. B.) 
Scbuppenzahlen : V. 173,169,171, Sc. 1 + ^e/ae + 1, l+'^/so+l, l + ''/26+l. 

34. Polyodontophis geminatus Boie. 
Ein Exemplar, (j^. (A.) 

Sehuppeuformel: Sq. 17, V. 164, A. Vi, Sc. %3 + • • • 

35. Tropiäonotus triangiiUgerns Boie. 

Das grösste Exemplar, zugleich das grösste bisher von mir gemessene 
(Coli. G.) ist 104 lang. Dieses und noch ein anderes grosses ist wegen seiner 
lebhaft rothen, grossen Lateralflecken bemerkenswerth. Die Art gleicht mitunter 
sehr dem Tropiäonotus piscator und dem ceylonensischen Tropiäonotus asper- 
rimus, lässt sich aber durch den Mangel der beiden, diesen Schlangen fast immer 
zukommenden Streifen (unter und hinter dem Auge) auf den ersten Blick unter- 
scheiden (eine seltene Ausnahme siehe bei Boettger, Herpet. Mitth., S. 131). 

36. Tropidonotus piscator Sehn. var. melanozosta Boie. (Blngr., Cat. 
Snakes, I, p. 232.) 

Scheint seltener zu sein als ihre ceylonesische Verwandte; zwei junge Exem- 
])lare aus Sumatra. (R.) 

37. Tropidonotus vittatus (L.). — Java. (A., G.) 

38. Tropidonotus suhminiatus Schleg. 

Java. (A., G.) In der Jugend mit schön gelbrothem Halsband, deutlich 
längsgestreift, im Alter fast einfarbig werdend. 

39. Tropidonotus chrysargus Schleg. 

Zwei schöne Exemplare von Sumatra. (M. B.) 

Schuppenformel: I. Sq. 17, V. 139, A. Vi, Sc. "/ei + l. 

IT. Sq. 17, V. 141, A. Vi, Sc. «Vg8+1. 
Oben dunkel graugrün mit zwei Reihen runder heller Flecken (den Läugs- 
streifen von suhminiatus und maculatus entsprechend). 

40. Tropidonotus maculatus Edeling, Ncderl. Tijdschr. Dierk,, II, 1864, 
p. 203. — Blngr., Cat. Snakes, I (1893), p. 260. 

Es liegen mir mehrere Exemplare dieser grossaugigen und langschwänzigen 
Tropidonotus -Kri vor. Frontale etwas länger als sein Abstand von der Schnauzen- 
spitze. Oberseite braun mit 2— 4 Reihen quadratischer .schwarzer Flecken ; zwischen 
dor äusseren und mittleren P'lcckeureihe ein heller Längsstreifen wie bei Tropi- 
donotus suhmiuiutuH. Halsseiten mit gro.ssen schwarzen Flecken. Ko])f oben mit 
schwarzen Punkten und Verniiculationen, Unterseite hellgelb. Iiiuterränder der 
Veutralen an den Seiten schwärzlich. Eine .sehr ähnliche Form von Tropidonotus 
trianguUgcrus kommt neben dieser Art auf Sumatra voi-. 

I V. 11.''), Sc. 110. Länge HUO mm, davon 315 mwi auf den Schwanz. 



II 


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IV 


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Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Kegion. 



15 



Y. V. 149, Sc. 107. Länge 600 ww, davon 220 min auf den Schwanz. 
VI. „ 156, „ 59-f . . . 

I — VI von Ünter-Langkat, Sumatra. (M. B.) 
VII. V. 150, Sc. 102. (Sumatra, S.) 

41. 3Iacropisthodon flaviceps DB. — Sumatra. (M. B., S.) 

42. Macropisthodon rhodomelas Boie. 

Ein erwachsenes Exemplar. Internasalia so lang als Praefrontalia; Frontale 
wenig länger als hreit. 1 Praeoculare, 1 Suhoculare jederseits (erstere zur Hälfte 
getheilt ), 2 — 3 Postocularia, 2 + 3 Temporalia, 8 Supralabiale (4. und 5. das Auge 
berührend). Die Ventralen (139) beginnen gleich hinter den hinteren Rinnen- 
schildern. Subcaudalpaare 45. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.) 

43. Lycodon aulicus (L.). 

Nur ein Exemplar in der Coli. A. Diese auf Ceylon gemeine Schlange 
scheint auf den Sunda-Inseln nicht häufig zu sein. 

44. Lycodon effrenis Cant. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 356.) 

Ein erwachsenes Exemplar, einfarbig braun. Ventralen 221, Subcaudal- 
paare 37 -r . . . 10 Oberlippenschilder, 3. — 5. das Auge berührend. — Sumatra. (R.) 

45. Lycodon subcinctus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 359.) 

Ein Exemplar mit sechs deutlichen hellen Querbinden (die im Nacken 
eingerechnet). (R.) Die Jungen sind denen von Bungarus semifasciatus sehr 
ähnlich (Mimicry?). 

Schuppenformel: Sq. 17, V. 214, A. Sc. '^e + l- 

46. Zaocys tornieri n. sp. (Taf. I, Fig. 1.) 

Unterscheidet sich von allen anderen Zaocys -Arten dadurch, dass sie nur 
12 Schuppenreihen besitzt. Von den drei anderen Arten, welche nur ein Frenale 
besitzen, ist diese Art durch neun Supralabialia (fünftes und sechstes das Auge 
berührend), von Zaocys dhumnades ausserdem durch die grössere Zahl der Sub- 
caudalen (131), von Zaocys nigromarginatus und luzonensis dadurch, dass zwei 
Mittelreihen von Schuppen sehr stark gekielt sind, zu unterscheiden. Ausserdem 
besitzt die Art bedeutend weniger Ventralen als die anderen, nämlich nur 146. 
Die Kielung der beiden Mittelschuppenreihen erstreckt sich nur auf die Schwanz- 
basis, der grösste Theil des Schwanzes ist mit vollkommen glatten Schuppen 
bedeckt. Internasalia so lang als Praefrontalia. Rostrale doppelt so breit als 
hoch. Frontale etwas länger als vorn breit, so laug als sein Abstand von der 
Schnauze, etwas kürzer als die Parietalia. Frenale länger als hoch. Kein Suh- 
oculare, zwei Postocularia. Temporalia 1 -f 1. Oben braun, Kopfseiten gelbbraun, 
Unterseite grünlich; Unterseite des Schwanzes mit schwärzlicher Längsmittel- 
linie. Totallänge 1130 mm, Schwanz 410 mm. — Sumatra. 

Ich habe diese neue Art Herrn Dr. G. Tor nie r, Custos am kgl. Museum 
für Naturkunde in Berlin, zu Ehren benannt. 

47. Zamenis korros (Schleg.). — Java. (A., G.) 

48. Xenelaphis hexagonotus Cant. (cT). 

V. 187, Sc. i""/ioo + l. — Sumatra. (M. B.j 



16 



Franz Werner. 



49. Coluber oxycephalus Boie. 

12 Exemplare. Java (A., G.), Sumatra (S., M. B.). Im Magen von zweien 
fanden sich Reste kleiner Vögel und Fledermäuse. — Schuppenformel : 

I. cT. Sq. 23 (24), Supralabialia 8—8, das letzte sehr gross (5. und G. unter 

dem Auge), Sublabialia 13—13, V. 247, A. Vi, Sc. + 
II. ö^- Sq. 25, Supralabialia 10—10 (6. und 7. unter dem Auge), Sub- 
labialia 13-14, V. 243, A. Vi, Sc. ^^Vm + l. 

III. 9 • Sq. 25, Supralabialia 9—9, das letzte sehr gross (G. und 7. unter dem 
Auge), Sublabialia 13— 14, V. Vi + 246, A. Vi, Sc. ^^Viaa + l. 

IV. Sq.25, Supralab. 8-8 ( 5.,6. u.d. A.), V. 249, A.Vi, Sc.i=^°/i3o + l. 
V. „ 25, „ 9-8 (6.,7.,5.,G. „ „ „ ), „ 247, „ Vi, . '%oü + • - 

VI. „ 25, „ 9-9 ( G.,7. „ „ „ ), „ 228, „ Vi, „ ''%8+l. 

VII. , 23, , „ 8-9 (5.,G.,6.,7. „ „ „ ), „ 234, „ Vi, „ ''Viss + l- 
VIII. „ 23 (25), „ 9-9 ( 6., 7.,, „ „ ), „ 232, „ Vi, „ ^%44+l. 
IX. „ 23 (24), „ 8-9 ( 5., 6. „ „ „ ), „ 222V2, „ Vi, „ ''V133+ 1- 
X. (Sumatra.) 9- Sq. 23, Supralabialia 9—10 (G. und 7, unter dem Auge), 
V. 23G, A. Vi, Sc. ^^Vi3i + 1. 

Bei II. sind die beiden Temporalia erster Ordnung vertical getheilt, 
Schwanz des 9 unten gelb, der der grauviolett mit zwei schmalen (I.) 
oder breiten (II.) gelben Längslinien an der Kaute. 

50. Coluber melanurus Schleg. 

Von den zahlreichen Exemplaren aus Sumatra (It., M. B., S.) ist ein grosses 
aus Nord-Borneo (M. B.) durch einfarbig graugrüne Oberseite und ölgrüne, auf 
der Hinterseite auf einen schmalen Streifen eingeengte Färbung des Bauches 
bemerkenswerth. Ein zweites (S.) ist vollständig schwanzlos, die Wunde ist aber 
ganz verheilt, scheint also dem Thiere gar nicht geschadet zu haben. Diese häufige 
Schlangenart Sumatras ist auf Java jedenfalls weit seltener, da in der grossen 
Collection v. Graff's kein einziges, in der noch grösseren von Adensamer nur 
ein junges Exemplar enthalten war. 

51. Coluber radiatus Schleg. (Blngr,, Cat. Snakes, II, p. 61.) 
Ein junges Exemplar. — Sumatra. (R.) 

52. Coluber taeniurus Cope. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 47.) 

Ein mittelgrosses Exemplar wurde von Herrn Dr. Adensamer aus einer 
Höhle auf Sumatra mitgebracht. Vorn einfarbig blaugrau, ohne Querbinden, 
Hinterhiilfte mit der ty])ischen Streifenzeichnung. 

Schuppenformel: Sq.25, V. 276, A. Vi, Sc. ^%o4+l- 

Supralabialia 7—9 (auf der einen Seite 5. und 6. Supralabiale zu einem 
breiten Scliilde vereinigt, ebenso das 8. und 9., daher 5., bezieluingsweise 5. und 
6, Supralabialc das Auge ]>erührend), rechts ein Suboculare. 

53. JJendrophis piclus Gmel. — Sumatra, Borneo (M. B.), Java (A., G.). 

54. Dendrophis formosus Boie. (Blngr., Cat., II, p. 84.) 
Supralabialen einmal 8 (.'{.— 5. unter dem Auge) und 9 (4. und G. unter dem 

Auge), Houöt immer 9; Sublabialen je einnuil 10—9, 10—11, zweimal 10—10. 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Begion. 



17 



Ein langes Schild begrenzt das 7. — 9. und theilweise auch das sechste Sublabiale 
von innen bei zwei Exemplaren, bei einem das 6. — 9. auf einer, das 7. — 10. auf 
der anderen Seite; bei einem vierten das 6. — 8. einer-, das 6. — 10. andererseits. 
Postocularia 2—4, Temporalia 2 + 2 beiderseits. 

Schuppenformel: Sq. 15. V. 184, 1-f Vi + 182, 188, 179, A. Vi, Sc. 

140/ 143/ 145/ _i_ 1 

/l40> /l43j /l45 ~ 

Mehrere Exemplare von Sumatra liT. B., S.), Borueo (M. B.), Java 
(A., G.). 

55. Dendrelaphis caudolineatus Gray. — Xord-Borneo. (M. B.) 

56. Sinwies purpurascens Schleg. (Blngr., Cat., II, p. 218.) 

Ein erwachsenes und ein junges Exemplar dieser hübschen Schlange, 
welche sich von typischen Stücken dadurch unterscheiden, dass die Intemasalsutur 
etwas kürzer ist, als die Praefrontalsutur und dass das Frontale nur wenig 
länger ist, als sein Abstand von der Schnauzenspitze. Bei dem grossen Exemplare 
links ein, rechts zwei Subocularia unter dem Praeoculare, so dass links das vierte 
und fünfte, rechts nur das fünfte der acht Supralabiale das Auge berührt. Tempo- 
ralia 2 — 3. 

Schuppenformel: G. V2, Sq. 21, V. Uu. A. 1, Sc. 53 + 1. 
Die Unterseite des Thieres, welches in mancher Beziehung eine gewisse 
Aehnlichkeit mit den Xenodon-Xvten der neotropischen Piegion aufweist, irisirt 
lebhaft. 

57- Simotes octolineatus Sehn. 

Var. A. Java. (G.) — Var. B. Unter-Langkat, Sumatra. iM. B. i 

58. Simotes signatus Gthr. 

Mehrere Exemplare dieser dem Siynotes suhcarinatus von Borneo in Färbung 
und Zeichnung sehr ähnlichen Art. — Unter-Langkat, Sumatra. iM. B.) 

59. OUgodon hitorquatus Boie. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 237.) 
Ein Exemplar von Tjibodas, eines von Buitenzorg auf Java. (A.) 

Schuppenformel: I. T. 166. A. 1. Sc. ^^33 + 1. 

II. V. 153, A. 1, Sc. ^Vsö+l. 

60. Allabes haliodirus Boie. — Sumatra, (M. B.) 

61. Abiahes longicaiida Ptrs. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 284.) 

Ein Exemplar dieser zu den langschwänzigsten Schlaugen gehörigen Art 
(Schwanz die Hälfte der Totallänge — 25 cm — einnehmend, was nicht einmal 
hei den langschwänzigen Baum- und Sandnatteru vorkommt). 2 Praeocularia, 
2 Postocularia, 7 Supralabialia. — Sumatra. (R.i 

Schuppenformel: V. 114, A. Sc. '''"- lo^-l. 

62. Pseudorhahdium longiceps Cant. (Blngr., Cat., II, p. 329.) 

Ein Exemplar mit prachtvollem blauen und gelben MetaUglanze. Ein 
gelbes Halsband und ein gelber Fleck hinter dem Mundwinkel. — Sumatra. (R. i 
Schuppenformel: Y. 146, A. 1. Sc. -*^-2.j — 1. 

63. Calamaria. vermiformis DB. 

Z. B. Ges. Bd. XL^^. 3 



18 



Franz Werner. 



Ein Exemplar. Oben einfarbig dunkel olivengrün, die beiden äussersten 
Schuppenreihen und Kehle gelb. Unterseite sonst auf dunklem Grunde gelb 
gefleckt. Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.) 

Schuppenformel: V. 163, A. 1, Sc. ^^/i9 + l. 

Ein zweites Exemplar von Sumatra. (S.) 

64. Calamaria sumatrana Edeling, Nat. Tijdschr. Nederl. Ind., XXX, 
1870, p. 379. — Blngr., Proc. Zool. Soc, 1890, p. 34; Cat. Snakes, II, p. 339. 

Ein junges Exemplar. V. 144, Sc. 22. Oben einfarbig braun, am Aussen- 
rande der Ventralen und der ersten Schuppenreihe je eine braune, durch einen 
gelben Zwischenraum getrennte Längslinie. Unterseite typisch. (R.) 

Ein zweites Exemplar dieser Art, gleichfalls aus Sumatra (M. B.), besitzt 
152 Ventralen, 22 Subcaudalpaare. Kopf oben fein dunkel punktirt, sonst wie 
das andere Exemplar. 

65. Calamaria virgulata Boie. (Blngr., Cat., II, p. 340—341.) 
Vier Exemplare der Var. C. — Java. (M. B.) 

66. Calamaria pavimentata DB. var. semidoliata n. (Blngr., Cat., II, 
p. 348.) 

Oben röthlichbraun, jede Schuppe dunkel gerändert, mit 23 schwarzen Quer- 
biuden von der Breite zweier Schuppenquerreihen und im Abstände von etwa sechs 
Reihen, unten schmutziggelb mit vereinzelten schwarzen Flecken. Anscheinend 
neu für Sumatra. (R.) 

Schuppenformel: V. 139, A. 1, Sc. ^o/^^ + i. 

67. Calamaria anceps n. sp. 

Eine der schlanksten Calamarien mit 210 Ventralen und 9 Subcaudalen- 
]»aaren. Das vorliegende Exemplar ist 291 mm lang, wovon 7 mm auf den Schwanz 
entfallen. Durchmesser 4 mm, Supralabialia fünf, von denen das dritte und vierte 
das Auge berührt. Das Frontale ist länger als breit, mehr als doppelt so breit 
als ein Supraoculare ; das erste Sublabiale berührt das der anderen Seite hinter 
dem Mentale (Symphysial). Je ein Prae- und Postoculare vorhanden. 

Kopf und vordere Rumpfhälfte hellbraun, hinten ins Dunkelbraune über- 
gehend, mit blauem Metallschimmer; eine Kopflänge hinter dem Mundwinkel 
und über der Aftorspalte je ein hellgelbes Querband, wodurch auf den ersten 
Blick die Untorsclieidung von Kopf und Schwanz nicht leicht ist. Hinter dem 
vorderen Halsband Ijemerkt man auf dem Rücken sechs Längslinieu, nach aussen 
davon eine Zickzacklinie, ausserhalb dieser eine Punktreihe jederseits; diese Zeich- 
nungen werden in der hinteren Körperhälfte unkenntlich. Die Schuppen der drei 
äus.sersten Reihen besitzen je einen hellen Mittelpunkt. Oberlippe und Unterseite 
hellgelb, Schwanz mit schwarzer Mittellinie auf der Unterseite. 

Von der verwandten Calamaria hicolor DB. lässt sich die Art sofort durch 
<lie zahlreicheren Ventralen und weniger Subcaudalen, die weit geringere Scliwanz- 
lauge (Vii, bei Calamaria hicolor etwa Vü <Jc'' Totallänge) und die Färbung 
Mit. I rheiden. 

'iS CalanKin« Linnnci JJuic (iilngr., (Jut,, 11, p. 315.) 



Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Begion. 



19 



Eines der vorliegenden zahlreichen Exemplare ( A.. G.. M. B. i. sehr jung, 
stimmt in der Grösse des Eostrale mit Cdlamaria horneensis überein. hat aber 
nur 140 Ventralen, ist auch sonst eine typische Calamaria Linnaei. 

69. Dijysas dendrophila Eeinw. 

Mehrere Exemplare in verschiedenen Altersstufen, von denen das grösste 
(welches zugleich das längste bisher von mir gemessene ist ) 212 m lang ist. Die 
Färbung variirt innerhalb der ihr gesteckten Grenzen nicht unbeträchtlich, indem 
die gelbe Zeichnung bald mehr, bald vreniger zurückgedrängt ist. — Sumatra 
(M. B ), Java (A.). 

70. Dipsas cmodon Cuv. (Gthr., Cat. Col. Snakes, p. 168.' 

Ein und ein Q dieser schönen, bekanntlich einen auffallenden Dimor- 
phismus der Geschlechter in der Färbung zeigenden Baumschlange. Das hatte 
einen noch wohlerhaltenen Vogel im Magen. — Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.) 

71. Dipsas hoops Gthr., 1. c, p. 179. — Ein junges Exemplar. Sumatra. (M.B.) 

72. Dipsas multimaculata Pieinw. (Gthr., 1. c. p. 169.) — Java (G.i, Su- 
matra (ß.). 

73. ChrysopeJea ornata Shaw. — Sumatra. (M. B.) 

74. ChrysopeJea rubescetis Gray. (Gthr., 1. c, p. 145.) 

Zwei schlecht erhaltene Exemplare dieser Schlange, die in der Form und 
in der Zeichnung des Kopfes lebhaft an gewisse Psammophis-Xrten erinnern. 
— Unter-Langkat, Sumatra. (M. B.) 

75. Psammodynastes pidcerulentus Boie. 

Zahlreiche Exemplare. Nach dem vorliegenden Materiale scheinen die cf 
wie bei Ancistrodon hypnale mehr helle, braune, die durch die Eier enorm ange- 
schwollenen 9 düstere, graue Färbung zu besitzen, wie dies unter den einheimi- 
schen Arten bei Coronella austriaca der Fall zu sein pflegt. — Sumatra. (M. B.. S.) 

76. Psammodynastes pictus Gthr. 

Ein Exemplar (G. Schneider). 7 Supralabialia, davon auf einer Seite das 
2., 3 und 4. (drittes sehr schmal) unter dem Auge; auf der anderen Seite 8 Supra- 
labialia, davon das 3- und 5. unter dem Auge, das 2. und 4. nicht den Ober- 
lippenrand erreichend. 3 Postocularia, 2-7-2 Temporalia. Vordere und hintere 
Kinnschilder durch die an der Kinnfurche zusammenstossenden vierten Sublabialia 
getrennt. Hinter dem vierten Sublabiale und hinteren Einueuschild. nach aussen 
noch vom fünften Sublabiale begrenzt, ein grosses Schild. 

Schuppenformel: Sq. 17, V. 164. A. 1, Sc. r 

77. Dryophis prasinus Boie. 

Unter-Langkat, Sumatra (M. B.I, Java (A., G.). Unter den vorliegenden 
Exemplaren befinden sich ein oberseits olivenbrauues Exemplar und eines mit 
rosenrother Bauchseite. Auch sind bei jüngeren Exemplaren die Schuppenränder 
namentlich in der Halsregion schwarz oder weiss. 

78. Homalopsis huccata L. 

Ein sehr grosses 9 Sumatra (R.), 25 vollständig entwickelte Junge 
enthaltend; ausserdem noch zahlreiche Exemplare aus Sumatra iM. B.i und Java 



20 



Franz Werner. 



(A., G.), jungeu alle hell gelbbraun mit schwarzen, ältere graubraun oder 
graugrün mit dunkelbraunen Zeichnungen. 

79. Hypsirhina enhydris (Sehn.). 

Ein altes Exemplar mit mehreren anscheinend neugebornen Jungen. (A.) 

80. Hijpsirhina phmhca L. — Sumatra. (M. B.) 

81. Naja tripiidians Merr. — Unter-Langkat, Sumatra (M. B.). 

82. Naja sputatrix Reinw. 

Ich rechne ein junges Exemplar einer Naja zu dieser Art, welche ich für 
eine solche halte, die früher oder später eingezogen und als Varietät zu Naja 
tripndians gestellt werden wird, da ich bereits mehrere Exemplare zu untersuchen 
Gelegenheit hatte, die manche Charaktere von Naja tripudians, manche wieder 
von sputatrix besitzen, also bei dem relativen Charakter dieser Merkmale als 
eomplete Uebergangsformen gelten können. Auch das vorliegende Exemplar besitzt 
zwar 24 Schuppen um den Hals und 19 um den Rumpf, aber drei ungetheilte 
und 46 getheilte Subcaudalia, was mir für die Art charakteristischer zu sein 
scheint, als die Zahl der Schuppenreihen. 

Ein zweites Exemplar, welches ich sonst zu Naja tripudians Merr. var. 
atra Cant. rechnen würde, besitzt 22 Schuppen um den Hals, 17 um die Rumpf- 
mitte und 48 Subcaudalenpaare. Ein drittes besitzt 23 Schuppen um den Hals, 
17 um die Rumpfmitte, sowie 50 Subcaudalenpaare, also beide Exemplare keine 
unpaaren Subcaudalia; das erste Exemplar wäre also wegen der unpaaren ersten 
Subcaudalen, die beiden anderen wegen der niedrigen Schup])enreihenzahlen zu 
sputatrix, ersteres aber wegen der höheren Schuppenzahlenreihen, letztere wegen 
der durchwegs getheilten Subcaudalen zu tripudians zu rechnen. 

83. Naja bungarus Schleg. 

Haut zweier erwachsener Exemplare, wovon das eine, vollständige, 8'40m 
lang ist. Kopflänge bis zum Hinterrande der Postparietalia bei einem Exem])lar 
7 5 cm, beim anderen 6 5 cm. — Sumatra. (M. B.) 

Ferner ein junges Exemplar (G. Schneider): Supralabialia 7, 3. und 4. 
unter dem Auge. Praeocularia 1, Postocularia 3, Temporalia 2 + 2 + 2 (die obersten 
der ersten und zweiten Reihe verschmolzen). 

Schuppenformel: Sq. 19 (Hals), 15 (Rumpf), V. 255, A. 1, Sc. 7 + «•'^/oa + 1 • 

84. Bumjarus fasciatus (Schneid.) 

Eines der vorliegenden Exem])lare hatte einen noch wohlerhaltenen Tropi- 
(loiiütus rittaius von relativ bedeutender Grösse und Dicke in sich, Java. (A., 
G., M. B.) 

85. Jiunffnrns semi fasciatus Kühl. — Java. (A., G., M. B.) 

86. Adrniophis hirirfiaius Boie. 

Drei Exeinpbire der l)laug(!streifjen Varietät. — Sumatra. (M. B.) 

87. Adcitiophis intestinalis i/uir. 

Fiirbiing vr-rseliieden von der gewöhnlichen, oben braun mit zwei dorsalen 
und zwei Iiis vier lateralen Liingslinien ; keine helle Spinallinie (am Schwanz (nni; 
Kolcbe). Keine gabelförmij^e Koi»fzeichnung; 2—4 subcaudalo Querbinden. — 
Sumatra. (M. H.) Kiii Ex' iiij)l;ir von Java (G ) norjn;il gefärbt. 



Zweiter Beitrag zwr Herpetologie der ihdo-orientalischen Region. 



21 



88. Callophis gracilis Gray. (Günther, Cat. Col. Snakes, p. 230.) 

Ein Exemplar dieser ausserordentlich schlanken Elapide. Länge 690 wm 
(Schwanz 25 mm). Oben graubraun mit einem medianen und je drei lateralen 
schwarzen Längsstreifen und schwarzen Querbändern, zwischen denen je eine 
Verdickung des Spinalstreifens liegt. — Sumatra. (R.) 

Schuppenformel: Sq. 13, V. 311, Sc. 22/22 + 1. 

89. Megaerophis flaviceps Reinh, — Sumatra. (R.) 

90. Amblycephalus carinatus Schleg. 
Unter-Langkat, Sumatra (M. B.), Java (A.). 

91. Ancistrodon rJiodostoma (Reinw.). 

Nach dem Mageninhalte eines Exemplares zu schliessen, frisst diese Gift- 
schlange auch Frösche (Bana). (A., G.) 

92. Trimeresurus Wagleri Schleg. 

Ein junges und ein erwachsenes Exemplar; letzteres (9) 157mm lang, 
Schwanz IIb mm, Kopflänge 46 mm, Kopfbreite 35 Kopfhöhe 24 Supra- 
labialia 10—10. (S.) 

Schuppenformel: Sq. 26, V. 143, Sc. ^^/ss + l- 
Ferner weitere vier Exemplare, wie vorige aus Sumatra. (M. B.) 
L Supralabialia 10 — 9 (das dritte und vierte, bezw. dritte durch zwei, das fünfte, 



bezw. vierte durch drei Schildchen vom Auge getrennt). 





Schuppenformel : 


Sq. 25, 


V. 


142, 


A. 


1, 


Sc. 




IL 


Supralabialia 8 — 8. 


















Schuppenformel : 


Sq. 23, 


V. 


142, 


A. 


1, 


Sc. 


%3+l. 


in. 


Supralabialia 9—9. 


















Schuppenformel : 


Sq. 23, 


V. 


140, 


A. 


1, 


Sc. 


^^/52+l. 


IV. 


Supralabialia 10 — 9. 


















Schuppenformel : 


Sq. 25, 


V. 


139, 


A. 


1, 


Sc. 


^750+ 1. 



93. Trimeresurus gramineus Shaw. 

Ein schönes, mittelgrosses Exemplar; Supralabialia 10 — 11, das zweite die 
vordere Begrenzung der Zügelgrube bildend, wie die beiden unteren der drei 
langen Praeocularen die hintere. Oben prachtvoll einfarbig grün, unten heller, 
eine gelbe Längslinie auf der äussersten Schuppenreihe. — Sumatra. (M. B.) 
Schuppenformel: Sq. 21, V. 163, A. 1, Sc. "/77 + I. 

Diese Art kommt also neben dem nahe verwandten Trimeresurus formosus, 
von dem ich ein Riesenexemplar von Sumatra gesehen habe, vor. 

lY. Batracliia. 

1. Oxyglossus lima Tsch. 

Ein grosses Exemplar aus Java. (A.) 

2. Bana macrodon Tsch. 

Zwei Exemplare, ohne gelbe Rückenlinie. — Java. (A., G.) 

3. Ba7ia tigrina Daud, 



22 



Franz Werner. 



Zahlreiche Exemplare, davon mehrere oberseits ganz einfarbig olivenbniun. 
- Java. (A., G.) 

4. Bana limnocharis Wiegm. 

Dieser Frosch ist von der ähnlichen, aber grösseren Hana tigrina stets 
leicht durch das Vorhandensein eines deutlichen äusseren Metatarsaltuberkels und 
die kürzeren Schwimmhäute der Zehen zu unterscheiden. Auch ist der gelbe 
Eückenstreifen stets sehr schmal (bei Bana tigrina dagegen breit), die dunklen 
Eückenzeichnungen sehr deutlich; Einfarbigkeit der Oberseite ist selten. Die gelbe 
Längslinie auf der Oberseite der Hinterbeine kommt bei Bana limnocharis wie 
bei tigrina vor. Die dunkle W- förmige Zeichnung der Kehle der männlichen 
limnocharis konnte ich bei tigrina nicht beobachten. Die Längsfalten des Rückens 
sind bei limnocharis mehr scharf, bei tigrina aber abgerundet, — Java. (A., G.) 

5. Bana chalconota Schleg. 

Die vorliegenden Stücke haben dieselben Eigenthümlichkeiten wie die von 
Boettger (Herpet. Mitth., S. 141) erwähnten. 

6. Bana erythraea Schleg. 

Ein junges Exemplar aus Java (A.), ein grosses aus Sumatra (M. B.). 

7. Bhacophorus reinwardtii^^gl. (Blngr., Cat., p. 88.) 

Von den vier Exemplaren fehlt der schwarze Achselhöhlenfleck einem voll- 
ständig, dem anderen links. Oberseite blaugrau, bezw. violett, Seiten gelbgrün. 
Interorbitalraum deutlich breiter als das obere Augenlid (siehe auch Boettger, 
Herpet. Mitth., S. 141). Nur das jüngere Exemplar hat einen dunklen Fleck 
zwischen der zweiten und dritten Zehe, die älteren nur zwischen der fünften 
und vierten, sowie vierten und dritten Zehe. 

8. Bhacophorus leucomystax (Gravh.) typ. und var. sexvirgata Gravh. 
(Blngr., Proc. Zool. Soc. London, 1889, p. 29; R. B. I., p. 474). 

Java (A, G.) und Nord-Borneo (M. B.). 

9. Iihaco2}hoi'us chiropterus ii. sp. (Taf. I, Fig. 2.) 

Gaumenzähue in zwei etwas schiefen, durch einen bedeutenden Zwischen- 
raum getrennten Reihen nahe dem Vorderrande der Choanen. Tympanum ^j^ des 
Augendurchme.ssers. Nasenloch näher der Schnauzonspitze als dem Auge. Inter- 
orbitalraum etwa dreimal so breit als ein oberes Augenlid. Schnauze abgerundet, 
Sehnauzenkante deutlich. Finger mit ganzen Schwimmhäuten und kleinen Haft- 
scheiben; ebenso die Zehen. Ein starker Hautsaum an der Beugeseite der Vorder- 
extremität von der Scliultcr zur Handwurzel; sehr kleine Hautlappen an der Ferse 
und über dem After. Hinterbeine reichen mit der Ferse zur Schnauzenspitze. 
Oben hellgelb mit kleinen schwarzen l'unkten, unten gelblich. Länge Aomm. — 
Nord-Borneo. 

10. liufo mclanosticlus Schneid. 

11. Jitifo biporcatus Gravh. (Blngr., Cat., p. IJll.) 

12. liufo uHpcr Gravh. (Blngr., Cat,, p. 313.) 

Beide letztere Arten nur in der CoUection Adensamer. 

13. Mcgnlophrgs vuimta Schhig. (Blngr., Cat., p. 4^13.) 
P^iij erwachsenes Exemjjlar (G. Schneider), ein junges (S.). 



Zweitor Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Kegion. 



23 



C. Amboina. 

(Collection Adensamer.) 

1. Cyclemys amboinensis (Daud.). (Blngr., Cat., p. 133.) 

In allen Altersstadien vertreten. Ein Exemplar mit abnormem, zu einem 
kugelförmigen Knollen ausgewachsenem Rückenpanzer. 

2. Hemidactylus frenatus DB. (Blngr., Cat., I, p. 120.) 
Ein junges Exemplar. 

3. Geclco vittatus Houtt. (Blngr., Cat., I, p. 185.) 

Acht Exemplare. Zu erwähnen wäre, dass der Schwanz dieser Art im 
normalen Zustande weiss und braun geringelt ist, reproducirt aber entweder braun 
ist und die Fortsetzung der dorsalen gelblichen Rückenlinie trägt oder weiss mit 
braunen Längslinien. 

4. Gecko monarclms DB. (Blngr., Cat., I, p. 187.) 
Ein erwachsenes und ein junges Exemplar. 

5. Draco Uneatus Daud. (Blngr., Cat., I, p. 264.) 

6. Calotes cristatellus Kühl. var. moluccana Less. (Blngr., Cat., I, 
p. 316.) 

7. Lophura amboinensis Schloss. (Blngr., Cat., I, p. 402.) 
Ein erwachsenes cf. 

8. Lygosonm (Keneuxia) smaragdinum (Less.) (Blngr., Cat., III, p. 250.) 
Zwei Exemplare. Weisslich mit hellbraunem oder chocoladebraunem, 

breitem Dorsalband und schwarzbraunen und weissen Flecken. 

9. Lygosoma (Emoa) cyanurum (Less.). (Blngr., Cat., III, p. 290.) 

10. Enygrus carinatus (Schneid.). (Blngr., Cat., I, p. 107.) 
Ein junges Exemplar. 

11. Brachyorrhos albus (L.). (Blngr., Cat., I, p. 305.) 

Zwei Exemplare, oben einfarbig braun, an den Seiten lichter, Bauch weiss. 
Mittellinie der Schwanzunterseite schwärzlich. Parietalia nach aussen von je einem 
langen Schild begrenzt. Oberlippenschilder 7 — 7, drittes und viertes unter dein 
Auge. 1 + 2 Temporalia. Erstes Sublabialenpaar in Berührung hinter dem 
Mentale. 

Schuppenformel: L Sq. 19, V. 177, A. Vi, Sc. 2^/27 + 1. 

IL Sq. 19, V. 178, A. Vi, Sc. 25/25 + 1. 

12. Hyla dolichopsis Cope. (Blngr,, Cat., p. 384.) 

Auch bei den vorliegenden Stücken ist wie bei denen Boettger's (Herpet. 
Mitth., S. 156) die Schnauze nicht länger als V/2 — P/3 des Augendurchmessers 
und die Saugscheiben sind nicht grösser als das Tympanum. 



24 Franz Werner. Zweiter Beitrag zur Herpetologie der indo-orientalischen Region. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel I. 



Fig. 1. Zaocys tornieri n. sp. Kopf (natürliche Grösse). 
„ 2. Rhacophorus chiropterus n. sp. Von oben (natürliche Grösse). 



Thiselton-Dy er W. T, Botanical Nomenclature. (Bulletin of miscellaneous 
Information. Royal Gardens, Kew. November 1895, p. 278—281.) 

Auf der Versammlung der British Association for the Advancement of 
Science zu Ipswich im September vorigen Jahres war die Botanik das erste Mal 
durch eine eigene Section vertreten, deren Präsident Mr. W. T. Thiselton-Dy er, 
der Director der Royal Gardens in Kew, war. In der Adresse, mit welcher der- 
selbe die Sitzungen der Section erölfnete, berührte er unter Anderem auch die 
Frage der botanischen Nomenclatur. Der diese betreffende Abschnitt seiner Rede 
erschien in der November-Nummer des „Kew Bulletin" in seinem vollen Umfange 
abgedruckt. Die officielle Stellung des Redners allein rechtfertigt es — abge- 
sehen von dem inneren Werth der Ausführungen — , von diesen hier Notiz zu 
nehmen. Da aber der betreflFende Artikel anderswo in wörtlicher deutscher Ueber- 
setzung erscheinen wird, so dürfte es an diesem Orte genügen, nur einige der 
wesentlichsten Stellen herauszuheben. 

„Was Avir in der Nomenclatur brauchen", sagt der Redner, „ist das 
Maximum an Stabilität und das Minimum an Wechsel, das mit dem 
Fortschritt zur Vervollkommnung unseres taxonom isch en Systems 
vereinbar ist." Stabilität ist vor Allem nothwendig, wenn die Wissenschaft mit 
dem praktischen Leben, namentlich mit jenen Zweigen desselben, in welche die 
botani.sche Nomenclatur seit Langem Eingang gefunden hat, wie Gartenbau, 
Handel, Arzueikunde und Kunst, in Berührung bleiben soll. „Aenderungon 
werden noth wendig, es .sollte aber niemals oline gewichtigen und guten Grund 
darauf bestanden werden." 

Bei der Uebertraguug einer Art in eine andere Gattung ist es „üblich", 
den «pecifiKchen Theil des ursprünglichen Namens wenn möglich beizubehalten, 
und bei der Iteduction mehrerer Arien auf eine ist es „üblich", den zuerst 
publicirtcu Namen zu wählen. Daun aber fährt der Redner fori: „Ich stimme 




rt 



Referate. 




Autor delin. 



Lith art.Anst «.A Berger.Wien VlIlTigerg 



Referate. 



25 



jedoch mit dem verstorbenen Sereno Watson darin überein, dass einem Namen 
absolut kein ethisches Moment in Folge einer Priorität der Publication oder der 
Stelle innewohnt, ein Moment, das irgend Jemanden moralisch verpflichten würde, 
einem Namen den Vorzug vor dem anderen zu geben." Angesichts der Aufgabe, 
die Pflanzenarten zu benennen, zu beschreiben und zu classificiren, und so das 
Materiale zu einer umfassenden Behandlung der Vegetation des Erdballes zu 
schaffen, erscheinen ihm „Botaniker, die ihre Zeit über Prioritätsfragen vergeuden, 
wie Knaben, die mit einem Auftrag fortgeschickt, ihre Zeit damit zubringen, in 
der Strasse zu spielen." Der Vortragende führt hierauf einige Beispiele von 
Namensänderungen au, die in neuester Zeit infolge der stricten Anwendung 
des Prioritätsprincipes vorgeschlagen wurden und die, gänzlich nutzlos für die 
Wissenschaft selbst, die systematische Botanik nur lächerlich machen können, 
und sagt: „Das Schlimmste aber ist, dass diejenigen, welche den Gegenstand 
sorgfältig studirt haben, wissen, dass es aus Gründen, welche zu erörtern ich 
nicht Zeit habe, fast unmöglich ist, zu einem Ende zu kommen, sobald man 
einmal daran gegangen ist, die geläufige Nomenclatur aufzustören." Und zum 
Schlüsse heisst es : „Obwohl ich die Angelegenheit vor die Section gebracht habe, 
so ist sie doch nicht von der Art, dass diese oder überhaupt eine Vollversammlung 
von Botanikern in derselben viel thun kann, und während ich hoffe, ihre Zu- 
stimmung zu den allgemeinen Principien, die ich dargelegt habe, zu erlangen, 
muss doch zugegeben werden, dass die technischen Einzelheiten nur von erfahrenen 
Specialisten gewürdigt werden können. Alles, was sich erhoffen lässt, ist ein 
allgemeines Uebereinkommen zwischen den Personalen der wichtigsten Institute 
in den verschiedenen Ländern, in denen an systematischer Botanik gearbeitet wird." 

0. Stapf. 

Forschiiugslberichte aus der biologischen Station zu Plön. Herausgegeben 
von Dr. Otto Zacharias, Director der biologischen Station. Theil I (1893), 
II (1894) und III (1895). Berlin, R. Friedländer & Sohn. 8°. 52, 155 und 
209 Seiten mit zahlreichen Tafeln, Abbildungen, Tabellen und Karten. 

Etwas über vier Jahre sind es her, dass die biologische Station in Plön 
ihrem Zwecke übergeben wurde, und schon füllen die Arbeiten, die aus ihr 
hervorgegangen, drei Bände, deren jeder stattlicher als sein Vorgänger sich 
präsentirt, was Umfang und Inhalt betrifft. Es ist dies der ungewöhnlichen 
Rührigkeit und Arbeitskraft des Leiters dieser Anstalt, Herrn Dr. 0. Zacharias, 
zu verdanken. 

Die Aufgaben dieses Institutes, respective der Süsswasserstationen über- 
haupt sind von Zacharias selbst,^) sowie von Walter speciell für das Süsswasser 
präcisirt worden. In zusammenfassender Weise hat Referent diese Aufgaben bei 
einem 1894 bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte gehaltenen 



1) üeter den wissensch^iftlichen Zweck nnd die praktische Bedeutung der biologischen Station 
zu Plön. Plön, 1894. (Als Manuscript gedruckt.) Ferner in allen seinen Aufsätzen in den Forschungs- 
berichten an vielen Stellen. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 4 



26 



Referate. 



Vortrage für stehende und fliessende Süsswässer, sowie für das Meer dargelegt.^) 
Sie sind: 

I. Wägung, resp. Zählung des organischen Materiales der gegebenen Wasser- 
ansammlung (Productionskraft). 
II. Constatirung aller Thier- und Pflanzenspecies („floristischen und faunistischen 
Inventars"). 

III. Statistisch genaue Angabe der Verbreitung und Menge, und zwar: 
a. an sich, 

ß. in ihrer Abhängigkeit von 

A. äusseren, 

B. inneren Einflüssen (d, i, in der Organisation gelegenen Einflüssen). 
Unter solchen äusseren Einflüssen sind zu verstehen: Temperatur, Qualität 

und Quantität des Lichtes, chemische Zusammensetzung des Wassers, geo- 
logischer Charakter des Grundes, Tiefe des Wassers u. a. Die bezüglichen Unter- 
suchungen werden daher natürliche Vorarbeiten bilden. Solche Daten für Plön 
liefern Ule (Geologie und Orohydrographie der Umgebung von Plön) und Krause 
(Uebersicht der Flora von Holstein), sowie zahlreiche gelegentliche Bemerkungen 
in den übrigen Aufsätzen. 

Die sub I skizzirte Aufgabe ist in III zum Theile mitenthalten, II ist eine 
nothwendige Vorarbeit zu III. Die Constatirung der Fauna des Seengebietes ist 
vor Allem das Verdienst Zacharias', dann Brockmeier 's (Mollusken), Gar- 
bini 's (Flohkrebse), Blanchard's (Hirudineen). Die Wasser-Phanerogamen be- 
handeln Krause und Kleb ahn, die Characeen Sonder, die Algen Kleb ahn 
und Lemmermann, die Diatomeen Castracane und Brun. Darunter finden 
sich zahlreiche von Zacharias neu entdeckte Species, eine Reihe neuer Algen- 
gattungen, resp. Arten bringt Lemmermann u. s. w. 

So wichtig diese Arbeiten an sich sind, so unerlässliche Vorarbeiten sie für 
die Lösung der Hauptaufgabe bilden, so werden die zahlreichen Details doch nur 
den betreff'enden Fachmann inteiessiren. Hingegen möchte ich über die bezüglich 
der Hauptaufgabe (III) erreichten, in allgemein naturwissenschaftlicher 
Beziehung so wichtigen Resultate eine zusammenfassende, aus allen einschlägigen 
oben citirten Arbeiten geschöpfte Uebersicht bringen: 

A. Limnetische und litorale Flora und Fauna. 

Mau liat unter den Bewohnern des Sees — Thieren und Pflanzen — zwei 
Autheile zu unterscheiden, der eine — der litorale — bewohnt die Uferregionen, 
der andere — Plankton — schwebt frei im Wasser: der pelagischo Antheil, 
wie ihn E. Müller genannt liat, besser nach Haeckel als der limnetische 
zu bezeichnen (wo dann der Ausdruck „pelagisch" für das Meer vorbehalten bleibt). 
Dio Territorialgrcnzcii zwischen diesen )>ei(len Antlieilen sind a)>er keineswegs 

') Herirlitt: dor l)cutHchoii Ixitaiji.sclicii (iosollscliiiri, JalnKUMB IfilM, (iciii'nil -VfirsammliiiiK«- 

lifft, K. i:s:(. 



Referate. 



27 



scharfe, wie es bisher nach Forel allgemein angenommen wurde, sondern ein- 
seitige. Die litoralen Organismen sind nämlich dadurch auf die Uferzone be- 
schränkt, dass sie entweder festsitzen und infolge ihres Lichtbedürfnisses über 
eine gewisse Tiefe nicht hinabgehen, oder dass sie das Bedürfniss haben, von 
ihren Schwimmtouren öfters auszuruhen. Für die planktonischen oder limneti- 
schen Organismen, die vermöge besonderer Vorrichtungen in der Lage 
sind, frei schwebend auszuharren, besteht eine solche Beschränkung nicht. Wir 
finden sie in der Seenmitte gerade so wie am Ufer. Die Planktologie 
hat uns daher auch im Allgemeinen nicht mit neuen Organismen bekannt ge- 
macht, die Plankton-Organismen finden sich auch am Ufer, das bislang die Quelle 
unseres Studienmaterials war. Das sind keine theoretischen Erwägungen, son- 
dern Ergebnisse der Plöner Studien.^) I. 

B. Anpassungsvorrichtungen. 

Das Studium der Anpassungsvorrichtungen, vermöge derer die limnetischen 
Organismen im Wasser schweben, hat zu einer Reihe von in allgemein natur- 
wissenschaftlicher Beziehung bedeutungsvollen Resultaten geführt. Solche Vor- 
richtungen sind: 

1. Schwimmorgane, die eine Eigenbewegung ermöglichen (Flossen, Flossen- 
säume, Geissein). 

2. Aeussere Formen, welche theils eine Vergrösserung der Obei-fläche be- 
wirken, theils als solche das Sinken erschweren (Platten, Scheiben, Stacheln, 
Hörner, Anordnung zu Ketten). 

3. Verringerung des specifischen Gewichtes durch im Körperinueren auf- 
tretende Stofi'wechselproducte, und zwar: 

a) Fett, 
h) Gas. 

4. Besondere hydrostatische Apparate (Blasen, pulsirende Vacuolen). 

5. Anheftung an andere limnetische Organismen (bei den sogenannten passiv- 
limnetischen Organismen). 

Diese Vorrichtungen nun erscheinen entweder einfach oder mannigfach 
combinirt als Ursachen eines mehr minder ausgebildeten Schwebevermögens. 

Bei den Protozoen treten vor Allem pulsirende Vacuolen, ferner Fett auf; 
einige Vorticellinen und Acineten sind passiv-limnetisch, sie hängen sich besonders 
an Diatomeen und Nostoceen an (besonders massenhaft ist Salpingoeca minuta 
auf der Diatomee Äster ionella). 

Sehr verschiedenartigen Anpassungserscheinungen begegnen wir bei den 
Rotatorien: bei den Anuraeen, Synchaeten und Asplanchna sind die Zellen des 
Magens stets von zahlreichen Fetttröpfchen erfüllt, ebenso die frei auf dem Wasser 

1) Zacharias bringt detaillirte wiederholt ergänzte Verzeichnisse sämmtlicher limnetischer 
Organismen des Plöner Sees. 

-) Die wichtigsten Sätze der Ergehnisse der Plöner Arbeiten habe ich durch römische Rand- 
nnmmern fortlaufend bezeichnet. 

4* 



28 



Kelerate. 



seliwimmeudeu Eier von SijncJiacta (jrandis; auch die von Polyartlira platy- 
ptem führen reichlich Fett und unterstützen das Schweben des Mutterthieres. 
das die Eier mit sich herumträgt. Einen besonderen hydrostatischen A])i)arat hat 
das Bipalpiis-Ei in Form einer prall mit Wasser gefüllten Blase. Die Anuraeen 
sind abgeflacht und bedornt. 

Bei den limuetischen Copopoden, vielen Cyclopiden und Calaniden 
finden wir grosse „Oelkugeln" in den Biudegewebemascheu, die in Verbindung 
mit den wohlausgebildeten activen Schwimnuqiparaten diese Organismen zu einer 
schwebenden Lebensweise vorzüglich befälligen. Keilförmige Fortsätze finden wir 
am Kopfe der Hyalodaphnien; den Eindruck „zweckloser, grotesker Auswüchse" 
machen die ersten Antennen mancher Bosmincn. 

Diese Studien über Aupassungserscheinungen an das planktouische Leben 
bei Thieren. verdanken wir Zacharias. 

Die planktonischen Pflanzen — durchwegs Algen (im weiteren Sinne) — 
zerfallen nach den Anpassungsvorrichtungen in drei Gruppen: 

1. Am schlechtesten — so scheint es — sind die Diatomeen angepasst. 
Zwar sind ihre Gehäuse durchaus sehr zart gebaut und nicht selten ist die äussere 
Form schon eine solche, die das Sinken sehr erschwert (Scheiben, Spindeln; 
Athefja und Rhizosolenia, für welche Gattungen bisher Vertreter nur 
aus dem Meere swasser bekannt waren, besitzen borstenförmige Fortsätze 
an ihi*Dn Kieselgehäusen); in demselben Sinne wirkt die Vereinigung zu ketten- 
uder sternförmigen Zell verbänden, wie wir sie z. B. bei den drei häufigsten Plankton- 
Diatomeen — Melosira laevissima, Synedra crotonensis und Asterionella formosa 
— treffen. Ein gewisser Gehalt der Zellen an Fett macht sie specifisch leichter, 
aber noch immer sind sie schwerer als Wasser, wie man sich an dem Untersinken 
der Diatomeen in einem Glascylinder überzeugen kann. Strömungen und Wellcn- 
selilag (s. unten) werden hier wohl haui)tsächlicli das Schweben ermöglichen.^) 

2. Der Besitz von Cilien ermöglicht actives Schwimmvermögen, hiehor 
Volcox aureus, Eudorina clegans, Pandorina morum, die so häufige Peridinee 
Ceratium hirunditiella (bei der der dreiliörnige abgeflachte Körper das Schweben 
befördert, u. a.), zahlreiche Infusorien. 

Cyanophyceeu {Glocoiricliia echinulata, eine der häufigsten Plankton- 
algon im Plöncr See, Anabaemi \)\\\\\ si)ec., Clathrocyslis aeruginosa, Coelo- 
sphaerium Kuetzinginnum). 

Während die sub 1. und 2. subsummirten Algen specifisch schwerer sind 
als Wa.s.ser, sind die planktonischen Cyanophyceen leichter als dieses; sie 
steigen in ruhig stehendem Wasser rasch an die Oberfläche und bilden hier eine 
„Wasserblüthe". Sie verdanken diese Eigenschaft (}v.m (behalte ihrer Zellen 
au Gasvacuülen. Die Entdeckung und der NachwcMs'^j dieser Gasvacuolen 



') In diene (Irnppf K"'"'ro» niicli r^mip^o ]il!UiktuniHcli(^ l'rotococcoidc^oii ( I'i didstruvi Itonjavurn, 
/'. iluplrrj and (>inft UcNDiidiacvo ( Staurtinlrnm i/racile). 

Auf die h<icb«t iiitfiroKKftiiU'ri DotiiilK dicHon NiicliwoiHOH kann loidcr niclit, cin^^oKiingiUi 
worden. Ich vcrwci»« auf die ()ri((iniil -ArlH'iten : Strodtiiiiinn im III. Mando, f'oriuw „Aniiassung 
der Cjr»bo|ih7cc-«o an dun iiolagincbo Leben" (Archiv für KnlwiuklungHniüchanik dar Urgaui»uiou, Bd. 1, 



Referate. 



29 



durch Klebabn und Strod tmauii ist eines der in allgemein naturwissenschaft- 
licher Beziehung wichtigsten Resultate der Plön er Studien. 

Trotz der genannten Hilfsmittel zur Führung der plauktonischen Lehens- 
weise würden doch die letztangefühi-ten Oi'ganismen sich an der Oberfläche an- 
sammeln, die anderen zu Boden sinken, wenn nicht der Wellenschlag und verticale 
Wasserströmungen — gewissermassen als objective Hilfsmittel — , (im Meere 
ausserdem das höhere specifische Gewicht des Wassers) mitwirkten. Die verticalen 
Strömungen sind aucli bei ruhigstem Wasser vorhanden und sind die Folge von 
TemperaturditFerenzen. Von deren Wirkung kann man sich sehr schön durch 
Strodtmann's Versuch überzeugen: in einen Glascylinder wird Plankton ge- 
bracht, nach längerem Stehen sammelt es sich theils am Boden, theils an der 
Oberfläche an; das Umfassen des Cylinders mit der Hand unten oder oben genügt, 
um einen Theil des Planktons emporzuwirbeln, beziehung.sweise hinabsteigen zu 
machen.^) Wellenschlag und verticale Wasserströmungen gehören somit zu den 
wichtigsten Factoren bei der Herstellung einer gleichmässigen 

C. Verbreitung und Vertheilung. 

So argumentirt Zacharias im I. Bande in Uebereinstimmung mit seinen Unter- 
suchungen. Ganz anders aber spricht er sich im II. Bande auf Grund seiner 
im mittlerweile verflossenen Jahre gepflogenen, auf den ganzen See ausgedehnten 



Heft 3, Leipzig, 1895) und im Biologischen Centralblatt, Bd. XV, 1895, Nr. 4. — Klebalin im 
III. Bande und in „Flora", 1895, Heft 1. — Ausser den obgenannten Cyanophyceen aus den Familien 
der Rivulariaceen, Nostoceen und Chroococcaceen kennen wir noch pelagische Oscillariaceen, und zwar 
marine aus der Gattung TricliocUsmium und limnetische aus der Gattung Oscillatoria (0. ruhcscens, 
prolifica und Agarclhii). Für Tricliodesmium Hildhrandti Gomont hat Kleb ahn das Vorhandensein 
von Gasvacuolen constatirt. — Ausser den Cyanophyceen besitzt nur eine Alge, die Protococcoidee 
Botryococcus Braunii ein ausgeprägtes Steigvermögen, das sie wahrscheinlich der Durchtränkung der 
Membranen mit Fett verdankt. 

1) Als eine Schutzeinrichtung gegen Verfolgung dürfte — besonders bei den grösseren lim- 
netischen Organismen — deren grosse Durchsichtigkeit aufzufassen sein. — Es gibt eine Keihe von 
Fällen, wo Arten, die im Allgemeinen nur als Uferbewohner auftreten, in einem See im Plankton 
aufgefunden werden, und zwar nicht nur in einzelnen versprengten Exemplaren, wie dies ja gelegent- 
lich bei sehr vielen litoralen Organismen der Fall ist, sondern als ein ansehnlicherer Bestandtheil, der 
sich eine gewisse Zeit hindurch erhält. So z. B. ist der sonst litorale Cliydorus sphaericus im Dobers- 
dorfer Teiche bei Kiel limnetisch ; Sida crystallina findet sich in den westpreussischen und italieni- 
schen Seen limnetisch u. a. m. Solche litorale Organismen werden als tycho-limnetisch (tycho- 
pelagisch) bezeichnet. Sie bilden theoretisch den Uebergang zu jenen interessanten Organismen, aiaf die 
uns Zacharias zuerst aufmerksam gemacht hat, und die zwar ausschliesslich planktonisch auf- 
treten, aber ihrer ganzen Organisation nach litoral erscheinen, und deren nächste systematische Ver- 
wandte auch litoral sind. Hieher gehören Vertreter der Kotatoriengattung Floscularia und der drei 
Protozoengattungen Carchesium, Epistylis und Dinohryon. (Nur bei der Euglenoide Colacium vesi- 
culosum dürfte nach Zacharias der umgekehrte Fall vorliegen.) Auf Grund jener Ergebnisse stellt 
Zacharias die Theorie auf, dass die limnetischen Organismen sich aus litoralen herausentwickelt 
haben durch Vervollkommnung der Schwebevorrichtungen auf dem V7ege der Selection ; er tritt da- 
mit der Relictentheorie Pavesi's entgegen, nach welcher die limnetische Fauna aus einer marinen 
entstanden sei als Relict aus einer Zeit, in welcher die Seen mit dem Meere in Verbindung standen. 
Diese Theorie ist übrigens auch vom geologischen Standpunkte von R. Cvodner zurückgewiesen 
worden. 



30 



Referate. 



Untersuchuiigeu aus und kommt zu dem Resultate: „Die Vertheiluiig des Plankton 
ist in oft ziemlich nahen Seethcileu sehr verschieden; es gibt Schwärme." Kr 
polemisirt daher auch sehr energisch gegen die Hensen'sche Lehre von der 
gleichmässigen Verbreitung, sowie gegen dessen Zählmethode. Im dritten Jahre ■ 
übernehmen Zacharias und Strodtmann gemeinsam die Untersuchungen und ■ 
kommen zu einem vermittelnden Eesultate: „. . . . dass man bei der Plankton- ■ 
Vertheilungsfrage zu unterscheiden hat zwischen dem Plankton als Masse und denm 
einzelnen Speeles von schwebefähigen Pflanzen und Thieren, aus denen sich die-!^ 
selbe zusammensetzt. In letzterer Beziehung findet keine gleichförmige Verthei- > 
luug statt, sondern während einzelne Speeles mehr peripherwärts zu finden sind, 
bevorzugen andere die centralen Partien. Das Plankton als Masse hingegen ist 
ziemlich gleichförmig vertheilt, d. h. verticale Netzzüge aus derselben Tiefe, sowie 
horizontale Oberflächenzüge von derselben Zeitdauer liefern auch annähernd gleiche 
Planktonmengen, so dass Unterschiede im Betrage von mehr als 25 "/o selten 

sind Freilich gilt das aber stets nur von Bezirken gleicher Tiefe und 

Bodenbeschaff'enheit, sonst ergeben sich sehr bedeutende Differenzen, welche bis 
zur Vervierfachung des Planktonvolumens hinaufgehen können. Solche Unter- 
schiede sind es denn auch gewesen, welche mir im Sommer 1893 starke Zweifel ■ 
an der gleichmässigen Vertheilung des Limnoplankton erregten, denen ich iiir« 
II. Hefte der Forschungsberichte unumwundenen Ausdruck gegeben habe. Diese I 
Ungleichförmigkeiten finden jetzt ihre Erklärung durch die Thatsaclie, dass die I 
Plankton menge in Binnenseen von grosser Flächenausdehnung in un- " 
mittelbarer Abhängigkeit von den Tiefen Verhältnissen steht. Der \ 
grosse Plöner See zeigt demnach so viele Verschiedenheiten in der Massenver- 
theilung des Plankton, als er Einsenkungen und Erhebungen des Grundes besitzt, 
und deren sind nicht wenige, wie Ule durch seine fleissigen Lothungen nachge- 
wiesen hat." (Zacharias.) — „Nehmen wir an, ein See sei kreisrund, die Tiefe 
nehme gleichmässig auf allen Seiten zu, die Bodenbeschalienheit sei überall die 
gleiche, auch Zuflüsse seien gleichmässig vcrtheilt oder ganz fehlend. Wenn nun 
nicht gerade ein heftiger Wind den See aufwühlt, so dürfen wir auf allen Peri- 
]iheriopunkten des vom Mittelpunkte aus gezogenen Kreises eine gleichförmige 
i'lauktouvertheilung annehmen. Je mehr sich ein See diesem Ideal nähert, um 
so mehr nähert er sich auch dieser Gleichmässigkeit. Sobald jedoch in der einen 
oder anderen oder in mehreren Beziehungen Abweichungen eintreten, um so 
geringer oder grö.sser werden auch die Unge.selzmässigkeiten." (Strodtmann.) 
Dies der beutige Standpunkt. 

|Ks ist dies die richtige Stellet, uni auf zwei für die ganze Plankiologie, 
^'>\\\(- für die Errichtung der Süsswasserstationen hocliwichtige Fragen einzugehen: 

1. Ilensen's statistisolie Methode? Das i'rincip dieser besteht bekannt- 
lich darin, Individuen und Sjjecies zunächst für kleinste Proben von bekanntem 
Volum unter dem Mikroskope durchzuzählen und so deren Zahl für die ganze 
durcbfischtc Wassersäule, und aus mehreren solchen Wassersäulen für einen ganzen 
Meeres- oder »Seeab.schiiitt zu berechnen, Gleichmässigkeit der Vertheilung 
des IMiinktons in diesem vorausgesetzt. Es fragt sich also nur darum, 



Referate. 



31 



für einen wie grossen Bezirk des Sees eine solche Gleich mässigkeit wirklich be- 
steht. Auf dem offenen Meere herrscht — wie es scheint und wie auch nach 
Obigem völlig begreiflich — eine solche für ungleich grössere Bezirke als im 
seichten See, zumal wenn dieser eine reiche horizontale und verticale Gliederung 
(des Grundes nämlich) besitzt. Mit Eecht tritt Zacharias daher entschieden 
dagegen auf, die Ergebnisse einiger mit einem kleinen Netze gemachten Fänge 
für den ganzen See auszuwerthen, ebenso mit Recht tritt er dagegen auf, nur 
alle 2—3 Wochen den See zu besuchen, um aus diesen Resultaten ein Bild der 
periodischen Veränderungen des Plankton im Laufe des Jahres zu erhalten. 
Zacharias verweist auf eine ganze Reihe von Beispielen, wo eine Speeles binnen 
wenigen Tagen sich enorm vermehrte, um ebenso rasch wieder zu verschwinden 
(oder auch umgekehrt). ^) Solche wichtige Veränderungen werden nur bei täglicher 
Beobachtung constatirt werden können. Aber die angeführten Fehler, welche 
Zacharias der Hensen'schen Methode vorwirft, sind nicht Fehler der Methode, 
sondern der Ausführung, die eminente Bedeutung der Hensen'schen Zählmethode 
wird dadurch nicht beeinträchtigt. Mit Recht legt Zacharias so grosses Gewicht 
auf die tägliche Beobachtung (mit blosser Schätzung der Häufigkeit der Formen j, 
denn zur Durchführung des eigentlichen Ideals: der täglichen Zählung, reichten 
Arbeitszeit und Arbeitskraft nicht aus. Intuitiv hat Zacharias den richtigen 
Weg eingeschlagen, um in möglichst kurzer Zeit eine möglichst allseitige Kenntniss 
über das Leben des Sees zu erhalten. Eine grosse Anzahl von Detailfragen bleibt 
zu lösen, ja wird zum Theile erst aufgerollt. Zur Lösung dieser werden ana- 
tomische, entwicklungsgeschichtliche, systematische und experimentelle Studien an 
sieh und in Verbindung mit der Zählmethode zu Resultaten führen, welche nach 
Ansicht des Referenten für die Naturwissenschaft der Lebewesen im Allgemeinen 
von grösserer Tragweite sein werden, als irgend ein anderer Forschuugszweig. 
Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst die Beantwortung der zweiten Frage: 

2. Stabile oder Wanderstationen? Es ist das eine Frage, die schon vor vier 
Jahren anlässlich der Gründung der Plöner Station und vor Kurzem, als es sich 
um staatliche Subventionirung dieser handelte, vielfach ventilirt wurde. Damals 
(siehe Fussnote S. 25j und jetzt wieder (Ueber den Unterschied in den Aufgaben 
wandernder und stabiler Süsswasserstationen ; Biologisches Centraiblatt, Bd. XV, 
1895, Nr. 9) ist Zacharias mit Entschiedenheit für stabile Wasserstationen ein- 
getreten; er erzählt, mit wie viel unsäglichen Mühen er durch Jahre (1884 — 1889j 
Seeustudien im Riesen- und Isergebirge, Holstein, Pommern, Westpreussen und in 
den Maaren der Eifel gemacht. Und alle Resultate sind unbedeutend gegen die 
in Plön in zwei Jahren gewonnenen. Anlässlich der Subventionsfrage ist auch 
Rud. Virchow mit seiner Autorität für die stabile Station und Zacharias im 
preussischen Landtage eingetreten. 

Die Frage beantwortet sich aus diesem Referate schon von selbst: Es ist 
kein Zweifel, dass wir durch Wanderstationen unsere faunistischen, respective 
floristischen Kenntnisse wesentlich werden erweitern können, dass wir bezüglich 



') Vergl. z. B. die folgende Tabelle S. 32. 



32 



Referate. 



einzelner interessanter Fragen der Hydrobiologie, die sicli uns bei unseren stabilen 
Studien aufgedrängt, werthvolle Bereicherungen erfahren werden. Aber die Hydro- m 
biologie als zusammenhängende Wissenschaft wird sich nur durch Studien in 1 
stabilen Stationen entwickeln. Diese verhalten sich zu den Wanderstationen etwa 
ebenso, wie Zacharias' tägliche Beobachtungen zu den obgenannten alle drei 
Wochen mit dem kleinen Netze in einer eng umschriebenen Partie des Sees aus- ^ 
geführten Untersuchungen.] 

D. Plankton - Quantität. 

Zacharias durchfischte vertical mit einem Netze von QS'G cm^ Oeffnuug 
eine Wassersäule von 40 ??i Tiefe; das gefischte Plankton, mittelst Fliesspapier 
getrocknet, wurde gewogen.^) Es ergaben sich: 




Gewicht 



Anmerkung 



24 


Jänner 


y 




343 


nior 


27 


Februar 


2-2° 


C. 


40 


n 


9 


März 


2*8 


n 


126 




16 




2-8 




125 




24 


r 


3-7 


« 


547 


n 


28 


r 


3-8 




618 


!? 


29 


r 


40 


n 


602 




1 


April 


4-8 


n 


586 


)) 


4 


n 


50 


n 


1050 




5 


j) 


5-2 




960 


« 


7 


n 


5-2 


r 


1116 




11 




6-5 


r 


629 




14 


n 


65 


n 


407 


n 


16 


n 


6-8 




140 




18 


n 


7-0 


n 


77 




21 


n 


7-2 


n 


20 


n 


23 


w 


70 


n 


12 






Mai 










2 


Juni 


13-5 




72 


» 


12 


t> 


MO 


n 


125 




19 




15-3 


n 


125 


n 


25 




155 


n 


90 


rt 


1 


Juli 


19-5 


n 


Ü9 


n 


8 




20-8 


n 


80 





20 Diatomeensp., darunter 4 ilfeZosira-Sp. 
Vornehmlich Melosira. 



Fast reines (monotones) Plankton, aus 
Melosira laevissima bestehend. 



I Plankton sehr wenig, so dass dessen 



l Wägung nicht genug sichei 

Oowichtszuiialiino 
durch Vcrinolii unp von Hosmiiioi), 
Hdtutorion, Diiiohri/ov, Ccraticn, 
llroijlcmi. 



ausführbar. 



Yiort«! 



') Dom mitgftwogcnc cuiiillar /.urfickKoliulUsno VVassor vciiimscliliiKi / iic, Ii iir i an iiul' ein 
(Ion Ueaaniutgowicbttitt. Diouoit Viortol würo zn »ubtruhiron. 



Referate. 



33 



Tag 


Monat 


Tempe- 
ratur 


Gewicht 


Anmerkung 




15 


Juli 


18-5° C. 


82 7ngr 






22 
28 
6 
12 


V 

August 

V 


17- 2 „ 

18- 7 „ 
18-7 „ 
17-8 „ 


257 „ 
178 „ 
400 , 
218 „ 


Vermehrung von Gloeotrichia echimc- 
> lata, die nun hauptsächlich das Plankton 
bildet. 




17 


r 


169 „ 


540 „ 






23 


r 


160 „ 


180 „ 


Abnahme von Gloeotrichia. 




27 
31 
24 


r 

n 

September 


16-2 „ 
15-8 „ 
140 „ 


205 „ 
265 „ i 
270 „ 


\ Planktonzunahme durch Crustaceen und 
j Eäderthiere. 





Der Planktongehalt des ganzen Sees würde sich somit für eine durch- 
schnittliche Tiefe von 10 m und eine Fläche von 32 hn'^ für den ertragreichsten 
Tag (7. April) mit 15.000 Centnern, für den 17. April mit 900 Centnern berechnen. 
Für den Hectar stieg die Plaiiktonproduction vom 9. März bis zum 7. April um 
mehr als 30 Centner. Ein Acker mittlerer Qualität (vierter Classe) liefert nun 
pro Jahr 30—32 Centner Roggenkorn und 40—50 Centner Stroh. Diese sind nun 
freilich substanzreicher als die gleiche Menge Melosirenplankton. Bedenkt man 
aber, dass jene 30 Centner in 29 Tagen producirt wurden, dass späterhin (s. u.) 
durch reichliches Auftreten anderer Organismen wieder eine bedeutende Zunahme 
des Plankton sich einstellte, dass der See auch im Winter nicht brach an orga- 
nischem Leben ist, so ergibt sich daraus, dass das Wasser dem besten Ackerlande 
an Fertilität nicht nachsteht. IX. 

Zur Klarstellung der verticalen Verbreitung gemachte Stufenfänge ergaben: 

1. Zur Zeit der üppigsten Entwicklung finden sich zunächst der Oberfläche 
am meisten Melosiren, resp. Gloeotrichien (Nothwendigkeit des Lichtes für den 
Stoffwechsel). 

2. Nach abwärts nimmt die Zahl der Melosiren ab, um in den tieferen 
Schichten wieder zuzunehmen; diese Zunahme ist aber durch das Hinabsinken 
der absterbenden, jedenfalls schwebeunfähig gewordenen Fäden bedingt. Dasselbe X. 
gilt für Gloeotrichia im Stadium der Sporenbildung (die Sporen enthalten näm- 
lich keine Gasvacuolen). 

Die Tabelle hat uns ferner mit der Thatsache der 

E. Periodischen Zu- und Abnahme des Plankton 

bekannt gemacht. Zacharias bringt detaillirte Periodicitätstabellen für zwei 
Jahre, und zwar für aUe häufigen Speeles des Plöner Sees. Hier nur das Wichtigste : 
Die Monate Februar und März sind die planktonärmsten, häufig sind nur die 
Melosiren; aber schon im April werden die Flagellaten und Diatomeen häufiger, 
daher (?) bald darauf auch die Protozoen, Eotatorien und Cruster, die in den 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 5 



34 



Referate. 



Sommermonaten ihre Maxima erreichen. Schon Ende April oder Anfang Mai ver- 
schwinden die Melosiren, andere Diatomeen und Cyanophyceen stellen sich jetzt 
ein: besonders Fragilaria crotonensis und capucina, Asterionella gracillima, 
Diatoma tenue, Andbaena flos aquae, ClatJirocystis aeruginosa, besonders aber 
Gloeotrichia echinulata. Schon im October werden alle diese selten und weiterhin 
immer seltener; dafür treten Melosiren wieder auf, häufiger aber werden sie erst 
im Februar bis März. Auch im October verschwinden die Protozoen, die also 
vornehmlich an die wärmere Jahreszeit gebunden sind, bald darauf auch die Rota- 
torien und Dreissenia-L?iVYen, dagegen harren die meisten Krebse (HyalodapJmia, 
Cyclops oithonoides, Bosmina plur. sp., Eurythemora lacustris, Diaptomus) länger 
aus, bis zum Jänner ; nun beginnt wieder die planktonärmste Zeit. Wovon leben ^ 
nun diese Krebse vom November bis zum Jänner? Zacharias antwortet auf 
Grund seiner eingehenden Darminhalt-Untersuchungen bei jenen Krebsen: 1. von 
den Diatomeen, 2. von dem Detritus, der sich durch Zerfall der massenhaften 
Blätter und Stengelabfälle der grossen litoralen Pflanzen bildet, und der durch 
einen stärkeren Wind und die Wogen über den ganzen See vertheilt wird. - 

Diese Befunde gelten für den grossen Plöuer See und dürfen, wie Zacharias 
wiederholt betont, keineswegs generalisirt werden; so weist er auf einige Fälle 
hin, wo Organismen, die im grossen Plöner See im Winter fehlten, sich in einem 
benachbarten kleineren See im Jänner unter dem Eise fanden. 

Wie weit Uebereinstimmung besteht, können nur in grossem Massstabe 
vorgenommene vergleichende Untersuchungen zeigen, wobei Zacharias' Tabellen 
als Muster dienen sollen. Einen hochinteressanten Anfang hiezu bieten Zacha- 
rias und He ns eher, die an gleichen vorher vereinbarten Tagen das Plankton 
des Plöner, resp. des Züricher Sees untersuchten. „Es ist aus beiden Fang- 
berichten zu ersehen, dass die Arten zwar vielfach dieselben sind, aber hier und 
dort in ganz anderen Mengenverhältnissen auftreten. Dies kommt jedoch, wie ich ^ 
gesehen, auch in dicht benachbarten holsteinischen Seen vor (d. i. solchen, die 
kaum 2 km von einander entfernt sind). Bei dieser Wahrnehmung ist es schwer 
angänglich, die geographische Lage als eine besondere Ursache der faunisti- 
schen Verschiedenheiten anzuführen; wir müssen vielmehr annehmen, dass inner- 
halb jedes Seebeckens die Periodicilät durch natürliche Auslese gerogelt 
worden ist, insoferne es für jede Species iuuerlialb desselben Sees einen Zeitpunkt 
geben muss, wo es für sie am vortheilhaftesteu und leichtesten ist, sich uunio- 
risch auszubreiten. Dies wird in erster Linie von den Ernährungsverhältnissen, 
dann aber auch von der sehr complicirten Verkettung äusserer Umstände ab- 
liäiigen, wie sie in jeder geregelten Lebensgemeinschaft (Biocönosc), als welche das 
Lininoplankton wohl betraclitet werden darf, voi-ausgcsetzt werden muss. Die ur- 
sprünglich für das Zusammenleben vieler Formen günstigsten Periodicitäts- 
Verhäitnisse der einzelnen Species werden sich naturgemäss erhalten haben und 
weiter vererbt worden sein. Auf diese Weise erklärt es sich nach meiner Ansicht 
am besten, das» in benachbarten Seen die nämlich(!U Species oft ganz verschiedene 
JVriodicitäten aufweisen, während wciit entfernte Wasserbecken sich in dieser Be- 
ziehung oft völlig übereinstiinnieud verhalten." (Zacliarias.) i 



Referate. 



35 



F. Variabilität. 

Zacharias führt (im I. Hefte) eine Keihe von interessanteu einschlägigen 
Beispielen an, bezüglich derer ich auf das Orgiual verweise. Von besonderem 
Interesse sind aber die periodischen Gestaltveränderungen, mit denen XIV. 
uns Zacharias zuerst kekannt gemacht hat (durch 10 Tage im Juli reichlicher 
I Stachelbesatz bei Cerotium hirundineUa ; Verkürzung des Kopfhelmes bei Hyalo- 
daphnien, der Antennen hei Bosmina coregoni im Winter; hingegen Verlängerung 
des ganzen Körpers bei Bipalpus vesiculosus im Winter) ; ferner das Auftreten 
von Zwergformen planktonischer Organismen, u. zw. bei Rotatorien (Sijnchaeta 
pectinata und tremula) und Infusorien (Stentor coeruleus). 

* * 
* 

Trotzdem Referent Details nach Möglichkeit vermieden hat, ist das Referat 
doch ziemlich breit geworden — dafür stellt es annähernd die Grundzüge der 
Süsswasserplanktologie in ihrem heutigen Entwicklungszustande 
dar. Auf alle interessanten Details eingehen, Messe die drei Bücher abschreiben; 
nur zwei derselben, die dem Referenten besonders erwähnenswerth scheinen, mögen 
noch Platz finden: 

i 1. Das Vorhandensein einer Süsswassernemertine (Tetrastemma lacustre) 

j und eines nordischen Egels (Placobdella Eahoti) im Plöner See. XV. 
2. Eine neue Inf usorienspecies : Dileptus trachelioides Zacharias, die in 
ihrem Leibe reichlich Zoochlorellen enthält. Es obwaltet hier ein Verhältniss der XVI. 
Symbiose, das beiden Organismen zu statten kommt. Damit hängt die sehr 
geringe Nahrungsaufnahme bei Dileptus zusammen, ja manche Individuen haben 
MundöiFnung und Bauchspalt überhaupt nicht. Es ist dies eine Anpassung an 
veränderte Lebensverhältnisse, die unter unseren Augen vor sich geht. Der Taster- 
rüssel, der bei Dileptus anser z. B. stets hin- und hergeht und nach Nahrung 
sucht, ist hier zu einem Stummel reducirt, übrigens ist diese Reduction bei ver- 
schiedenen Individuen verschieden weit vorgeschritten. Besonders interessant ist 
es auch, dass bei Theilung der Dileptus-Zelle ein Theil der Zoochlorellen ihren 
normalen Platz am hinteren Leibesende verlässt, um sich in die andere Hälfte 
zu begeben. Dr. S. Stockmayer. 

Albow N. Prodromus Florae Colchicae. Tiflis und Genf, 1895. 8°. XXVI + 
290 S. Mit vier Tafeln. 

Mit vorliegendem Werke wird die Erinnerung an das mythisch verklärte 
Colchis aufgefrischt. Der Verfasser subsummirt darunter den westlichen Kaukasus 
mit den Landschaften Abchasien, Adzhazien, Circassien, Gurien, Imeretien, Min- 
grelien und Samurzaknien. Er stützt sich hiebei auf seine in den Jahren 
1888—1894 gemachten Aufsammlungen, auf die Dr. Gustav Radde's vom Jahre 
1893, die A. G. Ardasenow's und die 250 Nummern umfassende Alexander 
Lamakin's. Nach dem geographischen Rückblicke auf das fragliche Gebiet folgt 
der enumerative Theil. Hier befleissigt sich der Verfasser der möglichsten Kürze. 

5* 



36 



Referate. 



Auf Arten, die keiner ergänzenden Beschreibung bedürfen, wird einfach hinge- 
wiesen. Neu sind : Eanunculus n. sp. ?, Corydalis calcarea, Cardamine pectinata 
Fall. var. Aäzharica, Draha Ossetiea (Eupr.) Somm. et Lev. y. racemosa Somm. 
et Lev. in litt., Pohjgala vulgaris L. subsp. comosa var. Caucasica Chodat, 
Älsine laricifolia Whlnbrg. var. Pontica und Ä. suhuniflora, Arenaria rotundi- 
folia M. B. var. Colchica, Hypericum nummulariaefolium Trautv. var. pumihm. 
Geranium gracile Ledeb. var. glahriusculum, G. Armenum Boiss. var.? und G. 
Bohertianum L. var. tenuisectum, Haplophylliim Tauricum Jaub. et Spach var. 
latifolium, Bhamnus Frangula L. f. latifolia, Genista elatior Koch var. hirsuta 
und G. Mingrelica, Cytisus Coldiicus, Trifolium rytidosemium Boiss. et Hohen, 
f. nanum, Astragalus Freynii und A. Friclcii Bge. var. longirostris Frejn "et 
Albow, Oxytropis Albana Stev. var. Colchica und 0. Samurensis Bge. var. 
Colchica, Vicia Cracca L. f. stipuUs dentatis, Cerasus Laurocerasus Lois. var. 
hrachystachius Medwedeff et Albow und laurifolius, Sorhus Aria Crantz var. 
velutina, siihtomentosa, glabra und incisa, Rosa glauca Vill. f. 7iana Crepin und 
R. villosa L. var. foliis gldbrescentihus Crepin, Bubus rusticanus Merc. var. 
foliis supra pilosis, Geum ivaldsteinioides, Potentilla verna L. f. Asiatica Siegfr. 
et Kell. (N. s.), Epilobium Colchicum, hirsutum L. f. tomentosum racemis db- 
breviatis et glabrescens racemis valde elongatis, Sempervivum globiferum L. var. 
pseudoglobiferum, Saxifraga Colchica und S. Pontica, Astrantia Pontica und 
A. Colchica, Bupleurum polymorphum und B. sp.?, Carum saxicolum, Chaero- 
phijllum aureum L. /. — C. und C. rubellum, Seseli sp.? und S. calcareum, 
Ligusticum physospermifolium, Peucedanum calcareum, Heracleum scabrum und 
H. calcareum, Malabaila (Pastinaca?) aurantiaca und M. chrysantha, Asperula 
cynanchica L. var. alpicola — A. c. ß. alpina et y. affinis Boiss., Galium erectum 
Huds. var. calcareum, Cephalaria calcarea, Scabiosa ochroleuca L. var. calcarea 
(an sp.?), Achillea MillefoliumXnobilis und A. (Ptarmica) griseo-virens, Anthemis 
tinctoria L. f. floribus pallide luteis vel albidis, Pyrethrum Starckianum Albow 
var. foliosum und P. sp., Senecio orientalis Willd. var. eriocarpus und G. auran- 
tiacus DC. y. dentatus, Carduus Colchicus, Cirsium sp.?, C. aggregatum Ledeb. 
var. macrophyllum, C. Kusnetzowianum Somm. et Lev. var. polycephalum und 
oblongifolium, Jurinea pumila Albow var. major, Psephellus hypoleucus Boiss. 
var. a. Adzharica, ß. Abchasica und y. Caucasica, Centaurea salicifolia M. B. 
var. canescens, Taraxacum Colchicum, Mulgedium Bourgaei Boiss. var. Colchi- 
cum, Crepis rumicifolia Boiss. et Bai. var. glandulosa, Campanula Sarmatica 
Kor var. calcarea, rapunculoides L. f. cordifolia = C. cordifolia C. Koch, pani- 
culata und facie omnino, C. rupicolac Boiss. et Sprun. und C. glomerata L. var. 
symphytoides, l'rimula suaveolens Bertol. var. Colchica, Vinceloxicum Baddeanuin 
und V. probab. n. sp., Gcnliana seplcmfida Bali. var. diversifoiia und C. para- 
doxa Albow var. latifolia, Sivertia punctata Baunig. var. concolor, Myosotis 
ulpestris ücAim. i. pumila Albow und grandißora Boiss. Herb., Kritrichium villo- 
8um Bgo. var, Caucasicum, Verbascum sp.? (Leiantha), doch ist das in Betraclit 
gczogouü V. rubiginosum W. K. ein Mischling von V. Austriacum Schott und V. 
phocniceum Ij , aber nicht V. nigrum phoeniceum, während die ivaukasischc 



Referate. 



37 



Pflanze der Combiuation V. Orientale X phoeniceim f. psilohitryum Ledeb. ent- 
sprechen dürfte, Linaria sp., Scrophularia chri/santha Jaub. et Spach var. 
glahra, Veronica demidata, Peclicularis condensata M. B. i. pumila, Calamintha 
offieinalis Moench f. glabrescens, Marruhium Ast räch anicum Jaeq. var. JRad- 
deanum, Stachijs macroplujUa und St. annua L. var. perenyians, Betonica offi- 
einalis L. f. hirsuta (ob Betonica hirsuta Leyss.V), Plantago JanceolataL. var. 
Kopeimyensis, llmKS montatia Sm. var. laciniata Trautv. in Herb. Boiss., Coryhis 
Colchica, Salix sp.?, Orchis viridi-fusca, Iiis Lazica, Allium pseudostrictum. 
A. gracile und A. Candolleanum, Hemerocallis sp.?, Pohjgonatum multiflonim 
All. f. macrophi/Uum, Carex maxinia Scop. var. angustifolia, Carex n. sp. (Legi- 
timae Koehj und Carex n. sp., Agrostis vulgaris Witlier. var. eJongata Boiss. 
Herb., Avena Adzharica, Catahrosa (Colpodiiim) Caucasica und C. (Colpodium) 
n. sp.?, Bromus asper Murr. \av. glabrescens. Crepin (Bosa), F ocke (Bubus), 
Freyn (Astragaliis), Ha ekel (Festuca), Siegfried und Keller (Potentilla) 
bearbeiteten einzelne Gattungen. Ein erklärendes Standortsregister und ein 
Gattungsverzeicbniss bilden den Schluss. Auf den beigegebenen vier Tafeln werden 
Campamda mirabilis Albow. Gentiana paradoxa Albow, Trapa Colchica Albow. 
Chysmijdia agasylloides Albow und Agasyllis latifolia Boiss. abgebildet. 

Das ganze Werk ist den Manen Edmond Boissier"s, der sieb um die 
Flora des Orients für alle Zeiten unvergängliehe Verdienste erworben, in dank- 
barer Würdigung der grossartigen Munifieenz, mit der William Barbev, dessen 
Schwiegersohn und wissenschaftlicher Erbe, ihm die in Chambesy befindlichen 
Sammlungen zugänglich gemacht und sonst seine Bestrebungen nachhaltigst ge- 
fördert hat, gewidmet. ,J. A. Knapp. 

Berichte der Commissiou für Erforschung des östlichen Mittelmeeres. 

XYII. Zoologische Ergebnisse, VI. Sapphirinen des Mittelmeeres und der Adria. 

gesammelt während der fünf Expeditionen S. M. Schiff „Pola" 1890 — 1894. 

Bearbeitet von Ad. Steuer. (Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien. 

Bd. LXn, S. 149—176, mit vier Tafehi.) Wien, 1895. 

Das Sapphirinenmaterial, welches während der vier Tiefsee- und der letzten 
Adria-Expedition gesammelt und vornehmlich auf Grund der monumentalen 
Copepodenmonographie W. Giesb recht 's bearbeitet wurde, enthält 11 Speeles, 
die hier in der vom Verfasser beliebten Reihenfolge — nach der Häufigkeit 
nämlich — aufgezählt sind: Sapphirina nigromaciilata Claus, auronitens Claus, 
maculosa Giesbr., angiista Dana, gemma Dana, ovato-lanceolata Dana, biciispi- 
data Giesbr., metallina Dana, opalina Dana, scarlata Giesbr. und lactens Giesbr, 
Ausser Bemerkungen über untergeordnete Charaktere und Varietäten ein- 
zelner Speeles wurde hier das cf von Sapphirina lactens Giesbr. und das 9 ^oii 
Sapphirina maculosa Giesbr. zum ersten Male beschrieben; jenes gleicht fast voll- 
ständig seinem Q , dieses unterscheidet sich vom cT "^ie folgt : B^ : Bi = ö:S, 
Bi des zweiten Fusspaares sind anders geformt und das dritte Glied des vierten 
Fusses ist deutlieh abgesetzt. Von Sapphirina nigromaculata Claus finden wir 
eine eingehende Beschreibung der drei letzten Copepodiden (der Verfasser bevor- 



38 



Referate. 



ziigt den älteren Namen Cyelopid-Stadieu). Das Wachsthum der Pleonalsegmente 
erfolgt bei diesen Copepodiden nach der Claus 'sehen Scgmentirungsregel. Die 
caudahvärts fortschreitende Verkümmerung der Extremitäten wird auf die Tendenz 
einer Eeduction der Segmentzahl zurückgeführt, wie dies auch Grobben für die 
niuthmasslichen Stammformen der Copepoden, die Apusiden, hervorgehoben. Die 
allgemeinen Auslassungen des Verfassers über die Systematik der Gruppe können 
hier füglich übergangen werden. 

Anatomische Organisationsverhältnisse haben in dem Capitel über die 
Zeugungsorgane Berücksichtigung gefunden. Diese Theile hat der Verfasser mit 
sichtlicher Assiduität auf Schnittserien untersucht und die spärlichen vorliegenden 
Angaben über den Bau und die Entwicklung der Genitalien — Giesbrecht hat 
bis jetzt nur den taxionomischen Band geliefert — theils richtiggestellt, theils 
ergänzt. 

Das meiste Interesse dürfte der faunistische Abschnitt des Berichtes bean- 
spruchen (S. 156 — 159). Eine Zusammenstellung der Daten über einzelne Fänge 
ergab nur negative Resultate. Von etwaigen verticalen Wanderungen dieser Cope- 
poden in der täglichen oder jährlichen Solarperiode lässt sich nichts wahrnehmen. 
Referent hatte, als Mitarbeiter der akademischen Commission, Gelegenheit, auch 
für andere Planktonkrebse das Nämliche festzustellen. In der Region von bis 
1000 hat mau die Sapphiriuen in jeder Tiefe, zu jeder Zeit und ohne Rück- 
sicht auf die Entfernung der Küsten in verschiedener Verdichtung angetroffen; 
dabei ist zu betonen, dass das Material zum grössten Theile im Hochsommer 
gesammelt wurde. Gleichzeitig vorgenommene Fischzüge mit dem Tanner- und 
dem Oberflächennetz ergaben stets nur in einem Netze Sapphirinen, woraus der 
Verfasser den Schluss zieht, dass sich ihre jeweiligen Ansammlungen nie weit in die 
Tiefe ausdehnen; diese Ansammlungen scheinen ihrerseits durch die Züge der 
Wohuthiere, d. i, der Salpen, geleitet zu werden. Bemerkenswerth ist das Vor- 
kommen der Sapphirina scarlata Giesbr. im ägäischen Meere, da diese Art bis 
jetzt nur im Pacific entdeckt wurde; alle übrigen Arten gehören der Neapler 
Fauna an. Etwas befremdend wirkt daher die einleitende Aeusserung des Ver- 
fassers, es sei zweckmässig, beim Studium der Verbreitung pelagischer Thiere 
die Meere im Sinne der L:indthicrgeogr:\pliie in verschiedene Zonen einzuthcilen, 
zumal der Zusammenhang mit nachfolgenden Angaben, die des illativen Charakters 
entbehren, wenig einleuchtet. 

Der für den Verfasser unverständliche Umstand, dass seine Thiere aus- 
schliesslicli den tropischen und subtropischen Meeresi-ing bewohnen und dennoch 
zur Winterszeit, z. B. im Golfe von 'J'riest die oberen Wasscrscliichien nicht ver- 
lassen, könnte in do- ]»;irticll('ii Eurytliermio dieser (*ope])oden eine Erklärung 
tindeu. Tad. G;i,rbowski. 



•) DanH Sapphirinen im poliiKiNc-li-iiltyssalcn IMaiikton voikuiiiiiH'ii, wiinl« bonnis von atiswärtiKou 
inaritimf-n Kxpoditionßn con8<iitir«. Das Abyssal cntwickoU, sir,h in dor mitüoron l'artio doH Mittol- 
mecrcN, im hüdlichoD Htrfifon der Adria und lioi dnn Cykladon. Nicliisdostowcnigor kann man nicht 
in dif'Hcr biegend von muc.v typiHclicn AbyHsall'anna (v. M a r*- n zc 1 i o r) reden, wie sie sich im atlan- 
(iflcbeD Occan entwickelt. (Anmorkung/^deH Roforonton.) 



Keferate. 



39 



Ortmanu Arnold E. (Princeton, X. J., U. S. N.). Grundzüge der marinen 
Thiergeographie. Anleitung zur Untersuchung der geographischen Ver- 
breitung mariner Thiere, mit besonderer Berücksichtigung der Dekapoden- 
krebse. Mit einer Tafel. Jena, Gust. Fischer, 1896. 

Der durch zahlreiche Specialarbeiten rühmlichst bekannte Verfasser bietet 
in der genannten Broschüre ein Opus von eminenter Wichtigkeit für jeden Zoologen, 
auch wenn dieser seine Untersuchungen auf die innere Morphologie der Seethiere 
zu beschränken pflegt. Jedes von den concis abgefassten Capiteln enthält eine 
Fülle von Gedanken, deren Anführung und eventuelle Anfechtung in einem kurzen 
Eeferate nicht wohl thunlich wäre. Es mögen blos die wesentlichsten Ergebnisse 
angedeutet werden. 

Es sind nur zwei circumpolare (arktische -f boreale) und eine circum- 
tropische Region zu unterscheiden. Ein verfehltes und vergebliches Bemühen 
wäre es, nach etwaigen Charakterformen Localregionen aufstellen zu wollen. 
Lebensbezirke sind als Bezirke gleicher primitiver Existenzbedingungen auf- 
zufassen; das Medium, das Licht und das Substrat treten hiebei als hauptsäch- 
lichste Factoren auf. Während der erste Factor, mit der einzigen Ausnahme der 
Brackgewässer, eine unveränderliche Grösse darstellt, wird die Seefauua durch die 
beiden anderen in drei Grundstöcke differenzirt : das Litoral, in einer Ausdehnung 
von 100 Faden, ^) das Pelagial, bis zur Tiefe von 400 »?, und das licht- und 
pflanzenlose Abyssal; das letztere ist von der Nähe und der Qualität des Meeres- 
bodens vollkommen unabhängig. Die sogenannten Facies sind hingegen in erster 
Linie nach der Beschaffenheit des Grundes zu bestimmen, in zweiter nach Mass- 
gabe der Vegetation (Mare Sargassum!). Es gibt selbstverständlich Thiere, die 
ein intermediäres Leben führen' und z. B. als nekto-plauktonische zu bezeichnen 
sein werden, oder je nach dem Altersstadium und der Jahreszeit dem Haeckel- 
schen Benthos oder dem Plankton beizuzählen sind. 

Bionomische Ausführungen nöthigten den Verfasser, zu mehreren Fragen 
der Umwandlungstheorie Stellung zu nehmen. Der Verfasser ist ein Eklektiker, 
Anhänger Herb. Spencer s, M. Waguer's und G. Pfeffer's. Weismann"s 
Amphimixis kann nichts erklären, weil sie ja mit verschiedenem Ahnenplasma 
arbeitet, uns aber nicht sagt, worin jene Verschiedenheiten ihre Quelle haben. 
Die Amphimixis wirkt auf das Durchschnittsmass der specifischen Merkmale eher 
conservirend. Die Vermischung schlechter Eigenschaften ist wichtiger, als das 
Ueberhandnehmen des Passendsten. Ein Satz auf S. 32 enthält eine (unvoll- 
ständige) Definition des Artbegriffes: „Als Arten können wir nur solche Formen 
ansehen, die sich infolge von Isolirung auch durch morphologische Merkmale 
scharf und constant von gleichzeitig lebenden verwandten Formen abheben." (Ein 
solcher Artbegriff kann jedoch wegen Veränderlichkeit der Thiere nur zeitweilig 
„constant" sein.) Neue Arten können nicht durch Mutation, sondern durch räum- 
liche Trennung entstehen und erheischerr ein simultanes Zusammenwirken von 
Tier Factoren. Diese sind: das Anpassungsvermögen, das Vererbungsvermögen 



') Ein Faden = cixca 1-85 wi. 



40 



Referate. 



des Angepassteu, das zur Bildung verwandter Formenkreise führt, die Naturzucht, 
welche eine Mutation derselben bedingt, und viertens eine räumliche Isolirung. 
Der Bezirk eupelagischer Fauna kann sich bis zur Küste erstrecken. Alle Formen 
der Hochsee sind w^ahrscheinlich aus nektonischen Formen hervorgegangen, die 
vom Substrate abhängig waren. So sind z. B. Sergestes und Leucifer typisch 
plauktonische Thiere geworden. 

Aus Ortmann's tretFlichen, an anderen Stellen erschienenen Specialstudien 
ist zu ersehen, dass „ohne ausgedehnte und kritische, systematische Vorarbeiten 
ein fruchtbares geographisches Studium nicht denkbar ist" (Vorwort, S. IV). 
Je sparsamer dabei ein Verfasser mit Verallgemeinerungen und inductiven Theo- 
remen umgeht, umso weniger hat er zu befürchten, seine Behauptungen durch 
weitere Untersuchungen dereinst entkräftet zu sehen. Tad. Garbo wski. 

Staiidfuss, Dr. M. Handbuch der paläarktischen Gross-Schmetter- 
linge für Forscher und Sammler. Zweite, gänzlich umgearbeitete und 
durch Studien zur Dcscendenztheorie erweiterte Auflage. (392 S., 8 Farben- 
drucktafeln und 8 Textfiguren.) Jena, G. Fischer, 1896. (14 Mk.) 

Der vorliegende umfangreiche Octavband, welcher dem bekannten Anatomen 
Prof. Dr. Arnold Lang in Zürich gewidmet erscheint, bietet in seinem Inhalte 
eine Vereinigung von einerseits durchaus empirischen, nur für den praktischen 
Sammler berechneten Eathschlägen, andererseits eine Fülle höchst werthvoller, 
durch das Resultat langjähriger Experimente gestützter biologischer Betrachtungen. 
Es ist selbstverständlich, dass bei der bekannten vieljährigen Thätigkeit des Ver 
fa.ssers auf dem Gebiete der praktischen Lepidopterologic die diesbezüglichen Mit 
theilungen seiner reichen Erfahrungen allen Sammlern höchst willkommen sein 
mü.sseu, was auch der Erfolg der ersten Auflage dieses „Handbuches" bereits be 
wie.sen hat. Ob es nothwendig erschien, hiemit auch die für einen anderen Leser 
kreis berechneten descendenz-theoretischen Studien von allgemein Wissenschaft 
lieber Bedeutung zu einer Publication zu verbinden, bleibt fraglich. Verfasser 
sucht es in der Vorrede aus praktischen Gründen zu rechtfertigen. Im Nach- 
folgenden seien nur einige der interessantesten Betrachtungen aus dem biologi- 
schen Inhalte des Buches in Kürze hervorgehoben. 

Im Capitel „Paarung" (S. 41—117) wird namentlich die Hybridation aus 
fülirlich behandelt. Nach einer Uebersicht über die bisher bekannt gewordene 
Fälle von Hybridationen, wobei (wie auch sonst überall im Buche) in sehr aner 
konnenswertber Weise Literaturcitate gegeben werden, sind bisher in 24 Combi 
nationen Hybridfalter ]»aliiarktischer Macrolej)ido])teren gezüchtet worden, wovon 
nicht weniger als sieben Fälle auf das Genus Salnrnia kommen. Letztere werden 
auch in ausführlicher Weise (S. CG— 100) besprochen und namentlich auc 
(lescriptive Miltheiliingen über die Eni wicklimgsstadien dieser Hybridforjnen i 
Vergleiche mit jenen der betreflenden Stammarteu gemacht. Diese grösstenthei 
vom Verfasser selbst benannten Hybrid formen sammt dazti gehörigen Raupe 
werden auf den drei ersl,en der vorzüglich ausgciführtcn Färbend riicktafeln zu 
Abbildung gebracht. Im Auschlusae daran führt eine pliylogenetische Betrachtun 



Referate. 



41 



den Verfasser (in Uebereinstimmung mit Weismann [1876]) zu der gut begrün- 
deten Annahme, dass Saturnia Spini die phylogenetisch älteste, Satimiia Pa- 
vonia eine jüngere und Saturnia Pyri die jüngste Form sei. 

Hohes Interesse beanspruchen die allgemeinen Schlüsse über Hybridation. 
zu welchen Verfasser gelangt (S. 107—115); darnach prävalirt einerseits der 
mütterliche Organismus in der hybriden Nachkommenschaft namentlich in den 
ersten Entwicklungsstadieu, andererseits aber derjenige Elterntheil, welcher der 
phylogenetisch älteren Art angehört. Da sich bisher kein einziges weibliches Indi- 
viduum einer unzweifelhaften Bastardform als fortpflanzuugsfähig erwiesen hat, 
schliesst Verfasser mit gutem Grunde die Hybridation als unmittelbar artbildenden 
Factor vollständig aus und gelangt (S. 115) zur bekannten Feststellung des Art- 
begriffes von rein physiologischem Standpunkte, der in etwas erweiterter Form 
auf S. 353 wiederholt wird. 

Im Abschnitte „Zucht der Eaupen" spricht Verfasser (S. 148) die Resultate 
seiner vielfachen Experimente mit Erhöhung der Temperatur während des Eaupen- 
lebens dahin aus, dass je wesentlicher die Frasszeit der Raupe durch die Erhöhung 
der Temperatur gekürzt werde, desto bedeutender die Grössenreductiou des Falters 
sei, und andererseits ein trotz der Temperaturerhöhung nicht verkürztes Raupen- 
leben zur Vergrösserung des Falters führe. In diesem Abschnitte werden auch 
(S. 153—166) die Krankheiten der Raupe in übersichtlicher Weise behandelt. 

Das Zahlenverhältniss der beiden Geschlechter einer Art stellt sich nach 
mehrfachen Zuchtresultaten und verschiedenen Berechnungsweisen so dar, dass 
auf 100 weibliche Falter 106 männliche kommen. Diese Relation beider Ge- 
schlechter trifft nach den beigebrachten Belegen auch anderwärts in der organischen 
Welt wie in der menschlichen Statistik zu. Die durch andere Autoren wiederholt 
ausgesprochene Behauptung, dass durch Futtermangel im Raupenleben vorwiegend 
männliche Falter erzogen werden können, wird dahin berichtigt, dass eine Beein- 
flussimg des (bereits in den ersten Entwicklungsstadien entschiedenen) Geschlechtes 
nicht erfolgen könne, dass aber bei Futtermangel die überlebenden Individuen 
darum vorwiegend männlich ausfielen, weil in diesem Geschlechte eine Grössen- 
reduction ohne wesentliche Beeinträchtigung der Geschlechtsproducte leichter 
möglich und daher die männlichen Raupen gegen Nahrungsmangel widerstands- 
fähiger seien. 

Im Capitel „Ueber die von den normalen abweichenden Falterformen" 
werden die als „Albinismus" und „Melanismus" bekannten Erscheinungen auf 
jene Fälle beschränkt, wo die Pigmentsubstanz in den Schuppen die normale 
Färbung nicht erreicht oder sich darüber hinaus verdüstert, ohne dass hierbei die 
Zeichnungsanlage der Art verändert würde. 

Wie wenig die bestehende Nomenclatur (welche nur einen historischen 
Erklärungsgrund für sich hat) der natürlichen Verwandtschaft der Formen ent- 
spricht, wird (S. 217) mit Recht hervorgehoben und an einigen Beispielen erläutert. 
So stellt die Varietät Hethlandicus Knaggs von Hepialus Humuli L. zweifellos 
die ältere, sexuell monomorph gebliebene Form dar und wäre folgerichtig als 
Stammart zu bezeichnen. Aehnliche nomenelatorische Unrichtigkeiten finden sich 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 6 



42 



Referate . 



auch bei saison-diniorphen Arten, wo bald die erste, bald die zweite Generation 
als Grundform bezeichnet wird. 

Bei der eingehenden Behandlung des Saison-Dimorphismus (für welche 
vox hjbrida in neuerer Zeit das Wort Hora-Dimorphismus Anwendung gefunden 
hat) konnte die (im vorigen Hefte dieser Schriften besprochene) neueste Publication 
Weismann's nicht benützt werden, woraus sich erklärt, dass unter den 23 auf- 
gezählten Fällen paläarktischer Arten sich auch solche finden, bei welchen die 
Ueberwinterung nicht im Puppenstadium erfolgt, die also im Sinne Weismann 's 
(1875 und 1895) nur klimatisch polymorph, nicht aber saison-dimorph sind (S. 228 
bis 236). Es folgt hierauf die ausführliche Mittheilung zahlreicher vom Verfasser 
ausgeführter Temperaturversuche, namentlich mit Fawessa -Arten, die schliesslich 
zu einer genealogischen Betrachtung dieser Faltergruppe verwerthet werden 
(S. 296—802). Von hohem Werthe sind die Ergebnisse dieser Experimente auch 
durch den Nachweis, dass bei Formen von nördlicherer Provenienz durch Erniedri- 
gung der Temperatur eine Convergenz zu älteren Typen, rücksichtlich durch 
Erhöhung der Temperatur eine Divergenz zu denselben gesteigert werden kann, 
wogegen sich Arten, welche aus dem Süden eingewandert sind, in beiden Fällen 
umgekehrt verhalten (S. 283). Es handelt sich also überall durch entgegengesetzte 
Einwirkung der Temperatur um Hervorbringung entweder regressiver (atavisti- 
scher) oder progressiver, in der Entwicklungsrichtung der Art gelegener, jedoch 
normal nicht erreichbarer Formen. So wurde der (bereits von Fischer publi- 
cirte) Nachweis der unmittelbaren Verwandtschaft von Vanessa Jo und Vanessa 
Urticae experimentell erbracht, wofür auch eine Zahl Abbildungen auf Tafel VI 
vorliegen, lieber den Werth derartiger äusserlicher Veränderungen der Falter 
äussert sich Verfasser trefflich, indem er (S. 288) sagt: „Wenn diese Verschiebungen 
im Farbenkleide der Flügel auch keinen massgebenden Einfluss auf die Fort- 
pflanzung ausüben können, so sind sie doch als ein Anzeichen dahin anzusehen, 
da.ss auch Veränderungen in physiologisch wichtigeren Beziehungen vorgegangen 
sind, die allerdings nicht immer gleichen Schritt mit der äusserlich sichtbaren 
Divergenz halten müssen." Entscheidend für die Beständigkeit einer Form ist eben 
nur die innere (physiologische) Dis])Osition, die eine Rückkreuzung unmöglich 
macht, eine Thatsache, die mit Recht gegen die ausschliessliche Verwerthung 
des Falterkleides durch Eimer bei systematischen Darstellungen hervorgehoben 
wird. 

Die allgemein anerkannte biologische Thatsache, dass die Widerstands- 
fähiglicit einer Form in directejn Verhältniss zu ihrem phyletischen Alter steht 
fS. 290), findet hier ihre neuerliche Bestätigung. 

Aus dem Abschnitte über Aberrationen (S. 305—321) sei nur hervorgehoben, 
dass es sich vielfach hier um antagonistische Eigenschaften der Art handelt, d. h. 
um solche Eigenschaften, die sich in einem und deniscllxMi Individuum aus- 
schliessen. Für viele Alx-rrationen ist eine sprungweise Enislehung anzunehmen; 
bei der Kreuzung der Grundart mit solchen aberrirten Stücken zeigt die Nacli- 
kommenschaft keine Mitlelforni, sondern nur Individuen der Grimdart und der 
Aberration, was an einigen Zuchtresultaten nachgewiesen wird. 



Referate. 



43 



Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass in einem eigenen Capitel 
(S. 322—353) Andeutungen zur Frage der Artbildung gemacht wei'den. 

Diese kurzen Mittheilungen aus dem reichen Inhalte des Buches mögen 
genügen, um nicht nur jedem Lepidopterologen, sondern auch jedem Biologen in 
weite]-em Sinne des Wortes geradezu die Unentbehrlichkeit dieses Handbuches 
darzuthun. Ohne Vorurtheil kann behauptet werden, dass ein ähnliches Compen- 
dium mit so vielem Thatsachenmaterial von allgemein biologischer Bedeutung 
vereint, in der neueren entomologischen Literatur nicht seines Gleichen hat. Das 
Buch erscheint geradezu berufen, die Basis für zielbewusste weitere Bestrebungen 
auf dem Gebiete der Experimental-Biologie abzugeben, und wäre ihm schon allein 
von diesem Standpunkte aus die weiteste Verbreitung zu wünschen. 

Nicht zuletzt sei die treffliche Ausstattung, welche die bekannte Verlags- 
haudlung G. Fischer der Publication angedeihen Hess, mit Lob hervorgehoben. 

Dr. H. Eebel. 



Piil)licatioiieii über Lepidoptereii. 

(Referent Dr. H. Rebel.) 

Transaetious of the Entomological Society. London, 1894, Part III— V. 

Mejrick, Edw. On Fyralidina from the Malay Archipelago (p. 455—480). 

In der verhältnissmässig kleinen Arbeit werden nicht weniger als 17 neue 
Gattungen und eine denselben entsprechende Zahl neuer Arten aufgestellt. 

Walsingham, Lord. Catalogue of the Pterophoridae, Tortricidae and 
Tineidae of the Madeira Island, with notes and descriptions of new species 
(p. 535-555). 

Eine Revision der Typen Wollas ton 's von maderischen Microlepidopteren 
gibt dem ersten Microlepidopterologen Englands Veranlassung, eine erschöpfende 
üebersicht über die bisher von Madeira bekannt gewordenen Pterophoriden, 
Tortriciden und Tineiden (zusammen 66 Arten) zu geben. Interessenten der so 
lehrreichen atlantischen Fauna müssen auf das Original verwiesen werden. Es 
seien hier nur die neuen Formen erwähnt: Hyponomeuta Bakeri (p. 542 bei 
Egregiellus Dup.), AnacampsisWollastoni (p. 545), Blastohasis Lavernella (p. 547), 
Bl. Desertarum Woll. var. nov. Badiata (p. 550), Bl. Lignea (p. 550) und var. 
Ädustella (p. 551), Epistetus n. gen. (bei Blastohasis) mit Pica n. sp. als Art 
(p. 552 — 553), Laverna Reheli (p, 554). 

Bethune-Baker, George T. Descriptions of the Pyralidae, Cramhidae 
and Phycidae collected by the late T. Vernon Wollaston in Madeira (p. 581—586). 

Gleichsam als Ergänzung zu der eben erwähnten ausgezeichneten Arbeit 
Lord Walsingham 's soll das vorliegende, leider sehr oberflächlich und ohne 
Berücksichtigung der einschlägigen Literatur angefertigte Verzeichniss von 
24 Arten dienen, wovon Scoparia Wollastoni (p. 583), Botys Maderensis (p. 584) 
und Botys Atlanticum (p. 584) als neu beschrieben werden. 

G* 



44 



Referate. 



Aus deu Sitzuugsberichteu sei nur eine interessante Mittheilung Tutt's 
über Zijgaena Exulans und deren Localformen (p. XXVI— XXVII), sowie die 
hervorragende Rede („Address") des Präsidenten Elwes in der Jahressitzung 
vom 16. Jänner 1895 (p. L— LXXXIV) erwähnt, welche die geographische Ver- 
breitung der Tagfalter zum Gegenstande hat. 

Tijdsclirift roor Entomologie (Nederl. Ent. Vereenig.). XXXVII. 1893-1894. 

Snelleu, P. CT. Aanteckeningen over Nederl. Lepidoptera. II. Micro- 
lepidoptera (p. 1—32, PI. 1). 

Dieser vierte Nachtrag zu dem bekannten Faunenwerke desselben Autors 
zählt als neue Arten für die niederländische Fauna Blahophanes Lomhardica 
Hering (p. 14, PI. 1, Fig. 4—6, im Vei-gleiche zu Ferruginella Hb., Fig. 1—3), 
Blahophanes Trimcicolella Tngstr., Ärgyresthia Laevigatella H.-S., Gelechia Semi- 
(Iccandrella Stt. und Sitotroga Cerealella Oliv. auf. Bei vielen anderen Arten 
werden mit der mustergiltigen Gründlichkeit dieses ausgezeichneten Fachmannes 
nebst vielen Fundortsangaben auch andere wertlivolle Anmerkungen nachgetragen. 

Derselbe. Lepidopt. Aanteckeningen (p. 67—72). 1. Hestina Mimetica 
Butl, PI. 3, Fig. 1. 2. Nepheronia Octavia n. sp., p. 68, PL 3, Fig. 2. Tanah- 
Djampea, mit werthvollen Bemerkungen über andere Pieriden. 3. Papilio Aga- 
memnon L., Aberration mit gelben Flecken, PL 8, Fig. 8. 

Derselbe. Description de deux especes inedites du genre Gosscnsia Eag. 
1. G. Cinnamomealis, p. 74, PL 3, Fig. 5, 6. Salawatti. 2. G. LuteaUs, p. 75, 
PL 3, Fig. 7, 8. lies Obi. 

Derselbe. Bockaankondiging (p. 76—77) über Hampson's II. Band der 
indischen Heteroceren. 

Derselbe. Aanteckening over Helcyra Hemina Hew. (p. 78—79). Ueber 
die generische Stellung dieser interessanten Nymphalide. 

Derselbe. Glyphodes Jaculalis, nieuwc Soort der Pyraliden (von den 
Philippinen) (p. 177—179). 

Brants, Mr. A. Een Paar Halsorganen bij de Rups van Notodonta Zic- 
zac L. fp. 196-224, PL 5). 

Eine sehr interessante Arbeit morphologischer Natur über ein bisher unbe- 
kannt gebliebenes, an der Veutralscite des Halses der genannten Raupe ausstülp- 
bares Organ, welches in Form und Function der bekannten Nackengabel der 
Pa}iilionidenraupen gleicht. Da dieses Schutzorgaii nur selten zur Ausstülpung 
gelaugt, ist es bisher der Bcobaclitung entgangen. Die ähnliche morphologische 
Verhältnisse behandelnde Literatur wird citirt und besprochen. 

ncifiJl^e zu eiiiom ycrzcichiiisse der Iiisectenfauiui (iraubUiideiis von 

Dr. !•>. Killias, foi-tgefiilirt von .1. L. Caflisch. L('pi(lo])tora. IL Naclitrag. 

(72 S. und zwei Karten. Beihige zum Jahresbericht 1891/95 der NaturL 

Gesellsch. Graubündeus. 38. Bd. Chur, 1895.) 

Seit dorn vor neun Jahren, noch von dem inzwischen verstorbenen 
Dr. Killias publieirten I. Nachtrag zum V(!rzoi(;lini.sse der Bündner Lejjidopleren 
sind 50 Arten Macrolepidopteren und 20 Microhjpidojjtoreu im Cauton Graubünden 



Referate. 



45 



neu aufgefuudeii worden, so dass sich die Gesammtzahl aller Arten auf 929 Macro- 
uud 667 Microlepidopteren stellt. Zu den interessantesten Vorkommnissen zählt 
die bisher in der Schweiz noch nicht beobachtete Fsijclie Standfiissii H.-S. 
(Davos-Dörfli, am Licht Ende Juli 1887, Hauri), Lopliopteryx CanneUta Esp. 
(Davos-Dörfli, am elektrischen Licht Anfang Juni 1895, Boner), Caradrina 
Noctivaga Bell, (bei Ilanz, bereits von Eätzer aus dem Visperthal bekannt ge- 
macht), Hiptelia Loretzi Stgr. (wo ein näherer Fundort verschwiegen wird), Dasy- 
polia Ferdinandi Rühl (Stilfser Joch, schwerlich eigene Art), Phisia Aemula Hb, 
(Bergün [Rothschild] und Weissenstein [Cafli sch]), Pliisia V. argenteum E^i^. 
(alljährlich im Curhause Tarasp, in dessen t^mgebung die Futterpflanze Tha- 
lictrum foetidiim wächst), Exigonia Fuscantaria Hw. (Ilanz), Hemerophila 
Abruptaria Thnbrg. (Misox, bereits von Rätzer erwähnt), Odezia Tibiale Esp. 
(bei St. Martin), Eiipithecia Insigniata Hb. (Ilanz 1894, Caf lisch), Scoparia 
GracilaUs Stt. (synonym mit Alpina Stt.), Conchißis Elongana F. (Weissenstein, 
Caf lisch; wahrscheinlich eine unrichtige Bestimmung, da die Art bisher noch 
nicht im Alpengebiet beobachtet wurde), Butalis Acanthella God. (Bei-gell). 

Für eine grosse Zahl anderer Arten werden weitere Fundorte im Gebiete 
bekannt gemacht. Neu beschrieben wird eine Erebia Ceto Hb. var. Caradjae 
Cafl. (S. 15) „bei Ponte im Oberengadin noch im Juli". Sie ist bedeutend kleiner 
(35 mm) als die Unterengadiner Ceto, die orangegelben Keilflecken reducirt und 
verdunkelt, und kommt hierdurch jedenfalls der von Rätzer (Mitth., VIII, S. 222) 
bekannt gemachten Ceto var. Obsciira aus dem Wallis nahe. 

Die beiden Karten veranschaulichen das Verbreitungsgebiet einiger Arten. 

Stettiuer Eutomologische Zeitung. 55. Jahrg., 1894. Nr. 4—12. 

Fruhstorfer, H. Neue und wenig bekannte Java-Rhopaloceren (S. 116 
bis 125, Taf. III-V, Fig. 1). 

Dieser von schönen colorirten Abbildungen begleitete faunistische Beitrag 
behandelt acht Formen, wovon Zeuxidia Dohrni, Herona Pringondani, Delias 
Bromo und Elymnias Maheswara als neue Arten beschrieben werden. 

Derselbe. Ein neuer Tagfalter aus Nias {Herona Djarang, S. 126, Taf. V, 
Fig. 9, )• 

Derselbe. Einige Worte über Morpliotenaris Schoenbergi (S. 127—128). 
— Eine Verwahrung gegen die von Dr. Staudinger („Iris", VI, S. 363 fi".) ver- 
suchte Einziehung dieser von Fruhstorfer aufgestellten Gattung. 

Drei Geometridenzwitter. 

1. Acidalia Virgularia Hb. und aberr. Bischoffaria Lah. von Otto 
Habich (S. 131, Taf. V, Fig. 1). Habich erhielt durch Zucht aus dem Ei von 
einem stark verdunkelten 9 zwei getheilte Zwitter, bei welchen die linke männliche 
Seite ebenso verdunkelt war wie die Stammmutter, während die rechte weibliche 
Seite normale Färbung zeigt. Die übrigen Stücke dieser Zucht gehörten theils 
der Varietät, theils der Stammart au. 

2. Btopalus PiniariusL. von AI. Rogenho fer (S. 131, Taf.V, Fig. 2). 
Getheilter Zwitter, links cf , rechts 9 . Die Zahl beschriebene!- Zwitter bei dieser 



46 



Referate. 



Art beträgt nicht blos zwei, wie nach Bertkau behauptet wird, da bereits Hagen 
(1861) einen solchen erwähnt, und Bertkau nur eine Fortsetzung des Hagen- 
schen Verzeichnisses gibt. 

3. Cleoge7ie PeletierariaDu^.YonThd. Seebold (S.132, Taf.V, Fig. 3). 
Vorwiegend männlich, die linke Flügelseite theilweise verkrüppelt und von der 
hellen Färbung des 9 ; dagegen ist der linke Fühler männlich, der rechte weiblich. 

Hugo Christoph, ein Nachruf von Major Ed. Hering (S. 133—139) 
— Die bewährte Feder Hering's gibt eine übersichtliche Lebensskizze des am 
5. November 1894 in Petersburg verstorbenen bekannten Lepidopterologen. 

Prout, Louis B. Synonymische Bemerkungen über Cidaria Ferrugata, 
Spadicearia und Unidentaria (S. 160—161). 

Ein magerer Auszug einer von demselben Verfasser in der Londoner Entom. 
and Natur. Hist. Society 1894 erschienenen Publication, wonach Spadicearia Bkb. 
(= Ferrugata Cl.) auf Grund des männlichen Genitalapparates in Ueberein- 
stimmung mit Aurivillius (1891) als gute Art von Corculata Hufn. (= Ferru- 
gata L.) getrennt wird, zu welch" letzterer Unidentaria Hw, als Aberration mit 
schwarzem Mittelfeld der Vorderflügel gehört. 

Hedemann, W. v. Beitrag zur Kenntniss der Microlepidopteren-Fauna von 
Dänisch -Westindien (S. 280—302). 

Die bereits mehrfach (conf. Referate dieser Zeitschrift, S. 114) erwähnte 
Sammelreise des bekannten Lepidopterologen gibt zu diesem schönen faunistischen 
Beitrag Veranlassung, welcher nur die Pyralidinen und Crambiden mit zusammen 
70 Arten umfasst, dadurch aber sehr an Werth gewinnt, dass alle von den dänisch- 
westindischen Inseln bekannt gewordenen Arten darin aufgenommen sind und mit 
reicher Literaturkenntniss vielfach die Synonymie, namentlich auch durch Ver- 
gleich Fahr ici 'scher Typen, berichtigt wird. Es werden zwei neue Genera, u. zw. 
Eapoona (bei Ceratoclasis Led.) mit der Art Tristis (S. 292—293) und Heringia 
(bei Piletocera Led.) mit der Art Mendica (S. 293—294) aufgestellt, ausserdem 
mehrere neue Arten beschrieben. 

Ptothke, Max. Einige Schmetterlings-Aberrationen aus der Fauna Cre- 
felds (S. 303—305). Neu benannt wird eine Papilio il/ac/mon -Aberratio: Nigro- 
fasciata mit obliterirten gelben Saummonden auf der Oberseite der Hinterflügel. 

Hering, Ed. „Carl Reutti", ein Nachruf nach dem am 12. Jänner 1894 
verschiedenen bekannten Verfasser der Lepidoi)terenfa,una des Grossherzogthums 
Baden. 

Wey m er, Gust. Beitrag zur Lepidopterenfauna von Rio Grande do Sul 
(Exotische Lepidopteren, VII) (S. 311— 383), Es werden 140 Rhopaloceren -Arten 
lind 38 Heterocercn angeführt, darunter mehrere neue Arten uiul ein neues 
Lithosidengenus: Antiloha (S. 328) mit Carnea n. s]). als Art. 

Seitz. Dr. A. Sclimelt(!rlinge aus Süd-Shan-tung (8.333—3-15). 

Es werden nur 19 Arien angeführl, aber interessante Angaben faunis(is(;h- 
biologi.scher Natur eiugoflochten. Die eingangs gemachte Bemerkung iil)or die 
Willkür in der Abgrenzung dfs ]);ilä:irkl isdu'U Fnnnongfbictes wäre fiir viele 
•Saininler iM-herzigenswerth. 



Referate, 



47 



Hinneberg, Dr. C. GraphoUtha Tetragrammana Stgr. und PluteUa 
Incarnatella Steudel (S. 345 — 358, mit einer Nachschrift von Hering). 

Von beiden bisher sehr wenig beobachteten Microlepidopteren -Arten werden 
die bei Potsdam, resp. Berlin entdeckten ersten Stände bekannt gemacht, wonach die 
Tortricide auf Humuliis lupulus, die Plutellide auf Sisyrribrium Alliaria lebt. Aus- 
führliche Ergänzungen auch in deseriptiver Hinsicht werden für beide Arten gegeben. 

Weymer, Gust. Besprechung von „A handbook to the order Lepidoptera 
by W. F. Kirby" (Allen 's Naturalist's Library) (S. 398—402). 

Drude 0. Deutschlands Pflanzengeographie. Ein geographisches Cha- 
rakterbild der Flora von Deutschland und den angrenzenden Alpen-, sowie 
Karpathenländern. Erster Theil. Stuttgart (J. Engelhorn), 1896. (16 Mark.) 

Es ist mit Freude zu begrüssen, dass der Verfasser des vor einigen Jahren 
erschienenen „Handbuches der Pflanzengeographie" nun daran gegangen ist, die 
in diesem Werke besprochenen allgemeinen Principien in einem speciellen Floren- 
gebiete durchzuführen. Dieses specielle Gebiet ist nicht Deutschland im politischen 
Sinne, sondern das deutsche Sprachgebiet, welches also auch einen grossen 
Theil der Schweiz und Oesterreichs umfasst. Aus Gründen der Zweckmässigkeit 
wurden auch noch Holland und Belgien (z. Th.), das Gebiet des Jura und theilweise 
auch jenes der Karpathenländer mit berücksichtigt. Das Buch ist daher auch für 
die floristisch thätigen Botaniker Oesterreich-Ungarns von grosser Wichtigkeit. 

Wenn in den folgenden Zeilen eine kurze Inhaltsübersicht gegeben wird, 
so bezweckt diese nur, demjenigen, der nicht Gelegenheit hat, in das Werk selbst 
Einsicht zu nehmen, anzudeuten, was er in demselben finden kann. 

Der Gesammttitel des vorläufig allein vorliegenden ersten Theiles lautet: 
„Die Vertheilung der Pflanzenformen im Gebiet nach Klima und Standort." 
Unter den fünf Abschnitten dieses ersten Theiles gibt der erste einen allgemeinen 
„Ueberblick über das Gebiet und seine Pflanzenwelt", während der zweite „die 
biologischen Vegetationsformen des Gebietes" behandelt. Der dritte (umfang- 
reichste) Abschnitt ist der speciellen Besprechung der einzelnen im Gebiete ein- 
heimischen Pflanzenfamilien mit Eücksicht auf deren Verbreitungs- und Standorts- 
verhältnisse gewidmet, während der vierte — der dem Eeferenten der werthvollste 
zu sein scheint — „die mitteleuropäischen Vegetationsformationen" in ausführ- 
licher Weise darlegt. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der „periodischen 
Entwicklung des Pflanzenlebens im Anschluss an das mitteleuropäische Klima." 

Während in Bezug auf den Inhalt der Abschnitte 1 — 3 und 5 auf das 
Werk selbst verwiesen werden kann, glaubt Eeferent keinen Fehlgriff zu thun, 
wenn er die vom Verfasser im vierten Abschnitte gegebene Gliederung der mittel- 
europäischen Vegetationsformationen in ihren Hauptzügen hier wiedergibt. 

1. Die deutschen Waldformationen, 14 an der Zahl, sind folgende: 
Kiefernheidewald (Pinus süvestris), Schwarzföhrenwald (Pinns nigra), Auenwald 
(Laubwald ohne Rothbuchen!), Bruch wald (Erlen und Weiden), gemischte Laub- 
holz-Formation der niederen Regionen, Buchenhochwald, lichte Hain- und Vor- 
holz-Formation der niederen Regionen, baltisch-hercynische Mengwald-Formation, 



48 



Referate. 



Tannenwald der Bergregion, Voralpenwald, obere hercynische Fichtenwald-Forma- 
tion, subalpiner Hocbgebirgswald, montane und subalpine Waldbacb-Formation. 

2. Die immergrünen und alpinen Gebüsch- und Gesträuch- 
Formationen. Hieher gehören die Niederungsheiden und die subalpinen Berg- 
heiden, beide mit Calluna vulgaris und Faccmwm -Arten, die „Schneeheide" mit 
Erica carnea, die Gebüsche der Alpenrosen, Legföhren und Wachholderarten, der 
Grünerle und der Alpenweiden. 

3. Die deutschen Grasflur-Formationen, und zwar: Triftgrasfluren, 
Sandgrasfluren, Salz- und Strandwiesen, langhalmige Niederungs- und Thalwiesen, 
kurzhalmige Bergwieseu, langhalmige Bergtriften und Riedgrasfluren, kurzrasige- 
Alpenmatten, Gras- oder Wiesenmoore. 

4. Die Moosmoor-Formationen, mit drei Haupttjpen: Calluna-Moos- 
moore, Filze (Pinns uliginosa!) und alpine Moosmoore. 

5. Die Formationen de r Wasserpflanzen: die Schilf- und Röhricht- 
Formationen, die schwimmenden und untergetauchten Pflanzen des süssen Wassers 
und die oceanischen Formationen. 

6. Die offenen Formationen des trockenen Sandes und Fels- 
gesteins von der Küste bis zur unteren Bergregion. Hieher gehören zunächst 
die psammitischen Formationen, dann die halophile psammitische Formation 
(Sandstrandflora mit Elymus arenarius, Ammophila arenaria, Agropyrum -Arten, 
Carex arenaria etc.), endlich die djsgeogenen Felsformationen (Silikatgesteine 
und Basalte; Kalkgerölle). 

7. Die Salzpflanzen-Formationen des festen Landes. Unter den 
„Wiesen- und Triftformationen der Halophyten" sind die Salzwiesen von Atropis 
maritivia, die gemischten Graswiesen {Atropis maritima und distans mit Scirpus 
maritimus, Poa- und Agrostis- Arten) und die ^r^mma-Salztriften zu nennen. 
Für die „sumpfigen Halophyten-Formationen" oder Salzsümpfe sind besonders Sali- 
cornia lierhacea, Aster Tripolium, Triglochin maritimiim und andere Gewächse 
charakteristisch. „Die Wattenform der Salicornia"' ist hievon zu unterscheiden. 

8. Fels-, Geröll- und Nivalformationen des Hochgebirges. Hier 
kann man drei Regionen unterscheiden, welche selbst wieder in Unterregionen 
zerfallen: die präalpine Fels- und Geröllformation (untere Grenze ca. 1000 7», 
obere 1800 — 2000 m), die alpine Fels- und Geröllformation (und zwar infraalpine 
Formation bis zur Krummholzgrenze; intraalpine bis zur Grenze der Vaccinicn, 
Ar ctostaphylos -Arten etc.; supraalpine bis zur Grenze der Alpenweideu etc.) und 
die nivale Fels- und Geröllformatiou (von ca. 2500 — 2600 m bis auf die Schncc- 
gipfel, und zwar iufranivale, intranivale und supranivale Formation). 

9. Das Schlusscai)itel des dritten Abschnittes behandelt „die Bodeubedcckung 
Deutschlands unter dem Kinfluss der Cultur". Hier kommen neben den Cultur- 
pflanzen auch die Unkräuter und Ruderalpflanzen zur S])rache. 

Möge das interessante und höchst lesenswerthc Werk recht viele Floristen 
anregen, nicht nur den einzelnen Raritäten und „kritischen Arten", sondern 
auch den IM laiizengenossenschafl en ihres Wohngebietes Aufmerksamkeit zu 
schenken! l'rof. Dr. C. Fritsch (Wien). 



49 



Versammlung am 5. Februar 1896. 

Vorsitzender: Herr Gustos Dr. E. v. Marenzeller. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

^ ^ ^ Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herr o m tt 

P. T. Herren 

Binder Franz S., Magistratsbeamter, Wien, 

III., Barichgasse 14 J. v. Hungerbyehler, Dr. F. Spaeth. 

Breit Josef, Beamter, Wien, VII., Mariahilfer- 

strasse 120 L. Gangibauer, Dr. F. Spaeth. 

Chimani, Dr. Otto, Wien, XVIII., Antoni- 

gasse 19 Dr. E. Chimani, J. Kaufmann. 

Jawrowski, Dr. Anton Ritter v., Gymnasial- 

Professor, Lemberg Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 

Reichert Carl, Optiker, Wien, VIII., Benno- 
gasse 24/26 Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 

Wiesbauer Josef, Postsparcasse- Beamter, 

Wien, VIII., Josefstädterstrasse 83 ... L. Keller, F. Tschörch. 



Der Vorsitzende widmete zunächst dem verstorbenen langjährigen 
Mitgliede Julius Edlen v. Bergen stamm einen warm empfun- 
denen Nachruf. Die Anwesenden erhoben sich zur Ehrung des Ver- 
blichenen von den Sitzen. 



Herr Secretär Prof. C. Fritsch machte die Mittheilung, dass 
die beschlossene Statutenänderung nunmehr von der hohen 
k. k. n.-ö. Statthalterei genehmigt wurde. Die geänderten Statuten 
wurden den Mitgliedern bereits mit dem ersten Hefte des Jahr- 
ganges 1896 der „Verhandlungen" zugesendet. 



Z. B. Ges. Bd. XLVI. 



7 



50 



Versammlung am 5. Februar 189G. 



Herr Prof. Dr. G. v. Beck demonstrirte eine neue Lami- 
naria aus der Adria, welche von Hofrath Steindachner bei 
der Insel Pelagosa in grösserer Tiefe in mehreren Exemplaren ge- 
sammelt wurde. 

Da im Mittelmeere bisher nur Laminaria hrevipes Ag. und L. Bodriguezii 
Burn. gesammelt wurden, aus der Adria aber keine Laminaria bekannt ist, ver- 
dient der Fund einer der L. saccharina verwandten Art besonderes pflanzen- 
geograpbisches Interesse, welches noch dadurch gesteigert wird, dass eine neue, 
der Laminaria saccharina J. Ag. zunächst verwandte Art vorliegt, welche als 
Laminaria adriatica G. Beck bezeichnet wird. Die Pflanze zeigt ein kräftiges 
verästeltes Ehizom, dessen Aeste der Mehrzahl nach als Haftwurzel sich festsetzen, 
zum Theile aber wie bei keiner anderen Art zu neuen Pflanzen heranwachsen, 
wobei ausläuferartige Bildungen entstehen. Ein kurzer, 3 — 4 cm langer, dünner 
Stiel trägt den länglichen, am Rande faltigen, bis I bm langen und bis 0"3 w 
breiten, lebhaft grünen Blattkörper, der mittelst eines Isthmus von 3*5 — 5 cm 
Breite mit dem älteren, ebenso gestalteten und mit zahlreichen Bryozoen be- 
setzten Blattkörper verbunden ist. Leider waren keine Sporangiensori aufzufinden. 
In der anatomischen Beschafi'enheit ergab sich gegenüber der L. saccharina eine 
ziemlich scharf abgesetzte Hyphenschichte, und die grössten Zellen der mehr- 
schichtigen Markschichte lagen zunächst der Hyphenschichte, während sich bei 
L. saccharina letztere in der Mitte zwischen Einde und Hyphenschichte befinden. 
Auch die alten Laubkörper der Laminaria adriatica hatten niemals die lederige, 
fast hornartige Consistenz des Blattkörpers, wie sie kräftige Exemplare der L. 
saccharina aufweisen, während die jungen Blattkörper anatomisch nicht wesent- 
lich von jenen der L. phylUtis Lam. abwichen. 



Herr Custos Dr. L. v. Lorenz demonstrirte Exemplare zweier 
vor einem Jahre von A. B. Meyer ^) neu beschriebener Paradies- 
vögel, welche erst kürzlich dem Hofmuseum eingesendet worden 
waren, und knüpfte daran folgende Bemerkungen: 

Das vorliegende Exemplar von Ttcridophora alberti (cf) weicht thoilwcise 
von dem durch Meyer beschriebenen und abgebildeten Vogel ab und stellt 
offenbar ein etwas jüngeres Altersstadiiim dar, indem die oberen Schwanzdeckcu 
niclit schwarz mit olivenbraunem Rande, sondern haarbraun^) sind, mit einem 
Anfluge von Oliv gegen den Rund zu. Die Obersciie d(>s »Schwanzes ist dunkel 
matt liaarbrauu, an den Aussenfahnen etwas oliv; auch den beiden millleren 
Schwauzfedern fehlt jeder Glanz. Die oberen Fliigeld(!cken brau ng ran, die 

') Abliandlniignn und IU>ric)i(o iIon k^l. /.oolop^isclicti uml aiil)irii|i()logisc)i-oUiii()|;;rai))iisclinQ 
MuHOiiniN 7.U DroMdfti, IHiM/!».'», Nr. .'i. 

'') Kar)if>nl)r>/.(ticli ourig niw.li Kid^way^N „Nouumclulun! ol' colorH". 



Versammlung^ am 5. Februar 1896. 



51 



kleiueren davon mit einem Anfluge von Oliv, einige mit feinen dunkleren Quer- 
bäudern. Schwungfedern braunschwarz, gegen die Basis matt zimmthraun. Unter- 
seite des Körpers ockergelb, gegen die Mitte etwas mit goldgelb untermengt. 
Kinn und Kehle wie bei dem typischen Exemplare sammtschwarz mit violettem 
Glänze und schwachem grünlichen Schiller nach der Brust zu, dazwischen finden 
sich aber noch als Reste des Jugendkleides einzelne bräunliche, zum Theile 
schwarz gebänderte Federchen. 

Die eigenthümlich gestalteten verlängerten Zierfedern, von denen je eine 
über den Augen entspringt, sind ungleich lang, die rechte 320 mm mit 35 ver- 
breiterten Fahnenstrahlen, die linke SbO mm mit 38 Fahnenstrahlen; der etwas 
abgeplattete, oben convexe, unten gekehlte Schaft dieser Federn ist oben hell 
dräp, unten umberbraun, wie die lappigen Fahnenstrahlen; diese auf der Ober- 
seite im Ganzen milchig blauweiss (perlgrau), dunkler bläulieh (indigo) gegen 
die Vorder- und Hinterränder, welche selbst von einer schmalen schwarzen Linie 
begrenzt sind. 

Von Parotia carolae liegen drei Männchen in verschiedenen Kleidern 
vor, welche ergeben, dass das von Meyer beschriebene und abgebildete Indivi- 
duum dieser Art noch kein ganz ausgefärbter Vogel sei, während sich wohl ein 
solcher unter den hier zu besprechenden befindet, der die Charaktere dieses 
Stadiums zeigt. 

Dieser (I) ist oben sammtschwarz mit violettem Schimmer auf den Schultern, 
dem Unterrücken und den Flügeln, jedoch die Federn des Mantels und Nackens 
bis auf die Seiten des Halses tragen dunkel kastanienbraune Endsäume, die 
in gewissem Lichte goldigbraun glänzen. An den von den Nasenlöchern bis über 
die Mitte der Augen sich hinziehenden seitlichen Federkämmen tragen nur die 
vorderen nach innen gekrümmten Federn und dann jene, welche das Ende 
der Kämme über den Augen bilden, weisse Spitzen, bei den mittleren Federn 
dieser Kämme aber fehlen dieselben, sodass der weisse Saum unterbrochen 
ist. Die Kopfplatte ist glänzend, dunkel goldig braungelb (ocker), der 
hinter dieser Platte sich am Hinterhaupte hinziehende glänzende Querkamm ist 
grün, blau und rothviolett. Die drei hinter jedem Auge entspringenden Feder- 
schäfte sind sammt den spateiförmigen Fahnen 123—124 mm lang. Die Augen 
werden von einem dunkel kastanienbraunen Saume kurzer sammtartiger Federn 
umgeben. Wangen, Kinn und Kehle im Ganzen von schwarzer Grundfarbe; 
Wangen mit dunkelbraunem, goldig glänzendem Anfluge, namentlich gegen ihre 
hintere Grenze zu; Federn von Kinn und Kehle auch mit braunen Enden; jene 
des Kinnes besonders an den Seiten verlängert und hier mehr braun als schwarz. 
An der Grenze vor dem glänzenden Brustschilde ein kleiner heller Fleck von 
10 : 15 mm, gebildet von an der Basis weissen, gegen das Ende zu braunen 
Federchen, die allmälig in die metallischen Federn der Vorderbrust übergehen; 
dieselben sind jedenfalls noch ein kleiner, letzter Eest des Jugendkleides, wie 
dies zwei zwischen ihnen zum Vorscheine kommende schwarze Federchen 
andeuten. Federn des Brustschildes rosaviolett und ölgrün schillernd, mit sammt- 
schwarzem Mittelflecke. Verlängerte Federn an den Seiten der Brust der Reihe 

7* 



52 



Versammlung am 5. Februar 1896. 



nacli schwarz, kastanienbraun und weiss; übrige Unterseite schwarz. Untere 
Flügeldecken schwarz und braun. 

Dieser Balg kommt dem Kleide des ausgefärbten Vogels am nächsten, 
indem nur der kleine weiss und braun gesprenkelte Fleck vor dem Brustschildc 
noch einen Rest des Jugendgefieders darstellt, der schliesslich auch schwindet, 
so dass dann beim alten Vogel der Vorderhals bis zur Brust schwarz wird, wie 
bei den zwei anderen Arten der Gattung. 

Der nächste Balg (II) stimmt in der Färbung so gut wie vollkommen 
mit dem von Mejer abgebildeten Vogel überein. Die Federn des Nackens und 
Oberrückens besitzen keine braunen Enden, sondern zeigen denselben violetten 
Schimmer wie die übrigen Partien der Oberseite; die Federkämme an den Seiten 
des Kopfes haben einen ununterbrochenen weissen Saum; die Scheitel- 
platte ist etwas matter goldig braungelb glänzend als jene des vorbeschriebenen 
Exemplares; die Augen umgibt ein hell braungelb schimmernder Ring, der 
vorne am breitesten ist; Wangen, Kinn und Kehle sind hell, chamois, seiden- 
artig glänzend mit dunkler Basis der Federn; von der Kehle zieht sich über 
den Vorderhals zum Brustschild ein heller Streifen, 12 mm breit und 32 mm lang, 
gebildet von weissen Federchen mit braunen Enden. Die spateiförmigen, hinter 
den Augen entspringenden Federn ungleich entwickelt, die längste 105 mm, die 
kürzeste 70mm lang. Sonstwie I gefärbt. 

Der dritte Balg (III) endlich stammt von einem noch jüngeren, doch 
auch schon im Stadium des Kleiderwechsels befindlichen Vogel. Auf der Ober- 
seite sind Mantel und kleinere Flügeldecken sammtschwarz mit violetten Reflexen; 
Unterrücken, Oberseite des Schwanzes, grössere Flügeldecken und Secundarien 
braungrau (bister), stellenweise mehr oder weniger mit sammtschwarzem Anfluge. 
Handschwingen schwarz, Rand der seitlichen Federkämme ununterbrochen glänzend 
schmutzigweiss; Scheitelplatte noch etwas blasser und matter ock er als bei II. 
Grün-blau-violettes Querband am Hinterhaupte entwickelt. Augen rundum von 
einem goldig braungelben Ringe umgeben. Wangen, Kinn und Kehle ähnlich 
wie bei II, nur in der Mitte der Kehle etwas dunkler (Federn des Vorderhalses 
defect). Brustschild bereits entwickelt, jedoch von weniger lebhaflcm Glänze, 
übrige Unterseite lehmbraun mit schmalen welligen schwarzen Querbändern. 
Seitliche Brustfedern verlängert, zum Theile ganz lehmbraun und schwarz 
gebändert, zum Theile graubraun oder weiss und nur gegen das Endo gebändert, 
einige weiss und gegen die Si)itze einfach bräunlich. Spateiförmige Zierfedern 
110 mm. 



ilfir ('ustos Dr. Kiiiil v. M (ir(;iiz(;Il(M- llioilicj die. iumkmi Aii- 
öichteii von Iiiiiiildo M arc.li csiii i, Assistonioii an (1(m- Lnlirkaiizol 
für pHtliologisolx; Aiiaiomic! in lioin, ühcr die. Stnioiur (Ins Miiskcl- 
g('\vcl)(\s, in.sb('Soii(l(;r(' der (jii('i'<(('sli('iri('ii Muskeln mit (Anal.onii- 
scher Anzoigcu-, IM. XI, Nr. o). 



Botanischer Discussionsabend am 2i. Jäaner 1896. 



53 



Marchesiui hat durch lang fortgesetztes Maceriren und Anwendung eines 
nicht näher bezeichneten Färbemittels den bekannten Bildern eine neue Deutung 
gegeben. Die Fibrillen lassen sich in äusserst feine Faserchen zerlegen, die von 
Strecke zu Strecke feine Knötchen zeigen, wie sie durch starke Ausdehnung von 
Spiralen entstehen. Durch die parallele Lagerung dieser Faserchen und Anord- 
nung der Knötchen in gleichen Abständen entstehen feine Querstreifen, die zum 
Theile schon früher bekannt waren (Hensen'sche Mittelscheibe, Krause's 
Zwischenscheibe), und sowohl den dunklen wie hellen Scheiben angehören. Die 
ersteren erklärt Marchesini durch eine bestimmte Gestalt der Muskelfasern. 
Sie sind jenen entsprechend vorgewölbt und an diesen Stellen (Bowman'sche 
Discs) sind die feinen Faserchen fester untereinander verbunden. 



ßotauisclier Disciissioiisabeud am 24. Jänner 1896. 

Herr Prof. Dr. G. y. Beck sprach unter Vorlage eines reichen 
Herharmateriales eingehend : 

Uel)er die Formen der Anthyllis Dillenii Aiit. 

Die Thatsache, dass mtiXqy Antlußlis Dillenii sehr Verschiedenes begriffen wird 
und dass gerade in unseren Adrialändern ein hiezu gehöriger Schwärm von Arten 
oder Eassen anzutreffen ist, gab den Anlass, diesen vornehmlich den Mittelmeer- 
ländern angehörigen Formen der Anthyllis Vulneraria, welche sich durch mehr 
minder purpurfärbige Kelche und meist auch durch ins Rothe spielende Färbung 
der Blume auszeichnen, Beachtung zu schenken. ^) Es ergab sich, dass die meisten 
Formen, wenn auch nicht immer morphologisch streng gesondert, doch geographisch 
gut geschieden sind und dass eigentlich nur die echte Anthyllis Dillenii hievon 
eine Ausnahme macht, indem sie zerstreut durch ganz Europa bis nach England 
und Schweden vorkommt. Dass gerade diese Pflanze nach ihrer Blüthenfärbung 
nicht samenbeständig ist, hat schon Hoff mann (Botan. Zeitung, 1881, S. 105) 
nachgewiesen. In der nachfolgenden Liste sind nahe verwandte Formen durch eine 
vorstehende Klammer verbunden, ausserdem zeigt 1 und 15 die nächste Verwandt- 
schaft zu 3 und 4, ferner 2 zu 5. Selbst bei einer weitgehenderen Vereinigung 
der angeführten nächst verwandten Formen würden doch noch 11 gut unter- 
scheidbare Arten oder Eassen erübrigen. 

A. Annuae. Einjährig, zu Anfang des Sommers ihres Keimjahres blühend, eiu- 
oder wenigstengelig. Wurzel dünn. 

1. A. praepropera (A. Kern.). Adrialänder. 

2. A. Spruneri Boiss. Oestliche Mittelmeerländer. 



1) Ausführlicheres wird in Dr. v. B|eck's YIII. Beitrage zur Flora von Südbosnien ent- 
halten sein. 



54 



Botanisclicr Discussionsa'bend am 21. Jiinncr 1896. 



B. Moutieolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Wurzel holzig. Stengel meist 
nielirköpfig. 



3. A. adriatica G. Beck {? A. Weldenicma Rchb.; var. rubra Rclib. f. 
z. Th.). Adrialänder, Orient. 



4. A. illyrica G. Beck {A. Dülenii Aut.; A. haldensis A. Kern.; var. coc- 
cinea Vis. z. Th. ; A. polyphylla Pant., non W. K.). Mittelmeerländer. 

5. A. variegata Boiss.. Dalmatien, Orient. 

6. A. maura G. Beck. Südspanien, Marocco. 

7. A. Billenii Schult. (Dillen., Hort. Eltham., II, p. 431, PI. 320, 
Fig. 413! — A. vulneraria Mill., var. ruhriflora Ser., ruhida Lain., 
?ruhicunda Schur — A. sanguinea Schur. — A. tricolor Vuk., 
A. ei'ythrosepala Vuk.). Von England und Schweden durch ganz 
Europa. 



C. Alpicolae. Ausdauernd, mehrstengelig. Stengel niedrig, ein- bis wenig- 
köpfig. 

* Alpinae, boreales, pyrenaicae. 

8. A. vulnerarioides Bonj. {Astragalus vidnerarioides All.; var. AUionii 
Ser.) Monte Cenis, Pyrenäen. 

{9. A. Bonjeani G. Beck. Monte Cenis. 
10. A. coccinea (L.) Fries, Oeland; f. pyrenaica G. Beck. Pyrenäen. 
11. ^. valesiaca G. Beck. Schweiz. 



* * Dinaricae. 

r 12. A. jiulchella (Vis.) = 13.? Montenegro und anliegende Gebirge. 

13. A. scardica Wettst. {A. Wehbiana Pant., non Hook.). Montenegro 
, und anliegende Gebirge, Scardus. 
[ 14. A. intercedens G. Beck. Hercegovina. 

15. A. alba7ia W(i\\ st. {A. Wcbbiana Gris., non llook.). Macedonien. 

* * * Ilispanicae, 

IG. A. Webbiana Hook. \ 
17. A. 7aīi(?a Boiss. et Beut. , 



19. A. arundana Boiss. / 

A. rnbicunda Wend. dürfte zur A. Vid'neraria var. rubra L. (Fl. Suec, 
• •d. II, j). 219, e.vel. Syn.j gehören. 



18. A. nivalis (Willk.). 




Hill- Dr. AI. ZuliildiK'kiier loglü liiciaur dio neue Liic- 
laliii' vor. 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



55 



Beiträge zur Flora des Trentino, 

mit Rücksicht auf Gelmi's Prospetto della Flora Trentina. 

Von 

Greorg Eyers, 

Rector a. D. in Trient. 
(Eingelaufen am 10. Jänner 189G.) 

Gleditschia triacanthos L. häufig um Trient, in Hecken, Feldern, Gärten, 
anscheinend hie und da verwildert, 

{Äcacia Julibrissin Willd., SopJiora japonica L., Caragana arhorescens 
Lam. und C. frutescens DC. häufig angejjflanzt, erstere beide auch an Wegen: 
Trient, Calliano, Eovereto, Riva etc.) 

Bobinia Pseud-Acacia L. überall verwildert und ganze Abhänge über- 
ziehend, z. B. des Fersina-Ufers. 

Ci/tisus hirsutus L. var. pygmaeiis m. (bei Gelmi Cytisus prostratus, 
als Varietät des Cytisus hirsutus aufgestellt). Alpenwiesen: Bordone, Vasone, 
Stivo etc. häufig. 

Yar. purpurascens m. Kronen roth, von der Farbe des Cytisus purpureus. 
Hülsen an den Seiten fast kahl. Trient, Goccia d'Oro (vulcanische Hügel); sehr selten. 

Anthyllis Vulneraria L. ist mir nicht so häufig begegnet als die folgenden: 

Änthyllis pallidiflora Jord. Eiva; Monte Brugino beiMori; Val di Ledro, 
Molina auf Wiesen an der Ledrostrasse. 

Anthyllis Dillenii Sehultes. Krone blutroth ; Stengel ausgebreitet nieder- 
liegend. Trient, Muralta, steinige Hügel; Weiden am Monte Chegul; Mori, Monte 
Brugino. 

Var. variegata m. Fahne und Flügel gelb, dann orangeroth, zuletzt braun- 
roth; Kelch nicht aufgeblasen, trüb dunkelviolett. An denselben Standorten 
wie vorige. 

Anthyllis Jacquini Kern. Baldo; Trient, Marenza; Gaza. Gelmi corrigirt 
Kerner und meint, die hiesige Pflanze sei von Anthyllis montana L. kaum als 
Varietät zu trennen. Anthyllis montana L, (mit um die Hälfte grösseren Kelchen 
und Kronen, welch' letztere purpurn sind, während Anthyllis Jacquini eine weiss- 
liche Fahne zeigt) ist mir wenigstens bislang hier nie begegnet. 

Lotus cornicitlatiis L. in einer sehr grossblüthigen und hochwüchsigen 
Form, z. B. Val di Ledro, Biacesa auf Wiesen. 

Oxytropis Jacquini Enge. Gelmi verpflanzt die Oxxjtropis montana DC. 
auf die hiesigen ,.pascoli alpini", und lässt sie sogar häufig dort vorkommen; 
ich bezweifle die Eichtigkeit dieser Angabe sehr. Oxytropis montana ist eine 
„plante plus ou moins pourvue de poils blancs; fleurs d'un pourprerose" (G. G.) 
und mir hier nie begegnet. 



56 



Georg Evers. 



Astragaliis exscapus L. habe ich an der nördlichen Grenze des Trentino 
gefunden, und zwar im September (1893) zwischen Mals und Glums. 

Orohus vermis L. kommt auch in einer auffallend kleinblättrigen Form vor. 
Sarche, in den felsigen Hängen der Strasse nach Comano; Trento, Goccia d' Oro, 
vulcanische Hügel. 

Potentilla daonensis m. Gehört zur Sippe Tormentilla. Wurzelblätter ziem- 
lich lang gestielt, fünfblattig, zur Blüthezeit meist vertrocknet; Blättchen eiläng- 
lich, kerbzähnig. Stengelblätter sitzend, dreiblattig; Blättchen oval, tief kerbzähnig, 
am Rande umgebogen, oberseits dunkelgrün, kahl, unterseits blasser, auf den 
Nerven glänzend seidenhaarig; Nebenblättchen sitzend, zuweilen sehr kurz gestielt, 
tief gezähnt. Pflanze liegend, aufstrebend. Val Daone, felsige Ufer des Chiese, 
22. August 1895. 

Potentilla strictissima Zim. Monte Terlago. 

Potentilla aurea L. Trient, Monte Vasone, in Gebüschen (schlaff- und zart- 
stengelige Form). 

Potentilla tridentina Gelmi (et mihi). Am 11. Mai 1887 von mir entdeckt 
in den Gebüschen des Monte Brugino und dann an verschiedenen Orten und in 
verschiedenen Formen beobachtet, kürzlich von Gelmi am Vasone aufgefunden 
und bei Siegfried ausgegeben. 

1. forma dumetorum. Wurzelstock verholzend, mehrstengelig; Stengel aus- 
gebreitet, aus liegendem Grunde aufstrebend, mit krausen und abstehenden weiss- 
lichen Haaren bekleidet. Wurzelblätter fünfblattig, ziemlich lang gestielt; Blättchen 
länglich oder länglich-spatelförmig, oberseits freudiggrün, mit einzelnen ange- 
drückten und glänzenden Härchen bekleidet, unterseits blasser, von angedrückten 
seidigen Haaren glänzend, an der vorderen Seite tief gezähnt; Zähnchen rundlich. 
Stipulae sitzend, halbstengelumfassend, 3— 4 schnittig, klein; Kronen gross, den 
Kelch um das Doppelte überragend, lebhaft gelb mit orangefarbigem Fleck; 
Fetalen mit den Rändern sich deckend. 

2. Var. bordalensis m. Triftenform; in allen Theilen kleiner. Stengel 
theilweise aufrecht; Pflanze dichter seidig glänzend behaart. Mori, auf Triften 
und Weiden der Bordala, einer heissen Mulde zwischen Monte Brugino und 
Monte Stivo. 

3. Var. Canf edinensis m. Alpenform; in allen Theilen robuster als Nr. 1. 
Stengel an demselben Stocke theils niederliegeud und aufstrebend, theils steif 
aufrecht, namentlich die mittleren, oft mit einem gestielten dreiblatiigen Stengel- 
blatt versehen. Kronen dunkler gelb. Wurzclstock oft mit zehn und mehr oben 
ästigen Stengeln einen dichten, oft spannliohen Busch bildend, während die Form 
Nr. 1 meist nur wenig stengelig bleibt. Trient, Alpenwiesen des Monte Canfediu, 
oberhalb des Passo di S. (Jiovaimi zwischen Vezzano und Molveno, 20. Juni 1895. 

J'otentilla (larddc in. Wurzelstock und Stengel wie; V(U"ige, aber ganze 
I'flanze dicht grau und glänzend seidig l>eliaart; SIengel und Blattstiele dicht 
abstehend behaart; St(!ngel selten mit. einem gestielten und dreiblattigen Stengel 
blatt. Wurzolblätt/!r langgestielt, fünfblattig; Hlät.tchen verkehrt eilänglic,]), keil 
förmig v«!rschiniilerl, vorn herum bisH- oder Dzähnig, iM^iderseits diclit, und gliiiizen 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



57 



grau seidig behaart; Kronen etwas kleiner und heller gelb als an voriger. Monte 
Baldo, Alpen weiden in Campi über Nago; Val di Ledro, Malga Dromae und 
von da mit Wasser in die Waldregion herabgehend bis fast an den See (bei 
Mezzolago). 24. Juli 1890 (Baldo), 16. Mai 1895 (Dromae). Einzeln auch am 
Monte Canfedin zwischen P. Canfedinensis angetroffen. 

Bastarde: 1. Potentüla hruginoensis m. = P. holzanensisXtridentina, 
letzterer näher stehend wegen des seidenhaarigen Glanzes, aber unterschieden 
durch mehr oder weniger zahlreiche Pusteln von Sternhärchen auf der Blattunter- 
seite und dunkleres Colorit. Monte Brugino; sehr selten. 

2. Potentüla Vasonis m. = P. tridentina X glandulifera. Kleiner als P. 
tridentina und mit Drüsen bekleidet. Trient, Monte Vasone; sehr selten. 

Potentüla Pari m. Quasi caulescens, caules deciimhentes ; folia radicalia 
nimerosa, longepetiolata, qiiinata; foliola magna, ohovata, in hasim vel in 
petiolulum attenuata, inciso-dentata, supra parce pilosa et viridia subtus palli- 
diora pilisqiie adpressis in sole sericeo-micantihiis nec non minimis pustulis 
vestita; folia caulinaria ternata, parva, Ulis similia; stipidae tri-plus partitae; 
caules, petiola et pedunculi crisporum pilorum tegumento et longioribus pilis 
patentibus dense vestita; florum panicida ramosa, bi-trifurcata hoc modo, ut 
in angulo cujusque furcationis una sola longe peduncidata Corona existat; cymae 
hi-triflores, folio caulinari stipulato munitae; coronae mediocres; petala calicem 
duplo superantia, lutea. In pascuis alpinis et subalpinis montis Pari, vallis 
Ledro. 11.1 VIII. 1890. — Drüsen habe ich zwischen der Behaarung nicht zu 
finden vermocht. 

Potentüla Mezzocoronae m. Wurzelstock holzig, mehrstengelig; Stengel 
kräftig, kurz, niederliegend, ausgebreitet, abstehend behaart; Wurzelblätter (der 
Sommerblätter) langgestielt, fünfblattig; Blättchen länglich-elliptisch, die drei 
inneren in einen sehr kurzen Stiel verschmälert, die zwei seitenständigen sitzend, 
in der Basis verschmälert, beiderseits lebhaft grün, spärlich behaart bis fast kahl, 
unterseits mit wenigen winzigen Sternhaarpusteln, mit Ausnahme des untersten 
Theiles tiefgezähnt; Zähne stumpf. Frühlingsblätter unterseits weisslich-langhaarig 
an den Nerven. Stengel zuweilen mit einem gestielten dreiblattigen Stengelblatt; 
Blatt- und Cjmenstiele mit langen abstehenden weisslichen Haaren bekleidet, 
drüsenlos; Cjmen wenig- vielblüthig, öfter verästelt; Kelch angedrückt behaart; 
Kronen gross, leuchtend gelb, mit orangefarbenem Fleck auf der Basis der Fetalen; 
diese einander mit ihren Bändern deckend. S. Michele, auf den heissen Felsen 
und Hängen um Castell Mezzocorona. 27. März 1890; beginnt Ende Februar 
zu blühen; Sommerblätter 26. Mai 1890, seitdem jährlich beobachtet. 

Potentüla bolzanensis 7Ai\\. kommt in drei Formen vor : a) ym'. micrantha 
Sauter; b) var. astelligera Fant., Trient, Goccia d'Oro; c) var. glandulifera 
Sauter, Trient, Doss Trent. 

Bastard : Potentüla glandidifera Kr. X bolzanensis. Trient, Allo Specchio, 
auf heissen Kalkhügeln. 

Vielleicht eine weitere Form der Potentüla bolzanensis ist folgende : 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 8 



58 



Georg Evers. 



Potentüla Bivae m. Colorit gelbliehgrün ; Pflanze drüsenlos oder an den 
Cjmen drüsig behaart (var. glanäuliferd), grossblüthiger als Totentilla holza- 
nensis, namentlich die Varietät, an Stengeln und Stielen abstehend lang behaart; 
Blätter oberseits schwach, unterseits dichter lang behaart und unterseits spärlich 
sternhaarig. Kronen leuchtend gelb. Stengel ausgebreitet niederliegend. Riva, 
auf den heissen Felsterrassen des Monte Giumella über der Ponalestrasse, über 
Biacesa und Molina im Ledrothale. April. 

Potentüla viscida m. Ganze Pflanze klebrig von fast filzig verworrenen 
Drüsenhärchen und zottig von längeren abstehenden Haaren. Blätter 3 — 5 blattig, 
Blättchen fast dreieckig oder dreieckig-oval, vorn gekerbt oder kerbsägig, unter- 
seits sternfilzig-klebrig, beiderseits zottig, unterwärts dichter, am Rande und 
Zähnen gewimpert. Unterscheidet sich von der lebhaft grünen P. holzanensis 
var. glandulifera auf den ersten Anblick durch ihr grauzottiges Colorit. Trient, 
Goccia d'Oro; Rovereto, an sonnigen Hängen bei Castell Noarna; Toblino, am 
Ufer des Lago di Massenza. 26. März 1894; 9. April 1895 et saepius. 

Sie scheint mit Potentüla opaca L. (non aut.) einen Bastard zu bilden; 
in ihrer Nachbarschaft habe ich eine Form aufgenommen, die ich nach ihrem 
Standorte unterscheide : 

Potentüla Noarnae m. : Kelch, Stengel und Blüthenstiele drüsig und ab- 
stehend behaart, Blätter ohne Sternhaare, unterseits dicht, oberseits schwächer 
behaart. Um Castell Noarna einzeln an Wegen. 9. April 1895. 

Potentüla opaca L. (non aut.) scheint mit Potentüla holzanensis Zim. 
eine Combination einzugehen; oder aber es gibt Zwischenformen zwischen beiden. 
Durch vorläufige Benennung nach ihrem Fundorte unterscheide ich folgende: 
Potentüla Bondonis m. Pflanze drüsenlos; Stengel aufwärts abstehend behaart, 
Blätter oberseits fast kahl, jung striegelhaarig, unterseits dicht behaart und mit ein- 
zelnen Drüsenhaaren versehen; Kronen verhältnissmässig gross, goldgelb. Trento, 
in cacumine montis Vasone. 7. Mai 1895. Vielleicht eine Combination: Potentüla 
opaca L.Xbolzanensis; da sie jedoch auf dem isolirten, anscheinend vulcanischen 
Gipfelaufsatz des Vasone allein und in Menge vorkommt, so glaube ich nicht 
recht an Bastardirung, sondern neige mehr zu der Annahme einer Zwischen- 
form zwischen der Opaca- und der Bolzanensis-Gn\\)])Q. 

Von der Opaca-Gruppo habe ich Gelegenheit gehabt, eine Reihe ver- 
schiedener Formen zu beobachten auf den G.yps vorbergen des südliclieu Harzes. 
An heis.sen Gypsfelsen findet sich eine sehr kleine Form mit Blüthen kaum von 
dem Umfange einer Erhae (var. pusüla Host). Eine ähnliche Kleinheit der Ver- 
hältnisse mit Ausnahme der Kronen, die grösser sind, zeigt die hiesige Winterforin, 
die ich z. B. auf dem Monte 'J'erl;igo lOnde November aufgenommen (f. hicmalis). 
Eine andere um Trient vorkommende Form liat bedeutend grössere IHütlien 
ff. tridmtina) und unlers(-ljoi(lel sich von einer verhältnissmässig gross liliiliendeii 
lliüringischen Form hauptsäclilich nur durch das viel hellere G(!lb der Kionen 
und verhältni.ssmils.sige Kleinheit d(!r Statur. Eine Form mit im Tiiehle l)(!ider- 
neits fjiHt seidig gl;inz<'nd<'n Bliittclien (f. scricans) fand ich bei Biaces.i, im Val di 
Lcdro. Die grossldiithigste und scliönste jedoch von allen habe ich auf (ijj)shiig(dn 



Beiträge zur Flora des Treutino. 



59 



im Alten Stolberge, einem der Gypsvorberge des südlichen Harzes, aufgenommen 
(f. sfolhergensis), welche nach Zimmeter der PotentiUa amansiana Schultz nahe 
kommt, aber dicht behaart ist. 

Auch PotentiUa glandulifera Kras. scheint in einigen Variationen aufzu- 
treten. Eine grossblüthige Form unterscheide ich nach dem Fundorte als PotentiUa 
Bonchi m. Stengel namentlich oberwärts kurz drüsig und kraus behaart und mit 
einzelnen abstehenden längeren Haaren bekleidet, gegen oben nebst den Blüthen- 
stielen und Kelchen fast filzig mit schwachem Seidenglanze; Blättchen oberseits 
schwach striegelhaarig, unterseits besonders an den Nerven dicht anliegend behaart, 
an der Spitze büschelig bewimpert, mit schwachem Seidenglanze. Ala, Val Eonchi, 
auf Felsterrassen. 30. April 1895. 

PotentiUa Pönale m. bezeichne ich eine sehr schöne grossblühende Variation. 
Kelche, Blüthenstiele und oberer Stengel dicht kurz drüsig und abstehend lang 
behaart. Blätter fünfblattig; Blättchen verkehrt oval-länglich, keilförmig ver- 
schmälert, im oberen Theile (^/s) kerbsägezähnig, beiderseits behaart, unterseits 
dichter und länger, besonders an den Blattnerven, ohne Sternpusteln. Riva, auf 
Felsterrassen am Ponalebach. 17. April 1895. 

Endlich ist mir eine PotentiUa glandulifera Gras, begegnet, welche auf 
der Blattunterseite einzelne Sternhaarpustelchen zu zeigen und daher zwischen 
der PotentiUa glandulifera und der PotentiUa holzanensis eine der ersteren 
näher stehende Zwischenform darzustellen scheint; ob Bastard? Ich unterscheide sie 
vorläufig als PotentiUa dubiosa m. Trient, Alla Specchio, in der Nachbarschaft von 
PotentiUa glandulifera X holzanensis. Rovereto, bei Castellano, auf Felsterrassen. 
April 1895. 

PotentiUa baldensis Kern. Zartstengelig, Kronen weit kleiner als bei der 
typischen Form. Morl, im Steingerölle. Mai 1886. 

PotentiUa Sauteri Zimm. Trient, Martignano. Loppio, zwischen den Fels- 
trümmern des Bergsturzes. 

PotentiUa loppiensis m. (? PotentiUa holzanensis X Sauteri?). Mehr- und 
zartstengelig; Stengel theils aufrecht, theils aus liegender Basis aufstrebend, im 
unteren Theile mit einzelnen langen abstehenden Haaren und einem kurzen 
krausen Haarkleide, oberseits mit kurzen Haaren mässig bedeckt. Wurzelblätter 
lang gestielt, 3 — 5 blattig; Blättchen eingeschnitten gezähnt in der oberen, ganz- 
randig in der unteren Hälfte, eilänglich bis keilförmig im Umrisse, oberseits 
dunkelgrün mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits blasser mit langen, gegen 
das Licht seidig glänzenden Haaren und einzelnen winzigen Sternpünktchen; 
Blattstiele mit langen abstehenden Haaren dicht, Blüthenstiele mit kürzeren 
mässig bekleidet. Inflorescenz arm, 2 — Sblüthig; Kelch langhaarig; Kronen 
langgestielt, mittelgross (wie an PotentiUa Sauteri). Loppio, im Bergsturze 
zwischen Loppio und Nago mit PotentiUa Sauteri. 20. Mai 1895. 

PotentiUa incanescens Opiz. Rovereto, Castell Barco in Weinbergen. 

PotentiUa perincisa Borb. Klausen, an Porphyrfelsen. 

Ruhus Maranzae m. (P. caesioX sulcatus?). Die lanzettlichen Neben- 
blätter scheinen diesen Buhns in die Sippe der Caesii oder Orthoacanthi zu stellen, 

8* 



60 



Georg Even 



während der gänzliche Mangel an Drüsen gegen diese Stellung wieder Bedenken 
erregt. Die frühe Blüthezeit (Mai, Juni), die grossen, leuchtend weissen Kronen, 
die langen Staubgefässe, der kantige, gefurchte Schössling lassen an eine Combi- 
nation mit Buhns sulcatus denken, zumal dieser JRuhus an den Abhängen des 
Bergzuges der Maranza ebenfalls vorkommt. Der Sammtfilz der Blattunterseite 
jedoch will w^der zu Buhns caesius, noch zu Buhns sulcatus stimmen. 

Schösslinge niederliegend, grün oder einerseits rothbraun, mehr weniger 
scharf kantig und gefurcht, bald ziemlich kräftig, bald dünn, kahl, drüsenlos, 
mit kleinen, nadelspitzigen, wenig gekrümmten, öfter gezweieten Stacheln mässig 
bewehrt; Blätter fünfzählig, langgestielt; Blättchen derb, oberseits dunkelgrün,! 
kahl, mit einzelnen Striegelhaaren, unterseits in der Jugend weisslich, später 
grünlich weichfilzig, seidig glänzend, wellig, mittelstes länger, das obere Paar 
der seitenständigen kürzer gestielt, das unterste Paar kleiner, sitzend oder eines 
kaum merklich gestielt, mit den Bändern einander und die Blättchen des oberen 
Paares berührend, im Umrisse eirundlich, das unterste zuweilen fast spateiförmig, 
das mittelste fast rund mit schwach herzförmiger Basis, alle doppelt und buchtig 
gezähnt (Zähncheu stumpf, mucronirt), mit aufgesetzter schlanker, kaum deutlich 
kerbsägiger Spitze; Blattstiele nach oben abstehend behaart, mit wenigen rück- 
wärts gebogenen, schlanken, kleinen Stacheln bewehrt; die die Blüthenrispen tragen- 
den Aeste abstehend kurz behaart, beblättert, spärlich fein bestachelt; Blätter 
5— 3 zählig, obere meist dreizählig, verschieden gestaltet; mittelstes kurz gestielt, 
ei-rauten-, ei-spatel- oder trapezförmig, zuweilen tief dreilappig oder mehrfacli 
kurzlappig, buchtig doppelt gezähnt. Lappen und Hauptzähne wieder einfach oder 
doppelt gezähnt; Seitenblättchen sehr kurz gestielt, die untersten sitzend, mit den 
Ptändern sich deckend, ei-rauten-, spateiförmig oder eilanzettlich, an der Basis 
und am äusseren Rande oft tief gelappt, faltenförmig wellig. Rispe kurz, zuweilen 
unterbrochen, durchblättert; Blättchen einfach oder gelappt; Rispenästchcn unten 
aufrecht, oben spreitzend abstehend, letztere kürzer und meist einblüthig; Achse, 
Rispenäste und Blüthenstiele graulichgrün filzig, abstehend behaart, wenig und 
klein bestachelt; Kelchblätter oval, plötzlich in eine lange Spitze zusammen- 
gezogen, graulichgrün und am Rande schmal weiss filzig, während der Blüthe 
zurückgeschlagen, später zusammenneigend. Fruchtboden kahl. Trient: Monte 
Maranza, Monte Celva, Passo di Roncogno. Mai. 

Var. coriaceus mit fast lederigen, unterseits noch dichter und weisslich 
fil/jg<;n Bliittchon, kürzeren gedrängten Trauben, rötlilichen Kronen und fast 
l undlichcn Schösslingou. Trient: Maranza, im SteingeröUe über Villazzano. 

Buhns discolor W. et N. {B. macrüstemon Focke) f. rosiflora. Monte 
IJaldo Brcutonico. 

Buhns hmchj/hoihri/s Focke (N. Giorn. bot. ital., 1(5, Nr. 2, 1884) wird 
von Focke zu den Tomcnlosi gczälilt, obwohl er drüsenlos ist. Schösslingo 
bogig, scharfkantig, siiäriich behaart, bald kahl werdend, mit mittelinässigon 
rückwärts gerichteten St;icli(!ln bewehrt, Blätter liinfblattig, fingerförmig, Stiinih-u! 
lang, lineal, behaart. Blattstiel behaart und bestachell, der des Kndblättchens 
doppelt länger; Bläticheu doppelt gesägt, oberseits von Striegelhaaren und khiinen, 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



61 



durch das Mikroskop erkennbaren Sternhärchen .^sericeo-micantia^ , unterseits dicht 
weissfilzig oder im Alter grünlich, Endblättchen herz-eiförraig oder mit abge- 
stumpfter Basis, eiförmig, lang zugespitzt, die Seitenblättchen sehr kurz, aber 
deutlich gestielt, sich nicht deckend. Blüthentragende Aeste ^tomentoso-hirti 
aculeis mediocribus redinatis foliusque ternatis instrucW . Inflorescenz endständig 
oder einfach ästig, kurz, 10 — 20blüthig oder gegen die Basis mit Seitenzweigen 
vermehrt. Blüthenstiele nebst Rhachis „tomentoso-hirsuti aculeis gracilibus leviter 
falcatis mimiti^. Bracteen lanzettlich, behaart, oft trifidi. Kronen klein oder 
mittelmässig, Sepalen filzig, zurückgebogen während und nach der Blüthe; Kronen 
weit grösser als die Sepalen, weiss; Staubgefässe die Griffel überragend. 
Trient, Doss S. Rocco; an der Nordseite von Cav. de Sardagna entdeckt. 
Eine kahlere Variation (var. Sti Rocchi m.), niedrig, Kronen röthlichweiss, da- 
selbst Südseite.^) 

Buhns hrentonicus m. {? M. superdiscolor X tomenfosus Hai.?). Hoch- 
bogig, kräftig; Schösslinge kahl, kantig, gerillt, massig bestachelt, Stacheln rück- 
wärts gekrümmt, mittelmässig. Schösslingsblätter fünfzählig; Endblättchen kurz 
gestielt, Seitenblättchen paarweise sehr kurz an einem gemeinsamen kurzen 
Stielchen gestielt, oder am Grunde zusammengewachsen, oder eines sitzend, das 
andere gestielt,^) alle oder doch vier einander mit den Rändern deckend, breit ei- 
lanzettförmig, die unteren fast rautenförmig, grob doppelt-sägezähnig, oberseits 
dicht sternfilzig trüb graugrün, unterseits dicht weisslichgrün filzig, gegen das 
Licht nicht seidig glänzend, Blattstiel abstehend kraus behaart, ziemlich reich 
bestachelt. Stacheln klein, kräftig, gekrümmt, gelb. Blätter der blüthentragenden 
Aeste dreizählig, Blättchen denen der Schösslinge ähnlich, ebenfalls an der Basis 
abgerundet, Endblättchen gross, kurz gestielt, Seitenblättchen etwas kleiner, das 
eine sehr kurz gestielt, das andere sitzend, Traube sparrästig, unterste Aeste 
entfernt, von Stengelblättern gestützt, der dritte von einem einfachen Blättchen, 
klein bestachelt, nebst den Kelchen dicht filzig und von längeren krausen Haaren 
fast zottig. Kelche nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, rosen- 
roth. Erinnert durch Tracht und Colorit an die rothblühenden Zwischenformen 
(oder Bastarde?) zwischen Kubus colUnus DC. und B. ulmifolius Schott., nicht 
aber an Bubus discolor X tomentosus, welcher letzterem viel näher steht. (Inns- 
bruck, Stangensteig.) Monte Baldo, ober Brentonico gegen das Coppiothal zu. 
19. Juli 1895. 

Bubus baldeyisis Kern. (B. ulmifolius X tomentosus), von Gelnii nicht 
erwähnt. Monte Baldo, um Brentonico. Behaarung des Bubus tomentosus, Kronen 
des Bubus ulmifolius (roth). Der von Gelmi erwähnte Bubus tomentosus X ulmi- 
folius steht letzterem näher, wenn er existirt. 

Bubus tomentosus Borkh. kommt auch in der Variation cinereus Rh. vor, 
welche mit Bubus caesius einen Bastard, Bubus tomentosus cinereus Xcaesius, 
bildet. Trient, Monte Gaza. 



•) Rubus 'brachyhot'hrysX'^c-^^^'"-^ siehe unten. 

•) oder dreiblattig und dann die Seitenblättchen tief doppellappig. 



62 



Georg Evers. 



Buhus cognolensis m. (? B. fomcntosus X discolor?). Bei der Doppelbenen- 
iiiiiig von Bastarden setze ich denjenigen Ruhus, dem meiner Meinung nach 
der Hauptantheil bei der Combination gebührt, stets an zweiter Stelle. Hoch- 
bogiger mächtiger Strauch von gelbgrünem Colorit. Schösslinge kantig, roth- 
braun, fast kahl, mit starken, rückwärts gekrümmten, an der Basis spärlich 
behaarten Stacheln bewehrt; Blätter fünfblattig, Blattstiel mit kleinen, zurück- 
gekrümmten, gelbspitzigen, rothbraunen Stachelchen bewehrt und flaumhaarig; 
Blättchen verkehrt ei-rautenförmig, unregelmässig grob doppelt gezähnt, oberseits 
scheinbar kahl, gegen das Licht schimmernd (von mikroskopischen Sternhärchen), 
unterseits weisslich filzig, sammtweich. Stiel des Endblättchens von halber Länge 
des Blattes, Seitenblättchen meist an jeder Seite paarweise, kurz gestielt, das 
untere kürzer, mit den Rändern sich deckend, wenigstens ein Paar; rispentragende 
Aeste sparsam bestachelt, kurz und sparsam behaart, untere Blätter fünfblattig, 
Blättcheu grösser als die Schösslingsblätter, diesen sonst gleichgestaltet, obere 
dreiblattig; Traube sehr lang und schmal, unten unterbrochen, untere Rispen- 
äste weit von einander entfernt, von grossen Blättern gestützt, abstehend, aber 
kurz, in kurze spreitzende Aestchen sich theilend ; oberer Theil der Rispentraube 
gedrängt. Achse, Aestchen, Blüthenstiele und Kelche dicht graulich filzig und 
kraus behaart, bestachelt mit kleinen gelben Stachelchen, ohne bemerkbare Drüsen- 
haare; Kelche nach der Blüthe zurückgeschlagen; Kronen mittelgross, weiss; 
Staubgefässe röthlich bis rosenroth; Fruchtkörnchen wenige, länglich, schimmernd 
filzig. Trient, felsige Weinberge bei Cognola. 

Die Gruppe des Ruhus ulmifolius Schott scheint in folgenden Variationen 
hier vorzukommen : 

1. Ruhus dalmatinus Tratt. [R. amoenus Portenschi.). Schösslinge wenig 
behaart und wenig weissschülferig; rispentragende Aeste, Achse, Aestchen und 
Blüthenstiele dicht filzig und oft auch abstehend behaart. Strauch aufrecht, 
hochbogig. Rispe straussförmig, so bei Toblino, oder kurz sparrig, so bei Brcn- 
tonico (Rom). 

2. Ruhus decumhens m. Schösslinge schwach, niederliegend, schwach schül- 
ferig bereift und schwach behaart, wenig bestachelt, Stacheln schwach. Blätter 
5 — 3 zählig, Blattstiel dicht behaart, feinstachelig; Blättchen rundlich, viel kleiner 
als an voriger, oberseits mit einzelnen Striegelhaaren, Kndblättchen mit herz- 
förmiger Basis, kurz gestielt, mit kurzer Spitze, Seitenblättchen sehr kurz gestielt, 
die untersten sitzend, einander deckend, oder wenn nur dreiblattig, die Seiten- 
Idättchen mit einem breiten Seitcnlappen, mit stum])fer Spitze. Rispenachse eic. 
wie an voriger. Monte Baldo, bei S. Giacomo im Felsgerölle. 

3. Ruhus rnsticanus Merc. Scliösslinge, l)liithcntra,gende Zweige, Achse, 
Blattstiele mit einem weissschülferigen Wachsül)erzuge mehr oder weniger diclit 
bedeckt, sonst kahl oder fast kahl, oberster 'J'h(!il der Achse und Blüthenstiele, 
bezw, Blüthenästchen zugleich flaumig oder ganz filzig (au römischen Exem])laren 
aufh kurzhaarig). Trient, Muralta und liäufig. Dios(! Form ist anscheinend durch 
Mittclfonnfn mit dem RuJnis dalmatinus Tratt. verbunden, W(!lch(! d(!n weiss- 
scliülferigeri Waclisüberzug mit filziger Behaarung derart verbinden, dass dio 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



63 



Schösslinge und der untere Theil der Zweige von jenem, der obere Theil der 
letzteren und die Achse von dieser bedeckt sind. Eine genaue Grenze zwischen 
beiden ist daher wohl kaum zu fixiren. Bei Eom habe ich solche Mittelformen 
aufgenommen. 

Buhns tridentinns m. (B. rusticanus X discolor?). Ueber mannshoher 
Strauch. Schösslinge hochbogig überhängend; Rispen bis 50 cm lang, bis SO cm 
breit, unterste Aestchen oft bis 35 cm lang. Turiones robusti, 5- quetri. canali- 
culati, glahrescentes, tenuissimo tegumento cdhescente et squamante quasi cereo 
sparse tecti, validis acideis, sid) sole ruhentihus (sicut tur.), squamantihus, 
\glahre flaveque apicidatis muniti; folia quinata, petiolis parce aculeatis; foliola 
ohovata, ireviter acuminata, hasi rotundata, margine simpliciter serrato-denti- 
cnlata, coriacea, supra obscure viridia, gldbra, suhtus denso tomento non 
micante albescentia, medium longe petiolatum, itifima lateralia breviter; rami 
paniculam portantes longi, canalicidati, sparse acideati, tegumento illo squa- 
mante albido dense vestiti, foliati foliis quinatis, qnaternatis, ternatis; foliolis 
lateralibus saepe lobatis; panicula ramosissima, foliata, quasi pyramidata, ramis 
erecto-divaricatis, parce aculeatis, squamantibus, in ramulos secundarios divisis; 
rami superiores et secundarii sicut et pedimcidi denso tomento sordide viride- 
albescente vestiti, pubescentes. sparse acideati; sepala albo-tomentosa, sub anthesi 
reflexa, nuda; flores numerosissimi ; petala laete vel jyallide rosea, calicem 
plus duplo superantia, foris puberula; stamina rubentia, stylos adaequantia 
vel paidlulum superantia; germina pubescentia. Juni bis October. Da er voll- 
kommene und reiche Früchte bildet, so dürfte dieser autfallend mächtige Bubus, 
wenn er Bastardirung sein Entstehen verdankt, zur selbstständigen Art geworden 
sein, wie er denn sehr häufig auftritt. Trient, Muralta, an Weinbergsmauern, 
verbreitet. 

Bubus bruginoensis m. {B. tomentosus glaber X dalmatinus? , non B. 
dalmatinus (ulmifolius) X tomentosus = B. baldensis Kern.). Schösslinge ziemlich 
bochbogig, kantig, kahl, nur hie und da mit schülferigem Wachsüberzug bekleidet, 
spärlich mit rückwärts gerichteten geraden Stacheln bewehrt. Blätter fünf blattig, 
iiemlich lang gestielt, Blattstiele schwach wachsschülferig, flaumig, mit rückwärts 
gekrümmten kleinen Stacheln bewehrt; Blättchen, das endständige ei-lanzettlich, 
iie seitenständigen elliptisch-lanzettlich, gegen vorn spateiförmig verbreitert, am 
Rande gekerbt-gesägt ; oberseits kahl, gelbgrün, kaum schimmernd gegen das 
[iicht, unterseits weissfilzig. Blätter der rispentragenden Aeste breiter und grösser, 
) — 3 blattig, ei-lanzettlich, fast ei-rautenförmig, ei-spatelförmig oder elliptisch- 
anzettlich, die Seitenblättchen öfter gelappt, grob kerbsägig und öfter buchtig; 
Behaarung wie die Schösslingsblätter. Rispentragende Aeste lang, schwach stern- 
md abstehend kurzhaarig, mit kräftigen, rückwärts gekrümmten, an der Basis 
■othen, an der Spitze gelben Stacheln bewehrt; Achse, Rispenästchen und Blüthen- 
tiele sternfilzig und abstehend kurzhaarig, ziemlich reichlich mit kleinen gelben 
stacheln bewehrt. Inflorescenz kurz, straussförmig, aus kurzen, sparrig abstehenden, 
neder verästelten, 2— 6blüthigen Aestchen zusammengesetzt. Sepalen graufilzig, 
chmal weissfilzig berandet, nach der Blüthe zurückgeschlagen, nackt; Kronen 



64 



Georg Evers. 



blass rosenrotb, mittelgross. Mori, an felsigen bebuschten Abhängen des Monte 
Brugino oberhalb Nomesino. 15. Mai 1894. 

Buhns loppiensis m. (B. sulcatus X hrachyhothrys?). Turiones ascendentes, 
apice dependentes, costati, striati, supra hadii, infra virides, minimis pilis 
(stellatis) et longioribus crispis parce vestiti, liic illuc vix paullulum sqiiamantes, 
parvis rectis debilibusque aculeis riibentibus puhescentibus glabre flaveque api- 
culatis ornati; folia quinata; medium foliolum longe petiolatum, lateralia 
superiora breviter, infima in horum petiolis unum, sessile alterum brevissime 
pctiolulaium sedentia, obovata (medium rotundatum breviterque acuminatum), 
margine irregulariter diiplo-denticulata, paullisper undulata et irregulariter 
marginata, coriacea, supra obscure viridia, ex strigulis et minimis pilis stellatis 
in luce micantia, subtus denso tomento minimisqiie in sole micantibus pilis 
vestita et quasi sericea mollia pallide-viridia, in medio nervo minimis aculeis 
flavis recurvatis parce ornata; folia racemorum paniculam portantium quaternata 
et ternata; foliola interdum lobata; petiola omnium parce et parve aculeata; 
inflorescentia foliata, interrupta (infimis ramulis longe remotis, grandibus foliis 
ornatis et patentibus), in suprema parte ex brevibus ramulis erecto-patentibus, 
supremis divaricatis composita; ramuli foliis ternatis, superiores foliolis sim- 
plicibus decrescentibus falciti; ramuli et pedunculi parvis aculeis rectis rubenti- 
hus puhescentibus muniti, viridi tomento vestiti et pubescentes; sepala viride- 
tomentosa, nuda, sub antkesi reflexa; petala calicem superantia, laete rosea; 
stamina stylos superantia. — Majo. Mori, in declivibus saxosis et dumetosis 
montis Brugino super pagum Nomesino vallemque Loppiensem. 15. jV. 1894. 

Bubus vezzanensis m. Turiones humiles, arcuati, obtuse angulati, vix 
paullisper alhide squamantes (sub microscopio), parce pubescentes, quasi glabre- 
scentes, iiarceque aculeati; aculei ex lata et fusca albide squamante radice in 
rectam glahram et flavam cuspidem porrecti; folia ternata, longe petiolaia 
peiiolo fusco pai'visque recurvatis fuscis flave acuminatis aculeis parce munita; 
foliola petiolata, inferiora breviter, quasi coriacea, supra glabra, flavo-viridia, 
subtus tenui tomento pilisquc micantibus vestita, ovato-lanceolata (medium basi 
quasi cordafa), interdum lobata vel unum lateralium parvo foliolo quario 
ornnlum, margine grosse et duplo denticnlata, dentibus latis mucronatis; folia 
ramorum fioriferorum similia, subtus dense alJnde-tomentosa. Vanicula medio- 
cris, interrupta ex remotis inßmis ramulis longis erecto-patentibus, foliolo muniiis 
et approximatis, superiorihus divaricatis paullulum decrescentibus composita; 
axis, ramuli pedunculi paniculae et calices dense albo-tomentosa, pilis patenti- 
bus, multisque rectis basi ruJn'is jmbescentibusqne, apice glabris et flavis aculeis 
ornata, non glandulifera. J^edunculi longi, uni/lori. Sepala adjacentia, petala 
jtarra, pallide rosea vel alba ruhentia. Tridentum, in locis herbosis rupcstribus 
intcr Vezzano et Terlago, solo cidcar. Juni, Juli. 

Buhus paUidiiH W. cl N. Tricnt, Monte Vasoiin. 

HuhuH hirtus VV. et K. var. grandis Neuin. Molvcno, in Waldschhu litcn 
'It r ragandl.'i. Val (Jcnova. 

JiubuH lidlardii W. et N. var. suhnlpinus Ilal. Kiva, Monte (liuinclla. 



Beitr&ge zur Flora des Trentino. 



65 



Euhus tomentosiis glaber X caesius. Nebenblätter lanzettlich, daher die 
dem caesms näher stehende Combination, jedoch Pflanze drüsenlos. Schösslinge 
fast kahl, rundlich, bereift; hat eine dem caesms ähnliche Tracht, während 
Rubus caesius X.tomentosus dem Ruhus tomentosus vfe'it nähersteht. 

Riihus rusticayiusX caesius. Strauch liegend, kletternd. Schösslinge 
kantig, kräftig, fast kahl, grün, mit mittelmässigen geraden Stacheln spärlich 
bewehrt. Blätter lang gestielt, 5— Sblattig. Stiel flaumig, klein bestachelt; Neben- 
blätter lineal-lanzettlich; Blättchen rundlich, mit aufgesetzter Spitze, Endblättchen 
mit herzförmiger Basis, lang gestielt. Seitenblättchen : mittleres Paar kürzer ge- 
stielt, mit kaum herzförmiger Basis, unterstes Paar an den Stielen des oberen Paares 
sitzend; Blättchen mit den Rändern sich deckend, unregelmässig doppelt gezähnt, 
oberseits kahl mit wenig Striegelhaaren, unterseits dünn grünfilzig, seidig glänzend; 
ziemlich derb, aber nicht lederig. An dreiblattigen Blättern pflegt von den Seiten- 
blättchen, die oft Seitenlappen zeigen, das eine kurz gestielt zu sein, das andere 
zu sitzen, auch fehlt zuweilen die aufgesetzte Spitze. Blätter der rispentragenden 
Aeste 3— 5 blattig; Blättchen sitzend oder das eine und andere sehr kurz gestielt, 
mit den Rändern sich deckend, gross, meist ei-rautenförmig, stumpf gespitzt oder 
fast abgerundet an der Spitze. Blüthenstand an der Spitze des Stengels gehäuft, 
5 — Tblüthig; entfernt unter demselben in einer Blattachse ein kurzes, 2 — Sblüthiges 
Aestchen. Kronen gross, blassrosa. Martignano, auf Weinbergmauern kletternd. 

Ruhus Vesta X caesius dürfte ein Ruhus an Mauern bei Molveno dar- 
stellen, wenn nicht der Mangel an Drüsen diese Combination vernichtet. Neben- 
blättchen lineal-lanzettlich, Schösslinge liegend, dünn, rundlich, grün, kahl, ziem- 
lich reich mit kleinen blassen Stacheln bewehrt. Blätter dreiblattig, lang gestielt, 
j Stiele reich klein bestachelt; Blättchen frei oder mit den Rändern sich deckend, 
eiförmig, kurz zugespitzt, trübgrün, oberseits kahl, unterseits mit grünlichem, im 
Lichte seidenartig glänzenden dünnen Filz bekleidet, uuregelmässig grob gezähnt, 
sparsam bewimpert, am Grunde abgerundet ; Endblättchen kurz gestielt, seiten- 
ständig sitzend oder eines sehr kurz gestielt; Stiele schwach behaart, reich klein 
bestachelt. Rispentragende Aeste lang, fast kahl, blattreich, mit zahlreichen 
kleinen, gekrümmten Stachelchen bewehrt; ihre Blätter in der Jugend unten fast 
weissfilzig, rundlich oder kurz bespitzt. Rispe kurz, wenigblüthig, zuweilen von 
einem bis drei weit entfernten unteren, von grossen Blättern gestützten Neben- 
träubchen begleitet und dann scheinbar beblättert. Achse, Aestchen, Stiele grün- 
1 filzig und behaart, mit nadeiförmigen rothen Stachelchen dicht bewehrt ; Sepalen 
i- zugespitzt, grünfilzig, schmal weissfilzig berandet, bestachelt, sub anthesi abstehend, 
an die Frucht angedrückt. Kronblätter weiss, den Kelch kaum doppelt über- 
' ragend; Blüthen theil weise fehlschlagend; Frucht klein, aus wenigen länglichen, 
; härtlichen, röthlichschwarzen Körnern bestehend. An der Richtigkeit der Combi- 
nation zweifelnd, habe ich diesen Ruhus im Herbar als Ruhus Molveno unter- 
schieden. September. 

Rosa molvenoensis bezeichne ich vorläufig eine Rose, deren grosse ei-, zu- 
weilen birnförmige, sehr kurz gestielte, zuweilen sitzende, nackte und kahle Frucht 
mit aufrecht abstehenden und nur kleine Anhängsel zeigenden Kelchzipfeln und 
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 9 



66 



Georg EVers. 



wolligen Griffeln eine Glauca anzeigen, deren Blättchen verhältnissmässig klein, 
meist eilanzettlich, einfach sägezähnig und wie die ganze Pflanze kahl sind. 
Stacheln ziemlich derb und sichelförmig, an den blüthentragenden Zweigen fast 
gerade. In Blüthe bis jetzt nicht gesehen. Molveno, am Ufer des Sees. Vielleicht 
eine Zwischenform zwischen JRosa glauca und canina. 

Alchimilla. Gelmi hat die neueren Untersuchungen Buser 's (Bull, de la 
Societe dauph., 1892, p. 92ff. ; Les Alchimill. subniv. in Bull, de l'Herbier Boiss., 
Tom. 2, 1894; Berichte der Schweiz, botan. Gesellsch., 1894, Heft 4) unberück- 
sichtigt gelassen, letztere beide, weil sie noch nicht vorlagen, daher dürfte eine 
kurze Uebersicht der für das Trentino in Frage kommenden Arten hier am 
Platze sein, 

1. Alpin ae. Alchimilla grossidens Bus. {A. subsericea Reut. p.p.). Blätter 
fast kahl, wenig zottig; Blättchen tief kammartig gezähnt. Zahnung an den Seiten- 
rändern nicht hinabgehend,^) verkehrt-eiförmig oder länglich verkehrt-eiförmig. 
Granitpflanze. An den Bus er 'sehen Original-Exemplaren sind die Blätter bis 
auf den Grund zertheilt, und decken sich die Blättchen mit den Rändern. Val 
Daone, zwischen den Malgen Nudole und Boazzo an Felsen des Chiese-Ufers. 
22. August 1895. Hier in zwei Formen: mit bis auf den Grund getheilten 
Blättern, deren Blättchen sich nur zum Theile mit den Rändern decken, und mit 
Blättern, deren Theilung theilweise nicht bis auf den Grund geht. 

Alchimilla subsericea Reut, (non Koch, nec Gaud.). Ausläufer treibend; 
Blättchen 5 — 7, oberseits glänzend, an der Spitze tief gezähnt, Zähne zusammeu- 
neigend; Granit und Kalk. An den Buser 'sehen Exemplaren ist das Blatt bis 
auf den Grund getheilt. Bislang von mir hier nicht gefunden. 

Alchimilla alpina L. Blätter bis auf den Grund getheilt. Blättchen nie 
über sieben, an der Spitze fein gezähnt, Zähne dicht aneinander schliessond. 
Nach Gelmi „frequente sui monti di Fiemme, Val Sugana, Giudicarie, Palü, 
Baldo". Von mir bislang nicht gefunden, bezweifle auch die Häufigkeit, da nach 
Bus er diese Art auf die Centralalpenkette beschränkt ist. 

Alchimilla Hoppeana Rb. Blätter nicht bis auf den Grund getheilt ; 
Blättchenabschnitte bis neun. Zahnung an den Rändern hinabgehend. Kalkj)flair/c. 
Ob die von Gelmi auf dem Stivo angegebene Pflanze mit zum 'J'heilo unten 
zusammengewachsenen Ab.schnitlen hieher gehört, bezweifle ich; ich halte sie für 
die folgende: 

Alchimilla iransiens Bus. {A. saxatilis var. transiens Bus.). Ausläufer 
treibend. Blätter kurz fünfschnittig, innere Abschnitte bis auf den Grund ge- 
theilt, elliptisch, nur vorn gezähnt; Kelchblätter seidig. Val Sugana, Cima Giotera, 
Porcegno, Setteselle, Monte Baldo, Judicarieu, Frate di Bregazzo; Rovereto, Stivo V 

Alchimilla jjallens Bus., der Huppcana ähnlich, schwächer seidenhaarig, 
helifir. Blätter bis achtschnittig, oberseits glauk, uutcrseits deutlich netzaderig; 
Abschnitte unten zusammengewachsen. Zahnung ofi'cn, beiderseits hinabgehend, 
li'overeto, Stivo V 



.\:u:h Origirml-Kxfriipliiion J'. iihoi 's, 



Beiträge zur Flora des Trentiuo. 



67 



2. Pubescentes. Alcliimüla pubescens Lam.^) {Ä. siihsericea Koch, iion 
Keut.; A. montana Willd. p. p.). Bogig aufsteigend; Blätter oberseits weich-, 
unterseits weiss seidenhaarig, glänzend, bis neunlappig, ringsum gezähnt. Trient, 
Monte Gaza, Monte Brugino; Val di Ledro, Malga Droraae. 

Var. glaucescens Wallr. Niederliegend, ausgebreitet. Blätter glauk, Lappen 
halbkreisrund. (Norddeutsche Waldgebirge: Süntel, Harz.) Trient, Alpenweiden 
der Cima Canfedin : eine kleinere Form (var. suhalpina). 

ÄlcMmilla colorata Bus. Krone innen purpurbraun; Blätter unterseits 
deutlich netzaderig. Lappen nur vorn gezähnt, nur auf den Nerven seidenhaarig. 
An den Bus er 'sehen Original-Exemplaren vermag ich die purpurbraune Färbung 
der inneren Blüthe nicht zu erkennen, habe aber viele Exemplare der Ä. pube- 
scens und auch der Ä. flahellata aufgenommen, an denen die Mitte der Krone 
dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt ist. Der Hauptunterschied scheint mir mit 
dem Satze ausgedrückt werden zu können, dass ÄlcMmilla colorata Bus. eine 
Form der A. ßabellata mit unterseits nur dünn behaarten Blättern darstellt, 
deren Geäder man unter den Härchen erkennen kann. Annähernde Exemplare 
habe ich am Hafelekar bei Innsbruck aufgenommen. 

ÄlcMmilla flabellata Bus. [A. pubescens Koch., non Lam., nec M.-Bieb., 
nec Willd.). Pflanze grauzottig; Blattlappen nur vorn gezähnt, an den Seiten 
ganzrandig. Trient, Monte Canfedin und Passo di S. Giovanni; Val di Ledro, 
Monte Pari; Mori, Monte Brugino, 

ÄlcMmilla intermedia Hall. fil. {A. helvetica Brügg.). Niederliegend; 
Blätter breit und tief gelappt, Lappen vorn tief, fast „fingerförmig" gezähnt, ab- 
gestutzt; ganze Pflanze einschliesslich der Inflorescenz dicht behaart. Ich glaube 
sie angetroffen zu haben auf Triften der Malga Ciago auf dem Monte Gaza. 

3. Splendentes. ÄlcMmilla splenäens Christ wird im Trentino kaum 
vorkommen; sie ist eine Pflanze der Schweiz. Blatt flach, „cartacee, 9— lllobee, 
glabre en dessus, d'un vert glauque sombre, a face iuferieure soyeuse-pubescente, 
ä nei-vures brillante, dentelee ä dents petits, dent terminale tres petite". 

4. Calicinae. ÄlcMmilla fissa Schum. Spinale bei Campiglio, Tonale etc. 
ÄlcMmilla aciitidens Bus. Niederliegend, gelbgrün, glänzend, fast kahl. 

Rhizom holzig; Blätter gewellt, neunlappig, kahl, auf den Nerven unterseits 
seidenhaarig; Lappen dreieckig-eiförmig, ringsum gezähnt; Zähne spitz, pinsel- 
artig seidenhaarig; Blattstiel anliegend lang- und weisshaarig. Stengel unten 
lang behaart, oben kahl; Stengelblätter bis Vs und V2 (obere) eingeschnitten, 
gelappt. Inflorescenz locker, an den Enden der Aeste geknäuelt, kahl. Kitten, 
Seiser Alpe, Schiern. 

ÄlcMmilla connivens Bus. Dunkelgrün. Rhizom schwach; Blätter neun- 
lappig, flach, derb, unterseits glanzlos, glauk, gefaltet, an den Falten, Nerven und 
am Stiel glänzend seidenhaarig; Lappen halbeiförmig, ringsum gezähnt, Zähne 
spitz, pinselförmig, zusammenneigend; Blattstiel lang behaart, jung seidig. Stengel 

') Die Form vegeta des Bus ev 'sehen Alchimilla'S.erh. kann ich von anderen behaarten 
Formen desselben nicht recht unterscheiden, z. B. von A. pastoralis Bus. 

9* 



68 



Georg Evers. 



iiiederliegend, bis zur Verästelung schwach zottig; Stengelblätter klein, tief ein- 
geschnitten. Inflorescenz kurz, dünnästig, kahl, in lockeren Knäueln. Monte Baldo, 
Belluneser Alpen, Kitten bei Kupenna. 

Alchimilla fallax Bus. Steif. Blätter oberseits kahl, unterseits weich 
seidenhaarig, graugrün, bis neunlappig. Stipeln trockenhäutig. Stengel unten an- 
liegend grauhaarig. Inflorescenz locker. Stiele haardünn. „Südliche Alpen." 

Alchimilla sericoneura Bus. Wie vorige, aber derb, gedrungen. Blätter 
bis 11 lappig, lederig, rothbraun gefleckt, seicht gelappt, gezähnt; Zähne weiss 
pinselhaarig. Inflorescenz „corymbös". 

5. Vulgares. Alchimilla pastoralis Bus. Blätter bis neunlappig, beider- 
seits zottig, jung seidenhaarig, glauk; Lappen halbeiförmig, Zähne „mommi- 
formes mucronees". Stengel wenig beblättert. Inflorescenz locker; Blüthen schwach 
behaart oder kahl. Trient, Monte Maranza; ßovereto, Passo della Becca del Bon- 
done (Orto d'Abramo). Form vegeta, üppiger und hoher. Trient, Monte Vasoue. 

Alchimilla alpestris Schmidt {A. gldbra Kern. p. p.). Val Daone, Val 
Genova. 

Alchimilla exigua Bus. Habitus der A. flabellata, aber Blattzahnung 
ringsum, zusammenneigend. Inflorescenz kahl. Kelchröhre schmal birnförmig. 
(Bormio.) 

Alchimilla strigosula Bus. Hellglauk. Stengel und Blätter rauhzottig; 
Blätter wellig, seicht gelappt. Inflorescenz schmal, locker geknäuelt. Blüthen 
gross, dicklich. „Südtirol. " 

Alchimilla micans Bus, Dunkelgrün, zottig, jung seidig. Blüthen kahl; 
Blätter rundlich, tief und schmal gelappt, oberseits schimmernd. Stengel nieder- 
liegend, schwach; Inflorescenz flattrig. (Innsbruck, Rumer Joch.) 

Alchimilla suhcrenata Bus. Schwach abstehend zottig, aber Inflorescenz 
kahl. Blätter papierdünn, rund, stark wellig, aber dünn behaart, breit und tief 
gelappt; Zahnung „zizenförmig, wie gekerbt". Inflorescenz mager, durchblättert, 
trugdoldig; obere Stengelblätter mit tiefen, spreitzenden Lappen. Trient, Maranza. 

Anmerkung. Von vorstehender glaube ich eine Variation bei Innsbruck 
gefunden zu haben: var. oenipontana m. Blätter oberseits flach, fast kahl, nur 
gegen die Zabnung hin etwas seidig schimmernd (im Lichte), unterseits seidig 
behaart, meist siebenlappig, Lappen halb kreis- oder halb eirund; Zähne gewim- 
]iert; Stengel meist von unten aufwärts ästig, bis oben hin abstehend kurz behaart, 
an der Sonnenseite oft korallenroth. Blattstiele gelblich seidenzottig; Kelcbzähne 
gewimpert. Inflorescenz fast kahl, von einzelnen Ilaaren gewimport. Fruchtkclch 
birnförmig. Innsbruck: Solsteingebirge, Brandjochboden. September 1884. 

Amygdalus Persica L. var. spontanea. 'J'rient, Bolgher, in Hecken. 

Sorhus domcHlica L. Wild, meist nur als Straucb. 

liliuH tgphina L. Wie verwildert. Trient, Goccia d'Oro. 

Ailanihus glandulosa Desf. Ueberall verwildert. 

Kuphorhia maculata Pall. (E. Preslii Guss.). Uobor fusshoch in Wein- 
bergen auf Muralta hcÄ Trient. 

Kuphorhia dulcis L. f. puhescens. Trient, Goccia d' Üro. 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



69 



Euphorbia falcata L. kommt in zwei Formen vor: mit wehrlosen Blättern 
(einfach oder spreitzend ästig) und mit mucronirten Blättern (f. miicronata). 
Letztere, viel seltener, hat einen anderen, schlankeren Habitus, der sie schon von 
Weitem unterscheiden lässt. Trient, Muralta in Weinbergen; Monte Terlago, an 
felsigen Orten. 

Oxalis acetosella L. rosiflora. Mit ganz rosenrothen Kronen. Mori, Sla- 
vini di S. Marco. 

Linum laeve Scop. {L. dlpinum L. var. montanum Koch) mit steif auf- 
rechten Fruchtstielen, Monte Baldo, Costabella. 

Geranium parvifloru7n Yiw, Fl. Ijb. sp., p. 39 {G. pwytireutn YiW., Dauph., 
3, p. 374, PI. 4; 6r. Eobertiamim L. var. parviflora Gr. et Godr , 1, p. 306). Trient, 
Mezzotedesco u. s. w, in Gebüschen und Wäldern; geht nördlich bis Bozen. (Rom, 
Insuggherata in den Macchien.) Kronen denen des Geranium lucidum an Grösse 
und Farbe ähnlich. Mai. 

Var. succulenta. Klein, steif aufrecht oder ausgebreitet liegend, im frischen 
Zustande etwas fleischig. Form der heissen Felsen. Trient, Muralta etc., Mori, 
Slavini di S. Marco, Lenzima etc. (Auch in den Abruzzen bei Oronto von Felsen 
gesammelt.) 

Geranium sanguineum L. f. latiseeta. Blätter nicht bis auf den Grund 
zerschnitten, kaum bis ^/s des Umfanges, Abschnitte kurz, breit oval, vorn 
abgestumpft. 

Var. parviflora. Kronen halb so gross (so bei Rom, Insuggherata). 
Var. parviflora caerulea. Kronen dunkelblau. So eine Staude: Tiient, 
Goccia d' Oro. 

Hibiscus syriacus L. häufig in Lusthainen; Trient, Goccia d' Oro, am 
Salebache. 

Philadelphus coronarius L. Monte Baldo, Val Aviana; Sarcathal unter 
Stenico; Trient, bei Aldeno in den Boschi gegen Val Cei etc. 

Epilobium parviflora X hirsutum. Kronen halb so gross als an Ejn- 
lobium hirsutum. Loppio, am Loppiobach; scheint dort als selbstständige Art 
aufzutreten. 

Lythrum Salicaria L. Die in Norddeutschland gemeine Form (Blüthen- 
quirle dicht, eine einzige walzliche ununterbrochene Aehrentraube bildend) scheint 
hier nicht vorzukommen. Auch die in Thüringen von mir beobachtete Form 
(ästig mit ruthenförmigen Aesten, lockeren und oft unterbrochenen Trauben und 
langgespitzten, wagrecht aus der Traube weit abstehenden Bracteen) ist mir bislang 
noch nicht aufgefallen (f. ramosa). Hier fällt mir eine Form auf mit Stengel, der 
unterhalb der Traube in einer diese oft um das Doppelte übertreffenden Länge 
nur mit kleinen, kurzen, einander ziemlich genäherten, bracteenartigen Blättchen 
besetzt ist (f. tridentina?). Ob diese Form constant ist, habe ich noch nicht 
beobachtet. Ferner : 

Yhr. pumilum m. Stengel bogig aufstrebend, 30— 40 cm hoch; unterste 
Blätter elliptisch, vorn stumpf, übrige lanzettlich, nur 3 — 4 cm lang. Traube 
kurz, locker, unten unterbrochen, Blüthenquirle von kurzen, :ius der Traube nicht 



70 



Georg Evcrs. 



hervorragenden, aus herzförmiger Basis zugespitzten Bracteen gestützt. Ti-ient, 
Monte Terhigo; in Sümpfen am Lago Santo mit Gdlega officinalis. 

Sempervivum acuniinatum Schott. Trient, Goccia Oro, vulcanische Felsen 
(Art Basalt); Rovereto, Passo della Becca del Bondone, Kalkfelsen; Waidbruck, 
Porphjrf eisen. 

Sempervivum dlpinum Griseb. et Schi. Trafoi, Franzenshöhe. 

Sempervivum Wulfeni Hoppe. Val Daone, Franzenshöhe. 

Sempervivum harbulatiwi Schott (S. montanum X arachnoides). Ti-afoi. 

Saxifraga carinthiaca Schott et Kotschy. (Stengel von der Mitte an oder 
üben locker rispig.) Trient, Cima Canfedin, Wormser Joch. 

Saxifraga hrevifolia Sternb. Nago, an Felsen des Forts. April. 

Saxifraga rhaetica Kern. Val Vestino, Trafoi, häufig. 

Saxifraga mutata L. In wahren Riesenexemplaren mit ruthenförraigen 
Nebenstengeln und langen Aesten, z. B. Passo della Becca del Bondone über 
Rovereto. 

Saxifraga Burseriana L. in zwei Formen; die grossblüthige Thalform: 
Trient, Vela ; Etschthal von Condino bis Salurn. März, April. 2. f. alpina. Kronen 
halb so gross, ganze Pflanze kleiner. So: Cornetto d'Abramo, Bondone etc. 

Saxifraga petraea L. in sehr üppiger Form im oberen Avianathal des 
Monte Baldo auf nassen Felsbänken. 

Diantims Pontederae Kern. (Sched. 2, 67). Trient, Monte Celva. 

Dianthus inodorus L. var. liumilis. Fingerhoch, braunknotig; Blätter steif, 
Stengelblätter wagrecht abstehend. Brenta. 

Dianthus erubescens Trev. Waidbruck; Völs am Schiern; Monte Baldo; 
Brentonico. 

Dianthus sjoeciosus Rb. Schiern. 

Silene nemoralis W. K. var. ruhrißora. Trient, Muralta, in dumetis saxosis 
vinetor. 

Silene livida Koch var. alhißora. Trient, Villa Rossi, in dumetis rupestribus. 
Silene Saxifraga L. f. fusca. Blüthen dunkelbraun. Trient, Doss Trent. 
Cerastium hrachypetalum Desp. f. villosa decumhens. Trient, Muralta 
in vinetis. 

Cerastium tauricum Spreng. Mori, Slavini. 

Cerastium triviale Lk. var. holosteoides Fr. 'J'rient, Goccia d' Oro. 

Chenopodium striatum Kras. (1894). Blätter eiförmig-lanzettlich, dunkel- 
grün, Zweige roihgestreift. Trient, Campo trentino; am Etschdamm hie und da. | 
Scheint nach l)riefiichcr Mitthoilung Dr. Murr 's neu eingeschle])])t zu sein. | 

l'hj/lolacca decandra L. Verwildert hie und da: 'J'rient, Göccia d' Oro. 

Ilelianthemum canum Dun. Mori, Slavini, 'J'rient, Monte Celva, Riva. 

Ilelianthemum alpestre DC. (//. italicum Pcrs. var. alpestre G. et Gr.}.; 
Becca del Bondone über Cei; Monte Gaza etc. Gclmi subsummirt diese Arfcll 
nebst //. Canum Dun. unter II. oelandicum Wuhlhg. Nach er n er, Sched , III,j' 
p. ist //. oelandicum aber «'ine andere Pflanze als 7/. alpestre .Tacq., welches« 
•MiMiithlich eine Form des //. alpestre DC. darstellt. Das hiesige, von mir hier i 



Beiträge zur Flora des Trenfcino. 



71 



geraeinte HeliantKemum hat verhältnissmässig grosse, leuchtend gelbe Kronen, 
dicht weisszottig behaarte Kelche, weissfilzige Blüthenstiele. Pflanze vielstengelig, 
Stengel unten holzig. Blätter zu zwei einander entgegengestellt, sitzend (die 
untersten kaum gestielt), schmalelliptisch, kurz, oberseits kahl, unterseits behaart, 
Aeste der Stengel abstehend dicht kurz und locker langhaarig. 

Helianthemum micranthum G. et Gr. {H. italicum Pers. var. micranthum 
G. et Gr.). Die vorige Pflanze en miniature; Kronen kaum den Kelch über- 
ragend. Prags, Sarlkofl, überhaupt oberhalb der Waldregion. 

Helianthemum vineale Pers. (= H. püoselloides Lap. V). Den beiden vorigen 
ähnlich, aber Blätter unterseits weissfilzig. Trient, Weinberge, heisse Kalkhügel, 
z. B. Muralta etc. 

Helianthemum salicifolium Pers. Warme Hügel am Gardasee bei Torri; 
unweit ausserhalb der Grenze des Trentino. 

• Helianthemum rude Kern. Pflanze rauhhaarig. Blätter gestielt, lang, 
schmalelliptisch, mit Sternhaarpusteln. Torri am Benacus (Ptigo). Eine üppige, 
sehr grossblüthige Gebirgsform mit vielstengeligem Rhizom und unten holzigem 
Stengel unterscheide ich als var. montana. Monte Gaza, Passo di S. Giovanni; 
vermuthlich noch weiter verbreitet. 

Helianthemuvi vulgare Gärtn. Eine Winterform mit braunrothen Kelchen 
findet sich in Goccia d' Oro bei Trient in schneefreien Wintern. Die Blätter scheinen 
auf der Unterseite schwache Sternhaarpusteln zu zeigen; in diesem Falle dürfte 
die Form zur vorigen zugehören. 

Cheiranthus Cheiri L. Mezzotedesco, im Walde unter den Felsen des 
Castells Mezzocorona, einige wenige Stöcke. 

Matthiola incana DG. Riva, Monte Brione, an Felsen über der Torbole- 
strasse einige Stöcke, wahrscheinlich Gartenflüchtlinge. 

JRoripa amphihia Scop. f. longidentata. Während von den beiden in 
Norddeutschland, Thüringen und Franken von mir angetrotfeneu Variationen die 
eine nur ungetheilte Blätter (f. riparia Tausch?), die andere die untersten Blätter 
kammförmig eingeschnitten, die übrigen ungetheilt zeigt, und eine dritte, schwim- 
mende Form (in den Teichen bei Walkenried) sehr langgestielte ovale Blätter 
\ hat mit herzförmiger Basis und zwei entfernten Oehrchen an den fast geflügelt 
i erscheinenden Blattstiel (f. cordata), zeigt die Pflanze des Loppio-Sees, die ich 
i oben unterschieden habe, gefiederte unterste und langgezähnte obere Blätter; nur 
I die obersten als Deckblättchen der Inflorescenzäste fungirenden Blättchen sind 
i ganzrandig. Kronen grösser und lebhafter gelb, als an den nördlichen Pflanzen, 
j Loppio, im See. 

1 ■ Hräba montana Koch (D. saxigena Jord., cf. Sched., Nr. 891). Stiel der 
Schöttchen länger als diese; Schötchen kahl. Schaft der Traube länger als diese. 
Kronen gross, goldgelb. Trient, Cima del Bondone. Die Kronen ähnlich denen 
der Draha BecJceri Kern. 

Draba Huteri Porta (Herb. Porta, Plantae ex Tirol, bei Huter). Val di 
Ledro (P.), Ob eine gute Art, vermag ich nicht zu beurtheilen; sie steht der 



72 



Georg Evers. 



Dräba frigida Saut. nahe. Porta findet einen Unterschied in den Schoten („apice 
sensim atteniiata stilo diametri sublongiori"'). 

Biscutella laevigata L. var. hispida. Riva, an Felsen der Poualestrasse. 
Etschufer zwischen Mattarello und Aldeno bei Trient. 

Var. glabra coriacea. Blätter fast lederartig. Riva, an Felsen der Ponale- 

strasse. 

Nupliar luteum Sm. hat doppelt so grosse Blüthen und Früchte als die nord- 
deutsche Pflanze. 

Hellehorus altifolius Hayne kommt mit rosenfarhenen (selten) und braunen 
bis grünlich braungelben Kronen vor. Rovereto, vom Castell Noarna bis zum 
Monte Stivo hinauf (die weissblühende ist dort selten). Val di Pur bei Pieve di 
Ledro (alle drei Varietäten). 

Anmerkung. Hellehorus viridis L. mit doppelt grösseren Blüthen als 
au der norddeutschen Pflanze. Rocca di Garda. 

jRanunculus auricomus L. kommt einblüthig mit B. Thora L. im Val 
Brenta über Pinzolo vor (f. alpina Schur). 

Banunculus Aleae Willk. = B. Cengialti Kern. Trient, Chegul. — Var. 
albiflora. Rovereto, in Weinbergen beim Castell Barco. 

Aconitum ranunculifolium Rb. Wälder am Schiern. 

Var. dolomiticum m. Wurzelblätter mit breiteren Blattlappen, kürzeren Ein- 
schnitten, genäherten (nicht spreitzenden) Abschnitten, im Umkreise fast nieren- 
förmig (Lienz, Amblacher Bergwiese, Juli 1878). Rovereto, Becca del Bondonc. 

Aegopodium Podagraria L. var. haldense m. Stengel über 1 m hoch, 
schlank; untere Stengelblätter lang gestielt, Blattfiedern elliptisch-lanzettlich, 
lang zugespitzt, doppelt gesägt-gezähnt; hat eine elegante Tracht im Vergleiche 
zu der gewöhnlichen Pflanze. Monte Baldo, in Wäldern oberhalb La Scaletta bei 
S. Giacomo. Beim ersten Anblick der oft fast bis mannshohen schlanken Stauden 
glaubt man nicht, ein Aegopodium vor sich zu haben. 

Heracleum montanum Schleich. [H. asperum Hausm., non M.-B., H. Pa- 
naces Rb.). Blätter unterseits kahl oder grauhaarig, mit geraden Seitenrändern. 
Kommt auch mit rothen und mit gelblichen strahllosen Kronen vor. (Letztere 
z. B. auch bei Nauders.) 

Heracleum pyrenaicum Lam. (//. Pollinianum Bert., nicht, wie Gelmi 
will, identisch mit U. asperum Hausm.). Blätter unterseits weisslichfilzig. Bon- 
donekette. 

Heracleum flarescens Bess. Fruchtknoten kahl. Kronen gelblich, strahllos. 
Blätter füiifzühlig, gefiedert, Abschnitte bandförmig, fiederspaltig, unterseits weiss- 
filzig. Fassa, Caressa])ass ; Trafoi. 

Toriiis infcsta HofFin. var. longistyla lih. Trient, Muralta, in Weinbergen. 

Asperula leianlha Kern. Gelmi führt eine A. longiflora W. K. Hausm. 
auf, bezweifelt dann die Richtigkeit seiner Citate und findet zuletzt, dass „la 
noHtra sta molto vicina alla cynanchica'^ . Letztere nun hat „corolla con lombo 
quasi eguale al tubo, esternamente rugoso-pajjilloso" (Arcangcli). Die 
J'fianzü jedoch, welche Gelmi mit obigen Citaten im Auge hat, /(ligt eine uusHeu 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



73 



diircliaus glatte und kalile Corolle, hat also mit Ä. cynancliica nichts zu thun. 
Afijierula leiantha Kern, unterscheidet sieh von A. longiflora W. K. Hausm. durch 
ebenfalls aussen glatte Corollen, während die Corolle der letzteren als von aussen 
„eminentiis per lentem videndis scabriuscida^ beschrieben wird fconf. Sched., YI, 
p. 82, 83). Dieselbe äussere Beschaffenheit der Corolle zeigt Ä. aristata L. fil.. 
welche sich von A. longiflora W. K. durch graugelbliche Corollen und stumpfe 
Zipfel derselben unterscheidet. Letztere habe ich bei Terracina und die var. gar- 
ganica Hut. (mit viel kürzeren Blättern) am Gargano aufgenommen, die roth- 
blühende Asperula longißora W. K. mit spitzen Corollenzipfeln in den Abruzzen 
bei Oronto. Die Trienter Asperula nun kommt, wenn ich recht sehe, in zwei 
Variationen vor, die vermuthlich durch den Standort bedingt sind und vielleicht 
sich nicht streng von einander scheiden hissen. Die eine ist die Felsen-, die andere 
die Buschform. Erstere hat im Allgemeinen kürzere Corollen und Blättei-, kürzere 
und steifere Stengel als letztere, bei w^elcher die mittleren langen Stengelblätter 
ausserdem oft wagrecht abstehen. Man könnte erstere vielleicht als f. stricta 
unterscheiden. Corolle aussen glatt und kahl, die Eöhre mindestens doppelt so 
lang als der Saum. 

Galium maximum Morls. Ein G. paliistre L. mit breiteren Blättern und 
überhaupt in allen Theilen grösseren Verhältnissen, sowie rückwärts rauhem 
Stengel. Campo trentino, Ets^hthal bei Salurn. Galium elongatum Presl, ähnlich, 
aber mit glattem Stengel, ist mir noch nicht begegnet. 

Galium tiroliense Willd. {G. insuhricum Gaud.) ist bis 5 Fuss hoch, mit 
papierdünnen Blättern. Salurn, Etschthal; Bozen. 

Galium elaticm Thuill. Blätter j,obovees ou oblongues-lanceolees, assez 
courtes", aber nicht papierdünn, kürzer als bei voriger, fester, von mir bei Metz 
aufgenommen. Val Daone, Boazzo. Früchte genarbt; die der Pflanze von Val 
Daone kleiner als bei der von Metz, daher vielleicht als var. montana zu unter- 
scheiden. 

Galium puhescens Schrad. [G. Mollugo L. var. hirtum. Mev., Chlor, hannov., 
p. 368). Bozen, Trient etc. an warmen Standorten. 

Galium erectum Huds. [G. Mollugo L. var. angustifolium Neilr.). Bozen, 
Kematen am Ritten, Runkelstein, Trient, Sopramonte etc. 

Galium scahridum DC. [G. lucidum ß. hirtum Neilr., G. scabrum M. et K.). 
Riva, Castell Tenno. 

Galium cinereum All. an allen heissen Kalkfelsen um Trient. 

Galium praecox Wirtg. Kronen goldgelb, grösser als bei G. verum, ge- 
ruchlos; Blätter breiter. Um Trient, z. B. am Fersinadamm. 

Galium riibrum L. Kahl; Kronenzipfel haarspitzig, 

Galium piligeriim Braun (Sched., VI, p. 79). Behaart. Bozen, Ritten. 

Galium ohliquum Vill. {G. mucronatum Lam.). Kronen weisslich, haar- 
spitzig; Stengel behaart. Trient etc. 

Galium pseudo-obliquiim Braun (Sched., VI, p. 79). Kahl. Kronen weiss, 
Zipfel nur zugespitzt, nicht haarspitzig. Eisackthal bei Waidbruck. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 10 



74 



Georg Evers. 



Gdlium Leyholdii Braun. Kahl, glatt. Kronen röthlich bis roth; Zipfel 
nicht haarspitzig. Rispe schmal (= Gdlium tirolense Leyb., non Willd.). Waid- 
bruck bis Kastelruth und Seiss. Trient, Vasone. 

Yür.purpurea. Kronen dunkelroth, Zipfel stumpf. Monte Baldo, S. Giacomo. 

Galium liarcynicum Weig. {G. saxatile L. p. p.) ist nach Gelmi aus dem 
Trentiüo verschwunden. 

Galium austriacum Jacq. (conf. Sched., VI, p. 74 ff. und I, p. 60). Gelmi 
hält den Namen Galium silvestre Pollich. fest. Von den Arten, welche dieser 
Sammelname zusammenwirft, zeigt sich Galium austriacum Jacq. [G. pusillum 
Neilr. var. nitida) in der Region der Kalkberge, Monte Gaza; Bondone etc. 
Ebendaselbst auch 

Galium asperum Schreb. {G. scahrum Jacq., G. silvestre var. pubescem 
Schreb.), Pflanze bis oben hin behaart, und 

Galium nitidulum Thuill, Pflanze nur unten behaart, endlich 

Galium laeve Thuill. [G. silvestre glabrum Koch), die kahle Form mit 
armblüthigen Rispen. 

Galium commiUatum Jord., kahl und glatt mit verlängerter lockerer 
Rispe, und 

Galium nitidulum Thuill. var. scabriusculum Braun, mit am Rande rauhen 
Blättern und lockerer Rispe vermag ich für das Trentino noch nicht zu con- 
statiren. 

Ein kahles gelbgrünes Galium mit gelblichweissen Kronen, linealen, flachen, 
etwas glänzenden, vorn verbreiterten und mehr weniger lang begrannten Blättern 
habe ich sowohl am Rumer Joch über Mühlau bei Innsbruck, als auch ini 
Trentino, z. B. Val Genova, Bedole und im Val Fummo beobachtet. Vermuthlich 
ist es das von Dalla Torre als Galium anisopliyllumYWl. angesprochene Galium. 

Gentiana biloba DC. (G. Charpentieri Thom., G. punctata X lutea), 
Monte Roen (Huter), hat Gelmi übergangen. 

Pulmonaria tridentina m. Frühlings -Wurzelblätter lang gestielt, inclusive 
Stiel bis 40 cm lang, oval-lanzettlich, am Grunde herzförmig (oder abgerundet), 
in eine lange Spitze vorgezogen, zuweilen auch allmälig in den Blattstiel 
zusammengezogen und an demselben etwas hinablaufend, dünn, nicht glänzend, 
weich, unterseits mit auf Pustelchen sitzenden Striegelhaaren bekleidet, oberwärts 
mit hellgrünen, öfter in einander überlaufenden Flecken bedeckt, am Rande und 
Blattstiel wimperig, aber nicht borstig behaart. Herbstblätter bis 30 cm lang, 
oval-lanzcttlich ohne lange Spitze, am Grunde nicht herzförmig, 
sondern allmälig in den geflügelten Blattstiel verschmälert, festci-, 
oberseits glänzend, mit hellgrünen Flecken bedeckt, sjunmtweich, mit sehr zer- 
streuten Striegelhaaren bekleidet. BlüÜienstand nach dem Verblühen etwas 
locker, nebst den oberen Stengeln, den Ijlütheustielen und Kelchen ziemlicli 
dicht mit kürzeren und längeren gegliederten abstehenden Haaren und unter- 
mischten (nicht so zahlreich wie bei IhUmonaria Vallarsae Kern.) Drüsen bekleidet. 
Fruchtkejche nicht aufgeblasen; Kelchziihne so liing als die Kronenröhre ini<l 
die.se verhüllend; Kronen gröHscu- als !i.n Pulmonaria of/icinaiis und ohscurn. 



Beiträge zur Flora des Treutiuo. 



75 



anfangs rothyiolett, dann dunkelblau. Trient, Schlucht des Salebaches, Goccia 
d" Oro, Morl, Monte Brugiuo; Val di Ledro, Malga Dromae in dumetis. März 
bis Mai. 

Mentha Piperüa L. Trient, Muralta, in Weinbergen, Villa Kofler 1891 
(identisch mit der wildwachsenden Mentha Piperita L. des Sösethales im Harz 
bei Osterode). 

Mentha aquatica L. var. acutifolia Sm. Trient, Fontana santa. 
Var. hirsuta Koch. Ebenda. 

Lycopus mollis Kern. Trient, Martignano etc. ziemlich häufig. 

Lycopus europaeus L. f. gigantea. lieber mannshoch; untere Blätter bis 
15 cm lang, 6 cm breit, die untersten fiederspaltig, die folgenden am Grunde 
fiederspaltig, die mittleren am Grunde fiederzähnig, die oberen grob gezähnt. 
Trient, Martignano, Fersina etc., in Weinbergen, an Mauern, in Gärten und an 
feuchten Orten. Lycopus exaltatus L. fil., welchen Gelmi bei Martignano entdeckt 
haben will, habe ich bislang noch nicht aufzufinden vermocht. 

Galeopsis canescens Schult. Latifolia und angustifolia häufig. 

Galeopsis intermedia Vill. var. glahrescens. Stengel fast kahl mit einzelnen 
Drüsen, Blätter kahl, lebhaft grün, oval. Kelche mit einzelnen Drüsen; Kronen 
klein. Monte Baldo, S. Giacomo. 

Galeopsis speciosa Mill. [G. versicolor Gurt.), von Gelmi als „frequente 
in luoghi incolti" etc. angegeben, habe ich seltsamer Weise um Trient noch 
nicht zu finden vermocht. Sie scheint überhaupt vertreten zu werden durch 
folgende : 

Galeopsis Eversi Murr, Deutsche botan. Monatsschrift, XII, 1894, S. 17 tf. 
{Galeopsis tridentina i. m. Herb.). Stengel unter den Gelenken nicht merklich 
verdickt, ganz oder im oberen Theile mehr weniger dicht abstehend behaart, 
Haare nicht so steif wie bei Galeopsis speciosa und nicht so weich wie bei 
Galeopsis puhescens; unter den Blüthenquirlen mit einzelnen Drüsen besetzt. 
Blätter eiförmig, am Grunde nicht herzförmig (wie Galeopsis Murriana Wettst.), 
sondern in den Blattstiel vorgezogen, oberseits mit kurzen, in einem Grübchen 
sitzenden Haaren spärlich bekleidet, unterseits blasser grün, sammtweich. Kelch 
grau, zuweilen spärlich drüsig. Krone mit langer, den Kelch weit überragender 
Plöhre, gelb mit violetter Zeichnung auf weissem Grunde auf der Unterlippe 
(nicht mit grossem violetten Flecke wie Galeopsis speciosa). Trient, Campo 
frentino; Molveno bei Molini; Val Eendena, Lardaro und bei Pinzolo an Hecken 
(oft mannshoch); Monte Baldo, S. Giacomo, Val Sugana, Tesino etc. August, 
September. 

Galeopsis Tetrahit L. f. flaviflora. Kronen gelb, ungefleckt, Stengel unter 
den Gelenken wenig verdickt, unter den Quirlen abstehend langhaarig mit 
kürzeren Drüsenhaaren, Blätter am Grunde abgerundet. Klausen, an Waldrändern 
oberhalb Waidbruck. 

Galeopsis Murriana Wettst. et Borb. (Sched., VI, p. 39). Die hiesige 
Form weicht etwas von der typischen, die ich schon 1876 bei Lienz angetroffen 
habe, ab, dürfte auch kaum als Bastard zwischen Galeopsis Tetrahit und speciosa 

10* 



76 



Georg Evers. 



aiifgefiisst werden, da letztere hier mindestens sehr selten ist, sondern eventuell 
als Combinatiou: Galeopsis Tetrahit X G. Eversii Murr. Die hiesige Pflanze ist 
viel weniger drüsenreich, als die Innsbj-ucker und Lienzer Pflanze. 

Betonica Alopecurus L. ist auch auf dem linken Etschufer bei Trient an 
dem Gebirgszuge der Maranza die, wie es scheint, einzige Form. 

Betonica Jacquini Gr, et Godr. (II, 674, conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung., 
III, p. 99), mit kleinen Kronen und anders behaarten Kelchen, scheint hier in der 
Nähe nicht vorzukommen. Aber am Schiern in Wäldern über Ratzes. Vielleicht 
auch an den Gebirgen der Val Sugana, was erst noch zu erforschen ist. Dass 
der Kelch länger behaart sei als bei voriger (Gr. et Godr.), habe ich nicht 
gefunden, vielmehr das Gegentheil. 

Betonica danica Mill. (conf. Sched. ad flor. Austr.-Hung., III, p. 97). 
Baldo, Eitten, Fassa. 

CaJamintha nepetoides Jord. var. albiflora. Margreid bei Salurn im Etsch- 
thale, an Kalkfelsen. 

Calamintha parviflora Lam. {C. Nepeta Clairv.) var. canescens m. Kronen 
weiss, ganze Pflanze grauhaarig, steif, Blätter gekerbt. Riva, Felsen der Ponale- 
strasse; Trient (Terracina, Solmona). 

Linaria Cynibalaria Mill. Kommt auch in einer fast sonnenlosen Klamm 
der Crozzi di Cadine hinter Vela bei Trient vor, wo sie den Felsschutt weithin 
übei'zieht und im Herbste blüht. 

Veronia polita Fr. var. rosiflora. Trient, Muralta, in Weinbergen. 
Februar, März. 

Eiiphrasia montana Jord. Rovereto, Travignolothal etc. 

Eiiphrasia hirtella Jord. Val di Sole, Rabbi, Fucine. 

Euphrasia hrevipila Burn et Grmli. Passo Cop di Mezzo im Adaniello- 
stück (zwischen Val S. Valentini und Val Fummo). 

Euplirasia drosocalyx Freyn. Schiern, Marmolata, 

Euphrasia Ei'cy nii Watt^it. (E. minima X hirtella). Franzenshöhe. 

Euphrasia Portae Wettst. Monte Giove etc. 

Euphrasia alpina Lam. Val Genova. 

Euphrasia picta Wimm. Judicarien, Monte Ringia. 

Euphrasia Kerneri Wettst. Val Vestino. 

Euphrasia vestinensis Wettst. (E. tricuspidataX Kerneri), conf. Ocsterr. 
l»ut:iii. Zeitschr., 1804, S. 452. Val Vestino. 

Euphrasia stricta Host. V:il Sugana, 'i'csino; Val Daojie, Boazzo. 

Mdampyruvi cristatum L. Bracteenschopf ])urpurn. Trient, Monte Calisio, 
(Jolva, Morl. 

Mclampyrum nemorusum L. \. purpurasccns. Scliojir röililicli bis ])ui'])urn. 
'J'rient, Monte Calisio. — Form viridis m. Scliojif grün. Ebenda. 

Melampyrum pratcnsc L. var. dissectihraclcalum m. Kronen goldgelb, 
grösser als bei M. pratense. Braclff ii der obersten 131ulhenbüsc}jel in (1—7 lange, 
auseinander stehende, am Rande fein l>ewimperl(', i)frienjlicho Zäline zersclilitzt; 
Kchh kalil, KclcliziiliHC! fein gewimpcrt. Decl^bläl t;er der mittleren Bliil-lien- 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



77 



büschel viel grösser, am Grunde mit beiderseits bis vier fast pfriemlicheu Zähnen, in 
eine lauge Spitze verschmälert; die der untersten Blüthen am Grunde oft bis 
1*5 cm breit. Stengel meist vom Grunde an mit zahlreichen, nach allen Seiten 
sparrig abstehenden Aesten; Stengelblätter nicht länger als die untersten Bracteen 
und schmäler. Pflanze derb. (Vielleicht identisch mit M. digitatiim Schur V) 
Trient, Monte Calisio. 

- Primula digenea Kern. Eiva, ad ripas torrentis Pönale in vinetis. 

Primula Anisiaca Stapf. Ebenda und Trient, Sardagna ad dumetor mar- 
gines, rara. 

Primula acaulis L. var. albiflora. Trient, am Nordfusse des Doss Trent, 
sehr selten. 

Primula hrevistijla DC. Trient, Doss Trent; Eiva, Val Balino etc. 
Primula longiflora All. Trient, Cima Canfedin. 

Primula spectabilis Tratt. Vallarsa, Val Prigioue im Passubiostock. Mai. 
Val' delle Seghe, Brentastock, über Molveno. Juni. 

Biospyrus Lotus L. Häufig in Anlagen cultivirt. Früchte werden von 
Buben genascht, 

Ärhutus Unedo L. Toblino, angepflanzt. 

ÄdenopJiora suaveolens Mey. Monte Giore zwischen Chiesethal und Val 
di Ledro. 

Inula ensifolia L. Eiva, Felsterrassen der Ponalestrasse; Calliano, Castell 
Beseno. 

Inula squarrosa L. Toblino, felsige Hügel gegen S. Massenza. 
Achillea lanata Spreng, (non Koch). Monte Baldo. 

Acliillea stricta Schleich. (Ä. tanacetifolia All. var. angustisecta-lanugi- 
nosa.) Monte Baldo : Brentonico ; S. Giacorao. 

Achillea distans W. K. (?) var. alpestris m. Niedriger als die Ofener 
Pflanze, grundständige Blätter gestielt. Fiedern erster Ordnung abermals gefiedert, 
Abschnitte unregelmässig gezähnt; Blattspindel und Fiederachsen breit und nebst 
den Segmenten tief gezähnt; Zähne zugespitzt, haarspitzig. Blätter derb, weich 
behaart, wie Stengel und Köpfchenstiele. Hüllschuppen kahl, bleich. Monte 
Paganella. 

Senecio alpestris Hoppe {S. longifolia Jacq.). Bondonekette (oberhalb 
Sardagna, Passo della Becca etc.); Baldo, Altissimo; Monte Gaza, Scanuppia etc. 

Senecio pratensis Hoppe und S. paluster L. scheinen im Trentino zu fehlen. 

Senecio paludosus L. var. tomentosus m. (Blätter unterseits weissfilzig.) 
Etschthal, z. B. bei Aldeno. Eine Form mit dünnerem graulichen Filz (var. riparius 
Wallr.) sammelte ich bei Strassburg a. Eh., die kahle Varietät an norddeutschen 
Flüssen. Ob letztere im Trentino vorkommt, vermag ich nicht zu constatiren. 

Senecio Doronicum L. var. glabra. Monte Baldo, am Altissimo; die ge- 
wöhnliche z. B. Monte Gaza. Eine Form zwischen beiden (f. glahrescens) z. B. 
bei Fassa, Monte Vajol am Capessapass. 

Senecio rupestris W. et K. {S. nehrodensis DC., non L.) f. sinuato-den- 
tata. Fassa, Val Duron; Trafoi etc. — Form pinnatifida. Trient, Bondoue etc, 



78 



Georg Evers. 



Senecio abrotanifolms L. Mit oraiigerothen Blütheu. Schlera etc. 

Senecio harharaeifoUus Kroeker {S. erraticus Bert.) wird von Gelmi als 
Varietät des S. aquaticus Huds. aufgeführt; er hat viel kleinere Köpfchen als 
dieser nud eine ganz andere Tracht. S. aquaticiis von den Wiesen bei Hannover 
wenigstens zeigt aufrechte Aeste und ebenso die englische Pflanze, während >S'. 
harharaeifolia durch seine sparrigen, fast wagrecht abstehenden Aeste auffällt. 
Auch die in der Blattforra der letzteren ähnliche Form des S. aquaticus (f. pm- 
natifida = S. harharaeifolia Rb., non Kroeker) zeigt die beiden erwähnten 
Unterschiede. 

Senecio cordifolius Gouan {S. cordatus Koch) vom Monte Baldo fällt durch 
grössere Köpfchen, hellgrünes Blattcolorit und mehr gesägte Zahnung der füst 
lederigen Blätter auf. 

Senecio nemorensis L. wird von Gelmi als „frequente nei boschi" etc. 
angegeben. Wenn der in den Waldthälern des Oberharzes (Oderthal, Rehberger 
Graben etc.) ziemlich häufige Senecio dieses Namens die richtige Pflanze Linne's 
ist (Stengelblätter 30 cm lang, 10 cm breit, scharf und gross doppelt gezähnt, 
ziemlich lang gespitzt in die einem breit geflügelten kurzen Stiele gleichende, 
halb stengelumfassende Basis verschmälert), so ist mir der Senecio nemorensis L. 
in den Alpen überhaupt noch nicht vorgekommen. Der Köpfchenstand desselben 
ist ausserordentlich reichblüthig und erinnert an denjenigen des Senecio fluvia- 
tilis Wallr. {S. salicetoriim Gr. et Godr.). Im Trentino habe ich bislang nur den 
Senecio sarracenicus L. {S. Fuchsii Gmel.) in breiter- oder schmalerblättrigen 
Formen angetroffen. Auch den in Steiermark gesammelten S. Jacquinianus Rb. 
{S. nemorensis L. var. odorus Koch) habe ich hier nirgends gesehen. Die Angabe 
Gelmi 's dürfte daher auf Unbekanntschaft mit dem Senecio nemorensis L. be- 
ruhen, und nur S. sarraceyiicus L. im Trentino sich finden. 

Cirsium pannonicum Gand. kommt mit lichtgrünen und mit glaucescirenden 
Blättern vor; erstere Form z. B. am Monte Celva, letztere am Monte Maranza. 

Cirsium Candolleanum Näg. {C. oleraceoXJ^risithales). Köpfchen gehäuft, 
mit breiten bedornten Deckblättern und bedornten Hüllschuppen; Zungen gelblich- 
weiss. Köpfcheustiele flaumig, Stengel beblättert. Blätter buclitig gefiedert, dornig, 
oberseits etwas rauh, unterseits schimnuM-nd, kahl. 

Cirsiimi flavescens Koch (C. spinosissimo ErisitUales und nicht, wie 
Gelmi meint, — Cirsium Gand eri llwtei' / C. snh ErisithalesXspinosissi^numJ) 
kommt auch in einer Abweichung mit oberseits nacktem Stengel vor. Trafoi. 

Die von M. v. Eichen fehl im Travignolothalc aufgefundenen und in diesen 
„Verhandlungen" bekannt gegebenen Cirsien wiederhole ich hier nicht. 

Carduus viridis Koch iC. defloratns Willd., Gand.. non L.). 'l'ravignolo- 
tlial. Vielleicht auch anderwärts. 

Carduus rhaeticus DC. (conf. Sched., J, ]). 7(i) möchl(! wohl aul'zulinden 
>i'in. Ich glaube eine zwischen (ii<.'ser und Carduus dcflortflits L. {C. Summanus 
Poll.) stehende Variation g«'fuiidi n haben: 

Carduus irideniinuH m. l-nlcr«! Anthodialschuppcn ans üi-lanzcttlichor 
Basis iu eine lauge Spilze verschmälert (wie Carduus rhaeticus), innerste sein- 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



79 



kurz bedornt. Blätter dunkel meergrün, unterseits etwas blasser, kahl, tief grob 
buchtig gezcähut, zuweilen klein gelappt, am Eande etv/as kraus, bald unmerklich 
in den Blattflügel übergehend, bald an der Basis scheinbar in Oehrchen ver- 
breitert und dann zusammengezogen gefaltet in denselben übergehend; Flügel 
bald beiderseits breit von einem Blatt zum anderen herablaufend, gelappt, bald 
nur an einer Seite, selten an beiden Seiten des Stengels schmälere lappige 
Leisten darstellend, hin- und hergebogen, wie die Blattzähne und Blattlappen 
mit längeren und kürzeren Dornen bewehrt. Die langen nackten Köpfchenstiele 
gerillt, spinnwebig und flockig behaart. Achenen theils fehlschlagend, theils 
kümmerlich (an dem mir vorliegenden Exemplar). Pflanze bis 80 cm hoch, 
Stengel einfach oder vielästig, dicht beblättert. Ich kann die Pflanze nicht für 
einen Bastard halten, da sie ziemlich häufig sich findet und oft in kleinen 
Gruppen auftritt. Trient, Monte Calisio, Monte Chegul, Monte Maranza, in 
Gebüschen, zuerst 1890 angetroff'en. Kommt breiter- und schmalerblätterig vor. 

Centaurea nigrescens Willd. = C. vochinensis Beruh. (Sched., I, p. 81 ff.) 
dürfte im Trentino schwerlich vorkommen. Was Gelmi mit Centaurea nicjrescens 
Koch meint, ist mir unbekannt. 

Centaurea transdlinna Schleich, mit weissflockiger Hülle, kleinen, drei- 
eckigen und angedrückten Anhängseln (Innsbi-uck, Stephansbrücke) kommt mit 
grösseren Köpfchen und längeren Fransen der Anhängsel (var. Candollei Facch.'?) 
bei Salurn vor. 

Centaurea cirrhata Eb. {C. rhaetica Mor.). Val di Ledro, Tremalzo etc. 

Centaurea plumosa Lam. {C. nervosa Willd.). Adamellostock, felsige Hänge 
ober Val S. Valentino am Cop di Casa etc. 

Centaurea pseudophrygia C. A. Hey. (C. phrygia Koch, non L ). Anhängsel- 
fransen zurückgekrümmt; scheint im Trentino zu fehlen. Auch C. phrygia L. 
mit langen, die Hüllschuppen verdeckenden, zurückgekrümmten Fransen habe ich 
noch nicht hier angetroffen, obgleich Arcangeli sie für das italienische Tirol 
angibt. 

Centaurea montana L. (Kammfransen nicht länger als der schwarze Eand 
der Hüllschuppen.) Fingerhoch, Köpfchen sehr gross; Blätter wollig-filzig grau- 
grün. Castell Toblino, an heissen Kalkfelsen bei Eanzo. 

Centaurea axillaris Willd. (Fransen länger als der dunkle Eand der Hüll- 
schuppen.) Pflanze mit nicht filzigen Blättern. Bondone di Trento. 

Var. incana Neilr. (als C. montana var. incana). Blätter grauweisslich 
filzig. Torbole, Nago, an heissen Abhängen. 

Var. rubriflora. Blüthen roth; Blätter filzig. Trient, Monte Celva. 

Centaurea Scahiosa L. Mezzotedesco, an Dolomitfelsen. 

Var. einer eocepliala m. Köpfchen mit. schmutzig weisslichem Wollflaum 
bekleidet; Hüllschuppen länglich, die oberen oft purpurn, Fransen bräunlich oder 
bleichgelb, gewumpert; Zungen dunkelpurpurn. Blätter lederig, hellgrün, glänzend, 
mit linealen oder lineal-lanzettlichen Fiedern, einfach oder doppelt gefiedert. An 
den Dolomitfelsen des rechten Etschthales von Margreid bis Mezzotedesco. Viel- 
leicht die Centaurea sordida Haus mann 's. Bei Toblino kommt sie ebenfalls vor. 



80 



Georg Evers. 



Crupina vulgaris Pers. Ala. 

Hieracinm Pilosella stoloniflorum var. gmndiflorum Hausiii. Köpfchen so 
gross wie an H. Uoppeanum; Hülle und oberer Theil des Stieles weissfilzig und 
scliwarzdrüsig; Köpfclienstiele bis 36 m lang. Ausläufer dick, bis 50 m lang, 
niederliegend, mehrere steif aufrechte Köpfchenstiele treibend. Trient, Goccia d' Oro. 

Var. Peleterianum Mer. Bozen, Meran. 

Hieracium hifiircuni M.-B. (H. hifurcum Koch p. p., H. praealtiim X Pilo- 
sella.) Stengel 1—2 blättrig, in der Mitte gegabelt. Mori, Slaviui di S. Marco. 

Hieracium Kocliii Gremli {H. hreviscapum Koch, non DC). Trafoi. 

Hieracium flavum Gand. {H. aurantiacum var. luteum Koch, H. sabino X 
aurantiacum Neilr.) ist vielleicht die von Gelmi „H. aurantiacum var. hicolor 
Hausm. = luteum Facch." genannte Pflanze. 

Hieracium cymosum L. {H. Nestleri YiW.). Trient, Bondone; Goccia d'Oro. 

Gelmi 's Hieracium porrifoliiimX sabaudum ist ein Missverständniss der 
Erörterung von N. P. über die Formenreihe von H. porrifolium bis H. sabaudum 
einer- und bis H. umbellatum andererseits. Die wenigen dürftigen Exemplare, 
welche der Autor dieses angeblichen Bastardes mir als die einzigen seines Fundes 
zu zeigen sich herbeiliess, sind magere Individuen des H. leiosoma N. P., oder 
genauer, da die Köpfchen verhältnissmässig klein sind, des H. Calisii m. und 
stammen von der „Scala" bei Trient, wo ich ebenfalls einige ähnliche Individuen 
beobachtet habe. N. P. erklären ihr H. leiosoma mit der Formel H. porri- 
folium — umbellatum, aber nicht: H. porrifolium umbellatum, und das H. 
leiocephalum mit der Formel H. porrifolium — sabaudum, aber nicht: 

H. porrifolium X sabaudum, und weisen ausdrücklich die Auffassung der genannten 
Arten als Bastarde zurück. Das H. leiocephalum Bartl. ist jedenfalls eine ganz 
andere Pflanze, als die von Gelmi H. porrifolium X sabaudum getaufte Form. 

„Hieraciiwi saxatile Jacq." ist eine vieldeutige Phrase, da Jacquin zwei 
verschiedene Pflanzen nacheinander so genannt hat. N. P. behalten diese Phrase 
als Bezeichnung einer ihrer Subspecies; welche Pflanze aber Gelmi mit diesem 
Namen meint, lässt er im Unklaren. 

Hieracium bupleuroides Gmel. „Die typische Pflanze dieses Namens 
findet sich ausschliesslich in Schwaben." N. P. Es wäre mithin am besten, 
wenn nur die schwäbische Pflanze mit diesem Namen bezeichnet bliebe. Im 
Trentino kommt mit Sicherheit nur Hieracium crinifolium N. P. var. como- 
phyllum N. P. von den unter Hieracium bupleuroides Gmel. von ihnen sub- 
summirten Arten vor: Fleimsthal, Moena (N. P.). Rosettblätter lang gestielt, 
behaart wie der Stengel; Hülle grau, weichhaarig; die Varietät mit dichtcM- 
weicher Behaarung der Blaltuntcrseite. Nach Murr (Ocsterr. botan. Zeitsclir., 
1805, S. 425, 420) goliört Hieracium Hchenkii (iriseb. (die gewöhnliche Form 
der Gruppe Hieracium bupleuroides Gmel. [bei N. P.] = H. Tellianum A. 'J\ 
in den nordtirolischcn Kalkalpeu) zu der Subspecies Hieracium crinifolium N. P. 
Im Trentino ist mir das Hieracium Schenkii Griscd). bislang noch nicht Ijegognet. 
Was das Hieracium ralijcinum. A. 'J'. l)etrin'l, weiches von N. ]*. zu ihrem Hiera- 
cium HubHpccioHum, gezogen wird (mitVj, so hat A. T. eine von mir am ArllxMg 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



81 



gesammelte, sehr schöne, gänzlich kahle (nur die Köpfchenhülle ist behaart), 
mehrstengelige Form brieflich bestimmt als „Hieracium ccdycimim A. T., H. 
glauciim et hupleuroides inter et H. scorzoneraef olmm quasi medium, sed 
tarnen prioribus magis appropinquatum meo sensu." Bei Trafoi, an den Moränen 
des Mädatschferners habe ich eine Form aufgenommen, die dem Hieraciiim 
calathodes N. P. {H. hupleuroides Gmel. subspec. calathodes N. P.) zu ent- 
sprechen scheint. (Stengel und Blattunterseite, sowie Blattrand schwach behaart, 
Blätter elliptisch.) 

Hieracium glaucum All. var. Willdenoicii Monn. Hochgabelig, kahl. 
Vintschgau, Gomagoi; Campiglio. 

Var. tiirhinatum N. P. Köpfchenstiele unter dem Köjifchen angeschwollen, 
Rosettblätter kurz gestielt, lanzettlich, derb, am Grunde behaart. Scanuppia, 
über S. Sebastiano; Monte Baldo, Brentonico; Torbole. 

Var. suhtiirhinatum N. P. Köpfchenstiele nicht oder kaum verdickt, 
Blätter bis P/2 cm breit, kurz, unterseits stark behaart. Trient, Monte Terlago, 
Cadine. Bildet mit Hieracium cnnpJexicaule den Bastard: 

Hieracium cadinensem. (H ampIexicauIeXsaxatile bei Gelmi). Köpfchen- 
hülle graumehlig; Pflanze gelbdrüsig. Wurzelblätter elliptisch-oblong oder lanzett- 
lich in den Blattstiel verschmälert, Stengelblätter sitzend, lanzettlich, Stengel 
in lange, einköpfige Aeste sich theilend. Trient, Monte Terlago, Cadine, Buco 
di Yela. 

Hieracium porrifolium L. In mehreren Variationen von niedrigen, zarten, 
einfachen, wenigköpfigen Formen zu hohen, reichverästelten, und geht, wie mir 
scheint, durch Mittelformen in folgende über: 

Hieracium Calisii m. (Bei Hut er zuerst unter diesem Namen, später 
unter der irrigen Bezeichnung Hieracium leiosoma N. P. var. leiocephalum 
Bartl. ausgegeben. Aber Hieracium leiosoma N. P. und H. leiocephalum Bartl. 
sind zwei verschiedene Pflanzen, s. unten.) Es gehört zur Gruppe Hieracium 
leiosoma N. P. und stellt die am reichsten verästelte, fast doldenförmige 
Inflorescenz tragende Form derselben dar. Stengel bis 120 cm hoch, aphyllopod, 
zuweilen quasi phyllopod, indem die untersten Blätter eine dichte Rosette bilden, 
unterhalb der Verästelung dicht beblättert, unten mit langen abstehenden Haaren 
gleichsam bebartet oder ganz kahl (var. glahra). Blätter schmallanzettlich, 
bis 12 cm lang, 1^/2 cm breit, beiderseits verschmälert, sitzend, selten sehr kurz 
gestielt, spärlich lang behaart (oder kahl), am Rande gewimpert (mit der Lupe 
bemerkbar), wenig und kurz gezähnt, die oberen fast ganzrandig, unterseits mit 
einzelnen sekr kleinen Pusteln. Traubenäste sehr lang, mit einzelnen kleinen 
Blättern oder Bracteen versehen, in mehrere (2 — 5) längere oder kürzere eiuköpfige 
Stiele sich theilend und zusammen eine reiche Corymbe bildend. Anthodien und 
oberster Theil der Stiele schwach mehlig bepudert, kaum graulich; Achenen 
gerippt, roth oder rothbraun, nicht fehlschlagend, wie bei Hieracium leiosoma N. P. 
meist der Fall ist. Trient, Monte Calisio, auf Kalkschotter mit Hieracium porri- 
folium. Calliano, Castell Beseno. August, September (1890 aufgefunden). 
Z. B. Ges. Bd. XL VI. 11 



82 



Georg Evers. 



Var. angustissimum m., Wie vorige, aber Blätter lineal, lang zugespitzt, 
unterste bis 25 cm lang. Diese Form scheint in Hieracium ijorrifolium über- 
zugehen. 

Hieracium leiosoma N. P. Köpfchen grösser als an voriger. Köpfchen- 
stand eine einfache längere oder kürzere Rispe von einköpfigen abstehenden 
Aestchen bildend, zuweilen quasi doldig. Stengel und Blätter unten spärlich 
lang behaart. Val Sugana, Pieve di Tesino. 

Var. opimum m. Wurzelblätter wenige und dann oft lang gestielt, nebst 
den unteren Stengelblättern länglich elliptisch-lanzettlich, lang zugespitzt und 
lang in den Stiel oder die Basis verschmälert, unten nebst den unteren Stengeln 
lang abstehend, aber spärlich behaart. Stengel doppelt so hoch als an voriger, 
in einzelne lange ein- oder wenigköpfige Aeste sich theilend; Rispe daher sehr 
locker und lang. Köpfchen grösser als an voriger, nebst dem oberen Theil des 
Stieles schwach mehlig bepudert. Achenen schwarz. Rovereto, Aufstieg zum Passo 
della Becca, zu kleinen Heerden vereinigt. Trient, Buco di Vela, sehr einzeln. 
Hier kommen auch einzelne sehr dürftige Exemplare mit strohfarbenen Achenen 
vor, und solche sind die von Gelmi als sein Bastard mir gezeigten Exemplare. 

Hieracium leioceplialum Bartl. Die hiesige Pflanze, welche diesem Hiera- 
cium nahe zu stehen scheint, ist in der Tracht der vorigen ähnlich, aber breit- 
blätteriger und fast immer aphyllopod. Stengel und Blätter dichter und abstehend 
behaart; unterste Blätter zuweilen kurz gestielt, sonst alle mit mehr oder weniger 
lang verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lanzettlich bis lanzettlich, nicht so 
lang zugespitzt wie an voriger, sich mehr der Form der Blätter einer der hiesigen 
Formen des Hieracium horeale nähernd. Köpfchenstand eine längere, aus auf- 
recht abstehenden einköpfigen Aestchen zusammengesetzte Traube bildend, oder 
eine lockere, wenigästige Corjmbe. Hüllschuppen sehr schwach bepudert. Trient, 
an Kalkfelsen der Strasse nach Pergine bei Fort Civezzano, mit anscheinenden 
Uebergängen in Hieracium horeale, welches in der Nähe an buschigen Abhängen 
sich findet. 

Hieracium illyricum Fr. ist bei N. P. Sammelname einer Gruppe. Im 
Treniino kommen folgende Arten, beziehungsweise Formen vor: 

Hieracium crinopodum N. P. Blätter schmallanzettlich, unterseits reich- 
lich weich beha;irt. Stengelblätter fast pfriemlich. Kopfstand lax rispig; Hülle 
spärlich behaart. Monte Baldo, zwischen Brentonico und S. Giacomo. 

Var. baldensiforme N. P. Stärker; Blätter gezähnelt. Ebenda. — Hierlier 
sclxiiit mir zu gehören: 

Hieracium haldcmc N. P. Oeftcr mehrstengclig; f. opima ni.: Stengel 
bis cm hoch, oft vom Grunde an in wenige l;uig(! Aeste getheilt und d:uin ;ui 
der untersten 'l'lieilungsstelle mit einem dichten Büschel grundstiindiger IHätler 
bekleidet, oder bis zur H:iuptllicihiiig dicht beldältert. Biälter lanzettlicb, beider- 
seits lang verscbinälert, die iiiih isicii in einen geflügelten quasi Blattstiel, 1ms 
iHcmlang, 2cm breit, sil/.cnd, mit cinzfiiien kleinen Zähnen, olxsrseits kahl, 
unterseits und be.s<tnder.s am H:i.up1neiv al)stehend lang behaart, sj)arsam bü- 



Beiträge znr Flora des Trentino. 



83 



pustelt. Anthodien und Köpfchenstiele gepudert. Achenen kaum geri])pt, ^^c•bwal•z- 
roth. Monte Baldo. Brentouico; Mori, Slavini di S.Marco, 1890.^) 

Hieracium saxetanum Fr. Bis 20 m hoch. Stengel beblättert, sehr ästig; 
Aeste dünn, wieder verästelt. Blätter unterseits und auch oberseits am Rande 
behaart; Schuppen kaum mehlig, behaart, mit wenigen Drüsen; Köpfchen klein. 
Calliano, Castell Beseno; Mori, 1890. 

Hieracium glauciforme N. P. Bis 50 cm hoch, im oberen Drittel ver- 
ästelt. Eosettenblätter stiellos oder kurz gestielt, lanzettlich, gezähnt, unterseits 
reichlich behaart, beiderseits reichlich beflockt. Stengelblätter 5 — 8, lanzettlich 
bis lineal; Kopfstand lax, 3 — 6köpfig; Hülle kahl oder wenig behaart und be- 
drüst, mehlig. Trient, zwischen Buco di Vela und Cadine; über Sardagna; Monte 
Baldo, Brentonico (N. P.). Dieser Beschreibung nahe zu kommen scheint mir 
ein Hieracum, das ich zuerst in den Slavini di S. Marco bei Mori, dann auf 
Mauern beim Castell Toblino, endlich in einer breitblätterigen Variation in der 
Buco di Yela beobachtet und im Herbar vorläufig als Hieracium lagarinum m. 
eingelegt habe, und welches Murr (Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 394) viel- 
leicht in nahe Verwandtschaft einerseits zu Hieracium eriopochim Kern., anderer- 
seits zu H. haldense X. P. setzt. 

Hieracium lagarinum m. PJüzoma oMiqiio-horizontale, iini- vel pluri- 
caidis; caules glahri, 1—2-foUati, siipra panicnlato-ramosi ramis divaricatis 
vel in longos peduncidos monocepjlialos divisi. Folia glaucescentia : radicalia 
petiolata et incl. petiolo usqiie 17 cm longa, 2 cm lata, utrimque longe attenuata, 
acuminata, remotis dentihus (5 — 6 iitrimqiie) sinuato-dentata, supra glabra, 
suhtu^, praesertim in nervo dorsali margineqiie pilis patentibiis vestita: folium 
caulinare his simile, angustiiis, longe utrimque attenuatitm, usque 14 cyn longum, 
sessile; folium superius lineare, usque 7 cm longum. Panicula hracteolata. An- 
tliodia et pedunculi alhicante tomeyiio canescentia: sqiiamae nigricantes; achenia 
costata, hadia. Vallis Lagarina, in saxis calcar. loci Slavini di S. Marco prope 
Mori; Castell Toblino. Mai. 

Var. latifolium m. Foliis radicalihus elliptico-lanceolatis, externis ellip- 
ticis minoribus, usque 3 cm latis, in petiolum attenuatis. Tridentum, Crozzi di 
Cadine, in rupibus calcar. Mai. 

Hieher scheinen mir folgende Formen ebenfalls zu gehören: 

Hieracium Celvae m. JRMzoma obliquo-Jiorizontale, uni- vel bicaulis. 
Caules ramosi, foliati, hrevissimis rix conspicuis pilis crispis et in basi pilis 
longioribus patentibus vestiti, incl. panicula usque 85 cm alti. Folia glauces- 
centia, mollia; radicalia in brevem petiolum attenuata, interna usque 25 cm 
longa, rix 2 cm lata, longissime attenuata, in inferiori dimidio paucis longis 
acutissimis porrectis vel patentibus dentibus (4 — 6 utrimqiie) sinuato-dentata; 
externa breviora, eUiptico-Janceola.ta, apice non attenuata, parce deyiticulata, 

1) Nach den BeobaclitTingen, die ich an den Standorten des Hieracium haldense N. P., d. h. 
der von mir nnd Murr für dasselhe gehaltenen Pflanze gemacht hahe, gibt es Individuen, die man 
von dem H. leiosoma 'S. P. nicht unterscheiden kann. Möglich, dass es zwischen diesen beiden 
Formen Uebergänge gibt. 

11* 



84 



Georg E vers. 



omnia supra glahra, subtus et praesertwi in nervo dorscdi margineque longis 
pilis patentihus parce induta, petioli longis pilis quasi villosida. Foliola cauli- 
naria infnna usqiie 18 cm longa, angtiste-lanceolata, longissime utrimque 
nttemiata, sessilia vel quasi- petiolulata, in inferiori dimidio paucis acutissimis 
dentihus sinuato-dentata et parce denticulata. supra glabra, subtus vix puhe- 
riila; foliola superiora longe remota, infimum usque 12 cm longum, lineare, in 
basi uni deute ornatum vel integrum, sequentia decrescentia. Bami paniculae 
longissimi, foliolis Unearibus ornati et bracteolati, erecto-patentes, in longos 
pedunculos vel longos ramulos bicephalos divisi; pedunculi puberuli, sub antlio- 
diis sicut haec ipsa tegumento farinoso canescentes ; squamae sub illo nigri- 
cantes; linguae longe-denticulatae ; achenia costata costisque apice plica con- 
spicua conjuncta. Tridentum, Monte Celva, in locis rnpestribus diimetosis. Juni. 
Planta videtur esse rarissima. 

Hieracium roveretanum m. Bhizoma obliquo-horizontale. Caulis ramosus, 
glaber, usque 80 cm altus, 1 — 2-foliatus, longam angustam interdum paullisper 
dilatatam paniculam portans. Folia glaucescentia, radicalia nume^'osa, longe 
petiolata (petiolo interdum folio longiore) incl. petiolo usque 23 cm longa, externa 
minora elliptica, obtusa, interna elliptico-lanceolata, in petiolum decurrentia, 
apiculata, externa denticulata, interna in inferiore dimidio singuUs longis ei 
acutis dentibus porrectis (3—4 utrimque), sinuato-dentata et irregulariter denti- 
culata, omnia supra glabra, subtus singulis pilis vestita, in margine breviter 
ciliata, in petiolis longis pilis haud dense induta. Folium caulinare (inferius) 
utrimque longe attenuatum, sessile vel quasi-petiolulatum, paucis longis dentibus 
inacqualibus et curvato-porrectis dentatum, glahrum, margine et subtus in nervo 
dorsali pubescens. Bracteolae lineares. Bami paniculae longi bi-tricephali; 
pedunculi elongati, in suprema parte sicut et anthodia farinoso-canescentia et 
pubesceniia; achenia costata, fusca. Kovereto in glarcosis calcar. montis Bru- 
gino. Mai. 

Zum Formenkreise dos Hieracium illyricum Fr., und zwar auch zu den 
Arten desselben, die wenig beblätterten Stengel zeigen, scheint mir ferner die 
folgende Variation zuzugehören : , 

Hieracium tridcntinum m. Von mir bei Huter unter diesem Namen 
ausgegeben, sjtilter aber von A. T. als Hieracium pallescens W. K. bezeichnet, 
welches es aber sicher niclit darstellt, von Anderen II. cancscens Schleicli. ge^ 
tauft, welches es aber auch nicht sein kann, wenn dasselbe identisch ist mit 
TrachHclianum^) Christ, vorausgesetzt, dass das von Murr mir unter diescna 
Namen mitgetheilte Hieracium richtig bestimmt ist. Die von liuter seinerzeit 
als U. cancscens Schi, aiisgegebene Pflanze wieder stimmt weder mit dem Murr- 
sehen Hieracium Trachsdianiim überein, noch mit d(Mn H. Iridcniinum m. 

>) A, T. Hapft über dicHC« Ifüracinm, dein er alH Hynonyin //. oxt/don Fr. boiHotzt. : „(Jotto 
plant«, intcrmftdittirc ciitro cirritum, Huhincisnm (n. untoii) et t/lanrum, a Ich ('•niilloH du iioriclino 
attcnuefH-HubobtUHO» au Hominot, iioiluo« oxtijrieuroiiicnl , mais lotiihüiuMit (löi.onrvucs do poils Klandu- 
Idix, uintii qnc Ii-h iicdoiiculcH." hcn Ilior., p. (»H. 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



85 



Hieracium tridentinum ra. Phyllopod. Stengel und Blattstiele dicht weich- 
zottig; grundständige Blätter ziemlich zahlreich, elliptisch-lanzettlich, theils mit 
lang verschmälerter Basis sitzend, theils in den kurzen Blattstiel verschmälert, 
kaum glaucescirend, groh gezähnt, oberseits kahl, am Bande und unterseits ab- 
stehend zottig behaart, weich. Stengelblätter 1—2, lanzettlich zugespitzt, mit 
verschmälerter Basis sitzend, decrescirend. Hülle und Köpfchenstiele dicht weiss- 
mehlig gepudert, Schuppen schmal, lang zugespitzt, schwärzlich. In drei Formen: 

1. Yar. oligocephalum m. Köpfchen 3 — 6, Wurzelblätter bis 6 cm lang, 
kaum gestielt, Stengel einblättrig. Pflanze dichter und länger behaart. Die Mauer- 
form. Trient, Pontalto, an warmen Weinbergsmauern. Mai. 

2. Var. rupesire m. Köpfchenstand rispig. zuweilen fast ebensträussig. 
Wurzelblätter verkehrt-eiförmig bis elliptisch- und laug-lanzettlich, in den ziem- 
lich langen Blattstiel verschmälert, bis 20 cm lang, 3 cm breit, beiderseits mit 
4—5 langen spitzen, vorwärts gerichteten Zähnen; unterstes Stengelblatt diesen 
gleichgestaltet und gleich gross, obere entfernt, rasch decrescirend. Trient, Kalk- 
felseu zwischen Pontalto und Civezzauo. Mai. 

8. Var. rinilare m. Ueberall kahler; Blätter oberseits dunkler grün, nicht 
glauk, unterseits bleicher, oft mit rothbraunem Hauptnerv und Blattstiel; letzterer 
lang behaart; Blätter unterseits und am Bande spärlich flaumig. Stengel meist 
rothbraun überlaufen, bald von unten an in weitsparrige Aeste sich theilend, bald 
einen aus wenigen spreitzenden und langen Stielen zusammengesetzten Köpfchen- 
stand tragend. Blattform wie bei voriger, ebenso Bepuderung der Hülle und der 
Behaarung, letztere überall geringer. Trient, am Fersinadamm. Mai. 

Folgende beiden Variationen stellen vielleicht Alpenformen des vorigen dar. 

Hieracium alpigenum m. PhvUopod. Wurzelblätter nicht zahlreich, meist 
lang gestielt, bis 12 cm lang. 1, höchstens 2 cm breit, beiderseits verschmälert, 
die äusseren kürzer gestielt, kürzer, breiter und stumpfer, die inneren länger 
gestielt, länger und ziemlich lang zugespitzt, beiderseits mit wenigen kleinen, 
vorwärts gerichteten Zähnen besetzt, kaum glaucescirend, oberseits kahl, dunkel- 
gi'ün oder (bei den zwei Variationen) schwach lauchgrün, unterseits blasser, am 
Bande und Rtickennerv, sowie am 31attstiel mehr oder weniger kraus behaart, 
unterseits mit einigen Pusteln. Stengel bis 50 cm hoch, 1—2 blättrig, aufrecht, 
oben in wenige 1 — 2köpfige spreitzende Aestchen, beziehungsweise Köpfcheustiele 
sich theilend, spärlich und kurz behaart oder ganz kahl ibei zwei Variationen). 
Köpfchenstiele und Hüllen schwach behaart oder kahl, spärlich mehlig bepudert, 
Schuppen schwärzlich, Zungen dunkelgelb oder hellgelb, Achenen braunroth, ge- 
rippt. Trient, Monte Gaza, an Kalkfelsen des Passes S. Giovanni. Juni. 

Var. angustifoUum m. Grundständige Blätter schmäler, länger gestielt, 
schwach glaucescirend, unterseits gegen das Licht schwach schimmernd. Stengel 
und Hüllen kahl, Zungen heller gelb. Eiva, an Felsen und auf Felsschutt der 
Bocca di Tratt. August. 

Eine Zwischen- oder Uebergangsform zwischen der Gruppe des Hieracium 
illyricum Fr. und derjenigen des H. tridentatum Fr. möchte in folgender vorliegen : 



86 



Georg Evers. 



Hieracium tesinense m. (Scheinbar) phyllopod; Stengel steif, mebrblättrig, 
im oberen Drittel sich in wenige, meist einköpfige Aeste theilend, unten nebst 
den Stielen, Nerven und Rändern der Blätter mit langen abstehenden Haaren 
l)ekleidet. Wurzelblätter länger, Steugelblätter kürzer gestielt (letztere allmälig 
decrescirend), oval-lanzettlich bis lanzettlich, in den Blattstiel verschmälert, die 
Stengelblätter länger zugespitzt, am Rande beiderseits mit einigen langen und 
einigen kleinen Zähnen besetzt, oberseits grün, kaum glaucescirend, kahl, unter- 
seits bleicher. Köpfchenstiele beschuppt, nebst den Hüllen ziemlich dicht wciss- 
mehlig bepudert; der filzige Puder geht dünner werdend bis unter die Verästelung 
hinab. Hüllschuppen schwärzlich, äussere etwas abstehend, innere schmal spitz- 
lich. Achenen glänzend schwarz. Val Sugana, Pieve di Tesino auf Kalkschottcr 
bei Pradellan. August. Monte Baldo bei S. Giacomo. 

Die letzte Subspecies des Formenkreises von Hieracium illyricum Fr. nennen 
N. P. CoriifoUum. Derselben glaube ich folgende Form zuzählen zu sollen, ob- 
gleich ich das Hieracium coriifolium N. P. selbst nicht kenne. 

Hieracium coriifoUoides m. Pflanze aphyllopod, glauk, kahl, nur unten 
am Stengel und auf der Unterseite der unteren Blätter abstehend behaart. 
Blätter oberseits kahl, dunkelgrün, glaucescirend, unterseits blass lauchgrün, 
sparsam bepustelt, fast lederig, mit verschmälerter Basis sitzend, elliptisch-lan- 
zettlich, bis 5 cm lang, am Rande umgerollt, sparsam gezähnelt; Stengel steif 
aufrecht, unten dicht beblättert, bis 40 cm hoch, im oberen Drittel wenig ver- 
ästelt, Aeste 1 — 2köpfig. Köpfchenstand daher sehr locker, fast nackt; Köpfchen- 
.stiele unter den Köpfchen etwas verdickt, nebst den Hüllen sparsam bepudert; 
Hüllschuppen dunkel, heller berandet. Trient, Calliano, am Burgberg des Castells 
Beseno äusserst selten und nur einmal in wenig Individuen bis jetzt gefunden. 
August. 

Hieracium callianthum A. T. {H. nudum Gr. et Godr., H. villosum var. 
fjlabrescens Schultz?, H. nudum Kerner?) mit spatelig gerundeten äusseren und 
lanzettlichen inneren gestielten Grundblättern und mit gerundeter Basis sitzenden 
Stengelblättern habe ich so wenig als Hieracium scor zoner aefolium Vill. (Passeier- 
stock bei Landeck; Kerschbaumer Alp bei Lienz) bis jetzt im Trentino ange- 
troffen. Ebensowenig Formen der Gi-up])e Siihspeciosum N. P. : H. inclinatum 
A. T, (1879) — H. suhspeciosuin N. P. mit der Varietät mit unterseits stcrn- 
baarigen Blättern (//. Solikqjidis m.) oder das zwisclien diesem und H. dentaium 
Ho])pe stehende //. pulchrum A. T., dessen drei Formen: monocephala, genuina 
imd lon(jifolia m. nebst dem H. alfenzinum, m. ;im Ai-lborgo zahlreich von inii- 
gesammelt worden sind. 

Hieracium dentntuvi Hoppe var. dentatifornie N, P. Griulcii, bei der 
Ilegensburger Hütte in Zirlxilwäldci-u. 1888. 

Var. suhvillosum N. I*. Ti-afoi, licil. drei Hruinien. 1885. 

V;.r. Grcmlii A. T. Fassa, Diirontlial. 1888. 

Ilicraciuin amplexicaulclj. var. pelraeumUo\i\n'. niällcr scliinal, gclbgrün. 
Felsen der St ilf.-erjoch-Strasso Ix;! Trafoi. 

Hieracium intyhaceum Wulf. Trafoi, Madatsclimoräiicii (li.iiidliocli). 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



87 



H. silvaticum Lam. {H. ndgatum Fr.). Eine Form mit breit eiförmigen, 
vorn stumpfen oder in eine stumpfliehe Spitze vorgezogenen, unterseits grau- 
flaumigen Blättern und gelblich drüsigem, steif sparrigeiii Köpfchenstaude 
(f. Fersinae m.). Trient, Ufermauern de.s Fersinabaches. Mai. 

Hieracium anfractum Fr. (fide A. T.). Val di Sole, Fucine bei Castell 
Ossana. 

Hieracium silvaticiun Lam. (var. maculatum eglanduJosiun). Trient, 
S. Rocco. Mai. 

Hieracium Bocconei Griseb. (f. longifolia). Trafoi, Wälder über den 
Weissen Knoll. 

Hieracium incisum Hoppe. Stengel oberwärts zottig, blattlos. Hierzu 
dürfte das H. nivale Gelmi — H. Gelmii Sarnthein gehören, da dasselbe nach 
der Beschreibung bei Gelmi drüsenlos ist und einen oberwärts zottigen, blatt- 
losen Stengel hat. 

Hieracium subincisum A. T. (Les Hier, des Alpes, Nr. 84). Glaucescirend. 
Grundblätter „attenuees-cuneiformes, arrondies ou tronquees-subemarginees ä la 
base, plus ou moins herissees", an der Basis oft fiederschnittig, unterseits häufig 
purpurbraun, oberseits braun gestrichelt; „tige glabre ou poilue, cilie, mono- 
cephale ou fourchue oligocephale ; pedoncules etoiles-farineux et poilus-subeglandu- 
leux ainse che le pericline". Mai. Trient, Monte Celva, Monte Maranza, Monte 
Calisio; Passo di Roncogno; Mori, Slavini di S. Marco. 

Hieracium rupicolum Fr. [H. hifidum Koch, non W. K.j. Trafoi, Moränen 
des Madatschferner etc. 

Hieracium glaucinum Jord. [H. subcaesium Fr. p. p., H. alpicolum Gremli). 
Trafoi, heil, drei Brunnen. 

Hieracium suhdolum Jord. {H. incisum Koch, non Hoppe, H. subcaesium 
Fr. p.p.). Val Sugana, bei Borgo in Wäldern; Tione. Eine niedrige Hochalpen- 
form. Trafoi, Felsen des Madatsch. 

Hieracium subcaesium Fr. f. violascens. Trient, Goccia d" Oro. 

Hieracium murorum L. var. flavescens m. Blätter fast ganz kahl, gelb- 
jrün; Stiele oft weinroth, ebenso die Blätter oft roth überlaufen; mit drüsigen 
Köpfchenstielen und Hüllen (subvar. glandulosum m.), so im Pizthale bei Plan- 
jeros, nebst einer sehr grossblätterigen Form mit dicht schwarzdrüsigen Hüllen 
lind Pedunkeln (f. rivulare m.) ebendaselbst im Bache. Endlich subvar. eglandu- 
osum m. Drüsenlos; Blätter sehr dünn, oft weinroth überlaufen, wie auch die 
Blattstiele; Hüllen weisslich filzig mit einzelnen schwarzen Borsten. Trient, Sca- 
luppia, felsige Alpenweiden unter der Becca di Filadonna. August. 

Hieracium trafoiense m. (H gombense Lh])-p.? var. trafoiense m.). Phyllo- 
)od oder aphyllopod; grundständige Blätter breit elliptisch-lanzettlich, in den 
;chmalgeflügelten Blattstiel zusammengezogen, gezähnelt oder wenig gezähnt, 
)berseits fast kahl, unterseits und am Rande und Stiel abstehend weich behaart, 
)is 18 cm (incl. Stiel) lang, 4 cm breit, sehr dünn. Stengel aufrecht, abstehend 
)ehaart, beblättert, wenigköpfig oder kleintraubig; untere Stengelblätter den grund- 
tändigen an Grösse gleich, in den breitgeflügelten Blattstiel zusammengezogen. 



88 



Georg Evers. 



mittlere kaum decrescirend, breit oder verschmälert oder fast leierförmig (pre- 
nanthoidförmig) steng'elumfassend ; obere kleiner, abgerundet oder verschmälert 
sitzend. Hülle und Köpfchenstiele gelblich filzig, dicht schwarzdrüsig. Achenen 
röthlichbraun, gerippt. Pflanze bis 80 cm hoch. Trafoi, Wälder über der Weiss. 
KuoU. August. 

Hieracitim Knollense m. Tracht der vorigen ähnlich. Grundblätter wenige, 
oval-lanzettlich, lang und nicht merklich geflügelt, am Rande und am Grunde 
zuweilen buchtig gezähnt; untere Stengelblätter gleichgestaltet, mit lang ver- 
schmälerter Basis sitzend oder kurzgeflügelt gestielt, obere verschmälert sitzend. 
Inflorescenz wie vorige oder auch drüsenlos (f. eglandulosum m.). Vermuthlich 
Bastard des vorigen mit einem H. silvaticum L. Trafoi, mit voriger gesell- 
schaftlich. August. 

Hieracium perfoliatum Fröl. Pflanze gelbgrün. Inflorescenz (nebst Hüllen) 
mit gelblichem Filze und gelblichen, schwarz gestielten Drüsen dicht bekleidet. 
Trafoi, mit voriger. 

Knautia magnifica Kern. Monte Baldo, Val Fredda, Val di Ledro, Monte 
Trimalzo. 1890. 

Knautia persicina Kern. (Sched., VI, p. 99). Montes Lessinenses, Malera. 

Succisa acjrestis W. K. Kelchborsten kurz oder fehlend. Trient etc. 

Succisa pyrenaica All. „P. biancastro-tomentosa, eretto (2—6 dec.)", von 
Gelmi bei Riva angegeben, ist bislang dort trotz eifrigen Suchens nicht gefunden 
worden. 

Succisa graminifolia L. var. rosiflora. Trient, Monte Colisio. 

Globularia WiWcommii Nym. var. albißora. Val di Ledro, über MezzoLigo. 

Plantago montana Lam. mit kahlen und mit schwach seidenhaarigen 
Blättern. Die Form holosericea Gand. mit seidenzottigen Blättern nur einmal 
bis jetzt gefunden. Trient, Monte Vasone, auf vulcanischem Gestein. 

Plantago serpentina Vill., non Koch, mit flachen, schlaffen, flaumhaarigen 
Blättern bei Mals. 

Plantago arenaria W. K. Trient, Martignano. 

Daphne alpina L. auch in den Felstrümmern zwischen Loppio und Nago. 
Jiroussonetia paj^yrifera Vent. In Zäunen und in Anlagen, zuweilen vei-- 
wildert in Buschform, z. B. Fersinadivminmauor bei Trient. 
Orchis purpurea Huds. auch Doss 'J'rent. 

Goodycra repens Br, GraslcitenUuil am südliclKMi Fusse des Sclilei'n. 
Iris pallida Lam. auch bei Mezzocorona. 

Narcissus Icdrocnsis m. Val di Ledro, Malga Droniaf'. Narcissns pocticus 
und N. radiifhrus wachsen dort heerdenweise und zwischen ihnen ziemlich 
liHufig ein Narcissus mit weissen, gelbgestreift(;n oder in der Mitte gelblich 
giffärbten Perigonblätlern von der Grösse derer des Narcissus poi'ticus. Durch 
<l is Trofkneii wird «licse Zeichnung verwischt und das Perigon gelblichweiss. 

(Ingra llrcular, in. (G. lutea HcMnW . var. Brenlan in.). Wurzclhln.lt linealisc.h, 
kaum halb so breit als das der Gagea lutea der norddeutschen Wälder und ohne 
rlic plötzlich „müt,zeiiförmige" Zusjdizung; PerigonbliiUcr spilz, nicbl, stumpf, 



Beiträge zur Flora des Trentino. 



89 



wie die jener, und nicht auswendig grün, sondern beiderseits hellgelb mit 3—5 
grünen Nerven, durchseheinend. Brenta, Malga Mezzodi, unterhalb der Eocca di 
Brenta. 27. Juni 1895 (an schmelzendem Schnee). 

Asphodelus albus L. auch am Monte Baldo, Frai di Nago über Malga 
Cassine di Nago. 

Sorghum halepense Pers. Auch Trient, Muralta, Vigna Kofler. 

Ephedra vulgaris Eich. Die hiesige Form zeigt vielleicht einige Unter- 
schiede. Stämmchen heerdenweise am Boden liegend, hie und da wurzelnd, sich 
verästelnd. Aus den Knoten der Aeste entwickeln sich Aestchen zweiter Ordnung, 
theils einzelne, theils meherere in dichten Büscheln zusammengestellt, kurz 
gegliedert; aus den Gliederknoten entsprossende blüthentragende Zweige in dichten 
Scheinquirlen, deren an älteren Aesten oft 2—3 dicht übereinander folgen. 
Während der Blüthe richten sich die blüthentragenden Zweige meist etwas auf, 
werden bis 40 cm lang. Scheiden der Gliederknoten krugförmig, weisslich, an 
zwei Seiten in eine stumpfe Spitze vorgezogen, an einer Seite offen. Männliche 
Kätzchen kugelig, sitzend, in gestielten und ungestielten Knäuelchen gehäuft, 
deren 2 — 4 in Scheinquirlen an den Knoten der Zweige sitzen. Scheiden dann 
zerrissen, ihre Läppchen quasi Deckblättchen; Antheren eiförmig, oben mit ge- 
öffnetem Mündchen, dessen Eand fein gezähnt ist, kurz gestielt und an der Spitze 
eines dicken Stieles gehäuft. Weibliche Aehrchen gestielt, einzeln oder zu zweien 
einander gegenüber. Juni. Trient, Doss Trent, auf schwer zugänglichen Fels- 
terrassen der Nordseite. 



Referate. 

Ice-ll)Oimd on Kolguev, a chapter in the exploration of arctic Europe to which 
is added a record of the natural history of the Island by Aubyn Trevor- 
Battye, F. L. Z., F. Z. S. etc., Member of the British Ornithologist's Union, 
with numerous illustrations by J. T. Nettleship, Charles Whymper and the 
author and three Maps. Westminster, Archibald Constable and Co., publishers 
to the India Office, 14 Parliament Street, S. W. 1895. 

„Von Eis umschlossen auf Kolguev" betitelt sich das vortreffliche, vor 
Kurzem erschienene Werk von Trevor-Battye, das einen höchst schätzbaren 
Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntniss der naturhistorischen Verhältnisse der 
arktischen Gegenden der östlichen Erdhalbe liefert. 

Die Insel Kolgujew, auf deutschen Karten auch Kalguew benannt, liegt 
bekanntlich im nördlichen Eismeere, nordöstlich vom weissen Meere, zwischen 
68° 43' und 69° 30' nördlicher Breite und zwischen 48° 15' und 49° 55' östlicher 
Länge von dem Meridian von Greenwich, also zwischen Nowaja-Semlja und der 
Halbinsel Kanin. Sie umfasst 3496 /jm^ und ist vom Cap Swjatoi Noss an der 
Timanküste des arktischen russischen Festlandes 50 englische Meilen entfernt. 
Bisher ward die Insel, ohne günstige Häfen und mit einer gefahrvollen Küste, 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 12 



90 



Referate. 



von den Scliifffahrern mehr gemieden, als aufgesucht, und eine wissenschaftliche 
Untersuchung ist nur einmal im Jahre 1841 von Prof. Saweljew, in Begleitung 
des Botanikers Dr. Ruprecht, unternommen worden. Zweimal, im Juli und im 
August des genannten Jahres, schifften die letzteren vom Continent auf die Insel 
und brachten im Ganzen 16 Tage auf ihr zu, wobei aber an zehn Tagen fürchter- 
liche Stürme jede Unternehmung vereitelten. Trevor-Battye dagegen verlebte 
drei Monate auf dem Eiland unter wechselnden Schicksalen, die er in einem 
ungemein anziehend geschriebenen Tagebuche ausführlich schildert. 

Auf der Dampf- Yacht „Saxon", die ihm sein Freund, Mr. Mervyn Powys, 
in der Absicht ihn zu begleiten ausrüstete, fuhr er am 2. Juni 1894 von Peter- 
head, nördlich von Aberdeen in Schottland, ab nach Bergen und längs der nor- 
wegischen Küste weiter, erreichte am 10. Juni das Nordcap, am 11. Vardö, am 
14. Swjatoi Noss an der Halbinsel Kola, am 15. das nordwestliche Cap von Kanin 
und landete nach äusserst schwieriger Fahrt am 21. an der Nordseite der Insel 
Kolguev an der Gosina-Mündung, nur von einem Manne und einem Hunde be- 
gleitet und mit Lebensmitteln für einen Monat, einem Zelte, Waffen, Instru- 
menten u. dgl. versehen. Die Yacht sollte nach Vardö zurückfahren, dort Kohle 
aufnehmen und über Nowaja-Semlja wieder auf Kolguev eintreffen. Letzteres 
fand jedoch, durch Vereisung gehindert, nicht statt, und unser Autor war ge- 
zwungen, unter unsäglicher Mühsal die Insel zu Fuss zu durchwandern, bis er 
an deren Ostseite am 30. Juni eine Samojeden -Niederlassung antraf. Nach oben 
erwähntem dreimonatlichem Aufenthalte und eifriger Durchforschung des Landes 
in verschiedenen Richtungen verliess er am 18. September mit einem russischen 
Händlerschiflfe die Insel und erreichte das Festland westlich von der Petschora- 
Mündung, von wo er über Oksina und Ust-Zylraa auf dem Landwege zu Schlitten 
Archangel, Vologda und Moskau erreichte und über Petersburg nach p]ngland 
heimkehrte, am 19. November zu Queenborough anlangend. 

In den ersten sechs Abtheilungen des Werkes ist, wie erwähnt, in Tage- 
buchform die Reise selbst lebendig geschildert, und es sind darin bereits mancherlei 
Mittheilungen über die Beschaffenheit des Landes, über dessen Fauna und Flora, 
über die Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Samojeden enthalten, sowie 
durch gelungene Abbildungen auf zahlreichen dem Text eingefügten Holzschnitten 
erläutert. 

Die siebente Abtheilung fasst dann die wissenschaftlichen Ergebnisse über- 
sichtlich zusammen. 

Sie betreffen zunächst die Bevölkerung (zur Zeit 59 Samojeden), und es 
finden sich namentlich Bemerkungen über ihre Beziehungen, zu den Bewohnern 
(jfs nächsten Festlandes und über ihre Sprache, unter Hinweis auf den hervor- 
ragonden finni.schen Linguisten M. A. Castren, neben dem wohl auch unser Fi-ied. 
Miilh-r zu nennen wäre. 

Ihrer goologischeu BescliaUculniit nach ist die Insel, wie manciic imdcre 
arktiw;he, neuerer Ent.stehung, zeigt keine anstehenden Felsen, die nördlichen 
zwei, etwas höhenfU (bis 250 cnglist^he Fuss) Dritltlicile l)estehen aus thonigen 
oder .sandigen, torfbedeckten oder kalilen Rücken, mit (jIniben wechselnd, die kleine 



Keferate. 



91 



Seen und Moräste enthalten, wälirend der südliche Rest als eine öde Gras-, Sumpf- 
und Torfniederung bis ans Meer reicht. Durch Eis von den Festlands-Tundren 
und von Nowaja-Semlja herbeigeführte Bruchstücke von Granit, Sandstein und 
Kalk des oberen Silur (mit Halysites catenularms, CyatJwphyllum truncatum 
und Naticopsis sp.), sowie Anschwemmungen durch das sturmbewegte Meer be- 
wirken eine stetige Vergrösserung des Bodens von Kolguev. 

Ueber die Flora hat schon Ruprecht einen für seinen kurzen Aufenthalt 
auf Kolguev bewundernswerthen Bericht in „Flores Samoyedorum cisuralensium" 
(Beiträge zur Pflanzenkunde des russischen Reiches, St. Petersburg, 1845) geliefert. 
Unser Autor führt nun ein Verzeichniss von 97 (95 Arten und zwei- Varietäten) 
Phanerogamen und 29 Kryptogamen (worunter je 13 Moose und Flechten) auf. 
Darunter sind viele von Ruprecht nicht aufgefundene, während Letzterer, abge- 
sehen von Varietäten, noch 21 Arten angibt, die Tre vor-Batty e nicht beob- 
achtet, aber der Vollständigkeit halber auch beigefügt hat, so dass die Phanero- 
gamenflora sich auf 116 Arten belaufen würde. Von borealen Pflanzen Russlands 
waren darunter Stellaria Echvardsii Br. bisher von Spitzbergen und Nowaja- 
Semlja, Stellaria liumifusa Rottb. von Spitzbergen und dem finnischen und 
russischen Lappland, dann Antennaria carpathica Bl. F. von Nowaja-Semlja 
bekannt. Auffallend ist auf Kolguev das Pehlen so wohl bekannter nordischer 
Formen, wie Saxifraga oppositifolia L., Mertensia maritima Gray und des 
schönen ^^aZea-ähnlichen, für die nordrussischen Tundren charakteristischen 
Ledum dilatatum Ait. Im Allgemeinen ist der Pflanzenwuchs durch das unge- 
mein rauhe Klima der Insel mit seinen Junifrösten, den häufigen kalten Nebeln 
und den vorherrschenden Nordstürraen sehr gehemmt. So erreicht z. B. Ächillea 
3Iillefolium L. nur eine Höhe von 8 cm, und Salix lanata L., die auf dem Fest- 
lande, kaum zehn Meilen von der Küste, bis zu Manneshöhe heranwächst, erlangt 
auf Kolguev nur Kniehöhe, und dies nur an günstigen Standorten. Ungemein 
spät tritt auch die Blüthe und Fruchtreife ein. Viola hiflora L., die zu Tromsö 
am 11. Juni in Blüthenfülle war, kam auf Kolguev erst am 2. August zur Blüthe. 
[Biihus chamaemorus L. war bis zum 25. August noch nicht allgemein reif, 
während dies an der Petschora schon am 11. August der Fall ist. Von Buhns 
larcticus L. sollen nach übereinstimmender Aussage der Samojeden auf Kolguev 
keine Beeren reifen. Von anderen Zwergsträuchern wären noch zu erwähnen 
Dryas octopetala L., zwei Vaccinium -Arten, uliginosum L. und Vitis Idaea L.; 
von Heiden: Arctostaphylos alpina Spr. und Pirola minor L.; dann Betula 
nana L.; von Weiden ausser der bereits erwähnten Salix lanata noch Salix 
Lapponum L., S. Myrsinites L., S. reticulata L., S. herhacea L. und S. polaris 
Wahlenb.; endlich Empetrum nigrum L. 

Zum Schlüsse bringt der Verfasser noch zwei Verzeichnisse der Vögel- 
und Säugerfauna von Kolguev mit Bemerkungen über das Vorkommen, die 
Lebensweise u. s. w. der einzelnen Speeles. Besonders merkwürdig ist das massen- 
hafte Auftreten der Wildgänse auf der Insel, deren Fang mit Sacknetzen im 
Tagebuch (18. Juli) genau beschrieben ist, wo bei einer solchen Jagd nicht weniger 
als 8325 Stücke gefangen wurden, darunter 3300 der am häufigsten vorkommenden 

12* 



92 



Referate. 



Bernicla brenta (Pallas), 13 Exemplare von Anas segetiim (J. F. Gmelin) und 12 
von Änser alhifrons (Scopoli). In Easen verpackt werden die Thiere weit nach 
dem Festlande versendet. Im Ganzen werden 47 Vogelarten angeführt, deren 33 
unser Autor selbst aufsammelte, worunter viele auch mit Nestern und Eiern. 
Hervorgehoben mögen noch werden : Plectrophanes nivalis L. und P. lapponica L., 
einer der häufigsten Vögel auf Kolguev, neben Otocoris alpestris (L.), ferner 
Nyctea scandiaca (L.), Cygnus BewicM Yarell (= minor Fall.), Harelda glacialis 
(L.), Somateria spectäbilis (L.), Lagopus albus (J. F. Gmelin), der allgemein ver- 
breitete Phalaropus hyperboreus L., Lestris crepidata Brehm, Colymbus arcti- 
cus L. und C. septemtrionalis L. 

Bezüglich der Säuge thiere ist zu bemerken, dass auf Kolguev kein 
Nagethier vorkommt, also sowohl Myodes leninus L., als auch Lepus variabilis L. 
fehlen. Sonst sind Phoca groenlandica Nilss. und Ph. vituUna L., TrichecJius 
rosmarus L., Ursus maritimus Desm., Canis lupus L., C. vulpes L. und G. 
lagopus L., sowie das als Hausthier gehaltene Kenthier, Cervus tarandus L., 
zu erwähnen. 

Die Ausstattung des Werkes ist eine in jeder Hinsicht glänzende. 

Dr. A. Kornhuber (Wien). 

(iraflF, Ludwig V. Die Zoologie seit Darwin. Kede, gehalten bei der feier- 
lichen Inauguration als Rector Magnificus der k. k. Universität in Graz am 
4. November 1895. Graz, Leuschner & Lubensky, 1896. 8°. 32 S. 

Vor Darwin hat man „die naturphilosophischen Ideen als unbewiesene 
und unbeweisbare luftige Spiele der Phantasie betrachtet" und die descriptive 
Arbeit, „aller Speculation misstrauend, klammerte sich ängstlich an den Boden 
der Thatsachen". Die Mumien wohldiagnosticirter Species hat plötzlich das Band 
der Blutsverwandtschaft umschlungen. Seit Haeckel und Gegenbaur arbeitete 
man aber zu exclusiv in vergleichend-anatomischer Richtung und erst in jüngster 
Zeit gelangt das physiologische Experiment in der mit De läge „Biomechanik" 
zu nennenden Forschuugsrichtung zu Ehren. Nur diese kann die Homologie in 
der organischen Entwickluugsmannigfaltigkcit (z. B. die der Keimblätter) mit 
Sicherheit klarlegen. Die Vererbungsfrage wurde erst auf Grund von n;ich- 
darwinischen Untersuchungen über das Chromatin und die Centrosomen scharf 
formiilirt, und zwar durch den Neo-Darwinismus Weismann's. Der Letztere 
leugnet mit Recht die Vererbung erworbener Eigenschaften, welche nach Delage, 
Ilacckol u. A. die Descendenz bedingt.^) Durch Anregung zu exacten biolo- 
gischen und thiergeographischen Studien hat die Uniwandlungstheorio selbst auf 
die triste „museale Haar- und Borstonsy.stematik" woliltliätig gewirkt, obwohl 
die Reaction vorübergehend etwas stark ausfiel. Die Systeniatiker werden zunächst 
die Variationscurven für einzelne Formen zu bestimmen haben, um der Abstraction 
synthetischer Artenbcschrcibung (Mitgogcnzuwirkcn, (Wo der Al)sl:iiMniungsl('hre 

•) K«ferciit rifiMtit wicj „V(r<!rlmii>{ liotnrogoiioi IndiictioiKüi" (lliologisclics Coiilralbliilt, 
Bd. XV, H. 821) 



Referate. 



93 



niemals das nöthige wissenschaftliche Materiale liefern kann. „Die Zeit scheint 
nicht mehr ferne zu sein, da man den Darwinismus ebensowenig als Partei- 
sache betrachten wird, wie das kopernikanische Weltsystem." 

Hiermit wäre der Inhalt dieser lesenswerthen Eede hinreichend charakteri- 
sirt. (Der Reinertrag ist dem Freitisch-Institute der Grazer Universität gewidmet.) 

Tad. Garbowski. 

Uzel Heinrich. Monographie der Ordnung Thijsanoptera. Königgrätz, 
1895. Gr.-4°. 472 S. mit 10 Tafeln und 9 Textbildern. 

Eine durchaus originelle und gründliche Bearbeitung dieser bisher sehr 
vernachlässigten Insectenordnung. Der grösste Theil des Werkes ist der Systematik 
gewidmet und zweisprachig (böhmisch und deutsch) durchgeführt. Er behandelt 
alle bisher bekannten Arten der Welt (72), von denen Uzel mehr als zwei Drittel 
selbst untersucht hat, und 63 neue Arten. Die ganze Ordnung zerfällt in zwei 
Unterordnungen: 1. Terebrantia (mit den Familien J.eoZo^/inpic?a€ und Tliripidae) 
und 2. Tubulifera (Familie Phloeothripidae), mit zusammen 36 Gattungen, von 
denen 11 in der Monographie neu beschrieben werden. Sowohl für Gattungen 
als auch für Arten sind Bestimmungstabellen vorhanden. Die übrigen Theile des 
Werkes behandeln Anatomie, Entwicklungsgeschichte, Palaeontologie, Biologie etc. 
und sind in böhmischer Sprache verfasst. Kurze deutsche Resumes geben jedoch 
auch hier eine Uebersicht des Inhaltes. Aus dem historischen Theile ist zu 
entnehmen, wie gewissenhaft Uzel die sehr zerstreute Literatur (194 Publicationen) 
über die Thysanopteren benützt hat. Von den zehn prächtig ausgeführten Tafeln 
sind sieben der Systematik und drei der Anatomie und Morphologie gewidmet. 

A. Handlirsch. 

Wasmanu E., S. J. Die ergatogynen Formen bei den Ameisen und 
ihre Erklärung. (Biologisches Centraiblatt, XV, 1895, Nr. 16 und 17.) 
Wasmann unterscheidet folgende Zwischenformen zwischen Weibchen und 
Arbeitern bei Ameisen: 

1. Individuen, die in Körpergrösse und Hinterleibsentwickluug (auch der 
Ovarien) den eigentlichen Weibchen angehören, dabei jedoch die Brustbildung 
der Arbeiterin besitzen und deshalb vollkommen flügellos sind. — Hub er 's 
„femelles apteres"; morphologisch als ergatoide Weibchenform, biologisch 
als secundäre Königin zu bezeichnen. 

2. Individuen, die nur durch etwas stärkere Entwicklung der Ovarien von 
den gewöhnlichen Arbeiterinnen abweichen. — Gynaikoide Ar heiter form. 

3. Individuen, die nur in der Körpergrösse den Weibchen sich anormal 
nähern, sonst (auch in der Hinterleibsbildung) normale Arbeiterinnen sind. — 
Anormal grosse Arbeiter (makroergate Form). 

4. Individuen, die in Körpergrösse und Hinterleibsentwicklung den Ar- 
beiterinnen angehören, dagegen in der Brustbildung, besonders durch das buckei- 
förmige Mesonotum, den Weibchen sich anschliessen, aber stets ungeflügelt sind. 
— Pseudogyne Arbeiter form (eine entschieden pathologische Bildung). 



94 



Referate. 



5. ludividiieu, die nur iu der Körpergrösse und dem etwa« schmäleren 
Thorax den Arbeiterinnen sich nähern, im Uebrigen normale geflügelte Weibchen 
sind. — Anormal kleine Weibchen (mikrogyne Form). 

G. Individuen, die zwischen cf und ^ allmälige und allseitige Uebergänge 
bilden. — Ergatogyne Mischformen. 

Dass die Erklärung der Entstehung dieser Formen ein sorgfältiges Studium 
und viel Scharfsinn erfordert, beweisen die zahlreichen in letzter Zeit über dieses 
Thema publicirten Arbeiten (von Weismann, Lubbock, Forel, Emery), welche 
Wasmann in seiner Auseinandersetzung kritisch verwerthet hat. 

Wasmann's geistvolle Auseinandersetzung ist nicht geeignet, hier in 
allzu gedrängter Form besprochen zu werden, und wir verweisen daher auf das 
ohnehin nicht sehr nmfangreiche Original. A. Handlirsch. 

Schaefer Theod. Will. The poisonous sting of the „Electric light 
bng" or Belostoma, as it is called by entomologist's. Kansas 
City Mo., 1895. 8°. 3 S. (Repr. from the „Medical index".) 

Diese kleine Arbeit behandelt den schmerzhaften Stich, welchen die grossen 
Wasserwanzen (Belostomiden) mit ihrem Eüssel verursachen. Schaefer glaubt, 
es müssen Giftdrüsen vorhanden sein. A. Handlirsch. 

Fischer E., Cand. med. Neue experimentelle Untersuchungen und 
Betrachtungen über das We s e n und die Ursachen d e r A b e r r a t i o n e n 
in der Faltergruppe Vanessa. 8°. 67 S. und 2 Tafeln. Berlin, R. Fried- 
länder & Sohn. 3 Mk. 

Als Ergänzung und Erweiterung seiner im Voi-jahre publicirten „Trans- 
mutation der Schmetterlinge infolge Temperaturänderungen" (vgl. diese Schriften, 
Jahi-g. 1895, S. 82) theilt Verfasser vorerst die Resultate weiterer Temperatur- 
versuche mit. Hierbei ist besonders bemerkenswerth, dass auch Versuche mit 
der Einwirkung von Temperaturen unter 0° C. gemacht wurden, welche aller- 
dings nach den raitgetheilten Ergebnissen (S. 16—19) nicht ganz den weit voraus- 
eilenden Erwartungen des in Schlussfolgerungen allzu raschen Verfassers ent- 
sprochen hüben dürften. Selbstverständlich konnten tiefe Temperaturen bis 
— 20° C. nur intermittirend und mit entsprechenden Uebcrgangstcmporaturcn 
zur Anwendung gebracht werden. Jedenfalls ist die Annithme, da.ss auf diese Weise 
dieselben und noch weiter gehende Hemmungserscheinungen, wie sie durch wochen- 
langes Einwirken einer constanten Temperatur von 0° C. erreicht werden, in 
l elativ kurzer Zeit erzielt werden können, verfrüht und bedarf gewiss noch weiterer 
experimenteller Belege, als si(! der Verfasser erbra,cht liat. 

Als Versuchsobjecte dienten die bekannten Vanessenarten, bei welchen Ver- 
fasser durch das geschilderte Verfahren das Entstehen einer bei säminl liehen 
Arten analogen Abernition mit zusammenfliessendem zweiten und dritten schwarzen 
('ostülfl'ck annehmen zu köiMMMi glaubt, wie sie für Vanessa üriicac als Jchnu- 
Hoiihs Sely«, für V. J'olychloros als TvMuilo Hl>., für V. Anliopa als I/i/f/iaca 
Hdrch., für V. Curdui als Kli/mi itbr. bereits bekannt sind und für Vanessa Jo 



Referate. 



95 



als Äntigone (S. 16, 56), für V. Atalanta als Clymene (Verfasser schreibt S. 19, 
57 gegen jeden lateinischen Sprachgebranch „Khjmene^) erst benannt werden. 

Diese sechs aberranten Formen werden im Vergleiche mit ihren Stamm- 
arten auf den beiden schwarzen Tafeln in entsprechender Weise zur Abbildung 
gebracht. 

Verfasser begnügt sich aber nicht mit Temperaturexperimenten, er prüft 
auch andere Factoren, als: chemische Stoffe, Elektricität, Schwerkraft und Trans- 
fusion des Blutes auf ihren Einfluss, ist aber bei der hastigen Oberflächlichkeit, 
mit der diese Versuche, sowie der Abschnitt „Anatomisches" (S. 40 — 45) be- 
sprochen werden, offenbar nirgends zu einem selbstständigen, publicationsreifen 
Resultate gelangt. 

Um die Mittheilungen über den etwas eingehender behandelten „Einfluss 
der Schwerkraft" (S. 27 — 36) zu erwähnen, geht Verfasser hierbei offenbar von 
der irrigen Ansicht aus, dass die in der Pflanzenphysiologie als K night "sehe 
Rotationsversuche bekannten Experimente auch auf die in der Entwicklung be- 
griffene Puppe von Einfluss sein müssen, vergisst aber ganz, dass es sich bei der 
Pflanze vor Allem um Wachsthumserscheinungen handelt, die im Ausfärbungs- 
process der Puppe doch nur eine untergeordnete Rolle spielen, und ferners, dass 
durch Centrifugiren der Einfluss der Schwerkraft vermindert oder selbst aufge- 
jhoben wird. Wenn die (unbedeutenden) Veränderungen der Falter, die Verfasser 
bei diesen Versuchen erzielte, thatsächlich im Zusammenhang mit der Gravitation 
stehen, so ist hieran allein die veränderte Ruhelage der Stürzpuppen Schuld, 
nicht aber ein täglich durch fünf Minuten manuell in Anwendung gebrachtes 
Centrifugiren, bei welchem die für so kurze Zeit einwirkende Fliehkraft nach der 
organischen Beschaffenheit der Puppe kaum den durch sie abgeschwächten Ein- 
luss der Schwerkraft compensirt haben dürfte. Der Verfasser fühlt selbst die 
Voreiligkeit der Schlussfolgerung aus diesen Versuchen, denen nicht nur die that- 
;ächliche Vorbedingung, sondern, wie es scheint, auch die nöthige Vorkenntniss 
',u einem wissenschaftlichen Erfolge mangelt. 

In den theoretischen Betrachtungen (S. 46 — 63) erweckt der Abschnitt 
,Corapensation der Farben" Interesse, worunter Verfasser eine correspondirende 
jesetzmässigkeit in der Vertheilung eines Farbenpigmentes auf Ober- und Unter- 
eite der Flügel versteht, ohne zu einem halbwegs befriedigenden Abschlüsse 
:elangen zu können. 

Die vorerwähnten aberranten Vanessa-Formen werden nach dem früheren 
Itandpunkte des Verfassers als Hemmungserscheinungen aufgefasst und in allzu 
reifer Schlussfolgerung „als die dem Miocän angehörenden Formen" angesprochen, 
'ofür sogar eine vergleichende Tabelle (S. 60) der Miocänformen, Eiszeitformen, 
litteleuropäischen Formen und südlichen Varietäten der hier in Frage stehenden 
ichs Arten gegeben wird. Interessant ist hierbei, dass Verfasser ein analoges 
erhalten sämmtlicher sechs Arten annimmt, während Standfuss in seinem 
ürzlich erschienenen, dem Verfasser noch nicht benützbar gewesenen Handbuch 
5. 284) rücksichtlich der beiden Vertreter der Gattung Pyrameis eine ihrer süd- 
ßhen Einwanderungsrichtung entsprechende, entgegengesetzte Reaction voraussetzt. 



96 



Referate. 



Alles in Allem macht die (wieder selbstständig erschienene) Publication 
überall den Eindruck des Unfertigen und Uebereilten, und ist dem jugendlichen 
Verfasser sehr zu empfehlen, erst einmal mit einer gereiften Arbeit hervorzu- 
treten, wenn er sich seinen Euf für die Zukunft nicht gründlich verderben will. 

Dr. H. Kebel. 

Paczoski J. Przyczynki do znajmosci flory krajowej (Beiträge zur 
Kenntniss der polnischen Flora). Separat -Abdruck aus Pamietnik fizyogra- 
ficzny (Physiographisches Jahrbuch), Bd. XIII. (Warschau, 1895.) 8°. 33 S. 

Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Abschnitten: I. czterech roslinach 
uowych dla flori Krolestwa (lieber vier für das Königreich Polen neue Pflanzen). 
Es sind dies: 1. Mibora verna P. B. Diese lag im Herbare der Kiewer Universität 
mit der Bezeichnung „Polonia", doch folgt daraus nicht mit Bestimmtheit, dass 
damit das heutige Polen gemeint sei, da seit Bieberstein's Zeiten die Autoren 
unter „Polonia" und „Polonia australis" Podolien verstanden haben, und selbst 
die Annahme, dass dieselbe von Michael Szubert herrühre, wird hinfällig, wenn 
man weiss, dass es damals in Polen einen Jastrzebowski, Waga etc. gegeben 
hat. 2. Malva moschata L. wurde vom Grafen Ladislaus Montresor bei Ploiisk 
im Gouvernement Warschau gesammelt. 3. Äposeris foetida Lees. Diese in 
Ledebour's „Flora Rossica" fehlende Pflanze sah Herbich in Bessarabien, hart 
an der Grenze der Bukowina, und Marie Hempel fand dieselbe nach Lap- 
czyriski's Bericht im Gouvernement Dublin, doch bestritt Semenow, ein Schüler 
der Warschauer Universität, die Richtigkeit dieser Angabe und wollte solche auf 
eine Verwechslung mit Crepis foetida L. zurückführen. Verfasser stiess auf selbe 
im Gouvernement Minsk bei Mozyr und sah überdies im Kiewer Herbare aus 
Krzemieniec in Volhynien herrührende Exemplare. Die Annahme, dass die fragliche 
Pflanze auch in Podolien vorkommen müsse, erscheint um so berechtigter, als 
dieselbe für mehrere Punkte Ostgaliziens nachgewiesen ist. 4. Veronica Dillenii 
Crantz. Wurde von F. Karo bei Czestochau gesammelt und lagen dem Verfasser 
davon Exemplare aus den Gouvernements Grodno, Minsk, Mohylew, Czernigow, 
Volhynien, Podolien, Kiew, Poltawa, Ekaterinoslaw, Woronez und Astrachan, so- 
wie aus dem Kaukasus vor. — II. Spis roslin zcbranych w r. 1803 w guberniach 
lomzynskiej i siedleckiej (Verzcichniss der im Jahre 1893 in den Gouvernements 
i.omza und Siedice gosammcrltcn Pflanzen). Nennenswerth sind: ein Mischling 
von Vianthus plumarius (oder D. arenarius) mit D. Carthusianorum oder J). 
(Imtinua Kit. (richtiger Pu-hb. — 1). sabuletorum Heuf., Ref.), Spenfula Mori- 
soiiii Boreau, Jtosa tomentosa Sm. ß. cusjndata (M.-B.), Filago minima Fr. 
f. Htricta Paczoski (N. s.), dmtaurea maculosa, Liun., doch ist C. ]iic1>erslcinii 
\)C davon vor.schi<'don, Matriatria discoidea DG., überdies in Volhynien, den 
Gouvorii(;mcnt.s Minsk und (iiodno vorkommend, sowie Ärctoslaphylos Uva ursi 
Spr. — III. Rosliny zcl^rano w okolicach miastoczka Derazni w powiccic laty- 
czowskim, giiberuii jtodoiskicj (Verzcichniss der um das Städtchen Dcraznia, 
District Latyczow in Podolien g(;sammelt('n l'flanztai). Zunäclist vorwirft Ver- 
faiiSCT Uehinann'H ikliaiiptung, dass die oslgalizisclie Flora dein pontisdien 



Keferate. 



97 



Gebiete angehöre. Von den so namhaft gemachten Pflanzen sind hervorzuheben : 
Aethusa Cynapium L. var. segetalis Boenningh. und Centaiirea stenolepis Kern. 
Von eingeschleppten Pflanzen erwähnt Verfasser Centaurea solstitialis L. (richtiger 
C. Adami Willd.) und Xeranthemum annuum L. an Eisenbahndämmen zwischen 
Zmerinka und Winnica, mithin hart an der galizischen Grenze. Für Volhynien 
findet Referent Centaurea Caucasica M.-B. von Besser angegeben. 

J. A. Knapp. 

Litwiiiow J. D. Botaniczeskij a ekskurzija w Sierzanskom ujezdje 
(Botanische Excursionen im Sierzaner Bezirke) in Bull, de TAcad. imp. des 
Sc. de St. Petersb., Ser. 5, II (1895), p. 423—449. 

Der Verfasser bereiste diesen im Gouvernement Simbirsk gelegenen Bezirk 
und schildert dessen Vegetation. Von den so namhaft gemachten Pflanzen sind 
hervorzuheben: Androsace septentrionalis L., Allium lineare L. und A. tulipae- 
foUum Ledeb., Alyssum alpestre L. (?), Artemisia Armeniaca Ledeb., A. latifolia 
Ledeb. und A. sericea Web., letztere von der Galiczja gora, dieser in neuester 
Zeit bekannt gewordenen Uebergangsstation für eine Reihe von Pflanzen aus 
dem Ural nach Podolien, beziehungweise Ostgalizien, im Bezirk Elec des Gouverne- 
ments Orel, Avena Besseri Griseb. oder richtiger A. desertorum Less. in Linnaea, 
IX (1834), p. 208 und Avena Schelliana Hackel, doch ist dieselbe nach gefälliger 
Mittheilung des Autors keine selbstständige Art und hat Avena pratensis L., 
ß. steppacea Czernaew, Consp. pl. (1859), p. 74, zu heissen, während die für 
Zytomierz und Poczajöw angegebene Avena pratensis, weil nicht mehr dem 
Steppengebiete angehörig, die genuine Linne 'sehe Art oder Avena compressa 
Heuff. {A. pratensis L. ß. compressa Zing.?) sein dürfte. Cenolophium Fischeri 
Koch, Centaurea maculosa M.-B. soll heissen C. Biebersteinii DC. oder ist ein 
Schreibfehler für Lam., Cirsium esculentum C. A. Mey. und C. serruJatum M.-B., 
Clausia aprica Kornuch-Trotzky, Echinops Eibis L. ('?), Ephedra vulgaris Rieh., 
Euphorbia petrophila C. A. Mey., Galatella tenuifolia Lindl., Glyceria plicata Fz., 
Hedysarum argyrophijllum Ledeb. und H. grandiflorum Pall., Heliantliemum 
Oelandicum Whlnbrg. (richtiger H. Italicum- Rchb.), Hierochloa borealis R. et Sch., 
Iris furcata L. soll heissen M.-B., Lathyrus pisiformis L., Nasturtium brachy- 
carpuyn C. A. Mey., Onosma echioides L. (?) und 0. simplicissimum L., Pedi- 
lularis comosa L. ist eher P. campestris Griseb. et Schenk oder doch eine dieser 
iahe stehende Pflanze, Plantago maxima Ait. und P. media L. var. Urvilleana 
Rapin, ursprünglich von Kertsch in der Krim beschrieben, wird für die Gouverne- 
aents Orenburg, Samara, Simbirsk und Ufa, sowie für den Bezirk Zadonsk des 
jrouvernements Woronez nach Müller 's Aufsammlung constatirt, Bumex Ucra- 
licus Fisch., Salix stipularis Sm., Scabiosa isetensis L., Scorzonera ensifolia 
Pall. und Sc. Marschalliana C. A. Mey., Silene procumbens Murr, und S. Sibirica 
i*ers., Syrenia sessiliflora Ledeb. und Vicia picta Fisch, et Mey. Eine eingehende 
Erforschung dieses Gouvernements dürfte noch manches interessante Detail zu 
Tage fördern. 

J. A. Knapp. 

Z. B. Ges. Bd. XLYI. 13 



i 



98 



Referate. 



Battaiulier et Trabut. Flore del'Algerie conteuant la description de toutes 
les plantes sign;üees jusqu'a ce jour comme spontanees en Algerie et catalogue 
des plantes du Maroc. Moiiocotyledoues.^) Alger et Paris, 1895. 

Eine Flora über ein pflanzengeographisch wichtiges Gebiet! Die Abfassung 
derselben entspricht so sehr der üblichen Schablone, dass es kaum nöthig ist, 
Näheres darüber mitzutheilen. Bestimmungsschlüssel finden sich für die Haupt- 
abtheilungen und Familien, bei den grösseren Familien auch für die Gattunge 
bei schwierigen Gattungen für die Arten. Die Diagnosen der Familien, Gattungen 
und Arten sind ebenso wie alle anderen in französischer Sprache abgefasst. D 
Autorencitation ist etwas mangelhaft, unter (aber nicht consequenter!) Anwendung 
der Klammermethode. Auch einzelne neue Arten sind beschrieben. 

Bei Benützung des Buches zur Bestimmung von Algier-Pflanzen werden 
die beigegebenen fünf Tafeln namentlich dem Anfänger gute Dienste leisten 
eine bringt Analysen von Juncus-, die zweite von Carex -Arten; drei Tafeln 
stellen in vortrefflicher Reproduction Habitusbilder der Inflorescenzen v 
92 Gramineenarten dar; die letzte bringt Blattquerschnitte von Festuca-Arte 

Prof. C. Fritsch. 

Coiiicy, Aug. de. Ecloga altera plantarum hispanicarum seu icon 
stirpium superioribus annis per Hispanias detectarum. Nouvelle 
figures de plantes trouvees en Espagne. Paris (G. Massen), 1895. Ave 
12 planch. lithograph. 

Im Jahre 1893 erschien in demselben Verlage die erste „Ecloga plantaru 
hispanicarum" des Verfassers, in welcher auf zehn lithographischen Tafeln folgend 
Pflanzen abgebildet waren: Arahis Malinvaldiayia Rouy et Coincy (zum Ve 
gleiche auch A. 'parvula Duf. und A. auriculafa Lam.), Coincya rupestris Ro 
f= Hutera rupestris Porta), Saxifraga Aliciana Rouy et Coincy, Cartham 
Dianiits (Webb), Senecio Coincyi Rouy, Thpnus Antoninae Rouy et Coinc 
Teucriiim Franclietianum Rouy et Coincy, Ornithogalum suhcucullatum Ron 
et Coincy, Apterantlies Gussoneana Mik. (Frucht), Cheilanthes Hispanica Mette 
Die nun erschienene „Ecloga altera" enthält die Abbildungen folgende 
Arten: Ah/ssum Auwris Coincy (zum Vorgleiche A. collinum Brot.), Viol 
cochleota Coincy, Paronychia liouyana Coincy (daneben P. ecliinata La 
f. australis und P. echinata Lam. typ.), Knnämannia Sicula DC. var. longiset 
Coincy, Valeriana longißora Willk , Echium fruticescens Coincy, Linaria Go 
haiitesiana Coincy, Origanum compactum Bss. var. Bouyanum Coincy, Teucrium 
ßoccosum Coincy (und T. pumilum L.), Vhalaris Hispanica Coincy, Panicum 
eruciforme Sibth. et Sm. uiul dessen var. Jrrcvifolialnm Coincy, Agroslis Ca- 
stellana B. R. var. pilosa Coincy. 

Das Werk ist prächtig ausgestattet; di(! 'i'afeln (Mitliallen neben den 
Habitusbildern stets auch die zur Unterscheidung wichtigen Analysen. Der Text 
cntbält ausführliche Beschrfiibungen der neuen Alten, sowie kritis(;h(j Benier- 
kiitigen zu den anderen abgebildeten Pflanzen. I'rof. ('. Fritsch. 

') Der entP, wf'it unifungrcicluirf! ISuikI, welcher «Ii'- I>i(;ol>ie(loneii enMiüll, orscliieii sclioii 



Yersammlimg am 4. März 1896. 

Vorsitzender: Herr Custos Dr. E. v. Marenzeller. 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 



Güuner, Dr. Anton, Wien, IV., Favo- 
ritenstrasse 23 

Maiwald, P. x., Gymnasial -Lehrer, 
Braunau in Böhmen 



Dr. J. Lütkemüller, Dr. A. Zahlhruckner. 



Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 



Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden erhielt 
Herr Hugo Hinterb erger, Lector für Photographie an der k. k. 
Universität, das Wort zu seinem Vortrage über „Photographie 
mittelst X-Strahlen", welchen er in Verbindung mit Herrn Glas- 
bläser C. Woytacek, der die Herstellung der Hittorfscheu Birnen 
zeigte, durchführte. 

Herr Woytacek hatte zu diesem Vortrag sein gesammtes Instrumentarium 
zur Verfügung gestellt, nämlich eine Kahlbanm'sche Quecksilberluftpumpe, einen 
RuhmkorfT sehen Funkeninductor, der durch den Strom eines Accumulators betrieben 
wurde, und einen Blastisch, und es war dem Vortragenden hiedurch ermöglicht, 
die interessanten Liehtphänomene, welche beim Durchleiten eines elektrischen 
Funkenstromes durch evacuirte Glaskörper eintreten, zu zeigen. Der Vortragende 
besprach zunächst die verschiedenen Typen von Hittorfscheu Röhren, wie solche 
zur Photographie mit X-Strahlen an der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für 
Photographie und Reproductionsverfahren verwendet werden, und Hess eine Anzahl 
solcher Birnen, welche aus der Werkstätte Woytacek's stammten, cursiren. 
Dieser hatte unterdessen eine Birne an die Luftpumpe angeschmolzen und Hess 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 14 



100 



Versammlung am 4. März 1896. 



dieselbe nebst einer zweiten, bereits früher angeschmolzenen, durch einen Gehilfen 
evacuiren. Während dieser Procedur, welche eine Stunde in Anspruch nahm, 
stellte er am Blastisch eine Birne mit scheibenförmiger Kathode her. Herr 
Hinterberger zeigte indessen die Lichterscheinungen einer Geisslerröhre, ferner 
die Phosphorescenz erregende Wirkung der Kathodenstrahlen und die Licht- 
erscheinungen in den beiden Birnen, welche evacuirt wurden, beim Einleiten des 
Inductionsstromes und ging dann zur Praxis der Photographie mittelst Röntgen- 
strahlen über. Er besprach zunächst die photographischen Präparate, welche zur 
Aufnahme verwendet werden können, und theilte die diesbezüglichen Versuche 
von Dr. Ed er und Prof. Valenta mit, woraus hervorging, dass die nassen 
Verfahren (JodbromsilbercoUodium-Badeverfahren und die Collodium-Emulsions- 
verfahren) hiefür ungeeignet sind und die besten Resultate mit Gelatine-Emulsions- 
platten erreicht wurden, und zwar im Gegensatze zu anderen Berichten nicht 
mit orthochromatischen, sondern mit gewöhnlichen hochempfindlichen Trocken- 
platten. Hierauf zeigte Herr Hinterberger, wie die Platte zum Schutze gegen 
Lichtstrahlen und Feuchtigkeit adjustirt werden muss (Einschlagen in schwarzes 
Papier, Auflegen einer Celluloidfolie) und zählte die Factoren, welche bei Bestim- 
mung der Expositionszeit berücksichtigt werden müssen, auf. 

Zum Schlüsse demonstrirte Herr Hinterberger den bekannten Röntgen- 
schen Fundamentalversuch mit dem Fluorescenzschirm, der sehr gut gelang, und 
erklärte dann die ausgestellten Aufnahmen von Dr. Eder und Prof. Valenta, 
welche in sehr schönen Heliogravüren (theils Negative, theils Positive) die An- 
wendbarkeit der Photographie mit Röntgen's X-Strahlen für die Zwecke der 
beschreibenden Naturgeschichte bewiesen. Es waren dies Aufnahmen der mensch- 
lichen Hand (eines 17jährigen Studenten und eines 8jährigen Mädchens) und 
des menschlichen Fusses, ferner Aufnahmen verschiedener Thicre (diverser Fische, 
zweier Frösche, einer Aesculapsclilange, eines Chamäleons und einer Eidechse). 



Am 14. Feliruar 1896 wurde ein botanischer Discussions, 
uljend abgehalten, an welchem Herr Prof. Dr. A. Burgerstein 
„Ueber die Alistammung des ecliten Dammarharzes" und Herr Prof. 
\)v. ('. Fritsch „Ueber ciiiii^c Arien und Hybriden der (Jaiiiing 
Sorhus" sj»i;i(dH'ii. 



Licheuologische Ausflüge in Tirol. 101 

Licheiiologisehe Ausflüge in Tirol. 



Dr. F. Arnold. 

(Eingelaufen am 5. Februar 1896.) 



XXVI. Plans. 

Ein erhebliches, der genaueren Erforschung der Flechtenflora von Tirol 
im Wege stehendes Hinderniss bilden die weiten Entfernungen sowohl ober der 
Waldregion als im Bereiche der cultivirten Landschaft. Als ich am 5. August 1894 
von Plans nach Kappl in Paznaun ging, um hier Stereocaulon alpinum Laur. 
zu sammeln, bemerkte ich auf der laugen Strecke nur eine erwähnenswerthe 
Flechte, nämlich Lecanora epanora Ach., welche an den Felswänden längs der 
Strasse zwischen Zollhaus und See steril nicht gar selten auftritt. Gleich unter- 
halb Kappl führt die neue Strasse durch ein vor Jahren herabgeschwemmtes 
Steingerölle, auf welchem jetzt Fichten- und Lärchengehölz in die Höhe gewachsen 
ist. Auf beiden Seiten der Strasse dehnt sich das reichlich fruchtende Stereo- 
caulon alpinum in solcher Menge aus, dass die Oberfläche des Bodens ein grau- 
weisses Aussehen annimmt. Die Pflanze ist von hier in Arn. exs. 1604 auf- 
genommen. Alle übrigen Erdflechten: Claäonia silvatica, iinciaJis, äeformis, 
PeUidea aphthosa, Feltigera rufescens, treten dem Stereocaulon gegenüber an 
Häufigkeit zurück. An iar/^c-Zweigen Evernia thamnodes Flot. 

An der Binde der Obstbäume in den Grasgärten von Plans (832 m) waren 
nur wenige und solche Arten zu erblicken, welche auch ausserhalb der Alpen sich 
daselbst einzustellen pflegen. 

Das Gehänge oberhalb Plans ist mit Strauchwerk bewachsen. Auf einem 
bemoosten Glimmerblocke neben einem Fusswege traf ich dort Physma pohjanthes 
Bhd., Arn. Jura Xr. 599, Tirol XXIII p. 134, vorzugsweise über Grimmia Hart- 
manni wachsend. Kleine, fast muschelförmige Thallusanfänge der Peltigera 
canina L. f. soreumatica Flot., Arn. München Nr. 88 hatten sich zwischen den 
Moosen eingefunden: thallus sorediis cinereis consitus. 

Ein Hohlweg vermittelt weiter oben den Uebergang nach Grins (1002 /«). 
Hier auf glimmerhaltigem Boden längs der Wegböschung Peltidea venosa und 
Biatora sanguineoatra Wulf., Arn. Jura Nr. 284, Tirol XXI p, 133: thallus 
minute granulosus, viridis, apoth. rufofusca, ep. hyp. fusc, spor. incol., sim- 
plices, 012—15 mm lg., 003—4 mm lat. Gesellig mit dieser Flechte eine Form 
der Buellia scahrosa Ach., Arn. Jura Nr. 376, Tirol XXI p. 141, auf dem grün- 
lichen Thallus von Sphyridiiim fungiforme zerstreut: apothecia parva, atra, 
intus K — , epith., hyp. fuscesc, hym. Jodo caerul., sporae fusc, graciliores, 

14* 



102 



F. Arnold. 



010 — 12 mm lg., 004 mm lat., 8 in ascis oblongis (comp. Buellia athallina 
auf Sphyridiitm auf dem Hocligern in Flora 1870 p. 236 Nr. 2). 

All der gegenüber liegenden Seite des Thaleinschnittes, kurz vor den ersten 
Häusern von Grins bedeckt Collema pulposum Bhd. stellenweise die lockere Erde 
der Felsspalten, daneben Sediim alhum. 

Beim Meilensteine Nr. P/4 an der Heerstrasse gegen Landeck hatte ich 
im August 1848 das Laubmoos Desmatodon cernuus so zahlreich gesehen, dass 
ich es im folgenden Jahre sammeln und später in Schultz Herb. norm. Nr. 195, 
sowie in Kabenh. Bryotheka Nr. 957 b vertheilen konnte. Der Meilenstein wurde 
zufolge der Einführung des neuen Längenmasses später beseitigt, das Moos aber 
war, wie ich mich am 13. August 1893 überzeugte, an der anstossenden Strassen- 
mauer noch immer, wenngleich spärlich, erhalten. 

Da die Umgebung von Plans und ein Gang nach Tobadill (1536 m) kein 
besseres Ergebniss lieferten, beschloss ich, den nördlich ober Plans gelegenen 
Gatschkopf zu ersteigen. Am 10. August 1894 wurde die Augsburger Hütte 
(2320 w) und am nächsten Tage der Gipfel des Berges (2942 w) erreicht. 

Unweit der Hütte auf Glimmerblöcken: 1. Lecanora hadia Pers. atque 
f. ci7ierascensl^y\., Arn. Tirol XXIII p. 120; 2. L. polytropaEhw atque var. intri- 
cata Schrad.; 3. Lecidea ms^ra^ci Nyl, Arn. Tirol XXV p. 374: thallus ohscur 
cinerascens, minute areolato rimulosus, apotJi. atra, ep. fuscesc, K — , hyp] 
incolor., sporae oblong., 0'012—14 mm lg., 004— 5 mm lat.; 4. Lecidea entero- 
leiica Ach., Nyl.; 5. Bhizocarpon geographicum; 0. Ticliothecium pygmaeiim 
auf Lecanora polytropa. 

Bei der am steilen Gehänge des Berges auf einem kleinen Vorsprunge 
erbauten Hütte erscheint die normale Flora der Kalkalpen. Weiter oben rage 
zahlreiche Felsen hervor, auf welchen Lecideen mit weisser Kruste vielfach ver 
breitet sind. Das Gestein besteht aus mergeligem Kalk der Partnachschiohtcn, 
Uüberblickt man die kleine Liste der an jeuem Tage gesammelten Flechten, 
so bemerkt man einige äusserlich unscheinbare Arten, welche nach den bisherigen 
Beobachtungen erst ober der Waldzoue beginnen: 



1 . Fhyscia elegans f. tenuis Wbg. 

2. Fhyscia aiistrfdis Arn. 

3. Callopisma aurantiacum Lglitf. 

4. Gydlolechia aurella Hoff'., Arn. 

5. Pyrenodesmia Agardhiana Mass. 
0. IHacodium concolor Kam. f. 

7. Jjccanora dispersa l'ers. 

H. Sarcogync urceolata Aiizi, Arn. 

Tirol XXV )). :V.H). 
!t. Aspicilia polychroma Aiizi f. can- 

dida Anzi. 
I" flymnielia caerulea Kl). 



12. Biatora fuscond)ens Nyl. 

13. Lecidea tessellaia Fl. f. caesia Anzi 

14. Lj. speirea Ach. 

15. Tj. suhumbonata Nyl. 

16. Tj. rhaetica Hepp. 

17. L. immer sa Web. 

18. L. cnleroleuca Ach., Nyl., Ai ii. 
11). L. siihtumidula Nyl. 

20. Caiillaria athallina Ilep]). 

21. Bilimbia sublrachona Avu. 

22. Hiegeriia Wcisii Seh, 

2;>. Bhizocarpon geographicum f. pulve 



/iiafora rupcsiriH f. incrustans \)('. 1 rulentum Scliii 



(!r. 



Liclienologische Ausflüge in Tirol. 



103 



24. Stigmatomma clopimum Wbg. 

25. Lithoicea tristis Kplh. 

26. Verriicaria caerulea Eam. f. caesia 

Auzi. 

27. Verrucaria phaeosperma Arn. 



28. Thelidium pyrenophorum Ach. 

Arn. Tirol XXV p. 372. 

29. Polyhlastia albida Arn. (pl. alpina) 

30. Tichothecium gemmiferum T. 

31. Tichothecium pygmaeum Kb. 



a) Physcia australis Arn. Flora 1875 p. 154; Tirol XX p. 375, XXI p. 121, 
XXIV p. 265: nicht häufig: thallus compactus, anibitu lohatus, sporae suh- 
fusiformes, utroque apice saepe acutae, sporoNastiis valde attenuatis, quare 
1 septat., O'Olo — 18 mm lg., 005 — 6 mm lat. 

h) Flacodium concolor Eam., Arn. Tirol XXIII p. III, f. elatum Arn. 
(vel propria species): ziemlich selten: a typo differt colore lutescente viridulo, 
thallo effigurato margine magis deplanato, lohis tenuioribus, elongatis. Apothecia 
fuscidido testacea, epith. sordide lutesc, sporae ohlongae, 009 — 11 mm lg., 
005 mm lat. 

c) Lecidea siihumhonata Njl., Arn. Tirol XXIII p. 123: häufig an den 
grösseren Felsen und von hier in Arn. exs. 1623 ausgegeben: hyp>h. non vel 
parum amyloid., hypoth. fuscescens, non incolor, sporae oblong., 010 — 14mm lg., 
0'005—6 mm lat.; praeterea, praecipue secundum habitum cum L. imibonata 
Hepp 257 congruit. Die in der Hochalpenregion der Pyrenäen, der Schweizer 
und Tiroler Alpen auftretende Gruppe grossfrüchtiger Lecideen mit weissem, 
dickem Thallus verdient eine besondere Monographie, doch ist das in der Gegen- 
wart vorliegende Material hiezu noch nicht genügend. 

d) Lecidea suhtumidiila Nyl., Flora 1885 p. 42, Eue Add. p. 237 Nr. 1476; 
huc pertinent: 1. Lecidea — Arn. Tirol IV p. 646 Nr. 62, XXI p. 136 lin. 2; 
2. Lecidea — Arn. Tirol VI (XVII p. 564 Nr. 8), XXI p. 137: est typica L. suh- 
tumidiila Nyl. 

Diese unscheinbare Art unterscheidet sich durch die breiten, gegliederten 
Paraphysen und die elliptischen, nicht selten fast rundlichen Sporen von den 
übrigen kleinfrüchtigen Lecideen und scheint in der Höhe von 2000 m aufwärts 
in den Alpen nicht gar selten zu sein; am Gatschkopf: thallus macula lapidi 
concolore, pallide lutescente indicatus, apoth. parva, lecideina, epith. ohscure 
Smaragd, viride, hym. sub microscopio incol., jodo caerul., paraph. latiores, 
articulat., clavae supremae viridulae, hyp. viridinigric, parte superioi'e fere 
smaragdulum, ep. hyp. ac. nitr. colorat., sporae incol., ellipsoid., non raro sub- 
glohulosae, 0006 — 7 mm lg., 0004 — 5 mm lat., 8 biseriatae in ascis oblongis; 
spermog. punctif., atra, spermat. recta, 004— 45 mm lg., 0' 001 mm lat. {Lecidea 
subvorticosa Nyl., Arn. Tirol XXI p. 137, Hue Add. Nr. 1169, jam sporis 
maioribus differt.) 

e) Catillaria athallina Hepp, Arn. Jura Nr. 325, Tirol XVI p. 391; hie 
und da: thallus sat tenuis, lapidi concolor luteolus, epith. obscure viride K — , 
paraph. apicem versus articulatae, hym. incol, hyp. rufofusc, K leviter colo- 
ratum, spor. incol., 1 septat., medio leviter constrictae, ohtusae, 0009 — 10 mm 
lg., 005 mm lat. 



104 



F. Arnold. 



f) Bilmhia suUrachona Arn., Flora 1870 p. 122, 230; Tirol XXI p. 139, 
XXIII p. 134: nur vereinzelt beobachtet: thallus tenuissimus, pallide viridulus, 
apoth. parva, nigric, hahitu hiatorino, epith. pallide viride, liym. incol., jodo 
caeriil, paraph. laxae, liyp. sordide ohscure viride, ep. hyp. ac. nitr. colorat., 
sporae incol, rectae, ohtusae, 3 septat., juniores 1 septat., 017 — 21 mm lg., 
003 — 4 mm lat., 8 in ascis late oblongis. 

g) Verrucaria pJiaeosperma Arn. Flora 1874 p. 382, Tirol XXI p. 147: 
nur sparsam angetroffen : thallus tenuissimus, macula indicatus, albescens, apoth. 
sat parva, immersa, sporae simplices, oblong., nigric. fuscae, 0' 021— 22 mm lg., 
0'009 — 10 mm lat., 8 in ascis late oblongis. (Die beiden anderen verwandten 
Verrucariae: interlatens Arn. Tirol XXI p. 147, Jura Nr. 502, und melasperma 
Nyl. haben kleinere Sporen.) 

h) Tichothecium pygmaeum. : auf dem Thallus von Physcia australis und 
Lecidea subumbonata; auf dem Thallus und den Apothecien des Placodium: 
sporae 32 in asco, 056 mm lg., 016 mm lato. 

Der Gipfel des Gatschkopfes bildet einen gegen Nordost senkrecht ab- 
fallenden, im Uebrigen schiefen, nahezu vegetationslosen Kamm und ist mit kleinen 
dunkelbraunen, mergeligen Steinen (manganhaltiger Brauneisenstein, determ. von 
Ammon) bedeckt. Nur hie und da, besonders längs des Absturzes ragt scharf- 
kantiges Gestein hervor. Man sieht auf die dunkle, ober dem Gletscher aufragende 
Wand der Parseierspitze (3034 m) hinüber, welche dem Anscheine nach gleichfalls 
aus Brauneisenstein besteht. Ob und wie weit diese Gesteinsart den Lichenen zu- 
gänglich ist, kann zur Zeit nicht entschieden werden; vielleicht kann sie in dieser 
Beziehung dem Serpentin (Arn. Tirol XXIV p. 258, Stizenberger Flora 1887 
p. 430) gleichgestellt werden. Die wenigen auf mergeligen Kalkrilfen nur spär- 
lich vorkommenden Flechten auf dem Gipfel des Gatschkopfes bestanden aus 
folgenden Arten: 



1 . Callopisma aurantiacum Lghtf. : sin- 

gula apothecia, thallus siibnullus. 

2. Placodium concolor f. elatum Arn. 

3. Rinodina castanomela Nyl., Arn. 

Tirol XXV p. 369. 

4. Biatora rupestris f. incrustans DC. 

5. Lecidea speirea Ach. 
0. Lecidea subumbonata Nyl. 

7. Lecidea atronirea Arn. 

8. Siegertia Weisii Schaei". 

Auf alternder Saxifraga oppositifolia, welche aucli nur vereinzelt vor- 
handen war, Apothecien von (kdlopisma cerinum i. slillicidiorum Horn, und Lcca- 
nora Jlageni Ach. 

a) llinodina castanomela Nyl.: die Kxemi)lar(i stimmen mit dcnjonigen 
vom Kaiserjoche ^überein: planta minus evolula, thallus crassior, diß'ractus, 
pallide ccrvinuH, apoth. atra, cp. ftiHcesc, K —, sporae fusc, 1 septat., obtusae, 



9. Verrucaria rupestris Schrad., Arn,; 
muralis Ach. 

10. Ämphoridium Hochstetteri Fr., pl. 
alpina, Arn. Jura Nr. 503. 

11. Thelidium pyrenophorum Ach. 

12. Phaeospora rimosicola Lghtf. auf 
Siegertia. 

13. Polycoccum thallicolum Arn. 

14. Tichothecium pygmaeum Kb. auf 
Biatora incrustans. 



Lichenologische Aasflüge in Tirol. 



105 



hic inde cuin 2 guttulis subrotundis. 021—24 mm Jg., 012—15 mm lat., 
octonae. 

I h) Lecidea atronivea Arn. Flora 1870 p. 123, Tirol V p. 539, XXI p. 136: 

ziemlich sparsam: thallus crassus, albus, K—, C —, hyph. amyloid., apoth. 
atra, non raro aggregata, intus K —, epitli. latum, laete smaragdulum, ac. nitr. 
colorat., hytn. sub lente leviter smaragdulum, hyp. viridulofuscum, sporae tenues, 
elongato-oblong., non raro cum 2 guttulis, 0'007—9 mm lg., 003 mm lat., 
octonae. 

c) Verrucaria rupestris Schrad., Arn. Jura Nr. 492: sparsam: thallus 
subnullus, apoth. minora, perithec. dimidiat., sporae speciei, 0'024 mm lg., 
0010— 12 mm lat. 

d) Thelidium pyrenophorum koh., Borreri Hepp, Arn. Tirol XXI p. 147: 
pl. normalis, thallo albesc; sporae 1 septat., 024— 27 mm lg., 009— 12 mm 
lat.; adest forma thallo sat teniii, fere maciila lapidi concolore indicato, apo- 
theciis minoribus, emersis, sporis longioribus, nonnihil gracilioribus, 1 septat., 
030—36 mm lg., G09—12 mm lat. (comp. Tirol XXII p. 68 Nr. 12). 

e) Polycoccum thallicolum Arn. (n. spec.}: parasitisch auf einem weissen 
Lecidea-Th?d\\is : apoth. atra, punctif., apice prominentia, perithec. fusc, hym. 
jodo caerul., absque paraphysibus, sporae oblong., obtusae, 1 septat., hic inde 
cum 2 guttulis, 015— 18— 22 mm lg., 008— 10 mm lat., quaternae uniseriatae 
in ascis late cylindricis, 060— 66 mm lg., 015 mm latis. 

XXVII. Galtür. 

Zu den höher gelegenen Ortschaften in Tirol gehört Galtür (1537 m) im 
Paznaunthale. Der Wald wurde dort schon in alter Zeit beseitigt und die von 
kahlen Gehängen eingefasste Thalweitung ist den von Montavon her über den 
niedrigen Bergkamm kommenden rauhen Luftströmen ausgesetzt. Ein kurzer 
Aufenthalt in Galtür (5.— 11. August 1893) genügte zur Feststellung, dass die 
Lichenenflora der Hochalpen ungeachtet der Entwaldung nicht bis zur Thalsohle 
herabgestiegen ist. Wer diese Flora kennen lernen will, möge von der 1882 er- 
bauten, drei Stunden entfernten Jamthalhütte (2206 m) aus die umliegenden 
Berge, denen Gletscher nicht mangeln, und das Fluchthorn (3406 7?i) erklimmen. 
Eine Abbildung der Hütte mit der Aussicht auf den Jamthalgletscher ist in der 
Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1894, 
enthalten. 

Der Saumweg nach Wirl ist bis zu den letzten Häusern von Galtür zum 
Schutze der Wiesen durch niedrige Mauern, Zaunstangen und Bretter abgegrenzt. 

a) Auf Erde dieser Mauern gesellig mit Bryum argenteum, Polytrichum 
juniperinum, piliferum : 

Cladonia pleurota Fl., scyphi hic inde fructiferi. 

C. pyxidata L., sterilis; f. staphylea Ach. intermixta; hic inde scyphi 
margine foliosi {lophura Ach.). 



106 



F. Arnold. 



C. fimhriata L., simplex W. [tuhaeformis Hoff.) et subulata L. {cornuta 
Ach.), podetiis apice obtusis. 

C. cariosa Ach., pl. normalis: cribrosa WdMr., Wainio 2 p. 50: stipites 
albesc, cribrose cariosi. 

Cetraria islandica, Platysma cucullatum. 

h) Am Holze der Pfosten und Bretter: | 

1. TJsnea barbata L. : pulvinuli steriles, compacti (comp. exs. Arn. 1017, 
Arn. Monac. 216). 

2. Cladonia deformis L.; 3. Platysma pinastri; 4. Parmeliopsis ambigua;\ 
5. Imbricaria saxatilis; 6. I. physodes; 7. 1. exasperatula. 

8. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura Nr. 109: apothecia rara et parva; 
9, Lecanora subfusca L. ; 10. Lecanora varia Ehr,; 11. Lecidea parasema Ach. 

Dem Ufer der Trisanna entlang liegen da und dort abgerundete, im Sommer 
fast täglich überfluthete Glimmersteine, welche hauptsächlich von Angiocarpcn 
überzogen sind: 

Sphaeromphale areolata Ach., Arn. Tirol XXV p. 387, mit der Varietät 
clopimoides Anzi. 

Verriicaria latebrosaKh., Arn. Tirol XXV p. 387 (tliallus rimulosiis, non 
gelatinosus, pallesc, apoth. emerg., sporae 0'022—24mm lg., 010—12mm,lat.). 

Verriicaria elaeomelaena Mass., pl. alpina, Tirol XXV p. 387 (sporae 
amplae, 030 mm lg., 015 mm lat.). 

Verriicaria chlorotica Ach., Ai-n. Tirol XXV p. 387 (sporae oblongae, 
018— 21mm lg., 007— 8 mm lat.). 

Eine Strecke weiter flussabwärts reicht ein das Regenwasser aufnehmendes 
Rinnsal bis an das Ufer hinab. Auf dem Sande des dortigen, die Böschung 
bildenden Steingerölles sind Bacomiirium canescens und die beiden Stereocaulon 
alpnnum Lr. und incrustatum Fl. (c. apoth.) verbreitet, Lecidea promiscens Nyl., 
von hier in Arn. exs. 1585 enthalten, fehlt keinem der zahlreichen Glimmerblöcko, 

Hier beginnt auch der Fichtenwald, der sich gegen Valsur und Mathou 
(1451 m) hinabzieht und noch vereinzelte Zirbcn beherbergt. Durch diesen Wald 
führt die vor einigen Jahren an der Stelle des früheren Saumvvoges gebaute 
Stra-sse von Galtür thalabvvärts. 

ü) An der Rinde und den Aesten der dortigen Fichten bemerkte ich nur 
die gewöhnlichsten, keinem Walde mangehuh^n Flechten. Platysma compli- 
caium Lr. ist selten; Coniangium luridum Ach. (cpilh. K rubesc.) am Holze 
dürrer Zweige nicht häufig. 

fij Unter einem grösseren Felsblockc lagen abgefallene, altornch! Fichten- 
zajifcn (vgl. Arn. München 1891 p. 08, Tirol XXV ]). 393), an deren Scbuppcu 
.sich Spuren von Cladonien (silvatica L., fimbriata : lubaeformis cum singulis 
apothecii.s, et f. cornula Ach.j, ferner J'armeliopsis ambigua, Jjccanora, jnni- 
perdaKh.f Coniocybe furfuracea und Coniocybe gracilenla Ad\. angesiedelt lia.it cji, 

c) An lichten Stellen des Waldbodens ist Cetraria islandica mit der Varietät 
crispa Ach. nicht selt,en. Prllidca aphthosa L. kommt mit besonders grossen 
Früchten vor; l'lalysma nirale blos steril; Cladonia: 1. silvatica L.; 2. uncialis \, | 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



107 



3. deformis L.: 4. heUidiflora Ach.; 5. coccifera L. cum i. phyllocoma Floerke; 
6. squamosa Hoff.; 7. crispata Ach.; 8. furcata racemosa Hoff. f. pinnata FL, 
Wainio 1 p. 332, von hier in Rehra Clad. 430 ausgegeben: est normalis 
f. racemosa Hoff, fructifera, podetiis foliolis adspersis; 9. gracilis L., dort die 
häufigste Art, pallide virescens, cortice areolato; scyphi margine fructiferi; 
podetia non raro subulata, hie inde varie curvula et frigore perdita {ahortiva Del.) 
aut foliolis adspersa {aspera FL); 10. degenerans FL; 11. aplotea Ach., sterilis, 
scjphifera. 

d) Links der Strasse liegt eine Gruppe grösserer, bemooster Glimmer- 
blöcke, auf welchen robuste Imhricaria olivetorum Ach., Njl. (lohi margine sore- 
diosi, med. C-j-J, Imhr. saxatilis L. (planta maior, lohis convexis patentibus 
[Tirol XXIII p. 104 Nr. 5]), atque a) f. siilcata Ta}!. et b) f. panniformis Ach. 
gesellig mit Cladonia squamosa verbreitet sind, während Eamalina pollinaria 
Westr. die senkrechte Seite der Blöcke bevorzugt. 

Ferner kommen hier vor: 

1. Xanthoma candelaria f. pygmaea Bory, thallus minute laciniatus, in 
Lepram transiens. 

2. Physcia pusilla Mass. f. ohliterata Somft. suppl. p. 87, Th. Fries Scand. 
p. 171; comp. Arn. exs. 1374 a, b: nicht häufig: thallus aurantiacus, tenuis, 
effusus aut macularis, amhitu non effiguratiis, lohulis sat minutis imperfectis, 
discretis, apothecia concoloria, hahitu biatorino, sporae oblongae, 010 — 12 mm 
lg., 005 mm lat. 

3. Binodina confragosa Ach., B. caesiella Koerb. (thallus granulatus, 
albesc, K flavesc, apoth. dispersa, minora, margine integro, albesc, K flav., 
disco fusconigric, sporae fuscae, non raro cum 2 guttulis subrotundis, 018 mm 
lg., 009—11 mm lat.). 

4. Aspicilia recedens TayL, Nyl. Flora 1879 p. 361, Lamy Cat. p. 85, 
Zw. Heidelb. p. 37, Crombie Brit. 1894 p. 469, exs. Xorrlin 244: sparsam 
an einem Glimmerfelsen: planta cervina, thallus K — , C — , hyph. non amyloid., 
apoth. numerosa, urceolata, disco fusco, epith. fuscesc, K — , sporae oblong., 
0010 — 11 mm lg., 006 — 7 mm lat., octonae, fere uniseriatae in asco. 

5. Urceolaria scruposa L.; 6. Buellia punctiformis f. aequata koh.., stig- 
matea Kb. ; 7. Catocarpus atroalbus Wulf.; 8. Catocarpus polycarpus Hepp; 
9. Microglaena corrosa Kb., Arn. Tirol XXI p. 105. 

Der Wald dehnt sich in östlicher Richtung über die Berghalde aus und 
nimmt in einem kleinen Seitenthale eine bessere Beschaffenheit an. Die Zirben, 
deren nähere Untersuchung mir jedoch nicht möglich war, werden zahlreicher. 
Gyrophora vellea L. und Polyblastia pallescens Anzi, Arn. Tirol XXIII p. 102, 
wurden an einer feuchten Glimmerwand beobachtet. 

Das Jamthal, südlich von Galtür, war einstmals, wie ich nicht zweifle, am 
linken Gehänge bewaldet. Noch heute ragt oben aus den Spalten zerstreuter 
Felsgruppen da und dort eine einsame Zirbe hervor. Der Abhang ist strecken- 
weise mit Bhododendron, Alnus viridis, Juniperus communis bewachsen. 

Z. Ii. Ges. Bd. XLVI. 15 



108 



F. Arnold. 



a) Rhododendron ferrugineum: 

1. Alectoria ochroleuca. 

2. Platysma pinastri. 

3. Plat. saepincola Ehr., c. ap. 

4. Plat. fahlunense L. 

5. Parmeliopsis ambigua W. 

6. P. hyperopta Ach. 

7. Imhricaria saxatilis. 

8. I. encausta Sm. 

9. I. lanata L. 

10. Lecanora subfusca f. chlarona Ach. 

11. ly. polytropa Ehr. 



12. i. symmictera Nyl. f. saepincola 

Ach. 

13. Aspicilia cinereorufescens Ach. 

14. Pertusaria oculata Dicks., Arn. 

Tirol XXI p. 130: habitus con- 
venit, K autem thallus non rubesc. 

15. Biatora Nylanderi Anzi, A rn. Tirol 

XXV p. 398. 

16. Catocarpus polycarpus Hepp. 

17. Bhizocarpon geographicum. 

18. Phizocarpon eupetraeum Njl. 



Bhizocarpon eupetraeum Nyl. Flora 1870 p. 36, Hue Add. p. 217, Wainio 
Adjum. p. 136: selten: var. hujus speciei, forsan autem species propria: thallus 
verruculosus, albesc, C — , K-i-, lutesc, mox rubesc, hyph. non amyloid., apoth. 
parva, epith. olivaceofusc, K — , hyp. fusc, sporae fusc, obtusae, l—Sseptat., 
cum paucis, 2—7 guttulis, 018— 21mm lg., 007— 9 mm lat., octonae. Das 
vorhandene kleine Exemplar gestattet keine genauere Untersuchung. Von Bhizo- 
carpon coniopsoideum Hepp, Arn. Tirol XXIII p. 87, ist die Flechte durch die 
braunen, wenig getheilten Sporen verschieden; die übrigen in Tirol beobachteten 
Arten, Tirol XXI p. 142, zeigen nicht die Reaction K + rubesc. 

b) Alnus viridis: 

Callopisma cerinum Ehr.; Lecanora subfusca; Calicium praecedens Nyl. 

c) Juniperus communis: 

1. Cladonia pyxidata L., scyphi steriles; 2. Platysma pinastri; 3. Imbri- 
caria saxatilis; 4. Biatora Nylanderi Anzi. 

Als ein dem Fortkommen von Erdflochten günstiger Standort kann das 
Jamthal nicht bezeichnet werden. Das steile, kahle und keineswegs leicht zugäng- 
liche rechte Gehänge verspricht dem Sammler keinen Erfolg, an der bezeichneten 
linken Thal.seite aber traf ich weder bei den Alpenrosen, noch weiter oben auf 
bf'grastem oder steinigem, trockenen Boden jene Tirol XIV p. 449, XXII p. 67, 
XXV p. 374, erwähnte Flechtenflora in cutsprechender Vollständigkeit an: 

1. Cladonia crispata Ach. f. dilaccraia Schaer., Wainio 1 p. 388, und 
die übrigen, keiner solchen alj)ineu Halde mangelnden Cladonien. 

2. Sticta linita Ciarov. auf Krdc und besonders über (Jlimmerblöcken im 
Schatten von Alnus viridis; 3. Binodina mniaraea Ad\.; 4. Secoliga carnconivca 
Anzi und 5. Microglacna sphinctrinoidcs Nyl. über veralteten Pflanzenresten. 

An den am TJchänge etwas weiter aufwärts, ungefähr in gleicher ITölie 
mit der Jamthalliütte befindlichen, schon in einiger Entfernung sichtbaren 
('tWuwwcvUXscn mit den einsamen Zirbeu ist di(! alpine Heschan'enheit der Flora 
mit grössf-HT licsl immtheit, als in der Umgebung von (Jalllir ausge|ir;igl . Dai 
die Aiif/äliliing sämmlliclier damals Ixobiieliteler Arten im VVesentlii-licn lediglicli 



Lichenologiscbe Ausflüge in Tirol. 



109 



die Wiederholung früherer Verzeichnisse enthalten würde, so beschränke ich mich 
auf die Anführung einiger Lecideen: 

1. Tsora aeneaJ)wi.; 2. Psora atrohninnea Ti-Am.; 3. Lecidea armeniaca 
DC, Arn. Tirol XXI p. 133, XXIII p. 113. 

4. Lecidea agiaea Somft., Arn. Tirol XXIII p. 84: thallus C K leviter 
flaccsc, apoth. atra, nitida, epith. ohscure viride, ac. nitr. coloratiim, hyp. incol., 
sporae oblong., 015 mm lg., 006 mm lat., spermog. atro, pmictif., spermatia 
recta, 006— 7 mm lg., 001— 15 min lat. 

5. L. lacticolor Arn. Tirol XXI p. 134, XXIII p. 113; 6. L. distans Kplh., 
Arn. Tirol XXI p. 134, XXIII p. 113. 

7. L. obsciirissiina Nyl. : von einem Felsen, an welchem die Flechte be- 
sonders häutig war, in Arn. exs. 1586 aufgenommen. 

8. L. BicJcsonii Ach., nehen Äcarospora sinopica Whg.; 9. L. lactea FL, 
pl. vulgaris und f. sublactea Lamy ohne Uehergang nebeneinander; 10. L. silacea 
Ach,; 11. Sporastatia testudinea Ach.; 12. Sp. cinerea Schaer. 

13. Catocarpus atraius Sm., Arn. Tirol XXI p. 141, XXIII p. 115: neben 
Lecidea ohscurissima, doch weit seltener: planta nigricans, epith. ohscure viride, 
K — , liyp. fiisc, sporae sat ohscurae, nigric. fiisc, Iseptat., 012— 16 mm lg., 
0-008 mm lat. 

Ticliothecium pygmaeiim Kb. auf L^ecanora polytropa Ehr. 

Folycoccum Sporastatiae Anzi: auf beiden Sporastatia-Avi^n'. perithec. 
fusc, sporae fusc, nigric. fusc, elongato-ohlong., Iseptat., 016— 18 mm lg., 
006 mm lat., uni- et hiseriatae in ascis subcylindricis. 

Flechten aus den Familien der Graphideen, Calicieen, Angiocarpen und 
CoUemaceen habe ich damals an jenen Felsen nicht gesehen. Im Felsengeklüfte 
haben sich die Moose Tctraplodon mnioides und angustatus mit vereinzelten 
Raschen erhalten. 

In der Umgebung der Jamthalhütte verlieren die der Lichenenflora so 
nachtheiligen Einwirkungen der Cultur und des Waldabtriebes ihre Geltung. 
Als ich am 8. August 1893 bei der Hütte angekommen war, konnte ich zwar 
einige der dortigen zahlreichen Glimmerfelsen, deren senkrechte Seiten ganz 
besonders ins Auge zu fassen sind, besichtigen: 



1. Gyrophora cinerascens Ach., von hier 

in Arn. exs. 1579 b aufgenommen; 

2. Physcia elegans; 

3. Pleopsidium chlor opli. f. oxytonum 
Ach.; 



4. Lecidea armeniaca DC; 

5. Sporastatia testudinea Ach.; 

6. Catocarpus sphaericus Schaer., Arn. 

Tirol XXV p. 384; 

7. Tichothecium ventosicolum Mudd; 



ein kleines Exemplar der Gyrophora densta L. (Tirol XVII p. 543 Nr. 15) 
auf Bhododendron ferrugineum; 

allein bald zog der nahe Jamthalgletscher die Aufmerksamkeit auf sich und ich 
glaubte mich schon desshalb dahin wenden zu dürfen, weil die Vegetation in 
der unmittelbaren Nähe der Gletscher noch immer nicht genügend ermittelt ist. 

15* 



110 



F. Arnold 



Die frühere, gegen Osten gewendete Gletscherzunge hat eine kahle, vom 
Abflüsse des Gletschers durchzogene Mulde zurückgelassen, welche dort, wo gegen- 
wärtig der Gletscher endigt, vegetationslos ist; auch auf den Steinen des Baches 
w^achsen keine (dem blossen Auge sichtbare) Algen. Erst ungefähr 200 Schritte 
vom Eise entfernt beginnen die vereinzelt und zerstreut stehenden Phanerogamon : 



Banuncuhis glacialis, 
Arabis cdpina, 
Cardamine alpina, 
Cardamine resedifolia, 
Sagina saxatilis, 
Cerastium alpinum, 
Geiim reptans, 
Epilohium alpinum, 
Saxifraga stellaris, 



Saxifraga muscoides, 
Saxifraga hryoides, 
Sedum atratiim, 
Gnaplialium supinum, 
Chrysanthemum alpinum, 
Linaria alpina, 
Oxyria digyna, 
Poa alpina, 
Poa laxa. 



Die ersten Anfänge von sterilem Macomitrium canescens und Bryum 
tauchen auf. Polytrichum piliferiim spärlich fruchtend; Lichenen fehlen. 

Eine Strecke weiter lag am Bachufer ein Glimmerblock, welchem das Datum 
9. September 1891 mit rother Farbe aufgeschrieben war. In der Nähe wuchsen: 



Silene acaulis, 
Saxifraga aizoides, 
Saxifraga oppositifolia, 



Äronicum glaciale, 
Myosotis alpestris, 
Veronica alpina. 



Auf kleinen Steinen im Bache erschien eine bachabwärts häufiger werdende 
grünbraune Alge. 

Die Zahl der Phanerogamon nahm allmälig zu. Die ersten Flochten, 
welche ich bemerkte, waren Stereocaulon alpinum in niedrigen, zerstreuten 
Raschen und ein Exemplar von Amphiloma hypnorum Vahl, Arn. Tirol XXI 
p. 120. Bald darauf Solorina crocea und Pannaria pezizoides Web., beide selten. 
In der Nähe : 



Arabis bellidifolia, 
Lotus corniculatus, 
Alchemilla, 

Epilobium angustifolium, 
Sempervivum montanum, 
Saxifraga aizoon, 
Saxifraga muscoides, 
Jfomogyne alpina, 
I'etasites niveus, 
Artemisia spicata, 
Achillca moscJiala, 
Senecio carniolicus, 

Diese beiden Farron storil, 
noch jung und kaum fusshocli. 



Leontodon hastilis, 
Campanula Scheuchzeri, 
Polygonum viviparum, 
Salix helvetica, 
Salix serpyllifolia, 
Salix reticiilala, 
Alnus viridis, 
Sesleria disticha, 
Luzula spadicea, 
Polystichum, filix was, 
Asplenium filix femina. 



haiidliocli und sislir sparsam; Alnus viridis 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



III 



Ein in die Länge gedehntes, bis 4 m hohes Felsmassiv ragt nunmehr am 
Bache hervor, und hier hatten sich gegen Westen, also in der Richtung gegen 
den eine Viertelstunde entfernten Gletscher, einige Flechten angesiedelt: 

1. Imhricaria saxatüis; 2. physodes: heide selten und steril; 3. Parmelia 
caesia Hotfm., steril und sehr vereinzelt; 4. Gyrophora cylindrica L., steril und 
c. ap., bis 2 cm breit; 5. Physcia elegans: selten und dürftig; 6. Lecanora poly- 
tropa Ehr.; 7. Aspicilia sangiiinea Kplh. (ebenso dürftig wie am Waxegg- 
Gletscher, Tirol XXIV p. 257); 8. Lecidea promiscens Nyl. : etwas häufiger als 
die übrigen Arten; 9. Catocarpus polycarpus Hepp: nur dürftig; 10. Phizo- 
carpon geograpMciim: jugendliche Exemplare mit breiterem Protothallus. 
An Felsen auch Weisia crispula c. fr. 

Zwischen jenem Blocke (9. September 1891) und diesem Felsrücken hatten 
da und dort sterile akrokarpe Laubmoose auf dem steinigen Boden Platz gefunden, 
nach Dr. Holler's Bestimmung: Ceratodon purpureus, Pacomitrium canescens, 
Pacom. fasciculare, Pacom. protensim, Weberei polymorpha, W. albicans f. gla- 
cialis, Bryum cirrheitum, Br. turbinatum, Br. ScJtleicheri, Polytrichum juni- 
perinum. Nur ein weiteres Bryum und Polytrichum piliferum besassen Frucht- 
kapseln. Nirgends an den Steinen im Bache bemerkte ich ein Hypnum. 

Auf dem groben Glimmergerölle, welches sich an dieses Felsmassiv an- 
schliesst, noch folgende Phaneroganien: 

Silene rupestris, 
Silene inflata, 
Epilobiiim Fleischeri, 



Ädenostyles albifrons, 
Senecio carnioUcus, 
Hieracium alpinum, 
Phododendron intermedium, 



Bartsia edpina, 
Empetrum nigrum, 
Salix glauca, 
BeUda pubescens, 
Älniis viridis, 
Pinns larix, 
Juncus Hostii. 



Das Gebiet der ehemaligen Gletscherzunge geht nunmehr zu Ende. Am 
Rande seitwärts werden Stereocaidon alpinum in handbreiten und Pacomitrium 
canescens in noch breiteren Rasen häufiger. 

Es wurden sonach 56 Phanerogamen, zwei Farren, 13 akrokarpe Laub- 
moose, 14 Flechten und kein Lebermoos auf einem Boden angetrofi'en, welcher 
vor nicht allzu langer Zeit noch mit Eis bedeckt war. Wann das Zurückgehen 
des Jamthalgletschers begonnen hat, ist mir nicht bekannt. Beachtenswerth aber 
ist der Umstand, dass die auf begrastem Boden stehenden, 2— 3w hohen Fels- 
blöcke, welche die scharf abgeschnittene, jetzt eisfreie Ostgrenze des früheren 
Gletschers umsäumen, über und über mit Flechten bewachsen sind, unter denen 
Physcia elegans, Haematomma ventosiim, Lecidea armeniaca, Phizocarpon 
geographiciim besonders in die Augen fallen. Diese letztere Flechtenvegetation 
stammt keineswegs aus neuerer Zeit, sondern war, wie meines Erachtens nicht 
zu bezweifeln ist, schon vorhanden, als das Gletschereis nur einige Schritte davon 
entfernt war. 



112 



F. Arnold. 



XXVIII. Wolkenstein. 



Ein achttägiges Verbleiben zu Wolkenstein in Groden (23.-27. August 1893 
und 18. — 20. August 1895) sollte blos dazu dienen, einen allgemeinen Ueberblick 
über die dortige Gegend zu gewinnen. Die ringsum anstehenden Dolomitmassive 
(Mesules 3000 m, Geisslerspitzen 3027 m, Langkofel 3178 m), von welchen das 
erstere, besser von Corvara aus zu besteigende Hochplateau ganz besonders die 
Theilnahme der Lichenologen verdienen wird, sowie jene weiss schimmernden, von 
Wolkenstein noch sichtbaren letzten Höhen des langen Thaies können allerdings 
von mir nicht mehr in Betracht gezogen werden. Die nähere Umgebung von 
Wolkenstein (1563 ?w) aber bringt den Eindruck einer gewissen Ermüdung der 
Vegetation hervor, von welcher hauptsächlich die Steinflechten getroffen sind. 

1. 23. August 1893. Sellajoch, 2218 m; beim Weiler Plan zweigt der 
steinige Karrenweg ab und führt an einem mageren Waldstreifen vorüber zur 
Jochhöhe hinauf. Krummholz, Fichten und Zirben bieten dort keinen Schatten. 
An einem Dolomitblocke Thelidium dominans Arn. Tirol XXI p. 148, XXIII 
p. 138, von hier in Arn. exs. 1593 ausgegeben. 

Dem Wege gegenüber am Fusse der Fünffingerspitze liegt ein ausge- 
trocknetes, völlig kahles, grobes Felsengerölle, welches, zumal von der Jochhöhe 
bis zur Eodella hinüber ausgedehnte Wiesen das Gestein überdecken, als der zu- 
nächst gelegene Flechtenstandort erachtet werden kann. 

Species saxicolae: 

1. Farmelia caesia. 

2. P. öbscura : Uthotea. 

3. Fhyscia elegans, atque var. granu- 

losa Schaer. = compacta Arn. 
Flora 1881 p. 306, Tirol XXII p. 68. 

4. Callopisma auraniiaeiim Lghtf. 

5. Gyalolechia aurella Ilofl'., Arn. 

6. Lecanora dispersa Pers. 

7. Jonaspis inelanocarpa Kplh. 

8. Biatora rupestris Sc. : f. incrustans 

DC. atque f. calva Dicks. 

9. Biatora fuscornhens Nyl. 

10. Lecidca immcrsa Web. 

11. Lecidea enieroleuca Ad\., Nyl.: 

f. alrosanyuinea Ilejjp, 
f. granulosa Arn. 

Species terrestrcs: 

1. ('Uulonia rangifcrina , auf Ijfmooston 

Iilöck<*n Im der NüIk! der Ziiben. 

2. C. silvatica, ebenso. 
8. C. coccifcra: ihallm. 



atque 



12. Siegertia Weisii Schaer. 

13. Endocarpon miniatum L. 

f. comp)licatum Sw. 

14. Lithoicea tristis Kplh. et f. depaxipc- 

rata Mass. 

15. Verrucaria caerulea Ram. 
Amplioridium Hochstetteri Fr., ])1. 

alpina. 

Amplioridium dolomilicum Mass. 
Thelidium decipiens f. scrohicularc 
Garov. 

Collcma mullifidum Sco]). 
20. Jjethagrium polycarpon 
(sporae saepc 1 seplat.). 
Ticho thecium migm acum. 
J*hyscia elegans. 



10. 

17. 
18. 

19. 



21. 



Sri) 



Kb. 



4. C*. pyxidala L. 

5. C. ßmbriata L. f. cornuta Acli., 

])lanta niaora. 
(). Thamnolia vermicularis. 



Licbenologische Ausflüge in Tirol. 



113 



7. Cetraria islandica. 

8. Platysma juniperimim L , terrestre. 

9. Platysma nivale. 

10. Parmelia pulverulenta f. muscigena 

Ach. 

11. Peltigera rufescens Neck. 

12. Pannaria pezizoides Web. 

13. Psoroma gypsaceiim Sm. 

14. Binodina mniaraea Ach. 

15. J^w. mniaraeiza Kjl., Arn. Tirol 

XXIII p. 132: thallus et margo 
apotlieciorum K flavesc, sporae 
021— M mm lg., 012 mm lat. 



16. Thalloidima caeruleo - nigricans 

Lg-htf. : planta alpina, thallus ^ml- 
lide glaucescens, epith. fuligin., 
hyp. fiiscesc, sporae fusiformes, 
1 septatae, 0015—17 mm lg., 
O COSmm lat. 

17. Psora decipiens Ehr. 

18. Biatora Bereyigeriana Mass. 

19. Placidium cartilagineum'Njl.f.dae- 

daleiim Kplh. 

20. Placidium hepaticum Ach, 

21. Catopyrenium cinereum Pers. 



Speeles muscicolae et herbicolae : 

1. Callopisma cerinum f. stillicidiorum. 5. Urceolaria scruposai. bryophila Ehr. 

2. Blastenia Jungermanniae Vahl. 6. Biatora atrofusca Flot. 
8. Blastenia leucoraea Ach. 7. Lecidea Wulfeni Hepp. 

4. Aspicilia verrucosa Ach. 8. Cercidospora verrucosaria Linds. 

Blastenia Jungermanniae Vahl, Th. Fries Scand. p. 179, Arn. Tirol 
XXI p. 123: gut ausgebildet, apotheciis numerosis, sat confertis, auf einem Blocke 
am Saumwege: sporae ohlongae, OVIS — 21mm lg., 007— 8mm lat., octonae. 

Cercidospora verrucosaria Linds., Arn. Jura 1890 p. 48, exs. Eehni 
Ascomyc. — : parasitisch auf dem Thallus von Aspicilia verrucosa hie und da: 
paraph. capillares, spor. incol., suh fusiformes, 1 septat. cum 2—4 guttulis, 
015 — 16 mm lg., 005 mm lat., 8 in ascis cylindricis (von diesem Standorte in 
ßehm Ascomyc. — aufgenommen). 

Auf dem vorstehenden Stengel unterhalb der Blattrosette von Draha 
tomentosa, welche im Sommer noch geblüht hatte, Spuren von Parmelia pulveru- 
lenta f. muscigena Ach., Callopisma pyraceum f. microcarpon knii und Lecanora 
Hageni Ach., apoth. pruinosa, margine albido, subintegro. 

Auf abgedorrten Blattrosetten der Saxifraga squarrosa: Ccdlop. pyrac. 
f. microcarpon Anzi. 

Parmelia ohscura Ehr. f. virella Ach. hatte von einem niedrigen Dolomit- 
felsen, der von Pinns Cemhra überragt war, in ziemlicher Menge Besitz ergriffen; 
die nur sterile Flechte wurde am 19. August 1895 für Arn. exs. 1649 mit- 
genommen. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura Nr. 109 und Pinacisca similis 
Mass. gedeihen in der Nähe an diesem der Trockenheit weniger ausgesetzten 
Dolomitgesteine. 

2. 24. August 1893. Am Wege zu der nördlich von Wolkenstein am Fusse 
der Geisslerspitzen im Tschislesthale erbauten Eegensburger Hütte (2040 m) 
kommt man durch einen lichten Zirbenwald. Hier bemerkte ich nur die gewöhn- 
liehen Waldfiechten. Auch eine Strecke weiter thaleinwärts, dort, wo unterhalb 



114 



F. Arnold. 



der Hütte die auf den Dolomitfelseii gewachsenen Zirben das Gestein mit ihren 
Wurzeln umkhxramern, vermochte ich an Rinde und dürren Aesten lediglich 
Arten, welche keinem Zirhenwalde mangeln, anzutreffen : 



1. Usnea harhata L. cum f. liirta L. 

2. Evernia furfuracea L.: laciniae 

hreviores, crassae, rigidae. 

3. Evernia vnlpina. 

4. Platysma chlorophylliim Humh. 

5. Platysma pinastri. 



7. Imhricaria phy so des Jj. atque f.la- 

brosa Ach., 

8. Ochrolechia pallescens L. f. alho- 

flavescens W., Arn. Tirol XXV 
p. 392. 

9. Lecanora siibfusca f. chlarona Ach. 

0. L. varia Ehr. 

1. L. mughicola Nyl. 



12. Buellia parasema i.sapropliila koh. 



6. Acolium tigillare Ach. : spor. 1 septat. 



6. Imhricaria saxatilis f. furfuracea 
Schaer., unten am Stamme: apo- 
theciis sat magnis. 
An den Balken einer Heuhütte am Rande des Zirhenwaldes 

1. Evernia furfuracea L. 4. Lecanora varia Ehr. 

2. Xanthoria candelaria L., Arn. Jura 5. Biatora turgidula Fr. 

Nr. 109. 

3. Callopisma pyraceum Ach. | 

In diesem Walde stehen bald da, bald dort mehr oder weniger bemooste 
Dolomitfelsen an. Hier auf alternden oder bereits abgedorrten Lebermoosen 
(Metzgeria puhescens): Bilimhia sphaeroides Dicks., Th. Fries Scand. p. 369, 
Arn. Tirol XXI p. 138, und Bactylospora Arnoldi Rehm in Rabenh. Krypt.- 
Flora 1891 p. 382, Bactylospora — , Arn. Jura Nr. 623: vereinzelte Apothecien 
zerstreut auf dem Lebermoose: apoth. minuta, lecidcina, atra, plana, ep. hyp. 
fusc, hym. incolor, paraph. conglutinatae, sporae fuscae, rectae vel levissime 
curvulae, utroque apice ohtusae, 3 septat., non raro cum 4 guttulis, 018—22 mm 
lg., 0'005—6mm lat., Shiseriatae in ascis ohlongis. 

Ferner auf alterndem Hypnum: Bilimhia accedens Arn. Jura Nr. 333, 
Tirol XXI p. 139, nicht häufig: apoth. nigricantia, convexa, epith. ohscure 
riride, acido nitr. coloratum, hyp. fuscesc, sporae 7 — 9 septat., 036—45 mm lg., 
006— 7 mm lat. 

An beschatteten Felsen ist Jone schwefelgelbe Lepra (thallus K-\- sanguin.) 
nicht selten, welche mit dar Lejora chlorina Ach. (thallns K —) i\.nf K\Güc\gef<tG'm 
sicher nicht verwandt, jedoch möglicher Weise als Al)kömmling einer Physcia zu 
betrachten ist. 

Zu einer näheren Untersuchung des Zirltcnwaldos reichte die Zeit nicht 
liin. Eine Strecke weiter senkt der Fussweg sicli gegen den Bach hinab, bei 
wf.'lchem auf einem Dolomitfelseii: 



1 . Physcia clegnns. 

1. I'liyscia cirrhochroa Ach., steril. 

l'yrcnodcsmia variahilis Pers. 
•1, pHoroma crassum Huds. 

Jlinodina Bificliof/ii Ifepii f. ini- 
mcma Kb. 



G. Aspicilia calcarea : concrcla Schaer. 

7. Bialora rupestris Sc. 

8. Sicgcrlia Weisii Scliaer. 

9. Endocarpon miniaium et 1". im- 

hricatum, Mass. 
10. Vcrrucaria caerulea Kam. 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



115 



11. Verrucaria calciseda DC. 13. Lethagrium multipartitiim Sm. 

12. Pohjhlastia discrepansLiihm. f.dila- 14. Endococciis sphinctrinoides Zw. 

tata Arn. 

Endococcus sphinctrinoides Zw. in Flora 1864 p. 88, Heidelbg. p. 80, 
Arn. Flora 1874 p. 140, 1877 p. 301, exs. Zw. 492 (var. immersae Arn. Tirol 
XIII p. 282, XXI p. 158, Flora 1874 p. 174): der auf den Fruchtscheiben der 
Physcia elegans vorkommende Parasit wurde von Herrn Prof. Zopf genauer 
untersucht; die jüngeren Apothecien sind vom Parasiten bedeckt und daher schwarz: 
apothecia atra, glohoso emersa, non raro conglomerata, perithec. fusc, integrum, 
sporae incol., elongato-oUong., ohtusae, Iseptat., hie inde cum 1—3 guttulis, 
018 mm lg., 005— 6 mm lat., octonae in ascis suhcylindricis {Endococcus 
atryneae Arn. Flora 1882 p. 410, Tirol XXIII p. 115, exs. Zw. 674, sporis minori- 
bus diflfert). 

Die Vegetation der inner- und ausserhalb der Alpen den Kalkwänden vor- 
gelagerten Schutthalden ist noch wenig bekannt (vgl. Tirol XI p. 491, XXIII 
p. 134). Ein östlich unterhalb der Eegensburger Hütte am jenseitigen Abhänge 
befindliches Geröllfeld zeichnete sich durch Flechtenarmuth aus. Ungeachtet 
längeren Suchens vermochte ich blos Äspicilia flavida Hepp f. detrita Arn. Tirol 
XXI, p. 128, Lecidea caerulea Kplh., Lithoicea tristis Kplh. und Amphoriditim 
dolomiticum Mass., sämmtlich selten und mager entwickelt, zu erblicken. 

3. Am folgenden Tage, 25. August 1893, ging ich von Wolkenstein durch 
den Fichtenwald hinauf bis an den Fuss des Langkofels, dessen Steilwand hier 
auf 1200 m veranschlagt werden darf. Unterhalb dieser gegen Norden gerichteten 
Wand dehnt sich eine aus Steinen, kleineren und grossen Dolomitblöcken be- 
stehende Schutthalde hin, deren Flechtenflora auf bescheidene Grenzen angewiesen 
ist. Thelidium dominans Arn., von hier in Arn. exs. 1594 aufgenommen, über- 
trifft an Häufigkeit die übrigen, dort vorkommenden Arten, von welchen zu 
nennen sind: 



1. Lecidea caerulea Kplh. 

2. Lecidea lithyrga Fr. 

3. Encephalographa cerebrina Kam. 
Arn. Tirol XXV p. 372, pl. nor- 
malis. thallus albescens. 



4. Amphoridium Hochstetteri Fr. (pl. 

alpina). 

5. Thelidium pyrenophorum Ach. 

6. Thelidium decipiens Hepp f. scrohi- 

culare Garov. 



Dem untersten Theile der Langkofelwancl entlang vermögen ungeachtet 
der kalten Lage noch immer etliche Flechten sich fortzubringen. Der Schnee 
bleibt daselbst lange erhalten und nicht weit von der Stelle, an welcher ich die 
nachstehenden Flechten sah, lag noch eine Eismasse am kahlen Gestein. 

Tirol XVI p. 395 : thallus albesc, 



1. Callopisma aurantiacum Lghtf. 

f. nuhigenum Arn. Tirol XXIII 
p. 129 ; specimina parum evoluta. 

2. Psoroma gypsaceum Sm. 

3. Lecanora dispersa Pers. 

4. Lecania Nylanderiana Mass., Arn. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 



apoth. rufofusca, fere nigric, 
epith. rufescens, K — , hyp. incol, 
sporae 3 septat., 015—16 mm Jg., 
0-003—4mm lat. 
Pinacisca similis Mass. 

16 



116 



F. Arnold. 



6. Jonaspis Prevostii Fr. f. patellula 

Arn. Tirol XXII p. 83. 

7. Biatora rupestris Sc. 

8. Lecidea rhaetica Hepp. 

9. Lecidea enteroleuca Ach., Nyl. 

f. atrosanguinea Hepp. 



10. Endocarpon miniatum f. compU- 
catum Sw. 

11. Microthelia cartilaginosa Arn. Tirol 
XXII p. 83. 

12. Polyhlastia albida Arn , pl. alpina, 
tballo minus evoluto, spor. speciei. 

An der senkrechten Wand bis zur Höhe von etwa 30 m zeigten sich unregel- 
mässige, weissliche, hie und da fast tellerbreite Scheiben, welche durch Psoroma 
gypsaceum Sm. und, wie ein herabgefallener Stein lehrte, hauptsächlich durch 
Psoroma LamarUi DC. (vgl. Tirol XXI p. 123, XXIV p. 263) veranlasst sind. 
Darüber hinauf ist eine weitere Lichenenvegetation nicht mehr erkenntlich, 
sondern es ist das Gestein stellenweise nur noch von der blaugrauen, feucht 
schwärzlichen Alge überzogen, welche innerhalb und ausserhalb der Alpen die 
Kalkwände färbt. Psoroma Lamarkn aber scheint an den senkrechten Wänden 
der Grödener Dolomitberge ziemlich verbreitet zu sein und wurde im August 
1895 von Herrn Prof. Zopf auch im langen Thale nördlich von Wolkenstein mit 
Apothecien beobachtet. 

Jedem Besucher der Kalkalpen sind die kleinen Höhlungen bekannt, welche 
da und dort an einem Gehänge sich aufthun. Ich erinnere an die Höhle ober- 
halb Trinser Markung (Tirol VI, XIV p. 477). Auch am Fusse des Langkofels 
kam ich an zwei solche Gewölbe, deren Gestein zufolge des herabtropfenden 
und sickernden Wassers mit Moospolstern und Rasen ausgekleidet ist. Von allen 
dort bemerkten Arten wurden Proben mitgenommen, deren Bestimmung Herr 
Dr. Holler in Memmingen vornahm. Im Briefe vom 8. November 1895 theilt 
er darüber mit: 

1. (hjmnostomum 7'upestre iichw., in mehreren Formen: so als var. ?-aw?ci- 
sissimiim Br. eur. fruchtend und steril in hellgrünen, bis 7cm holicn Polstern; 
auch niedriger in olivgrünen Rasen. Ausserdem noch als forma hyssacca mit 
stark verlängerten Internodien, durchzogen von dichtem IVo^onema-Geflecht. Die 
sämmtlichen untersuchten Exemplare besitzen den runden Stengelquerschnitt, 
durch den sich auch die sterilen Formen dieser Art von dem oft habituell ganz 
ähnlichen Tfymenostylium curvirostre unterscheiden lassen. 

2. Anoectangium I [ornschucliianum Fck., s])ärlich, steril. 

3. JJistichium capillaceum L., in Fructification mit abgeworfenen Deckeln.. 

4. Bi'yum pscudotrif/ueirum. Hedw., sterile schlaff blätterige Rasen. 

5. Mnium orüiorrhynchiim B. Sch., kümmerlich und steril, die Rasen 
mit liiiiDna hararica und Sauleria aipina durclisetzl . 

<J. Mnium liyin('n<)])hyll<)ides \ \\\\\., in schönen, alter wie iiiinicr slci ilcii Iv.iscn. 
7. J'hilonotis fonUma L,, eine sterile, zienilicli kurzbl;itt(!rige, s(-lil;iiik- 
a.-li^'e Form. 

H. 7'iuiiiiifi hdi firicff Hess., ;ils N(»i I itiriii f'i iicliteiid niid ;iJs v:ir. salis- 
\,ur(f(iinis steril, h-tzlcre in GeseliselKift \ Ilrtu h i/lhcciiint Sl(irl,ii und Urach., 
reflixum. 



Lichenologische Änsflöge in Tirol. 



117 



9. Pseudoleslea atroi irens f. hrachyclados Schw., steril in gelblichgrünen, 
ziemlich derben Ersehen. 

10. Orthothecium ntfescens Dieks., in drei sterilen Formen: einer kleineren, 
wenig ästigen, gedrängt blätterigen, habituell dem 0. chryseitm sich nähernden: 
einer grosseren, lockeren, länger beblätterten, röthlich schimmernden Form; 
endlich noch einer schmächtigen, hellgiünlichgelben Form, deren Blätter fast 
einseitswendig sind und die sich hiedurch der folgenden Art nähert. 

11. Orthothecium intricatum Haitm., steril mit eingemengtem Gijmno- 
stomum rupestre. 

12. Eurhynchinm velutinoides Br., ein steriles. Pylaisia ähnliches Moos, 
ist nach Blattrand und Zellnetz hier unterzubringen. 

13. Eurhynchium Vaucheri Schp. var. julaceum Sch. [E. histrio Molendo, 
BayeiTis Laubmoose Xr. 410), steril in Gesellschaft von Sauteria. 

14. Brachythecium Stariii Brid., einzelne sterile Stämmchen zwischen 
Timmia bavarica und der folgenden Art. 

15. Brachythecium reflexum TT. M.. steril. 

16. Hypmim stelJatum Schreb., steril mit H. subsulcatum Sch. 

17. Hypnum curricaule Jur., in flachen, gelbgrünen, sterilen Basen. 

18. Hypnum filieinmn L.: niedrige, ausnehmend zarte, sterile Rasen. 
Paraphyllien spärlich. Blattbau und Zellnetz dagegen normal. 

19. Hypnum sulcaium Sch. var. subsulcatum Sch., steril in Gesellschaft 
Ton H. stellatum. 

20. Jungermannia acuta X., spärlich und steril zwischen Gymnostomum 
rupestre. 

-Bemerkenswerth ist, dass nur drei von den aufgezählten 20 Arten fruchten 
und die meisten derselben, soweit sie nicht schon von vorneherein anerkannte 
Varietäten darstellen, vermuthlich nach dem Grade von Belichtung und Be- 
feuchtung formenreich sind." 

Der Eückweg wurde, um noch einige Zirben besichtigen zu können, in 
östlicher Eiehtung genommen. Dieselben verdorren langsam auf dem steinigen, 
trockenen Boden, ein Nachwuchs ist nicht zu erblicken. Auf dem Holze eines in 
die Wurzel übergehenden Stammstückes war BueTlia parasema Ach. f. saprophila 
Ach. so zahlreich, dass sie für Arn. exs, 1598 gesammelt werden konnte. Als 
weitere Eepräsentanten der dortigen Zirbenflora können angeführt werden : 

1. Usnea barbata. 5. Biatora turgxdula Fr. 

2. AUctoria jubata. 1 6. Lecidea parasema Ach. 

3. Imbricaria exasjjeratula Syl. 7. Buellia pninctiformis Hoff. 

4. Ochrolechia tartarea : androgyna 8. Xylographa parallela Ach. 

Hoff 

Lecanora subintricata Xyl.. Arn. Tirol XXI p. 127, exs. Anzi 512, Zw. 
1046, 1047: auf dem Holze eines Zirbenstammes: thaUus subnuUus, apoth. fusco- 
nigricantia, juniora fuscesc, epith. fusc, sporae oblong., 012 mm lg., 004 mm 
lat., spermatia recta, 004—5 mm Jg., C0O5 mm Jat. 

16* 



118 



F. Arnold. 



Cladonia cenotea Ach., auf dem morschen Holze eine.s Zirbenstrunkes. 
Auf einem Fichtenstrunke Clad. deformis L. mit Biatora granulosa Ehr. 
Imhricaria exasperatula Nyl. an Larix-Zweigen. 

4. Bei Plan (1613 m) beginnt der Jochsteig auf das Grödener Jöchl 
(2137 7n), zu welchem ich am 27. August 1893 hinaufging. 

An blossgelegten Sandsteinen am Steige östlich ober Plan LitJioicea nigrc- 
scens Pers. und Verrucaria rupestris Schrd., Arn. 

Dem Steig entlang trifft man von Plan herauf ein und das andere Mal 
auf Erde in der Nähe von Dolomitblöcken Peltidea venosa L. und Solorina sac- 
cata i. spongiosa Sm.; Bilimhia sphaeroides Dicks. über alternden Moosen. 

Im mageren Nadelwalde liegt noch da und dort ein morscher Baumstrunk. 
An solchen ianoj-Stumpfen : Cladonia squamosa Hoff., sterile Psora ostreata 
Hoff., Calicium trahmellum Schi., Coniocyhe furfuracea L. 

An faulem Fichtenholze sterile Cladonia hacilliformis Nyl., Arn. Tirol 
XXI p. 114, Wainio Clad. 2 p. 428. 

Von Fichtenzweigen hängt Usnea microcarpa Arn. herab, vorwiegend steril, 
selten cum apoth. 

Weiter oben in der Thalmulde der Ferrara-Alpe gegen die Heuhütten 
wachsen die Zirben abermals auf den grossen Dolomitblöcken des Wiesengrundes; 
hier über der bemoosten Wurzelrinde einer Zirbe steriles Mallotium myoclwoum Ehi-. 

Die senkrechten Seiten jener von Zirben überwachsenen Felsen sind nicht 
reich an Flechten: zu erwähnen sind: 



1. Plaq/ntlmun nigrum, Hnds.: thallus 

snt crassus, sterilis. 

2. Physcia cirrJiochroa Ach. 

3. Physcia ohliterans Nyl. 

4. Psoroma LamarJcii DC. (st(M-il und 

selten). 

5. Pfioroma gypsaceum Sm., c. a]). 
('). Acarospora glaucocarpa Whg. 

7. Thalloidima candidum Web. 

8. Psora Inrida Sw. 



9. Lecidea rhaetica Hepp. 

10. Lecidea caerulea Kplh. 

11. Lecidea litliyrga Fr., Arn. 

12. Siegertia Weisii Schaer. 

13. Kncephalographa cerehrina R;un. 

14 . Endoc. miniatum f. complicatum Sw. 

15. Leihagrium Laureri Flot. 

16. Lethagrium muUipartitum Sm. 

17. Collema muUißdum Sco]). 

18. Jjeptogium dijfracium 



Unter den Specics terrestres et muscicolac dieser 3—6 m holion Doloniit- 



fclsen sind zu nennen: 

1 . Cladonia silvatica L. 

2. C. pyxidata Jj.: siwplcx et syniheia 

Ach. 

3. J'latysma cucullatnrn. 

4. J'armelia pulcerulcnta i. nniscignia 

Ach.: nsf/ue ad IT) cm hün, Uiallns 
sribmolaccuH et alhcHcens. 
T). Pdligern wnlarra Ach. 



6. PeUigcra rufescens Neck. 

7. l^innuria pczizoides Wcl». 

8. Physcia elegans lAi., vom (Jcslcin 

iib(;r Grimmia anodon si(;]) iiiis- 
dehnend. 

9. (Jallopisma ccrinum f. siilUcidiorim 

af(ju(! f. flaimm Anzi fsn]tr;i, I/yp' 
mim rugosum). 



Lichenologischc Ausflüge in Tirol. 



110 



15. Bilimbia sabitletoritm Fl. 

16. Bilimbia obscurata Sraft. 

17. Polyblastia Sendtneri Kplh. 

18. Tlielopsis welathelia Njl. 

19. Leptogiiim simiatum H. f. alpinum 

Kplh., Arn. Tirol XXI p. 150. 
Leptocjium atrocaeruleum f. piilvi- 
natiim HoflF. 



20 



10. Blastenia leucoraea Ach. 

11. Blastenia ietraspora Nyl., Arn. 

Tirol XXI p. 123: sporae latae, 
024— 30 mm lg., 012— 15 mm 
lat., quaternae. 

12. Secoliga foveolaris Ach. 

13. Biatora sanguineoatra Wulf. 

14. Lecidea Widfeni Hepp. 

Einzelne Apothecien von Callopisma cerimim f. stillicidionim Horn, haben 
vom Thallus der Peltigera rufescens Neck. Besitz ergriffen. 

Arthopyrenia glebularum Arn. Jura Nr. 656 bildet kleine schwarze Punkte 
auf den Thallusschollen von Tlialloidima caeruleonigricans. 

Eine kleine Pharcidia lebt parasitisch auf Thallusblättchen der Cladonia 
pyxidata. 

3Iuellerella (PoselUnia) alpestris Zop^ in lit. (n. spec): auf dem Thallus 
der Acarospora glaucocarpa. 

Nicht allzuweit vom Jöchl entfernt gedeiht an einer steinigen Stelle Di- 
melaena nimbosa Fr. f. pJiaeocarpa FL. Arn. Tirol XXIII p. 137 (est planta 
apotheciis nudis, epruinosis). und in der Nähe auf Dolomitgestein Pyrenodesmia 
chalybaea Fr. 

Der oberste Theil des Grödener Jöchls besteht aus TTiesen. 
5. Die Südtiroler Eruptivgesteine treten in der Landschaft um Wolken- 
stein nur wenig zu Tage. Ein kahler Felsrücken östlich vom Langkofel versprach 
keine Ausbeute. Am Wege zur Seisseralpe befindet sich ein Augitporphyrgerölle, 
auf welchem Aspicilia einer eorufescens Ach. f. sanguinea Kplh. verbreitet ist: von 
hier in Arn. exs. 1584 ausgegeben; dort auch Pannaria microphyUa Sw. und 
Blastenia lamproclieila DC. An der Strasse von Wolkenstein nach Plan wächst 
Placodium alpJioplacum Wbg. an dem grossen Augitporphvrblocke. 

Am kahlen Gehänge bei Plan gegen das Sellajoch sind zahlreiche Steine 
und Blöcke dieses Gesteins zerstreut; hier insbesondere: 



1. Placodium alplwplacum Whg., c. ap. 

2. Binodina sopliodes Ach. (pl. saxi- 

cola, alpina). 

3. Lecan. atra H., 4. badia, 5. cenisia 

Ach., 6. sordida, 7. polytropa. 

8. Aspicilia cinerea L. 

9. Pertusaria lactea W. 
10. Lecidea confiiiens Fr., 11. tessellata 

FL, 12. speirea Ach., 13. intume- 
scens Flot. 

a) Binodina sophodes Ach., saxicola, alpina, Nvl. Xov. Caled. p. 44, Arn. 
Tirol XXII p. 68, XXIII p. 97, XXIV p. 263: sparsam: thallus areolato-rimu- 
losus, cinerasc, K — , C — , stratus corticalis K — , apoth. atra, margine integro. 



14. Sporastatia testudinea Ach. 

15. Buellia saxatilis Sch. f. insidaris 

Arn. 

16. Ticliotliecium gemmiferum T., auf 

Aspicilia cinerea. 

17. Tichotheciiim macrosporiim Hepp, 

auf Bhizoc. geogr. 

18. Cercidospora epipolytropa m., auf 

Lecanora polytropa. 



120 



F. Aruold. 



cincrasccnte, cpith. fuscesc, K — , sporne fusc, sporohlastiis suborhicularibus, 
021— 23 mm lg., OVOO—IO mm lat. 

b) Leciäea intumescens Flot., Arn. Tirol XXI p. 137, XXIII p. 92, XXV 
p. 367: auf dem Thallus der Lecanora sordida nicht häufig: thallus proprnis 
fuscesc, ep.fusc, sporae incol, simplices, 012— 15 mm lg., 005 mm lat., 8 in 
ascis late oblongis. Von diesem Standorte bei Plan sind in Arn. exs. 1658 zwei 
auf der genannten Lecanora wachsende Parasiten ausgegeben, von welchen Buellia 
saxatilis f. insiilaris weit häufiger als Lecidea intumescens vertreten ist. 

c) Buellia saxatilis Schaer. f. insularis Arn. (comp. Tirol IV p. 614 Nr. 71, 
XXI p. 141 Nr. 566 var.): supra thallum Lecanorae sordidae maculas parvas 
format, habitu Lecideae intumesc. Flot. similes, sed thallus nullus, apothecia 
lecideina, ep. hijp. fusc, K — , hym. incolor, jodo caerul., sporae fusc, 1 septat., 
medio non constrictae, 015— 16 mm lg., 006 — 7 mm lat., octonae. 

6. Speeles aquatiles habe ich in den Bächen bei Wolkenstein nicht gesehen. 
Der schwarze, gelatinöse Ueberzug auf den Dolomitsteinen im Mühlbache rührt 
von einer Alge her. — An einer Bretterplanke am Wege unterhalb der Kuine 
Wolkenstein kam mir sterile Imbricaria tiliacea Hoff., welche den Alpenwäldern 
zu fehlen scheint, in Gesellschaft der Imbric saxatilis f. sulcata Tayl. zu Gesicht. 

7. Längs der Strasse, eine halbe Stunde unterhalb St. Ulrich in Groden 
(1236 m), lagern Geröllmassen von Quarzpor])hyr, deren Lichenenflora deshalb 
nicht zu unterschätzen ist, weil diese Stelle höher als der Porphyr bei Bozen 
(Tirol VIII) und niedriger als die Porphyrlandschaft des oberen Fleims (Tirol 
XX, XXIII) gelegen ist. Weiter hinab bis zum Brauhause nehmen die Felsblöcke 
an Grösse zu, auch aus dem bewaldeten Berggehänge gegen St. Peter hinauf treten 
solche Blockmassen heraus, ich konnte jedoch im August 1895 nur den erst- 
erwähnten Standort näher besichtigen. An den Blöcken und jenseits des Baches 
an den Porphyrfelsen wurden folgende Flechten bemerkt: 



1. Ilamalina pollinaria Wst. 

2. Cladonia silvatica L. 

3. C. amaurocraea Fl. 

4. C. squamosa Hoff. 

5. C. furcata H. f. racemosa Hoff. 

6. C. degeneransVl. f. jihgllophora Ehi-. 

7. C. pgxidata L. 

8. Imbricaria perlata L. 
0. /. saxatilis L. 

10. /. pcrtusa Schk. 

11. /. caperata L. 

12. /. conspersa Klir. 

13. /. fuliginosa Fr., c. cap. 

14. 7. prolixa Adi., c. 

15. I. Horcdiata Arli. 

l»), J'nnufiia spcciosa WulC. 



Tarmelia caesia Hoff. 
Feltidea aphthosa L, 
Feltigera canina L. 
Stictina fuliginosa Dicks. 
Umbilicaria pustulata L. 
Gyrophora cylindrica L. 
J'annaria cacruleobadia Schi. 
Physcia elegans lik. 
25. Physcia pusilla Mass. f. oblitcrala 
(Snift.) Arn. 
Candelaria vilcllina VAw. 
Callopisma flavovirescens Wulf. 
JHacodium alphoplacam Wbg. 



26. 
27. 
28. 



29. Plac. chrysoU'ucum Sm. 



30. Vlac. murale, Sdil» 
fractum Ach. 



ii(|n(! f. dif- 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



121 



Dinielaena Mougeotioides Nyl. 
Acarospora fuscata Scbd. 
Lecanora atra Huds. atque var. 

mosa Pers. 
L. siibfusca L. f. campestris Sch. 
L. badia Pers. 
L. thiodes Spr. 
L. sordida Pers. 

i. suhradiosa Nyl. (thallns C-r 

ochracj. 
L. dis2)ersa Pers. 

i. polytropa Ehr. atque f. intricata 
Schd. 

Aspiüilia cinerea L. 

^Is/J. calcarea f. Hoffmanni Ach. 

ceracea Arn. 
Urceolaria scriiposa L. 
Pertusaria corallina L. 
Perf. Zaciea Wulf. 
Pe;-f. pseudocorallina Sw. f. Zaet'z- 

(yafa Ach. iWestringii Ach. i. 
Per/. Wulfenii DC, rupjicola Sch. 

f. varioJosa Sch. 



49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 

55. 

56. 

57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 

i 64. 
! 65. 



Biatora Kochiand Hepp. 
Lecidea athroocarpa Ach. 
i. plaiycarpa Ach. 
L. cnistulata Ach. 
P. latypea Ach. 

Hhaphiospora flavovirescens Dicks., 
c. ap. 

Buellia saxatilis Sch. 
DipJotomma porpiiyricum Aru. 

(thallns K nibesc.j. 
Bliizocarpon geograpjli icu m. 
Bhizocarpon ohscuratum Ach. 
Opegrapha gyrocarpa Flot. (steril). 
Opegrapha zonata Kb. (steril). 
Coniocybe furfuracea L. 
Sagedia chlor otica Ach. 
Leptogium atrocaeruleum H. i.pul- 

vinatum HoflF. 
JDactylospora macidans Arn. 
Tichothecium gemmiferum T., auf 

dem Thallus \on Äsjjicilia cinerea 

und Lecidea athroocarpa. 



aj Imbricariu caperata L. : steril häufig an der senkrechten Seite grösserer, 
wandartiger Porphyrfelsen. 

Physcia pusilla Mass. f. obliterata (Smft.) Aru. Jura 1890 p. 25: tha.Uo 
parum evoluto, apotheciis numerosis, aurantiaco flacis, sporae tenues, 012 mm 
lg., 0-004.5 mm lat. 

cj Placodium alphoplacum Whg. in Ach. meth. 1803 p. 41, Th. Fries 
Sc. p. 230, Nyl. Flora 1873 p. 181, Arn. Tirol XXI p. 123. 
ic. Dietrich t. 265, Mass. ric. f. 35, Hepp 021. 

exs. Schleich. II 70 (thallus K rubesc.j, Schaer. 330, Funek 595, 
Hepp 621, Ptabenh. 325, Schweiz. Crypt. 463, Anzi m. r. 162 (non vidi 
GaroY. 33j. 

dj Biatora Kochiana Hepp, forma: thallus cinerasc, minute areolato- 
rimulosus, K — , C — , apoth. emersa, rufofusca, margine integro lutescente, 
epith. fuscesc, paraphysium clava suprema maior, fusc, hyp. incol., sporae 
ovales, non curvulae, 010—12 mm lg., 006 mm lat. 

ej Lecidea athroocarpa Ach., Arn. Tirol XXIII p. 85: von den Blöcken 
dieses Gerölles in Arn exs. 1659 ausgegeben. 

f) Buellia saxatilis Schaer., Arn. Tirol XXI p. 141: thallus effusus, 
tenuiter rimosus stramineo-albesc, K flavesc, C — , hy2jh. non amyloid., apo- 
thecia minora, atra, dispersa, intus K —, ep. hyp. fusc, hym. incolor, jodo 



122 



F. Arnold. 



caerul., sporae fusc, ohtusae, medio non constrictae, 012 mm lg., 005— 6 mm 
lat., octonae. 

g) Sagedia chlor otica kch..: an beschatteten Blöcken: thallus tenuis, viri- 
dulus, perithec. fusc, K — , sporae speciei, 3septat., 015 — 18 mm lg., 003 mm lat. 

h) Dactglospora maciilans Arn. Tirol XXIII p. 126, exs. Arn. 1250: para- 
sitisch auf dem Thallus der Lecanora sordida an der Strasse: apoth. atra, 
plana, maculas minores supra thallum Lee. sord. formantia, ep. hyp. fusc, 
sporae incol., nondum fuscatae, 3 septat., 018 — 19 mm lg., 007 mm lat. 

8. Auf den Steinen im Bache bei St. Ulrich kommen sehr vereinzelt 
Lichenen vor. An einer seichten Stelle fand Herr Prof. Zopf einige mit angio- 
karpen Flechten bewachsene Kalksteine: 

1. Lithoicea nigrescens Pers. : thallus fuscus, areolato-rimulosus, apoth. 
emerg., sporae oblong., 021 — 25 mm lg., 012 mm. lat. 

2. Verrucaria margacea Whg., Arn. Tirol XXV p. 387, forma: thallus 
fuscesc, laevis, gelatinosiis, apoth. emersa, perithec. dimidiat., sporae amplae, 
030— 33 mm lg., 0015— 16 mm lat. 

3. Verrucaria elaeomelaena Mass.: thallus viridis, laevis, gelatinosus, 
sporae amplae, 025 mm lg., 016 mm lat. 

4. Verrucaria rupestris Schrad., Arn., V. muralis Ach. f. confluens Mass., 
A r n. Jura Nr. 492 : thallus sordide albesc, tenuiter rimulosus, sporae 021 mm 
lg., 012— 15 mm lat. 

5. Thelidium acrotellum Arn, Jura Nr. 520: thallus tenuis, sordide albesc. 
vel fuscidulus, apoth. minora, emersa, sporae simplices cum 2 guttulis maioribus, 
atque 1 septat., 015 — 18 mm lg., 007 — 9 mm lat., octonae. 

liinodina Conradi Kb., Arn. Tirol XXIII p. 133, Jura Nr. 1G4, wurde 
über veraltetem Moose auf der Erde einer Feldmauer bei St. Ulrich von Herrn 
Pi-of. Zopf beobachtet: apoth. leviter pruinosa, sporae 1—3 septat., fusc, 

030 mm lg., 015 mm lat. 

Sagiolechia protuberans Ach. auf Kalksteinen im Nadelwalde gegenüber 
St. Ulrich. 

An Larix-\l\\\(i(i in der Umgebung von St. Ulri(;h wurden Evernia tham- 
nodes Flot., Blasictiia caesiorufa Ach. f. coriicicola Anzi, Lecanora conizaea Ach., 
AInothallus Varmeliarum Smft. auf dem Thallus von Vlatysma pinastri gc^nhan. 

An F()hr(;n im W;ildo an der Strasse unterhalb St. Ulrich Bucllia Schaereri 
De Not. 

Auf dem Holze eines Ficlitonstrunkes am Waldsauni gegenüber St. Ulri(^h: 
Calicium minuluin Kb., Arn. Jur;i, Nr. 137, und parielinum Ach. (sj)or. simplices). 

Schliesslich ist nodi liervoi-zuheben, dass auch an den Zwciigen von Aronia 
rolundifolia ('J'irol XX ]>. 302) am Bergabhango gegenüber St. Ulrich einige 
Flochten angetroften wurden: 

1. Ivdnicaria HaxÄililiH L. 5. liinodina pyrina Ach. 

2. /. )>hysodeH L. 0. Lecanora subfusca Ji. 
/. fisjndoia Ach., c. 7. Lc.cidc.a ]>araseina Ach. 

1 l'diiinlia slrlhiris \,. 



Lichenologische Ansflüge in Tirol. 



123 



XXIX. Plansee. 



I. Die Flechtenflora der einzelnen Baumarten in Tirol ist noch immer 
ungenügend bekannt. 

1. Fagus silvatica, Tirol XX p. 392. Buchenwälder sind bis zur Gegen- 
wart in Nordtirol, hauptsächlich im Brandenberger Thale (Kern er, Pflanzen- 
leben der Donauländer, 1863, p. 220) erhalten. Ein grösserer Wald befindet 
sich an der Ostseite des Plansees bei Keutte. Hier ist Laub- und Nadelholz 
gemischt, mittelmässige Bäume, welchen einzelne alte Eiben beigesellt sind. 
Im Jahre 1895 konnte ich einige Augusttage an diesem See zubringen und die 
Waldflechten östlich und nördlich vom See, hier ober dem Stuibenfall und bei 
Ammerwald, betrachten. An den Stämmen jüngerer und älterer Buchen wurden 
folgende Arten angetrofi'en: 



1. Evernia prunastri L. 

2. Evernia furfuracea L. 
Imbricaria perlata L. 
I. 
I. 
I. 
I. 
I. 



20. L. constans Nyl. 

21. i. pallida Schreb. 

22. Thelotrema lepadinum Ach. 
oUvetoruvi Ach. 28. Gyälecta truncigena Ach. 
revoluta Fl. 24. Pertusaria amara Ach. 
saxatüis L. 25. Bilimhiaaccedens Arn., üher Leuco- 
physodes L. ! don sciuroides. 
pertusa Schk. 26. Bacidia albescens Hepp. 

9. I. caperata L. 27. BuelUa parasema Ach. 

0. I. fuliginosa Fr. 28. Opegrapha varia Pers. f. diaphora 

1. Parmelia speciosa Wulf. Ach. 

2. Peltidea aphthosa L. 29. Graphis scripta L. 

3. Peltigera canina L. 30. Normandina pulchella Borr., über 

4. Peltigera scutata Dicks., limbata Frullania. 

Del., Arn. Tirol XXI p. 119. 31. Pyrenula nitidaWeig. 

5. Sticta pulmonaria L. 32. Pyrenula laevigata Pers. 

6. Pannaria caeruleobadia Schi. 33. Arthopyrenia punctiformis Pers. 

7. Pannaria triptophylla Ach. 34. Mallotium myochroum Ehr. 

8. Lecayiora intumescens Bebt. 35. Synechohlastus nigrescens Huds. 

9. L. subfusca L. 36. Leptogium atrocaeruleum Hall. 

a) Imbricaria revoluta Fl. f. latifolia Anzi, Arn. Flora 1882 p. 131; 
lanta cortici adpressa, lobis nec adscendentibus nec margine sorediosis. 

b) Lecanora constans i^yl., Arn. München Nr. 147: nicht häufig: apoth. 
linora, dispersa, epith. fusc, sporae oblongae, 003— 4 mm lg., 002— 25 mm 
lt., numerosae in asco. 

c) Bilimbia accedens Arn. : aj^oth. dispersa, nigric. fusca, epithec. sordide 
iride, acido nitr. roseoviolasc, hyp. fusc, spor. 7 — .9 septat., 045—52 mm lg., 
006— 7 mm lat. 

\ d) Bacidia albescens Hepp: apoth. gregaria, humectata et sicca albesc, 
\itus incol., sporae rectae, 030— 36 mm lg., 0025 mm lat. 

! Z. B. Ges. Bd. XL VI. 17 

I 

I 



124 



F. Arnold. 



e) Biiellia parasema Ach. : sporae 1 septat., fusc, 024—27—30 mm lg., 
009— 12 mm lat. 

Ueber die Flechtenflora der obersten dünnen Zweige der Waldbäume ist 
meines Wissens weder in forstwirthschaftlichen, noch in lichenologischen Werken 
Aufschluss zu finden. Dieselbe ist keineswegs bedeutungslos, da viele Arten erst 
an der Rinde der älter gewordenen Bäume auftreten und in stark beschatteten 
Wäldern nicht wenige Flechten sich erst weiter oben am Stamme oder gar erst 
an den Aesten einfinden. 

Am unteren Theile einer frisch gefällten Buche waren neben Moosen blos 
Gyalecta truncigena, Bacidia albescens, Opegrapha varia, Pyrenula nitida zu 
erblicken, während sich an den obersten, noch nicht fingerdicken Zweigen 15 Arten 
eingestellt hatten: 



L. suhfusca L. 
L. pallida Schreb. 
L. symmictera Nyl. 
Scoliciosporiim corlicohim Anzi. 



1. Evernia furfuracea L. 

2. Imhricaria perlata L. : singuli lobi. 10. 

3. I. saxatiUs L. 11. 

4. I. physodes L. 12. 

5. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici 

cola Anzi. 14. 

6. Blastenia assigena Lahm. 15. 

7. Ochrolechia tinnidula Pers. 

8. Lecanora intiimescens Rebt. 

a) Blastenia assigena Lahm Westf. 1885 p. C6, Arn. München Ni 
ziemlich sparsam : apoth. parva, sordide fuscolutea, epith. K sanguin. 

h) Ochrolechia tumidula Pers.: planta C—, thallus tenuis, alhesc. 

2. Ahornbäume (Acer pseudoplatanus) \md jüngere Weiden beherbergen 
in jenem Walde Arten, welche zur Flora des Laubwaldes gehören. 



13. Buellia ])arasema Ach. 
Graphis scripta L. 
Arthonia populina Mass. f. micro- 
scopica Ehr. 



120: 



1. Evernia pnmastri L. 

2. Bamalina farinacea L. 

3. Imhricaria perlusa Schk., c. ap. 

4. Barmelia speciosa W. 

5. Sticta pulmonaria L. 

G. Nephromium resupinatum L. 

7. Bannaria caerulcohadia Sehl. 

8. Bannaria triplophylla Ach. 

9. Lecanora intumcscens liebt. 

10. Lee. suhfusca f. rugosa Peis. 

11. Lee. pallida Sclncb. 



12. Lee. angulosa Schreb. (discus C 

citrinus). 

13. Bertusaria amara Ach. 

14. Bertusaria glohulifera Turn. 

15. Ijccidea parasema Ach. 

16. Bilimhia trisepta Naeg. 

17. Arthonia asiroidea Ach. 

18. Microlhelia micula Flot, 

19. Mallolium myochroum Ehr. 

20. Syncchohlasins nigrcscens lluds. 

21. Syncchohlastns aggregnius Acli. 



Microlhelia micula Flot., Arn. Jura Nr. 544, Nyl. l'yrenoc. ]). 00, Ilu 
Add. p. 300, Koei'b. jiar. j). J507: selten iin Salix: ihallus suhnullus, a^wlhccia 
dinpcrsa, cmcrsa, perilhec. dirnidiat., ])nra])h. dislincloc capillares, sporae fnscae^ 
J septnt., non raro cum 2—4 gutlulis, OOirj—JSmm lg, OOOG—Hmm lat., Sin 
uHciH subcylindricis. 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



125 



Pannaria rubiginosa Thimb., affinis Dicks., Nyl. Scand. p. 122, Koerb. 
syst. p. 105, wurde von Herrn Lehrer Schnabl au Ahoriirinde am Waldgehänge 
von der baierischen Grenze längs der Strasse gegen den Plansee mit zahlreichen 
Apothecien aufgefunden. 

3. Sorbus Äria ist zwar nicht in mächtigen, üechtenbewachsenen Stämmen, 
wie im Brandenberger Thale (Kerner, Pflanzenleben, p. 221), zu sehen, sondern 
nur in 8 — 9 ctn dicken Bäumen vertreten, deren unterer Theil arm an Flechten 
ist. Ich führe aber die an den obersten dünnen Zweigen eines solchen Bäumchens 
bemerkten Arten an, da die Flechtenvegetation solcher Zweige noch wenig be- 
kannt ist. 



1. üsnea barbata L. (vestigia). 

2. Evernia prunastri L. 

3. Evernia fiirfuracea L. 

4. Imbricaria saxatilis L. 

5. /. pliysoäes L. 

6. I. fuUgmosa Fr. 

7. Parmelia speciosa Wulf. 

8. Parmelia tenella Sc. f. semipinnata 



9. Blastenia caesioriifa Ach. f. cortici- 
cola Anzi. 

10. Blastenia assigena Lahm. 

11. Binodina pyrina Ach. 

12. Lecanora subfusca L. 

13. Lecanora symmictera Nyl. 

14. Buellia parasema Ach. 

15. Artliopyrenia fallax Nyl. 



Hoff. 

4. Sorbus aucuparia ist auch am Plansee arm an Flechten; Pannaria 
triptopliylla Ach. kommt dort nicht selten und besonders an der sich schon ab- 
schälenden Rinde vor. 

5. Berberis ist im Walde östlich vom See als Unterholz eingestreut. Nur 
hie und da sind einzelne Stämmchen mit Flechten bewachsen. 



8. Binodina corticola Arn. 

9. Binodina pyrina Ach. 
10. Ochrolechia Uimidula Per: 



11. 

12. 

13. 



Lecanora symmictera Nyl. 
Pertusaria leioplaca Ach. f. laevi- 

gata Th. Fries Scand. p. 316. 
Pertusaria amara Ach. 



1. Imbric. perlata L. (vestigia loborum). 

2. J. saxatilis L. 

3. L fuliginosa Fr. 

4. Parmelia speciosa W. 

5. Parmelia stellaris L. 

6. Candelaria vitellina f. xantJiostigma 

Pers. (thallus). 

7. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici- 

cola Anzi. 

a) Binodina corticola Arn. Tirol XXIII p. 146: hie und da: apoth. saepe 
convexa, sporae non raro cum duobus sporoblastiis subcordatis, O'OIS — 21 mm 
lg., 009— 10 mm lat. 

b) Binodina pyrina Ach.: sporae cum sporoblastiis suborbicularibus, 
015— 18 mm lg., 007— 8 mm. lat. 

c) Pertusaria leioplaca f. laevigata Th. Fries, Lahm Westf. p. 82 lin. 1: 
ziemlich selten: sporae O'Oio—OOmm lg., 0030— 40mm lat., 4—6 in asco. 

6. An einer jungen Staude von Salix purpiirea am Seeufer hatten sich 
einige Flechten angesiedelt, welche als Beitrag zur Flora der Gesträuche ausser- 
halb des Waldschattens hier erwähnt werden mögen. 

17* 



126 



F. Arnold, 



1. Imhricaria exasperatula Nyl. 

2. Parmelia stellaris L. 

3. Xanthoria parietina L. 

4. Candelaria vitellina f. xantJiostigma 



Pers., 
asco. 

5. Rinodina pyrina Ach. 

6. Lecanora suhfusca L. 



ap. : sporae 24—32 in 



7. Bevor die Frage, ob und welche Unterschiede zwischen der Lichenen- 
flora des Lauh- und Nadelholzes bestehen, beantwortet werden kann, sind die ein- 
zelnen Baumarten in den verschiedenen Gegenden näher ins Auge zu fassen. Am 
Plansee ist ebenfalls die Fichte der vorherrschende Baum geworden. Ich nenne 
hier nur die wichtigeren Arten, welche östlich vom See, ober dem Stuibenfall und 
nördlich bei Ammerwald angetroffen wurden. 

1. Usnea harbata L. 

2. Bamalina thrausta L. 

3. Evernia prunastri L. 



4. Inibricaria saxatilis f. furfuracea 

Schaer., c. ap. 

5. I. pertusa Schk. 

6. I. fuliginosa Fr. 

7. Nephrom, resupinatum L. 

8. Pannaria caeruleobadia Schi. 

9. Ochrolechia tartarea L. f. andro- 

gyna Hoff., Arn., c. ap. 

10. Lecanora conizaea Ach. 

11. Pertusaria amara Ach. 



12. Biatora vernalis L. 

13. Biatora sanguineoatra W. 

14. Biatorina pulverea Borr. 

15. Biatorina atropurpurea Schaer. 

16. Buellia Schaereri De Not. 

17. Lopadium pezizoideum Ach. 

18. Opegrapha varia Pers. 

19. Platygrapha ahietina Ehr. 

2U- Coniangium luridiim Ach.: e^nth. 
K+. 

21. Calicium minutum Koerb. 

22. Cyphelium chrysocephalum Turn. 

23. Nectria lecanodes Oes. 



a) Biatora sanguineoatra Wulf., Arn. Jura Nr. 285: thallus tenuis, viridis, 
apoth. ohscura, rufofusca, epitli. et hyp. fusc, sporae oblong., 012—15 mm lg., 
005 mm lat. 

b) Biatorina pulverea Borr., Arn. Tirol XXI p. 138, München Nr. 245: 
ziemlich selten bei Aramerwald: thallus leprosus, albesc, K pallide lutesc, C —, 
apoth. nigric, suburceolata, epith. obscure sordidecaerul., ac. nitr. colorat., hyp. 
incol., sporae incol, Iseptat., 015— 18 mm lg., 008 mm lat. 

c) Biatorina atropurpurea Schaer., Arn. Jura Nr. 319: nicht häufig: 
thallus minute granulosus, subnulhts, apoth. rufcsc. vel rufa, epith. fuscesc, hyp. 
incol., sporae incol., 1 sepiat., 015, rarius 018 mm lg., 006—7 mm lat., 
octonae. 

d) Nectria lecanodes Ges., Rabenh. Grypt.-Flura Pilze I 2 p. 123, exs. 
Rabenh. mye. eur. cdit. 2 Nr. 525, Fuckol rhen. 2050, Rehm Ascom. 38, Arn. 
1072: apoth. subglobosa, apice impressa, sicca habitu verrucarioidea, carneo- 
rosea, hic inde albidopruinosa, sporae incol., 1 septat., 010 mm lg., 0'004 mm 
lat., 8 in ascis 000— 00 mm lg., 000 mm laiis. 

8. Führe. An älteren Föhren ober dem Stiiibenlall bcmerklc icli: 

1. Artholhelium Flolovianum Koerb. par. p. 201, Arn. München Nr. 31!>. 

2. Calicium minutum Ko(;rl)., Arn. München Nr. 332. 
'l.' ^Cyphelium melanophacu?n Ach.: thallus K rubesc. 



Lichenologische Ansflüge in Tirol. 



127 



14. Lecanora suhfusca L. f. pinastri 

Schaer. 

15. L. constans Kyl. 

16. L. pallida Schreb. 

17. L. conizaea Ach. f. Variola Arn. 

18. L. symmiciera Nyl. atque f. saepin- 



9. Eine Viertelstunde nördlicli vom Plansee an der Strasse gegen Ammer- 
wald steht ein mageres Gehölz von Pinns pumilio (vgl. Arn. München 1892 
p. 62); die dünnen Zvreige sind mit etlichen Flechten bevrachsen: 

1. TJsnea harhata L. (iuitia). 12. Ochrolechia tartarea L. f. andro- 

2. Evernia prunastri L. gy^ici Hoff. 

3. Platysma pinastri Sc. 13. Ochrolechia tumidula Pers. 

4. Parmeliopsis amhigua "W. 

5. Imhricaria saxatiUs L. 

6. I. revoluta Fl. 

7. I. aleurites Ach. 

8. J. physodes L. 

9. J. pertusa Schk. 

10. J fuliginosa Fr. atque f. suhauri- j co?a Ach. 

ffra Nyl. I 19. BuelUa parasema Ach. 

11. Blastenia caesiorufa Ach. f. cortici- . 

cola Anzi. j 

rtj Imhricaria revoluta FL. planta minor, Arn. Flora 1832 p. 131; exs. 
Harmand 284, Arn. Monac. 222. 

h) Ochrolechia tartarea L. siibsp. androgyna Hoff., Arn.: steril, habituell 
der Pertusaria amara ähnlich, thallus tenuior, cinerascens, soredia discoidea, 
albesc; thallus et soredia C-f purp. 

c) Ochrolechia tumidula Pers., spärlich fruchtend, thallus tenuis. C — , 
apothecia C—. 

d) Lecanora constans Nyl., sparsam, habitus Binodinae, epith. fusc, 
K—, sporae oblong., 003^4 mm lg., 002 nun lat., asci polyspori. 

e) Lecanora cojiizaea Ach. f. Variola Arn. Monac. exs. (1895) Nr. 393; 
nicht häufig: a typo differt apotheciis leviter concaviusculis et margine esoredioso: 
sporae ovales, nec elongato-ohlongae 008— 9 mm lg., 004 mm lat. 

f) Lecanora symmictera Nyl.: pl. vulgaris; f. saepincola koh., kvn. (apoth. 
Uvidonigric.) atque f. rufescens Arn. Monac. 394 (apotli. plana, hiatorina, rufe- 
scentia, sporae speciei). 

10. Im Walde östlich vom Plansee stehen einzelne Tannen, deren glatte 
ßinde mit wenigen Flechten bewachsen ist; zu nennen sind: 1. Platysma 
complicatum Laur., 2. Ochrolechia tumidula Pers., 3. Buellia parasema Ach., 
4. Graphis scripta L. f. varia Pers., 5. mit parasitischer Stenocyhe euspora Nyl. 

11. Geringfügig ist auch die Juniperus-Flora. im Walde östlich vom See: 

1. Imhricaria saxatilis L. 4. Lecanora suhfusca L. 

2. Pannaria triptophylla Ach. 5. Pertusaria amara Ach. 
Blastenia caesiorufa Ach. f. coHici- 6. Buellia parasema Ach. 

cola Anzi. 

12. Dagegen ziehen im Walde östlich vom See einige alte Eiben, Taxus 
baccata, mit einem Stammesdurchmesser von 18 — 20 cm die Aufmerksamkeit 
üuf sich. Standorte dieses selten gewordenen Baumes sind in v. Hausmanu 



128 



F. Arnold. 



Flora von Tirol 1851 p. 804 angegeben. Die sich abtrennende Rinde der Stämme 
ist stellenweise von Laubmoosen bedeckt, Flechten treten erst am Holze der 
Aeste auf. 



1. Us7i€a harhata L. f. dasopoga Ach. 

2. Alectoria jubata L. 

3. Cladonia fmhriata L. f. suhiilata L. 

{cornuta Ach.). 

4. Platijsma glauciim L. 

5. Fiat, chlorophylhim Humb. (steril). 

6. Parmeliopsis ambigua Wulf. 

7. Parmeliopsis liyperopta Ach. 

8. Imbricaria perlata L. f. ciliata. 

9. I. revoluta Fl. 

10. I. saxatilis L. atque f. furfuracea 

Schaer. 

11. I. physodes L. 

12. I. pertusa Schk. 

13. I. aleurites Ach. 

14. I. fuliginosa Fr. 

15. Blastenia caesiorufa Ach. f. cor- 



16. OcJirolechia tartarea L. subspec. 

androgyna Hoff., c. ap. 

17. Oc/ir. pallescens L. 

18. Oc/ir. tumidula Pers. 

19. Lecanora subfusca L. 

20. Pertusaria amara Ach. 

21. Pertusaria coccodes Ach. (tJiall. K 

rubesc). 

22. Biatora turgidula Fr. 
28. Lecidea plebeja Nyl. 

24. Bilimbia trisepta Naeg. 

25. Buellia insignis Naeg. 

26. Calicium curtum T. B. 

27. Calicium pusillum Fl. 

28. Gyplielium brunneolum Ach. 

29. Gyplielium disseminatum Fr. f. afo- 

marium Fr. 



ticicola Anzi. 

OcJirolechia pallescens L., comp. Arn. Flora 1882 Nr. 9, sparsam: 
tliallus crassus, C — , apothecii discus C rubesc. 

b) Ochrolechia tumidula Pers., am Holze dürrer Zweige: io/a pkiifa 
C— , thallus sat tenuis. 

c) Lecidea plebeja Nyl. Flora 1865 p. 148, X. cnalliza Nyl., Arn. Jura 
Nr. 307, comp. Wainio Adjum. p. 102: selten auf dem Holze dicker Aeste: 
ihallus non visibilis, apoth. parva, atra, dispersa, intus K—, epitli. et hyp. 
fusc, sporae incol., simplices, 008—9 mm lg., 003 mm lat., 8 in ascis 030 mm 
hj., 015 mm lat. 

d) Bilimbia trisepta Naeg., Arn. Jura Nr. 336: an dünnen, abgedorrten 
Zweigen : ihallus minute granulosus, apoth. obscure livida, epith. sordide viride, 
K—, ac. nitr. paullo colorat., hyp. incolor. sporae 3scpt., 0018— 10mm lg., 
003—4 mm lat., octonae. 

e) Buellia insignis Naeg., Arn. Tirol XXV p. 393; pl. lignicola Tirol 
XV p. 379: selten auf dem Holze dickerer Aeste: thallus parum evolutus, cpith. 
tenue, fusc, hyp. fuscesc, sporae laiiores, fusc, Iseptat, hic inde curvulae, 
OO'.iOmm l() , Oolemm lat., octonae. 

f) Calicium curtum T. 13.: auf dem Holze dicker uinl dünnerer Acsto: 
Ihallus subnulluH, apoth. breviter stipitata, atra, marginc capituli albido annu- 
lata, sporae fusc, 1 sept., obtusae, 010— 12 mm lg., O OOO—? mm lat. 

()) (Jalicium pusillum Fl.: athallinum, apoihec. sat gracilia, dispersa, 
airn, sporae fuscesc, 1 sept., 00!) mm lg., OVO.: mm lat.; spcrmog. atra, spcrmat 
ohlonga, 0003 mm lg., <J02 mm lat. 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



129 



h) Cyphelium hrunneolum Ach.: stipites apicem versus hic inde semel vel 
bis divisi, nigri, massa sporaUs subglohosa, fuscesc, sporae simpUc, sphaericae, 
liitesc, 004 mm lat. 

i) Cyphelium disseminatum Fr. f. atomarium Fr., Arn. München Nr. 343: 
athallinum, apoth. sat minuta, planiuscula, hrevissime stipitata et suhsessilia, 
sporae luteolae, elongato-ohlong., simplices cum 3—4 guttulis, 012 mm lg., 
003 min lat. 

Für Arn. lieh. exs. wurden in der Zeit vom 8. bis 10. August 1895 drei 
Eindenflechten und ein parasitischer Pilz gesammelt : 

Arn. exs. 765 c: Lopadium pesizoideum Ach., an Fichten an der Wald- 
strasse von Plansee nach Ammerwald. 

Arn. exs. 1663: Coniangium luridum Ach., an einer Fichte am nämlichen 
Standorte. 

Arn. exs. 1668: Synechoblastus nigrescens Huds., an Ahorn, Weiden und 
Buchen östlich vom See. 

Arn. exs. 1672: Nectria lecanodes Ges., parasitisch auf Nephromium 
resupinatum an Fichten im Walde östlich vom See. 

II. Die Landschaft am Plansee ist zum Sammeln von Steinflechten nicht 
geeignet. Auf den Steinen dem Seeufer entlang bemerkte ich keine Flechten. 
Die Felsen des Stuibenfalles sind unzugänglich. Kurz vor dem Falle liegen im 
Wasser am Bachufer kleinere, beim Anschwellen des Baches untergetauchte Kalk- 
blöcke, auf welchen ich einige Arten antraf : 

1. Jonaspis epulotica Ach., Arn. Jura Nr. 212, 2. Biatora riipestris Scoi). 

3. Verrucaria elaeomelaena Mn^is., Arn. Tirol XXI p. 146: forma: planta 
atra, thallus humect. gelatinosus, apoth. emersa, perith. dimidiat., sporae oblong., 
021— 24 mm lg., 009—10 lat. 

4. Thelidium decipiens Hepp: sporae Iseptat., 030 mm lg., 015 mm lat. 

5. TJielidium rivale Arn. Tirol XXI p. 148: forma: thallus nigricans, 
effusus, tenuiter rimulosus, apoth. maiora emersa, perith. integr., sporae incol., 
3 septat., latae, 043— 45 mm. lg., 0'015 — 18 mm lat. 

An einer felsigen Stelle oberhalb der Strasse vom Plansee nach Ammer- 
wald haben sich auf dem hinweggesprengten Gestein 1. Opegrapha saxicola Ach., 
sehr dürftig entwickelt, und 2. Thelidium dominans Arn. f. obtectum Arn. Tirol 
IV p. 651, XXI p. 148 eingestellt: thallus macula albescente indicatus, apoth. 
immersa, solo apice prominentia vel omnino obtecta, perith. integrum, sporae 
incol., 3 septat., septis hic inde semel divisis, 045— 48 mm lg., 015— 18 mm 
lat. Die Pflauze ist von hier in Arn. exs. 1665 aufgenommen. 

Auf kurz begrastem Boden in kleinen Waldlichtungen östlich vom See 
kommt sterile Cladonia acuminata subspec. foliata Arn. Tirol XXIII p. 107 in 
Begleitung von C. silvatica L., C. fimbriata f. prolifera Hoff., C. pyxidata L., 
C. cariosa Ach. und den veraltete Moose incrustirenden Blastenia leucoraea Ach., 
Biatora atrofusca Flot. vor. 



130 



F. Arnold. 



Nachträge. 
VI. Waldrast. 

In der Exsiccaten-Sammlung von A. v. Kern er, Flora Austro-Hungarica, 
sind einige Flechten aus dem Gschnitzthale enthalten: 

Umhilicaria pustulata L., Kern er Austro-Hung. 749, steril an Felsen 
bei Trins. 

Gyroplwra vellea L., pl. junior, Kerner Austro-Hung. 750, steril im 
Gschnitzthale. 

Leptogiuni sinuatum H. f. scotinum Ach., Arn. Jura Nr. 588, Kerner 
Austro-Hung. 753, steril bei Trins. 

IX. ßoTeredo und Riya. 

Am 29. August 1893 machte ich bei Morl und am folgenden Tage bei 
Nago den Versuch, die kleinen Angiocarpen der dortigen Kalkblöcke 7a\ ermitteln. 
Das Ergebniss entsprach aber nicht den Erwartungen, da der graue Kalk nur 
zu viele völlig flechtenleere Stellen zeigte. Für Arn. Lieh. exs. wurden östlich 
vom Bahnhofe bei Morl Einodina crustulata Mass, (Arn. exs. 1581) und Ferm- 
caria marmorea Scop. (Arn. exs. 1592) gesammelt. Ferner wurden (vgl. Tirol 
IX p. 304) bemerkt : 

1. Pliyscia medians Nyl. 5. Placidium monstrosum Ach. 

2. Psoroma crassiim Huds. 6. Placidium compactum Mass., Arn. 

3. Placodium radiosum Hoff, (thallus Jura Nr. 464. 

K rubesc). 7. Lithoicea fusceUa Turn. 

4. Rinodina ocellata Hoff., Arn. Jura 

Nr. 159. 

Phaeospora propria Arn. (nov. spec): thallus non visihilis, apotheci 
punctiformia, atra, dispersa, perithec. integrum, fusc, hym. dbsque paraphysi 
bus, sporae incol., fuscidulae, 3 septat., juniores 1 septat., lateribus non co 
strictae, 015 — 16 mm lg., 006 mm lat., octonae. Diese Phaeospora ist nich 
parasitisch, sondern wächst nach Art der kleinen Kalk -Angiocarpen, von welche 
sie nur durch das Mikroskop zu unterscheiden ist. 

Die Felsen bei Nago besitzen im Wesentlichen die nämliche Flora wie be 
Morl. Von Erdflechten sind zu nennen: 1. Cladonia cndivifolia Dicks., steril (be 
Mori und von dort in Kchm Clad. 434 aufgenommen); 2. Cladonia alcicorn' 
Lghtf., steril bei Nago; Psoroma fulgens Sw. ; 4. Urceolaria scruposa f. bryo 
phila Ehr.; G. Psora decipicns Ehr.; 7. Thalloidima caeruleonigricans. 

XIII. Krenncr. 

I. Am September 1894 unternahm ich von (Jries aus einen Spaziergan 
zu den (Jbernlx.Tgcr Seen (Tirol Xlil [). um (mik; klein(), früher dasolbs 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



131 



angetroffene Flechte aufzufinden, was jedoch nicht gehxng. Im gelichteten Fichten- 
walde beim vorderen See bemerkte ich dafür auf den bemoosten Blöcken aus 
krjstallinischem Kalk einige beim ersten Besuche übersehene Lichenen: 

1. Parmelia obscura Ehr. f. vii'ella Ach., an einem von Fichten überschatteten 
Kalkfelsen : tJialli medulla alba, lohi suhtus et margine breviter albociliati. 

2. Callopisma flavovirescens Wulf., 3. Acarospora glaucocarpa Wbg. 
f. percaenoides Nyl., 4. Diplotomma epipolium Ach., 5. Collema multifidum Scop. 

Auf Erde: sterile Clad. ci'isp ata Ach. f. dilacerata Schaer., Wainio Mon.Clad. 
1 p. 388, und Clad. degenerans f. aplotea Ach., comp. Eehm Clad. 264: mager 
entwickelt, scyphi clausi; diese Form ist von hier in E.ehm Clad. 439 aufgenommen. 

Als Species muscicolae können noch weiter angeführt werden: 1. Binodina 
mniaraea Ach., 2. BiUmbia spJiaeroides Dicks., 3. Bilimbia sabuletorum FL, 
4. Physma polyanthes Bhd. 

II. Im Lärchenwalde, welcher am Eingange in das Vennathal ober dem 
Bahndamm steht, hatte ich Tags vorher Lecidea parasema Ach.: olivacea^Hof^., 
Arn. Jura Nr. 303, bemerkt; sie ist von diesem Standorte in Arn. exs. 1625 ent- 
halten. Mit ihr gesellig vegetirt Lecanora pallida Schreb. Auf alter Holzkohle 
am Saumwege Tetraplodon angustatus (vgl. Tirol XXV p. 368). 

III. Psora (Schaereria) cinereorufa Schaer. spie. 1828 p. 122, Th. Fries 
Sc. p. 419, Koerb. syst. p. 232 {Lee. lugubris Smft. suppl. 1826 p. 143, lege 
Nyl. Sc. p. 293, Th. Fries Sc. p. 420). 

ic. Liudsay in Journ. of Micr. 5 tab. 11, Koerb. syst. t. 1 fig. 3, Mudd 
ßg. 78, Hepp 737 fig. 2. 

exs. Fries 351, Th. Fries 19, Stenh. 175, Mudd 183, Crombie 91, 
NTorrlin 191. 

Diese Art wurde von Herrn Lederer vereinzelt an einem Glimmerfelsen 
im Vennathale im August 1894 aufgefunden: thallus K — , C — , hyph. non 
imyloid., epith. caenil., ac. nitr. roseoviolac. paraph. discretae, Jiyp. fiiscesc, 
iporae sphaericae, limbatae, 008—9 mm lat. 

XIY. Finsterthal. 

1. Cladonia sublacunosa Wainio, Arn. Tirol XXIV p. 261: diese Art ist 
lunmehr in Arn. exs. 1640 abgebildet. 

2. Cladonia degenerans Fl. f. glacialis Eehm, Arn. Tirol XXI p. 115, 
iimfasst zwei im nämlichen Easen gesellig wachsende Formen, die gewöhnliche, 
.n Becher ausgehende, meist schuppenlose aplotea Ach. und die sterile f. dilace- 
-ata Schaer., Wainio Mon. Clad. 2 p. 141. Diese letztere Flechte, Eehm Clad. 
IIS. 67, ist in Arn. exs. 1641 dext. abgebildet. 

XVII. Mittelberg. 

1. Eine Abbildung der bei Mittelberg gesammelten Cladonia degenerans 
glacialis Eehm ist in Arn. exs. 1641 sin. enthalten. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 18 



132 



F. Arnold. 



2. Polyblastia (Coccospora) Lopadii Arn. nominetur Polybl. Tirol XVII 
p. 547 Nr. 9, XXI p. 152 Nr. 844. 

XX., XXIII. Predazzo und Panereggio. 

Stereo caulon coralloicles Fr., Kern er Austro-Hung. 1538 I, auf Syenit 
bei Predazzo (Tirol XXIII p. 82). 

Dimelaena Mougeotioides Nyl., Kerner Austro-Hung. 2347 II, auf Uralit- 
porphyr bei Predazzo. 

Megalospora dlpina Fr., Kerner Austro-Hung. 2353, an alten Fichten 
gegen EoUe. 

Lecidea lactea Fl. f. sublactea Lamy, Kern er Austro-Hung. 1550, auf 
Syenit bei Predazzo (Tirol XXIII p. 186). 

Lecidea lithopliila Ach. f. umhrosa Flot., Kern er Austro-Hung. 1551, auf 
Porphyr bei Paneveggio (Tirol XXI p. 103). 

XXI. i| 

I. Weitere Beiträge zur Lichenenflora von Tirol sind in der Zeitschrift des 
Ferdinandeums 1893 enthalten: Lichenen von Brixen und Umgebung, gesammelt 
von L. Graf Sarnthein, untersucht von Prof. Kernstock. 

II. Kerner Austro-Hung. 1538 II: Stereocaulon coralloides Fr., im Volder- 
thale bei Innsbruck, leg. Leithe. 

Kerner Austro-Hung. 1142: Cornicularia tristis Web., auf dem Glungezer 
bei Innsbruck, leg. Leithe (Tirol XXIII p. 110). 

Kerner Austro-Hung. 1543: Platysma fahlunense L., im Volderthale bei 
Innsbruck, leg. Leithe. 

III. Cladonia suhcariosa Nyl. Flora 1876 p. 560, Arn. Jura Nr. 684, 
Wainio Cl;id. 2 p. 38: steril auf steinigem, bemoo.stem Boden bei Ehrenburg 
von Prof. Kernstock beobachtet: thallus K ruhescens. 

Jiinodma ramuUcola Kernst, in lit. ad Arn. 18. September 1895, cxs. Arn. 
1651: an dünnen Zweigen einer abgedorrten Popnlus tremula bei Khronburg 
unweit Bruneck von Prof. Kern stock aufgefunden und für Arn. exs. 1654 gc- 
.sammelt: ab affin ibus differt thallo et apoth. margine K — , mox ruhesc. Die 
Flechte hält habituell die Mitte zwischen lUnodina exigua Ach. und P. sophodc^ 
Ach,; der glatte Rand der Apothecien ist in der Regel weiss, hie und da blassgrau, 
die braunen, zweizeiligen Sporen sind 0018— 21 mm lg., 007— lOmwi lat., 
octonae, s})oroblastiis non raro subcordafis. 

Phizocarpon Ocderi We]>. fconij). Arn. Tii-ol XXV ]>. ^O;»): ;m Tliou- 
glimmerschiefer bei Khronburg von I'iof. Kernstoc^k gcsaiinmlt und in Arn. 
eis. 16<;2 niedergelegt. 



Lii benologische Ausflüge in Tirol. 



133 



XXII. Suldeii. 

I. lu der Umgebung von Meran sammelte Eggerth (Tirol XXIV p. 266) 
einige Flechten für die Exsiccata: Kern er Austro-Hung. (Arn. Jura in Flora 
1885 p. 243 Nr. 47). 

Callopisma rubellianum Ach., Kerner Austro-Hung. 2346. 
Aspicilia cinerea L., Kern er Austro-Hung. 2348. 
Tomasellia arthonioides Mass., Kerner Austro-Hung. 2357. 
Collema pulposum Bhd., Kerner Austro-Hung. 2361. 
Collema micropliijlluin Ach., Kerner Austro-Hung. 2360. 

II. Bei Schlanders (Tirol XXII p. 61) wurden von den Herren Eggerth 
und Steiner für die nämliche Sammlung, sowie für die Krjptogamae exsiccatae 
musei Vindob. 1894 gesammelt: 

Dimelaena Moucjeotioides Njl., Kerner Austro-Hung. 2347 I, leg.Eggerth. 
Lecania Koerberiana Lahm, Krypt. exs. 52, leg. Steiner (Arn. Tirol 
XXV p. 407). 

Microthelia anthracina Anzi, Krjpt. exs. 66, leg. Steiner. 

III. Bmodina canella Arn. Lieh. exs. 1894 p. 30 ist die Tirol XXII p. 63, 

XXIV p. 266 erwähnte Minodina, von Eggerth bei Schlanders gesammelt und 
in Arn. 1161 ausgegeben. 

XXY. Der Irlberg. 

Aufenthalt in St. Anton am Aiiberg: 15.— 20. August 1893, 12.— 30. August 
1894 und 3.-7. September 1895. 

I. Zunächst sind einige Flechten zu nennen, welche für meine Eichenes 
exsiccati in der Umgebung von St. Anton gesammelt wurden: 

Arn. exs. 1483b: Stereocaulon coralloides Fr.: an Glimmerblöcken im 
lichten Fichtenwalde des Verwallthales. 

Arn. exs. 1575: Stereocaulon alpinum Lr. f. hotryosum Laur., Arn. Tirol 

XXV p. 380; an der hier bezeichneten Felswand des Eendelthales und weiter 
aufwärts an den nasskalten Felsen, welche sich links thaleinwärts gegen die 
Scharte zu hinaufziehen; hie und da c. ap.: sporae 3—5 septat., uno apice cuspi- 
datae, 027— 30 mm lg., 003 mm lat. 

Arn. exs. 1576: Stereocaulon denudatum Fl.: häufig an der Nordseite 
eines grossen Glimmerfelsens im Fichtengehölze des Verwallthales zwischen der 
Kapelle und dem Wasserfalle. 

Arn. exs. 1146 b: Spthaeropjhorus coralloides Pers.: steril an dem Tirol 
XXV p. 378 bezeichneten Felsen im Verwallthale. 

Arn. exs. 1610: Imhricaria ptrolixa Ach. f. pannariiformis Nyl., Arn. 
Tirol XXIII p. 83, exs. Norrlin Fenn. 207 a, b. (Die Flechte, welche einer 
Glimmerwand im Verwallthale entnommen wurde, kommt gesellig mit Imhricaria 
sorediata Ach. vor.) 

18* 



134 



F. Arnold. 



Arn. exs. 1579b: Gyrophora einer ascens Ach.: von dem Tirol XXV p. 38' i 
angegebenen Standorte im Rendelthale, 

Arn. exs. 1583: Mosigia gibbosa Ach.: im Verwallthale am Wege bald 
nach der Kapelle an der Glimmerwand, in welche die Jahreszahl 1609 eiuge- 
meisselt ist. (Nach den in St. Anton eingezogenen Erkundigungen gilt diese Zahl 
für echt.) 

Arn. exs. 1588: Catolechia pulchella Schrad.: an der Felswand im Rendel- 
thale (Tirol XXV p. 380, letzte Zeile) in handbreiten Exemplaren und weiter auf- 
wärts an den vorhin erwähnten nasskalten Felsen, an welchen Lecidea armeniaca 
f. lutescens Anzi häufig ist. 

Arn. exs. 1620: Biatora Kochiana Hepp: an der Felswand ober den 
Albonseen unterhalb der Nordseite des Wirth. 

Arn. exs. 1657: Lecidea distans Kplh. : an der senkrechten Seite eines 
etwas über 2 m hohen Glimraerfelsens am Gehäuge bei der Knappenhütte ober 
den Albonseen. 

Arn. exs. 1624 a: Lecidea incongrua Nyl., Arn. Tirol XXV p. 380: an 
der Felswand ober den Albonseen. 

Arn. exs. 1631: Cyplielium trichiale Ach. f. candelare (Schaer. En. p. 172), 
Kplh. Lieh. Bay. p. 269, Arn. Jura Nr. 445: an dürren Zweigen einer Fichte im 
FelsengeröUe des Verwallthales. Die Aeste sind von der Jjcpra gelb überzogen 
und zerstreut stehende Apothecien mangeln nicht; ob jedoch beide zusammen- 
gehören, bleibt vorläufig dahingestellt. 

Arn. exs. 1632: Endocarpon rivulonm Arn. Tirol XIII p. 249: auf 
Glimmersteinen im Quellbache seitwärts der Felswand im Rendelthale (Tirol 
XXV p. 388), an jener Stelle alle Steine überdeckend. 

Arn. exs. 1591: Sphaeromphale areolata Ach., Arn. Tirol XXV p. 387: 
auf Blöcken und grösseren Glimmersteinen im Bache ober den Albonseen. 

Arn. exs. 1624 b: Polycoccum Sporastatiae Anzi f. incongruae Arn. (1894) 
fragm. 34 p. 10: parasitisch auf dem Thallus der Lecidea incongrua ober den 
Albonseen: apothecia punciiformia, sat dispersa, atra, periihec. suh microscopio 
fuscum, K — , hym. absque paraph., sporae fusc, nigric. fusc, elongaio-ohlong. 
et obtusae, hic inde cum guttula, 1 septat., 015 — 17 mm lg., 006 — 7 mm lat., 
8 b 'iserialae in ascis oblongis, 045 mm lg., 018 mm lat. 

Die Tirol XXV p. 388 erwälmle Lecanora acceptanda Nyl. ist in sliM'ilon 
Exemplaren in Zw. oxs. 1174 enthalten. 

II. Die obersten Höhen der Arlberggrui)pc sind mir nicht melir zugäng- 
lich, liieher gehören auch die Berge nördlich von St. Anton, von welchen die 
auf der geoguo.stischen Karle von Tirol (1849) als Valfigarer Spitze eingetragene, 
vom Eingänge iu das Verwallthal aus gerade noch sichtbare Bergs])itze besonders 
deshalb einer genaueren Priifnng wert Ii sein dürfte, weil dieser Kalkberg mit 
schwarzem Brauneisenstein endigt. Ivs wird liiedurch der Eindruck liervoigerufen, 
als <»h der Schatten einer Wolke über dem Gii)fel lagere;. 

Zur Ergänzung der Flora d(;s Arlberges inligen einige Sl.andortsnngaben 
hier Platz finden: 



Licbenologisuhe Ausflüge in Tirol. 



135 



Ä. Parmelia endococcina Koerb. par. 1859 p. 36 wurde von mir aiii 
6. xiugust 1894 auf Steinen des Tirol XXV p. 366 erwähnten Gerölles bei Pettneu 
gefunden; sie ist von dort in Arn. exs. 1612 aufgenommen und in jenem Be- 
reiche des alpinen Buntsandsteines bis St. Jacob verbreitet, wo sie bald darauf 
auch von Prof. Dr. Zopf beobachtet wurde. 

Die verwandten Arten und Formen sind : 

a) MeduUa coccinea: 

1. P. endococcina Koerb., Müller Flora 1874 p. 331, Nyl. Flora 1877 
p. 354; Hue Add. p. 54, Lamy Lieh. Caut. p. 30, 

a. exs. Arn. 533, Lojka univ. 68, Lojka hung. 19. 

ß. exs. Arn. 1612; sit f. siihnigricans Müll, in Flora 1874 p. 331. 

f. sanguinolenta Müll, in Flora 1874 p. 331. 

exs. Anzi 55 dext. 

f. venusta Bagl. Comm. it. 1 1863 p. 299, 2 p. 253. 
f. suhnigricans Müll, in Flora 1874 p. 331. 

b) Medulla ochraceo-fulvesc. vel ochraceo-cinnabarina: 

2. P. endochroidea Nyl. Flora 1875 p. 442, Hue Add. p. 54, Lamy Lieh. 
Caut. 1884 p. 29. 

c) Medulla flava vel citrina: 

3. P. enteroxantha Nyl. Flora 1873 p. 196, 1875 p. 442, Pyren. Or. p. 50, 
Hue Add. p. 55. 

4. P. endo ehr ijsoides Nyl. Flora 1875 p. 442, Hue Add. p. 54. 
exs. Zw. 703, Lojka hung. 20. 

5. P. endochrysea Hampe, Nyl. syn. 1 p. 427, Hue lieh. exot. p. 113 
(Amerika). 

B. Psora (Schaereria) cinereorufa Schaer., Koerb. par. p. 123: an der 
senkrechten Seite eines Glimmerfelsens im Malfonthale ober Pettneu von Herrn 
Leder er angetroffen. 

C. In der Umgebung von St. Anton darf das Verwallthal als der haupt- 
sächliche Cladonienstandort bezeichnet werden. Zwischen der Kapelle und dem 
Wasserfalle liegen rechts vom Wege im lichten Fichtenwalde zahlreiche und grosse 
Glimmerblöcke, welche theils von Moosen überwachsen, theils mit einer dünneu 
Erdkruste bedeckt sind. Hier kommen auf Erde der Blöcke und dem steinigen 
Boden nicht blos die Tirol XXV p. 377 erwähnten, sondern auch noch folgende 
Arten vor: 

L C. rangiferina L. I 6. C. coccifera f. 'phyllocoma Fl. 

2. G. alpestris L. I Scyphi apiee fungo atro infes- 

3. C. uncialis f. tMrgescensFv. -.xonhier \ tati: von einem Blocke in Eehm 

in Rehm Clad. 425 aufgenommen, j Clad. 435 niedergelegt. 

4. C. amaurocraea Fl. ' 7. C. deformis, m. mesothetum Wallr. 

5. C. c^/am^JesSmft.: steril auf mehreren \ S. p. 76, 185; das hier gefundene 

Blöcken und von dort in Arn. exs. Exemplar ist in Arn. exs. 1638 

1607 ausgegeben. i abgebildet. 



136 



F. Arnold. 



C. belUdiflora Ach.: leptostelis pro- 
hoscidea Wallr. S. p. 175, ic. Arn. 
exs. 1349 inf. : von hier in Rehm 
Chid. 428 ausgegeben. An diesem 
Standorte wächst m. phyllo- 
j?7ionm Wallr. S. p. 175, ic. Arn. 
1350 inf. vereinzelt eingemengt. 

C. crispata Ach. f. düacerata Sch. : 



von hier in Rehm Clad. 436 ent- 
halten. 

f. elegans Del., Wainio 1 p. 390, 
nicht häufig. 

10. C. degenerans f. anomaea Ach.: von 

hier in Rehm Clad. 431 vertheilt. 

1 1. C. decorticata Fl. : dürftig und steril : 

für Rehm Clad. 432 gesammelt. 



Einem alternden, vorjährigen Pilz (Poli/porus perennis) waren Spuren 
von Cladonia silvatica, C. coccifera (thalli foliola) und G. fimhriata (scyphuli 
i. tuhaeformis) aufgewachsen; Apothecien der Bacidia alhescens Hepp: apothecia 
carneoalbida, intus incol., hym. jodo caerid., sporae siibrectae, 024 — 30 mm lg., 
002 mm lat., octonae, bedeckten die Oberfläche eines Exemplares dieses Polyporus. 

Ist man am Wasserfalle vorüber und hat einen Wiesenplan überschritten, 
so gelangt man bald an die Tirol XXV p. 378 erwähnte felsige Stelle; hier: 

1. C. pleurota Fl., m. mesothetum Wallr. S. p. 76, Ach. syn. p. 270: 
„rarissime e centro scjphorum prolifera" ; Wainio Monogr. Clad. 1 p. 171. 
Das gesammelte Exemplar ist in Arn. exs. 1637 abgebildet. 

2. C. defozmis m. platystelisWiillv. S. p. 97: an einem bemoosten feuchten 
Glimmerfelsen, aus dem Moose hervorragend: die gesammelten sterilen Podetien 
sind in Arn. exs. 1636 abgebildet. 

3. C. carneopallida Fl., carneola Fr., comp. Wainio 2 p. 420: Frucht- 
exemplare ziemlich selten. 

4. C. pyxidata f. cerina Arn. Tirol XXIII p. 140, Wainio 2 p. 225, 469: 
diese habituell sich gleichbleibende Varietät, deren sterile Bechei- gerne als f. lophura 
Ach. auftreten, bemerkte ich am Waldsaum auf steinigem Boden. 

5. C. acuminata Ach. syn. p. 254, Njl., Wainio Clad. 2 p. 73: steril seilen 
auf kui-z begrastem Boden längs der Wegböschung; thalhis K disiincte flavesc; 
ein daselbst angetroffenes fructificirendes I'iXemplar ist in Arn. exs. 1642 abgebildet. 

6. C. cariosa Ach.: ziemlich selten. 

Im Walde der Rcsannaschlucht bei St. Anion gegen das Moosthal hinauf 
winden an einer lichten Waldstelle bemerkt: 

C. cris])ata Ach.: habitu accedens ad Clad. degenerantem, scyphi autem 
pervii; eine in den Formenkreis der normalen Pflanze {infundilmlifera Schacr., 
Wainio 1 p. 382) fallende Flechte, von hier in Rehm Clad. ^38 aufgenomn>en. 

C. cornuta L.. und zwar in zwei nahe beisamnuin wachsenden Rasen, von 
liier in Rehm Clad. 437 ausgeg(!)>en : specim. sinistr., die gewöhnlichen, sterilen 
l'odetien; sjiecim. 'dextr., jilanta robustior, hal)itu (J. gracilcm langens, nisi G. 
gracilis ipsa (comp. exs. Norrlin Fenn. 426, Rehm Clad. 325, Arn. 1092). 

(-. foliosa Snift., macrophylla Schatsr. : s])arsam, jedoch c. ap. 

An abgefallenen dünnen Fichtenzweigen findcit man vom Waldboden licriihcr- 
gesiedflt liie und d;i G. fimhrifda 1". mnplcx Woh (tuhaeformis Holl'.) mit sehr 
kl''incn Bechern. 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



137 



C. digitata L.: auf morschem Holze der Fichtenstrünke. 
C. chlorophaea Fl., reichlich fruchtend auf moderndem Holze von Fichten- 
strünken im Verwallthale. 

C. ochrochlora Fl., selten im Verwallthale an alten Fichtenstumpfen: 
planta vulgaris, apothecia pallidiora testacea et fusca. 

D. An der bezeichneten felsigen Stelle im Verwall gedeihen noch einige 
andere Flechten: 

PilopJiorus cereolus Ach., Arn. Tirol XXIII p. 83: steril und selten au 
Glimmerblöcken. 

Cornicularia aculeata Schreb. f. alpina Schaer., Arn. Tirol XXII p. 66. 
Solorina crocea mit zwei Parasiten {Secoliga annexa Arn., Bertia licheni- 
cola De Not.) und 

Biafora granulosa Ehr. f. escharoides Ehr. bedecken die Erde auf einem 
grösseren Blocke; an einem benachbarten Felsen hat sich Imhricaria saxatilis 
f. furfuracea Schaer. mit Apothecien verbreitet, welche den Durchmesser von fast 
1 cm erreichen. 

Ochrolechia geminipara Tb. Fries Scand. p. 236 iucrustirt Pfianzenreste 
auf dem Felsen. 

Ueber Lebermoosen, dort, wo die Blöcke kluftähnlich zusammenstossen, 
Konnandina laetevirens T. B. 

Sphyridiurn, Baeomijces roseus, Bhaphiospora flavovirescens Dicks. c. ap. 
kommen da und dort im VerwaU auf Erde an felsigen Plätzen vor und Icmado- 
phiki aeruginosa überwuchert Si^hagmcm-Vohtev. 

Lecidea assimilata 'Njl., Arn. Tirol XXI p. 137, an einem Glimmerfelsen, 
Moose überziehend, im Verwallthale; von hier in. Arn. exs. 556b veröffentlicht. 

Lecidea tessellata Fl., Arn. Jura Nr. 288: die typische Flechte zerstreut 
auf Glimmerblöcken des Abhanges bei der Strasse oberhalb St. Anton. 

III. Herr Prof. Dr. Zopf aus Halle zeigte mir am Ufer der Piosanna 
die scheibenförmigen Krusten von Placodium melanaspis Ach. In Folge dessen 
wurden die Blöcke längs des Flusses von St. Anton bis über den Wasserfall im 
Verwall hinaus an zugänglichen Stellen abgesucht. Das Placodium wächst dort 
ziemlich häufig an den oft vom Wasser überspülten Glimmerblöcken in Gemein- 
schaft mit anderen Arten, welche das Gestein bis zu der Stelle bedecken, welche 
das ganze Jahr hindurch unter Wasser steht. Hier und insbesondere in der Tiefe 
des Flussbettes hört die Fleehtenvegetation auf. Dieselbe ist an der Waldschlucht 
bei St. Anton vornehmlich aus folgenden Arten gebildet : 
1. Imhricaria saxatilis. 8. Acarospora fiiscata Schrad. 



2. Imhricaria sorediata Ach. 

3. Parmelia caesia Hoff. 

4. Gyrophora deusta L. 

5. Gyrophora cylindrica L. 

6. Candelariu vitellina. 

7. Placodium melanaspis Ach., Arn. 

Tirol XXI p. 123. 



9. Lecanora hadia. 

10. Lecanora polytropa Ehr. : pl. vul- 

garis; f. alpigena Ach., Schaer. 
atque f. intricata Schrad. 

11. Aspicilia cinerea L. 

12. Asp. laevata Ach. f. albicans Arn. 

13. Asp. acpiatica Fr. 



138 



F. Arnold. 



27. Endocav'pon rivulorum Arn. (raro, 
specimina miiiora). 

28. Sphaeromphale fissa Tayl., Arn. 
Tirol XXV p. 386. 

29. Sphaeromphale areolata Ach., Arn. 
Tirol XXV p. 387, cum f. dopi- 
moides Anzi. 

Verrucaria latehrosa Koerb. 
Ver. elaeomelaena Mass., pl. alpina, 

Arn. Tirol XXV p. 385. 
Ver. pachyderma Arn. 

33. Arthopyrenia Verrucariarum Arn. 

34. Arthopyrenia rivulorum Kernst. 

85. Tichothecium gemmiferum T. 

86. Tichothecium pygmaeum Kb. 



14. Asp. lacustris With , Arn. Tirol 

XXV p. 885. 

15. Jonaspis suaveolens Ach. 

16. Lecidea lactea Fl. 

17. L. speirea Ach. 

18. L. dcclinans Nyl. 

19. L. platycarpa Ach. atque f. flavi- 

cunda Ach. 

20. L. crustulata Ach. 

21. L. hadioatra Hepp, Arn. Tirol 

XXIII p. 94; selten. 

22. L. latypea Ach., Arn. 

23. Scoliciosporum psotinum Fi-. 

24. Catocarpus rivularis Flot. 

25. Wiizocarpon geographicum. 

26. JRhizocarpon ohscuratum Ach. et 

f. oxydatum Kb. 

Von diesem Standorte längs der Rosannaschlucht sind in meinen Lieh, 
oxs. aufgenommen: 

Arn. exs. 1616: IHacodium melanaspis Ach. 

Arn. exs. 1618: Aspicilia laevata Ach. f. albicans Arn. 

Arn. exs. 1619: Jonaspis suaveolens Ach. 

Arn. exs. 1673: Arthopyrenia rivulorum Kai. auf Sphaeromphale fissa '\\ 
a) Imhricaria sorediata Ach.: sorediis albis, kommt auf den obersten 

Thellen der Blöcke vor. 

h) Flacodium melanaspis Ach.; exs. comp. Arn. Tirol XVII p. 555, atque 

Arn. exs. 1616. 

c) Aspicilia laevata Ach. f. albicans Arn. Tirol XXIII p. 98; nicht selten 
und durch den weissen Thallus auffallend: K —, sporae 032— 25 mm lg., 
015 mm lat., spermat. varie curvata, 021mm lg., 001mm lat. 

dj Aspicilia aquatica Fr., Arn. Tirol XXV p. 385: thallus pallide cinera- 
sccns vel albescens, K — , sporae 027— 30 mm lg., 0'0L5mm lat., spcrmaiia 
recta vel subrecta, 014—15 mm lg., 001 m.m lat. 

e) Lecidea crustulata Ach.: forma: thallus e/fiisus, pallide sordide cinera- 
scens, rimulosus, apoth. atrofusca, cpith. fuscesc, hyp. fusc, sporae specici, 
0015 mm lg., 000— 7 mm lat. 

fj Scoliciosporum psotinum Fr., Th. Fries Scand. p. 865, Arn. Jura 
Nr. 866, -Sc. iurgidum Koerb. i)ar. p. 241, Arn. Tirol XXI p. 108, 189: niclii 
liiiufig: thallus sordide viridulus, apoth. sordide lutesc. fuscesc, cpith. luteolmn, 
K nc. nitr. non colomt , In/p. inrolor, sporae varie vcrmiformes, 021— 24 mm 
Ig., OOOÜmm lat. 

y) ArthopyrejiHi \ vri iKannr «vi, Avw. Tirol XXV p. ;5H8, 402, lieh. Fragm, 
1895 Nr. M p. 7 Nr. 16 et Fig. 4 : [»ai-asiliscli auf dt in Thallus der Aspicilia 



Lichenologisclie Ausflüge in Tirol. 



139 



laevata f. albicans, rundliche dunkle Flecken bildend : apoth. numerosa, emersa, 
periih. fiisc, sporae incoL, 1 sept., elongato-ohl., 018 mm lg., 005 mm lat., 
8 in ascis cylindricis. 

h ) Artliopyrenia rivulorum Kernst. : parasitisch auf Sphaeromphale fissa 
und von dieser Stelle in Arn. exs. 1673 enthalten, sowie auf dem Thallus der 
Verrucaria pachyderma Arn. 

i) TicJiothecium gemmiferiim T. : auf dem Thallus von Aspicilia aquatica Fr., 
Lecidea platifcarpa, Wiizocarpon obscuratum, Sphaerompliale areolata. 

k) Tichothecium pygmaeum Kb.: auf dem Thallus der Lecidea speirea Ach. 

IV. Wie auf vielen Bergen in Tirol wurde auch längs der Halde ober den 
Albonseen einstmals ein Bergbau betrieben, dessen Spuren noch heutzutage sicht- 
bar sind. An den zum Theile von Krummholz beschatteten Eingängen zu den 
Stollen, denen die Schuttmassen vorgelagert sind, bemerkte ich zwar einige Laub- 
und Lebermoose (vgl. Jack in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 
1895, p. 255), jedoch keine Flechten. Dagegen sind in der Höhe eines Meters 
noch Ueberreste der von den Knappen benützten Steinhütte vorhanden, auf deren 
Blöcken im Laufe der Zeit eine Flechtenvegetation entstanden ist, welche mit 
derjenigen der benachbarten Felsen übereinstimmt (vgl. Arn. Jura 1890 p. 61, 
Tirol XXY p. 366). Am 23. August 1894 wurden Proben von allen Arten mit- 
genommen, welche ich bemerken konnte; das Ergebniss war folgendes: 



1. Alectoria jiihata L. 

2. Stereocaulon coralloides Fr. 

3. Cladonia silvatica L. 

4. C. pyxidata : simplex. 

5. Thamnolia vermicularis L. 

6. Cetraria islandica. 

7. Platysma nivale. 

8. Imbricaria saxatilis L. 

9. I. lanata L. 

10. I. minuscnln Xvl. 

11. Gyrophora cylindrica L. 

12. G. deusta L. 

13. Candelaria vitellina. 

14. Blastenia caesiorufa Ach. (forma). 

15. Lecanora badia Pers. 

16. L. sordida Pers. 

17. L. polytropa Ehr. atque f. alpigena 

ecrustacea. 

18. Sarcogyne simplex Dav. 



19. Aspicilia alpina Smft. 

20. Lecidea armeniaca DC. 

21. L. lithopliila Ach. f. ochracea Ach. 

22. L. tenebrosa Flot. 

23. L. BicTisonii Ach. 

24. L. confluens Fr. 

25. L. lactea Fl. 

26. L. declinans Nyl. 

27. L. ecrustacea Nyl., A rn. Tirol XXY 

p. 383. 

28. L. platycarpa koh. et i.flavicunda 

Ach. 

29. L. voHicosa Koerb. 

30. Sporastatia testudinea Ach. 

31. Bliizocarpon geograpJiiciim. 

32. Conida apotlieciorum Mass. auf L. 

polytropa. 

33. Artliopyrenia Gyropliorarum Arn. 

34. Phaeospora geograpTiicola Arn. 



a) Blastenia caesiorufa Ach., forma: thallus sordide albesc, K — , apoth. 
obscure fuscorufa, epith. fere fuligineum, K+ sanguin., hyp. incol., sporae 
polaridyblast., 015 mm lg., 006— 7 mm lat. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 19 



140 



F. Arnold. 



h) Arthopyrenia Gyrophorarum Arn. exs. (1895) Nr. 1669, apud 1670 hic ' 
inde adest: die punktförmigen Apothecien sind um die Hälfte kleiner als die zahl- 
reichen Spermogonien der Gyrox^hora cylindrica, auf deren Thallus dieser kleine 
Parasit vorkommt : sporae incol., demum fuscidulac, 1 septat., medio leviter con- 
strictae, uno apice magis obtusae quam alter o, hic inde cum 2 guttulis maiorihus, 
015 mm. lg., 007 — 8 mm lat., 8 in ascis late oblongis. 

c) Phaeospora geographicola Arn., est Phaeospora — jam Tirol XIII 
p. 284 Nr. 22, XXI p. 153, Flora 1877 p. 301 Nr. 53 memorata; parasitisch auf 
dem Thallus von Bhizocarpon geographiciim und von diesem Standorte in Arn. 
exs. 1670, apud 1669 hic inde adest, enthalten: sporae fuscae, nigric. fuscae, 
3 septat., fere dactyloideae, 021 — 24 mm lg., 0' 006 mm lat. 

Den Ueberresten der Steinhütte gegenüber und blos etwa 50 Schritte ent- 
fernt heben sich die wandartigen Felsen empor, an welchen einige Flechten den 
Blick auf sich ziehen. Sphaerophorus fragilis, Alectoria jubata L., planta ater- 
rima, und Imhricaria lanata L. wachsen über Imhricaria saxatilis f. panni- 
formis Ach. hingebreitet, einer solchen Glimmerwand eine Strecke weit eine 
schwarze Färbung gebend; von hier ist Imhr. pannif. in Arn. exs. 1647 mit- 
getheilt. 

Gyrophora vellea L. : robuste, sterile Exemplare an den senkrechten 
Wänden, welche weiter oben am Gehänge gegen die Gipfelhöhe des Wirth einer 
genaueren Untersuchung zu empfehlen sind. 

Gyrophora reticulata Schaer., Arn. Tirol XXI p. 121: thallus caesio- 
cinerascens, reticulato-torulosus, junior saxo adpressus, med. C ruhesc. 

Biatora Kochiana, Lecidea armeniaca f. lutescens Anzi, L. ecrustacea < 
Nyl., L. incongrua, Catocarpus alpicolus Wbg. mit Tichothecium. macro- 1 
sporum Hepp. j 

Bhizocarpon geographicum f. Lecanora Fl. Deutsche Lieh. 4. Lief. 1819 
p. 4, lecanorina Koerb. syst. p. 263, Th. Fries Scand. p. 628, Arn. Jura Nr. 384, 
vereinzelt: apoth. suhocellata, pseudolecanorina. 

Bemerkenswerth ist, dass Cladonia cyanipes, welche sonst der Waldregion 
anzugehören pflegt, hier am Gehänge ober den Albonseen am Fussc der Felswand 
gesellig mit Alectoria ochroleuca, Cetraria islandica, Solorina crocea, Ochro- 
lechia geminipara zwischen Laubmoospolstern, wenngh'ich selten, nocli fortkommt.; 

V. Rinden- und Holzflechten. ' 

A. Fichte Cl'irol XXV p. 392). Alecioria jubata L. wurde in Fruchtexein- f 
])l;iren im Walde an der Itosanna bei St. Anton von Herrn Prof. Dr. Zopf auf- | 
gefunden. Daraufhin erfoIgt(^ eini^ wiederholte I3esicht igung di(^ses Waldes, welche I 
ergab, dass die Flechte dort an den oberen dünnen Zweigen der Fichten nicht | 
gar selten zur Fniclitentwieklung gelangt. Der 'l'hallus ist mehr oder weniger) 
hellbraun gefiirbt, während di(! Flechte weiter oben im Verwallthale, wo Piof. ZopflB 
hio gleichfalls fruciificirend antral", (li(! norinale scliwai zbiiiime P'iirhiing aiiiiiinMit. ■ 
!)!<• I'fian/e ist in Arn. lieh. exs. aiisgegelicn, und v.wwv: m 

Arn. exs, 1601 a: steril aus (l(!in Rosannawaldr. ■ 



Licbeuologische Ausflüge iu Tirol. 



141 



Am. exs. IGOlb: c. ap. vom gleichen Standorte. 

Arn. exs. 1601c: steril mit dunklem Thallus aus dem Verwallthale; alle 
Exemplare von den Zweigen einer Fichte. 

Arn. exs. 1602: planta sorediifera, steril aus dem Rosannawalde. 

Ramalina thrausta Ach. an Zweigen und Platysma complicatum Laur. 
an der Rinde im Verwallthale. 

Biatora turgidida Fr. an dürren Aesten jüngerer Bäume in der erwähnten 
Rosannawaldschlucht und von hier in Arn. exs. 1621 niedergelegt. Vereinzelt 
hier auch Agyrium nifum Pers., Arn. Tirol XXI p. 144. 

In dieser Thalenge fand ich die Rinde der Fichten ganz besonders flechteu- 
arm. Allein auch am obersten Waldsaum gegen das Rendelthal vermochte ich 
au den alten und hochstämmigen Fichten, welche daselbst als Schutzwald noch 
übrig gelassen wurden, nur die gewöhnlichsten Arten zu erkennen. 

B. Alnus incana (Tirol XXV p. 395). Am Ufer der Rosanna bei Schnann 
befindet sich ein Erlengehölze, welches die meisten der an den Erlen bei Pettneu 
beobachteten Riudenflechten beherbergt; ausserdem noch: Candelaria concolor 
Dicks. f. citrina Kplh. Lieh. Bay. p. 164, Arn. München Nr. 104: thallus leprosus, 
citrinus, K — . 

C. Bhododendron ferrugineum (Tirol XXV p. 396). In der Rosanna- 
schlucht bei St. Anton wächst die Alpenrose an den Glimmerwänden längs des 
Fussweges ober dem Flusse, hier: Älectoria ochroleuca Ehr. vereinzelt und nur 
3 cm lang, Evernia prunastri, Bamalina pollinaria und jene vielverbreitete 
gelbe Lepra chlorina Ach. prodr. p. 6, Koerb. par. p. 292, Arn. Tirol XX 
p. 379, XXI p. 144, welche vom Gestein auf die Stämmchen übergegangen ist: 
thallus K — . 

Ober den Albonseen oberhalb St, Christoph, in der Nähe der alten Knappen- 
stollen, kommen Bliododendron-St?iudm in einer Vertiefung des Felsengerölles 
nur noch mit Mühe fort, hier: Platysma saepincola Ehr. c. ap. (von dieser 
Stelle in Zw. exs. 1173 aufgenommen), sterile Imhricaria encausta, Lecanora 
suhfusca, Äspicilia einer eorufescens, Catocarpus polycarpus, Bhizoc. geogr. 

Biatora vernalis L. var. suhgilva Arn., an Bhododendron ferrugineum 
bei den Zirben ober St. Anton, Tirol XXV p. 399 lin. 4 Nr. 12. Diese Pflanze 
verdient wegen der schmäleren und längeren Sporen einen eigenen Namen; die 
Apothecien sind blassgelb bis bräunlich und haben nicht die röthliche oder gelb- 
röthliche Färbung der normalen Biatora vernalis. 

D. Thelocarpon prasijiellum Njl. Flora 1881 p. 451, Arn. München 
Nr. 411, hatte sich mit zahlreichen Apothecien (thalli et apotheciorum glohiclae 
irjregariae, pallide flavae, hym. jodo vinos., paraph. discretae, sporae glohuJares, 
\raro evolutae, 002 mm lat., numerosae, circa 64 in ascis oUongis, medio paullo 
inflatis vel apice latis et sat ohtusis, 090 mm lg., 0V15 mm lat.) in Gemein- 
schaft mit kleinfrüchtiger Binodina pyrina Ach. und Buellia punctiformis Hoff, 
auf den Balken aus Fichtenholz eingestellt, welche das bereits 1895 wieder ent- 
fernte Brückengeländer an der Rosannawaldschlucht bei St. Anton bildeten. 

19* 



142 



F. Aruold. 



VI. Die Gallertflecliten sind im Glimmergebiete des Aiiberge.s nur wenig 
vertreten. 

Collema pulposum Bernh. c. ap. auf Erde am Rande der Strasse auf der 
Passböhe bei St. Cbristopb: sporae speciei, 1 — Sseptat., cum giittuUs, 018 ad 
021 mm lg., 006 mm lat., octonae. 

Collema crispum Acb., Arn. Jura Nr. 579, Nyl. syn. p. 110, Th. Fries 
arct. p. 276: auf bemooster Erde der Strassenmauer östlich ausserhalb St. Anton: 
thalhis sat evolutus, apothecia rariora, margine integro, demum crispo, sporae 
latiores, Sseptat. cum guttulis maiorihus, 024mm lg., 0'009 — 12m,m lat. 

VII. Kalkflecbten. Hier ist lediglich Biatora horeella Nyl., Arn. Tirol 
XXI p. 133, zu erwähnen, welche ich am 28, August 1894 auf dem Almajur- 
joche (Tirol XXV p. 389) in wenigen Exemplaren antraf: planta terrestris, nigri- 
cans, apothecia hiatorina, nigric, ep. fusc, hym. jodo caerul., hyp. fuscidulum, 
sporae incol., globulosae, 005—6 mm lat., 24 in ascis elongatis, apice rotundatis. 

VIII. Aussergewöhnliche Standorte (Tirol XXV p. 401). 

Auf dem Damme gegenüber St. Anton blieb seit dem Bahnbau ein Stück 
Wollenzeug, das einst Bestandtheil einer Kleidung war, liegen; darauf hatten sich 
Cladonia fimhriata f. simplex Weis [tuhaeformis HotF.), scyphi sat minuti, und 
Lecanora polytropa Ehr. f. illusoria Ach. spärlich eingefunden. 

Im Sandsteingerölle bei Pettneu wurde ein zweites Stück Sehuhleder an- 
geti'offen, welches mit Parmelia caesia und ohscura, Candelaria vitellina, Pla- 
codium murale Schreb., Lecanora symmictera Nyl. überzogen war. 

Die drei Cladonien und Bacidia albescens auf Polyporus perennis im Ver- 
wallthale wurden bereits vorhin erwähnt. 

IX. Parasiten (Tirol XXV p. 44). 

1. Secoliga annexa Arn. Tirol XXI p. 129, XXV p. 375: auf veralteter 
Solorina crocea im Verwallthale: apoth. minuta, carneoalhida, leviter urceolata 
vel plana, intus incol., paraph. capillares, simplices nec guttatae, sporae acicu- 
lares, 7 septat., 045 711 m lg., 0025 min lat., 8 in ascis siihcylindricis, 065 mm 
lg., 000 mm lat. 

2. Ahrothallus Parmeliarum Smft. auf dem Tliallus von Imhricaria saxa- 
tilis auf einem Glimmerfelscn im Moosthale. 

3. Conida apotheciorum Mass., 4. Bertia lichenicola De Not. 
5. Arlhopyrenia Gyrophorariun Arn. exs. 1GÖ9, 1G70. 

0. Arlhopyrenia Verrucariarum Arn. 

7. Arihopyrcnia rivulorum Kernst., Am. Tirol XXV j). 40-'), fragiii. .'M, 
p. 10 flg. 5. 

8. EndococcuH sjdtinclrinoides Zw. Flora 18G4 ]). 88, llcidelb. 188;> ]). 8Ü, 
Arn. Flora 187^1 p. HO; exs. Zw. ^192, Arn. 1G71: ])arasitiscli auf dem Thallus 
und den Apothecien der J'hyscia clcgans an dcsn Saiidsl(!in(!n einer Feldnia,uer bei 
NaHKntin unweit St, Anton: apothecia saepe minus evoluta, hahitu Tichothecü 
microcarpi Arn , supra dincnm dispersa, demum maiorn, punctiformia, (drn, 
perillicc. integrum, fusc, Hporac incol., demiun fuscidukw, l scpLat,, cum l ad 



Lichenologische Ausflüge in Tirol. 



143 



2 (juttuUs maioribus. OVIS mm lg., 007 mm lat., S in ascis elougato-ohlongis, 
075 mm lg., 015 mm lat. Der Parasit ist von hier in Arn. exs. 1671 auf- 
genommen. 

9. Polycoccum Sporastatiae f. incongniae Arn. exs. 1624 b. 

10. Phaeospora geographicola Arn. exs. 1670 atque 1669; Phaeospora — 
Tirol XIII p. 284, XXI p. 153. 

11. TichotTiecium gemmiferum T., 12. Tich. macrosporum Hepp, 13. Ticli. 
pijgmaeum Kb. 

14. Fungiis imperfectiis auf Cladonia coccifera im Verwall: Eehm Clad. 
exs. 435. 



Referate. 

Kissliug, P. B. Beiträge zurKenntniss des Einflusses der che mischen 
Lichtintensität auf die Vegetation. Halle a. S., 1895 (W. Knapp). 
28 S., mit drei Curventafeln. 

Verfasser veranstaltete in den Monaten August bis December 1894 tägliche 
Messungen der chemischen Lichtintensitäten an verschiedenen Punkten in der 
Umgebung seines Wohnortes (Schwarzenbach a. d. Gölsen, Niederösterreich), und 
zwar bestimmte er die täglichen Lichtsumraen mittelst Exposition von Chromat- 
papieren unter Vogel'schen Scalenphotometern, welche Werthe nach dem von 
ihm angegebenen Reductionsfactor auf „Bunsen-Einheiten" umgerechnet werden 
können. 

Eine tabellarische Zusammenstellung gibt eine Uebersicht über die er- 
mittelten Lichtsummen; die beigegebenen Curventafeln geben eine graphische 
Darstellung der betreffenden Verhältnisse, für die einzelnen Pentaden des Monates 
ermittelt. 

Die Beobachtungen wurden zu dem Zwecke angestellt, um die Lichtver- 
hältnisse, welche in verschiedenen Pflanzenformationen und Pflanzengenossen- 
schaften herrschen, zu ermitteln und so die meteorologischen Daten, welche zum 
Verständnisse und zur Beurtheilung der Vegetationsverhältnisse uothwendig sind, 
in einem sehr wesentlichen Punkte zu ergänzen. 

Demgemäss wurde der Gang der Lichtintensitäten (ausgedrückt in Licht- 
summen) bestimmt: 1. in der Genossenschaft der Krvptogamen innerhalb der 
Buchen-, resp. Fichtenformation; 2. für die Bodenpflanzen in der Buchen- 
formation; 3. für die Oxa/?s-Gesellschaft innerhalb des Fichtenwaldes; 4. in 
der Buhns c«esws-Genossenschaft innerhalb der Erlenformation; 5. für Cornus 
sanguinea als Vorholzformation; 6. für Samhiicus nigra; 7. für Ruderalpflanzen- 
genossenschaften ; endlich 8. im frei exponirten Hausgarten (gleichzeitig als 
Messungen des allgemeinen Tageslichtes). 

Verfa.sser theilt sodann einige Beobachtungen über die einzelnen Forma- 
tionen und Genossenschaften mit, wobei speciell auch angegeben wird, bei welcher 



144 



Referate. 



Lichtschwäehuug einzclue Charakterpflauzen der betreffenden Formation blühend 
angetroffen wurden. 

Im Anhange werden noch andere meteorologische Beobachtungen aus 
J^ehwarzenbach (nach fünfjährigem Mittel) angeführt. Wie vorliegendes Referat 
erkennen lässt, war es Verfasser mehr darum zu thun, meteorologische Daten 
über die Lichtverhcältnisse in verschiedenen Formationen und Genossenschaften 
beizubringen, als ihren Einfluss auf die Vegetation näherem Studium zu unter- 
ziehen. Dr. L. Linsbauer (Wien). 

Nadsoii (w. Ueber den Bau des Cyanophyceen-Protoplastes. (Scripta 
Botan. Horti Univers. Imp. Petropol., Tom. IV, Fase. II, 1895, p. 157—232, 
Tab. V. — Russisch, mit deutschem Resume.) 

Verfasser gelangte bei seinen Untersuchungen über den Bau des Cyano- 
]»hyceen-Protoplastes zu folgenden Resultaten: 

1. Der Protoplast der untersuchten Cyanophyceen {Merismopedia elegans 
A. Br., Aphanocapsa Grevillei Rbh., Chroococcus tiirgidus Naeg., Gloeocapsa 
pobfdcrmatica Ktz., Lynghija ctirvata Rbh., Oscillaria sp., Tolypothrix Aegagro- 
])lla Ktz. und Aphanizomenon ßos aqiiae Allm.) zeigt einen Wabenbau im Sinne 
Bütsehli's, Diese Wabenstructur ist dem Protoplast noch bei seinem Leben 
eigen und nicht eine Erscheinung, welche durch den Tod oder auf künstliche 
Weise durch Reagentien hervorgerufen wird. Der Wabenbau des Protoplastes 
('rwei.st sich als Resultat der Differenzirung intra vitam seiner Masse selbst. Die 
Waben und ebenso ihr Inhalt sind protoplasmatische Substanzen; der Inhalt der 
Waben unterscheidet sich von letzteren eher durch physische, als durch chemische 
KtiiMZeichen. 

2. Nur der peripherische Theil des Protoplastes ist mit dem Pigment 
(l'hy coeh rom) gefärbt, dieser Theil des Protoplastes fungirt zugleich als Zellen- 
Hroto])lasina (Cytoplasma) imd als Cliromatophor. Beide Bestandtheile des 
PhycMrhroms — Chlorojihyll und Phycocyan — sind in den Wandeln und niclit in 
ilireni Inneren entliallen. 

I>«-r mittlere, pignientlose 'l'lieil des Protoidastes, der „Centraikörper", 
i''! kein .selbsistiindiges, aligesondertes Oi-gan des Proto])lastes, sondern bietet nur 
«•in«'n centralen Loealisationspunkt einiger Stolle im Protoplaste dar. Der C(;ntral- 
korper \s\ der (icsammt theil der mittleren Waben; sie enthalten einen besonderen, 
-tark ffirbundeu Stoff, welchen Verfasser jtrovisorisch „Küllsubstanz" nennt; 
in ihrer R4'gion sind ausschliesslich oder hauptsächlich die sog. „Chromatin- 
kurnur'* (M^ncentrirt. Der (!entralkörper der Cyanoidiyceen und der Zidlkern 
aod«*rer Orjifanismen sind Bildungen, welche nicht nur (;inaiider entsprechen und 
ver!n't*»n, nondern auch den ll.iuptziigen nach in vielen Fällen sich näluirn. 

4. In der lU'iho der ("yanopljyceen zeigt der Protoi)last V(irschiedeiie 
I)ifrcren/.iningHjitufen in Protoplasma und Ccntralköiper ; hitzlorer, welcher deui 
/' llk< rne anderer OrKanismen ciitspriclif, imlerscheidet sieli von diesem Imupt 
'■'.'h dnrr-h rnbestündigkeit seiner ni')rph(d(>gisclien Merkmale. 



Referate. 



145 



5. In dem Zelliiihalte der Cyanopliyceeii befinden sich dreierlei Körnclien: 
Chromatinkörner, ßeservekörner (diese bei allen untersuchten Arten) und 
plasmatische Mikrosomen (nur bei Merismopedia und Aphanocapsa deutlich 
beobachtet). Die Chromatinkörner dürften den „rothen Körnchen" Bütschli's, 
den „Schleimkugeln" von Palla und Schmitz (zum Theile) und einem Theile 
der „Cjanophycinkörner" von Hieronymus entsprechen. Die Chromatinkörner 
sind hauptsächlich in dem Centraikörper der Zelle concentrirt. Ausser dem regel- 
mässigen Chromatingehalt der Zelle wurde vom Verfasser ein überschüssiger oder 
mangelhafter Chromatingehalt gefunden. Zellen mit verändertem Chromatin- 
gehalte verlieren die Fähigkeit nicht, sich durch Theilung zu vermehren. Die 
plasmatischen Mikrosomen und Reservekörner finden sich nur im Protoplasma; 
letztere fungiren wahrscheinlich als Reservestoffe. Die Reservekörner entsprechen 
den Körnern „Cianoficina" von Borzi, den „Cyanophycinkörnern" von Palla 
und einem Theile der „Cyanophycinkörner" von Hieronymus. 

6. Bei der Zelltheilung halbirt sich der ganze Protoplast durch Ein- 
schnürung in der Mitte; dabei schnürt sich auch der Centraikörper ein und zer- 
fällt in zwei neue. Verfasser hat ebenfalls Fälle der „asymmetrischen" Theilung 
des Centraikörpers beobachtet. 

7. Ein Vergleich des normalen Cyanophyceen- und Bacterien-Protoplastes 
mit dem Protoplaste der Zellen des menschlichen Körpers in einigen patho- 
logischen Fällen führte zu der Ueberzeugung, dass für höhere Organismen als 
anormal und pathologisch zu bezeichnende Zustände für die niederen Lebewesen 
als normale und physiologische angesehen werden müssen. 

8. In der Structur ihres Protoplastes sind, wie schon Bütschli nach- 
gewiesen hat, die grösseren Bacterienformen (Chromatium, Ophidomonas) den 
Cyanophyceen ähnlich. Der Protoplast der meisten kleineren Bacterien da- 
gegen zeigt keine Difierenzirung in Centraikörper und peripherisches Protoplasma. 
Der undifferenzirte Protoplast solcher Bacterien enthält in sich potentiel nicht 
nur den Kern, sondern auch das Protoplasma; er entspricht also dem ganzen 
Protoplaste anderer Organismen. 

9. Der Zellkern ist phylogenetisch nicht älter und nicht jünger, als das 
Protoplasma. Verfasser hält die Vermuthung Wiesner 's, nach welcher Kern 
und Protoplasma phylogenetisch gleich alt sind, als die richtigste. 

10. Bezeichnet man als „Protoplast" jenen Zellinhalt, in welchem ein 
morphologisch gesonderter Zellkern als Bestandtheil vorhanden ist, so verdient 
der Protoplast der Cyanophyceen und der Bacterien einen besonderen Namen, 
„Archiplast" des Verfassers. Die Archiplasten der Bacterien und Cyanophyceen 
hängen wahrscheinlich phylogenetisch zusammen; aus dem undifFerenzirten Archi- 
plast der kleineren Bacterien hat sich wahrscheinlich durch progressive Difi'eren- 
zirung der Archiplast der höheren Bacterien und Cyanophyceen herausgebildet. 
Schwerer lässt sich das Verhältniss zwischen Archiplast und Protoplast feststellen ; 
es ist jedoch wahrscheinlich, dass wenigstens ein Theil der Zellkerne aus dem 
Centraikörper des Archiplastes entstanden sei. Es wäre jedoch gewagt, die Proto- 

! plastenformen, welche man bei den verschiedenen Organismen beobachtet, von 



146 



Referate. 



dem Cvanopliyceen- und Bacterienprotoplaste abzuleiten; es ist eher anzunehmen, 
dass einige Lebewesen nicht von dem Archiplaste, sondern von einer anderen, 
vielleicht noch cHlteren Urform des Lebenssubstrates ihren Anfang nehmen. 

Dr. A. Zahlbruckner. 

(wabelli L. SulT identitä della Vicia sparsifloi-a Ten. coli' Orobus 
ochroleucus W. et K. e sulT affinitä di tale specie colla Vicia 
Orohus DC. (Malpighia, IX, 1895, p. 315— 328.) 

Verfasser kommt zu dem Resultate, dass die italienische Vicia Piparsiflora 
Ten. mit Orohus ocJiroleiicus W. K. — Vicia pilisiensis Aschers, et Janka iden- 
tisch ist. Er betont deren nahe Verwandtschaft mit Vicia Orobus DC. und meint, 
erstere könne von dieser durch Verlust der Ranken abgeleitet werden und stelle 
eine Unterart derselben dar, welche sie im südöstlichen Europa vertritt. In Bezug 
auf die Gatt ungsf rage hält Verfasser die Vereinigung von Lathyrus (incl. 
Orobus) und Vicia zu einer Gattung für geboten.^) Obige Art hat den Namen 
17cm sparsißora Ten. zu führen, da derselbe älter ist als der Name Vicia pili- 
siensis Aschers, et Janka. In Bezug auf die vom Verfasser auch in Vergleich 
gezogene Vicia aurantia (Stev.) Boiss. möchte Referent bemerken, dass diese Art, 
welche übrigens richtig Vicia crocea (Desf.) Fritsch heisst, mit dem Formenkreis, 
der sich um Vicia Orobus und Vicia Cassubica L. gruppirt, keine Verwandt- 
schaft hat.^) Prof. C. Fritsch. 

Haiidlirseh Anton. Nachträge und Schlusswort zur Monographie der, 
mit Nysson und Bembex verwandten Grabwespen. Mit zwei Tafeln.' 
(Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, mathcm.-naturw. 
Cl.. Bd. CIV, Abth. I, October 1895.) 

Erst im Jahre 1893 veröfFentlichle Handlirsch den VII. Theil (Schluss-j 
thcil) seiner vorzüglichen Monographien reihe. Seit dieser Zeit — übrigens wohll 
.schon seit dem Erscheinen der einzelnen Theile der genannten Monographie — 
hatte sich dem Autor eine Menge Stoff zu Nachträgen angesammelt. Dieser be-i 
stand aus einer grossen Anzahl neuer durch Acquisitionen und Einsichtssendungeni 
erworbener, noch unbeschriebener oder mittlerweile in der Literatur bekannt ge- 
wordf-ncr Arten, in neuen Daten für die geographische Verbreitung und endlichl 
in dem Bedürfnisse, einiges früher Ucibersehene nachzuholen und einzelne Arteni 
noch näher zu kennzeichnen. Dieser ganze Stoff ist nun unter obigem Titel in 
einem Bande. 27!> Seiten »imfassend (S. 801 — 1071)), niedergelegt. Die ausgiebigste 
Ergänzung erfuhren die (Jaltungen Gort/tes, Sliziis und relativ wohl auch Nysson. 
Neu b< scliriehen werden im Ganzen 50 Arten. Bet rächtlich ist auch die Anzahl 
von Arten anderer Autoren, welche auf Grund der Ansiclit der 'l'ypen ncu(Mding8 
und gründlich beschrieben wurden. Sehr bihlich ist es, dass Handlirsch die 

' :'i ' bI:iiML" ti Aib<'iteM Voll W. J. Eox a,usgi(!l»ig l)eniilzt hat, wie z. B, 

■j V({l, Kiilxr, Ii, Vfhf'T «'ininf Orolmii -KtU'W uiirl ihre KnogiiipliiHolio Vorbroituiig (Hitzungs- 
»KTklitf 4or kal*. Ak»<l. <l«r WiwH-iiHch. in Wi..ii, luiitlioin.-naturw. Cl., IM. CIV, Al.tli. I, H. 47ü— 520), 



Referate. 



147 



durch Aufnahme von dessen Bestimmungstabellen der uearktischen Alyson- und 
Didineis-kvi^n. 

Das Ganze erhält einen würdigen Abschluss in einem Nachworte, in dem 
neben der Besprechung der geographischen Verbreitungsverhältnisse auch ein 
Gesammtbild der verwandtschaftlichen und phylogenetischen Beziehungen ent- 
worfen wird. Die in tabellarischer Form gehaltene „Systematisch-geographische 
Üebersicht der Gattungen und Artgruppen" ist ungemein übersichtlich und werth- 
voll. Zu diesem prächtigen Nachworte wurde der Verfasser durch seine ebenso 
gründliche als umfassende Artenkenntniss befähigt und berechtigt. 

Diese Abhandlung bildet sonach einen gediegenen Schlussstein für die 
Monographienreihe von Nysson—Bemlex. Franz Friedr. Kohl. 

Dalla Torre, C. O. de. Catalogus Hymenopterorum hucusque descrip- 
torum systematicus et synonym icus. Lipsiae, 1892—1895 (Sumpt. 
G. Engelmann). 8°. Volum. X. Apidae (Anthophila). 

Dieser dem Bienenforscher Heinr. Friese in Innsbruck gewidmete Band 
bringt in einem Umfange von 643 Seiten die Citate der Blumenwespen (Bienen). 
Seine Durchführung zeigt dieselbe gediegene Anlage, dieselbe Vollständigkeit und 
Richtigkeit der Citate, wie die früher erschienenen Bände des Kataloges, mit 
denen er ja gleichzeitig im Manuscript entstanden ist; wie diese verdient er alles 
Lob. Nun einige Bemerkungen! Mit vollem Recht erscheint der alte Latreille- 
sche Name Podcdiriits für jene ungemein artenreiche Gattung (Friese .schätzt 
die Zahl auf 2000 Arten), welche man bisher unberechtigt mit dem Namen 
Anthophora bezeichnete, wieder zu Ehren gebracht, und wird gerade der Katalog 
im Stande sein, den liebgewordenen Irrthum zu beseitigen. Wenn es die Sache 
eines Kataloges wäre, das in ihm verwendete System zu verantworten und zu 
begründen, so liesse sich wohl Manches gegen die Anwendung von Subfamilien- 
bezeichnungen, sowie gegen die Anordnung der Genera (besonders der exotischen), 
die nach den heutigen Principien der Systematik wohl nur von phylogenetischem 
und den damit in unzertrennlichem Zusammenhange stehenden morphologischem 
Standpunkte aus erfolgen kann, einwenden. Allein die nächstliegenden Aufgaben 
des Katalogverfassers sind andere, als die des Systemforschers, und jene hat Dalla 
Torre in so ausgezeichneter Weise gelöst, dass ihm die Wissenschaft hiefür Dank 
weiss. Auf Grund dieses Katalogbandes dürften wohl, so hoflft der Referent, 
Manche zu monographischen Bearbeitungen, die für das Heil der Systematik 
unerlässlich sind, ermuthigt werden. Franz Friedr. Kohl. 

Friese Heinr. Die Bienen Europas {Apidae europaeae) nach ihren 
Gattungen, Arten und Varietäten auf vergleichend morphologisch- 
biologischer Grundlage bearbeitet. II. Theil: Solitäre Apiden. Berlin, 
Friedländer & Sohn, 1896. 8^ 216 S. 

Mit dem Erscheinen dieses Theiles ist das grosse von Schmiedeknecht 
begonnene Bienenwerk seinem Abschlüsse um ein gutes Stück nähergerückt und 
den Hymenopterologen die Aussicht eröffnet, in absehbarer Zeit eine gediegene 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 20 



148 



Referate. 



Mouograpbio aller europäischen Bienen zu besitzen. Eine der artenreichsten Gat- 
tungen — Eucera im weiteren Sinne — füllt diesen zweiten Theil von Friese's 
Werk fast ganz aus. Von 160 Arten dieser Gattung sind 103 in die von Friese 
aufgestellten Vorwandtschaftsgruppen eingereiht und der Mehrzahl nach vom Autor 
selbst gewissenhaft untersucht und beschrieben worden. 

Ausser der grossen Gattung Eucera enthält die Publication noch Meli- 
turga, Aucyla und Tarsalia. Von hohem Werthe ist die Erweiterung des berück- 
sichtigten Faunengebietes auf Turkestan — entschieden ein grosser Fortschritt 
im Vergleiche zu dem ersten Theile des Werkes. 

A. Handlirsch. 

Meliehar, Dr. L. Cicadinen (Hemiptera-Homoptera) von Mittel- 
europa. Berlin, F. Dames, 1896. 8°. 364 S. Mit 12 Tafeln. 

Der Grund, warum sich die Mehrzahl der Insectensammler immer wieder 
den Ordnungen der Lepidopteren und Coleopteren zuwendet, die — wenigstens in 
unseren Gegenden — nur mehr wenig Neues bieten, und warum nur Einzelne 
sich dem Studium anderer Insectenordnungen widmen, liegt wohl in erster Linie 
in dem Mangel gerade für Anfänger brauchbarer Bestimmungsbücher. Wir müssen 
daher Meliehar 's Werk freudig begrüssen, denn es ist dazu bestimmt, diesem 
Mangel bei der Gruppe der Cicadinen abzuhelfen. Es war nicht die Absicht des 
Verfassers, durch neue systematische Eintheilungen oder durch Aufstellung vieler 
neuer Arten, die ja in dem behandelten Gebiete noch leicht zu finden sind, seinem 
Werke den Stemi)el der Originalität aufzudrücken, sondern ausschliesslich durch 
möglichst sorgsames Zusammentragen aller brauchbaren Publicationen und durch 
Darstellung des kritisch verarbeiteten Stoffes in leicht fasslicher und praktischer 
Form dem Studium der Horaopteren neue Jünger zuzuführen. 

Deshalb ist Dr. Meliehar 's Werk aber keineswegs für den Fachmann 
werthlos, denn Jeder wird gerne ein Buch benützen, welches rasch über manche 
Frage Auskunft gibt und in dem er alles Wesentliche aus der Literatur zusammen- 
getragen findet. Der wissenschaftliche Werth des Buches wird übrigens auch da- 
durch bedingt, da.ss die Beschreibungen weitaus der meisten Arten nach kritisch 
b<'.stimmten (von Low, Fieber, Puton etc.) Individuen durchaus selbstständig 
verfasst wurden, und dass der Autor die zahlreichen Figuren alle mit einer 
„Camera lucida" angefertigt, hat. Man vergleiche Meliehar 's Zeichnungen mit 
jenen von Fieber, die (»hne Zeicheiia])pa,rat entstandcin sind! Auch in Bezug 
auf geographische Verbreitung und Synoiiymie bietet das Werk eine Fülle für 
jeden Faelimann wichtiger Daten. 

Wir wlinschen dieser ersten deutschen Eiiiliilirung in das Studium der 
' l ii'-n einen recht guten Erfolg, den schönsten J^olm für die viele MTiIh; und 
, 1 ilt, die der Verfass<'r seinem ersten Werke zugewendet hat, und lioffen, dass 
lim eine gereehte, das Wesen der Arbeit berücksichtig(;nde Kritik ermuntern wird, 
M?ino Zeil ;iu( |i in Zukunft der lintoniologie zu widnusn. 

A Handlirsch. 



Referate. 



149 



! Sucker L. Die Fische nebst den essbaren wirbellosen Thieren der 
j Adria und ihre Zubereitung. Triest, 1895. 8°. 

Nicht nur dem Lcaien, sondern auch dem Naturforscher bietet sieh beim 
Besuche eines unserer Fischmärkte an der Adria, insbesondere jenes von Triest, 
eine Fülle von Formen dar, deren Classificirung und Benennung mehr oder 
weniger — nicht gelingen will. Der von den Verkäufern meist undeutlich aus- 
gesprochene und von dem Fragesteller noch undeutlicher verstandene landes- 
übliche Name trägt selten etwas zur Aufklärung bei. Bisher war es ein kleines 
Büchlein, betitelt: „Der Fischplatz in Triest" von Dr. Plucar, welches die 
geAvünschten Aufschlüsse am raschesten gewährte und auch in der zoologischen 
Station zu Triest von den dort Studirenden als erster Eathgeber befragt zu werden 
pflegte. Plucar's Werk erschien bereits 1846 und ist nun doch schon etwas alt 
geworden, so dass das Erscheinen eines neuen Buches, welches einen ähnlichen 
Zweck verfolgt, mit Freuden zu begrüssen ist. Dieses wurde unter Berücksichti- 
gung der einschlägigen neueren Literatur verfasst und enthält zunächst die ana- 
lytischen Schlüssel zur Bestimmung der Ordnungen, Familien und Gattungen 
der Fische, von denen die wichtigsten auf den Markt kommenden Arten, 187 
an der Zahl, durch kurze Beschreibungen charakterisirt werden. — Ein zweiter 
! Abschnitt ist den Wirbellosen gewidmet und behandelt 78 Arten, vorwiegend 
; Krebse und Mollusken. Bei den meisten Thieren ist nebst der Besehreibung eine 
I Angabe über deren Vorkommen und gastronomischen Werth zu finden. — Wer 
' den letzteren selbst experimentell zu prüfen wünscht, findet in dem dritten Theile 
des Buches eine Anzahl von Kochrecepten, welche die Zubereitung der verschiedenen 
„frutti di mar" auf Triestiner Manier lehren und nach dem ürtheile einer im 
Sieden und Braten der „Früchte des Meeres" erfahrenen Dame als verlässlich zu 
empfehlen sind. — Es wurden die Listen der aufgezählten Arten nicht strenge 
auf ihre Vollständigkeit controlirt, doch ist das Fehlen der Cynthia micro- 
cosmos aufgefallen, einer Ascidie, die über Kohlen gebraten von ärmeren Leuten 
häufig gegessen wird ; dafür entschädigen uns aber wieder die beiden Eecepte zur 
Zubereitung der griechischen „Land"-Schildkröten, welche den Schluss des Koch- 
buches für „Seethiere" bilden. L. v. Lorenz. 

Wettstein, K. Y. Monographie der G-dttung Euphrasia. Leipzig (W. Eugel- 
mann), 1896. 316 S., 14 Tafeln, 4 Karten, 7 Textillustrationen. 
|| „Nicht in der Sammlung einer möglichst grossen Zahl einschlägiger 

' Angaben . . . sondern in dem Versuche, durch Vertiefung in das Studium 
eines Formenkreises möglichst weit in der Erkenntniss des entwicklungsgesehicht- 
lichen Zusammenhanges der einzelnen, sich der Beobachtung darbietenden Formen 
zu gelangen", sieht Verfasser die Aufgabe einer modernen Monographie. Diese 
Aufgabe hat Verfasser in Bezug auf die Gattung Euphrasia in glänzender Weise 
gelöst, so dass das vorliegende Werk als Muster einer dem gegenwärtigen Stand- 
punkte der Systematik entsprechenden Monographie bezeichnet werden kann. 

Im allgemeinen Theile werden nicht nur die morphologischen (inclusive 
anatomischen), sondern auch die physiologischen und biologischen Verhältnisse 

20* 



150 



lleferate. 



ausführlich behandelt. Besonderes Interesse bieten die Culturversuche des Ver- 
fassers, aus denen sieh ergab, dass die Keimung der Euphrasia-^nmeu von dem 
Vorhandensein eventueller Nährpflanzen unabhängig ist, dass auch beblätterte 
Sprosse ohne Pai'asitismus gebildet werden können, dass aber Blüthcn und Früchte 
nur an jenen Euj^hrasia-'Püimzeii zur Entwicklung kommen, deren Wurzeln mit 
den Wurzeln von Nährpflanzen (Gramineen oder Cjperaceen) in Verbindung stehen. 
In Bezug auf die Blüthenbiologie ist bemerkenswerth, dass die grossblüthigen 
Arten (Beispiel: E. l^ostl-ovia7ia) auf Befruchtung durch Insecten angewiesen 
sind, während die kleinblüthigeu (Beispiel: E. SaUshurgensis) der Autogamie 
angepasst sind. Die Ai'ten mit mittelgrossen Blüthen, wie Euphrasia stricta, 
verhalten sich intermediär, d. h. sie sind insectenblüthig, ohne die Autogamie 
auszuschliessen. 

In dem Capitel „Artbildung" nennt Verfasser als Ursachen der Gliederung 
in der Gattung Euphrasia die Hybridisation, die Verbreitung über Gebiete von 
verschiedener klimatischer Beschaffenheit und die Unterbrechung der Vegetations- 
zeit durch äussere Ursachen. Diesen letzteren Fall zieht Verfasser zur Erklärung 
des Vorkommens früh- und spätblühender Parallelarten heran, zu deren Ent- 
stehung namentlich das regelmässige Mähen der Wiesen beigetragen haben dürfte 
(Saison-Dimorphismus). 

In Bezug auf die Entwicklungsgeschichte der Gattung Euphrasia und 
ihrer Arten kommt Verfasser zu folgenden Resultaten: Mit Euphrasia zunächst 
verwandt sind die Gattungen Bellardia, Tarentucellia (= Eufra(jia), Omphalo- 
thrix, Orihantha (Euphrasia lutea), Odontites und Bartschia, welche alle von 
eiueni gemeinsamen Stamm abzuleiten sind. Die Gattung Euphrasia selbst zer- 
fällt in zwei .scharf gesonderte Sectioneu: Euphrasia Wettst. (73 Arten, auf 
beiden Erdhälfti-n) und Triftdae Beuth. (14 Arten in Südamerika). Die erste 
dieser Sectioneu zerfällt wieder in zwei Subsectionen : Semicalearatae Benth. 
(51 Arten auf der nördlichen Hemi.sphäre) und Australcs Benth. (19 Arten in 
Australien). Die „Semicalearatae'', zu welchen somit alle euro])äischen, asiatischen 
und nordjimerikanischen Al ten gehören, gliedern sich weiter in „Parviflorae"' (ein- 
hi'iinische 'J'vpeu: E. stricta, E. minima), „Grandißorae'' {E. liostl-oviana u. a.) und 
„Anfiustifolidc'' (E. SaUshurgensis u. a.). Die höchst interessanten Ausführungen 
des Verfassers über den muthiiuissliclicn ])]iylogenetischen Zusa,mmenh;iiig zwischen 
den einzelnen Ai'ten dieser (jlrujipen können hi(!r nicht wiedergegeben werden. 

\h-m siiecicllen 'J'heile der Mon()gra])hie geht eine Bestimmungstabelle für 
saiinutliche Arten in lateinischer S]iraeh(! voraus, deren Benützung durch die bei 
den nieibten Arien v(irli:in(lenen Hinweise auf die Abbildungen wesentlich er- 
leichUrt wird. 

Heziiglicli des speeiellcn Tlieiles sei herv()ig('li()l)(!n, dass die l)i:igu(»sen in 
lali'iniM'her Sprache verfasst sind, dass in densellicn die ehaiakteristisclu'U Merk- 
ludh' durch Sperrdruck hervorgelioben sind, dass ausl'iilirliclu! Synon.ymenver- 
zeichniMNO jffffirhen und auch die ExHiccaten und Abl»ildungen bei den ein/einen 
Arten nnKcführt sind, eudlicli dass die Staudorl-svei zeichnisse iriit grosser Genauig- 
ki'il zuHaniniengeslellt hind. Neu besehrieben, bezw. neu benannt sind folgende 



Tiefe rate. 



151 



Arten in der Grupi)e der Pao'viflorae: E. Jaeschlei (Himalaja), E. Begelii 
(Kaukasus, Persieu, Himalaja etc.), E. Maorimoiciczii (Mandschurei- Japan), E. 
horealis (Towns. mscr.) (Grossbritannien, Far-Oer). E. muUifolia (Japan), E. Ameri- 
cana (Nordamerika), E. occidentaUs (Insel Ouessant), E. Foulaensis (Towns. 
mscr.) (Shetlaud-Inseln), E. OaJcesii (Nordamerika), E. Scottica (Schottland); 
in der Gruppe der Grandiflorae : E. Himalayica (Himalaja), E. ScJilaginhveitii 
(Himalaja, Altai etc.), E. paucifoUa (Himalaja, Tibet), E. petiolaris (Kaukasus, 
Himalaja, etc.); in der Gruppe der Ängiistifoliae: E. Italica (Italien, Spanien), 
E. Japonica (Japan), E. insignis (Japan); unter den Äustrales: E. Muelleri 
(Australien), E. glacialis (Australien), E. Zelandica (Neuseeland), E. Berggreni 
(Neuseeland), E. Dyeri (Neuseeland), E. Hookeri (Tasmanien); aus der Section 
Trifidae: E. flavescens (Philippi mscr.) (Chile), E. dehilis (Araucania). 

Bemerkenswerth ist, dass dem Verfasser nicht weniger als 22 hjbride 
Eu])hrasien bekannt geworden sind (durchwegs aus Europa). Es ist wohl zu 
erwarten, dass, nachdem jetzt durch die Studien des Verfassers die euro])äischen 
Arten der Gattung und deren Verbi'eitung klargelegt ist, nun die Hjbriden an 
zahlreicheren Orten aufzufinden sein werden. 

Eine besondere Zierde der vorliegenden Monographie bilden die derselben 
beigegebenen Tafeln. Die erste derselben enthält zumeist anatomische Bildei", 
unter denen jene, welche sich auf die Haustorien beziehen, von besonderem In- 
teresse sind. Tafel II bringt morphologische Details und Darstellung der Be- 
stäubungseinrichtungen. Die Tafeln III— VI sind den zu den einzelnen Arten 
gehörigen Analjsen gewidmet, meist einzelne Blüthen, Laub- und Deckblätter 
und Früchte darstellend. Besonders werthvoll ist es, dass die auf derselben Tafel 
abgebildeten Analjsen in der Regel in demselben Massstabe ausgeführt sind, 
wodurch die Vergleichung wesentlich erleichtert ist. Die noch folgenden acht 
Tafeln enthalten durchwegs photographische Reproductionen ganzer Herbar- 
Exemplare der einzelnen Arten, wo es möglich war, von Original-Exemplaren, 
zum Theil sammt den Original-Etiquetten, Diese Art der Reproduction sei für 
ähnliche Arbeiten bestens empfohlen ! Die vier Karten bi'ingen die Darstellung 
der geographischen Verbreitung der Gattung, ihrer Sectionen und der wichtigsten 
Artengruppen und einzelnen Arten; die erste ist eine Weltkarte, die drei anderen 
betretfen nur europäische Arten. 

Alles in Allem ein Meisterwerk, welches mit vollem Rechte durch Ver- 
leihung eines De Cand olle 'sehen Preises ausgezeichnet wurde. Es wäre zu 
wünschen, dass recht viele formenreiche Gattungen in ähnlicher Weise bearbeitet 
würden. C. Fritsch. 

Millspaiigh Ch. Fr. Contribution to the Flora ofYucatan. Field Colum- 
bian Museum. Publication 4. (Botan. Ser., Vol. I, Nr. 1.) Chicago, 1895. 
In der Einleitung dieser Abhandlung nennt Verfasser jene Sammler, 
welche Yucatan besuchten. Im Jahre 1835 war der bekannte belgische Gärtner 



1) Die vom Verfasser schon vor Erscheinen dieser Monograpliie (zumeist in der Oesterr. botan. 
Zeitschrift) publicirten neuen Arten sind hier weggelassen. 



152 



Referate 



J. Liudeu dort und sammelte circa 25 Arten von Pflanzen, die ersten, welche 
aus Yucatau bekannt wurden. 1848 sammelte Johnson eine etwas grössere 
Zahl von Pflanzen daselbst. Die erste grössere Sammlung — aber auch diese 
nur von 224 Arten — brachte der Ornithologe Gaumer im Jahre 1886 aus 
Yucatan, Ausser diesen war bis zum Erscheinen der „Biologia Centrali-Americaua" 
nichts aus Y'ucatan bekannt. 

Verfasser hatte im Jcänner 1895 Gelegenheit, in Yucatan circa 200 Pflanzen 
zu sammeln, und publicirt nun die Bearbeitung derselben. Er führt übrigens 
auch die von den früher genannten Sammlern gefundenen Arten an, so dass seine 
Abhandlung eine Aufzählung sämmtlicher aus Yucatan bekannter Pflanzen ent- 
hält. Unter denselben sind 4 Jungermanniaceen (bestimmt von Underwood), 
3 Laubmoose (bestimmt von Cardot), 9 Farne (bestimmt von Da venport) und 
455 Blüthenpflanzen. 

Die systematische Anordnung lehnt sich an En gier 's „Pflanzenfamilien" 
an. Au der Bestimmung einzelner Blüthenpflanzen betheiligten sich S er ihn er, 
Britton und Coulter. Die überwiegende Mehrzahl derselben wurde vom Ver- 
fa.'^ser selbst in St. Louis (Institut des Prof. Trelease) bestimmt. Neu beschrieben 
sind nur zwei Euphorbien: E. Armourii Millsp. und E. astroites var. heterappen- 
diculata Millsp. Wenn nicht der Artbegritf des Verfassers ein sehr weiter ist, so 
lässt sich aus der geringen Anzahl der Novitäten auf eine an endemischen 
Formen arme Flora schliessen. — Bei vielen Arten sind die Vulgärnamen der 
Mayas beigefügt. 

Von den Tafeln bringt die erste einen mächtigen, verzweigten Stamm von 
Ficus nihiginosa, die zweite ein Habitusbild und zwei Analysen der neuen 
Kuphorhia Armourii, die dritte und vierte ein wildwachsendes und ein cultivirtes 
E.\emplar von Carica Papaya, um den Unterschied in der Ueppigkeit und in der i 
Grösse der Früchte zu zeigen. 

Am Schlüsse fludet sich eine tabellarische Zusammenstellung der aus 
Yucatan (mit Eiuschluss der Li.seln Cozumel etc.) bekannten Gattungen und| 
Arten aus den einzelnen Familien, dann ein Index der Gattungs- und derj 
Localnamen. C. F ritsch. 



153 



General -Versammlung am 1- April 1896. 

Vorsitzender: Herr Ciistos Dr. Emil v. Marenzeller. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
^- P. T. Herren 

Frau Gräfin Draskovich von Trakostjän, 

Wien, I,, Canovagasse 7 Durch das Secretariat. 

Herr Hugo Hinterberger, Lector an der 

k. k. Universität, Wien, IX., Pelikangasse 18 J.Brunnthaler, Dr. A. Zahlbruckner. 



Eingesendete Gegenstände : 

100 Stück Insecten für Schulen von Herrn E. Kautetzky. 
50 Stück Schmetterlinge für Schulen von Herrn A. Metzger. 
Flora exsiccata Austro-Hungarica, Cent. XXVII— XXVIII, vom botanischen 
Museum der k. k. Universität in Wien. 



Der Vorsitzende eröffnete die 46. Jahres -Yersammlung mit 
einem Hinweis auf den schmerzlichen Verlust, welchen die Gesell- 
schaft durch den Tod ihres langjährigen yielverdienten Präsidenten, 
des Fürsten Colloredo-Mannsfeld erlitten und begrüsste dieselbe 
im Namen des neugewählten Präsidenten Dr. Eichard Dräsche 
Freiherrn v. Wartimberg, der gegenwärtig fern von Wien weilt. 

Er lud sodann die Anwesenden ein, die infolge der Statuteu- 
■änderung nothwendig gewordene Neuwahl sämmtlicher Functionäre 
vorzunehmen und ersuchte die Herren Paul Low und Alois Teyber, 
das Scrutinium der abgegebenen Wahlzettel durchzuführen. 

Nach beendetem Wahlacte erstatteten die Functionäre die 
üblichen Jahresberichte. 



Z. P,. fios. Bd. XLVI. 



21 



154 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



Bericht des Präsidenten -Stellvertreters Herrn Custos Dr. Emil 

V. Marenzeller. 

Vereinigungen wie die unsere werden häufig mit einem Organismus höhe- 
rer Art verglichen. Wir haben ein Haupt und Glieder, das Princip der Arbeits- 
theilung ist deutlich ausgeprägt, wir sehen die verschiedenen Functionen durch 
eigene Organe besorgt und hier wie dort ein beständiges "Werden und Vergehen 
der Grundelemente. Solche gesund organisirte Verbindungen gedeihen auch, 
wachsen, blühen und bringen Früchte. Und um den Vergleich vollständig zu 
machen: mitten in den Stunden des vollsten Glückes beschleicht auch uns manch- 
mal der Gedanke, dass all' dies Schöne und Gute mit einem Male aus sein könne 
und vorbei. Wir erinnern uns, dass alles höher Organisirte vergänglich ist, dass 
jeder Augenblick einen Schritt weiter in der Eeihe jener Veränderungen bedeutet, 
welche die organische Substanz bei einigen Wesen furchtbar rasch, bei anderen 
allmälig unfähig machen, den Lebensprocess fortzusetzen. Und mit dem Still- 
stand wird der Zerfall eingeleitet. 

August Weismann, der nach der Dauer des Lebens forschte, findet, „dass 
es die äusseren Bedingungen desselben sind, welche den Organismen gewisser- 
massen die Feder einsetzen, oder besser, die ihn selbst zu einer Feder von be- 
stimmter Stärke machen, welche nach bestimmter Zeit die Spannkraft verliert, 
kurz, dass die Lebensdauer wesentlich auf Anpassung an die äusseren Lebens- 
verhältnisse beruht, dass sie normirt, das ist verlängert oder verkürzt werden 
kann, je nach dem Bcdürfniss der Art, dass sie genau durch denselben mecha- 
nischen Regulationsprocess geregelt wird, durch den auch der Bau und die Func- 
tionen des Organismus seinen Lebensbedingungen angepasst werden". 

Aehnlich würde meiner Meinung nach auch ein Verein wie der unsere 
trotz dem Ersatz der Glieder, welche abfallen oder der Zeit ihren Tribut zahlten, 
dem Untergang geweiht sein, wenn er den äusseren Bedingungen, unter welchen er 
entstanden, fort und fort angepasst bliebe, während rings um ihn neue entstanden] 

Allein diejenigen, welchen der Bestand eines solchen Organismus am 
Herzen liegt, haben es glücklicherweise in der Hand, die Fessel, welche an die 
Vergangenheit binden, zu brechen, sobald es die Gegenwart erheischt, und einen 
Vorjiuigungsprocess einzuleiten, der in der organischen Welt ohne Beispiel steht: 
denn die lel>cDdige Sub.stanz kann ihre Zusammensetzung und damit ihre Lebens- 
äusscrungen nicht ändern. j 

In diesem Sinne bitte icli die Neuerungen aufzufassen, welche die Leitung 
unserer Gesellschaft als für deren ferneres Leben ei-forderliche und gedeihliche 
im verflossenen Jahre theils bereits einführte, theils anbahnie. Ks sind dies di( 
Aufgabe unserer Verhandlungen in monatlidien Heften und die Aufnahme vor 
Pifff-nit^-n in difsflbf-n als ständige Beigabe, ferner die Acnderung unserer Sta-i 
t.uf<-n. Der Entwurf derselben ist in ihren Händen. Er bezweckt eine andere 
Zunammensctzung des Ausschusses, die Einführung von Ehrenmitgliedern un^ 
die Errichtung von Seclionen. Die Wahl zum Ausschussmit.gliede wird auol-j 
f*'rn»Thin ein Vertrauensvotum sein, der Anerkiüinnng hoher Verdienste um di( 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



155 



Wissenschaft oder um unsere Gesellschaft glauben wir verstärkten und besseren 
Ausdruck zu geben durch die Ernennung zum Ehrenmitgliede. Der Ausschuss 
beehrt sich ihnen als solche vorzuschlagen die Herren: 

Bartsch Franz, k. k. Ober-Finanzrath. 

Brauer, Dr. Friedrich, k. k. Universitäts-Professor. 

Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl, k. k. Hofrath. 

Claus, Dr. Carl, k. k. Hofrath. 

Hauer, Dr. Franz v., k. k. Hofrath. 

Kerner v. Marilaun, Dr. Anton, k. k. Hofrath. 

Pelikan Freih. v. Plauenwald, Anton. 

Wies n er, Dr. Julius, k. k. Hofrath. 

(Unter allgemeinem Beifall fand die Wahl dieser Herren zu 
Ehrenmitgliedern auf Antrag Dr. Ostermeyer's durch Acclamation 
statt.) 

Durch die Bildung von Sectionen soll den Mitgliedern die weitgehendste 
Gelegenheit zu einer besonderen Pflege ihrer Specialität innerhalb des grossen 
j Muttervereines gegeben und einer ferneren schädlichen Zersplitterung der Kräfte 
durch Neubildung von Einzel vereinen entgegen gearbeitet werden. 

Ich habe endlich über eine wichtige Aenderung in der Verwaltung unserer 
Bibliothek zu berichten. Herr Ober-Finanzrath Franz Bartsch sah sich zu 
unserem grossen Bedauern durch die stetige Ausdehnung seiner Berufspflichten 
genöthigt, das verantwortungsvolle Amt eines Bibliothekars, welches er durch 
21 Jahre mit seltener Liebe und Ausdauer gepflegt, niederzulegen. Herr Franz 
Bartsch hat sich den tiefgefühlten Dank eines Jeden erworben, der den Stolz 
und Schatz unserer Gesellschaft, unsere Bibliothek, zu schätzen weiss. Seine opfer- 
volle Thätigkeit fand soeben in seiner Ernennung zum Ehrenmitgliede die ge- 
rechteste Anerkennung. 

Die Verwaltung der Bibliothek hat nunmehr ein Comite, bestehend aus 
den Herren Dr. Zahlbruckner, Brunnthaler und Dr. Krasser, in dankens- 
werther Bereitwilligkeit übernommen. 

Zum Schlüsse erübrigt mir noch die üblichen statistischen Daten zu geben. 

Unsere Gesellschaft besteht aus 452 Mitgliedern und 61 Lehranstalten. 
351 Gesellschaften tauschen mit uns ihre Schriften. 

Den allerhöchsten Protectoren sind beigetreten die Herren Erzherzoge: 
Franz Ferdinand von Oesterreich-Este, Eugen und Friedrich. 
. Der XLV. Band unserer Verhandlungen hat 446 Seiten und 6 Tafeln, 

j Als selbstständige Publication wurde herausgegeben, und zwar mit Unter- 

stützung des Autors, wofür demselben an dieser Stelle der Dank der Gesellschaft 
ausgesprochen wird: Monographie der Pseudophjlliden von Carl Brunner v. 
Wattenwyl. 282 Seiten in 8« mit 10 Tafeln. 

Gestorben sind die Herren: Valentin Ball, Julius Finger, Johann Fri- 
valdsky, Josef Heiser, Gustav Henschel, Aurel Scherffel, Carl Schieder- 
i mayer, Gustav Sennholz. 



! 21* 

1 

i 



15(3 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



Berieht des Secretärs Herrn Prof. Dr. Carl Fritseh. 

Iiu Jahre 1895 erschienen die „Verhandlungen der k. k. zoologisch-botani- 
schen Gesellschaft in Wien" zum ersten Male in zehn Monatsheften, welche ausser 
den Sitzungsberichten und Abhandlungen auch Referate enthalten. Die separate 
Pagiuirung der Sitzungsberichte wurde aufgegeben, was im Interesse rascherer 
OrieutiruDg und abgekürzter Citirung wünschenswerth erschien. Die Autoren 
der Abhandhingen, sowie die Vortragenden in unseren Versammlungen können 
gegenwärtig auf viel raschere Publication ihrer Arbeiten und Vortragsberichte 
rechnen, als früher, wo nur viermal jährlich ein Heft ausgegeben wurde. Ausser- 
dem wurde die Anzahl der Gratis-Separata von 30 auf 50 erhöht, was gewiss den 
meisten Autoren sehr willkommen ist. 

Obschon die meisten im XLV. Bande der „Verhandlungen" veröffentlichten 
Abhandlungen das Mass von zwei Druckbogen nicht überschreiten, übertrifft doch 
dieser Band den vorhergehenden an Umfang um mehrere Druckbogen. 

Er enthält an zoologischen Abhandlungen eine Arbeit von Bergh 
über Hcdyliden, zwei herpetologische Abhandlungen von Werner, eine interessante 
Mittheiluug über eine Süsswasser-J.?tewim von Grochowski, eine grössere Arbeit 
über Ameisen- und Termitengäste in Brasilien von Wasmann, einen Beitrag zur 
Kenntniss mitteleuropäischer Myriopoden von Verhoeff, eine Reihe entomo- 
logischer (zumeist Lepidopteren betreffender) Mittheilungen von Bohatsch, 
Gangibauer, Grobben, Handlirsch, Hormuzaki, Hutten-Klingen- 
steiu und Rebel, endlich die Beschreibung eines neuen afrikanischen Hundes 
von Lorenz. 

Unter den botanischen Abhandlungen beschäftigen sich die meisten 
mit der Phanerogamenflora Eurasiens: hieher gehören die Arbeiten von 
Bock, Flatt, Fritseh, Hackel, Procopianu-Procopovici und Rehmann. 
Maly lieferte einen werthvollen Beitrag zur Kenntniss der Diatomeenflora Böhmens, 
Juck einen ebensolchen zur Lebermoosflora Tirols. Die anatomisch-physio- 
logi.sche Pachtung ist durch Abhandlungen von Burgerstein, Linsbauer 
und Schrötter, die Palaeo])hy tologie durch eine Mittheilung Krasser's 
vertreten. 

Die Sitzungsberichte cntlialten wissenschaftliche Notizen von den Herren 
Adensainur, Eichenfeld, Fritseh, Garbowski, Lorenz, Marenzeller, 
Müllner, Scherffel, 'i'cyber und Werner. 

I'nttT den \ici'iiv:\t('.n sind insbesondere diejenigen hervorzuheb(!n, welche 
in zusaniinenfasscnder Weise die neue Literatur bestimmler Fachgebiete 
iM'liiindeln, wie die „IJcbersicht über die wichtigste auf Oesterreich Bezug nehmende 
florihtisch«' und jtfianzengeographiselie fiiteratur des Jahres 1894" von Bock und 
(He Uerichto Uebol'.s über L-pidopterologischo Puhl i cationen. Ucber 
einzelno Werk«; wurde in drr „,ir dann referirt, wenn Rcconsions- 

Kiemiilurc für die Ge.sellschafts-BiMiotlKrk (iinlieHin od((r wenn vorauszusetzen 
war, dajw ihr Inhalt für unsere Mitglieder besonderes Interesse habe. Es wird 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



157 



das Bestreben des Bedactions-Comites sein, dafür Sorge zu tragen, dass auch 
aus solchen Fachgebieten, die bisher unter den Keferaten nur schwach vertreten 
waren, wenigstens über die wichtigsten literarischen Erscheinungen den Mitgliedern 
regelmässig berichtet wird. 

Im Jahre 1895 erschien auch das General-Register zu den Jahrgängen 
1881 — 1890 der „Verhandlungen". Da die Drucklegung desselben bedeutende 
Kosten verursachte, so wurde die Einrichtung getrotfen, dass von nun an zu 
jedem Band ein Sachregister ausgegeben wird, welches die spätere Zusammen- 
stellung eines General-Eegisters überflüssig macht. Das Sachregister für den 
Jahrgang 1895 haben in dankenswerthester Weise die Herren A. Handlirsch 
und Dr. A. Zahlbruckner zusammengestellt. Für die Jahrgänge 1891 — 1894, 
welchen kein solches Sachregister beigegeben ist, wird ein kurzgefasstes General- 
Register noch ausgegeben werden. 

Gleichzeitig mit der Abänderung der Erscheinungsweise der „Verhandlungen" 
wurde im Herbste 1894 auch der Beschluss gefasst, grössere Abhandlungen, die 
den für die Monatshefte zulässsigen Umfang überschreiten, als selbstständige 
Werke herauszugeben. Im Jahre 1895 erschien ein solches umfangreiches Werk, 
die „Monographie der Pseudophylliden" von C. Brunner v. Wattenwyl, unter 
namhafter financieller Unterstützung von Seite des Autors. 

Mit dem Danke an alle jene Herren, welche durch Einreichung wissen- 
schaftlicher Abhandlungen, durch Berichte über ihre Vorträge, durch Uebernahme 
von Referaten, sowie durch Einsendung von Recensions-Exemplaren neuer Werke 
und Separat -Abdrücke die publicistische Thätigkeit der Gesellschaft gefördert haben, 
sei dieser Jahresbericht geschlossen. 



Bericht des Secretärs Herrn Anton Handlirsch. 

Wie aus dem Berichte des Herrn Vorsitzenden zu entnehmen, scheint in 
dem Vereinsleben endlich wieder eine aufsteigende Tendenz die Oberhand zu 
gewinnen. Das Secretariat war bemüht, die Ursachen des zwar langsamen, aber 
regelmässigen Rückganges, welcher seit einigen Jahren unsere Statistik kenn- 
zeichnet, zu ergründen und geeignete Mittel dagegen zu finden. 

Eine Umgestaltung unserer Publicationen und Statuten, verbunden mit 
nicht unwesentlichen Aenderungen in der Verwaltung sind nebst einer intensiveren 
Agitation als die ersten Schritte zu betrachten, um dem Vereine neue Mitglieder 
und Freunde zuzuführen und eine regere Vereinsthätigkeit hervorzurufen. 

Ich kann es nicht unterlassen hier dankend der Unterstützung zu er- 
wähnen, die Herr Dr. Rebel durch Veranstaltung eines Cyclus lepidopterologischer 
Vorlesungen dem Vereine zu Theil werden Hess. 

Die laufenden Agenden des Secretariates konnten trotz ihres bedeutenden 
Umfanges ohne Rückstand erledigt werden. 



158 



Gcuoral -Versamiulung am I.April 181)6. 



Wie alljährlicli wiirdeu aiicli im Jahre 1895 durch Herrn Dr. Oster- 
meyer und den Eoferenten zahlreiche Lehrmittel (3802) an 14 Schulen vertheilt. 
Für die Liefermigen des zur Vertheilung bestimmten Materiales sind wir ausser 
dem botanischen Museum der k. k. Universität und dem k. k. naturhistorischen 
Hofmuseum folgenden Herren verpflichtet: 

Dr. Adensamer (Corallen und Muscheln), Brunnthaler (15 Pflanzen), 
Dr. G raffe (zahlreiche Seethiere), Hetschko (COO Insecten), Hungerbyehler 
(30 Pflanzen), H um ml er (200 Insecten), Kaufmann (600 Käfer), Kautetzky 
(50 Schmetterlinge), Baron Liechtenstern (diverse zoologische Präparate), 
Metzger (50 Lepidopteren), Müllner (75 Pflanzen und Gallen), Dr. Ostermeyer 
(600 Pflanzen), Otto (200 Insecten), Eechinger (30 Pflanzen), Rodeck (eine 
grosse Schmetterlingsammlung), Sandany (30 Pflanzen), Scholl mayer (eine 
Anzahl zoologischer Präparate), Dr. Stohl (300 Pflanzen), Prof. Wettstein 
(105 Pflanzen). 

Die Durchführung des vom hohen Unterrichtsministerium angeregten Aus- 
tausches naturhistorischer Lehrmittel der Mittelschulen hat Herr Prof. P. Pf urt- 
scheller übernommen. 



Uebersicht der im Laufe des Jahres 1895 an Lehranstalten abgegebenen zoologischen 
und botanischen Lehrmittel, 



o 

s 
a 

s 
a 

an 

^ 


Bezeichnung der Schule 


Wirbelthiere 


Weichthiere 


Glieder- 
füssler 


Strahlthiere,! 
Würmer 


Pflanzen 


Zusammen 


1 


Wien, II., Wintergasse 12, Volksschule . . . 


12 


45 


120 


2 


300 


479 


2 


Donaufcld, Volks- und 15iirgerschulc für 


















15 


•10 


122 


2 


300 


470 


3 


Wien, III., Rocbusgassc IC, Bürgerschule für 


















15 


•10 


122 




300 


470 


4 


üroMh-Tajux in Mähren, Volksschule 


11 


1 








l!l 


5 


Graz, Staats-Koalschule 






17S 






17H 


6 


LooBdorf, VolksHchulo 




14 








31 


7 


Lichten, VolkK.schulc 


11 


y5 


150 






lltH 


8 


Odruu, iJfirgorhchulo 




40 


KiÜ 




300 


112 


V 


Prag. Vgl. Stift EmauH 




40 


100 


;! 


301) 


413 


10 


NikolNburg, Ufirg«'rMchulo 




40 


lOü 




300 


112 


11 


Wi«-M, XVII., k. k. oniciorHtocIilcr-lnslilul . 


5 


12 


(; 






2;i 


IS 


AdnUhorg, Volkwdchule 






100 






100 


IS 


M«Aiiing, Volki»hchul« 




10 


120 




:;oi» 


ii;o 


14 


Wi«-n. III., IIoonioMgaMni-, Volks- und ltiirf,'r!r- 
















M;»m|i. ror Knalirn 


20 






1 




2(i 




Mumm.- . . . \ 


112 


:m 


1220 


2. 


21(10 


3802 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



159 



Berieht des Rechnungsführers Herrn Josef Kaufmann. 



Eiuuahmeu: 

Jahresbeiträge mit Einsehluss der Melirzahlungen und Eintritts- 
taxen von zusammen fl. 79.44 fl. 2.808 . 74 

Subventionen - 1.390 . — 

Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die Xaturalwohnung 

im Landhause « 2.500 . — 

Zins für den vermietheten Wohnungstheil „ 400 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druck-Ersätze 574 . 95 

Interessen von TVerthpapieren imd Sparcasseeinlagen . . . . „ 320 . 70 
Für die Benützung der Vereinslocalitäten vom Ornithologischen 

Verein und von den Gärtnern 100 . — 

Porto-Ersätze 26.97 

Sonstige Ersätze und Einnahmen > 19. — 

Für den TVohnungsfond angekaufte 300 fl. einheit- 
liche Xotenrente und 300 fl. Wiener Ver- 
kehrsanleihe fl. 60rt . — 

Summa . . fl. S.140 . 36 

in Baarem und fl. 6i!'0 . — 

in TVerthpapieren ; und mit Hinzurechnung des am 
Schlüsse des Jahres 1894 verbliebenen Cassa- 

restes von , 4.200 . — . 4.25 8 . 94 

im Ganzen . . fl. 4.800 . — fl. 12.399 . 30 

Aussraben: 

Besoldung des Kanzlisten fl. 600 . — 

Quartiergeld des Kanzlisten ^ 180 . — 

Versicherungsprämie für den Kanzlisten „ 50 . 52 

Remunerationen und Xeujahrsgelder « 77.— 

Gebühren -Aequivalent 10 . 53 

Äliethzins vom Mai 1895 bis Mai 1890 1.950 . — 

Versicherimgsprämie für Bibliothek, Herbar, Möbel etc 36 . 85 

Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Gesellschafts- 

loc<ilitäten ^ 201 . 32 

Kanzleierfordernisse „ 150 . 39 

Porto- und Stempelgebühren _ 357 . 21 

j Erforderniss für das Museum „ 10 . — 

I Büchereinkauf „ 576 . 04 

Buchbinderarbeit für die Bibliothek 350 . 81 

Ankauf von 300 fl. einh. Notenrente und 300 fl. Wiener Verkehrs- 
anleihe für den Wohnungsfond „ 603 . 85 



160 



General- Versammlung am 1. April 1896. 



Herrn J. Knapp für die Verfassung des Registers 1881 — 1890, Rest fl. 20 . — 

Sonstige Auslagen „ 86.11 

Herausgabe von Druckschriften: 

Für den Band XLV der Verhand- 
lungen, Druck und hroschiren . fl. 1.800.48 

Illustrationen „ 308 . 76 fl. 2.109.24 

Für die Monographie der Pseudophyl- 
lidenvon C. Brunner v. Watten- 
wyl, Druck und hroschiren . . fl. 739 . 50 

niustrationen „ 754 . 25 „ 1.493.75 

Orts- und Sachregister 1881—1890, Druck und 

hroschiren . „ 1.044.81 „ 4.647.80 

Summa . . fl. 9.908.43 

Hiernach verhlieh am Schlüsse des abgelaufenen Jahres 1895 ein Cassarest 
von fl. 2.490 . 87 in Baarem und fl. 4800 . — in Werthpapieren ; ersterer ist 
grösstentheils bei der Ersten österreichischen Sparcasse hinterlegt. 

Die Werthpapiere bestehen aus: 

1 oinh. Silberrente vom 1. Juli 1868 zu 50 fl. 

5 oinh. Silberrenten vom 1. Juli 1868 ä 100 fl. 

2 cinh. Silberrenten vom 1. October 1868 a 100 fl. 

6 cinh. Notenrenten vom 1. August 1868 a 100 fl. 

1 cinh. Notenrente vom 1. November 1868 zu 1000 fl. 

20 einh. Notenrenten vom 1. November 1868 a 100 fl. 

1 ungarische Kronenrente vom 1. December 1892 zu 100 fl. (200 Kronen). 

:j Wiener Verkehrsanleihe vom 31. März 1894 ä 100 fl. (200 Kronen). 

1 Rudolfslos zu 10 fl. 

1 Clarylos zu 40 fl. 

Hieven 1 Notcnrcnto zu 100 fl., 1 ungarische Krononrontc zu 100 fl. und ein 
Rudolfslos als Spende des Herrn k. k. General -Auditors Martin v. Damia- 
nitsch zum Andenken an seinen am 19. October 1867 verstorbenen Sohn 
Rudolf Damianitsch, stud. jur. (2 Rudolfsloso sind IxM-oits ohiio TrcflVr 
gezogen worden.) 

Vorzoichniss 

<\i-y im .TaliH! 1895 der Gesellschaft gewährten 
Siibvontionon : 

Von Sr. k. u. k. Aposf ollvrlu-n Majcstiit dcni Kaiser Franz Josef T. fl. 200 . — i 
„ Ihnri k. und k. Hcdicih'ii den diinli];iu(]if,igsicri frcrrcn Frz- 
lifTzogfn : 

<';irl Lud wig „ :U) . — 

Ludwig V jrt.ir „ 20 . — 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



161 



Franz Ferdinand von Oesterreich-Este fl. 50. — 

Albrecht „ 50.— 

Josef Carl „ 50.- 

Eainer „ 50 . — 

Eugen „ 50 . — 

Friedrich „ 50 . — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Baiern „ 40 . — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht . . . . „ 300 . — 

„ löblichen Gemeinderathe der Stadt Wien „ 500 . — 

Verzeichniss 

der für das Jiihr 1895 geleisteten höheren Jahresbeiträge von 7 fl. aufwärts. 

Von den P. T. Herren: 
Liechtenstein, regierender Fürst Johann von, Durchlaucht . . . fl. 25 . — 
Dumba Nikolaus, Heidmann Alberich, Kinsky, Fürst Ferdinand, 
Durchlaucht, Pelikan v. Plauenwald, Anton Freiherr v., 
Ptothschild, Albert Freiherr v., Schwarzenberg, Adolf 

Josef Fürst, Durchlaucht, je „ 10 . — 

Bachinger August „ 8. — 

Schnabl, Dr. Johann „ 7.98 

Navaschin, Sergius v „ 7.80 

Eöder, Victor v . . . „ 7.29 

Berg, Dr. Carl „ 7.26 

Bernhauer, Dr. Max, Fritsch Josef, Miebes Ernest, Rossi Lud- 
wig, Vogel Franz A. je 7. — 



Berieht des Bibliothek-Comites. 

In den ersten drei Quartalen des Jahres 1895 besorgte Herr Ober-Finanz- 
rath F. Bartsch die Geschäfte der Bibliothek. Als im September Herr Bartsch 
sein langjähriges Amt eines Bibliothekars zurücklegte imd seine um den Verein 
so verdienstvolle Thätigkeit abschloss, übernahm ein Comite, bestehend aus den 
Herren J. Brunnthaler, Dr. Fr. Krasser und Dr. A. Zahlbruckner, die Ver- 
waltung der Vereinsbibliothek. 

Die Zuwächse der Bibliothek betrugen im Jahre 1895: 

Periodische Schriften 397 Bände. 

Einzelwerke und Sonderabdrücke . . . 174 Nummern in 183 Theilen. 
Von den Zeitschriften wurden 12 Bände durch Kauf (resp. Abonnement) 
erworben, die übrigen liefen im Wege des Schrifteutausches gegen unsere „Ver- 
handlungen" ein. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 22 



162 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



Diejenigen Einzelwerke und Sonderabdrücke, welche der Verein als Geschenk 
erhielt, wurden in unseren „Verhandlungen" ausgewiesen. 

Von den im Laufe des Jahres 1895 erworbenen und zur Aufstellung 
gelangten Handbüchern seien die folgenden genannt: 

Index Kewensis, 4 Bände (Kauf). 

Lister: Myzetozoa (Geschenk). 

Beck: Monographie der Gattung Orohanche (Geschenk). 

Dalla Torre: Catalogus Hymenopterorum (Kauf). 

Gangibauer: Käfer von Mitteleuropa. II. (Geschenk). 

Lethierry et Severin: Catalogue generale des Hemipteres (Kauf). 

Mit 11 Instituten wurden Tauschverbiudungen neu angekaüpft. 

Nachdem sich die dringende Nothwendigkeit eines Zettelkataloges unserer 
Bibliothek immer mehr und mehr fühlbar machte, wurde im Laufe der Winter- 
monate mit der Herstellung eines solchen begonnen. Es wurden bereits für bei- 
läufig 800 Nummern die Zettel hergestellt. Dieselben wurden alphabetarisch 
geordnet in Soenueken's Briefordner eingereiht und der allgemeinen Benützung 
übergeben. 



Herr Prof. Dr. C. Palacky sprach über die geologische 
Evolution der Blüthe. 

Nach einem kurzen Hinweis auf die neuesten teleologischen Arbeiten in 
der Palaeontologie, speciell die letzte von Gaudry in der „Revue des deux mondes" 
vom 1.5. Februar bis 1. März d. J., wurde eine kurze Skizze der Entwicklung der 
Blüthe gegeben, nachdem die Lücken unserer Kenntnisse speciell vor dem Bern- 
stein besprochen waren. 

Besonders wurde der Uebergang von der Spaltung zur Conjugation in den 
Algen und auch die interessante Kemanenz bei den Balanophoreen — die 
Linn»* fbenso wie die Podostemonaceen nicht als Phanerogamen gelten lassen 
wollte — mit Hinweis auf die Flora Brasiliensis erwähnt. Als Grundtendenz 
stellt sich der Schutz der Befruchtung heraus, doch ist der Weg der Evolution 
kein gerader. So .sind die Formen, die keine eigentlichen Blüthen haben, niedriger 
orgaui.sirt als die Laub- und Lebermoose. Die Gymnospermeen sind keine Ueber- 
jjangsbrücke, sondern ein aussterbender Versuch. Als noch stehen gebliebene 
Brücken stellen sich Podostemonaceen, Balanophoreen und Casuarinen dar. Der 
Arlieiten von Wanuing und Treub wurde nur gedacht. Ja die sogenannten 
Rhizoine der »aprophyteu und ej)iphytischen Orchideen — z. B. bei Coralliorrhiza 
innnta — sind wohl Kemunenz der Tliallusbildungen, wie jene oben erwälmten 
Familien aufwei.sen. Die älteren IMiitlien sind durcliwegs farblos und ohne 
M;hüt7.<'ndc Ilnllen, die Apetalen sind noch in Dacotah z. B. dominirend, erst im 
Mioeän tretiMi zahlreichere böliere Formen auf. Die 'J'rennung der Geschbicliter 
int nicht fort^^eHch ritten, dagegen weiw-n die niodctrnsten aller Pflanzen, die Compo- 
fitcn, dio jfrosst/' Bliith«'nmasHe — gewissermassen Masseiildumen gegenii])er den 
alU-n Kinzelnblüfben auf. 



General -Versammlung am 1. April 1896. 



163 



Bedauerlicher AVeise wissen wir wenig über den alten Befruclitungsmodus, 
ob die auemophile oder die Befruchtung durch Thiere die jüngere sei; da z. B. 
keine fossilen Orchideen noch bekannt sind, falls nicht welche im Bernstein, der 
so viel geliefert, noch entdeckt werden, könnte man durch eine mikroskopisch- 
chemische Analyse des Mageninhaltes der tertiären so zahlreichen Käfer etc., 
z. B. in Oeningen, zur Kenntniss gelangen, ob die Befruchtung durch Insecten 
^It sei; allerdings ist der Gegenbeweis nicht zu erbringen, obwohl der Farben- 
mangel eher dafür sprechen Avürde. Der Vortragende schloss mit der Aufforderung 
zur gemeinsamen Arbeit der Zoologen und Botaniker in dieser Richtung. 



Hierauf hielt Herr Custos Dr. E. v. Marenzeller einen Vortrag: 
„üeber das Verhalten der Thiere gegen hohe Kältegrade". 



Sodann yerkündete der Vorsitzende das Kesultat des Scrutiniums. 
Es wurden gewählt: 

Zum Präsidenten: 

Herr Dr. Eichard Dräsche Freiherr v. Wartimberg. 

Zu Vice-Präsidenten : 

Herr Custos Dr. Emil Edler v. Marenzeller. 
„ Dr. jur. Franz Ostermeyer. 

Zu Aussehussräthen : 



Herr Adensamer, Dr. Theodor. 

Beck R. V. Mannagetta. Dr. 
Günther, Professor. 

Braun Heinrich, Ingenieur. 

Brunner v. Wattenwyl, Dr. 
Carl, Hofrath. 

Brunnthaler Josef. 

Burger st ein. Dr. Alfred, Pro- 
fessor. 

„ Csokor, Dr. Johann, Professor. 
„ Eichenfeld, Dr. Michael R. v., 

Landesgerichtsrath. 
„ Fuchs Theodor, k. k. Director. 
„ Gangibauer Ludwig, Custos. 
- G robben, Dr. Carl, Professor. 
„ Habich Otto, Fabrikant. 



Herr Haläcsy, Dr. Eugen v. 
„ Heimerl, Dr. Anton, Professor. 
Hungerby ehler, Julius Edler v., 

Rechnungsrath. 
Kornhub er, Dr. Andr., Hofrath. 
„ Krasser, Dr. Fridolin, Privat- 
Docent. 

„ Lorenz V. Liburnau, Dr. Lud- 
wig, Custos. 

„ Jjütkemüller, Dr. Johann, Pri- 
marius. 

„ Mayr, Dr. Gustav, kaiserl. Rath. 
„ Mik Josef, Schulrath. 
„ Müllner Michael Ferdinand. 
„ Pfurtscheller, Dr. Paul, Pro- 
fessor, 



164 



Botauiscber Discussionsabend am 20. März 1896. 



Herr P i ii tu e r, Dr. Theod., Conservator. 
„ Kebel, Dr. Hans, Musealbeamter. 
„ Spaetb, Dr. Franz, Magistrats- 
beamter. 
„ St Ohl, Dr. Lucas. 



Herr Sturany, Dr. Rudolf, Museal- 
beamter. 

„ Wilhelm, Dr. Carl, Professor. 
„ Zahlbruckner, Dr. Alexander, 
Assistent. 



Zu Secretären: 

Herr F ritsch, Dr. Carl, Professor. 
H a n d 1 i r s c h Anton, Assistent. 

Zum Rechnungsführer: 

Herr Kaufmann Josef. 

Zu Rechuungsrevisoren für das Jahr 1896 wurden gewählt 
die Herren Dr. F. Spaetli und Dr. L. Melichar. 



Botanischer Discnssioiisabeiid am 20. März 1896. 

Herr Prof. Dr. C. Fritsch legte die eben erschienene „Mono- 
graphie der Gattung Euphrasia^^ von R. v. Wettstein vor und 
bespracli den Inhalt dieses Werkes. (Vgl. das Referat S. 140.) 

Hierauf .^tcllti; Herr Prof. Dr. C. Fritsch den Antrag auf 
(Irüiidung einer Section für Botanik zum Zwecke der inten- 
.sivcrcn IMh-gc d(>s Oesaninitgebietes der Botanik. Derselbe brachte; 
einen von ihm verfassten Entwurf einer Geschäftsordnung für diese! 
Section /m- Verlesung. Die Anwesenden erklärten sich sowohl mit 
der Gründung der Section überhaupt, als auch mit den Haupt- 
punkten der tlescliiinsordnung einverstanden. Prof. Fritsch über- 
nahm es, in dei- inichslen Ausschusssit/ung di(; Genehmigung der 
Section.^gründung ein/ulKdcii und in dcir erslcii Hälfte des Monates 
;\pril die e(Mistilnireii(|c VeisiniiiiiluiiL,'" der Section ein/jil»ei'ulen. 



Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 



165 



Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt 

und Gran. 

Von 

J. B. Förster. 

(Eingelaufen am 20. März 1896.) 

Im Laufe meines mehrjcihrigen Aufenthaltes in Budapest fand ich häufiger 
Gelegenheit in die nähere und entferntere Umgebung der Hauptstadt bryologische 
Ausflüge zu unternehmen, um mir durch eigene Beobachtungen ein möglichst treues 
Bild der Moosflora dieser Gegenden zu verschaffen. Nun bringe ich nach genauer 
Sichtung meines gesammelten Materiales die Ergebnisse meiner Thätigkeit allen 
Moosfreunden zur gefälligen Kenntnissnahme. 

Meine Ausflüge erstreckten sich im Süden bis Ercsi, Eäczkeve und Laczhäza, 
im Osten bis Gjon, Monor und Aszod, im Korden bis Xagy-Märos, Yisegräd und 
Domös, im Westen bis Totis (Tata-Toväros), Alcsüth und Martonvasär. Die 
mächtige Donau scheidet dieses Excursionsgebiet in zwei ganz verschiedenartige 
Hälften, in eine westliche, meist dem Hügel- und Berglande (G.), und in eine 
östliche, fast ausschliesslich dem alluvialen und diluvialen, bis 98 WJ ü. d. M. 
gesenktem Tieflande (T.) angehörend. Im Hügel- und Berggebiete mit Erhebungen 
bis über 750 m über dem Meere herrschen die rhätische und die Triasformatiou, 
dann die neogenen und trachjtischen Gesteine vor. Dieser Bodengestaltung, der 
geographischen Lage und den daselbst herrschenden klimatischen Verhältnissen 
vollkommen entsprechend ist auch die Verbreitung der Moose im Gebiete beschaffen, 
welches im Allgemeinen der mitteleuropäischen Moo^^flora des Tieflandes angehört. 
Endemische Arten fehlen. Es fehlen ferner die Sphagnaceen, Andreaeaceeu und 
Archidiaceen. Die Hepaticeen scheinen nur auf wenige in Mitteleuropa fast 
allgemein vorkommende Arten des unteren und des höheren Tieflandes beschränkt 
zu sein. Dagegen gewinnen unter den Bryineen gewisse Eepräsentanten der 
I Familien Phascaeeen, Pottiaceen und Hy]3naceen, wie gewöhnlich in unseren 

! Tiefländern, eine oft massenhafte Verbreitung. 

! 

' Von den in diesem Excursionsgebiete vorkommenden Arten habe ich folgende 

i gesammelt: 

I. Hepaticeae. 

Miccia glmica L. Auf Donauschlamm in der Au bei Erd, 99 m (1892j. 

Biccia crystallina L. In grosser Menge in flachen Gruben auf nassen Mais- 
feldern der Puszta Szent-Lorincz, 113 ??i (29. Juni 1891). 

Fegaiella conica Cord. Steril hie und da an den Quellbächen im Gebirge; an 
einem Wassergerinne der Strok"schen Mühle nächst Izbek, 180 spärlich 
fruchtend. 



166 



J. B. Förster. 



Jfarchantia pohjmorpha L. Steril, meist mit Brutknospen, an feuchten, schattigen 
Orten, t^chou am Abflüsse des Stadtwäldchenteiches und auf der Marga- 
rethen-Insel in Budapest, 103 m. 

Metzgeria furcata Dum. Im Berg- und Hügellande, steril, z. B. im Budakeszer 
Walde bei 280 w. 

Äncura palmata Dum. Steril hin und wieder in den feuchteren Gebirgs- 
wäldern. 

Aneura pinguis Dum. Steril nicht selten, auch im Tieflande, z. B. am Mariahilf- 
brunnen bei Soroksar wntQV Hypnum fdicinum, 110 m, reich fruchtend in 
einer flachen Grube nächst dem Csepeler Donaudamm, 105 m (18. April 1890). 

Fcllia cahjcina N. Unter Gebüsch im Hohlweg auf dem Kakushegy bei Erd,. 105 m. 

Flagiochila asplenioides Dum. Steril in den Gebirgswäldern. 

Aplozia riparia Dum. Am Kande des Visegräder Bächleins, mit Kelchen, 180 m. 

Jungermannia Muelleri N. An Steinen des Buczinabaches oberhalb Izbek, mit 
Kelcheu, 240 m. 

Cephalozia hmtspidata Dum. Am Nordabhange des Johannesberges bei Buda- 
pest, c. fr., 300 m (18. April 1892). 

Lopliocolea minor N. An Waldwegen im Auwinkel, steril, bei ca. 400 m. 

Chiloscyphus polyanthus Corda. Unterhalb des Soroksärer Mariahilfbrunnens, 
steril, 105 m. Nächst dem „Wasserfall" bei Visegräd, c. fr., ca. 200 m 
(1. Mai 1892). 

Kantia irichümanis Gray. In feuchteren Gebirgslagen hin und wieder, steril. 

Lepiäozia reptans Dura. Im Budakeszer Wald, c. fr., ca. 200 m (12. Juni 1892). 

Bazzania irilohata Gray. Steril hie und da in feuchteren Bergwäldern. 

liachda complanata Dum. An Bäumen und Sträuchern des Berg- und Tief- 
landes; noch bei Öcsa, c. fr., 101m. 

Madotheca platyphylla Dum. Mehrfach, sowohl an Waldbäumen als auch an 
Weidf'ii und Pa]ii)oln der Niederungen, bis 100 m. 

II. Bryiiieae. 

A. Häufig vorkommende Arten. 

Acauhin wuticum ('. M., im Gebirge (-^ G.), Acaulon Iriqiiclrum C. M., in der 
Tiefebeno (— T.), Vhaacum cuspidatum Schrcb., häufig in der Tiefebene, 
auch im Gebirge vorkommend (= ohne weitere Bezeichnung), Phascum 
piliferum Schreb. (T.), Mildeella hryoidcs Limpr., Astomuvi crispum 
Ilampf, Wcinia viridnla Iledw. (G.), Fissidens hryoides Hedw. (G.), F. 
inatrvuit Stark»; (G.), F. laxifoliits Hedw., JHcrancUa Schrcheri S(;hin»])., 
IHcrnndln rnrin Scliiinp., IHcranuin scoparitim H(!dw., Ccraiodon pur- 
purcuH Brid., JJitrichum /Icxicaule Hain])ü (G.j, JJisiicliium capillaccum 
Ii. K. (G.j, ricrygoncunnn navifolinm Jur., ]\)Uia lanceolata C. M., IHdy- 
modon rubelluH \\. K., JHdywodon rigidulm Iledw. (eine f. longifolia bei] 
Viwjfrad), Tortr.lin torluosa lJuipr. ((j.), Jiarhula nnguiculala Herlw.,] 



Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 



167 



B. fallax Hedw., B. recurvifoUa Schimp. (G.), Äloina rigida Kindb. (T.), 
Tortula muralis Hedw., T. suhidata Hedw. (G.), T. papülosa Wils., T. 
ruralis Ebrh., Schistidiiim apocarpum B. E., Grimmia pidnnata Sm., 
Orthotrichum anomalum Hedw., 0. saxatile Schimp. (G.), 0. cupulatum 
Hoff.. 0. diaphaniim Schrad., 0. stramineum Hornsch., 0. pumilum Sw., 
0. affine Schrad., 0. speciosum N., 0. leiocarpum B. E., 0. ohtusifolium 
Schrad.. Eiicahjpta vulgaris Hoff., Eucalypia contorta Lindb. (G.), Georgia 
pellucida Eabenb. (G.), Funaria hygrometrica Hedw., Physcomitrium pyri- 
forme Brid., Leptohryum pyriforme Schimp., Webera cruda Br. (G.), 
Webera nutans Hedw., Bryum pendulum Schimp., B. capillare L., B. 
caespiticium L., B. argenteum L., B. pseudotriquetrum Schwägr., JRhodo- 
bryum roseum Limpr. (G., steril), Mnium serratum Schrad. (G.), M 
undulatum Weis, M. rostratum Schrad. (G.), M. mspidatum Leyss, M. 
affine Bland. (G.), M. stellare Eeich. (G.), M. piinctatiim Hedw., CatJia- 
rinaea imdulata Web. et M., Fontinalis antipyretica L. (noch bei Ocsa, 
130 w), Leucodon sciuroides Schwägr.. Neckera crispa Hedw. (G., steril), 
Homalia trichomanoides B. E. (G.), Leskea nervosa Mvr. (G., steril), 
Leskea polycarpa Ehrh., Änojnodon viticulosus Hook, et T., A. attenuatus 
Hüb. (steril), A. longifolius Bruch (G., steril), Pterygynandrum filiforme 
Hedw. (G.), Thuidimn tamariscinum B. E. (meist steril, reich fruchtend 
1892 im Walde bei Budakeszi, bei ca. 200 m), T. ahietinum B. E. (schon 
von 100 m an bis 700 m, steril), T. delicatulum Mitt. (G., steril), T. re- 
cognitum Lindb. (G., steril), Pylaisia polyantlia B. E.. Climacium den- 
droides Web. et M., Isothecium myurum Brid., Homalothecium sericeum 
B. E., Camptotliecium lutescens B. E., Camptothecinm nitens Schimp., 
Bracliytliecium salebrosum B. E., B. velutinum B. E., B. rivulare B. E., 
B. rutahulum B. E., B. populeum B. E. (G.), Eurhynchium strigosum 
B. E. (bei Erd noch bei 10b m), E. striatum B. E. (Csepel, 100 w), E. 
praelongum B. E. (c. fr.! noch bei Erd, 99 ?n), Bhynchostegium rusciforme 
B. E. (G.), Rhynchostegium murale B. E, (G.), Plagiothecium denticulatum 
B. E. (G.), Amblystegium subtile B. E. (G.), A. serpens B. E., A. riparium 
B. E., die var. subsecundum Schimp. bei der Csepeler Ueberfuhr, 99 m, 
Hypnum Sommerfeltii Mjr., H. clirysophyllum Brid., H. stellatum Schreb., 
H. adimcum Hedw., Schimp.,^) H. filicinum L., die var. tricJiodes Brid. 
an einem hölzernen Brunnentroge bei Budakesz, H. falcatiim Brid. (G.), 
H. rugosum L., bei Batta an der Donau steril noch bei 99 m, H. in- 
curvatum Schrad. (Erd, c. fr., 100 m), H. cupressiforme L., Ocsa, noch 
bei 103 m, c. fr., H. arcuatum Lindb, (G., steril), bei Altofen noch bei 



1) In den Süsswassersümpfen der Jviedernngen bei Öcsa, Nemedi etc. wahrhaft Massenvege- 
ation bildend, wird es — wohl auch untermischt mit Hypnum ctispidatum, filicinum, stellatum, 
''ordinalis antipyretica und dergleichen lang- und weichsten geligen Arten — oft in ganzen Wagen- 
iduDgen zugleich mit anderen Sumpfproducten, wie Binsenarten, Typha (Binderrohr) u. s. w., nach 
er Hauptstadt zum Verkaufe gebracht und als vorzügliches Materiale für Verpackungen und zum 
choppen (Stopfen, Calfatern) der Donauzillen und grossen hölzernen Wasserbehälter rerwendet. 



168 



J. B. Förster. 



105 m, H. molluscum Hedw., im Gebirge fruchtend, steril bei Szent-Endre 
noch bei 106?», H. pahtstre Huds. (G.), stellenweise, H. cuspidatimi L., 
H. Schreheri ^Yi\ld. (Früchte ziemlich selten, Leanyfalu, 118 w)? S. purum 
L., ebendort c. fr., Hylocomium splendens B. E., H. squarrosum B. E., 
H. triquetrum B. E. Alle drei Hylocomien meist nur steril, im Gebirge 
hie und da c. fr. 

B. Seltener vorkommende Arten. 

Ephemerum serratum Hampe. Auf Erdblösscn der Wiesen und auf Brachäckern 

bei Budakesz, 240 m, Csobänka und Pilis-Szent-Kereszt, 180— 200 m, 
Ephemerum cohaerens Hampe und 

Physcomitrella patens B. E. Beide bei Erd in der Douauau, 99 m, spärlich (1892). 
Microhrynrn Floerl-eanum Schimp. Bei Sziget-Szent-Miklos, 100 m (1890), am 

Gubacser Hotter bei Budapest (1890), 120?», immer nur in geringer Menge. 
Phascum curvicollum Ehrh. Im Leopoldfeld, 150 — 180???, bei Sziget-Szent-Miklos, 

100???, Tökolj, 105 häufiger bei Csepel, 105 — 110 ??i. 
Plcuridium alternifolium Eabenh. Im Auwinkel, 450 wi. 
Hymenosfomum microstomum R. Br, Bei Budakesz, 280 m. 
Dicranum montanum. Hedw. Im Budakeszer Wald, ca. 200 m, steril. 
Fissidens tamarindifolius Brid. In Waldhohlwegen des Auwinkels, ca. 430 ?» 

(April 1892). Neu für Ungarn. 
Fissidens adiantoides Hedw. Bei Leänyfalva, c. fr., ca. 400 m. 
Plerygoneurum suhsessile Jur. Bei Soroksar, Eäczkeve, Puszta Kisväny (100 bis 

110 m), im Leopoldfelde bei 150 — 160 m, häufiger jedoch bei Csepel, 105 

bis 110 ?n. 

Pteryfjoncurum lamellatum Jur. Spärlich bei Csepel mit Pottia cavifoUa, Plery- 

(joneurmn suhsessile, Barhula unguiculata und amhigua im März 1892, 

180?». Neu für Ungarn. 
Pottia minutula B. E. Bei Ocsa, 103 m, Sziget-Szent-Miklos, 100 m,, und Puszta 

Kisvany, 104?», immer nur spärlich. 
Didymodon luridus Hornsch. Steril bei Nagy-Maros, 108 m-, am Cso])clcr 

Damm, 106 m. 

hulymodon tnpliaccns .lur. Am Wasserfall auf der Margarcihon-lnsel, lo;; ?». 
/ rirJwMtomum crispulum Wv. In wenigen sterilen Käschen auf Mauern des 
Schlosses Vist'grad. 

Toriella nquarrosa Liinpr. Steril auf dem Calvariciiberg in Totis, si)arsam. 
Jlnrhula rcroluta Brid. Steril V auf Mauei-n und Kelsen bei Totis, ca. 200?». 
Neu für l'ngarn. 

llarhuUi Jlormrhuchinna Schultz. Auf einem h.hiriig-sandigen lMaJ,z(! nnicrhalb 
102 VI. 

Unrhula conrnlutn Ilr-dw. An schlaininigen Orlen bei Cscp, 
Aloitut ntnhigun Linijtr. Bii ("srp und ),(•! Csepel. 102 — 108?». 
TorluUi acHtim \\ B. Am .Sulonionsllnirm in Visegrad, ca, 120 ?;i. 



Beiträge zur Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran. 



169 



ToHula pulvinata Limpr. Steril an Pappeln bei Ocsa, 106 ;». und bei Szent- 
Endre, 108 m. 

Tortula montana Lindb. Am Spitzberg bei Csobänka, 350 m. 

Scliistidium bniunescens Limpr. An sonnigen Kalkfelseii bei Totis, ca. 200 m, 
von mir als S. confertum gesammelt, von meinem bochverebrten Freunde 
Herrn J. Brei die r aber als S. hrunnescens Limpr. nov. spec. erkannt. 
Xeu für Ungarn. 

Hedwigia eiliata Ehrb. An ziigefübrten Steinen (Gneiss) der Csepeler Schleuse, 
106»?, und auf tracbytiscben Steinen oberhalb Csobänka, ca. 200 in. 

Orthotrichum Uucomitrium B. E. Spärlich unter anderen Orthotrichen an einer 
Pappel am Buczinabache bei Izbek nächst Szent-Endre, ca. 140 w. Neu 
für Ungarn. 

Ortlwtriclium pallens Br. Ebendort und bei Haraszti an alten Sträuchern, 105 7n. 
Orthotrichum Schimperi Ham. An Crataegus und PopuJus bei Öcsa und Haraszti, 
103—105 Dl. 

Orthotrichum fastigiatum Br. An verdorrten alten Weinstöcken bei Erd, ca. 160 m. 
Webera albicans Schimp. Fast nur an der Donau und immer steril. 
Bryum inclinatum B. E. Bei Öcsa und Puszta Kisväny, ca. 105 m. 
Bryum uUginosum B. E. Spärlich bei Sziget-Szent-Miklös, 102 m. 
Bryum bimum Schreb. An einem Wiesengraben oberhalb Altofen, 106 »n. 
Bryum badium B. E. An feuchten Grabenaufwürfen am Karmelitersumpf zwischen 

Toksony, Kisväny und Bugyi, ca. 103 m (29. Mai 1892). Neu für Ungarn. 
Bryum atropurpu7'eumy^?ihl.^) Ebendort. Neu für Ungarn. 
Bryum 3Iildeanum Jur. In etwas kümmerlichem Zustande steiil auf begrastem 

Uferpflaster bei Yisegräd, 106 m. 
Bryum turbinatum Schwägr. Unter Weidengebüsch im Bette des Donauarmes 

bei Haraszti, 99 m. 

Bryum pallens Sw. An einem Bächlein bei Pilis-Szent-Kereszt, c. fr., ca. 300 m. 
Philonotis fontana Brid. Steril, häufiger im Gebirge, aber auch noch spärlich 

an Wiesengräben nächst Leänyfalva, 105 m. 
Cylindrothecium concinnum Schimp. Steril; hie und da im Gebirge, dann auch 

zwischen Pflastersteinen des Csepeler Donaudammes, 106 m. 
Homalothecium Bhilippeanum B. E. Auf dem Yaskapu bei Pilis-Szent-Kereszt, 

c. fr., ca. 600 wi. 

Brachythecium Mildeanum Schimp. Bei Öcsa und bei Csepel, c. fr., ca. 105 m. 
Brachythecium glareosum B. E. Am Visegräder Schlossberg, c. fr., ca. 200 m. 
Brachythecium albicans B. E. Steril häufig in der Ebene, c. fr. nur am Csepeler 
Donaudamm, 105 m. 

Brachythecium campestre B. E. Auf der begrasten Pflasterung des Csepeler 
Dammes, 105 m. 

Tlurhynchium piliferum B. E. An einer Böschung bei Pilis-Szänto, c. fr., ca. 300 m. 



i) Wurde aucli 1894 nelost einer selir schlanken Form des Bryum torquescens B. E. f. gracilis m. 
Ton Herrn Peterfi um Deva in Siebenbürgen entdeckt. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 23 



170 -T- B- Förster. Beiträge znr Moosflora der Comitate Pest-Pilis-Solt und Gran, 



Eurhynchium speciosum Schimp. An einer sumpfigen Stelle nächst der Csepeler 

Ueberfubr, steril und spärlich, 99 m. 
Plagiothecium sylvaticiim B. E. Auf trachj tischer Unterlage oberhalb Izbek, c. 

fr., ca. 300 m. 

Amhhjsiegium Juratzkamwi Schimp. Bei Totis, Öcsa, Sziget-Szent-Miklos, Erd, 
99—180 m, nicht gemein. 

Amhhjsteghun radicale B. E. Am Grund der Erlen bei Öcsa, 103 m,- unter Ge- 
büsch am Totiser Teich. 

Amhlystcginm irriguum Schimp, An schlammigen Orten unter Gebüsch an den 
Donauufern bei Erd, 99 und Haraszti, 100 ??l 

Amhlystegmm Kocliii B. E. Ebendort und bei Totis unter Föhren auf feuchtem 
Sande. 

Hypniim intermedium Lindb. Auf einer nassen Wiese oberhalb Altofen, steril, 
105—108 m. 

Im Ganzen also fand sich Gelegenheit, 188 Moosarten wirklich zu beob- 
achten und einzusammeln, wovon ich die Belegstücke sowohl im Herbar nieder- 
legte, als auch mehrfach meinen geehrten Freunden mittheilte. Unter den 188 Arten 
sind 19 Hepaticeen, 115 allgemein und 54 weniger verbreitet gefundene Brjineen, 
Dabei ist aber sicher anzunehmen, dass noch lange nicht alle wirklich in diesem 
Gebiete vorhandenen Arten hier verzeichnet, vielmehr noch manche mit grosser 
Wahrscheinlichkeit vorkommende zu finden sind, die von mir deshalb leicht über- 
sehen werden konnten, weil ich beiweitem noch nicht alle Fundorte, vielleicht 
gerade die ergiebigsten, auszumitteln in der Lage war, um daselbst eine tüchtige 
Nachschau halten zu können. Ich werde daher jederzeit meinen Glückwunsch 
jenen meiner Herren Vorgänger und Nachfolger entgegenbringen, denen Beruf, 
Zeit und Ausdauer es ermöglichen, den Bau einer umfassenden Moosflora voll- 
enden zu helfen, und hoffe, in Vorstehendem einen nützlichen Baustein hierzu 
geschaffen zu haben. 



Kill iicud- Bylhinus vom Neusiedlor Soe. 

Hoschrichon von 

L. Gaiiglbaucr. 

(Kiriffflaufon Jiin :',(). März IKDfi.) 

lif/fhituts (TyrhohytJihvus) (Htonis {^*AW^\h, ii. sp. 

liythino ranfronti UaW.t. affinis, di/ßrl corpore paullo majore, elyiris < 
nhflomitufpir hrrrius et rrnsHius allndo-puhcscndilms, r.apitc prolhoraccquc an- 
guMtiorihuM, rlytrin hrn inrihuH, anlmnaruvi arliculis .'>. — . V. glohosis, haud Irans- 



Ein neuer Bythinus vom Neusiedler See. 



171 



versis, palporiim maxillarium articulo ultimo magis elongato, capite in infra 
multo longitcs bispiiioso, antennarum articulo 4. in muUo magis incrassato. 
Long. 13 mm. 

Hungaria, ad ripas lacus Peisonis. 

Die neue Art bildet mit Bißhimis cavifrons Reitt. (Yerhandl. der k. k. zool.- 
botan. Gesellsch. in Wien, 1880, S. 214) eine sehr eigenthümliclie Untergattung 
der Gattung Bijthimis, für die ich den Namen Tycliohythinus in Vorschlag bringe. 
Diese Untergattung ist durch die eigenthümlichen. paarigen, kegel- oder doni- 
förraigen Fortsätze auf der Unterseite des Kopfes und durch die Fühlerbildung 
der charakterisirt. Beim cT "^on Bißhimis cavifrons findet sieh auf der Unter- 
seite des Kopfes in einiger Entfernung von der Einschnürung der Halspartie ein 
starker, kegelförmiger Höcker, bei Bißhimis Ottonis ein viel längerer dornförmiger 
Fortsatz. Das erste Fühlerglied ist beim langgestreckt, schaftförmig, etwa 
dreimal so lang als breit, das zweite kugelig, kaum schmäler als das erste, das 
dritte kaum halb so gross als das zweite, kugelig, das vierte merklich (cavifrons) 
oder beträchtlich ( Ottonis) dicker als das dritte und die nächstfolgenden Glieder, 
wodurch die Fühlerbildung an jene einiger Ti/cJius -Arten erinnert. Beim $ von 
B. Ottonis sind die zwei ersten Fühlerglieder ganz wie beim gebildet, das 
5.-8. Glied aber an Dicke kaum verschieden. Das § von B. cavifrons ist leider 
nicht bekannt; Eeitter hat irrthümlich ein cT dieser Art als Q beschrieben. 

B. Ottonis unterscheidet sich von cavifrons durch etwas bedeutendere 
Grösse, etwas schmäleren, weniger kurzen Kopf, mei'klich schmäleren und weniger 
kurzen Halsschild, kürzere Flügeldecken, wesentlich kürzere und gröbere, dicht 
anliegende weissliche Behaarung der Flügeldecken und der Dorsalsegmente des 
Abdomens, kugelige, nicht quere Form des 5. — 8. Fühlergliedes, längeres End- 
glied der Kiefertaster und durch etwas difFerente Sexualcharaktere des cf. Die 
Sexualdifferenzen von B. Ottonis mögen hier hintereinander gestellt werden. 

cf . Kopf auf der Unterseite jederseits vor der Halseinschnürung mit einem 
langen, dornförmigen Fortsatz. Erstes Fühlerglied einfach, lang schaftförmig, 
etwa dreimal so lang als breit, zweites Fühlerglied kaum schmäler als das erste, 
kugelig, drittes Fühlerglied klein, kaum halb so gross als das zweite, etwas dicker 
als das fünfte, kugelig, viertes Fühlerglied viel breiter als das dritte und fünfte, 
so breit wie das zweite, quer-rundlich. 

9. Kopf auf der Unterseite ohne Fortsätze. Erstes und zweites Fühler- 
glied wie beim gebildet. 3. — 8. Fühlerglied viel schmäler als das zweite, fast 
von gleicher Dicke, kugelig. 

Ich dedicire die neue Art Herrn Anton Otto, der sie am Neusiedler See 
auffand und so freundlich war, ein 9 derselben der Sammlung unseres Museums 
zu widmen. B. cavifrons Reitt. wurde von Herrn Reitter bei Knin im nörd- 
lichen Dalmatien entdeckt und in neuerer Zeit in einem männlichen Exemplar 
Yon Herrn Victor Apfelbeck bei Mostar in der Hercegowina wieder aufgefunden. 



172 



L. G a n g 1 b a u e r. 



Zwei neue Euconniis aus den Ostalpen. 

BcschrieToeu von 

L. Gfaii gib aller. 

(Eingelaufen am 30. Miirz 1896.) 

Eiiconmis scahripennis Oaiiglb. i]. sp. 

Castaneus, nitichis, elytris dilutiorihus, antennis pedihusque ferrugineis, 
paljyis testaccis. Temporibus protlioraceqiie äense hrunneo villosis, elytris sparsim 
pnhcscentihus. Capite protliorace parum angustiore, ocuUs sat magnis, fortiter 
granulosis, fronte inter antennas leviter impressa, vertice convexo. Antennis 
dimidio corpore hrerioribns, articulis 3. — 7. longitudine Jiaud latiorihus, quatiior 
nUimis multo majorihus, 8. vix, 9. et 10. evidenter transversis, articulo ultimo 
ovato-acuminato, 9. et 10. simnl siimptis longitudine aequali. Protliorace lati- 
tudine Juiud longiore, postice trnncato, antice rotundato-angustato, pone medium, 
leviter constricto, ante hasin plicula media et utrimque pliciilis duahus laterali- 
hiis instructo, inter pliciilas laterales internns transversim impresso, impressione 
vix foveolata, disco convexo. Elytris ohlongo-ovalibus, fortiter sed laxe scabroso 
punctatis, plica Immerali hrevi et lata, vix extrorsum vergente, foveolis hasalibus 
yrofundis. Fygidio siibtiliter punctato. 

Long. 2 2 mm. — Carinthia. 

Die sehr ausgezeichnete Art unterscheidet sich von allen übrigen Arten der 
Gattung Euconnns durch die Sculptur der Flügeldecken; diese sind überall grob 
und ziemlich weitläufig punktirt. Die Punkie erscheinen wie von hinten einge- 
stochen, wodurch eine rauhe Sculptur bedingt ist. Die Humeralfalte ist kurz, 
kräftig und kaum nach aussen gerichtet, so dass die Art nicht mit voller Be- 
rechtigung in die Untergattung Euconnus s. str. gestellt werden kann, sondern 
als Bindeglied zwischen Euconnus s. str. und Subgcnus Tetramelus erscheint. 
Die Augen sind wie bei Euconnus Motschulslcyi und seinen Verwandten ziemlich 
gross und grob facettirt. Ob die Fühler nach dem Geschlechte verschieden ge- 
bildet sind, ]»l('ibt eine oflene Frage, nachdem mir nur ein Kxem])lar mit ein- 
fach gebiideteu Fülileru vorliegt. 

Das einzige bekannte Stück wurde von Horn Anton Otio in den Kara- 
wanken in Kärnten aufgefunden. 

iUu'on H HS rurinthiacHs (Kaiiglb. ii. sp. 

EuconnuH sivfilin Keift , Vfrlmiidl. der 1<. k. /.(xd.-lxitaii. ( Jcscllscli. in Wien, 
8.575, ex parte; similix var. a licitt., Natuig. d. Ins. Deiilscbl., IH. IJd., 
2. Abth., 1882, S. 185. 



Zwei neue Euconnus aus eleu Ostalpen. 



173 



Nigropiceus, nitidus, antennis, clava excei^ta, femorum hasi tihiisqiie 
fermgineis, palpis tarsisque rnfotestaceis. Temporihns prothoraceque dense 
hrunneo viUosis, elytris sparsim piihescentihus. Capite prothorace parum an- 
gustiore, oculis sat magnis sed parum prominentihus, sat fortiter granulosis, 
fronte inter antennas leviter impressa, vertice perparum convexo. Antennis sat 
röbustis, articulis intermediis transversis. Prothorace latitudine liaud longiore, 
postice truncato, antice rotundato-angustato, ante hasin utrimque plicuUs duahus 
lateralihiis instructo, inter xjliculas laterales internas transversim impresso, im- 
pressione medio pliculata et utrimque profunde foveolata; prothoracis disco 
convexo. Ehjtris ovalibiis, convexis, rix punctatis, plica humerali sat fortiter 
elevata et evidenter extrorsiim vergente, hasi extrema foveolis duahus minutis 
instructa. 

Antennae articulis 4.-6. hrevihus, transversis, articulo 7. hrevi, intus 
dentato producto, articulis 8. et 9. magnis, 8. latitudine maxima hasali rix vel 
haud longiore, extus convexo, intus deplanato et concavo, hasi apiceque trun- 
catis, angulo interno hasali dentato producto, apicali hreviter sed acute dentato, 
articulo 9. 8. parum hreviore, apicem versus intus dilatato, trapeziformi, extus 
convexo, intus deplanato et concavo, hasi apiceque truncatis, angulo interno 
hasali fere recto, apicali intus dentato producto, articulo 10. hrevi et fortissiine 
transverso, longititdine plus duplo latiore, articulo ultimo 9. et 10. simul sumptis 
fere hreviore, intus in aciem deplanato, hasi ohlique truncata, angulo interno 
hasali producto. 

Antennae 9 articulis 4.-7. transversis, quatuor ultimis multo majorihus, 
8.— 10. transversis, ultimo ovali et acuminato. 
Long. 1'8 mm. — Carintliia, Carniolia. 

Dem Euconnus similis Weise (Deutsche entom. Zeitschr., 1875, S. 124) nahe 
stehend, kleiner, dunkler gefärbt, pechschwarz, die Fühler mit Ausnahme der 
braunschwarzen Keule, die Wurzel der Schenkel und die Schienen rostroth, die 
Taster und Tarsen bräunlichgelb, die Keulen der Schenkel braun. Die Flügel- 
decken kürzer eiförmig als bei similis, hinten stumpfer gerundet. Die Fühler 
ähnlich gebildet, aber kürzer als bei similis, ihre sämmtlichen Glieder gedrungener, 
das 4. — 6. Glied quer, beim das 8., 9. und letzte Glied viel kürzer, das achte 
nicht oder kaum länger als in seiner grössten Basalbreite breit, das neunte wenig 
kürzer als das achte, das Endglied kaum so lang als das neunte und zehnte 
Glied zusammengenommen, im Uebrigen ähnlich wie bei similis gebildet, d. h. an 
der Basis schief nach innen abgestutzt und am Innenrande scharfkantig, so 
dass eine winkelige innere Basalecke gebildet wird. Beim 9 sind die drei vorletzten 

' Fühlerglieder quer und bilden mit dem Endgliede eine schärfer abgesetzte Keule 

I als bei similis. 

j In der Waldregion der Karawanken in Gesellschaft des similis unter ab- 

I gefallenem Laub und Moos, von mir auch in den julischen Aipen (Wochein) auf- 
gefunden. Euconnus similis fand ich auch am Hochlantsch in Obersteiermark. 



174 



H. Eebcl. 



Zwei neue Microlepidopteren aus Maroceo. 

Beschrieben von 

Dr. H. Rel)el. 

(Eingelaufen am 2. März 1896.) 

Scopm*ia Virescens m. 

Aus der Verwandtschaft der Scoparia Murana Gurt., durch geringere 
Grösse, schmälere Flügel ( $ ) und eigenthümlich grünlichgelbe Einmischung der 
Vorderflügelfärbung sehr ausgezeichnet. 

Kopf und Thorax grauweiss, die Fühler weiss mit bis zur Spitze dunkel 
abgesetzten Gliederenden. Die Labialpalpen mit besonders breitem Schuppen- 
busch, weisslich, auf der Aussenseite stark grau gemischt. Die Beine gelbgrau, 
auf der Aussenseite verdunkelt, die Schienen und Tarsen geschwärzt mit hell- 
gefleckten Gliederenden. Der graue Hinterleib wie bei Murana mit gelblichem 
Aualbusch. 

Die Vorderflügel viel schmäler als bei Murana (9), n^it fast geradem 
Vorderraude und flach gerundetem Saume, zeigen eine weissgraue, durch dunkle 
Bestäubung vielfach bedeckte Grundfarbe. Ein kleines Stück des Innenrandes 
nahe der Basis, sowie die beiden Mittelrippen bis zur äusseren Querlinie sind 
grünlichgelb beschuppt. Eine schmale gezackte Querlinie liegt nahe der Flügel- 
basis, hierauf folgt ein grau bestäubter Raum bis zu der mit drei scharfen Zacken 
versehenen, sogenannten ersten Querlinie vor ^/s der Flügellänge, welche nach 
aussen schwärzlich angelegt erscheint. Im Mittelfelde liegt ein schwarzer Punkt 
in der Falte, nahe der ersten Querlinie, darüber eine ovale, blaugrau aufgefüllte 
Makel und am Querast das bekannte Mercurzeichen, dessen oberer Theil fasti 
geschlossen und ebenfalls blaugrau ausgefüllt erscheint. Zwischen den beiden' 
letztgenannten Mittolzeichen tritt die Grundfarbe fast ungetrübt weiss auf, während 
sonst das Mittelfeld stark grau bestäubt erscheint. Die äussere Querlinie beginnt 
am Innenrande gerade unter dem Mercurzeichen mit einem weissen Fleck, der 
höher als breit ist, macht hierauf einen weiten, fein gezackten Bogen und tritt' 
in einem Zahn gegen das Mercurzeichen vor, um dann wieder, einen kurzen Bogen: 
bildend, in den Vorderrand zu münden. Sie ist beiderseits grau, nicht schwärz- 
lich angelegt. Das Saumfeld ist grösstentheils ungcitrübt weiss, nur am Vorder- 
rande und in der Mitte des Saumes mit gra,uen Flecken versehen. Mehrere) 
kräftige Punkte bilden die; S:iumlinie und verlängern sich in der Saumverdunk-| 
lung zu kurzen Längsstrichen. Die Fransen sind weisslichgelb, ihre Basalhälftel 
dunkelgrau gefleckt, ihre Aussenhälfle nur unterhalb der Spitze dreimal graul 
durchschnitten. Die Minterflügol hellgrau glänzend mit durchscheinender dunklen 
Zeichnung der l'nterHeite; Fransen weisslich iriit, ein/einen dunklen rimklen in! 
der BaHalhillfte. 



Zwei neue Microlepidopteren ans Marocco. 



175 



Unterseite der Vorderflügel hellgrau, am Vorderrande vor der Spitze gelb- 
lich, mit durchgehender, bis an den Inneurand reichender äusserer dunklen Quer- 
linie, welche sich auch auf die weissen Hinterfliigel fortsetzt und eine Ecke auf 
Rippe drei bildet. Am Querast liegt auf den Hinterflügeln ein dunkler, nach 
aussen offener Winkelhaken. Vorderflügellänge 8 mm, Expansion 16 mm; grösste 
Breite der Vorderflügel am Innenwinkel 3 mm. 

Zufolge der gelbgrün gefärbten Mittelrippen der Vorderflügel mit keiner 
anderen Art der iUfwra^ia-Gruppe zu verwechseln. Scoparia WoUastoni Bethune- 
Baker (Trans. Ent. Soc. Lond., 1894, p. 583) von Madeira ist, wie die meisten 
Arten dieses Autors, sehr unvollkommen beschrieben (ohne comparative Angabe, 
ohne Grössenangabe etc.) und soll ebenfalls gelbgrüne Einmischung auf den 
Vorderflügeln zeigen, kann aber zufolge der fleckenartigen Vertheilung dieser 
Färbung, des schwärzen Mittelfeldes und der breiten Flügelform (? cT) nicht mit 
Virescens zusammenfallen. 

Herr v. Hedemann erbeutete von letzter Art, anlässlich seiner Bücl^kehr 
von den Canarischen Inseln, ein tadellos frisches $ am 19. Mai 1895 in Casa- 
blanca (Marocco). 

NotJiris Flabellifer in. 

Durch die besondere Form der Palpen, an welchen das Endglied voll- 
ständig obliterirt scheint, sowie durch die dunkle Längsstriemen Zeichnung der 
Vorderflügel ist diese kleine schmalflügelige Art sehr ausgezeichnet. 

Kopf und Thorax, sowie die Grundfarbe der Vorderflügel blass ockergelblich. 
Die Fühler mit schwach verdicktem Endgliede reichen bis des Vorderrandes, 
ihre weissliche Geissei mit auf der Unterseite schwach sägezähnig abgesetzten, 
bräunlichen Gliederenden. Die Palpen von circa Augendurchmesserlänge zeigen 
am Mittelgliede einen überaus langen, aussen mehr ockerbräunlichen Schuppen- 
busch, der die Länge des Mittelgliedes um mehr als das Doppelte übertrifft und 
das offenbar stark rückgebildete Endglied vollständig bedeckt, (Diese eigen- 
thümliche, fächerartige Form der Palpen dürfte, mit den wahrscheinlich vor- 
handenen Abweichungen im Flügelgeäder, bei einer Revision dieser Gelechiden- 
Gruppe die Schaffung einer eigenen Gattung erfordern.) Der Saugrüssel ist gut 
'entwickelt. Die Beine ockergelblich, die Schienen der beiden vorderen Beinpaare, 
sowie die Tarsen aller Beine aussen gebräunt, letztere mit hellen Gliederenden. 
iDer gelblichgraue Hinterleib mit wohl entwickeltem hellen Afterbusch. 
I Die schmalen Vorderflügel mit scharfer Spitze und ganz flach gerundetem 
Innenwinkel zeigen eine hell ockergelbliche Grundfarbe und eine schwärzlich- 
graue Längszeichnung. Letztere besteht aus einer von der Basis ausgehenden 
•und allmälig verjüngt bis an den Saum reichenden Faltenstrieme, sowie aus einer 
oberhalb derselben liegenden Mittelstrieme, welche in ihrem undeutlicheren Basal- 
theil schwach mit der Faltenlinie convergirt, dann aber mit ihr fast parallel 
geht und in unverminderter Stärke bis in den Saum, knapp unterhalb der 
Fiügelspitze zieht. In ihr liegt auch ein äusserer dunkler Mittelpunkt. Endlich 



176 



II. Eebcl. Zwei neue Microlepidopteren aus Marocco. 



sind noch die drei vor der Flügelspitze in den Vorderrand mündenden Adern grau 
angelegt. Die Fransen ockergelblich, kaum grau gemischt. 

Die Hinterflügel von circa P/4 Vorderflügelbreite zeigen einen flach ge- 
rundeten, vor dem Innenwinkel etwas eingezogenen Saum und eine scharfe Spitze, 
also annähernd die Form wie bei Declaratella Stgr. Ihre Färbung ist glänzend 
hellgrau mit gelblichen Fransen, welche am Innenwinkel in ihrer Länge die 
Flügelbreite etwas übertreflFen. 

Die Unterseite der Vorderflügel hell ockergelblich, jene der Hinterflügel 
weisslieh mit gelblichen Fransen. Vorderflügel G nnn, Expansion 13 m7n. 

Zufolge der durchgehenden dunklen Längsstriemen der Vorderflügel und 
der eigenthümlichen Palpenform mit keiner der bisher bekannt gemachten Arten 
zu verwechseln. Am nächsten in Grösse und Färbung wäre Notlms Senticetella 
Stgr. (Mill. Ic, 150, 9—11) zu nennen. 

Vorliegende Type, ein tadellos erhaltenes cf, erbeutete Herr v. Hede- 
maun am 14. Mai 1895 in Mogador. 



Einige neue Homoptera-Arten und Varietäten. 

Von 

Dr. L. Melicliar. 

(Eingelaufen am 4. März ISUG.) 

1 Af/fdUa inhiuta 11. sp. 

M ä n n ch e u. Scheitel kaum halb so lang als das Pronotum, vorne abgerundet, 
die Augen stark vortretend. Am Uebergange des Scheitels zur Stirn jederseits 
ein grosser punktförmiger Fleck, unterhalb diesem auf der Stirn ein kleiner 
dunkler Punkt, welcher die Ocellen einschliesst. Zuweilen verschmelzen diese 
seitlichen Punkte derart, da.ss zwei gegenüber stehende, nach aussen convexe, 
halbmoudförniige schwarze Flecken entsfehen. Die Stirn länger als breit, nach 
unt<'n verschmälert, auf der un leren Hälfte mit zwei i)arallolen Reilien von 
schwarzen kurzen Quer.strichcii, die liäufig sich so verbreitern und zusainnicu- 
flicssen, das» die unlere Stinihälfte ganz schwarz gefärbt eiscluiint und die 
Mchwante Zeichnung der unteren Stirnliillfte in der Mitte einen kur/cn Fortsatz 
nach üben ent.sendet. IJl'ber dem Ci.vpeus ein seliwarzer Längsstricli ; Scliuabel- 
M:heide gelbbraun, deren Spitze .schwarz; Fülilergruben schwarz. Fülller gdblieh- 
br.inn, (JwUen von einander doppelt so weit als jede vom Augonriiiido entfernt., 
Pronoturn 2'/» mal ho breit als lang, vorne bogig, hinten gerade, oben fein (juor 
nadclrijisifif, mit elnom Hchwarzen, den Ilintcjrrand nicht erreichenden Liingsfleck 
ÜImt die Mitt- und zwei hintereinander stehendc^n schwarzen Flecken auf jeden 
Heile. Nicht wlU-n erncheint «las Pronotum bis auf den breit hellweiss gefärbtem 



Einige neue Homoptera -Arten und Varietäten. 



177 



Hinterraud schwarz gefärbt. Schildclien gleichschenkelig dreieckig, schwarz. 
Flügeldecken bis zur Hinterleibsspitze reichend, dieselbe nicht überragend, hinten 
breit abgerundet, schwarzbraun; der Aussen-, Bogen- und Innenrand breit weiss 
gesäumt; die weisse Säumung am Grunde des Innenrandes bis zum inneren 
Clavusnerv erweitert. Die Clavus-Coriumnaht breit weiss; in der Mitte des 
Coriums, an der Theilungsstelle des ersten Lectors ein kleiner, unregelmässiger 
weisser Fleck. Die Nerven der Decken mit letzteren gleichfarbig. Hinterleib 
oben schwarz mit schmalen gelben Hinterrändern und breiten gelben Seiten- 
rändern, unten gelbbräunlich. Beine gelbbräunlich, die Schenkel und Schienen 
mit undeutlichen braunen Längsstreifen, die Klauen braun. Genitalklappe klein, 
kaum PO lang wie das vorhergehende Bauchsegment; die Genitalplatten dreimal 
so lang als die Geuitalklappe, flach aneinanderschliessend, säbelartig nach oben 
gekrümmt, am Ende abgerundet und mit langen Härchen besetzt. Letztes 
Kückensegment rundlich um die Afterröhre ausgeschnitten, die Seitenlappen 
nach hinten abgerundet. 

Weibchen. Gelblichbraun, die schwarze Zeichnung weniger ausgedehnt. 
Auf dem Scheitel zwei schwarze runde Punkte, unterhalb diesem auf jeder Seite 
ein undeutlicher rostbrauner Fleck, in welchem die Ocellen liegen. Auf der 
unteren Hälfte der Stirn zwei Eeihen von dunklen kurzen Querstricheln, welche 
selten zusammenfliessen. Die beiden Reihen vereinigen sich oben, woselbst sie 
einen kurzen Fortsatz nach oben entsenden. Fühlergruben schwarz, von diesen 
herab die Stirnwangennaht häufig dunkel gefärbt. Pronotum wie beim cf, die 
dunkle Zeichnung fliesst selten zusammen. Das Schildchen gelblichbrauu mit 
einem schwarzen Striche jederseits am Grunde des Aussenrandes und einer un- 
deutlichen Zeichnung in der Mitte. Die Decken gelblichbraun, die stark vor- 
tretenden Nerven gelblich, insbesondere die Clavusnerven und die Vorderhälfte 
der Hauptnerven. Am oberen Quernerv ein deutlicher weisser Fleck; die hintere 
Hälfte der Nerven schwarzbraun. Die hellen Nerven auf dunklem Grunde 
verleihen den Decken ein streifiges Aussehen. Hinterleib und Beine wie beim . 
Letztes Bauchsegment kaum länger als das vorhergehende, hinten gerade, die 
Legescheide die Scheidenpolster etwas überragend, am Ende dunkel. Letztes 
ßückensegment rundlich ausgeschnitten, die seitlichen Lappen in eine spitzige 
Ecke nach hinten verlängert. 

Länge: 2 — 2 25 m???, 9 '2—2'bnwi. 

Bei Bilek (Herzegowina) von Dr. Hensch gesammelt. 

2. Triecphora distincta u. sp. 

Länglich-oval, schwarz mit schwachem bläulichgrünen Glanz, welcher ins- 
besondere am Scheitel, Pronotum und Schildchen bei schiefer Beleuchtung wahr- 
nehmbar ist. Oberseite fein runzelig punktirt, mit sehr kurzen braunen Härchen 
besetzt. Im Nacken des Kopfes und am Vorderrande des Pronotums mehrere 
flache Eindrücke. Stirn stark blasenartig nach unten gewölbt, mit einem deut- 
lichen Mittelkiel und tiefen Seitenfurchen. Das Schildchen quergerunzelt, in der 
Mitte rautenförmig vertieft. Die Flügeldecken bläulichschwarz mit blutrother 
Zeichnung, und zwar am Grunde des Clavus ein bis zur Schildchenspitze reichender 

Z. B. Ges. Bd. XLVl. 24 



178 



L. Melicli ar. 



Fleck, ein grosser Querfleck in der Mitte des Coriums, bis zur Clavus-Coriumnaht 
reichend, und eine sehmale, durchwegs gleich breite, nach hinten sanft gebogene 
Binde hinter der Mitte, welche den Aussenrand der Flügeldecken nicht erreicht, 
nach innen zu über den Clavus, die äusserste Clavusspitze freilassend, bis zum 
Innenrande verläuft. Flügel bräunlich, an der Spitze dunkler. Bauch roth, das 
Basalsegment nicht gefleckt, die übrigen Segmente mit einem schwarzen Längs- 
fleck in der Mitte der Basis, das Genitalsegment schwarz. Zuweilen fliessen die 
Bauchflecken derart zusammen, dass ein Längsfleck über der Mitte des Bauches 
entsteht. Der Randstreif mit schwarzen Flecken. Beine schwarz. 

Länge des und 9 10— 11 wm. 

Klein-Asien, von Dr. Krüper freundlichst übermittelt. 

Der Triecpliora mactata Germ, nahestehend, jedoch durch die Grösse, 
die deutliche Kielung der Stirne, sowie durch die schmale, gleich breite und wie 
bei Triecpliora araiata Fieb. bogenförmig verlaufende Querbinde ausgezeichnet. 
Bei Triecpliora mactata ist die hintere Querbinde mehr oder weniger deutlich 
winkelig gebrochen und der äussere Theil derselben stets erweitert. 

3. Triec2)hora vulnerata Iiiig. var. helvetica iior. var. 

Von der typischen Form durch die ausgedehntere rothe Zeichnung der Flügel- 
decken verschieden, die mit der schwarzen Grundfarbe der Decken in gleichem 
Masse vertreten ist und dem Thiere ein eigenthümliches Aussehen verleiht. 

Der rothe Basalfleck im Clavus reicht über die Schildchenspitze hinaus 
(bei der typischen Form blos zur Schildchenspitze) und dessen äussere Ecke 
berührt den in der Mitte des Coriums befindlichen, gleichfalls vergrösserten, 
viereckigen Fleck, welcher bis zur Corium-Clavusnaht reicht und durch diese 
förmlich abgeschnitten erscheint Die hufeisenförmige Binde hinter der Mitte ist 
breiter, berührt aussen den Flügelrand und verläuft nach innen bis zum Innen- 
rande, das Clavusende mit Ausnahme der äussersten Spitze breit roth färbend. 

Wird die rothe Farbe als Grundfarbe angenommen, so erscheint auf den 
rothgefärbten Decken (bei geschlossenen Decken) ein durch die Clavus-Corium- 
nalit begrenzter, schwarzer trapezförmiger Fleck, von dessen Ecken schwarze 
Querbinden über das Corium zum schwarzen Ausscnrande verlaufen. Der Bogen- 
raud d<'r Decken erscheint schmal schwarz gesäumt. 

Hinterleib und Beine wie b(!i Triecpliora vulnerata Iiiig. gefärbt. 

Aus der Schweiz, von Dr. Krüper freundlichst mitgetheilt. 

4. SelenocephuiuH abbreviatus ii. sp. 

Körper kurz oval, breit, gedrungen, gelblichbniun. Sclieitel sanimt den 
Augen halbmondfrirniig, zwisdien den Augen dreimal so breit als in der Milte 
lang, hiiit^'U weit b(»geiiförmig ausgeschnitten. Der Vordernuid des Scheitels ' 
-eharf, mit einer von einem Augenrande zum anderen zicdienden schmaltMi Furche 
vcThchen, au deren Enden dicht vor den Augen die Ocellen liegen. Die Oberllächo 
dcf Scheitels lüngn dcH Vorderrandes quer eingedrückt und mit einer feinen Längs- 
liiiio in der Mitte. GoHicht breiter als lang, Stirn mit schwarzbraunen Quer- 
Ktrcifen Ix-iderHcitH, welche oben zusammenfliosscn, niicli unten kiirzer werden und 



Einige ucuc Hoinopteia -Arten und Varietäten. 



179 



verlöschen. Au der Clypeusstirmialit ein schwarzbrauner Fleck, welcher sich häufig 
über die Mitte des Clypeus bis zu dessen Spitze verlängert. Die Fühlergruben 
schwarzbraun, die Fühler braun, die Spitzen des Wurzel- und des zweiten Gliedes 
gelblichweiss. Pronotum mehr als doppelt so breit als lang, quergerunzelt, auf 
der vorderen Hälfte ein wellenförmiger flacher Quereindruck. Schildchen drei- 
eckig mit einer feinen Querlinie vor der Spitze. Flügeldecken breit, beim <^ die 
Hinterleibsspitze um der Deckenlänge überragend, beim 9 bis zur Hinterleibs- 
spitze reichend, gelblichbraun mit einigen schwarzen Flecken und Atomen in der 
Schultergegend und einigen grösseren schwarzen Flecken am Bogenrande der 
Membran; die Apicalzellen kurz. Beim 9 sind die Decken noch spärlicher ge- 
zeichnet, zuweilen bis auf die Endflecken einfarbig gelbbraun. Nerven der Decken 
gelblich, von der Grundfarbe der Decken kaum verschieden, zuweilen die Apical- 
nerven etwas dunkler und daher stärker vortretend. Bauch gelblichbraun mit 
schwarzen Flecken und Punkten gesprenkelt; Beine gelblichbraun, schwarz gefleckt, 
die Spitzen der Schienen und Tarsalglieder, sowie die Klauen braun. Die Hinter- 
schienen mit starken Dornen bewehrt, an der Innenseite mit einem schwarzen 
Längsstreifen. 

cf. Genitalklappe dreieckig, hinten gerundet, in der Mitte so lang wie 
das vorhergehende; Genitalplatten P/2mal so lang als die Genitalklappe, vom 
Gi'und aus schief nach oben gerichtet, hinten zusammen abgerundet, die Innen- 
ränder aneinanderschliessend, die Aussenränder convex, mit kurzen Härchen besetzt. 

$ . Letztes Bauchsegment fast so lang wie das vorhergehende, hinten gerade, 
die Legescheide braun, die Scheidenpolster nur wenig überragend. 

Länge des bmm, 2 b mm breit; Länge des $ 6 mm, min breit. 

Griechenland, von Dr. Krüper freundlichst mitgetheilt. 

Diese Art ist dem Selenocephalus obsoletus Germ, ähnlich, jedoch durch die 
kurze, gedrungene Gestalt, welche an Goniognathus Fieb. erinnert, ausgezeichnet. 

5. Fieheriella pallida ii. sp. 

Körper länglich, wachsartig gelblichweiss gefärbt, matt, oben mit feinen 
schwarzen Punkten unregelmässig besäet, welche am Scheitel, Pronotum und 
Schildchen dichter stehen und daselbst mit zerstreuten difusen citronengelben 
Flecken untermischt sind. Scheitel in der Mitte halb so lang als zwischen den 
Augen breit, jedoch um die Hälfte länger als an den Seiten neben den Augen; 
der Vorderrand scharfkantig, dahinter flach c[uer eingedrückt, so dass der Vorder- 
rand etwas gehoben erscheint. Die Augen anliegend, braun; die Ocellen am 
Scheitelrande dicht vor den Augen. Stirn gelblichweiss mit äusserst spärlichen 
schwärzlichen Punkten und Flecken, längs des Scheitelrandes eine aus dicht 
nebeneinander stehenden und zusammenfliessenden Flecken gebildete schwarze 
Querbinde, welche oben durch den scharfen Vorderrand des Scheitels scharf 
begrenzt ist, nach unten zu jedoch unregelmässig ist. Schildchen mit einer 
feinen Querlinie vor der Spitze. Die wachsgelben Flügeldecken sparsam mit 
schwarzen Punkten unregelmässig bedeckt, welche gegen die Deckenspitze dichter 
stehen. Am Bogenrande der Membran am Ende der Apicalnerven grössere ver- 
waschene rostbraune Flecken. Nerven der Decken etwas weniger dunkler als die 

24* 



180 



L. Melicbar. Einige noue Homoptera -Arten und Varietäten, 



Grundfarbe der Deckeu, wenig vortretend. Flügel weiss, durchsichtig, mit gellt- 
lichen Nerven. Brust und Bauch gelblichweiss, nicht punktirt, blos das letzte 
Bauehsegment und die Scheidenpolster schwarz punktirt. Beine gelblichweiss, 
die Schenkelendeu auf der Unterseite gelbbräunlich verfärbt und mit einigen 
schwarzen Flecken versehen; Schienen gelblichweiss, die Hinterschienen mit 
starken Dornen an der Aussenkante und mit grossen schwarzen Punkten an der f 
Basis der Dornen. Die Spitzen der Tarsenglieder und die Klauen braun. 

9. Letztes Bauchsegment viermal so lang als das vorhergehende, hinten 
gerade, in der Mitte eingekerbt. Scheidenpolster schwarz punktirt und mit gelben < 
Härchen sparsam besetzt; die Legescheide letztere kaum überragend, gelb. I 

Länge des 9 5 mm. 

Smjrna, von Dr. Krüper freundlichst übersendet. 

Der Fieberiella Flori Stäl ähnlich, jedoch kleiner und schlanker, durch - 
die helle Färbung und weniger dichte Punktirung der Oberseite, insbesondere i 
der Flügeldecken von der erstereu Art leicht zu unterscheiden. 1 

6. Kybos smaraffdiilus Fall. var. imfescens uov. var. \ 

Grösse und Gestalt der typischen Form und nur durch die Färbung ver- 
schieden. Die Ober- und Unterseite gesättigt orangegelb gefärbt, über das 
Pronotum, Schildchen und die Naht der geschlossenen Flügeldecken ein rost- 
brauner Längsstreif, welcher auf dem Pronotum und Schildchen durch eine helle, 
oft kreideweis.se Mittellinie in zwei Streifen getheilt ist. Die Flügeldecken stark 
goldglänzend, mit einem schwachen olivenfarbigen Anfluge. Stirn gelb mit einer 
weissen Längslinie über die Mitte und undeutlichen gelbbraunen Querstreifen 
an den Seiten, am Innenrande der Augen feine weisse Längslinicn, welche den 
Augenrand eine Strecke weit begrenzen. Beine hell orangegelb, Klauen rostbraun. 

Von August Oettel bei München gesammelt. 



Referate. 

„Aqiiila", ZeUsclirift für Ornithologie. 

Diese Zeitsclirift, welche den Namen des stolzen Königs der Lüfte trägt, 
ist das Organ der „Ungarischen ornitliologischen Centrale". Der Zweck 
und die Organisation dieses seil dem Jahre 1893 bestehenden, von dem bekannten 
ungarischen Naturforsclier Otto Her man geleiteien Institutes sind kurz folgende: 
Förderung ornithologischer Beobachtungen im Allgemeinen, Verfolgung und Fr-i 
gründung des Vogelzuges im Besonderen. Der Bestand derselben wurde durcW 
eine ins Keichsbudgi.-t eingestellte Dolation gesicliert und das ungarisclie National- 
miiseum bietet ihm nicht nur ein Heim in seincjn liäumen, soiidciii stellt demi 
HcdU'U Bibliothek und sonstige IJelieifc! zur frei(!n Verfügung. 

Zur Klärung der Krscheinungen des Vogelzuges wurden vor Allem zwei 
Einrichtungen getroflVn: 1. I>ie Anlegung einer Datensammlung in Foiin eines 
Z«'tti-lkatjilogc'K, welche nicht nur alle auf Ungarn beziiglieln-n Angahdi üIm r den 



Referate. 



181 



„Zug"' enthält, sondern sich auf weitere Gebiete erstreckt und bereits einen Um- 
fang von gegen 300.000 Zettehi erreicht h:it. 2. Die Errichtung von Beobachtungs- 
stationen, welche wieder zweierlei Art sind, jene der Fachornithologen, die alle 
vorkommenden Arten zu notiren htiben, und jene der staatlichen Forstämter, die 
von amtswegen vorläufig nur zwei Arten, die Rauchschwalbe und den weissen 
Storch, bezüglich ihres Kommens und Gehens verfolgen sollen. 

Die Datensammlung enthält Angaben über den Vogelzug, welche aus der 
Literatur excerpirt wurden, dann solche, die sich in Manuscripten fanden, und 
endlich die Berichte der Beobachtungsstationen. 

Diese Daten wurden nach den Autoren, beziehungsweise Einsendern geordnet 
aufbewahrt, um gelegentlich für die einzelnen Yogelarten nach Ort und Zeit 
gruppirt zu werden, zur Feststellung der Ankunfts- und Abgaugszeiten und even- 
tuellen Zugstrassen. Die aus der kritischen Bearbeitung der Daten gewonnenen 
Resultate werden unter den Namen der jeweiligen Bearbeiter und unter Nennung 
der Quellen, denen die Daten entstammen, verölfentlicht. Dies erfolgt in der 
Zeitschrift „Aquila", aus w^elcher einige speciell den „Zug" betreffende Arbeiten 
nachstehend besprochen werden; zunächst aus dem I. Jahrgange (1894): 

Herman 0. Der Frühlingszug der Rauchschwalbe {Hirunclo riistica L.). 
Eine Skizze der Gesammterscheinung (1. c, p. 9 — 28). 

Aus der Zusammenstellung einer Reihe von Daten ergibt sich, dass die 
Rauchschwalbe zur jährlichen Besetzung ihres ganzen europäischen Brutgebietes 
92 Tage bedarf, indem der früheste Ankunftstag auf den 25. Februar (Murcia), 
der späteste (Mittelzahl) auf den 27. Mai (Luleä) fällt. Es geht ferner aus dem 
Vergleiche der Beobachtungspunkte, beziehungsweise Ankunftszeiten nach geo- 
graphischer Länge und Breite hervor, dass je nördlicher ein Punkt liegt, desto 
später der mittlere Ankunftstag fällt, und ferner hat es den Anschein, dass die 
westlichen insularen und die w^it östlichen .Beobachtungspunkte spätere 
mittlere Ankunftstage haben, als die centraleuropäischen. Der Schluss, zu 
dem der Verfasser gelangt, ist, dass wenn auch die bisher verwerthbaren Daten 
einige allgemeine Anhaltspunkte für den Verlauf des Schwalbenzuges geben, so 
seien dieselben doch noch viel zu lückenhaft, als dass man aus ihnen gewisse 
Zugstrassen ableiten könnte. Erst wenn auf Grundlage rationell vertheilter 
Beobachtungsstationen die Zugserscheinungen eines jeden einzelnen Jahres nach 
der geographischen Lage, nach dem Ankunftsdatum und der speciellen physischen 
Beschaffenheit des Punktes, nebst den meteorologischen Momenten werden ver- 
glichen werden können, und wenn für jeden Punkt solche Datenreihen vorhanden 
sein werden, aus denen eine mittlere Ankunftszeit abgeleitet werden kann, wird 
es möglich sein, dem Wesen der Zugserscheinungen für ein so weites Gebiet, wie 
das hier behandelte, näher zu treten. Dies zeigt sich aus der Bearbeitung der 
1890 und 1891 in Ungarn speciell angestellten Musterbeobachtungen der Stationen 
der Fachornithologen und Forstämter, welche im Bande III des „Berichtes über 
den II. internationalen ornithologischen Congress" erschienen und über welche 
bereits in diesen „Verhandlungen" (Bd. XLV, S. 436)>eferirt wurde. 



182 



Referate. 



E. V. Middeudorirs Daten uud Serien über den Zug der Vögel, mit- 
getbeilt von 0. Hernian (1. c, p. 28— 36). 

Die Beobacbtungspimkte sind Hellenorm, Eeo, RannaküU und Dorpat; 
die Mehrzahl der Serien umfasst 10 — 20 Beobachtuiigsjahre, so dass dieselben 
zur Bestimmung der Ankunftsperioden und des mittleren Ankunftsdatums wohl 
geeignet erscheinen. Es \Yerden 13 Vogelarten behandelt. 

Blasius, Dr. E. Erste Ankunftszeiten der Zugvögel in Braunschweig, 
zusammengestellt von 0. Her man (1. c, p. 36 — 44). 

Aus dieser Arbeit ist der Satz hervorzuheben, dass einzelne Beobachtungs- 
jahre nur Daten von höchst problematischem Werthe liefern und nur Serien 
es sind, welche für einen gegebenen Punkt den Grad der Schwankung der Ankunfts- 
zeiten und ein annehmbares Mittel ergeben, mithin eine Grundlage bieten, auf 
welcher weitergebaut werden kann. 

<«aal, («astoii v. Eine vergleichende Bearbeitung der Frühjahrs- 

Aukunftsdatenreihen des Grafen K. Forgach von Ghymes und 

E. v. Middendorff's von Livland (1. c, p. 106—123). 

Die Daten beziehen sich auf neun Vogelarten, die durch 22 Jahre zu 

correspondirender Zeit in den genannten, 10 Breitegrade von einander gelegenen 

Gebieten beobachtet wurden, somit eine directe Vergleichung nach den einzelneu 

Jahrgängen, sowie in Bezug auf das aus ihnen gewonnene Mittel gestatten. 

* * 
* 

Der Jahrgang II der „Aquila" (1895) enthält zunächst den Bericht über 
„Das erste Jahr" der Thätigkeit der Ungarischen ornithologischen Centrale 
(1804), welcher die Ergebnisse der Beobachtung des Frühjahrszuges im genannten 
Jahre mittheilt (]>. 1—80). Derselbe zerfällt in zwei Theile. Im ersten werden 
die von den einzelnen Stationen gelieferten Daten: geographische Lage der 
Station, wichtigere to])Ographische Bemerkungen, Termin der Einsendung der 
Beobachtungen und endlich das Verzeichniss der auf jeder Station beobachteten 
Vögel unter dem Namen des betretenden Beobachters aufgeführt. Das bildet 
da.s Kohmateriale für die kritische Bearbeitung, welche im zweiten Theile vor- 
liegt. Hier folgt nach einer Aufzählung der Beobachtungsstationen in der Reihen- 
folge von der südlichsten zur nördlichsten die Behandlung der einzelnen Vogel- 
arten, die in alpliabeti.sclier (Jrduung aufgeführt werden. Bei jeder Art sind die 
sämmtlichen Daten für das Jahr 18!)'l angegeben, und zwar in der Reihenfolge der 
geographi.schen Lage (S. bis N.). Hieran schlies.st sich die kritische Betrachtung 
der einzelnen Daten und die Feststellung der mittleren Ankunftszeit für das 
lK'trefl*«'iide Jahr, und zwar nur bei jencMi Arten, von d(!ncn mindestens vi(u- hiezu 
verwerthbur erseheinen(U! Daten vorhanden sind. Die kritische Prüfung der 
Dat<-n geschiolit an der Hand des eingangs dieses Referates erwähnten unifa,ng- 
reichen Z^'tU'lkataloge» in- und au.sliindischer Zugsangaben, aus d(!nen die mittleren 
AfikunftH7^'iten für K'ngarn mit möglichster Genaiiigkeit ermittelt wurden. Beim 
\"rf^h \chc mit dicwn zeigte sich bei:,j»ielsweisc im Jahre 1891 für zwei Stationen 



Referate. 



183 



eiuerseits ein ungewöhnlich frühes, andererseits ein abnorm spätes Eintreffen 
der Zugvögel, was nun die Frage veranlasst, ob jene Abweichungen sich in Zukunft 
als constant erweisen werden, und weiters zur Erhebung der Ursachen dieser 
Abweichung Anstoss geben. Eine andere Zusammenstellung ergibt, dass nach 
den Arten verglichen deren 105 früher und 33 später angekommen sind, als die 
aus den bisher bekannten Daten berechneten allgemeinen Landesmittel angeben. 
Die Zeit, welche jede einzelne Art zur Besetzung ihres ungarischen Brutgebietes 
im genannten Jahre benöthigte, ist durch eine besondere Tabelle veranschaulicht. 
Schliesslich folgt noch ein Zugskalender, in dem die Vögel nach dem Datum auf- 
gezählt erscheinen, an welchem sie eintrafen. Dies ergibt für gewisse Arten ein 
Nacheinander, für andere ein Nebeneinander des Auftretens. Inwieweit diese 
Reihenfolge für ein grösseres oder kleineres Gebiet oder eine Zone constant ist, 
wird auch erst die Zukunft lehren können. 

Noch eines auf den Vogelzug sich beziehenden Aufsatzes möge kurz Er- 
wähnung geschehen: 

Heg"yfoky J. Theoretische Bestimmung des Rauchschwalben zuges 
und der gleichzeitigen Lufttemperatur (1. c, p. III — 151). 

Dass die Zeit des Eintreffens und Abziehens der Vögel im Zusammenhange 
mit den jeweiligen Witterungsverhältnissen steht, ist sozusagen selbstverständlich. 
Der Grad der Innigkeit dieses Zusammenhanges mit den einzelnen meteorolo- 
gischen Momenten ist -jedoch bisher nicht näher festgestellt worden. Die Arbeit 
Hegyfoky's ist ein erster Versuch, dies für Ungarn bezüglich der Rauchschwalbe 
zu thun, eines Vogels, dessen Kommen und Gehen bisher relativ am vollständigsten 
für das genannte Land ermittelt ist. Zunächst ergibt sich eine vollkommene 
Analogie zwischen dem Fortschreiten der Temperatur und dem Schwalbenzuge. 
Je nördlicher oder je höher die Lage eines Ortes über dem Meere, desto niedriger 
seine Temperatur und desto später die Ankunft der Schwalben ; je südlicher oder 
je niedriger die Höhenlage, desto wärmer die Gegend und desto frühzeitiger die 
Ankunft. Doch wird noch eine engere Beziehung zur Temperatur constatirt, 
nämlich dass das Temperaturmittel der 15 Tage vor der Ankunft der Schwalbe im 
Meeresniveau 8— 9°C. betrage. Bewölkung, Niederschlag und Windrichtung scheinen 
den Zug weniger zu beeinflussen. In den Jahren 1894 und 1895 kam z. B. die 
Schwalbe jedes Mal am 8. April an einem Orte (Turkeve) an, die Temperatur der 
vorhergegangenen 15 Tage war in beiden Jahren fast gleich. Dagegen war im 
Jahre 1894 die Bewölkung gering, es regnete die 15 Tage vor den 8. April gar 
nicht und es herrschten Nordostwinde vor; im Jahre 1895 war der Himmel um 
dieselbe Zeit weit mehr bewölkt, es regnete an 11 Tagen von den 15 (Niederschlag 
36 mm) und der Wind wehte meist aus Südwesten. Trotzdem kam die Schwalbe in 
beiden Jahren an demselben Tage an. Als der mittlere Ankunftstag der Rauch- 
schwalbe wird von Hegyfoky der 5. (4"9) April berechnet. Die Verspätung der 
Ankunft beträgt für die Erhebung von je 100 Metern ca. 3 Tage. Die Ankunft 
1er Schwalbe fällt auf den Tag der Isotherme von 9"4° C. laut Berechnung, was 
i.iuch den thatsächlichen Verhältnissen ziemlich gut entspricht. L. v. Lorenz. 



184 



Referate, 



Cliuii Carl. Atlantis. Biologische Studien über pelagische Organismen. (In 
6 Abtheilungen.) Bibliotheca zooL, Bd. VII, Heft 19. In 4 Lieferungen. 4°. 

Dieses umfangreiche Werk bildet zusammen mit einer Arbeit W. A. Na gel 's 
über Sinnesorgane einen Festband, welchen Prof. C. Chun und der Verleger 
E. Nägele Rud. Leuckart zur Feier seines 50jährigen Doctorjubiläums ge- 
widmet haben. Die beiden ersten Capitel: „Die Knospungsgesetze der proli- 
ferirenden Medusen" und „Auricularia nudibranchiata" behandeln 
Formengebiete, in denen Referent dem Verfasser in's Einzelne nicht folgen 
kann. Alle übrigen Theile handeln über Crustaceen. 

Durch den ungewöhnlichen Reichthum an biologischen Gedanken von 
allgemeiner Wichtigkeit und au geistvollen, anregenden Schlussfolgen in der 
morphologischen Exegetik verdient dieses Sammelwerk in den weitesten Kreisen 
der Naturforscher studirt zu werden. Die 20 Tafeln, die den Text erläutern, 
wurden sämmtlich vom Verfasser angefertigt, und wir stehen nicht an, seine 
uuübertrolfeuen Zeichnungen für das Schönste zu erklären, was wir in dieser 
Art in der Literatur besitzen. Und eine klare Abbildung ist für den Werth einer 
morphologischen Arbeit entscheidender, als jede noch so klare Beschreibung. 

Chuu C. Atlantis. III. Nauplien der Lepaden. Nebst Bemerkungen über 
das Schwebvermögen der pelagi.sch lebenden Crustaceen. — IV. Die secun- 
dären Geschlechtscharaktere der Männchen von Phronima. Stutt- 
gart, 1895. 54 S. mit 4 Tafeln. (Preis 30 Mk.) 

III. Verfasser hat drei verschiedene Lepadennauplien, [N. eques, hastatus 
und loricatus, und zwar in wenig bekannten Stadien untersucht, wobei er besonders 
über Nerven, Darm, Muskulatur, Drüsen der Lippen und des Rückcnschildes viele 
bcaclitcnswerthe Daten nachzutragen wusste, und gewinnt die Ueberzeugung, dass 
die Vermutliungcn Balfour's und G robben's, eine Phyllopoden-Urform vereinige 
die ('irripedien und Copcpodcn zu einem gemeinsamen Stamme, dem Sachverhalte 
entsprechen; namentlich hat hiefür die Entwicklung der 0?/2:)m-Puppe im Nauplius, 
die an drei Exemplaren beobachtet werden konnte, wichtige Belege geliefert. 

Die absonderliche Ausrüstung junger Cirripedien mit ungeheueren Anhängen 
und Fiederborslen hält Chun für „An^)assungen an das Schwebvermögen, welche 
die natürliche Züclituiig in uner.schöi)nich reichen Modificationen schalfte". Es cnt- 
:4chcn dal aus Convergenzer.schcinuugon im Habitus junger Lepaden und junger 
Dcrapodcn, die leicht zu weilgehenden Trugschlüssen Anlass geben können, während 
<ler einzige Grund derartig«!r monomorphischer Erscheinungen in der Anpassung, 
nicht aber in der Blutsverwandtschaft zu suchen ist. So hat z. B. Anton Dohm 
junge Thoracica mit dem Namen Archizoea bezeichnet (1870); nichtsdestoweniger 
^nd OH echte NaupliuH-Vuvuww^ die nur in der L(!bensweise den Zoeen verwandt 
'.ind und ihre äu.s.sere (jesfalt lediglieh dem pelagischen Flottiren verdanken. 

Es hat bereits Brandt (1892) liervorgchoben, da,.ss die unter dem Namen 
I'hyUoHoma bekannten Decapodeularvcn oder manelK! Cojjejmden — wie die | 
Sapphirinen — zu papierdihinen Scheiben geworden sind, um sieh durch Ver- 1 
^'ro«M.runK der Körjieroberniiclie bei geringer Körpermasse ökologischen Verhält-! 



Referate. 



185 



nissen anzupassen. Cliun weist darauf hin, dass solche Anpassungen gewöhnlich 
von anderen ähnlichen Vorkehrungen begleitet werden, wodurch das specifische 
Gewicht des Thieres nach Möglichkeit herabgesetzt wird. Oeltropfen spielen 
dabei die hervorragendste Eolle; man findet sie in Embryonen von Cladoceren, 
bei Sapphirinen etc., und die Calycophoriden pflegen in geeigneten Behältern 
alles Oel aufzuspeichern, welches sie mit erbeuteten Ostracoden oder Copepoden 
eingenommen haben. Bei der Hyperinengattung Mimonectes wird der Körper 
des Krebses durch übermässige Entwicklung des Gallertgewebes in eine Kugel 
umgewandelt. Wohl am seltensten wird der Körper durch eingeschlossene Luft- 
räume leichter gemacht, wie bei der mit Daphniden verwandten JEvadne. Hieher 
gehören auch stattliche Fächerfiedern, die wie Fallschirme wirken und besonders 
bei Copepoden häufig auftreten, z. B. bei dem reizenden Calocalanus pavo. 
Aehnlich sollen auch spinuenartig ausgebreitete Füsse mancher Formen oder die 
stabförmigen Antennen bei Scina wirken. Andere Krebse, wie Leucifer oder 
XiphocepJialus, wurden monströs in die Länge gezogen, so dass sie wie Glas- 
fäden horizontal im Wasser schweben, Dornartige Anhänge wirken wie Balancir- 
stangen; oft wird der gedrungene Körper in die Mitte einer geraden Linie gesetzt, 
deren Vordertheil (Stirnstachel) desto länger sein muss als der Caudalabschnitt, 
je mehr der Schwerpunkt des Körpers kopfwärts vorrückt; in aufrechter Stellung 
wird das Thier durch laterale Stangen oder verticale Rückenstacheln erhalten. 

Mit jeder Häutung eines wachsenden Le^^den- NaupUiis verlängern sich seine 
Anhänge, so dass ihm rasche Vorwärtsbewegung unmöglich und ein flottirendes 
Leben aufgezwungen wird. Die zarten, reich befiederten Füsse dienen zum Festhalten 
der Beute, während die riesigen Stacheln infolge ihrer Muskulatur als Steuerapparate 
aufzufassen sind; die Vermuthung anderer Autoren (P. C. Hoek, Claus), dass 
diese Anhänge als Waffe wirken, ist jedenfalls unrichtig. „Der physiologische Werth 
der bizarr verlängerten Fiederborsten und Stachelfortsätze des Körpers liegt vor- 
wiegend in dem Reibungswiderstand, welcher in Anpassung an das Aufgeben 
einer raschen Ortsbewegung das Schweben im Seewasser ermöglicht" (S. 100). 

IV. Ausser den Brutlamellen sind bei Phronimiden nur an Fühlern 
und Pleopoden secundäre Geschlechtscharaktere zu erkennen. Namentlich muss 
man der Zange des fünften Peraeopodenpaares diesen Werth absprechen. Ihre 
Gestalt und Armatur wechselt mit dem Alter; es kann daher der Vergleich eines 
unreifen mit einem reifen 9 derselben Art leicht zu irrthümlichen Schlüssen 
verleiten; man hat auch oft cT ^^i* Phron. coUetti auf 9 der Phron. sedentaria 
bezogen. Es lassen sich thatsächlich nur zwei kosmopolitische Formenkreise 



1) Es ist wenig wahrsclieinlich, dass der seltene Xiphocephalus schwimmend beobachtet werden 
konnte. .Jedem, der mit diesen Thiergruppen näher vertraut ist, muss es einleuchten, dass der ganze 
hintere Körperabschnitt bei Xiphocex>linlus (und bei analogen Macruren) sich nach unten richtet. Bei 
unserem Platysceliden entwickelt sich hinter den Augenblasen ein schmaler Kopfhals, offenbar, um 
den Vordertheil zu belasten und das Thier in eine horizontale Lage zu bringen. Bei Sciniden dürften 
die Fühler zum Eindringen in gallertige Organismen u. dgl. dienen und erst in zweiter Linie das wag- 
recbte Schweben erleichtern, zumal eine ganze Menge verwandter Amphipoden ohne Anteunenstäbo 
ebenso geschickt schwimmt. (Garbowski.) 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 25 



186 



Referate. 



unterscheiden, die allerdings etwas variabel sind : Phron. sedentaria Forsk. und 
co/Zt-Zf i Bovallius; bei der ersteren ist die Tibia jenes Fasspaares länger als breit, 
das Carpalglied, dessen hintere Zähne unselbstständig sind, ist ebenso gebaut und 
sein Vorderrand wird vom Metacarpus überragt; bei der zweiten ist sowohl die 
Tibia als der mit selbstständigen Hinterzähnen versehene Carpus ebenso lang wie 
breit und der Metacarpus ist kürzer. Phron. diogenes Chun und pacifica Streets 
sind Synonyme der Phron. colletti; spinosa Bov., tenella Stebb., atlnntica Guer.- 
Men. und solitaria Guer.-Men. gehöien zu sedentaria. Verfasser mahnt daher 
mit grossem Rechte zur Vorsicht bei Aufstellung neuer Arten, wo man oft geneigt 
ist, jede Larve unter besonderem Namen zu specificiren (vide Spence Bäte!). 

Mit erstem Frühling suchen die stets klein bleibenden männlichen Phro- 
nimen die starken, oft vielleicht mehrjährigen 9 ''^^^^^ die in Tönnchen an die 
Oberfläche steigen, um das Brutgeschäft zu besorgen. Die Jungen leben zuerst 
in dem mütterlichen Gehäuse und sinken erst im Sommer in die Tiefsee hinab, 
wo sie sich selbstständig weiter entwickeln. 

Eingehende Beschreibungen von Muskeln, Nerven und Drüsen in den 
Gliedmassen verleihen auch diesem Capitel allgemeine Tragweite. 

Chun C. Atlantis. V. lieber pelagische Tiefsee-Schizopoden. Stutt- 
gart, 1896. 54 S. mit 7 Tafeln. (Preis 38 Mk.) 

Eingehende Untersuchungen über Schizopoden haben den Verfasser zur 
Erkenntniss der wichtigen Thatsache gebracht, dass die aus biologischen 
Gründen wahrscheinliche Entwicklungsweise dieser Crustaceen ihre 
Parallele in dem morphologischen Bau findet. Die hier beschriebenen 
Eu])hausidenformen, Nematoscelis mantis n. sp., Stylocheiron mastigophorum 
Chun und chcUfer n. sp., sowie die neuen Mysideen, Arachnomysis leucicartii 
und Brutomysis vogtii (1 ^T), Hessen ihn erkennen, dass sich bei Formen, die in 
oberen Wasserschicliteu leben, die ursprünglichsten Merkmale erhalten haben, 
was zunächst für Euphausiden gilt. Die letzteren beleben alle Meeresschichten, 
von der Oberfläche bis in das tiefe Abyssal hinab {Stylocheiron dbhreviatum 
aus ir)00w Tiefe); manche Gattungen, wie Nematoscelis und Stylocheiron, sind 
typisfhe Tiefseethiere geworden und werden nur gelegentlich, durch Meeres- 
strömungen fortgerissen, an der Oberfläche angetroffen. Bei Mysideen werden 
alle Verhältnisse insoweit complicirt, als sie bathymetrisch indifl'erent zu sein 
scheiDci), jedoch von der Nähe des Grundes abhängen. 

Allerdings hat der Verfasser folgende ])hyle<ische Keihe dieser Familie 
constru i rt : SiricUa- Knrhactomcra-Ilriiloiniisis- (Jacsaromysis-Ärachnomysis. Die 
Gattung ylmc/tKO?«.?/«.v, die nach (,'inem einzigen c/" a,ufgestellt wurde, ist zweifel- 
los der aborrantoste Vertreter aller Schizopoden und hat das Maximum den 
Anpassungstransformation aufzuweisen. Leider berichtet Chun über ihren inneren 
Bau nur aphoristisch, da er das (finzige Exemplar nicht schn(!iden wollle; hervor- 
zuheben wäre das enorm entwi<;k('ll(! Antennengaiiglioii und ein nii'(lian(!r Längs- 
Hpall in der thoracalen (ianglienkctte. 'j 

'> Ob nicht oiti Ar(<'fiK l? (woriiiiC mir li<«8(iiirlf.rM «lor cniiiiali! Alisclmilt liiii/.iKlrMilon Kclipint). 



Referate. 



187 



Viel genauer wurde dagegen Stylocheiron mastig opJioriini beschrieben, 
welches von Stylocheiron loncjicorne G. Sars ganz sicher specifisch verschieden 
ist. (In dieser Schilderung wird das erste Fusspaar auf S. 147 mit anderen Füssen 
coordinirt, im Gegensatze zu Sars, der es für Maxillarfüsse erklärte; man darf 
aber nicht vergessen, dass das Basalglied des Protopoditen eine Kaulade trägt, 
weshalb es unzulässig ist zu sagen, dass diese Gliedmassen in Bezug auf weitere 
Paare homodynam sind!) Aus der gedrängten Topographie der inneren Weich- 
theile kann hier nur das Wesentlichste Erwähnung finden. Mit der Aorta cephalica 
steht in Verbindung eine kugelige Ampulle, welche aus gewöhnlichem Gefässepithel 
besteht, von rundlichen Muskeln umspannt und vom Verfasser als „Stirnherz" 
bezeichnet wird, da er verschiedene Stadien der Systole und Diastole festhalten 
konnte; wahrscheinlich haben wir es hier mit einer Anpassung an das Tief- 
seeleben zu thun, die den Zweck hat, die Augencapillaren reichlicher mit 
frischem Blute zu versorgen. Thoracale Ganglienkette ist ungemein concentrirt; 
die Leberschläuche sind — wie bei allen Euphausiden — ausserordentlich zahl- 
reich. Am Rectum befinden sich zwei laterale Blindsäcke, an denen sich zwei 
histologisch an Ganglienzellen erinnernde Zellenstränge befinden; vielleicht ist 
diese Bildung mit jener „Afterdrüse" identisch, die Wrzesniowski bei der 
Crevettine Goplana polonica entdeckte. 

Secundäre Geschlechtscharaktere beziehen sich auf den Cephalothorax, 
insofern er beim Q grösser ist und ein längeres Piostrum besitzt, und auf die 
Extremitäten: männliche Fühler zeigen Anpassungen an das Auffinden der 9> 
gewisse Brutfüsse sind beim Q vollkommener entwickelt, um in Ermangelung der 
Brutlamellen mit den Endopoditen das Eierpaket zu halten. Die schwanzlosen 
Spermazellen werden auch hier in chitinigen Samenpatronen an die weibliche 
GeschlechtsöflFnung angekittet. Die Kerne reifer Eizellen besitzen anstatt der 
Kernkörperchen räthselhafte Chromatinballen, die der Kernwand anliegen. 
Bei Thysanoessa bildet die stärker granulirte Substanz einen einheitlichen 
Plasmamantel. 

Phyletische Entwicklungsrichtungen der Euphausiden versucht der Ver- 
fasser in folgendem Schema auszudrücken (welches wir durch Beifügung der bathy- 
metrischen Zonen erläutern): 



Oberfläche. 
Pelagial. 



Abyssal. 



Stammform der Euphausiden. 



Bentheuphausia. 



Thysanopoda. 



Stylocheiron. 



Thysanoessa. 
Nematoscelis. 



Nyctiphanes. 
Euphausia. 



25^ 



188 



Referate. 



CIiuu C. Atlautis. VI. Leiiclitorgane und Facettenaugen. Ein Beitrag 
zur Theorie des Sehens in grossen Meerestiefen. Stuttgart, 1896. 72 S. mit 
5 Tafeln. (Preis 32 Mk.) 

Der erste Theil dieser Abhandlung beschäftigt sich mit Leuchtorganen 
der Stielaugen und des Kumpfes, wie sie bei Schizopoden seit Längerem bekannt 
sind. Diese, wie kleine elektrische Lämpchen in phosphorescirendem Lichte 
erglühenden Organe haben eine annähernd kugelige Gestalt; von den Bestand- 
theilen fällt ein hohler, aus Lamellen zusammengesetzter Eeflector,^) dem ein 
Pigmentmantel ansitzt, und ein centraler „Streifenkörper" am meisten auf; ausser- 
dem befindet sich bei thoracalen und abdominalen Organen eine stark entwickelte 
Linse. Verfasser bemüht sich zu beweisen, dass es unrichtig wäre, diese Gebilde, 
mit Claus, mit Augen zu homologisiren, wie es jüngst Patten in seiner be- 
kannten Neapler Arbeit versuchte. Andererseits ist der Verfasser, vornehmlich 
infolge der schlechten Conservirung seines Materiales, nicht im Stande, uns etwas 
Positives über die Natur der Leuchtkörper zu sagen; weder über den Streifen- 
körper, noch über die Nervenendigungen kann er Auskunft ertheilen. Auch 
bezüglich ihrer biologischen Bedeutung begnügt er sich mit blossen Vermuthungen. 
Das Thier selbst kann von dem ausgestrahlten Lichte nur wenig wahrnehmen; 
die Lämpchen können jedoch den Geschlechtern behilflich sein beim gegen- 
seitigen Auffinden, was selbst in einer Umgebung, wo die meisten Organismen 
leuchten, möglich wäre, da das Licht einer jeden Form gewisse Eigenthümlich- 
keiten aufweist. Verfasser vermuthet auch, dass das Glühen zum Anlocken der 
Beutethiere dienen kann, was allerdings nach den interessanten Versuchen des 
Prinzen Albert L von Monaco, der mit elektrischem Lichte Planktonkruster 
in Unmassen köderte, recht naheliegt. Hervorzuheben wäre aber der Umstand, 
da.ss die blinde Bentheiiphausia keine Leuchtorganc besitzt. Auf S. 210 wird 
der Leser durch einen Passus peinlichst berührt; es wird nämlich die Meinung: 
Giesb recht 's, ein Copepode könne seine Verfolger durch Lichtfunken blenden i 
und die Flucht ergreifen, und die Vermuthung Brandt 's, dass leuchtende Krebse' 
uugeuiessbare, ne.s.selnde, leuchtende Coelenteraten nachahmen, deshalb für wenig' 
aiini'limbar erklärt, weil sie „auf das dunkle Gebiet der Psychologie niederer 
Organismen verweist. Diese Auffassung hat zur Voraussetzung, dass . . . kleinere 
Kruster — Erfahrungen sammeln und sie zu zweckmässigen Handlungen ver-i 
werthen. . . . Ein Copepode, der einmal mit der gefährlichen Wirkung deri 
Nf'sselorgane Bekanntschaft macht, wird ihr wohl auch stets unterliegen". 

Im zweiten Tlieile wird der Nachweis geführt, dass sich auch im BaU' 
d<r Augtn eine abgestufte Ani)assui)g an das Tiefenleben verfolgen lässt. Den 
umf(»rnieiide Einfluss äusserer Exist^cnzbedingungen findet seinen Ausdruck von 
Allem in der Vertheilung des Pigmentes. Retinopigmontäre Augen den 
Sergcstidcn sind ganz anders eingerichtet als die irid()|)igin('iitären Augen den 
Tiefsee-Schizopode M, oliiie Xelzlmul piginent an inKilxloinen, dagegen mit sta i'ken 



•) Der eher l'fir «Icn Li(;li»,hi«;iic|rr 7,11 liiiKci) wilro (Clauh). 



Referate. 



189 



Corneawölbung. ^) Die Augeu der Fhronima bilden einen Uebergangstjpus : sie 
sind getheilt in Frontaugen (mit dorsal verlängerten Facetteugliedern] und Seiteu- 
augen, entsprechen aber in der Pigmentirung dem Sergestes-kugQ. Augen der 
Krebse, die, an die Nähe des Grundes gebunden, auch im seichten Wasser vor- 
kommen {Eiiphausia, Kyctiphaiies, Mysideen), können als Nacht- und als Tag- 
augen fungiren, wie dies durch die trefflichen Untersuchungen des Frl. Wanda 
Szczawiriska gezeigt wurde. Die Länge der Facettenglieder erleichtert die 
Wahrnehmung von Bewegungen durch Entstehung breiter Zerstreuungskreise. 
Von Crustaceen, die am tiefen Meeresgrunde leben, besitzt kein einziger solche 
verlängerte Frontaugen. In theoretischer Hinsicht bekämpft der Verfasser die 
alte, neuerlich durch Patten vertretene Theorie Gottscheds, eine jede Einzel- 
facette percipire ein umgekehrtes, von der Cornea entworfenes Theilbild der 
Umgebung, und unterstützt in längerer Beweisführung die Theorie des musivi- 
schen Sehens fd. i. aufrechter Superpositionsbilder), wie sie durch Grenacher 
und S. Exner in geistreicher V»^eise ausgebaut wurde. 

Es ist nur zu bedauern, dass es Prof. Chun nicht möglich war, seine 
Angaben durch Anwendung moderner Tinctions- und Imprägnationsmethoden zu 
vervollständigen, und dass er auch in diesen seinen Mittheilungen die einschlägige 
Literatur nicht völlig beherrschte; so wäre z.B. die grosse Kebalia- Arheit Ton 
Claus oder cytologische Monographien Ide's auf den Text sicher nicht ohne 
Einfluss geblieben. 

Im Ganzen haben wir in der „Atlantis" wieder einmal ein glänzendes, 
specifisch zoologisches Werk vor uns, das ohne die gewohnten histologischen 
Diatriben, welche die allgemeinen Gesichtspunkte nur zu leicht unterdrücken, 
durch die Darstellung der Formen als lebende Organismen den denkenden 
Leser in reichem Masse anregen muss. Für diejenigen Zoologen, „welche dem 
Beobachter erst dann den Befähigungsnachweis ausstellen, wenn er über karyo- 
kinetische Figuren, Nervennetze und Granula sich ausgelassen hat", sind denn 
auch jene Mittheilungen gar nicht bestimmt. Auch nicht für jene „kritischen 
Geister, welche in nörgelnden Bemerkungen schwelgen und das Zählen von 
Crustaceenborsten zum Lebensberuf wählten" (V, S. 143). Tad. Garbowski. 

Paczoski J. nowych i rzadszycb roslinach flory Litewskiej (Neue 
und seltenere Pflanzen der lithauischen Flora). Separat -Abdruck aus Spra- 
wozdanie komisyi fizyograficznej (Berichte der physiographischen Commission). 
Krakau, 1896. 31 S. 8°. 

Der Verfasser bereiste in den Jahren 1892 — 1894 vornehmlich das südliche 
Lithauen und das angrenzende Gouvernement Mohylew. Bei den nachfolgenden 
Pflanzen nahm er auch auf deren sonstige Verbreitung unter Benützung der 
Kiewer, St. Petersburger und Moskauer Herbarien besondere Eücksicht. * Hamm- 
culus polyphyllus W. K. Bei Lojöw im Districte Pizeczyca des Gouvernements 
Minsk. Fischer "s Angabe „Ucrania" bezieht sich nicht auf das Charkower 



*) Die als neu 'beschriebenen corneagenen Matrixzellen waren scLon seit mehreren Jahren 
Ijekannt (Clans). 



190 



Referate. 



Gouveruemeut, sondern auf das Poltawaer. Die im Wolgagebiete, Gouvernement 
Charkow und Ostgalizien voi-kommende Wasserform wäre, weil in Ungarn längst 
ausgestorben und darum die Walds te in- Kitaibel'sche Abbildung für Viele 
unverständlich, hervorzuheben gewesen. In Siebenbürgen wurde B. pohjphijllus 
seit Baum garten nicht mehr gefunden. * Cardamme parviflora L. In den 
Districten Rzeczjca und Mozyr. * Ali/ssum minimum Willd. Bei Pinsk einmal. 
Drosera intermedia Hayne. In den Districten Rzeczjca und Mozyr. Aldro- 
vanda vesiculosa L. Bei ^ytkowicze im Districte Mozyr. Polygala hyhrida DC. 
= P. Wolfgangiana Bess. = P. comosa a) Wolfgangiana Schmalh. Von den 
Gouvernements Wilna und Mohylew bis in die Krim und Mongolei, sowie Sibirien. 
*Dianthiis diutinus Kit., zuerst in Schult., Oesterr. Fl., I (1814), S. 655, be- 
schrieben, = D. polymorphus ß. calycis dentihus acutis Ledeb. = D. poly- 
morphus h) diutinus Schmalh. = D. Borhäsii Vandas, Oesterr. botan. Zeitsch., 
XXXVI (1886), S. 193. In den Gouvernements Grodno, Minsk und Mohylew. 
Degen 's Erörterungen über diese Pflanze in Dörfler 's „Herbarium normale", 
p. 8—10, blieben dem Verfasser unbekannt. * Silene parviflora Pers. In den 
Gouvernements Grodno, Minsk und Mohylew. * Moehringia lateriflora Fenzl. Im 
Gouvernement Mohylew bei Hömel; vom Bezirke Karatschew des Gouvernements 
Orel bereits Ruprecht (Bull, de l'Acad. St. Petersb., IX, p. 531) bekannt und im 
Gouvernement Czernigow bei Jarytowicze. Stellaria Frieseana Ser. Im Districte 
Pinsk. * Linum flavum L. Bei Turow im Districte Mozyr. Vicia lathyroidcs L. 
In den Gouvernements Grodno und Mohylew, hier in der f. umhrosa Paczoski. 
Orohus tuherosus L. In den Districten Minsk und Mozyr. Einmal auch im 
Gouvernement Kiew gefunden. * Potentilla collina Wib. Bei Wilno, Brzesc Li- 
tewski und Bialystok. * Bosa trachyphylla Rau. In den Gouvernements Minsk, 
Czernigow, Poltawa und Kiew. R. coriifolia Fr. Im Gouvernement Minsk. *B. 
caryophyllacea Bess. Bei Brze.sc Litevvski. Sedum Faharia Koch. In den Gou- 
vernements Minsk und Volhynien. * Peplis alternifolia M. B. Am Przypec, 
Dujepr, Don und an der Desna. Galium triftdum L. In den Gouvernements 
Minsk, Mohylew, Orel und von da bis Sibirien, Sachalin, Japan und Nordamerika. 
* Galntella punctata Lindl. = Äster acer L. = Ä. dracunculoides Bess. Im 
Districte Rzeczyca. * Linosyris vulgaris Gass. Im Districte Mozyr. * Änthcmis 
ruthcnicn M. B. Bei Brzesc Litewski. Matricaria discoidea DC. In den Gou- 
vernements Grodno, Wilna und Minsk. * Barkhausia rhoeadifolia M.B. In den 
Gouvcrnemeuts Min.sk, Volhynien und Kiew. Adenophora liliifolia Fisch. Im^ 
Districte Itzeczyca. Cuscuia lupuliformis Krock. Ebenda. * Veronica Billenii\ 
Crantz, Verfa.sser sah Exem]»lare aus England, Belgien, Schweden, dem Elsass,; 
Tirol, Böhmen, Mähren, Ungarn, Sieben])nrgon. Serl)ien, Rumänien, Polen, demi 
Altai, Sibirien und der Dsdiiingarei. * Mcla7nj)yriim comiJiutatiim Tiiu^^ch -— M., 
lacininfum Ko/.ewiiikow et Zinger in 'i'rudi Sv.-Peterb. o])szcz. estest. (Arbeiten! 
dfT St, IWAtvA). naturf. Gesellseh.), XI (1880), ]). 86—87, Bull. Mose, LVI (1881), 
p. 318, mit Taf. 3. In den Di.strictcn Mozyr und Bobrujsk. M. crelaccum Czer-f 
iiiiU'W, CoHHp. 47, int (»fb-nbar dasselbe. * Orohanche Ccrvariac Suard. Im Dist rictei 
Kzeczyca. * 0. rumosa L. Im Districte Mozyr. * Bracoccphalum Ihymißorum L.i 



Referate. 



191 



Im Gouvernement Mohylew und im Districte Minsk. * Leonurns Cardiaca L. 
ß. LithuanicHS Paczoski. In Polen und im Districte Pinsk. L. campestris Andrz. 
in Bth., Lab. 518 sub L. Cardiaca, Izw. o wtor. sjezd. ross. estestworsp., II, p. 128 
= L. Cardiaca ß. glaucescens Schmalh., mit Ausschluss des Synonym Bunge, 
welches bereits Bentham als Art zugelassen, hätte in Betracht gezogen werden 
sollen. Darin, dass L. Tataricus L., mit dem Andrz. seine Pflanze verglichen, 
in Lithauen nicht vorkommt, stimmt Eeferent dem Verfasser bei. Polycnemum 
arvense L. Im Districte Ezeczyca. Das im Bialowieser Walde vorkommende 
* P. majus A. Br. ist auch in Galizien zu Hause, und dürfte hieher die für den 
Rzeszower Kreis angegebene Salsola Kali gehören. Corispermum MarschalUi 
Stev. In den Districten Rzeczyca und Hornel. Bilimek sammelte dasselbe in 
Galizien, doch ohne Namhaftmachung eines genauen Standortes. Bumex ücranicus 
Fisch. Ebenda. Euphorbia lucida W. K. In den Districten Mozyr, Rzeczyca, 
Rohaczow, Hömel und Pinsk. Euphorbia palustris L. ist für Lithauen mehr 
denn zweifelhaft. Liparis Loeselii Rchb. Im Districte Rzeczyca. * Iris nudi- 
caulis Lam. Im Districte Rzeczyca und in Volhynien, doch ist eine Verwechslung 
mit I. Hungarica W. K. nicht ausgeschlossen. * Luzula albida DC. Im Gouverne- 
ment Grodno und in Volhynien. Wird auch für Podolien angegeben. L. pallescens 
Bess. In den Gouvernements Grodno, Minsk, Mohylew, Czernigow, Volhynien, 
im Süden der Ukraine, worunter das Gouvernement Kiew gemeint sein dürfte, 
Potamogeton acutifoUus Link. Im Districte Rzeczyca. * P. mucronatus Schrad. 
In den Gouvernements Minsk und Mohylew. P. decipiens Nolte. Im Districte 
Rzeczyca. * P. trichoides Chmss. et Schlechtend. In den Gouvernements Mohylew 
und Cherson. Najax minor All. Im Districte Rzeczyca. * Scirpus Michelianus L. 
Ebenda und von hier beinahe bis zum Euxinus. * Carex Ligerica Gay = C. 
Colchica Gay = C' divisa Auct. fl. Ross. (richtiger C. arenaria Auct. fl. Gubernii 
Chersonensis). Im südwestlichen Lithauen, in Volhynien, Podolien, Bessarabien, 
in der Ukraine (richtiger Gouvernement Kiew), in den Gouvernements Poltawa 
und Czernigow, im Lande der donischen Kosaken, in den Gouvernements Woro- 
nez, Ekaterinoslaw, Kaluga, Saratow, Astrachan, im Kaukasus und in der Krim. 
Carex heleonastes L. (s. h. Ehrh.). Im Gouvernement Minsk, C. pilulifera L. 
Im Districte Pinsk. * C. irrigiia Sm. Im Gouvernement Wilna. C. Oederi Ehrh. 
Ebenda. C. tenella Schk. Im Districte Rohaczow. C. vaginata Tausch. Im Gou- 
vernement Mohylew; auch im nördlichen Galizien. Ludolph Christian Trevi- 
ranus und nicht Ledebour war der Bearbeiter der Gattung Carex in der Flora 
Rossica. Hierochloa australis R. et Sch. Im Norden Volhyniens. Ledebours 
Angabe für Balta in Podolien ist, weil H. borealis der galizischen Autoren sich 
als hieher gehörig herausgestellt hat, nicht mehr so zweifelhaft, als der Verfasser 
wähnte. Panicum sanguinale L. Im Districte Rzeczyca, in Volhynien und im 
Gouvernement Czernigow. Bechnannia erucaeformis Host. Im Districte Rze- 
czyca, in den Gouvernements Mohylew und Czernigow. * Heleochloa alopecuroides 
Boiss. (s. h. Host). Ebenda, mit Ausnahme von Czernigow. * PJragrostis siiaveolens 
Becker = E. suaveolens var. Borysihenica Schmalh. — E. Borysthenica Gruner 
= E. pilosa ß. suaveolens Rgl. In den Gouvernements Cherson, Poltawa, dem 



192 



Beferate. 



Lande der douischeii Kosaken, iin Gouvernement Kasan, am Ural-Flusse und in 
der Dschungarei. E. collina Triu. ist Foa Tatarica Fisch. * E. Äegyptiaca 
Delile (richtiger Willd.). Im Districte Rzeczyca, in den Gouvernements Kiew und 
Polta-wa, sowie am Denec (des Districtes Izjum Czerniaew nach HackeTs brief- 
licher Mittheilung). * Ghjceria plicata Fr. In den Districten Rzeczyca und Mozyr, 
im Gouvernement Grodno, in Volhynien, in den Gouvernements Smolerisk, Orel, 
Kiew, Poltawa, Petersburg, Witebsk, im Caucasus und Alatau. * Atropis distans 
Griseb. Im Districte Rzeczyca. * Bromus commritatus ^Ghra,d. In den Gouverne- 
ments Mohylew und Czernigow. Poa Cliaixii Vill. ß. remota Fr. (unter P. Su- 
dctica). Im Bialowieser Walde, im Districte Bobrujsk und im Gouvernement 
Czernigow. Lt/copodiimi inundatum L. In den Bezirken Pinsk, Mozyr, Nowo- 
grodek und im Gouvernement Ekaterinoslaw. * L. Chamaecyparissus A. Br. In 
den Gouvernements Minsk und Orel; auch in Galizien. Ophioglossum vulgatum L. 
Im Districte Borysow, in den Gouvernements Mohylew und Czernigow. Die mit 
einem * bezeichneten Pflanzen fehlen in Lehmann's Flora von Polnisch-Livland. 
Dem eigentlichen Reiseberichte des Verfassers sehen wir sehnsuchtsvoll entgegen. 

J. A. Knapp. 

Halaesy, E. v. Flora von Nied er Österreich. Zum Gebrauch auf Excur- 
sionon und zum Selbstunterricht bearbeitet. Wien (Tempsky), 189G. Gol S. 

Obschon erst vor ganz kurzer Zeit Beck 's „Flora von Niederösterreich" 
erschienen ist, wird doch das vorliegende Werk Vielen sehr erwünscht sein und 
namentlich den Anfängern, sowie allen Freunden der Botanik, denen die Beck 'sehe 
Flora zu umfangreich und zu theuer ist, gute Dienste leisten. In wissenschaftlicher 
Hinsicht Neues über die niederösterreichische Flora zu bringen, war nicht die 
Absieht des Verfassers, sondern lediglich die Herstellung eines handlichen Bestim- 
mungsbuches. Diesen Zweck hat Verfasser durch das vorliegende Werk in vor- 
treftlieher Weise erreicht. 

Das Buch enthält nur die in Niederösterreich wildwachsenden Blüthen- 
pflanzen (nicht auch die Farnpflauzen); die häufig und in grösserem Massstabe 
cultivirten Arten sind meist in Noten angeführt. Die Anordnung der Familien 
und (Jattuugeu geschah nach dem De C and olle 'sehen System. Vorangestellt 
i.st eine „Ucbersicht der im Lande vorkommenden Familien", welche zugleicli zur 
B^'slimmimg der Familien verwendet werden kann. Der specielle Theil ist ganz 
nach dein Muster von Garcke's „Flora von Deutschland" gearbeitet, unterscheidet 
sich übrigens von letzterer vortlieilhaft dadurch, dass bei den einzelnen Familien 
auch 'J'abellen zur Bestimmung der Gattungen vorhanden sind. Denjenigen, welche 
etwa ein Landesherharium nacli dem Buche ordnen wollen, wird die forthuifcndc 
Numorirung kowoIi! (h-r (iatlungen als auch d(!r Arten willkommen sein. 

I>aKK Verfasser im Allgcmcini ii den alten, etwas weiteren Artbegrill' fest- 
jf(;haltfn hat, gereicht dt-m BucIk; nur zum Vortheil; Jedoch wurden mwmn 
UntcrMichunffon, wie bcinpielsweiso jene Wettstei n 's über Phijdmma und ((ndo- 
lri<!he Gentianeii, die des Kcfcrentcn ü))er Jianuncufus aconiti/'olim und püUani- 
foliuH u. a., Korgflillig berücksielitigt. Die sogenannten „kritisrthen" (ialtungon 



Eeferate. 



193 



sind etwas iingleichmässig bearbeitet, was aber nicht anders sein konnte, da auch 
die vorhandenen Vorarbeiten sehr verschieden sind. Buhns wurde nach der Be- 
arbeitung des Verfassers behandelt, Bosa nach Braun (in Beck's Flora vonNieder- 
österreich), Mentha gleichfalls nach Braun, Hieracium nach Beck. 

Die Bastarde wurden durchwegs in den Text aufgenommen, aber deutlich 
als solche bezeichnet, so dass man beim Bestimmen der Arten durch dieselben 
nicht beirrt wird. Bei jedem Bastard sind die Unterschiede von beiden Stamm- 
eltern angegeben. Die binären Namen der Bastarde sind angeführt, aber nicht 
an erster Stelle, was unbedingt zu billigen ist. 

In Bezug auf die Nomenclatur hat Verfasser, namentlich in Bezug auf 
Gattungsnamen, einen mehr conservativen Standpunkt eingenommen, was mit 
Piücksicht auf den praktischen Zweck des Werkes von Vortheil ist. In der 
Nomenclatur der Arten ist Verfasser nicht Beck gefolgt, sondern hat den ältesten 
Artnamen auch aus anderen Gattungen unter Anwendung der Klammermethode 
herübergenommen. Wir begegnen übrigens ab und zu auch solchen Namen, die 
erst in neuester Zeit wieder Geltung bekamen, so Wilckia statt Malcolmia, Actaea 
nigra statt A. spicata, Hesperis silvestris statt JS. runcinata u. a. m. 

Es ist zu erwarten, dass sich Haläcsy's Excursionsflöra bald einbürgern 
wird; denn ein derartiges Buch war thatsächlich ein Bedürfniss für die in Nieder- 
österreich lebenden zahlreichen Freunde der Floristik, und die ganze Anlage des 
Werkes ist so zweckmässig, dass. dasselbe seine Hauptaufgabe, die rasche Bestim- 
mung der in Niederösterreich wildwachsenden Pflanzen zu ermöglichen, gewiss 
erfüllen wird. Fritsch. 

Schiilje Tli. Schlesiens C u 1 1 u r p f 1 a n z e n i m Z e i t a 1 1 e r d e r R e n a i s s a n c e. 
Beilage zum Jahresbericht des Realgymnasiums am Zwinger in Breslau. 
Ostern 1896. 

Vor nunmehr nahezu 300 Jahren erschienen Schwenckfeld's Werke 
über die in Schlesien wildw^achsenden und cultivirten Gewächse. Verfasser hat schon 
früher^) die von Schwenckfeld angeführten wildwachsenden Pflanzen verzeichnet, 
d. h. mit ihren jetzt gebräuchlichen Namen veröffentlicht. Die vorliegende Publi- 
cation behandelt in derselben Weise die in Schwenckfeld's „Catalogus" ange- 
führten 592 Culturpflanzen, ferner die von Gesner (1561) namhaft gemachten 
Pflanzen des Woyssel'schen Gartens und die im „Catalogus" von L. Scholz 
(1594) verzeichneten. 

Wie Verfasser seine Aufgabe gelöst hat, wird am besten aus einem Beispiele 
ersichtlich sein: 

„196. Cucurbita Indica maxima. — Cucurhita Pepo L. — Türkisch Kraut. 
Sil. — Tropi.sches Amerika. — Gleich anderen aus Amerika stammenden Nutz- 
pflanzen, wie Zea Mays L. und Phaseolus vulgaris L., ist hier auch der Kürbis 
fälschlich als aus der Türkei herrührend aufgefasst worden." 

Fritsch. 



1) 68. .Jahresb. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cnltur. Breslau, 1890 91. 
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 26 



194 



Referate. 



Matschie Paul. Die Säugethiere Deutsch-Ostafrikas. Mit 75 in den 
Text gedruckten schwarzen Abbildungen, zumeist nach dem Leben gezeichnet 
von Anna Held. Berlin, 1895. Gr.-S*'. 

Eine Uebersicht nicht nur der in dem genannten Gebiete nachgewiesenen 
Säugethiere, sondern auch solcher, die in den angrenzenden Gegenden vorkommen; 
das Buch bildet mit seinen Bestimmungsschlüsseln und trotz der oft gar kurzen 
Beschreibungen eine willkommene Beihilfe für den Forscher und Jäger, der sich 
rasch über ostafrikanische Säugethiere orientiren will. Wer ein tieferes Studium 
der Vertreter dieser Classe aus dem dunklen Welttheile beabsichtigt, findet ein 
ausführliches Verzeichniss der Literatur beigegeben, aus welcher Rath zu holen 
ist — oder auch nicht, denn es ist noch Vieles unerforscht in Afrika. Für das 
deutsche Schutzgebiet werden angeführt: 8 AflFen, 4 Halbaffen, 23 Fledermäuse, 
8 Insectenfresser, 37 Nager, 30 Raubthiere, 42 Hufthiere, 1 Walthier, 2 Edentaten, 
zusammen 155 Arten, wovon 50 bisher nur aus Deutsch-Ostafrika bekannt sind. 

L. V. Lorenz. 

Dresser H. E. „A historj of the birds of Europe including all the 
species inhabiting the western palaearctic region." Supplement. 
Part III— V. London, 1896. 4°. 

Nachstehend theilen wir den Inhalt der Fortsetzungen dieses Werkes mit, 
nachdem wir über die beiden ersten Hefte desselben bereits in diesen „Verhand- 
lungen", Bd. XLV, S. 310, berichtet haben. 

Accentor fidvescens Severtz. Kaukasus, östliche Mongolei, Tibet, Sibirien, Gilgit 
und Sikkim. 

Accentor atrigularis Brandt. Ural, Turkestan, Altai, Pendschab. Wiederholt bei 
Orenburg. 

Acredula macedonica Salvad. et Dresser. Griechenland, Bulgarien (?). PI. 655, 
Fig. 1. 

Acredula caucasica Lorenz Th. Kaukasus. PI. 655, Fig. 2. 

Parus cmereus Vieill. Transkaspien, West-China, Himalaja, Ceylon, Moluccen, 

Malajische Inseln. PI. 656, Fig. 1. 
l'arus hokharcnsis Licht. Transkaspien, Afghanistan, Turkestan. PI. 656, Fig. 2. 
J'arus jyhaeonotus Blanford. Kaukasus, Transkaspien, Pcrsien. PI. 657. 
J'arus cj/priotes Dresser. C) j)ern. PI. 658. 

ParuH jtlcshci ('ab. Xord-Russland, westlich vom Ural; regelmässig bei St. Peters- 
burg und Moskau, l'iin Exemplar bei Liege in Belgien. PI. 659. 

Parus tenerifl'ae Le.ss. Gran Canaria, Teneriffa., Gomera. PI. 660, Fig. 2. 

ParuH jmhnemis Meade-Waldo. Insel Palma. PI. 660, Fig. 1, 

J'arus omhrioHUH Meadc-Waldo. Insel Ilierro (Canaren). PI. (JOl. 

iS't//a irhilrhcadi Sliarpe. Insel Corsica. PI. 662. ! 

Sittn Hifriacn VAiv. (verschieden von S. ncumaycri Michail.). Transkasi)ieu, Persicn 
Afghanistan, Turkostan. — Im Ansc.]iluss(! an diese Art, eine Uelx-rsiclil 
der seit den letzten 12 .laliren gewonnenen Ergebnisse über die ül)rigei 
II |»:iliiarkti»chün Silin - \v\i\\. 



Keferate. 



195 



T roglodytes pallidus Hume. Transkaspien, Ost-Turkestan. 

3IotaciUa personata Gould. Transkaspien bis Calcutta, Sibirien bis Indien. PI. 663. 
Motacilla xanthoplirys Sharpe. Vom Schwarzen Meere bis Persien. PI. 664. — 

Uebersicbt der anderen sechs paläarktischen gelben Bachstelzen (Budytes). 
Anthus similis Jerdon. Persien, Afghanistan, Beludschistan, Indien. PI. 665. 
Lantus grimmi BogdanoflP. Von Kaspien bis Alaschan, Beludschistan (?). PI. 666. 
Lanius funereus Menzbier (nahe dem L. molUs Eversm.). Turkestan. PI. 667, 

668, Fig. 1. 

Lanius leucopterus Severtz. Transcaspien, Ost-Turkestan; nördlich bis Krasno- 
jarsk. PI. 668, Fig. 2. 

Lanius fallax Finsch. Canarische Inseln, Nordost -Afrika, Palästina, Meso- 
potamien, Beludschistan; Dekkan (?). 

Lanius elegans Swains. Algier bis Central -Asien. 

Lanius raddei Dresser. Transkaspien, Turkestan (?). PI. 669. 

Muscicapa semitorquata Homejer E. F. Süd-Russland, Kaukasus, Persien; 
Türkei. 

Carduelis caniceps Vigors. Ural, Transkaspien, Afghanistan, Himalaja, Centrul- 

Asien, Sibirien. PI. 670. 
Coccothraustes carneipes Hodgson. Transkaspien, Himalaja, Mongolei. PI. 671. 
Passer ammodendri Severtz. Transkaspien, Turkestan, Alaschan, Ordos. PI. 672. 
Montifringilla alpicola Pall. (getrennt von M. nivalis). Kaukasus, Persien, 

Afghanistan, Turkestan bis zum Beischan-Gebirge. PI. 673, Fig. 2. 
FringilUa palmae Tristram. Insel Palma. PI. 674. 

Bucanetes ohsoletus Licht. Sjrien, Transkaspien, Persien, Afghanistan, Turkestan, 
Mongolei bis an das Nordufer des Hoangho. PI. 675. 

Bucanetes mongolicus Swinhoe. Transkaspien, Afghanistan, Turkestan, Himalaja, 
Nordwest-China. PI. 676. 

Pyrrhula Cassini Baird. Ural, Sibirien, Alaska, Turkestan, Altai. PI. 677. 

Uragus Sibiriens Pallas. Ural bis Ost-Sibirien, Turkestan, Mandschurei, Nord- 
China. PI. 678. 

Loxia ruhrifasciata Bp. et Schleg. West-Russland, Deutschland; ein Exemplar 
bei Stockholm. PI. 679. 

Emheriza luteola Sparrm. Transkaspien, Turkestan, Afghanistan, Sibirien, Persien, 
Indien; zwei Exemplare auf Helgoland. PI. 680. 

Emheriza huttoni Bljth. Kaukasus bis Kaschmir. PI. 681. 

Eniberiza saliarae Levaill. Tunis, Algier, Marocco. PI. 682. 

Emheriza ctoides Brandt. West-Sibirien, Turkestan, Ost-Sibirien, Korea, Mandschurei, 
Mongolei, China; ein Exemplar in England. PI. 688. 

Alauda gulgula Frankl. Transkaspien, Indien, Cejlon, Birma, Süd-China, Phi- 
lippinen. PI. 684. 

Podoces panderi Fischer. Transkaspien, Turkestan. — Vorher eine Betrachtung 
über die sjstematische Stellung der Gattung Podoces, welcher nach des 
Autors Ansicht ein Platz in der Nähe von Pyrrhocorax und Nucifraga 
gebührt. 

26* 



196 



Referate. 



Die Arten der Gattung Sturmis werden einer Kritik unterzogen, St. 
unicolor den anderen Formen gegenübergestellt. Diese wieder in zwei Gruppen 
gesondert. In die eine mit grünen oder stahlblauen Flügeldecken gehören St. 
vulgaris und St. menzhieri, welche letztere Form aber als von St. vulgaris 
nicht unterscheidbar befunden wird. Zur zweiten Gruppe sind die als St. 
purpurascens, St. porpliyromtus, St. poltaratskii und St. caucasicus be- 
schriebenen Formen zu zählen, von denen St. purpurascens und porphyronotus 
für untrennbar erklärt werden, während St. poltaratsMi und St. caucasicus dem 
St. purpurascens sehr nahe stehen und sich von diesem durch weitere Ausbreitung 
des grünen Glanzes unterscheiden. St. poltaratskii hat den Rücken stahlgrün 
und den Rumpf purpurgläuzend, bei St. caucasicus breitet sich der grüne Glanz 
auch über den Rumpf aus. L. v. Lorenz. 



197 



Yersammlimg am 6. Mai 1896. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch die 
P- T- Herr p ^ 

Hecke Ludwig, Assistent an der Hochschule 

für Bodencultur, Wien, YIII., Skodagasse 17 A. Handlirsch, Dr. A. Zahlbruckuer. 
Luze G., Bürgerschul -Lehrer, Wien, XYL, 

Yeronicagasse 25 L. Gangibauer, J. Kaufmann. 

Mandl Carl, Privatbeamter, Wien, lY., Grosse 

Neugasse 44 L. Gangibauer, J. Kaufmann. 

Meeraus, Dr. Erail, k. k. Ministerial-Concipist, 

Wien, XIX., Carl Ludwigstrasse 41 . . A. Handlirsch, Dr. L. Melichar. 
Miehl, Dr. Oswald, Hof- und Gerichtsadvocat, 

Wien, I., Hoher Markt 3 A. Handlirsch, Dr. L. Melichar. 

Paul Josef, Apotheker, Mährisch-Schönberg Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 
Fräulein Pehersdorfer Anna, Fachlehreriu, 

Stejr, Oberösterreich Dr. C. Fritsch, A. Handlirsch. 

Strauss Leopold, Bürgerschul-Lehrer, Wien, 

Y., Tichtelgasse 15 . L. Gangibauer, J. Kaufmann. 



Herr Dr. Carl R. y. K eis s 1er sprach „Uel3er eine neue 
Bapline-kYi''. (Vgl. S. 214.) 



Herr Gustos Dr. L. y. Lorenz hielt hierauf einen Vortrag 
„Ueber die iVcs^or-Papageien". 

Der Yortragende wies auf zwei Suiten des unter dem Namen Nestor 
meridionalis bekannten braunen Nestor hin, welche durch A. Reischek einer- 
seits auf der Nordinsel Neuseelands (Hauturu, Kawhia, Waitakeri, Priongia), 
andererseits an der Südwestküste der Südinsel (Dusky Sound und Chalky Sound) 
gesammelt worden waren. Die Yögel der beiden Inseln zeigen unter sich wesent- 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 27 



198 



Versammlung am 6. Mai 1896 



liehe Verschiedenheiteu und führen zu der üeberzeugung, dass man es da mit 
zwei verschiedenen Formen von braunen Nestoren zu thun habe. Von Haast 
(Journ. f. Orn., 1868) und Finsch (Papag., II, 1868) wurden auch bereits die 
Nestoren der Südiusel als eine besondere Art unter dem Namen JSf. montanus 
unterschieden und es wurden als charakteristische Merkmale derselben eine andere 
Stimme, ein anderer Flug, bedeutendere Grösse und lebhaftere Färbung hervor- 
gehoben. Diese beiden letzteren Eigenschaften kommen auch bei den von 
Reischek erbeuteten Bälgen des Südens durchaus zum Ausdrucke. Der ganz 
auffallende Grössenunterschied zwischen den Vögeln der Süd- und Nordinsel 
wurde von dem Vortragenden an zwei zu dem Zwecke mit ausgespannten 
Schwingen präparirten Vögeln, sowie auch an Skeleten demonstrirt. 

Dr. V. Lorenz legte sodann auch jenen aus dem Museum Leverianum 
stammenden, seit 1808 im Hofmuseum befindlichen Papagei vor, welcher von 
Latham als „Southern brown parrot" (General Synopsis, 1781) und Psittaciis 
ncstor (Index orn., 1790) beschrieben wurde und welchen Gmelin (1788) Psitta- 
cus meridionalis benannt hat. Es ist das auch dasselbe Exemplar, das Shaw 
(Mus. Lever., 1892) unter dem Namen Psittacus australis anführt und abbildet. 
Ein Vergleich dieses typischen Exemplares, auf das sich alle eben erwähnten j 
Bezeichnungen beziehen, ergibt nun dessen vollkommene üebereinstimmung miti 
den von Reischek auf der Südinsel gesammelten Vögeln, woraus weiter folgt,; 
dass der Name Nestor montanus ein Synonym zu dem N. meridionalis Gm.i 
darstellt. Der von Forst er (Ms., 1773) beschriebene N. hijpopolius (Lichten- 
stein, Dcscriptio animalium, 1844) ist gleichfalls mit den vorliegenden Nestoren] 
der Südinsel identisch. I 

Die Nestoren der Nordinsel, die nach den bisherigen Kenntnissen von den 
Autoren auch unter die Bezeichnung N. meridionalis gestellt wurden, sind nun 
durch eine neiu^ Bezeichnung als verschieden zu kennzeichnen und beantragte 
Lorenz hiefür den folgenden Namen unter Beifügung der Diagnose: i 

Nestor Heptetitrioualis, Nestori meridionali Gmelini similis, scd 
minor; vertice fusco (ncc cuno); remigihus, secundariis et tectricibus alne 
fustcin rix jloresceniihus (nec cyaneo viridibus); cauda fusca, ad basin colorc 
flava Inrata (non viridescens). 

Auf diese Form passt aiicb Salvadori s Beschreibung zu N. mcridiomilis 
(r'at, Birds Brit. Mus., XX, p. 7). Die Beschreibungen, die Buller und Mudcre 
Auta,n«u unter dcm.selben Namen geben, enthalten dagegen, ebenso wie jcMio 
Latham's und Forstf-r s, die Merkmale der Vögel von der Südinsel. Diese 
halMMi eine helle grau weisse Färbung des ()l)erk()pf(!s, nur gegen den Nacken 
sind die Federn dunkel geränderl ; über und hinler den Augen bis gegen den 
Na<-ken /u ein blasser bl a »igrii n e r Anflug; der g(!l])e Ohrenfieck ist lebh.ifler; 
ihrr Klicken blau^fri'm überwa.sclien. Flügel, insbesondere die Secundarien noch 
intctiNiver blaugrnn; die roMu! Färbung der Ober- und Unterseite (|{in/( l und 
Hauch) iKt lebliaft4'r und zielil, sieh weiter nacli vorne gegen liiicken und {{nist; 
nuHH4T<leiii siinl nie, wie «•rwälint, grö.sser als die Vi>gel von dtir Norrlinsel. 



Versaiumliuig am 6. Hai 18%. 



199 



Der N. occidentalis Buller 's („Ibis", 1869) von der Westküste der Süd- 
insel (George Sound bis Milford Sound) würde der Beschreibung nach mit 
dem eben als N. septentrionalis bezeichneten Vogel grösstentheils übereinstimmen. 
Ob nun der erstere, welcher nicht gar weit nördlicher erbeutet wurde als der 
N. montanus {rede meridionalis), einem Jugendstadium von diesem entspricht, 
oder eine Zwischenform zwischen diesem und dem N. septentrionalis darstellt, 
oder endlich mit dem N. septentrionalis identisch ist, in welch' letzterem Falle 
dieser mit dem N. occidentalis synonym wäre, könnte nur durch Vergleich von 
authentischen Exemplaren des N. occidentalis entschieden werden. 

Dr. V. Lorenz demonstrirte dann noch den bereits ausgestorbenen Nestor 
prodiictus Gould von Philipp Island, von welcher Art sich zwei Exemplare im 
k. k. naturhistorischen Hofmuseum befinden, und zeigte eine Abbildung des von 
Pelzeln (Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., XLI, 1860) als N. norfol- 
censis bezeichneten Papagei vor, welche von dem Maler Zimmermann nach 
der 1805 auf der Norfolk-Insel angefertigten Zeichnung und den Farbentabellen 
des Malers Bauer, der seinerzeit Flinders auf dessen Reise begleitete, ausge- 
führt wurde. Nach diesem Aquarelle zeigt der N. norfolcensis in der Färbung 
eine sehr weitgehende Uebereinstimmung mit dem N. productus, und wird die 
Vermuthung erweckt, dass der so ausserordentlich entwickelte Schnabel des 
ersteren eine abnorme Bildung darstelle und der nur auf Bauer 's Zeichnung 
und Farbenangaben begründete JV. norfolcensis mit dem N. productus identisch 
sein könnte. 



Constituirende Versammlung der Section für Botanik 

am 10. April 1896. 

Nachdem der Ausschuss der Gesellschaft in seiner Sitzimg am 
30. März 1896 der Gründung einer „Section für Botanik" zugestimmt 
hatte, berief Herr Prof. Dr. C. Fritsch für den 10. April 1896 die 
constituirende Versammlung dieser Section ein. 

In dieser Versammlung meldeten folgende Mitglieder der Gesell- 
schaft ihren Beitritt zur ,.Section für Botanik" an: 



P. T. Herr Anger F. 

„ „ „ Baumgartner J. 

„ , „ Beck, G. V. 

„ „ „ Braun H. 

„ „ Brunnthaler J. 

„ „ „ Burgerstein A. 

„ „ _ Eichenfeld, M. v. 

„ „ „ Fritsch C. 



P. T. Herr Ginzberger A. 
„ „ „ Halacsj, E. v. 
„ „ „ Heinrich C. 
„ „ „ Hungerbyehler, J. v. 
„ „ „ Keissler, C. v. 
. . „ Keller L. 
„ „ „ Krasser F. 
„ „ „ Linsbauer L. 

27* 



200 



»\>u^tituireuilc Versumuihuig dei- Section für Butiuiik am 10. April 1896. 



P. T. Herr Lütke in üllur J. P. T. Herr Teyber A, 

„ ^ „ MüUuer M. „ ,, Treusch L. 

^ „ „ Ostermeyer F. „ „ „ Wilhelm C. 

„ „ „ Ptoiiiiiger F. „ „ ,, Zahlbruckue r A. 
„ „ „ Steine rJ. 

Ziiiiäclist wurde der von Herrn Prof. C. Fritsch vorgelegte 
Entwurf einer Geschäftsordnung der Section durchberatlien und mit 
einigen unwesentlichen Aenderungen angenommen. 

Hierauf wurden zu Functionären der Section per acclamationem 
gewählt: 

Herr Prof. Dr. G. lütter Beck v. Mannagetta zum Obmann, 
Herr Dr. E. v. Haläcsy zum Obmann-Stellvertreter, 
Herr Dr. L. Liusbauer zum Scliriftführer. 

Schliesslich wurde auf Antrag des Herrn J. Brunnthaler dem 
Herrn Prof. Dr. C. Fritsch der Dank für seine Bemühungen um 
das Zustandekommen der Section ausgesprochen. 



Hciti'cig zur Keniitniss der Gattungen Narica und 

Onuslus. 

You j 

Dr. Ku(l<>l]>h 15ergh 

iu Kopciihiigcii. 
(Mit Tafel II und III.) 
(Kiiif^chinrcii iiiii ;Jü. April WM',.) j 

Narica Ree I uz. i 

Iii ilir.'iii h'.-isf werke Voyage de r„Ast rolaln;" (II, 1S;52, p. 2ol>, PI. (Ki Iiis,: 
l'ij,'. 20 -21) iM^clirichfu (^uoy und (jaima rd als eine „Vduiina aiiiccllala^' 
«las '{'h'ii;v voll NerUn ranccUala von (;h(!innil/. Sie geben uusdriu^klieli an, dassj 
si.' iir*<i»rlin(5'lirli au die Aufstellung einer eigenen (jallung Vanikoro (von der Insol; 
Vanikoro) gedacht halten, welche sie; al)er wieder falhin liessen. Das Thier istl 
Hchr kenntlich bcschricboii und a]»gebildet. Milder g(;wöhnlichcu Leicht fcrtigkciiti 
und Lufit zum Naincngehcn (h-r (%tneliylio]ogen stellte! Swainson (A troatise on^ 
nialacology, IK-fo, p. dann auf dem Sujarclus cancdUdus Lamarck s (deri 



Beitrag zur Keuutüiss der Gattungen Xarica und Onustiis. 



201 



Nerita cancellata von Chemnitz) eine neue Gattung. Leucotis , auf. Ebenso 
scheint Gray (vgl. Fig. of moll. anim., lY, 1850, p. 156) für dieselbe Form die 
Gattungen Merria (1839) und Xioma (1840) gebildet zu haben. Mit dem Namen 
Narica erschien endlich die Monographie von Eecluz (Monographie du geni-e 
Narica; Magaz. de zool., 1845, p. 1 — 64, PI. 117 — 133) mit einer guten Darstel- 
lung der Formverhältnisse des Thieres (von N. Souleyetiana, PI. 117, Fig. 1 — 3; 
PI. 118, Fig. 1 — 5) und einer mit gewohnter Tüchtigkeit von Souleyet (p. 14 — 17) 
gelieferten anatomischen Untersuchung. 

Der barbarische Name VaniJcoro ist von Quoy imd Gaimard selbst, wie 
oben erwähnt, nie als generische Bezeichnung angewendet worden. Irgend eine 
wissenschaftliche Begründung hatten weder die Gattungsnamen Merria, noch 
Nioma oder Leucotis. Nach der Arbeit von Quoy und Gaimard wurde diese 
Thierform erst durch die Abhandlung von Piecluz, und zwar besonders durch 
Souleyet genauer bekannt. Der Name Narica von Eecluz wird sicherlich 
für diese Gattung zu bewahren sein, so wie ihn auch, wenngleich etwas wider- 
strebend, P. Fischer (Man. de conchyl., 1887, p. 761) beibehielt. \) Später haben 
H. und A. Adams (The genera of recent mollusca, I, 1858, p. 374, PI. 41, Fig. 5) 
wieder eine Abbildung des Thieres (von N. cancellata) gegeben und zum ersten 
Male eine deutliche Abbildung (Fig. 5 &, 5 c) des Deckels desselben. Das Xarica- 
Thier, das in den Museen Europas selten vertreten scheint, hatte aber sowohl in 
Bezug auf äussere Formverhältnisse, sowie auf inneren Bau eine genauere Nach- 
untersuchung sehr nöthig. 

Die Schale dieser Thierform ist von den Conchyliologen hinlänglich oft 
beschrieben. 

Die Schnauze des Thieres (Taf. II, Fig. 1—3) ist ziemlich stark und lang. 
Am Grunde derselben entspringen die etwas abgeplatteten Tentakel (Fig. 2 h b), 
die länger als der Kopf (die Schnauze ) und am Ende gerundet sind ; unweit vom 
Grunde tragen sie an einem kleinen Höcker das kleine schwarze Auge (Fig. 4 a). 
Dicht am Grunde des rechten Tentakels findet sich (beim Männchen) der ziem- 
lich starke, etwas abgeplattete, gebogene Penis (Fig. 2 «, 6 &). Der Fuss (Fig. 1) 
ist ganz eigenthümlich, aus einem Propodium, Metapodium und Epipodien be- 
stehend; den Haupttheil desselben bildet das runde, saugnapfähnliche Metapodium; 
das fast blattartige Propodium vom Grunde des Metapodiums ausgehend, hinten 
schmaler, vorne breiter und gerundet; die ziemlich langen, flügelartigen Epi- 
podien auch vom Grunde des Metapodiums entspringend. An seiner hinteren Seite 
trägt das Metapodium den dünnen, hornigen, ovalen, mit endständigeni Nucleus 
versehenen Deckel. — Die Kiemenspalte (Fig. 1) ist breit und die Kiemen- 
höhle weit; die Kieme gross, einen grossem querstehenden Bogen bildend: die 
Kiemenblätter (Fig. 7) zahlreich, langgestreckt-lanzettartig. Analpapille und 
Nierenpore wie gewöhnlich (Fig. 1). 



') Gray (Fig. IV, 1850, p. 156) macht darauf aufmerksam, dass die Verfasser mit Tnrecht 
die Prioritätsansprüche für Kecluz von 1841 (d'Orbigny, Cuba) datiren : d'Orbigny soll nur er- 
wähnt haben, dass ßecluz eine neue Gattung zu bilden beabsichtigte. 



202 



Rudolph Bergh. 



Das Ceutraluerveusystein schien sich etwa wie hei verwandten Formen 
(Oniistus) zu verhalten. Die Otocysten mit einem kugelförmigen Otolith (Tat. II, 
Fig. 9). — Am hinteren Ende der kurzen, in der Schnauze (Fig. 2) liegenden 
Mimdröhre der starke Schlundkopf, welcher im Vorderende jederseits eine kleine, 
starke Mandibelplatte^) (Fig. löh h) trägt, die aus dicht gedrängten Stäbchen 
gebildet ist. Die Zunge gross; in der Raspel und ihrer Fortsetzung in die Raspel- 
scheide zahlreiche Zahnplattenreihen, in jeder Reihe eine tiefer liegende mediane 
Platte und an jeder Seite derselben eine Zwischen- und zwei Seitenplatten; 
die Formel der Raspelbewaifnung ist also: 2.1.1.1.2.^) Die Speicheldrüsen 
kurz und dick. Der Magen weit, mit mehreren Loculamenten ; der Darm lang. 
— Die hinterste Windung der Eingeweidemasse von der Geschlechtsdrüse (Testis 
oder Ovarium) aufgenommen. Der Penis (Fig. 2 «, 6 h) unb(?wafFnet, vom Samen- 
leiter durchbrochen. 

Diese der Südsee angehörende Thierform scheint litoral zu sein, in geringer 
Tiefe an Steinen sitzend vorzukommen (Cuming) und wenig beweglich zu sein 
(vgl. II. und A. Adams, 1. c, p. 374). 

Von den älteren Conchyliologen wurde diese Form, der Schale nach, zu den 
Neriteu (Chemnitz), den Sigareten (Lamarck), den Velutinen (Quoy und 
Gaimard) oder den Naticiden (Swainson) gestellt. Die Narica wird aber wahr- 
scheinlich den Typus einer eigenen Familie abgeben, deren systematische Stellung 
noch etwas unsicher scheint; P. Fischer hat (1. c.) sie in die Nähe des Onustus 
(zwischen den Xenophoriden und den Marseniaden) gestellt. 

Narica caneellata (Gh.). 
Taf. II, Fig. 1-11; Taf. III, Fig. 12-19. 

yarica caneellata (Gh.), Recluz, 1. c, p. 14—17, PI. ll'J. 

Von dieser Art lagen zwei Individuen vor, von Sem])er 18G0 bei Pahios 
geti.srht und mir von Prof. Fclenka (Erlangen) zur Untersuchung überlassen. 

Die Individuen waren von ziemlich ungleicher Grösse. Die schön bewahrten, 
n(»(;h von der hfllgclbliclien, dünnen, ga,nz ebenen Cuticula überzogenen Schalen 
»lassen: bfi dem grösseren, weiblichen Individuum an (querer) Breite bis \\) mm 
\m einer Höhe bis 14 mm, bei dem anderen, männlichen Individuum betrugen 
die (•ntsprcchend<'n Mas.se bis 14 und 5 wm. Das „dünne, hornige, ovale Opur- 
cnlinii') mit endsländigeni Nucleus" fehlte bei beiden Individuen. 

Das Thier liess sicli mit der grössten Leichtigl(eit aus uul)eschädigt(!r 
Schale und 8«'lbst unbeschädigt herausziehen. Der Unterkör])er war von hell 
pi'lblich weisser Farbe. 

•) Pionf'll»« Nchcint nchon Kouloyct (1. c, p. \A) ROHclifii /,u liiilxti. 

») Hoiileyet gibt (I. c. p. 14, l'l. IIH, Fi«, f.) zwfi Uoilinii von Ziilinpliillcn ;ui «Icr Ziiiig«' an. 
») liM Opcrkel Ut, wio orwfthnf, von II, nnd A. Aiiinns Criic nfMir-ia of rc(;()nl iriolliisca, III, 
IBAS, l'l. WA, Fig. bh, f, c) abgebildet wonlon. 



Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 



203 



Der ganz eigenthüiiiliche Fuss aus den drei Theilen, dem Propodium, 
dem Metapodium und den Epipodien bestehend. Den Haupttheil bildet das 
saugnapfähnliche, somit runde (3'5 mm), vortretende Metapodium, dessen Durch- 
messer bei dem grössten Individuum 5 mm betrug; eine ganz schwache Andeutung 
einer Randfurche; keine Spur einer Deckelfacette konnte nachgewiesen werden. 
Das blattartige Propodium von etwa der Mitte der Höhe des Metapodiums ent- 
springend, somit am Grunde nicht im Niveau mit demselben liegend, mitunter 
ein wenig kürzer als das Metapodium, vorne von der Breite desselben, nach hinten 
verschmälert; der Vorderrand gerundet, mit schwacher Randfurche; die untere 
Seite ganz eben, die obere mit oberflächlicher breiter medianer Furche (für die 
Schnauze). Die Epipodien in derselben Höhe wie das Propodium unterhalb des 
Grundes des Metapodiums entspringend, hinten ziemlich niedrig und ineinander 
übergehend, sonst flügelartig vortretend, nach vorne das Metapodium überragend 
und sich bis über die Hälfte der Länge des Propodiums erstreckend, mit grob 
gekräuselter Randpartie (Fig. 1). — Die Schnauze stark, ziemlich dick, 3 wim 
lang, mit napfartigem, perforirtem Ende (Fig. 3) und graulich durchschimmerndem 
Schlundkopfe (Fig. 2). Vom Grunde derselben entspringt jederseits der Tentakel; 
diese sind ziemlich abgeplattet, nur wenig länger als der Kopf, am Grunde etwas 
eingeschnürt, mit gerundetem Ende; unweit vom Grunde tragen sie an der 
oberen Seite gegen den Rand hin an einem kleinen Höcker das kleine schwarze 
Auge (Fig. 2, 4 a). Dicht am Grunde des rechten Tentakels (Fig. 2 a, 6 &) ragt 
(beim Männchen) der ziemlich starke, etwas abgeplattete, gekrümmte Penis hervor. 

Durch die obere Wand der unteren Eingeweidehöhle schimmerten die Ein- 
geweide nicht. 

Die Kiemenhöhle weit, besonders breit, so auch die Kiemenspalte. Durch 
die obere Wand der Höhle schimmerte undeutlich die breite Kieme und rechts 
hinter dem Rande der Kiemenspalte die dicke Analpapilie, die letztere, sowie 
das Vorderende der Kiemenblätter waren schon in der Kiemenspalte sichtbar 
(Taf. II, Fig. 1). Die Kieme deckte den grössten Theil der Decke der Kiemen- 
höhle, sich von der Gegend der Nierenpore in grossem Bogen an die rechte Ecke 
der Kiemenspalte erstreckend (Fig. 1). Die dicht stehenden Blätter (Fig. 7) in 
Anzahl beiläufig 100 betragend; von etwa der Mitte der Kieme ab seitwärts an 
Dicke, sowie auch etwas an Höhe abnehmend, in beiden Beziehungen besonders 
links. Ihre Anheftungslinie, ein wenig hinter dem Mantelrande, kurz, 1*2 — 0'8 mm 
lang, nur wenig von links nach rechts schräge. Sie waren dünn, langgestreckt- 
lanzettartig, mit etwas dickerem Unter- und ganz dünnem Oberrand; sie erstreckten 
sich, senkrecht stehend und frei flottirend, nach hinten und etwas rechts längs der 
ganzen oberen Wand der Kiemenhöhle, mit ihrem oberen ganz freien Rande die- 
selbe fast berührend. Der nach unten sehende dickere Rand (Fig. 7) von einer 
schwarzen Linie durchzogen; seine Breite etwa am Grunde 0'08 gegen die 
Spitze beiläufig 0'02 betragend; die Länge der Blätter bis 6 mm, ihre Höhe 
bis 2 mm; die Länge der hintersten links betrug 3 m???, der nächsthintersten 
0*55 mm. An den Seitenflächen trugen die Blätter eine Anzahl von queren und 
schrägen, ziemlich starken Falten, deren Zahl zumeist wenigstens bis etwa 50 



204 



E u d o 1 p Ii B e r g Ii . 



betrug. Die Blätter waren von einem grossen Plattenepitbel überzogen, deren Zellen 
einen Durcbmesser bis O'OG — 0'08 mm hatten, die letzteren waren besonders gegen 
den dünnen oberen Rand hin gross nnd gelblich. Zwischen dem Mantelrand und 
dem Vorderrande des Kiemengrundes schwache, mit der Richtung der Kiemen- 
blätter parallele Fältchen; ähnliche, etwas stärkere hinter dem Kiemengrund. 
Hinter dem Mantelrande fand sich noch in einer langen Strecke, mit demselben 
parallel laufend, eine gelbliche Falte von beiläufig 0*0255 mm Durchmesser (etwa 
halb so breit wie der Mantelrand), aber ohne Spur von Seitenblättern (Geruchs- 
organ'?). — Links am Grunde der Kiemenhöhle eine feine ovale Nierenpore. 

Das Metapodium ist nicht so dick, wie es scheint, weil für die untere 
Eingeweidemasse tief ausgehöhlt. 

Das Centrainervensystem liegt eine kleine Strecke hinter dem Schlund- 
kopfe; sein Verhältniss genauer zu eruiren, war bei dem beschränkten Materialo 
unmöglich. Die aneinanderstossendeu cerebralen Ganglien waren rundlich, durch 
ein ganz kurzes Connectiv mit den pleuralen verbunden. Die auch aneiuander- 
stossenden ovalen pedalen Ganglien ein wenig grösser als die cerebralen; die 
cerebro- und pleuropedalen Connective ziemlich lang; die zwei starken, das 
Propodium von hinten nach vorne durchstreichenden Nerven stammten wohl von 
den pedalen Ganglien; ebenso die 5 — 6, die sich in jedem P]pipodium verästelten. 
Die subiutestinalen Connective lang, das subintestinale Ganglion rundlich, etwa 
so gross wie das pleurale; das supraintestinalc Ganglion wurde nicht gesehen; 
dagegen (zufällig unter dem Mikroskope) ein kleines viscerales, unter dem Rectum 
liegend und hinter demselben Nerven nach oben schickend. 

Die Augen von etwa 0'16mwi Durchmesser, mit gelber Linse, schwarzem 
Pigmente. Die vor den pedalen Ganglien in einer schrägen Linie liegendcMi 
Otocysten (Taf. II, Fig. 9) von etwa 06 »nm Durchmesser; der schwach gelb- 
liche Otolith kugelrund, von beiläufig 0'0'25 mm Durchmesser. — Die Seiteu- 
räudcr des Propodiums bei den beiden Lidividueu eigenthümlich zackig (Fig. 5), 
eb«*ns() bei dem einen der Vorderrand des Tentakels (Taf. III, Fig. 12). 

Das etwas abgeplattete, uapfartig vertiefte Ende der Schnauze (Taf. II, 
Fig. 3) an der Mitte etwas eingeschnürt, mit centraler runder Oeffnung. Dieselbe 
leitet in die kurze, von einer dünnen, .schwach gclldichen Cuticula überzogene 
Mundröhre; am Hinlerende denselben der starke Schlundkopf (Fig. 2). Der 
letztere ist von ovalem Umrisse, nur wenig niedergedrückt, vorne etwas niedriger, von 
.*» Wim Länge. An der oberen Seite schimmerte die Raspel sehr deutlich dunkel roth- 
grau durch; hinten an der Unterseite die wei.ssc Endplatte der Raspelscheide. An 
jede Seit/' de« Sclihindkopfes heftet sich ein sehr starker Retraclor. Dicht inner- 
hnlh des Mimdes des Schlundkopfes zeigt sich jed(!r.seitH ein(; fast citronengelbe, 
uuregclmässig dreieckige, ziemlich starke M and i be Iplatte (Fig. !()/>/>) von 
«iner Länge v(.n l>ei|jinlig urnnm bei einer Rreite Ins etwa O'Mmm; sie ist aus 
dicht gedrängten Stabchen (Fig. 11) ziisammengesetzl, die bis etwa {) {)(') mm hoch 
»»ind Iwi eincni DurchmcHHor von () (Mt7 w<m. Die Zunge gro.ss, (^twa ein Drittel dor I 
I,Hng<' de« SchlnndkopfcH eirmelnnend; \nnw linch, naeli liinten schräge und (asi von 
diT Hälfte der gaiiZf'M Läng«- der kaspd überzogen. An der li*,as|)('l kamen bei dem 



Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onusfiis. 



205 



grosseil ($) Individuum 115 Zabnplattenreihen vor, bei dem kleineren (^f) 68; 
das Raspeldach kurz zungenförmig; in der Raspelscheide zeigten sich 33 und 2S 
entwickelte Reihen, 4 und 3 halbentwickelte und 9 und 8 ganz farblose; die 
Gesammtzahl der Reihen somit 161 und 105. Die lange Reihe der medianen 
Platten zwischen den ziemlich starken convexen Pleurae der Raspel gleichsam etwas 
eingesenkt (Taf. III, Fig. 13). Die dickeren Partien der Platten schwach röthlich- 
braun, sonst farblos. Die Breite der medianen Platten^) durch die ganze Länge 
der Rhachis 0'16ww; die Länge der Zwischenplatten und der Seitenplatten, der 
äusseren wie der inneren, 37 mm. Die Zahnplatten des vorderen Viertels etwa 
der Raspel mehr oder weniger beschädigt. Die medianen Zahnplatten 
breit und schmal (Fig. 13 a, 14); der umgebogene Schneiderand mit ziemlich 
starken, spitzen Haken und seitwärts am Rande jederseits beiläufig 25—30 spitze 
Dentikel. Die Zwischenplatten ziemlich stark gebogen, mit starkem Rücken- 
kamm (Fig. 15 — 17); das Ende dünner, abgeplattet, breiter, am Endrande eine 
Reihe von (meistens etwa 20) feinen Dentikeln tragend; ausserdem trägt das letzte 
Drittel des Hinterrandes dieser Platten eine Reihe von (etwa 30) feinen, ziemlich 
(bis etwa O'OSb mm) langen Dentikeln. Die inneren lateralen Platten 
(Fig. 18 a) von einfacherer Form, leicht gebogen, etwa am letzten Drittel des 
Hinterrandes eine Reihe von (40 — 50) feinen Dentikeln tragend. Die äusseren 
lateralen Platten (Fig. 18 &, 19 h) den vorigen sehr ähnlich, nur ein wenig plumper, 
und die Zähnelung meistens ein wenig gröber. — Die Knorpelplatten im Inneren 
der Zunge schienen sich wie gewöhnlich zu verhalten. 

Die Speicheldrüsen schienen kurz und dick zu .sein; die Ausführungs- 
gänge lang und dünn, wie gewöhnlich am Pharynx einmündend. 

Die ziemlich dünne Speiseröhre erstreckt sich, von den Speicheldrüsen- 
gängen begleitet, nach hinten und etwas nach links durch die untere Eingeweide- 
höhle. Sie war leer, enthielt aber bei dem einen Individuum eine mediane Zahn- 
platte. Sie öfi"net sich dann in den linken vorderen Theil der Unterseite des 
Magens. Dieser letztere war sehr gross und mit Speisebrei vollgestopft, welcher 
mit dunklen und kalkvv^eissen kleinen Klumpen durch die obere Wand schimmerte. 
Die Länge des Magens betrug bei dem grossen Individuum 10 wzm bei einer Breite 
Yon 6*5 mm und einer Höhe von meistens 5 vim, ganz hinten ist die Höhe viel 
geringer. An der linken Seite und am linken Theile der Unterseite, sowie am 
Hinterende war er an die Leber angeheftet; die übrige Strecke frei, an die Schale 
stossend. Der Magen erinnerte an den der Strombiden und war wie dieser in 
mehrere Räume getheilt. Von der unteren Magenwand, oberhalb der Gegend, wo 
sie an den unteren Rand der Leber befestigt ist, erhebt sich eine ziemlich hohe, 
dünne Falte, die sich fast durch die ganze Länge des Magens erstreckt; hiedurch 
wird die Magenhöhle in einen kleineren linken und einen grösseren rechten Raum 
unvollständig getheilt; in dem ersteren findet sich hinten eine weite Gallen- 
öffnung. Etwa an der Grenze zwischen dem vorderen und mittleren Drittel des 



1) Die folgenden, sowie überhaupt die meisten Masse sind an dem grösseren Individuum 
genommen. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 28 



206 



Rndolph Bergh. 



Magens geht von dieser Falte eine hohe, dünne Querfalte ab, welche den oben- 
genannten rechten Raum in einen hinteren viel weiteren und einen kleineren 
vorderen theilt. Dieser letztere ist wieder durch eine von der vorderen Wand 
stark vorspringende, ein wenig dickere Falte unvollständig in zwei Loculamente 
geschieden; in dem rechten scheint die Cardia, in dem linken der Pylonus sich 
zu finden. Uebrigens war die Magenwand fast glatt. ^) — Vorne und links geht 
also der Darm vom Magen ab, wendet sich rechts und begleitet den vorderen 
Rand des Magens, an denselben geheftet, löst sich dann und bildet einen kleinen 
Knäuel von geschlängelten Windungen, durchbohrt dann die hintere Wand der 
Kiemenhöhle und verläuft als Rectum an die starke Analpapille (Taf. II, Fig. 1), 
Im Ganzen hatte der braungraue Darm eine Länge von vollen 7 cm bei einem 
Durchmesser von 0"5— 75 mm. — Der Inhalt des Magens war haupt- 
sächlich unbestimmbar und bestand theilweise aus einer knolligen thierischen 
Masse, in der kleine Foraminiferen und Radiolarien zu unterscheiden waren; 
damit waren Pflanzentheile vermischt, Diatomeen (theilweise Planktonformen 
[BhizosoleniaJ, theilweise Bodenformen [Stücke von Exuviella (Peridiniacee)], 
noch dazu Bruchstücke einer Floridee {Polysiphonia).^) Ein ähnlicher Inhalt kam 
im Darme vor. 

Die braungelbe Leber an der linken Seite des Magens seiner ganzen Länge 
nach liegend (Taf. II, Fig. 1 b), vorne und besonders hinten dicker, in der Mitte 
dünner. An der Mitte der Innenseite (durch den Magen) stark ausgeschweift, 
daselbst nach unten mit zwei weiten Gallenöflfnungen. Die convexe Aussenseite 
von anastoniosirenden, netzbildenden, dunkel violettgrauen Gefässen durchzogen, 
die durch dieselben begrenzten Inseln von kleinen Läppchen gebildet; an der 
Innenseite zeigte sich derselbe Bau, nur etwas weniger ausgeprägt. Eine kurze, 
kegelförmige Verlängerung der Leber stieg noch in die Axe der Geschlechtsdrüse 
hinauf. 

Das Vorderende der oberen Eingeweidemasse war oben von der dünnen, 
graulichweissen Niere überzogen, welche rechts eine Länge (von vorne nach 
hinten) von 4 mm hatte, nach links verschmächtigt war; die hintere Wand zeigte 
starke, der Länge nach gehende Falten. 

Das Pf-ricardium wie gewöhnlich; die dunkel rothbraune Herzkammer 
15 mm hing. 

Die obere (hintere) Eingeweidemasse im Ganzen P/n Windungen bildend, 
nach oben allinälig und selniell an Grösse abnelimend; die ganze letzte Windung 
von der Geschh^-ehtsdrüse ge])il(h,'l. — Der Eierstock (Tai. II, Fig. 1 c) schniul/ig 
dottergelb, gleichsam feink(»rnig; in den khüuen runden und ovalen Follikeln 
keine reifen (ieschlechtseleniente. Der Eileiter konnte nicht verfolgt werden. — 
Der Hoden ist hell gelblichweiss, noch mehr feinkörnig als der Eierstock; iui 



') Vinllficlit (lind «lic onvUlintoti Fulton wio bei drin Hlroinbidon von Htiirkor Cuiiculiibildungj 
bbcrzofOD. Im .Maijcninhiilt»' fandnn Hieb zwoi Htark (;bif,iniHir(o Körpor, dio domsolbnn violloicbt on- 
gtb/irt hatlfii. I 
li())ilimiiiuiiK<'ii riilircii lln-ilwi-iHo von doin iJoluniki i l)i . K u 1 d o rii p - Uosr; ri v i n l»«*"' 



Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Xarica und Onustus. 



207 



den Läppchen keine reifen Geschlecbtselemente. Von seiner inneren Seite ging 
der weissliche dünne Samenleiter ab, welcher erst etwas gewunden an der 
rechten Seite der Leber, dann fast gestreckt längs des Unterrandes derselben bis 
an ihr Yorderende verlief, weiter längs des ünterrandes der ersten Strecke des 
Darmes und in die Decke der unteren Körperhöhle eintretend sich bis an den 
Penis fortsetzte. Dieser letztere (Fig. 2 a, 6 b) gekrümmt, etwas abgeplattet, etwa 
so lang, aber schmaler als der Tentakel, unbewaffnet, axial von der Fortsetzung 
des Samenleiters bis an eine runde Oeffnung an der Spitze durchzogen. 

Omistus Hiiinplirey. 

Onustus Humphrey, Mus. Colonnianum, 1797. 

Xenoplwra Fischer de Waldheim, Mus. Demidoff., I, 1807, p. 213. 

Fhorus Mtf., Conchol. system., II, 1810, p. 158. 

Die dieser Gattung gehörende Schale wurde schon 1797 von Humphrey 
in seinem bekannten Kataloge des Museum Colonnianum als Typus des neuen 
Genus Onustus aufgestellt; die Gattung wurde eigentlich nicht charakterisirt, 
ist aber doch durch die zwei angegebenen Arten hinlänglich kenntlich und kann 
wohl den Namen bewahren. Ohne den von Humphrey gegebenen Namen zu 
kennen, stellte Fischer v. Waldheim dieselbe generische Form 1807 unter dem 
Namen Xenophora auf, welche mit dem einige Jahre später (1810) von Mont- 
fort gebildeten Phorus identisch ist. 

Die ziemlich eigenthümlich geformte trochiforme Schale ist von den 
Conchyliologen hinlänglich beschrieben worden. Das Thier wurde erst durch 
Adams und Reeve^) bekannt, die eine Abbildung der äusseren Formverhältnisse 
von zwei beobachteten Arten lieferten. Die Kenntniss des Thieres (des Onustus 
trochiformis) wurde dann (1857) durch Moerch^) etwas erweitert, welcher den 
Deckel genauer beschrieb, sowie die Knötchen des Mantelrandes, auch die Kieme 
und das Geruchsorgan erwähnte, ferner den Penis abbildete; er hat auch die 
„sieben Zahnreihen der Zunge" gesehen und vergleicht dieselben mit denen von 
Atlanta Lesueurii. Später (1858) hat TroscheP) die Zungenbewaffnung der- 
selben Art einer genauen Untersuchung unterworfen. Nachher scheint über dieses 
Thier weiter nichts bekannt geworden zu sein. 

Trotz der so abweichenden Form der Schale zeigt das Onustus-Thi^v 
schon im Aeusseren bedeutende Aehnlichkeit mit den Strombiden. 
Vom Grunde (Taf. III, Fig. 20) der ziemlich starken Schnauze erheben sich 
die cylindrischen, gegen das Ende etwas zugespitzten Tentackel, die aber unter- 



Töyage of H. M. Sh. „Samarang", Moll., 1848, p. 50, PI. XVU, Fig. 6 (Phorus solarioides), 
Fig. 7 tPh. exutus). 

^) 0. Moerch, Note sur Tanimal de V Onustus trochiformis Born. ; Journal de conchyliologie, 
-'. S-rr., II, 1857, p, 305—309, PI. XIII, Fig. 1—3. 

») Troschel, Das Gebiss der Schnecken, I, 1856—1863, S. 190, Taf. XYl, Fig. 7, 7 a. 

28* 



208 



Rudolph B e r g h . 



halb ihrer Mitte den Augeuhöcker tragen. Der Hals des Fussey ist auch hoch i 
und kräftig, das abgeplattete Vorderstück des Fusses (Fig. 20 c) frei unter der 
Schnauze hervorspringend, und das Hinterstück (Fig. 20 d) trägt am Ende die 
Deckelfacette mit dem dieselbe, besonders nach unten, überragenden Deckel 
(Fig. 22, 28). Dieser letztere^) kurz oval, hornartig, mit links randständigeni 
Nucleus. Der Penis (Fig. 20 e) auch lang, am Ende gabelig mit tiefer Furche, , 
die sich durch den lötfelartigen Ast der Gabel fortsetzt. Beim Weibchen kommt 
(wieder wie bei den Strombiden) eine der (männlichen) Samenrille ähnliche, an 
das rechte Ende der vorderen Fussfurche absteigende Eille vor. Das Mantel- 
gebräme ist mit eigenthümlichen Knötchen besetzt (Fig. 20 a). Die Kiemen- 
blätter lang und schmal. Das Riechorgau (Spengel) langgestreckt und schmal. 
— Der Schlundkopf dem der Strombiden ähnlich und mit ganz ähnlichen Man- 
dibelplatten. Die Zungenbewaifnung im Ganzen derjenigen der Strombiden ähn- 
lich ; die Anzahl der Zahnplattenreihen nicht gross. 

Die Gunsten scheinen auf unebenem Boden zu leben (Adams), wo sie sich; 
hüpfend wie die Strombiden bewegen. Sie gehören den wärmeren und tropicalen | 
Meercsgegeuden an. 

Sie sind wegen der (doch keine Perlmutter tragenden) Schale früher meistens ( 
in die Nähe der Trochiden gestellt worden, später (Moerch) in die Nachbarschaft 
der Hetero])oden. Erst Gray'-^) wies ihnen mit richtigem Tact ihre Stellung; 
neben den Strombiden an (mit diesen letzteren zusammen seine Leptopoda\ 
bildend); P. Fischer^) schiebt die Phoriden zwischen den Capuliden und deüi 
Naricideu ein. 

Onustus troehiformis Born. j 
Taf. III, Fig. 20—26. i 

\\>\[ dieser Form des Antillenmeeres habe ich den Unterkörper von drei 
■x'lir roh und rücksichtslos exviscerirten, fast gleich grossen Individuen (zwei! 
niäniilicheii und einem weiblichen) des Ko])enhagener Museums untersuchen können. 
Nel)stdem hatte ich ein kleines weibliches Individuum vor mir, das mir vomi 
Hamburger Museum durch Dr. Pfeffer freundlich überlassen wurde; die Schalei 
des letzteren betrug, nach Abbrechen der bis 15 laugen, angehefteten Schalen-i 
stucke, im Durchmesser I i mvi bei einer Höht; von H) mm, die Länge des Dcckelsl 
war Tf-^Tt mm. 

Die Form verhä Itn isse dieser Thiere erinnerten sehr Jin di(! der Strom- 
biden. \h'Y Kopf (Fig. 20 h) besteht aucb aus einer starken, etwas zu- 
«animcnziehbaren Schnauze' mit senkrechter Muii(lspalt,e ; oben vom (J runde des 



') Wlo von MoiTcti (I. <;.. p. .'I'i7j fiwiUiiit, wiir (1<t Dfclul wMm (I7h|) < ' Ii o in ii i tz ho^ 
Uont fOn. »olari» {\..)\, 

■*) Gray, Ouid«, I, 1H.07, p. i:»0. 

») P. Flnchur, Man, do condiyliolofric, ihm7, p. 7r)!) 7Ü1. 




z. 



Beitrag zur Kenntniss der Giittungen Narica und Onustus. 



209 



Kopfes erheben sich die langen, cylindrischen, etwas zugespitzten Tentakel, die 
aber (nicht an ihrer Spitze, sondern) an einem grossen Höcker unterhalb der 
Mitte ihrer Länge die Augen tragen. Der Unterkörper ist wesentlich vom starken 
Pusse (Fig. 20) gebildet, der auch einen hohen und kräftigen Hals zeigt; das 
abgeplattete Vorderstück des Fusses ragt frei unter der Schnauze hervor, ist 
vorne gerundet, mit Drüsengebräme und Randfurche versehen (Fig. 20 c); das 
Hinterstück ist am Ende schief abgestutzt und trägt eine ziemlich grosse (8'5 mm 
lange, 3"5 mm breite), nierenförmige Deckelfacette, deren vorderer (linker) Rand 
concav und der hintere (rechte) convex ist, mit dem unteren Ende stark vor- 
tretend, und deren Ränder gelöst waren (Fig. 21). Der auch nach unten gerichtete, 
nur mit seiner linken Hälfte etwa an die Deckelfacette angeheftete, horngelbe 
Deckel bei zwei der oben erwähnten grösseren Individuen 10 mw lang bei einer 
Breite von 8 mvi und einer Dicke von 0"25 mm. Derselbe war von kurz ovaler, 
etwas variabler Form, hornartig, ein wenig gebogen und gedreht, die freie Fläche 
etwas concav, der Rand schwach gerunzelt; die freie Fläche eben, lässt die Zeich- 
nung der angehefteten sehr deutlich durchschimmern; diese letztere lässt die rechte 
Hälfte, sowie das obere und untere Ende des Deckels frei hervorragen; die linke 
Hälfte dieser Fläche zeigt sich (wie also die ganze linke Hälfte des Deckels) ein 
wenig dicker, durch eine gebogene, in der Mitte convex vortretende Linie be- 
grenzt, die mit den Anwuchslinien des an der Mitte des linken Randes liegenden 
Nucleus des Deckels parallel ist; von diesem Nucleus geht ein dichtes Bündel 
von ausstrahlenden Linien aus, das die erwähnte Linie überragt und mit einer 
convexen Linie etwa an der Mitte der rechten Hälfte endigt (Fig. 22, 23). Das 
Begattungsorgan (Fig. 20 e) ist sehr stark, (bis 2 cm) lang, zusammengedrückt 
(2 mm breit), am Ende kurz gabelig, der Länge nach von einer tiefen Furche 
durchzogen, die sich längs des einen, etwas löffelartigen Astes der Gabel fort- 
setzt; die Furche ist in seiner grössten Länge an beiden Seiten mit starken 
Querfalten versehen, nur nicht unten und am Löffel. Die Furche setzt sich am 
Grunde des Organs in eine am Boden der Kiemenhöhle schräge nach hinten 
verlaufende Samenrille fort (Fig. 20). Beim Weibchen kommt, wieder wie bei 
den Strombiden, eine ähnlich verlaufende, doch mehr oberflächliche Furche vor, 
die aber in einem Bogen an das rechte Ende der vorderen Fussfurche hinab- 
steigt. Das Mantelgeb räme ist nicht schmal, trägt an seiner Innenseite, den 
Rand des Mjintelgebrämes überragend, eine Reihe von Knötchen (Fig. 20 a), die 
eine Höhe von 0"2— 0'3mm erreichten und einen etwas gelblichen, aus kleineu 
ZeUen gebildeten Kopf zeigten; eine Athemröhre (Sipho) ist kaum angedeutet. 
Die Kiemenhöhle ist schmal, nach links verlängert; längs der oberen Seite 
verläuft hinten der Darm, der etwa in der Mittellinie mit einer vortretenden 
Analpapille endigt; mehr links findet sich die männliche oder die weibliche 
Geschlechtsöffnung, bei welcher die erwähnte genitale Furche anfängt. Die Kieme 
aus dicht gedrängten, langen und schmalen Blättern gebildet, die an der Mitte 
des Organs ihre grösste Länge (bei den grossen Individuen bis 5 mm) erreichten, 
nach beiden Enden an Länge abnahmen und schliesslich niedrig waren. Das mit 
der Kieme ihrer ganzen Länge nach parallel laufende Riechorgan (Spengel) 



210 



Rudolph Bergh. 



schmal (bei den grossen Individuen an Breite etwa 0'2 mm betragend). Das 
Schleimorgan durch wenige, nicht starke Falten vertreten. 

Das Nervensystem konnte bei dem vorliegenden Material nicht untersucht 
werden. Neben dem Vorderende der rundlichen pedalen Ganglien fielen unter der 
Lupe die Otocysten als kalkweisse Punkte in die Augen; der Durchmesser der- 
selben betrug 0*29 mm, der des grossen, kugelrunden, dunkel horngelben Oto- 
liths O l 4 mm. 

Die Form des Schlundkopfes wie bei den Strombiden; die kurze, dicke 
Easpelscheide nur wenig vortretend. Die oben und unten fast aneinander stossenden, 
braungelben Mandibelplatten (Fig. 25) denen der Strombiden ähnlich, 0*28 mm 
lang bei einer Breite von 0*12 mm, aus dicht stehenden, in Quincunx gestellten 
Elementen zusammengesetzt, die eine Länge von etwa 0'016mm bei einer Breite 
von 0055 m??i hatten (Fig. 26). Die Zunge nicht schmal; die gelbe Raspel 
0'3 mm breit, mit einer Einfassung von kleinen (bei einer Breite von 0"016 mm 
etwa 0'05 mm langen), den Zahnplattenreihen entsprechenden Platten (Fig. 24 d d). 
In der Raspel kamen 12 Zahnplattenreihen vor, weiter nach hinten 23 entwickelte 
und zwei jüngere, die Gesammtzahl der Reihen somit 37. Die Zahnplatten von 
hell horngelber Farbe; die Breite der medianen Platten 09 der Zwischen- 
])latten 0"14 mm; die Länge der Aussenplatten (in gerader Linie gemessen) etwa 
0*22 mm. Die medianen Platten (Fig. 24 a) vorne breiter, von gerundet-drci- 
eckigem Umrisse, hinten gerundet; der nicht breite, umgeschlagene Vorderrand 
mit medianer kurzer und breiter Spitze und jederseits mit zwei kurzen spitzen 
Dentikeln. Die Zwischenplatten (Fig. 24 b) sind breit mit convexem vorderen 
und geradem hinteren Rande; der schmale umgeschlagene Vorderrand meistens 
schwach wellenartig verlaufend. Die Aussenzahnplatten (Fig. 24 c c) einander ganz 
ähnlich, die äussere ein wenig länger als die innere; von dem etwas breiteren und 
dickeren Grundstück erhebt sich allmälig der sanft gebogene, ziemlich spitz zu- 
laufende Haken, dessen oberer Rand ein wenig hervortritt.^) 

Die weisslichen Speicheldrüsen von unregclmässiger kurz ovaler, etwas 
abgeplatteter Form, von etwa 1"2 mm grösstem Durchmesser; die Ausführungs- 
gänge länger als die Drü.se. 

Die dürme Speiseröhre, wie es schien, ohne Grenze in den nicht weiten 
Magen übergehend; derselbe schien eine harte höckerige chitinisirte Platte an 
ihrer Wand darzubieten. Der Darm erst emporsteigend, dann nach vorne hinab- 
biegend und mit der Analpayiille an der hinteren Wand der Kiemenhöhlc endigend; 
»T war in seiner grö.sslen Länge mit einer Masse von runden und ovalen brauncui 
und sehwarzen Kothbalien überfüllt, die aus unbestimml)arer thierisclier, mit 
Ssindkörnchen vermiseliter aninialise.lier Substanz bestanden.*'') — Die schön olivon- 



•) Dm von TfohcIk'! (1 «., H. l'.ioj utitorHiidMo Individumri war viol grösser; die Kaspol 
aod Ihr* FortiintznDK in A\o. RoMpfll.Hclifiidfl cnfliiolt fiO Ziilini»lattenroili(!n und dio Breite der iiiodiaiioii 
i'Uu«n b«<truir O IHmm. 

») Mo^rcb (I. c, p. .'»'»Mj Hfth (Ihn Kccfutn mit Kiilkkiofioni, IMii/o|(od('ii iind Dialoiiioon j^cliilll.. 



Beitrag zur Kenntniss der Gattungen Narica und Onustus. 



211 



grüne Leber etwa zwei Windungen bildend, mit zackigem Rande eine nicht kurze 
Strecke den Darm begleitend. 

Das Pericardium mit dem Herzen wie gewöhnlich. Die Niere weisslich, 
ziemlich klein. 

Die Geschlechtsorgane schienen wenig entwickelt, ihre Verhältnisse konnten 
nicht bestimmt werden. 



Erklärung der Abbildungen. 

(Die meisten Figuren mit Camera gezeichnet.) 

Tafel II. 
NaHca cancellata (Ch.). 

1. Das aus der Schale hervorgezogene Thier, Weibchen; von der Unter- 

seite. Vorne das Mantelgebräme, innerhalb desselben in der Tiefe 
die Kieme und links die Analpapille, ferner Schnauze, Tentakel, Pro- 
podium, Metapodium und Epipodien; a Gegend der Columellar- 
Facette, h Leber, c Ovarium. 

2. Schnauze, h b Tentakel und a Penis. 

3. Vorderende der Schnauze. 

4. Tentakel mit durchschimmernder Nerven Verbreitung und a Auge (55 : 1). 

5. Seitenrand des Propodiums (200 : 1). 

6. a Augenhöcker, h Penis, c Samenrille (55 : 1). 

7. Kiemenblatt (55 : 1). 

8. Stück der Kieme vom oberen Rande (55 : 1). 

9. Die zwei Otocysten (55 : 1). 

10. Gespaltene Mundöffnung mit den h h Mandibeln (55 : 1). 

11. Stück der Mandibel (350 : 1). 

Tafel III. 
Narica cancellata (Ch.). 

12. Vorderende des Tentakels (100 : 1). 

13. Stück der Raspel, a Rhachis mit medianen Zahnplatten, h h Pleurae 

(100 : 1) mit Zwischen- und Aussenplatten. 

14. Mediane Zahnplatten. 

15. Zwischenzahnplatte, von oben. 

16. Endstück einer solchen. 

17. Dasselbe, in anderer Stellung. 

18. Aussenplatten, a innere, h äussere. 

Fig. 14—18 mit Camera lucida gezeichnet (Vergr. 350). 

19. Aussenplatten, auseinandergeschlageu ; a innere, b äussere (200:1). 



212 Rudolph Bcrgü. Beitrag zur Kenntniss der Gattung N'arica und Onitstiis. 



Omisttis trochiformis Born. 

Fig. 20. Der Unterkörper des Thieres mit a Mantelgeb räme, b Kopf, c Vorder- 
stück des Fasses, d Hinterstück mit Deckel und e Begattungsorgan. 
„ 21. Deckelfacette, a linker, h rechter Rand. 

„ 22. Deckel, von der Innenseitc. Mit Camera lucida gezeichnet (2 : 1). 
„ 23. Deckel des kleineren Individuums (2:1). 

„ 24. Stück der Raspel, von oben (350:1); dd von der Einfassung der 

Raspel, c c Aussenplatten, h Zwischonplatten, a Mittelplatten. 
„ 25. Die linke Mandibelplatte (200 : 1). 
„ 26. Stück derselben (350 : 1). 



Ueber eine neue europäische Gr adlaiia- Art 

Von 

Dr. St. Klcmensicwicz. 

(Eingelaufen am 23. April 189G.) 

Unter den im vorigen Jahre vorwiegend in Ostgalizien von mir gesammelten 
und von Herrn Dr. Rebel freundlichst revidirten Microlepidopteren haben sich 
viele für Galizien neue und selbst zwei noch unbeschriebene Arten vorgefunden. 
Indem ich die genauere Besprechung derselben auf eine spätere Zeit verlege, 
beschränke ich mich vorläufig auf die Beschreibung einer ausgesprochen neuen 
Gracilaria -Art, die gemäss der gefälligen Mittheilung des Herrn Dr. Rebel 
demselben vor einiger Zeit in einem schadhaften Stücke aus dem kleinrussischen 
Gouvernement Poltawa bereits zur Ansicht zugestellt wurde. 

Gracilaria liebelt ii. sp. Alis anteriorihus fumatis, in parte costali 
dormque areae hasalis nigro maculatis, vitta dorsali prope hasim nigro inter- 
rupta alba, fasciis dudbus maculisque costalibus antcapicalibus duabus albis. 
Alis posterioribus fuscescenti cinereis. — 6 5 mm. | 

Die Vorderflügcl in der Zoichnungsanlage der Gracilaria Syringclla F. 
nicht unähnlich, doch sind sie schniiilcr und gleiclimässiger breit, indem dio mehr 
geraden Gegenränder sicli erst miinittcllcu- vor der .S|)itze uinbiegen. Die Hinter- 1 
flügei lang zugespitzt. 

Dio Vorderflngel dunkel l>r;iiiiilic,}igr;ui, g<!gon di(! Spitze liolitcr, mehri 
gelblich. \)cv Innenrand, die in denselben niündendcin Qm-rhiiiden, s(»wie deri 
untere Theil den ersten, grösseren Vordcjrrandfk'ckes rein weiss und scharf begrenzt.) 
Die beiden Vorderrandflecke ( Vordctrrandhiikchcn) vor d(!r S])itzo sind drei(!ckig, 
groHK, doch weniger bestimmt und nndir gelblich. Die erste, vor ^4 des Vonhü-randos; 
nahe unter demselben beginnende; Querbinde ist ghuchmässig breit, gerade undi 



Ueber eine neue europäische Gracüai-ia -Art. 



213 



zieht schräg nach auswärts zum Innenraiide; die zweite, schmälere, innen etwas 
fleckige, beginnt ziemlich in der Mitte des Vorderrandes und zieht, schwach nach 
aussen ausgebogen, fast lothrecht vom Vorderrande zum Innenrande. Die fast 
bis zur Falte reichende weisse Innenrandstrieme beginnt spitz nahe der Wurzel 
und erstreckt sich nach baldiger schwärzlicher Unterbrechung bis zum Innen- 
winkel, wo sie sich mit dem gegenüberliegenden grösseren Vorderrandflecke durch 
eine aufwärts strebende Linie verbindet, wodurch eine dritte, feine geschwimgene 
Querbinde entsteht. Das zweite unmittelbar vor der Spitze befindliche Vorder- 
randhäkchen hat ebenfalls die Tendenz, sich mit einem gegenüber am Saume 
liegenden weissen Punkte zu verbinden. Die weisse Innenrandstrieme ist oben 
scharf, jedoch namentlich in der Aussenrandhälfte infolge rundlicher Ausbuchtungen 
nnregelmässig begrenzt; sie wird unmittelbar vor der ersten Querbinde von der 
Grundfarbe in dieser Weise unterbrochen, dass von ihr nahe der Wurzel ein 
dreieckiger, weisser Innenrandfleck abgeschnitten wird, dessen obere etwas ver- 
längerte Spitze, zusammen mit der ersten Querbinde, eine dunkle, gleichmässig 
breite Querbinde der Grundfarbe einschliessen, die etwa doppelt so breit ist, 
wie die weisse Querbinde. Schwarzbraun sind: am Innenrande das Wurzelfeld, 
sowie die die weisse Innenrandstrieme unterbrechende dunkle Schrägbinde bis zur 
Falte; in der Vorderrandhälfte: die äussere Begrenzung der ersten weissen Quer- 
binde in Form eines breiten, unbestimmten Schattens, hinter welchem der Grund 
bis zur mittleren Querbinde bedeutend aufgehellt ist; ferner zwei grosse, oft zu- 
sammenfliessende Flecke, die den Eaum zwischen der zweiten Querbinde und 
dem ersten Vorderrandflecke ausfüllen, sowie die innere Begrenzung des zweiten 
Vorderrandfleckes. Ausserdem findet sich ein schwarzes Fleckchen in der Mitte 
der Innenrandstrieme, sowie 2 — 3 unbestimmte an deren oberen Ausbuchtungen. 
Die Fransen im Spitzentheile licht gelblichgrau, mit drei dunkelbraunen, wie bei 
Gracilaria Syringella F. verlaufenden Theilungslinien, am Innenrande reiner 
grau. Die Hinterflügel ziemlich dunkelgrau mit helleren Fransen. Die Fransen 
aller Flügel gelblich schimmernd. 

Kopf licht gelblichgrau, im Gesichte weiss. Schulterdecken und Thorax 
reiner weiss, vorn gebräunt, letzterer hinten mit aufstehender, ockerbräunlicher 
Behaarung. Palpen lang und dick, weiss, deren Mittelglied am Ende, das End- 
glied aussen doppelt breit braun gefleckt. Die Fühler geringelt. Die Schenkel 
und Schienen der Vorderbeine weiss, breit braun gefleckt, Hinterschienen gelb- 
lichweiss; alle Füsse weiss, braun geringelt. Der Hinterleib oben dunkelgrau, 
unten weiss. 

Gefunden in einem vollkommen reinen, charakteristischen Stücke Mitte 
April in Brody, einem ebenen, sumpfig-sandigen Orte an der äussersten russischen 
Grenze Ostgaliziens. 

Benannt zu Ehren des ausgezeichneten Lepidopterologen Herrn Dr. H. 
Rebel am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien. 



Z. B. Ges. Bd. XLVI. 



29 



214 



Carl V. Keissler. 



Ueber eine neue Daphne-Art und die geographische 
Verbreitung derselben, 
sowie die ihrer nächsten Verwandten. 

Von 

Dr. Carl t. Keissler. 

(Mit einer Karte.) 

(Eingelaufen am 4. Mai 1890.) 

Mit einer s^'stematischen Bearbeitung der Gattung Daphne beschäftigt, 
traf ich im Herbarium eine selir auffallende, bisher noch nicht beachtete Art, 
welche ich im Folgenden beschreibe: 

Daphne Vahli ii. sp. 

Frutex trunco erecto, 2^lerumque corynihoso-, rarius dichotomo- 
7' am OSO, remis longis crassis rectis puberulis , cicatricibus foliorum 
sparsis notatis, per totum fere longitudinem foliis spar sis tectis, cortice 
hrunneo-griseo vel griseo. Folia ohovata vel ohlonge-obovata, ohtusa 
scssilia evenia rigida, supra glahra subtus adpresse-sericea. Capitula 
terminalia, 8—15 flora, bracteis squamiformibus obtusis tuho perigonii triplo 
hreviorihiis scriceis. Perigoiiimn roseuin sericeo-canum. Lobi ovati obtusi, 
iubo cylindrico triplo vel dimidio fere breviores. Ovarium pilosiuscukim. 
Bacca brunneo-rubra oviformis. 

Frutex 50— 70 cm altus, folia 2 5— 4 cm longa, 9 — 12 cm lata, tubus 
perigonii 1 — 12 cm longns, lobi O S—0'5 cm longi, bacca 3 — 0'4 cm longa, 
3 cm lata. 

Die im Vorstehenden diagnosticirte Art gehört in die Section Daphnanthes 
C. A, Mejer, welche durch die endständigen Blüthenköpfchen den anderen Sectionen 
der Gattung Daphne gegenübersteht. In den Herbarion trifft man Daphne Vahli 
gf'wöhiilic-h unter dem Namen sericea Vahl. Neben ihr erscheint noch eine andere, 
schon im ganzen Habitus v»!rschi(;(l(;ne i'flanze, welche ebenfalls als sericea Vahl 
bezeichnet wird und die namentlich in letzter Zeit auf Kreta häufig gesammelt 
wurde. Nachdem also auf diese Art und Weise zwei von einander abweichende 
Formen unter dem gh-ichen Namen geh(!n, ist es vor Allem nothwendig zu eruiren, 
wr-lclif von beiden die cigentliclK! „sericea Vahl" sei. Wenn man die Original- 
bcschreibung in Vahl's Symbolac l)(»tanica,e, 1, p. '28, diirchiiest, so stellt si(;h 
lierauK, dass, wenngleich einige wenige Angaben auch auf die als „ VahW* von mir 
lK?ii.'itintf' Art pjiK«en, dorli die iihcrwicgendo Menge d(!r M(!rkinale vollkommen 
mit jener zweiten Art stimmt, w(dclie nel»en der Daphne Vahli als sericea Vahl 
in den Herbarien vorliegt. Irdi verweise hierbei auf Angaben, wie „frutex ramo- 



Ueber eine neue Daphne -Art und die geograpbischo Verbreitung derselben. 



215 



sissimus^, was bei DaplDte Vahli nicht der Fall ist, wie die Diagnose zeigt, 
„folia ad apicem ramulonun conferta, Icuiceolato-elliptica, acuta'', was auch 
nicht zutrifft. Dazu kommt noch der Umstand, dass als Fundort für sericea 
Kreta aufgeführt wird. Nun kommen allerdings beide Arten hier vor. Während 
aber Daphne Vahli auf Kreta bisher, wie eine spätere Zusammenstellung lehren 
wird, nur in wenigen Exemplaren gefunden wurde, ist die zweite Pflanze besonders 
in letzter Zeit, wie erwähnt, auf dieser Insel sehr häufig an zahlreichen Stand- 
orten gesammelt worden und wahrscheinlich dort häufiger als Baphne Vahli. Mit 
Rücksicht auf alles dieses ist es wohl berechtigt anzunehmen, dass Vahl nicht 
etwa beide Arten unter einem Namen vermischte, sondern gerade jene zweite, 
neben Baphne Vahli stehende Pflanze unter seiner ,,sericea"' verstanden hat. 
Erst spätere Autoren haben unter „sericea"" bald die echte „sericea"^, bald Baphne 
Vahli verstanden. Selbst Meissner in seiner Bearbeitung der Thymelaeaceen 
in De C and olle 's Prodromus confundirte beide Pflanzen miteinander, was aus 
den angeführten Belegexemplaren hervorgeht, von denen allerdings wieder die 
grössere Menge mit der typischen „sericea"' zusammenfällt, weshalb auch, da die 
echte „sericea'* nämlich kleinere Blätter hat, die Bemerkung „folia plerumque 
püUice breviora^ beigefügt ist (kürzer nämlich als bei collina Sm., deren Blätter 
derjenigen der Vahli an Grösse gleichkommen). Ich lasse nunmehr, da ich es 
mit Bezug auf die vorliegenden Verwechslungen für wünschenswerth erachte, eine 
Diagnose der wahren „sericea Vahl" folgen. 
Daphne sericea Talil. 

Frutex glaber (exclusis rainulis juniorihus puherulis), trunco 
erecto vel adscendenti, dichotomo-ramosissimo, ramis hrevibus gra- 
cilibus, plus minus tortuosis , cicatricibus foliorum crcbris emi- 
nentibus notatis, cortice brunneo-griseo vel griseo. Folia ad apicem ramu- 
lorum dense conferta, rosulata, rigida, lineari-lanceolata acuminata 
vel subacuminata basi attenuata sessilia evenia, supra glabra subtus ad- 
presse-pilosa, demum interdum fere glabra. Capitula terminalia, 5 — 8 flora, 
bracteis squamiformibus obtusis tubo perigonii triplo brevioribiis serieeis. Feri- 
gonium roseum sericeo- Canum. Lobi subrotundi tubo cylindrico triplo bre- 
viores. Ovarium pilosiusculum. Bacca brunneo-rubra oviformis. 

Frutex usqiie ad 40 cm altus, folia 13— 2 cm longa, 3— 4 cm lata, 
tiibus perigonii 1 — 12 cm longus, lobi 2—0 3 cm longi, bacca O'i—O'ö cm longa, 
3 cm lata. 

Beim Vergleiche der zwei Diagnosen stellt sich heraus, dass Baphne Vahli 
durch eine Anzahl von Charakteren von sericea Vahl abweicht, und zwar bildet 
zunächst gegenüber dieser letzteren Baphne Vahli einen Strauch von 50—70 cm 
Höhe, dessen Stamm stets aufrecht ist und eine nur spärliche Verzweigung auf- 
weist, welche entweder gar nicht oder nur undeutlich dichotomisch ist. Die Aeste 
ferner, welche nicht verkahlen, sondern immer flaumig behaart bleiben, sind lang 
und dick, gerade, nur hie und da mit kleinen, wenig hervortretenden Blattnarben 
bedeckt und den grössten Theil ihrer Länge mit Blättern besetzt. Diese letzteren 
sind ausserdem von verkehrt-eiförmiger bis länglich-verkehrt-eiförmiger Gestalt 

29* 



216 



Carl V. Keissler. 



mit abgerundeter Spitze, erreiclieii die doppelte Grösse, wie bei Daphne sericea 
Valil und tragen an der Unterseite eine dichtere, nämlich seidige Behaarung.*) 
Endlich setzen sich die Köpfchen aus einer grösseren Anzahl von Blüthen (8 — 15) 
zusammen und die Perigonla])pen sind eiförmig, stumpf. Die spärliche, doldige, 
seltener undeutlich dichotoniische Verzweigung und die laugen, geraden, dicken 
und ihrer ganzen Länge nach mit Blättern besetzten Aeste der Daphne VaJtU 
auf der einen Seite, die reichliche, streng dichotoniische Verzweigung der kurzen, 
hin und her gebogenen, mit Blattrosetten versehenen Aeste der sericea Vahl auf 
der anderen Seite bedingen in Verbindung mit der verschiedenen Grösse der 
Blätter den deutlichen habituellen Unterschied beider Arten. 

Nunmehr wende ich meine Aufmerksamkeit noch der Daphne collina Sm. 
zu, einer Art, welche in Europa besonders in Italien auftritt und eine gewisse 
Aehnlichkeit mit Daphne Vahli besitzt, weshalb auch manchmal diese als collina 
bestinmit wurde. Der Gesammthabitus (als Ausdruck der früher angegebenen 
Merkmale) ist ganz genau derselbe, wie bei Daphne Vahli. Hierdurch unterscheidet 
sie sich, ähnlich wie Daphne Vahli, schon habituell von der D. sericea Vahl. Um 
nun D. Vahli und collina auseinanderhalten zu können, gebe ich im Folgenden 
eine Uebersicht jener Merkmale, durch welche sie von einander abweichen: 



JDaphne VahlL 

Aeste flaumig behaart. 

verkehrt-eiförmig bis läng- 
lich-verkehrt-eiförmig, 
gegen die Basis nicht kcilig 

verschmälert, 
sitzend, 

;im Rande nicht verdickt, 
unterseits seidig behaart, 
Mittelrippe unterseits nur in 
der Gegend der Blatthasis 
hervortretend, 
an den Aesten nach aufwärts 
gerielilct. 
Braftcen :» — 4 mm lang. 
IV'rigon seidig behaart. 
IVrigonröhre schlank, *.»—!() lang, 
an der Basis etwas bauchig erweit(!rt. 
IVrigouzijifcl eiförniig, slumi)f, Vn, 
höchstens d(;r Köhre. 



r.lätter 



Daphne collina, 

Aeste zottig-wollig behaart. 

länglich-verkehrt-eiförmig, 

deutlich gegen die Basis keilig 

verschmälert, 
kurz gestielt, 
am Rande verdickt, 
unterseits dicht zottig behaart, 
Mittelrippe unterseits bis zur 
Blattspitze gle i ch m äss i g 
deutlich hervortretend, 
von den Aesten niihezu recht- 
winkelig abstehend.'-^) 
Bracteen 4 — 5 mm lang. 
Pcrigon zottig behaart. 
Perigonröhro dick, (y—l mm lang, an 
der Basis nicht bauchig erweitert. 
Perigoiizi))fel breit eiförmig, a.n der 
Spitz(! al)gerundet, fast so lang als 
die Röhre. 



•) (JclfRflntlich kommt cino Form (\or Daphne. Vahli mit im AKor vorkiiliHon IMiiUorn vor, 
wfthrend bei der tyiiiMchnn dio Hl/lUor immer boliiiiirt tdoiboti. 

InfolKO dißtipr vordcliiudenon Htfilnn^r «Icr HIüKer IhI IK roUlna Hcliciiilnu' loobirdr lichliilltwt 
/' Vahli. 



Ueber eine neue Dajjhne -Ait und die geographische Verbreitung derselben. 



217 



Abgesehen von den eben festgestellten niorpholügischen Differenzen bewohnen 
überdies die zwei genannten Arten, ebenso wie die sericea Vahl, keineswegs ganz 
dasselbe Gebiet, woranf ich noch späterhin zurückkommen werde. Es ist daher 
wohl nicht gerechtfertigt, wenn Boissier in seiner „Flora orientalis" zu Dapline 
sericea, unter welcher Bezeichnung er natürlich, was die angeführten Herbar- 
citate darthun, sowohl die eigentliche smcm Vahl, als auch die mit ihr confun- 
dirte D. Vahli meint, ausserdem noch D. coUina einfach als Synonym zieht. 

Anschliessend an das Bisherige erübrigt es sich noch, darauf hinzuweisen, 
dass nicht blos bei Dapline Vahli eine Form mit im Alter unterseits kahlen 
Blättern vorkommt, sondern auch bei D. collina. Bei dieser letzteren wurde die 
Form mit im herangewachsenen Zustand unterseits kahlen Blättern ursprünglich 
als selbstständige Art beschrieben (D. neapolitana Lodd., Bot. cab., T. 719), später 
als Varietät (Lindl., Bot. reg., T. 822) zu collina gezogen, was sich auch in De 
C and olle 's Prodromus wiederholt. Hat nun die kahlblätterige Form der collina 
einen Namen, so dürfte es sich wohl empfehlen, auch der kahlblätterigen Form 
der Vahli einen solchen zu geben; man könnte sie etwa var. glahHfolia nennen. 

Nach diesen Erörterungen systematischer Natur wende ich mich nun der 
geographischen Verbreitung der drei besprochenen Arten zu, welche ich mit Hilfe 
einer Anzahl mir zur Verfügung stehender Herbarien zu ermitteln suchte, und 
die in der That als ganz interessant angesehen werden muss. Ich lasse jetzt die 
üebersicht des geographischen Vorkommens folgen. 

Daphne sericea Tahl. 

Specimina visa:^) 

Europa. Insel Marettimo^j (Boss, Flora Sicula, 1888), hb. Eechinger 
(Wien).^j Kreta. In dumetis infra Omalo et Lakkus (Baldacci, Iter creticum, 
1892, Nr. 95), hb. U.; Mont Volokia (Reverchon, PI. de Grete, 1884), hb. U.; 
Berge östlich von Askyphos (Spreitzenhofer, Iter creticum), hb. Z.; ad urbem 
Gnossus in monte Martio (Frivaldsky), hb. M.; Montagnes de Lakkus (Re- 
verchon, PI. de Grete, 1883, Nr. 153), hb. P.; in montibus elatis Ita, Luniti, 
Sphakia, 2000—5000' (Heldreich, 1845), hb. B.; Bois d Askyphos (Rauhin [V], 
PI. de Grete, Nr. 149), hb. B.; Montagnes d'Amalos, rochers (Reverchon, PI. 
de Grete, 1884, Nr. 153), hb. B. 

Kleiuasieii. Plaine de Mersina (Gilicie) (Balansa, PI. d'Orient, Nr. 716), 
hb. M.; Lycia, leg. Billard (hb. Jacquin), hb. M.; Bithynischer Olymp, leg. Noe, 
hb. M.; inter Sabaudja et Gucive*) (Aucher-Eloy, hb. d'Orient, Nr. 5291), hb. B. 

1) Abkürzungen: hb. B. = Herbar Boissier, beziehungsweise Barbey-Boissier (Genf); 
hb. K. = Herbar Kerner (Wien); hb. M. = Herbar des k. k. naturhistorischen Hofmuseums (Wien); 
hb. P, = Herbar des botanischen Institutes der deutschen k. k. Universität (Prag) ; hb. U. = Herbar 
des botanischen Museums der k. k. XJniTersität (Wien); hb. Z. = Herbar der k. k. zoologisch-botani- 
schen Gesellschaft (Wien). 

2) Eine der Westküste von Sicilien vorgelagerte kleine Insel. 

') Es liegen hier drei Pflanzen auf, zwei davon sind collina, eine ist se.ricea Vahl. Dasselbe 
ist auch bei einem zweiten Exemplar desselben Exsiccatenwerkes, welches ich im Herbar Haläcsy 
(Wien) sah, der Fall. 

*) Am Isnik-See in Bithynien. 



218 



Carl V. Keissler. 



Daphne sericea Vahl ist eine Mediterranpflanze, die an felsigen Stellen 
wächst und oft zu bedeutender Höhe (5000') ansteigt, wie Kschon der kleine, viel- 
zweigige Habitus andeutet. Rücksichtlich des Areals stellt sich auf Grund der 
frühereu ZusanmienstcUung heraus, dass die genannte Art in Bithynien, also an 
der Nordwestküste von Kleinasien, ebenso an der Südküste vorkommt und in 
Europa, ohne am Festland aufzutreten, über Kreta und Sicilien bis zui- Insel 
Marettimo hereinreicht. Von Sicilien selbst (wenngleich es wahrscheinlich ist, 
dass die Pflanze dort auch vorhanden ist) sah ich kein 'Exemplar, ebensowenig 
von der Westküste von Kleinasien, die allerdings botanisch noch wenig durch- 
forscht ist, so dass auch hier ein Vorkommen nicht ausgeschlossen ist. Mit 
Bezug darauf habe ich auch in der beigefügten Karte, welche die Verbreitung 
der Daphne sericea Vahl und der ihr zunächst stehenden Arten veranschaulicht, 
das Areal jener über die Westküste von Kleinasien gezogen und Bithynien nicht 
als getrennten Verbreitungsbezirk hingestellt, wenn auch diese Theile des Areals 
durch Punktirung der Coutouren als zweifelhaft in der Karte (ähnlich wie bei der 
Abgrenzung gegen Osten an der Südküste) notirt sind. 

DapJine VahlL 

Specimina visa: 

Europa. Kreta. In saxosis propc Damasta (Sieber), in mehreren 
Exem].laren, hb. U., hb. M., hb. P.^) 

Kleiiiasieu. In monte Tcharyklar prope Adalia (Bourgeau, PI. Lyciae, 
1860), hb. M. ; in monte Nur ad Pyramum (Kotschy, Iter cilic.-kurd., 1859, 
PI. ad Pyramum in monte Nur lectae. Su])pl., Nr. 3), hb. M. ; in planitie, Adalia 
(Heldreich, 1845), hb. M.; in Tauri alpes Bulgar-Dagh (Kotschy, Iter cilic, 
Nr. \li)h), hb. M. ; Mersina ad ruinas Soli, Cilicia (Sintenis, Iter Orientale, 
1888), hb. Keck (Wien); ex montibus Kassau Oghlu (Kotschy, Iter cilic.-kurd., 
1859, Suppl., Nr. 76), hb. M., ibid., Nr. 113, hb. B.; Cilicia (Auchcr-Eloy, hb. 
d'Orient, Nr. 2916), hb. B.; Akma-Dagh, hb. M.^) 

Syrien. Prope Beilan (Kotschy, PI. Syriae bor., 1802, Nr. 335), hb. M.; 
l»rope Alexandrelta (Kotschy, Iter cilic.-kurd., 185!), PI. Syriae, Nr. 272), hb. M.; 
Al.-xaudretta, 1832, hb. B. 

So ergibt sich also, dass Daplinc Vahli, welch(! ebenfalls, sowie J). sericea 
Valil, einen mediterranen Tyi)us rcpriisentirt, an der Südküstc von Kleinasiem 
Iiis hinein in das 'i'aurusgebirge, im nördlichsten Theile von Syrien und aufl 
Kreta verbreitet ist,") jedoch an der Nordwestküste (wahrscheinlich auch an der^ 
Westküste) von Klcinii'^icii IVlilt und in Kurojci iiidit ])is zur Insel M;i i-cl t imO; 
hereinreieht. ' 



•) Bieber nurniii<-lt<! iiuf Kictic nntfr «Icr IJczfichiiiinK «rr/cca iillo dioi Aiioii, ulso dio l)<t/>linci 
VahU, nrleea Viilil iin<l rolllnn. 

') Noch iin«loro dfriirl Kicki-nhiin t)c/.fic,)inr'lo Exomplaii' Imlio icli liifjr, wie iiiidoi wilits, 

ftUCgolWMO. ' 

') Vergleiche die boigefüKff ViTbrcifiinghkarto, 



üeber eine neue Da2)hnc -Art und die geographische Verbreitung derselben. 



219 



Daphne coUina Sin. 

Specimina visa: 

Europa. Italien. In monte Argentario, Etruriae (L. Toldeni), hb. K.; 
in monte Argentario (hb. Marciicci), hb. M. ; Ostia pr. Eomam (Brachl), hb. M.; 
Apennini de Popoli en Abruzze (Magn agier), hb. M.; prope di lago di Licola 
(Herbich), hb. P.; higo di Licola (Tenore, hb. Jacqu.), hb. M. ; in collibus 
prope Neapolim (leg. Mayer, hb. Zahlbruckner), hb. P.; Volturno bei Caserta 
unweit Neapel (Sammler?, 1812), hb. P., hb. Z.; Neapel (Sibthorp), hb. M. 
Insel Marettimo (Ross, Flora Sicula), hb. Eechinger (Wien).^) 

Kreta. In saxosis pr. Damasta (Sieber), hb.'^Keck (Wien), hb. P.^) 
Kleiuasieii. Carca (Pinard, 1843), hb. M.; Brussa (Fr i valdskj), hb. M.; 
Bithynien (Grisebach, 1822), hb. B.; Bithynien (Pestalazzi, 1846), hb. B. 

Einige Bemerkungen zu Angaben in Florenwerken. Sicilien. 
In den Floren von Sicilien (wie Gussone, Flora sicula, Synopsis florae siculae, 
Tornabene, Flora sicula^) wiederholt sich immer wieder bei Daphne colUna die 
Angabe: Insel Marettimo, während aus Sicilien die Pflanze nicht bekannt ge- 
worden zu sein scheint. Wahrscheinlich kommt sie hier auch vor und wurde nur 
bisher übersehen.^), Balkanhalbinsel. In Sibthorp et Smith, Prodromus 
florae graecae ist Daphne coUina folgendermassen citirt: in collibus Italiae 
australis et ni fallor in Graecia, legit Sibthorp. Dies beruht jedenfalls auf 
einer Verwechslung, ebenso wie die Mittheilung eines Vorkommens derselben 
Pflanze am Athos in üumont-d'Urville's „Enumeratio plantarum in Oriente 
lectarum" (in diesem letzteren Falle wohl verwechselt mit Daphne oleoides Schreb., 
die Frivaldsky gerade auch am Athos sammelte); denn man trilft D. collina, 
wie auch sericea weder in den Herbarsammlungen aus dem Gebiete der Balkan- 
halbinsel und der zugehörigen Inselgruppen (ausser Kreta), noch finden sich über 
dieselben in den Abhandlungen über die neueren floristischen Forschungen auf der 
Balkanhalbinsel irgend welche weitere Angaben ausser den erwähnten, gar nicht 
Yerlässlichen. 

^ Das Ganze zusammenfassend, erstreckt sich demnach das Areal der Daphne 
collina über Mittel- und Unteritalien, die Insel Marettimo, Sicilien und Kreta 
nach Kleinasien, und zwar daselbst über Karlen an der Westküste hinauf nach 
Bithynien, 

Rücksichtlich der geographischen Verbreitung der var. glahrifoUa der 
Daphne Vahli und der var. neapolitana der D. collina Hess sich eine völlige 
Deckung des Areals derselben mit dem Areal der zugehörigen typischen Form 

1) Es liegen, wie schon bemerkt, zwei Exemplare der collina, eines der sericea auf. 

2) Sieber sammelte, wie schon früher bemerkt, auf Kreta alle drei Arten und bestimmte 
sie als sericea Yahl. 

Pojero, Flora sicula, enthält noch nicht die Thymelaeaceen. 
") Im Herbarium des Wiener Hofmuseums liegt allerdings ein Exemplar der Daphne collina, 
wenn auch mit der nicht einmal eine Bestimmung führenden Etiquette : „in fruticetis Sicilia" ; eine 
Angabe des Sammlers fehlt auch. Auf dieses fragliche Exemplar will ich mich auch nicht stützen, 
ich habe es daher in das obige Verzeichniss nicht aufgenommen. 



220 



Carl V. Kcissler. 



constatiren. Deshalb habe ich auch in die Karte keine der beiden Varietäten 
speciell aufgenommen. 

Bevor ich micli auf eine Vergleiehung der geographischen Verbreitung der 
besprochenen Arten eiuhisse, möchte ich noch der Vollständigkeit halber eine gleich- 
falls derselben Gruppe angehörende Pflanze in den Kreis der Betrachtung ziehen, 
das ist die Daphne Blagayana Freyer. Dieselbe hat, wie bekannt, auch unter der 
Laienwelt als „Königsblume" eine gewisse Berühmtheit erlangt; sie wurde im Jahre 
1837 vom Grafen Blagay auf der Nordseite des Lorenziberges bei Billichgrätz in 
Krain entdeckt und von Frey er im darauffolgenden Jahre in der „Flora" be- 
schrieben und dem Entdecker zu Ehren benannt. Das ausserordentliche Interesse, 
das diese Pflanze erregte, so dass selbst König Friedrich August von Sachsen sich 
veranlasst fühlte, dieselbe an Ort und Stelle aufzusuchen — daher der Name 
Königsblume — , hat seinen Grund zum Theil in dem eigenthümlichen Habitus 
und den grossen, wohlriechenden Blüthen, besonders aber in dem Umstand, dass 
die längste Zeit nur dieser eine Standort am Lorenziberg bekannt war; denn erst 
in jüngster Zeit wurde die „Königsblume", wie wohl bekannt ist, auch an einer 
Reihe anderer Localitäten aufgefunden. 

Was ihre Merkmale betriflPt, so mag hervorgehoben werden, dass sie von 
den früher behandelten Arten sich besonders durch die Kahlheit der Aeste und 
Laubblätter, durch Bracteen, von denen die äusseren verkehrt-eiförmig, zugespitzt, 
die inneren schmal-lanzettlich sind, die einen, wie die anderen die Länge der 
Perigonröhre beinahe erreichend, und durch die in bedeutender Anzahl beisammen- 
stehenden, grossen, nur spärlich behaarten Blüthen unterscheidet. 

Uebersicht der geographischen Verbreitung der J)aphne Bla- 
gayana Fr. ^) 

Krain. Lorenziberg bei Billichgrätz, Razorhügel bei Alt -Oberlaibach 
(Voss, 1880, nach Beck), Katharinenberg bei St. Margarethen (hb. U.).^) 

Siebenbürgen. Auf dem Berge Köhavas nächst Hitfalu (leg. Simou- 
kai, 1886, hb. M.), Peatre mare bei Kronstadt (leg. Römer, hb. Haläcsy), auf 
dem Schuler bei Kronstadt (nach Römer), bei Vidra im Bihargebirge (Simon- 
kai, 1880, nach Beck), auf der Al])e Bucsecs und Koresztcnhavas (Baum- 
garten, 1810, nach Beckj.^j 

') Tlioils iiiif firuiid von II(!ibaniiat<!riiil, tlicils mit llilfo zweier Aiboiioii, iiiüiilicli: 

Heck, Dif KoriigsldiiiiK! (Da/ihvc. Blagayana Froyor). Wiener illustiiitt) (Jiirlon- 

xeituDff, mm, Hell 10. 
Kömr>r, Uobcr das Vorkoiniiifri der Könifrsliliiiiie in Hie1(eii1)iirp;en. Wiener illiisfrirto ; 

fiiirtenzeitniif,', IHiM. 

') Kiri Kxemj.lttr im Herlmr der 7.ooloKi>icli-l)otaiii.s(;lien (iesellscliiift, gesaiiinieli von Doli in er 
l*oi Idrm, hchi-int mir /.weirolliui't. 

*) Bniim((ftrtf!n fuhrt in »«-iner „Knumeratio florao tnuiKsiivanicao" (IKl.')) Daphne alpinah. , 
Ml. dio in HicWiil'firK«rn thiitMiichiich völlig fVdill; oh Inindelt sicli um oino Vorwo(;hslunp mit Dnplnir. 
Ittoiiaijaiia, wio Himonkui in Meiner „Knum. |ilanf. 'l'ranHsilv. " (IHKd) bemerkt. Domnaeli liat llaum- 
K»rt<iii die Könignblumc, dioMilb« für aljäna haltend, Kclion vor Itlaffay gosanunelt. 

Kill weitAfM Hyiionytn neben alpiva Haum^. int hapUnv Lv. r r.hvn/i' I d i a v n Scliiir, 
Knum. iilaiit, TranwilT. (IMU;), wie Himonkai (vgl. «biH frlibor citirtc! Work) an (l<;r iliiml der aller- 



Ueber eine neue Daphne-krt und die geographische Verbreitung derselben. 



221 



Bosnien. Auf dem Ormanj nächst Hadzcec (bei Sarajewo) (Fiala, 1890, 
hb. P.). Nach Beck: Auf dem Ozren bei Maglaj (A. Sprung, 1889), am Smo- 
lin und Matina bei Zepce (G schwind, 1889), am Konju (Brandis. 1890), auf 
dem Cicelj bei Cajnica (Delic, 1890). 

Hercegowina. Nach Beck: Am Glogovo bei Jablanica (Vandas, 1890), 
im Ladjanicathale bei Konjica (Fiala, 1893). 

Montenegro. Nach Pancic (Elenchus plantarum vasc. in Crna Gora 
1875): Am Dormitor nicht weit vom See Pdblje jezero. 

Albanien. Soll hier, wie Beck citirt, im Jahre 1889 von Schilling 
gefunden worden sein. 

Macedonien. Bei Allchar nächst Uesküb (Dörfler, It. turc. sec, 1893, 
Nr. 331, hb. U.). 

Serbien. Berg Diocibare in Centraiserbien (Pancic, 1875, hb. K.l, Berg 
Stol (Panciö, 1874, hb. M.). 

Bulgarien. Trojanpass (Urumoff, Flora bulgarica; hb. Haläcsy, Wien). 
Bisher war Daphne Blagayaiia aus Bulgarien nicht bekannt und handelt 
es sich also um eine ganz neue Angabe. 

Wirft man einen prüfenden Blick auf die Verbreitungskarte, so gewahrt 
man, dass Dapline Blagayana gegenüber den anderen drei Arten, welche wenig- 
stens gewisse Theile des Areales gemeinsam mit einander haben, vollkommen 
isolirt steht und ein grosses Gebiet im nördlichen Theile der Balkanhalbinsel, 
das durch die weitere floristische Forschung vielleicht erst in richtigem Umfange 
erkannt werden wird, allein für sich behauptet. 

Es liegt uns hier, wenn es erlaubt sein soll, eine Muthmassung auszu- 
sprechen, eine Art vor, die sich vielleicht aus der Stammart der coZ?iHa-Gruppe 
bei der Wanderung dieser aus Kleinasien her im Balkan hervorgebildet hat. Sie 
gehört der pontischen Flora an und war zu einer Zeit, wo nach Ablauf der letzten 
Eiszeit und vor Eintritt der gegenwärtigen, der baltischen Flora entsprechenden 
klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas unter dem Einflüsse eines Steppenklimas 
die pontische Flora über den grössten Theil von Mitteleuropa ausgedehnt war, 
viel weiter nach Norden als heute verbreitet. 

Als später an Stelle des Steppenklimas ein der baltischen Flora zusagendes 
kühleres Klima trat, zogen sich die pontischen Elemente von Mitteleuropa zurück 
und haben sich nur hie und da an einzelnen, klimatisch besonders begünstigten 
Stellen von geringer Ausdehnung erhalten, wie dies namentlich in den östlichen 
Alpen der Fall ist.^j So hat auch Daphne Blagayana, in die Balkanhalbinsel 
zurückweichend, in Krain und Siebenbürgen zwei inselartig von dem eigentlichen 
Verbreitungsgebiete abgetrennte Standorte, wie Fingerzeige einer ehemals weiteren 
Verbreitung, zurückgelassen. 

dings mangelhaften Diagnose von richur und des Standortes, den dieser namhaft macht (Bucsecs bei 
Kronstadt, von Lerchenfeld als alpina gesammelt, wo ja Dapline Blagayana wächst), constatirte. 

1) Vgl. Kern er, Studien über die Flora der Diluvialzeit in den östlichen Alpen. Sitzungs- 
berichte der kais. Akud. der Wissensch, in Wien, XVIII, 1 (1888), S. 7. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 30 



222 



Carl V. Keissler. 



Was die drei anderen, der mediterranen Flora angehörigen Arten anbe- 
langt, so möchte ich zuvor darauf hinweisen, dass nach En gl er 's Untersuchungen 
für mediterrane Pfianzenarten zur Tertiärzeit zwei Hauptwanderstrassen bestanden. 
Die eine hiervon ging über Kleinasien und Syrien nach Nordafrika, von hier aus 
Abzweigungen einerseits nach Sicilien und Italien, welche damals durch eine 
von Tunesien herüberreichende Landbrücke mit Afrika verbunden waren, anderer- 
seits nach Spanien entsendend; die andere ging über ein an Stelle des heutigen 
ägäischen Meeres vorhandenes Festland nach der Balkanhalbinsel, nach Istrieii, 
dem nördlichsten Italien, südlichen Frankreich und Spanien. Die Einwanderung 
von Pflanzen nach Italien erfolgte zum überwiegenden Theile von Tunesien, also 
von Süden her, während sie infolge der weiten Ausdehnung des lombardischon 
Meeres und des allein die Verbindung herstellenden ligurischen Apennins von 
Norden her nur sehr spärlich erfolgte. Diesen Umständen ist es zuzuschreiben, 
dass es eine Reihe von Mediterranpflanzen gibt, welche im ganzen oder in dem 
grössten Theil des Mittelmeergebietes auftreten, dagegen auf Sicilien und in 
Italien fehlen, oder wenigstens nur auf Sicilien, höchstens noch in Unteritalien 
auzutreften sind.^) 

Im Gegensatz zu dieser Art der Verbreitung repräsentirt Daphne coUina 
einen dadurch ausgezeichneten Typus, dass nämlich eine Art, die einem grossen 
Theil der Mittelmeerländer abgeht, (nebst Kleinasien und Kreta) gerade auf 
Sicilien, beziehungsweise der Insel Marettimo auftritt und von da 
durch ganz Unter- und Mittelitalien bis hinauf nach Etrurien ver- 
breitet ist. D. sericea Vahl erstreckt sich mit ihrem Areal ausser Kleinasien 
Müd Kreta noch auf die Insel Marettimo und vielleicht auch auf Sicilien, das 
Festland von Italien aber betritt sie nicht mehr. 1). Vahli endlich tritt auf der 
Apenninen-Halbinsel und den ihr zugehörigen Inseln nicht mehr auf, sondern be- 
schränkt sich auf Kleinasien und Kreta. Die beiden erstgenannten Arten müssen, 
nachdem eine Verbreitung derselben durch Vögel nicht wahrscheinlich ist, auf dein 
Wege aus Kleinasien über Syrien und Nordafrika in der schon vorher erwähnten 
Weise nach Sicilien und die eine von da auch nach Italien gelangt sein, während sie i 
.späterhin in dem zwischen Kleinasien und Sicilien liegenden Gebiet der Wande- 
rungsstrasse ausgestorben sind; denn, soweit mir bekannt, wuröe in dieser Gegend 
bi.sher noch keine Iktphnc-krt aus der besprochenen Grupi)e gefunden. Es wäre, 
wie ich zum Schlüsse hervorheben möchte, eine vielleicht niclit undanlibare Auf- ! 
gäbe, dem nachzugehen, ob es nicht noch eine Anzahl von Arten gibt, die; in 
analoger Wei.se, wie hier besprochen, in Kleinasien und Kreta und lieniacli in 
Si( ili<-n und Italien oder in Sicilien allein auftreten, dem übrigen Mediterran- ' 
gebiete jedoch IVdileri, und wenn sich dies bestätigt, l)a,sirend auf eine solche in- 
folge ihrer Wiedfrlioliiiig l)f'i versf;hiedenen Ai ten aufriillige Tliatsache den Ursac^hen 
nachzuforschen, welch«- eine derartige geograjjhisclie V(!rl)nutung Ixiwirkl ]ia,ben. j 

•) y\n^\KT brinifl im I. Unndo sfinor „Kntwic,kliin(fHg(!Hchieli(f! dor IMianzonwcilt" *{< !iipit.ol: 
,Pi* Floron «lor oin/clncn Tlmilc «IfH Miünltnocri^obiptOH in ihinn gogonscil,igon nozicliiirigon") eine ' 
gmnx« LUto oolchcr Arl'ri. i 



Ueber eine neue Daphne -Avt und die geographische Verbreitung derselben. 



223 




224 



Referate. 



Referate. 



Die zoologischen und l)otiinisdien Abli an (Hungen in den im Jahre 
1895 erschienenen Jahresberichten österreichischer Mittelschulen 
mit deutscher Unterrichtssprache. 

Von 

Dr. Alfred Burgerstein. 

Dcwoletzky Rud. Neuere Forschungen über das Gebiss der Säuger. 
(Staats-Obergjmnasium in Czernowitz.) 

Diese Abhandlung ist als Theil einer grösseren Arbeit gedacht, welche den 
in den letzten Lustreu entstandenen Umschwung unserer Anschauungen bezüglich 
der Säugethiere zur Darstellung bringen würde, behandelt aber nur ein kleines 
Gebiet aus der Anatomie und Entwicklungsgeschichte dieser Thiere, nämlich 
das Gebiss. Als Einleitung wird die Bedeutung desselben für die Systematik, 
besonders auch in paläontologischer Hinsicht hervorgehoben und die mannig- 
faltigen Schwierigkeiten einer richtigen Diagnose solcher Fossilfunde besprochen. 
Hierauf folgt eine kurze Darlegung der älteren Lehren über das Säugergebiss, 
wie sie in R. Baume 's „Versuch einer Entwicklungsgeschichte des Gebisses" 
niedergelegt erscheinen, und anschliessend dai-an eine zusammenfassende An- 
einanderreihung der Resultate neuerer Forschungen, und zwar erstens in ent- 
wicklungsgeschichtlicher und zweitens in paläontologischer Richtung. Nachdem 
die Entwicklung der Zahnlei.ste, der Milchzähne, des Ersatzgebisses und besonders 
der rudimentären Dentitionen dargestellt worden, wird noch eine grössere Anzahl 
der wichtigeren Entdeckungen bezüglich der einzelnen Abtheilungen der Säuger,! 
aufgefülirt: die Auffindung von Zähnen des Schnabelthicres, der Nachweis des 
Milcligebisscharakters für das Gebiss der Boutler und Wale, die eigenthümlichen 
Verhältnisse; der Zahnai'mcn, ])esonders aber die complicirten und schwierig zu 
deutenden ReducI ionserschcinimgen beim Zahnvvechscl des Igels. 

Hiei'an schliesst sich eine D.irlegung der R,esultate der paläontologischen j 
Forschung. Mit Riicksieht ;iiir die nothwendig gewordene Beschränkung der 
illustrativen Erläuterungen musste diesellx; allgemeiner gehiilteu werden. MitI 
Beziehung auf die vorausgesehi('kt(! Darstelhing (h-r älteren (I) iiu in o'schen) An- 
schauungen ist die Fassung naeli wenigen, wichtigeren Gesichtsj)unklen grupj)irt,; 
die den Unterschied der moderneren Auffassungen besonders nulTällig hervor-' 
trf'ten lassen. Diese Gesiclitspunkte sind :ils ( !apit,eliil)erschiiften liervorge- 
hoben : „Zahnzahl" (urspriinglie.he M:ixini;ilz;ihl ; Kednction und Veiniehrung 
derselben), „Zahnform" (Wurzel und Krone und ihr wecdiselseiliges Vei'luiltnissi 
im Laufe der p.iiäontohtgisehen Entwicklung nach den einzelnen Zahnarten be- 



Referate. 



225 



trachtet), das „Yerhältuiss von erster und zweiter Dent ition" zu einander 
und die moderne Vorstellung von der „Ursprünglichkeit der Heterodontie* 
bei den Säugern. Zum Schlüsse ist ein Capitel über die „Concrescenz "'-Theorie 
Röse-Kükenthars angefügt, die im Vorhergehenden mehrfach gestreift wurde. 

Die paläontologischen Äenderungen im Gebisse finden — bei der Un- 
zugänglichkeit der nöthigen Zahl geeigneter Abbildungen — ihre Erläuterung 
V analogiam" an vergrösserten photographischen Bildern vom Gebisse eines 
-ctenfressers vom ältesten, „creodonten" i Maulwurf) und eines solchen von 
modernerem Typus (Igel), sowie durch schematische Grundrisse der Zahnhöcker 
von Gebissen aus verschiedenen Schichten der obersten Kreide und des Tertiärs. 

Sehwaighofer Aut. Die mitteleuropäischen Libellen. (Staats-Gymnasium 
in Marburg, i 

Die Abhandlung beschäftigt sich im ersten Theile mit einer genauen 
B"^ehreibung besonders der äusseren Köi-pertheile der Odonaten, namentlich inso- 
ne diese Theile für die Bestimmung und Beschreibung der Arten von Wichtigkeit 
> lid. Der zweite Theil enthält zunächst eine analytische Tabelle zur Bestim- 
mung der Gruppen und (21) Gattungen der mitteleuropäischen Libellen, ferner 
— im Zusammenbange mit einer systematischen Uebersicht — eine Tabelle für 
die Bestimmung der Arten. In der Anordnung ist der Verfasser grosstentheils 
dem Catalogue raisonne des orthopteres et des Nevropteres de Belgique von E. 
de Selys-Longchamps (Ann. de la Soc. entomol. de Belgique. 1888) gefolgt. 
Eine ausführliche Beschreibung der Arten konnte wegen Eaummangels nicht bei- 
gegeben werden. Eine Tabelle enthält in 33 Figuren morphologische Details i Mimd- 
theile. Fltigelgeäder. Abdominalenden etc.). 

Sehletterer Aug. Zur Bienenfauna des südliehen Istrien. iStaats- 
Gymnasiuni in Pola.) 

Diese Arbeit, welche eine Fortsetzung der Studien des Verfassers über die 
Hymenopteren- Fauna Istriens bildet (vgl. diese „Verhandlungen", Bd. XLV, S. 267), 
wurde bereits besprochen ivgl. diese -Verhandlungen". Bd. XLV. S. 393i. 

Hoffer Eduard. Verzeichniss der in Steiermark (vom Autor) bis 
t jetzt gesammelten Osmia- und. Andre )ia -Xvxen. tLandes-Oberreal- 

schule in <jraz. i 

Der Verfasser führt 3u Arten der Gattung Osmia und 5S Arten der Gattung 
Andrena an, deren Vorkonimen er in Steiermark (besonders in der L'mgebung 
Yon Graz) constatirte. Xeben Flugort ( Fundort i und Flugzeit werden auch ein- 
zelne biologische Daten angeführt. Der Bestimmung und Anordnung der Arten 
lag hauptsächlich Schmiedeknecht s vorzügliche Monographie der europäischen 
Apiden zu Grunde. Zu den seltenen Formen der Grazer Umgebung gehören: 
Osmia fuciformis Latr., 0. corticalis Gerst., 0. vulpeciüa Gerst., 0. fidviventris 
Pz., 0. Panzeri Mor.. Andrena florea Tab., A. ckrysopi/ga Schenck, A. con- 
vexiuscula K. 



226 



Kefcrate. 



Schaufler Bernli. Der Regenwurm und seine Bedeutung im Haushalte 
der Natur. (Staats-Gymnasium in Ober-Hollabrunn.) 

Der erste Theil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Körperbau und der 
Histologie, der zweite Theil mit der Biologie von Lunibricus agricola Hoff'm., 
mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchungen von Claparcde, G egen- 
bau r und Darwin. Der Verfasser führt ferner folgende Beobachtung an: Er 
sah aus dem Clitellum mehrerer Würmer, die er in Wasser legte, Larven aus- 
kriechen, aus denen sich (anfangs April) als Imago Sarcophaga haemorrhoidalis 
entwickelte. Endlich führt der Verfasser die interessanten Beobachtungen von 
Pasteur an, der die Regenwürmer auch als Verbreiter des Milzbrandes erkannt 
hat. Die Keime dieser Krankheit werden von den Regenwürmern mit der Erde 
aufgenommen, in -welche die an Milzbrand zu Grunde gegangenen Thiere ver- 
scharrt werden, und durch die Excremente der Würmer wieder an die Erdober- 
fläche befördert. Eine beigegebene Tafel enthält in 11 Figuren anatomische Details. 

PHtzka Alfred. Ucber vergrünte und umgebildete Blüthen der 
Herbstzeitlose in der Umgebung von Neutitschein. (Landes-Ober- 
realschule in Neutitschein.) 

Der Verfasser beobachtete im Frühjahre 1895 bei Neutitschein, ZauchÜ, 
Reimlich, Stramberg, Roznau etc. massenhaft Herbstzeitlosen mit vergrünten 
Blüthen. Die Perigonzipfel hatten das Aussehen 12—17 cm langer, linearer Laub- 
blätter und blieben wochenlang frisch. Die Staubblätter waren zumeist in schmale, 
grüne Laubblätter umgewandelt; die Antheren geschrumpft und leer. Am Gynä- 
ceum war der Fruchtknoten langgestreckt, bisweilen sogar den Perigonsaum über- 
ragend und in der Regel ohne Samenknospen. Die Morphologie normaler und 
vergrünter Blüthen ist durch fünf Figuren auf einer Doppeltafel veranschaulicht. 

Zerinaiiii, P. Chrysost. Alex. Beitrag zur Flora von Melk. III. Theil. ^) 
( Benedictiuer-Gymuasium in Melk.) 

Dieser Theil enthält die Dialypetalen und bildet zugleich den Schluss der 
Aufzählung der in Melk und Umgebung wildwaclisenden, häufig gebauten und 
verwildert vorkommenden Gefässpflanzen, im Giinzon 123G Arten. Von für die 
Älelker Flora selteneren Arten werden genannt: Archmigelica officinalis Iloffm., 
Lascrpitium prutenicimi L., Conium maculatum L., Scdum micranthum Bast., 
(Serpentinfelsen im Gurhofgraben), Mi/osiirus viinimiis L., lianimculus Lingua L., 
]{. Sardous Crantz, ]{. srcUratits L., Aconitum Vulparia Roichenb., Papaver 
Argcmonc L., ('ori/dnlis fahacea l'ers., Arahis hrassivacformifi Wallr., Carda- 
tiiinc Hilmiim Link, d ijrijKdicns L., Dentaria cnneaphyllos L., Alyssum mon- 
tnnum L., Lunaria rcdivim L. (bei Gansbach), Sagina ciliata Fi'ies (zwischen 
Kollapriel und Ro.senfeld), Alsine fasciculata M. et K., Ä. viscosa Schreb., Ce- 
rimtium tauricum Spreng., Dianthus prolifcr L., 7>. supcrhus L., Fjuphorhia 
]ioh/f:/iroma A. Kern., (icraninm lucidum, L. f:iuf dem lliesbergc), Linum. fIcwumJi., 
Vicia Hilmtica L., V. caHHuhica L., V. Inthi/roidcs L. 



II «lifH«'!! „VcrlitiiKlIiiiigcn", ltd. XLV, S, SJfiH. 



Referate. 



227 



Zimmermauu. Verzeicliniss der in Vorarlberg wildwachsenden Gefäss- 
pflanzen. (Communal-Realscliule in Dornbirn.) 

Diese Abhandlung stand dem Referenten nicht zur Einsicht. 

Wurm Franz. Die Flechten der Umgebung von Böhmisch-Leipa. 
(Ötaats-Realschule in Böhmisch-Leipa.) 

Die Arbeit enthält eine Aufzählung und Beschreibung von 87 Gallerl-, 
Strauch- und Laubflechten der Umgebung von Böhmisch-Leipa. Das vom Ver- 
fasser (durch 20 Jahre) durchforschte Gebiet wird vom Kummer, Daubaer, Sonneu- 
berger und Schwoykaer Gebirge begrenzt. Ausser zahlreichen speciellen Fund- 
orten werden auch hin und wieder Angaben über Flechtenvorkommnisse ausserhalb 
dos Leipaer Gebietes eingestreut; auch wurden der Vollständigkeit wegen die bei 
h'abenhorst angeführten Fundorte in Nordböhmen aufgenommen. Als seltene 
Flechten der Leipaer Flora werden angeführt: Evernia divaricata L, Cladonia 
deformis L., Cl. Botrytes Hag., Cl. cariosa Ach., Cl verticillata Hoffm., Cl. 
caesjyititia Flke., Cl. delicata Ehrh., Cetraria odontella Ach., C. saepincola Ehrh., 
Siicta fvlujinosa Ach., Parmelia perlata L., F. revohita Flke., Nephromium 
laecigatum Ach., Peltigera aphthosa L., Gyrophora polyphylla L. 



^foska 31. unter Mitwirkung von V. v. Tschusi zu Schmid hoffen. „Das 
kaukasische Königshuhn." Ornith. Jahrb., VII (1896), Heft 1 und separat. 
Diese monographische Studie bildet ein Seitenstück zu der von denselben 
Autoren herrührenden Arbeit über das kaukasische Birkhuhn (Ornith. Jahrb., 
VI [1895] und separat mit einer Tafel) und behandelt in eingehender Weise 
jenen, die hochalpinen Zonen des Kaukasus bewohnenden Vogel bezüglich seiner 
zoologischen Merkmale und Eigenschaften, soAvie bezüglich dessen schwer zu 
beobachtender Lebensweise. L. v. Lorenz. 

Jaworowski A. Neue Arten der Brunnenfauna von Krakau und Lem- 
berg. Troschel's Archiv für Naturgeschichte. Jahrg. 61 (1895/96), Bd. I, 
S. 318-345, Taf. XV-XX. 

Die sehr fleissige Schrift behandelt sieben Formen, die in polnischen 
Arbeiten des Verfassers bereits systemisirt wurden. Während die Protozoen (Qua- 
drula acolis, Diplophrys elongata, graheri, Cothurnia cyatlius, piitanea) und das 
Turbellar Mesostoma vejdovslyi kürzer beschrieben sind, macht die Schilderung 
eines Amphipoden, Niphargus leopoUensis, den grössten Theil der Publication 
aus und die betretFenden Umrissfiguren füllen vier Tafeln; dagegen erfährt man 
nichts Genaueres über den Fundort und die Lebensweise. Eine Tabelle auf 
S. 334, wo für jeden Krebs die Grösse der Fussglieder in Zehntausendsteln 
Millimetern augegeben wird, dürfte ihre Wirkung wohl nie verfehlen. 

Tad. Garbowski. 

BütsC'hli 0. Weitere Ausführungen über den Bau der Cyanophyceen 
und Bacterien. Leipzig, 1896. 



j 



228 



Eofcrate. 



Der Verfasser constatirt zuerst, dass die Zellen der Cjanophyceen und 
Schwefelbacterien aus zwei Haupttlieilen bestehen, nämlich aus einer gefärbten 
Rindenschichte und einem ungefärbten inneren Theile, dem Centraikörper. 

Beide Zellpartien besitzen nach Bütschli einen ausgesprochenen Waben- 
bau. Letzterer ist nicht etwa ein infolge der Einwirkung der Reagentien ent- 
standenes Kunstproduct, sondern das Resultat von DitFerenzirungen der bezüg- 
lichen Protoplasten inter vitam. Dies beweise das Studium passender Objecte, 
welche schon im Leben den wabigen Bau auf das Deutlichste zeigen. Bei den 
grossen Oscillarien, insbesondere bei 0. princeps, besteht die Rindenschichte aus 
4—5 Wabenlagen in der Dicke. Die Anordnung dieser Waben ist eine ausgesprochen 
längsfaserige, wodurch bei ungenügender Auflösung die ganze Schichte ein längs- 
fibrilläres, gestreiftes Aussehen erhält. Die Waben der Rindenschichte erscheinen 
gefärbt; der Farbstoff haftet aber immer nur an den Wabenwänden und niemals 
au dem Wabeninhalt. Ob der Farbstoff aber die Wände der Waben in diffuser 
Form durchti-änkt oder in den Wänden als Tröpfchen oder Körnchen eingelagert 
ist, will Bütschli nicht entscheiden, doch neigt er sich zu der ersteren Annahme. 
Auch der mittlere, ungefärbte Theil der Zellen, „der Centralkörper", besitzt einen 
wabigen Bau. Von diesem Umstände überzeugte sich der Verfasser theils durch 
die Untersuchung kleinerer, lebender Formen, theils durch das Herauspressen des 
Inhaltes aus den Zellen grösserer Arten, oder auch dadurch, dass er den optischen 
Längsschnitt studirte, nachdem durch Druck die Rindenschichte structurlos ge- 
worden war. 

In den Knoten])unkten des Wabennetzes des Centralkörpcrs, besonders 
häufig in den äusseren Knotenpunkten des letzteren, liegen eigenthümliche 
Körnchen, welche sich mit Dclafield'scher Hämatoxylinlösung rothviolett färben 
und darum vom Verfasser als „rothe Körnchen" anges])roc]ieu werden. Zuweilen, 
wenn auch selten, liegen vereinzelte rothe Körner auch in der Rindenschichte. 
Früher, nämlich 1890, hat Bütschli diese rothen Körner für Chromatin gehalten, 
gegenwärtig glaubt ei-, dass sie den Plasmakörnern (Miki'osomen) der Diatomeen etc. 
verwandt sind. 

Ausser den rothen Körnern kommen aber bei den meisten Cyanoi)hyceen, 
und zwar fafst ausscliliesslich im Rindcntheilc, auch iu)ch andere Kölner vor, 
nämlich die Reservekörner oder Cyanojihyceenkörnor. Letztere sind keine Kohlen- 
hydrate, wie gewölmlich angenommen wird, doch verhalten sie sich manchmal 
gegenüber dem Jod ähnlich, wie das Glycogen. In Bezug auf das Verliältniss 
zwischen den rotlien Körnern und den Reservekörnein drückt sich Bütschli sehr 
vorsichtig aus, ind«!nj er sagt: „da.ss diese Körner im J*lasina (nämlich die rothen 
Körnerj den Re.servek'M-nerii Vf.-rwandt sind, worauf Maiiclies hiiideiit.et,, scbeint 
mir ni<)glj(;h". 

Sehr eingehend beliandell Bütschli aucli die Frage, ob der ('(iutralkörper 
der Cyanopbyceen und ScliwefelbacUfrien als ein Zellkern anzus])rec]ien sei öden 
nicht. Nach einer erHchöjjfenden Discu.ssion aller lii(;r in Frage kommendem 
Detail» gelangt er zu dem Schlüsse, dass sicli der Ceiil ralkörper der ('yanophyceen 
höchhteuh durch den Mangel einer Kernmembrau von den Kernen der höheren 



Referate. 



229 



Gewächse imterscheide, sonst aber in allen Punkten mit denselben überein- 
stimme und daher als ein dem Zellkern der Phanerogamen vollkommen homologes 
Organ aufgefasst werden muss. 

Was die kleinen Bacterien anbelangt, so konnte Bütschli nur bei wenigen 
derselben eine Differenzirung in Centraikörper und Rindenschichte beobachten 
und auch bei diesen niemals eine vollständige Umhüllung des Centralkörpei"s 
durch die Eindenschichte, sondern nur eine Entwicklung der letzteren an beiden 
Körperenden. Da aber eine Körperhaut immer vorhanden ist und letztere für 
ein Product des Plasmas gilt, so muss angenommen werden, dass auch der Centrai- 
körper dieser Bacterien von einer äusserst dünnen Plasmaschichte umgeben wird. 
Im Uebrigen hält Bütschli an seiner schon 1890 ausgesprochenen Ansicht fest, 
dass die einfachsten Organismen aller Wahrscheinlichkeit nach fast nur aus 
Kernsubstanz und aus einem Minimum von Plasma bestanden, und dass das 
letztere sich erst bei den höheren Lebewesen reichlicher entwickelte. Bütschli 
hält es auch für das Wahrscheinlichste, dass Kern und Protoplasma gleichzeitig 
auf der Erde entstanden sind und erblickt gerade in dem Zusammentreffen dieser 
beiden Substanzen den Ausgangspunkt des Lebens. H. Zukal (Wien). 

Petiiuiiikow A. Die Potentinen Centralrusslands in Acta horti Petro- 
politani, XIV (1895), p. 3—52, mit 10 Tafeln. 

Centralrussland ist ein so vager Begriff wie der der Ukraine, Südrusslands, 
Bessarabiens. des südwestlichen Russlands und Polens. Während Zinger darunter 
15 Gouvernements versteht, erwähnt Verfasser davon nur sechs, abgesehen von 
Ingrien. PotentiUa piuqnnelloides L. und P. Tanaitica Zing. sind verschieden, 
während P. pimpinelloicles des Reichenbach 'sehen Herbars andere Pflanzen 
darstellt. Dass Janka P. pimpinelloides L. bereits im Jahre 1875 im Banate 
gefunden, vermochte keiner der ungarischen Botaniker zu bestätigen. Pancic 
sammelte auf steilen Abhängen des Stol bei Vilovo im Cacaker Kreise Serbiens 
eine Pflanze, welche er ursprünglich P. poteriifoUa genannt und später angesichts 
des Homonyms von Boissier für P. pinipinelloideslj. gehalten hat, doch dürfte 
dieselbe neu sein. Schleiche r"s Exemplare der P. cinerea sind lange nicht so 
authentisch als Verfasser wähnt, weil dieser als prononcirter Pflanzenhändler einem 
und demselben Stocke mehrere Individuen entnommen, um dieselben als ebenso 
viele Arten 2u vertheilen. Solange Niemand das „Rheinische Magazin zur Er- 
weiterung der Naturkunde" (Giessen, 1793 — 1794, 1 Bd., 8°), dessen Redacteur 
unter Anderen auch Moriz Balthasar Borkhausen gewesen, in die Hände ge- 
nommen hat, geht es nicht an, seine P. arenaria für ein nomen solum zu er- 
klären. P. Thuringiaca Beruh, und P. Goldhachii Rupr. (= P. elongata Goldb., 
non Bess. = P. patens Herbich) müssen auseinander gehalten werden. P. opaca 
deutet Verfasser im Sinne Jacquin's und Koch's und zieht dazu als Synonym 
P. ridjens Crantz. Verfasser führt aus Centralrussland P. Schurii Fuss (= P. 
Pratensis Schur, non Herbich = P. patulaW. K., nana Tratt.) an und bestreitet 
das Vorkommen der typischen P. patula daselbst, doch hat Referent letztere aus 
Chorol (Rogowicz exs.) und Poltawa (Koenitzer exs.) des gleichnamigen Gon- 

7. B. Ges. Rd. XLVI. 31 



230 



Referate. 



vernemeiits gesehen, wogegen Linde mann 's P. incUnata vom Gouvernement 
Cherson zu P. Schurii gehört. Dr. v. Degen, welcher die KietaibeTsehe 
Pflanze am Originalstandorte zu sammeln Gelegenheit hatte, verwarf die Trat- 
tinick'sche Varietät und folgerichtig auch P. Schurii, womit Referent einver- 
standen ist. Zu P. venia Linne's und einiger Autoren hat bereits Franz Wilhelm 
Sieber (Fl. Austr., Nr. 160) P. Salisburgensis Haenke als Synonym gezogen, 
doch besteht P. maculata Pourr. nach G. H. Pt eiche nb ach 's Aufzeichnung aus 
P. alpestns Hall. f. und P. Pyrenaica Ram. Verfasser bekämpft die bisherige 
SchreibAveise „P. Wiemanniana^ und will dieselbe durch „P. Wimanniana^ 
Guenth. et Schümm., Herb. Siles., Cent. V (1813), Nr. 52, ersetzt wissen, ohne zu 
bedenken, dass hier ein Druckfehler unterlaufen sein mag und Guenther (Ex. 
stirp. phan. in Silesia sp. uasc. 88) ausdrücklich schreibt: „Primus hanc stirpen 
detexit et ab affini P. argentea distinxit b. Wie mann, M. Dr., in cujus memo- 
riam appellavimus". P. digitato-flabellata A. Br. et Pouche (non Heidenr.) zieht 
Verfasser auf Grund der Befunde in C. A. Meyer's Herbar zu P. intermedia L. 

canescens Rupr. Koch's Synopsis, ed. III, zu citiren, geht nicht an, weil 
dieselbe eine von Unberufenen besorgte Ausgabe ist. In 23 Absätzen gibt der 
Verfasser ein Resume des Vorgebrachten und auf den Tafeln die Abbildungen 
der im fraglichen Gebiete vorkommenden Potentinen. 

Die ganze Arbeit ist, weil auf russischem Boden und unter Schwierigkeiten, 
deren Erörterung nicht die Sache des Referenten sein kann, abgefasst, immerhin 
interessant und hoffen wir, den Verfasser noch öfters begrüssen zu können. 

J. A. Knapp. 



231 



Versammlung am 3. Juni 1896. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit der 
Mittheilung, dass die Gesellschaft den Tod eines ihrer 
hervorragendsten Gönner, Sr. kais. Hoheit des Herrn 

Erzherzogs Carl Ludwig 

zu betrauern habe. Der Vorsitzende gedachte insbeson- 
dere des grossen Interesses, welches der Verblichene der 
VTissenschaft überhaupt und speciell den Bestrebungen 
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft entgegen- 
gebracht hatte, und schloss. nachdem die anwesenden 
Mitglieder seine ^klittheilung stehend angehört hatten, 
die Versammlung. 



Z. B. G«s. Bd. XL VI. 



32 



232 



Versammlung der Section für Botanik am 12. Mai 1896. 



In der Ausschuss-Sitzuug am 4. Mai 1896 war beschlossen 
worden, eine Sammlung einzuleiten, von deren Ertrag das von der 
zoologisch-botanischen Gesellschaft seinerzeit errichtete Grabdenkmal 
des Botanikers Theodor Kotschy renovirt werden soll. Zu diesem 
Zwecke haben folgende Mitglieder beigesteuert: 



P. T. Herr Th. Adensamer 2 fl. 

„ „ „F. Anger 50 kr. 

„ „ „ G. V. Beck 1 fl. 

„ „ A. Burgerstein 1 fl. 

„ „ „F. Czapek 1 fl. 

„ „ R. Freih. V. Dräsche 10 fl. 

„ „ „ M. V. Eichenfeld 1 fl. 

r, „ ^ W. Figdor 2 fl. 

„ „ „ C. Fritsch 2 fl. 

„ „ „ A. Ginzberger 50 kr. 

„ „ ^ 0. Habich 50 kr. 

„ „ n E. V. Haläcsy 1 fl. 

^ „ r A. Handlirsch 1 fl. 

„ „ „ M. Heeg 1 fl. 

„ „ „ L. Hecke 1 fl. 

„ „ „ J. V. Hungerbyehler 1 fl. 

„ „ „ J. Kaufmann Ifl. 

r, „ „ A. V. Kerner 2 fl. 



P. T. Herr L. Linsbauer 1 fl. 

„ „ „ J. V. Lorenz 1 fl. 

„ „ „ L. V. Lorenz 1 fl. 

„ „ „ J. Lütkemüller 1 fl. 

„ „ „ E. V. Marenzeller 2 fl. 

„ „ „ C. Mayerhofer Ifl. 

„ „ „ M. Müllner 1 fl. 

„ „ „ F. Ostermeyer 2 fl. 

„ „ „ P. Pfurtscheller 1 fl. 

„ „ „ Th. Pintner 1 fl. 

„ „ „ H. Rebe 1 50 kr. 

„ „ „ C. Rechinger 1 fl. 

„ „ „ M. Öostaric 50 kr. 

„ „ „ F. Spaeth 50 kr. 

„ „ ,, L. Treusch 1 fl. 

„ „ „ J. Wiesner 2 fl. 

„ „ „ R. Wilhelm 2 fl. 

„ „ „ A. Zahlbruckner 1 fl. 



I. Bericht der Section für Botanik. 

VersamiDluiig am 12. Mai 1896. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck v. Mannagetta. 

Der Vorsitzende erött'nete den ersten Vortragsabc^nd der neu 
coiistituirtcn Section für Botanik, indem er den Anwesenden ITir den 
ZHliIrcichcn Besuch (hinkte und dem Wunsche und (h^r Ilotlnung 
Ausdruck gab, die Mitglieder mögen durch rege lietheiJigung an den 
Versammlungen, durch Vorliägc und Demonstrationen zum (il(;d(uhen 
<h'i Scetion beitragen. 

liit iaiir folgt,(;n die nachst(;heiid<!n Vorträge, resf)ectiv(; Demon- 
Ktratioiien: 



Versammlung der Section für Botanii; am 12. Mai 1896. 



233 



Ancylistes Pfeifferi ii. sj). 

Prof. Y. Beck erläuterte in längerer Ausführung die interessanten Lebens- 
verhältnisse der Mycochyiridinae, insbesondere der Gattungen Mijzocytinm, 
Lageniäium, Ancylistes. und kam auf eine interessante Ancylistes -Art zu 
sprechen, -welche durch Löfgren bei Pirassunuuga in Brasilien in Closterien 
schmarotzend aufgefunden wurde. Bisher waren nur die vegetativen Zustände 
dieses Pilzes bekannt geworden, die an den von Herrn H. Eitter Pfeiffer v. 
TTellheim nach dessen bewährter Methode hergestellten Präparaten in klarster 
Weise zum Ausdrucke gelangten. Nunmehr aber gelang es Letzterem, auch eine 
einzige Closteriumzelle zu entdecken, in welcher auch drei Sporen vorhanden 
sind, die höchst eigeuthümlich gebaut sind und die Aufstellung einer neuen 
Ancylistes -Xrt rechtfertigen, welche zu Ehren des Entdeckers als A. Pfeifferi 
benannt werden möge. 

Die sterilen, wohl zu Ancylistes Pfeifferi gehörigen Exemplare zeigen fast 
den Thallus der Gattung ^lyzocytium, d. h. die vegetativen Zellen wachsen in die 
Länge und schnüren sich stellenweise ein, wodurch nach Bildung von Scheide- 
wänden rosenkranzförmige Zellfäden entstehen. Jede ellipsoidische, längliche, 
eiförmige oder kugelige, manchmal auch birnförmige Zelle (circa 12 — 40 u lang, 
10 — 13 breit I wird zu einem Sporangium und treibt nach aussen einen dünnen, 
oft sehr verlängerten Infectionsschlauch. welcher vor seinem Austritte öfters an- 
geschwollen erscheint. Bei den Sexualorgane bildenden Individuen, welche mit 
den sterilen Exemplaren vorkommen, erscheint der Thallus deutlicher durch 
Zellwände gegliedert, die Zellen mehr fadenförmig, weniger eingeschnürt. In 
diesen Fäden eingeschaltet, und zwar beiderseits (?) von leeren ZeUen begrenzt, 
finden sich die grossen, dickwandigen, braunen Sporen, welche durch mehrere 
(circa sechs) grosse, unregelmässig gestellte, abgerundete Höcker des Exosporiums 
ein morgensternförmiges Aussehen und 32 — 40 a im Durchmesser erlangen. 
Das Endosporium ist kugelförmig und umschliesst eine grössere Anzahl von 
kugeligen Plasmamassen. 

Die Deutung der sterilen Exemplare als zu einer Ancylistes -Xn gehörig, 
unterliegt wohl keinem Anstände. Schwieriger ist dies bei dem sporenbildenden 
Exemplar, das leider bisher nur in einer einzigen ClosteriumzeUe aufgefunden wurde 
und daselbst nicht alle Details mit wünschenswerther Genauigkeit darbietet, da 
z. B. nicht mit Sicherheit die Befruchtung der Oogonien constatirt werden konnte. 

Jedenfalls hat man aber eine Ancylistacee vor sich, die durch die Sporen- 
gestalt sehr ausgeprägte Verschiedenheiten von den bisher bekannten darbietet. 



Einige interessante illyrisehe Teilchen. 

Prof. V. Beck demonstrirte weiters die von F. Fiala entdeckte und be- 
schriebene interessante Viola Beckiana. welche am Smolingebirge bei Zepce 
in Bosnien auf sonnigen Waldwiesen in einer Höhe von 1100 ?» auf Serpentin- 
unterlage in gelber und purpurblauer Blüthenfarbe aufgefunden wurde. 

32* 



234 



Versammhing der Section für Botanik am 12. Mai 1896. 



Ebenso wie diese, die Anzahl der in der Balkanhalbinsel isolirt vor- 
kommenden Veilchenarten um einen neuen Repräsentanten vermehrende Art, 
variiren auch alle anderen in lUyrien vorkommenden Veilchen tius der Gruppe 
Melanium in der Blumenfarbe. Solche Farbenspielarten, die auf manchen 
Gebirgen nur allein, auf anderen gemischt vorkommen, sind z. B.: 
Viola declinataW.'K. (+ V. bosniaca Form). 

c(. typica. Blumen dunkel rothviolett, Spornblatt in der Mitte gelbfleckig. 

ß. Ucolor G. Beck, Fl. Südbosn., III, S. 82 (100). Untere Blumenblätter 
gelb, obere lila. 

y. lutea Pant., Adnot., p. 99. Blumen gelb. 
Viola Zoysii Wulf. 

a. typica. Blumen gelb. 

ß. semicoerulea G. Beck, Fl. Südbosn., VII, S. 180 (117). Blumenblätter gelb, 
die zwei oberen namentlich gegen die Spitze hellbläulich überlaufen. 

y. lilacina G. Beck, 1. c. (= V. Clementiana = Pancicii Bald., Exsicc, 
non alior). 

Dieselben wurden von mehreren Standorten vorgezeigt. 



Von Herrn Prof. v. Beck wurde ferner vorgezeigt : 

Ein neuer Bürger der österreichischen Flora, Bamtn- 
culus Sartorianus Boiss. et Heldr. 

Diese Pflanze, welche sich dem M. carinthiacus Hoppe am meisten nähert, 
war bisher wohl schon aus den Occupationsländern bekannt geworden, wo sie 
Murbeck in Schluchten und an Schneefeldern der Velez-Planina bei Mostar in 
einer Meereshöhe von 1600 — 1800 m sammelte (vergl. dessen Beiträge zur Flora 
von Südbosnien, S. 174). Auch der Vortragende hatte die Pflanze daselbst in 
Menge angetroffen, und zwar in einer f. angustissima, bei welcher die fast vier- 
mal dreitheiligen Blätter sehr schmale lineale Endzipfel aufwiesen. Diese Form 
wurde nun nicht nur auf der Klekovaca-Planina bei Petrovac in Bosnien, 
sondern auch in Dalmatien aufgefunden, wo sie in Alponwiesen und an Schnce- 
feldern der Dinara bei ca. IGOO— 1700 m im Juni 1895 von dem Vortragenden 
angetroffen wurde. 

Herr Soötaric^. demonstrirte sodann ein Exemplar einer andro- 
j^ynen Salix hahylonica, worauf Herr Dr. A. Zahl b ruck n er die 
n^Mie Tiitfratur zur Vorlage und Besprecliung hraelite. 

AiiiiuTkuiig In dem XCrzcicluiissc der Mitglieder der Section fiir Hotauik 
(.S. 200) wurd«; Herr . Itcch i n^r,. irrthiinilichcr Weise nichl genannt. 



1 'erhandl der k. k. zool.hot . Ges. 
BandXLM.lSSG. 



Taf.J\: 



Chr. Lippert : 




Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 



235 



Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 

Von 

Chr. Lippert. 

(Mit Tafel IV und 1 Figur im Texte.) 

(Eingelaufen am 23. April 1896.) 

Der Entwicklungsprocess der Fruchtkörper aus dem Plasmodium bis zur 
Sporenreife nimmt bei fast allen Myxomyceten einen ungemein raschen Verlauf, 
wenn die günstigen Bedingungen und der entsprechende Alterszustand des Plas- 
modiums zusammentreffen. 

De Bary führt in seinem Werke „Die Myetozoen" p. 74 ff. eine Eeihe von 
Untersuchungen von Physarum, Didymium, Aethalium und Stemonitis an, in 
welchen er die Zeitdauer des Entwicklungsganges bis zur Reife mit P/2 bis 
2V2 Tagen constatirte. Aehnliche Resultate hatten die von mir gemachten Unter- 
suchungen bei verschiedenen Physareen und Didymien, während Cribraria volle 
vier Tage und darüber zur vollständigen Reife gebraucht hat. 

In vortrefflicher Weise hat De Bary den Entwicklungsgang der Sporan- 
gien aus dem Plasmodium bis zur äusserlichen Formvollendung beschrieben und 
durch vorzügliche Zeichnungen in seinem Werke, Taf. I, Fig. 4 und 5, zur An- 
schauung gebracht. 

Rücksichtlich der weiteren Entwicklung der Sporangien spricht er sich 
auf p. 59 wie folgt aus: „Ueber die Entwicklung des Capillitiums kann ich nur 
sehr unvollständige Angaben machen. Gleichzeitig mit den ersten Kernen oder 
in manchen Fällen schon vorher findet man seine Bestandtheile in dem ganzen 
Räume des Sporangiums so angeordnet, wie zur Zeit der Reife, nur dass alle 
Theile noch sehr zart und meist farblos sind, und von früheren Entwicklungs- 
stadien beobachtet man meist nur solche, bei welchen noch gar kein Capillitium 
vorhanden ist. Letzteres muss somit in allen Theilen des Sporangiums gleich- 
zeitig und fast momentan angelegt werden und erreicht jedenfalls sehr schnell 
seine volle Ausbildung." 

In ähnlicher Weise schreibt Zopf in seinem Werke „Die Pilzthiere oder 
Schleimpilze" S. 63: „Wie es scheint, geht die Capillitiumbildung der Sporen- 
entwicklung stets zeitlich voran und erfolgt in allen Theilen des Plasmakörpers 
gleichzeitig." 

Die Verfolgung der Entwicklung der Sporangien mit Rücksicht auf die 
Sporen- und Capillitiumanlage stösst insoferne auf gewisse Schwierigkeiten, als 
die im Verlaufe des Entwicklungsprocesses erscheinenden morphosischen Ver- 
änderungen sich in ungemein kurzen Zeiträumen abspielen und meist schon in 



236 



Chr. Lippert. 



sehr kurzer Zeit nach vollendeter Formirung des Sporangiums aus dem Plasmodium 
die ersten wesentlichen Veränderungen sich zeigen, welche bei ihrem weiteren Fort- 
schreiten gleich kurze Zeiträume einhalten. 

Meine Untersuchungen haben sich in dieser Beziehung auf Physarum 
cinereuvi Pers., Didymium microcarpum Rost, und Chondrioderma difforme Rost, 
erstreckt, und es war hierbei der Vorgang derart, dass ich vom Zeitpunkte der 
Formirung der Sporangien aus dem Plasmodium bis zu deren völliger Reife in 
Intervallen von circa zwei Stunden aus der Sporangiumanlage je ein oder zwei 
Exemplare entnommen und der Untersuchung unterzogen habe. 

Die Resultate , dieser Untersuchungen waren die folgenden : 

Physarum cinereum Fers. {Ph. plumbeum Fr.) var. ovoideum Srgg. 
(Auf Hasenkoth gezüchtet, welcher im December 1895 bei Esslingen an der Donau 
gesammelt worden war.) 

Das am 22. Februar um 6 Uhr Früh beobachtete baumförmige weissliche 
Plasmodium hat sich am Sub.strat verdichtet und die fortschreitende Bewegung 
sistirt, die noch vorhandenen baumförmigen Ausläufer ziehen sich in die Haupt- 
masse ein, am Rande und sonstigen Stellen des Plasmodiums entstehen dicke 
Anschwellungen, welche sich nach und nach zu Sporangien formiren; gegen 
10 Uhr erscheint die Formirung abgeschlossen, es haben sich 17 milchweisse, 
rundliche, gegen die Basis verjüngte, meist eiförmige Sporangiumansätze ge- 
bildet, welche genau die Grösse der reifen Sporangien haben und noch ganz 
weich, mit glatter glänzender Oberfläche und kaum etwas fester als das Pias-] 
modium sind. 

Das um 10 Uhr der Anlage entnommene Sporangium zeigt in Wasser unter 
das Deckglas gebracht eine gleichmässige mattweisse Körnchenmasse, welche noch 
ganz den Charakter des Plasmodiums besitzt. Durch den Druck des Deckglases 
wurden zahlreiche kreisrunde Partien aus der Plasmamasse herausgepresst, welche 
hyalin und mit äu.sserst feinen Körnchen angefüllt erscheinen, ähnlich den Pseudo- 
podien des Plasmodiums. Am Rande der Körnchenmasse haben sich die Körnchen i 
dichter grupjjirt, den Beginn der Peridienbildung andeutend (Taf. IV, Fig. 1). 

12 Uhr. Die Sporangien sind gelblichweiss, noch ganz weich; die 
Oberfläche derselben erscheint durch aufgelagerte Kalkkörnchen etwas rauh. 

In Wasser unter das Deckglas gebracht, zeigt sich bereits die Peridie 
als feine hyaline Membran, auf deren Aussenseite eine Schichte rundlichen 
Kalkkörner sichtbar ist, welche sich zum Theile im Wasser von der hyalinen! 
Peridie lo.slösen und zerstreuen. 

Die Au.sscheidung des Kalkes hat stattgefunden, derselbe hat sich ini 
viele vom Sporenplasma scharf abgegrenzte milchwei.sso Gruppen formirt,| 
an welchen keine bestimmte Wandung zu erkennen ist, sondern nur eine( 
dichtere randweise Aneinanderreihung der runden Kalkkörnchen. Diel 
Grupitirung dos Kalkes hat eine den künftigen ('apillitiumdrusen ähnliche! 
Form, einige dorM-lIx-ii zeigen kurze Ausstülpungen, welche aus dicht an- 
einander gereihten Kalkkürnchen bestehen. 



Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 



237 



Im Sporenplasma werden einzelne glänzend helle runde Körperchen 
constatirt, in deren Mitte ein dunkler Kern sichtbar ist (Taf. IV, Fig. 2), 

4 Uhr. Die Sporangien sind gelblichweiss, etwas fester; die Ober- 
fläche durch aufgelagerten Kalk ziemlich rauh. Die hyaline Peridie schärfer 
contourirt; die milchweissen Kalkknoten haben genau die Form der Kalk- 
drusen des Capillitiumnetzes, die einzelnen Knoten sind vielfältig durch 
weisse, kalkführende Stränge verbunden; die Aussenseite der Kalkknoten 
zeigt eine hyaline Membran. Im Sporenplasma haben sich die runden 
glänzenden Körperchen bedeutend vermehrt (Taf. IV, Fig. 3). 

6 Uhr. Sporangien gelblichweiss, Oberfläche rauh. Die milchweissen 
Kalkknoten sind von einem bräunlichen Sporenplasma umgeben. 

10 Uhr Nachts. Sporangien gelblichweiss, etwas härter, Ober- 
fläche durch ziemlich viel aufgelagerte Kalkkörnchen rauh. 

Das Capillitium nähert sich der vollständigen Ausbildung, das Röhren- 
netz ist erkennbar. Im Sporenplasma hat die Sporenbildung begonnen. 

23. Februar, 10 Uhr Morgens. Sporangien röthlich, ziemlich 
fest; die Oberfläche hat sich mit zahlreichen Gruppen von Kalkkörnern 
bedeckt, welche aus einem Conglomerat äusserst kleiner Körnchen bestehen. 

Das Sporenplasma hat sich in seiner ganzen Ausdehnung zu Sporen 
formirt; farblose runde, 15 — 21 (jl grosse Körper, mit dunklen Plasma- 
partien und dunklen polygonalen Körpern gefüllt, welche scharf umrandet 
sind. Die Sporen infolge der dichten Lagerung und des gegenseitigen 
Druckes polygonal. 

Capillitium bereits schön entwickelt (Taf. IV, Fig. 4). 

12 Uhr. Sporangien ins Eothbraune spielend, über und über mit 
Kalkkörnern bedeckt, so dass die Oberfläche bläulichgrau erscheint. 

Sporen schwach röthlich, mit feinkörnigem Plasma angefüllt, meist 
mit einigen dunklen, theils runden, theils polyedrischen Körpern. Die Grösse 
der Sporen variirt von 14—18^, meist polygonaler Form. 

Die die Kalkdrusen verbindenden Fäden als hyaline Röhren deut- 
lich sichtbar, ohne Kalkinhalt; das Capillitiumnetz ist vollständig ausge- 
bildet. Die Drusen sind theils mit runden, theils mit eckigen Kalkkörnern 
angefüllt (Taf. IV, Fig. 5). 

24. Februar, 10 Uhr Morgens. Sporangien schwarzbraun, Ober- 
fläche dicht mit Gruppen von Kalkkörnchen übersäet, so dass die Sporangien 
aschgrau erscheinen. 

Sporen braunviolett, 10—12^ gross. Das Sporangium ist reif. 
(Taf. IV, Fig. 6 und 6 a.) 

Die vollständige Reife des Sporangiums ist somit in einem Zeiträume von 
48 Stunden erfolgt. 

Die einzelnen Entwicklungsphasen verfolgend, finden wir hier die Bildung 
des Capillitiums jener der Sporen zeitlich ziemlich vorangehend, dagegen die Bil- 
dung der glänzenden Kernkörperchen zeitlich mit dem Beginne der Capillitium- 



238 



Chr. Lippert. 



bildung zusammenfallend. Zu seiner vollständigen Entwicklung hat das Capil- 
litium fast den doppelten Zeitraum als die Sporen benöthigt, welche erst nach 
fast 20 Stunden in ihrer eigentlichen Form auftreten, während die ersten Anfänge 
des Capillitiums schon sehr kurze Zeit nach der erfolgten Formvollendung des 
Sporangiums aus dem Plasmodium sich gezeigt haben. 

Fast unmittelbar nach der Formung des Sporangiums aus dem Plasmodium 
hat die Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma stattgefunden, der grösste 
Theil desselben wird in den Drusen des Capillitiums abgelagert, während der 
andere Theil sich an der Aussenfläche der Peridie absetzt. 

Unmittelbar nach der Formung des Sporangiums ist die Aussenfläche des- 
selben glatt und glänzend, mit einer dicken Schichte aufgelösten Kalkes über- 
zogen ; nach ganz kurzer Zeit scheidet sich der Kalk in Körnchenform aus und 
die Aussenfläche wird rauh und erscheint mit glänzenden, eckigen Körnchen- 
partien netzförmig überlagert; je weiter die Entwicklung des Sporangiums vor- , 
schreitet, desto dichter und massiger werden diese Ablagerungen, welche schliess- ' 
lieh als weisse Punkte oder krustenförmiger Ueberzug meist schon dem blossen 
Auge sichtbar sind. 

Der im Innern des Sporangiums zurückgebliebene Kalk füllt die Blasen des | 
Capillitiums aus. Im ersten Entwicklungsstadium werden diese Blasen oder Knoten 
von einer Aneinanderlagerung von Kalkkörnchen gebildet, welcher jegliche Spur 
einer Wandung mangelt, an den Rändern zeigt sich nur eine dichtere Aneinander- 
reihung dieser Körnchen, und erst in einem zwei Stunden älteren Stadium um- ! 
schliesst sie eine zarte, hyaline Membran, welche sich auch auf die feinen Fort- 
sätze ausdehnt ; im weiteren Verlaufe werden diese Fortsätze kalkfrei, wahrscheinlich 
zieht sich der Kalk in die Knoten zurück und es entstehen schlauch- oder röhren- 
förmige Gebilde, welche die einzelnen Knoten zum charakteristischen Capillitium- 
netz verbinden. 

Gleichzeitig mit der Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma, die 
auch der Beginn der Capillitiumbildung ist, findet die Bildung der Kernkörperchen 
statt, es zeigen sich dunkle, von einem hellen Plasmahofe umgebene Kerne, dies 
sind die ersten Anfänge der Sporenbildung; im jüngsten Entwicklungsstadium 
des Sporangiums treten diese Kerukörj)erchen nur vereinzelt auf, später werden 
dieselben zahlreicher und schliesslich wird das ganze Sporenplasma von ihnen 
angefüllt. Im weiteren Verlaufe wird der helle Plasmahof getrübt, er vergrössert 
sich durch Hinzutreten der freien Plasmapartien, bis sich schliesslich um jeden 
Kern eine der Grösse der Sporen entsprechende Plasmamasse angesammelt hat;; 
in diesem Stadium ist eine diese Sj»orengebilde umschliessende Membran nochi 
nicht zu erkennen, diese entwickelt sich jedoch rasch darnacli und mit ihrer Ent- 
sU'hung nehmen die Sporen eine mehr regtilmiissigere p()lyg()iiai(! Gestalt au. 

Im weiteren Verlaufe verdichtet sich die durch die Membran eingesclilossenei 
Pi.'ismaina.sKe, die polygonalen Körper werden kieiiKfr, bis sie schliesslich im Zoit- 
punkt^f der Reife sich zur Kugelgestalt umbihlen. In (]i(!sem letzten Entwicklungs-i 
Stadium tritt die Färbung der Sporen ein, vv(!l(;h(! im Beginne sehr blass uad| 
kaum bemerkbar int, aber rasch alle Nuancen durchmaclit, um scliliesslich bei 



Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 



239 



der charakteristischen dunklen Farbe anzulangen. Unaufgeklärt ist, in welcher Form 
dieser Farbstoff sich im Sporangium befunden hat. 

Ein ähnlicher Entwicklungsgang wurde bei Didymium microcarpum 
Rost, constatirt. (Wintercultur 1895/96 auf faulenden Blättern und Moos.) 

Kurz nach der Formirung des Sporangiums aus dem schmutzig grau- 
braunen Plasmodium ist auch die Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporen- 
plasma erfolgt, welcher sich in scharfkantigen Krjstallen auf der weissen Ober- 
fläche des Sporangiums abgelagert hat. 

Das Sporenplasma ist eine gleichmässige feinkörnige Masse mit einigen 
Kernkörperchen. Die Bildung des Capillitiums hat bereits begonnen, rings um 
die Columella sind kurze feine hyaline Fäden zu erkennen (Taf. IV, Fig. 7). 

Drei Stunden später hat sich das Sporangium gelblichweiss gefärbt und 
das Sporenplasma sich in seiner ganzen Ausdehnung zu Sporen von 8"5 — 10 ,a 
Grösse umgewandelt, welche der dichten Lagerung wegen meist polygonal er- 
scheinen; den Inhalt dieser bildet eine feinkörnige Masse mit helleren und 
dunkleren Punkten. Das Capillitium hat sich noch weiter entwickelt, die Fäden 
sind bedeutend länger geworden, aber noch durchaus glatt und farblos (Taf. IV, 
Fig. 8). Eine Stunde später hat sich das Sporangium roth gefärbt und nach 
weiteren zwei Stunden ist es schwärzlich mit weisslichgrauen Kalkablagerungen. 

Die Sporen sind röthlich, in Masse braunroth und 8 — 9'5 gross ; den 
Inhalt bildet eine äusserst feinkörnige Masse, in welcher sich vereinzelt hellere 
polygonale Partien zeigen. Die Capillitiumfäden sind ausgebildet mit den 
charakteristischen Knoten; das Capillitium ist schwach bräunlich gefärbt. 

26 Stunden nach der Formirung des Sporangiums aus dem Plasmodium 
ist dasselbe reif, die Sporen sind braunviolett und 7 — 9 ,a gross. 

Ebenfalls wie bei Physarum cinereum ist somit auch bei Didymium 
microcarpum die Capillitiumbildung der eigentlichen Sporenbildung zeitlich voran- 
gegangen. 

Dasselbe Resultat haben die mit Chondrioderma difforme Rost, durch- 
geführten Untersuchungen ergeben. 

Unmittelbar nach der Formirung des Sporangiums aus dem auffallender 
Weise gelben Plasmodium zeigte sich das Sporenplasma als feinkörnige Masse, 
in der sich um einzelne dunklere Kerne hellere Plasmapartien gebildet haben, 
welche die. Anfänge der Sporenbildung sind, während das Capillitium bereits in 
feinen hyalinen, ziemlich langen Fäden vorhanden ist. Nach zwei Stunden hat 
sich das Sporenplasma zu farblosen Sporen formirt, welche einen Durchmesser 
von 12 — 14 /u haben und infolge des gegenseitigen Druckes polygonal erscheinen; 
das Capillitum ist fast vollständig entwickelt, aber noch farblos. 

Zur völligen Reife hat das Sporangium 20 Stunden gebraucht, die violett- 
braunen Sporen haben einen Durchmesser von 10"5 — 12 /u. 

Auch hier geht die Bildung des Capillitiums jener der Sporen zeitlich 
voran, während die Entstehung der Kernkörperchen mit jener zusammenfällt. 
Bei allen Untersuchungen wurde das Capillitium fast vollständig entwickelt 
gefunden, bevor die Sporen in ihrer eigentlichen Grösse auftraten. Der Ent- 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 33 



240 



Chr. Lipper t. 



wicklungsgang desselben ist ein allmäliger; bei Didymium und Chondrioderma 
zeigen sich im jüngsten Stadium äusserst feine und zarte hyaline Fäden, welche 
kürzer sind als im ausgebildeten Zustande. Die ausserordentliche Zartheit dieser 
Organe lässt es allerdings nicht unmöglich erscheinen, dass bei der Anfertigung 
der Präparate die feinsten Gebilde zerstört und unsichtbar gemacht worden sind, 
aber meine durch mehrfache Controluntersuchungen bestärkte Anschauung geht j 
dahin, dass dies nicht der Fall ist, sondern dass das Capillitium nicht momentan 
in allen Theilen des Sporangiums angelegt wird, vielmehr dass bei der Bildung 
desselben ein gewisses Wachsthum stattfindet. Hiezu führt mich die Beobachtung, : 
dass nicht allein bezüglich der Länge der einzelnen Fäden, sondern auch in der 
Form derselben mit dem fortschreitenden Alter des in der Entwicklung be- 
griffenen Sporangiums Veränderungen eintreten und, wie bei Fhysarum con- 
statirt, erst ziemlich spät die die einzelnen Kalkblasen verbindenden Röhren j 
sich bilden. 

In derselben Weise wie sich die Sporen nach und nach aus den Kern- 
körperchen durch Hinzutreten von Plasmapartien zu Sporen entwickeln, entsteht \ 
das Capillitium durch Wachsthum in Länge und Form. i 

Ganz verschieden von dem Entwicklungsprocess der eben behandelten 
Gattungen gestaltet sich jener von Cribraria. ^ j 

Die sehr vereinzelt auf dem Substrat stehenden Sporangien einer der! 
Cribraria microcarpa Pers. sehr ähnlichen, aber stets mit Calyculus versehenen 
Art entwickeln sich aus einer glänzend schwarzen Protoplasmamasse, welche in 
Gestalt eines Tropfens plötzlich auf dem Substrat (faulendes Tannenholz) erscheint. 




f 




40 
1 



d 



e 



f 

7'' Morgens. 
10. Ai)ril. 



1 1 Na,chts, 



!). Ajirii. 



Fig. 0. Crihrnria nov. spec. 
Entwicklungsgang oincs Sporangiums nach den Buchstaben a—f. 



Beitrag zur Biologie der Myxomycetea. 



241 



Ohne vorherige Spur eines Plasmodiums, welches im Innern des Holzes zu leben 
scheint, zeigt sich auf der Oberfläche des Substrates, sowohl auf der Stirn- als 
Längsfaser derselben ein glänzend schwarzes Tröpfchen, welches mit breiter, 
flacher Basis demselben aufsitzt (Fig. 9 a). Dasselbe erhebt sich nach und nach 
und gestaltet sich zur Kugel, welche nach kurzer Zeit durch einen sich bildenden 
breiten kurzen schmutziggelben Stiel gehoben wird (Fig. 9 h, c), der Stiel ver- 
längert sich, wird dünner und nimmt die schwarze Sporangiumkugel mit in die 
Höhe (Fig. 9 d, e). Nach 18 — 20 Stunden hat der Stiel mit dem Sporangium die 
normale Höhe erreicht, letzteres ist glashell glänzend geworden mit röthlichem 
Schimmer und einigen schwarzen Netzknoten; das Netzwerk selbst, d. i. die 
Leisten desselben sind noch nicht erkennbar. Der Stiel ist gelbbraun, in der 
oberen Partie dunkel, seine Spitze dagegen hell, fast farblos. Der Rand des 
Calyculus ist schwarz (Fig. 9 f). Nach mehreren Stunden färbt sich das Sporan- 
gium braun und hat auch noch einigen Glanz, dann wird es im Verlaufe von 
24 Stunden dunkelbraun und verliert den Glanz gänzlich, um schliesslich nach 
einem gleich langen Zeiträume in die normale mattröthliche Farbe überzugehen, 
welche den Eeifezustand anzeigt. 

Der ganze Entwicklungsprocess bis zur vollständigen Reife hat sonach 
vier Tage benöthigt, denn nur im ersten Entwicklungsstadium ist das Wachs- 
thum ein ziemlich rasches, während, wenn das Sporangium die normale Höhe 
erreicht hat, der Reifeprocess langsamer von statten geht. Bei diesem Ent- 
wicklungsprocess ist der Farbenwechsel auffallend, welcher vom tiefsten Schwarz 
bis zur gänzlichen Farblosigkeit und dann von hellbraun bis in das Dunkelbraune 
variirt, um schliesslich definitiv in eine mattrothe Farbe überzugehen. 

Erklärung der Abbildungen. 

(Die neben den Figuren stehenden Zahlen bedeuten die Zeitabstände der Untersuchung, die gebrochenen 

Ziffern die Vergrösserung.) 

Tafel IV. 

JPhysarum cinereum Pers. rar. ovoideum Sacc. 

Fragment eines Längsschnittes durch ein Sporangium unmittelbar nach 
vollendeter Formung aus dem Plasmodium. 

Aehnlicher Schnitt durch ein zwei Stunden älteres Sporangium. Die 
Ausscheidung des Kalkes aus dem Sporenplasma hat sich bereits voll- 
zogen und die Bildung des Capillitiums begonnen. 
Schnitt durch ein sechs Stunden älteres Sporangium, die Bildung des 
Capillitiums ist im Fortschreiten, im Sporenplasma ist eine grosse Menge 
runder glänzender Körper sichtbar, den Beginn der Sporenbildung an- 
deutend. 

Fragment eines Schnittes durch ein 24 Stunden älteres Sporangium, 
die Bildung der Sporen ist bedeutend vorgeschritten, ebenso die Bildung 
des Capillitiums. 

33* 



242 



Chr. Lipper t. Beitrag zur Biologie der Myxomyceten. 



Fig. 5. Schnittfragment eines um 26 Stunden älteren Sporangiums. Die Sporen 
fangen an sich zu färben, das Capillitium ist vollständig entwickelt. 
„ 6. Fragment des Capillitiums mit einigen Sporen eines 48 Stunden alten, 

vollkommen ausgereiften Sporangiums. 
„ 6 a. Dasselbe bedeutend vergrössert. (Die obersten zwei Knoten und zwei 
Sporen sind in der Zeichnung vollständig ausgeführt.) 

Didymium microcarpmn ßost. 

Fig. 7. Fragment eines Schnittes durch ein Sporangium unmittelbar nach voll- 
endeter Formung aus dem Plasmodium. 
„ 8. Aehnlicher Schnitt durch ein drei Stunden älteres Sporangium. 



Bemerkungen über die männlichen Geschlechtsorgane 
von Gydops viridis und anderen Copepoden. 

Von 

Adolf Steuer. 

(Mit Tafel V.) 

(Eingelaufen am 2. Mai 189G.) 

Die im Vorjahre an Sapphirina ausgeführten Untersuchungen veranlassten 
mich, nun auch unsere Süsswassercopepoden auf ihre Sexualorgane zu unter- 
suchen, und ich hatte ursprünglich die Absicht, den Vorgang der Begattung: 
selbst genauer zu studiren. Dabei zeigte es sich, dass unser Wissen über die: 
männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane in manchen Punkten lückenhaft; 
ist. Leider nötbigteii mich anderweitige Arbeiten, meine diesbezüglichen Studien 
zu unterbrechen und ich sehe mich veranlasst, das Folgende unvollendet und 
liiekonhaft der Oeffeiitlichkeit zu übergeben. An pa.ss(!nder Stelle sollen auch 
halbjiarasitisehe C<)pej)uden, die ich bei meinem letzten Aufenthalte in Triest 
(1895) zu gleichem Zwecke; untersuchte, berücksichtigt werd(!n. 

Herr Prof. ü robben hatte die grosse Liebenswürdigkeit, mir trotz des 
liaummangcls in seinem Institute einen Arbeit s|)latz zu überlas.sen und ich sc^he 
iriieb veranlasst, ihm aus diesem (Jrunde und auch wegen der mir beim Zu- 
-^ainmensfelieii der Jiiteratur geleisteten Hilfe Ixi.stens zu d;mk(!n. Aus letzterem 
<»rundo bin ieli auch seinem AsKisteiiten Herrn Dr. W(.'rner, ferner Herrn i'on- 
•^«•rvator Dr. I'intn« r iiii'l Herrn Dr. Uebel vom k. k. Hofmuseum sehr ver- 
j.Hirhtet. 

Die (iesebl< flit.soigime der Copepoden sind in letzt.er Zeit, von 0. Schmoil 
(14) als lieHtirnrnungsinf-rknial verweinbit worden. Sclion Darwin hat auf die 




\nt*>r del 



Itfli^sl. V. Th . B aimvratfh "Wi en 



Bemerk, üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis u. anderen Copepoden. 243 



Bedeutung der Sexualorgane bei der Veränderung der Art hingewiesen und 
Romanes (13) führt ausführlich die verschiedenen Momente an, welche die 
Bastardirung verhindern sollen; er bringt auch die oft merklichen Unterschiede 
in den Geschlechtsorganen bei den einzelnen Speeles nicht ohne gewisse Be- 
rechtigung mit der dadurch bedingten Verhinderung steter Kreuzung in Zu- 
sammenhang. Wenngleich diese Erklärung anfänglich sehr plausibel scheint, 
dürfte sie doch nicht in den einzelnen Fällen genügen, und wir werden wohl als 
wichtigsten Factor eine Abneigung der verschiedenen Speeles (unbekannt aus 
welchem Grunde) als am sichersten wirkende Ursache der Verhinderung einer 
beständigen Vermischung einzelner Arten anzunehmen haben. ^) Dem wider- 
spricht nicht die Thatsache, dass wir unter den Copepoden bei jenen Arten, die 
eine aussergewöhnliche Begattungslust bekunden (vielleicht bei denen am meisten 
entwickelt, die viele Spermatophoren abzugeben haben und damit im Zusammen- 
hange ein langes vas deferens besitzen [Gruber (7)]), die Männchen sich gegen- 
seitig oder bereits befruchteten und mit Eiertrauben versehenen Weibchen, wie 
neuerdings wieder Voigt (17) berichtet, ihre Spermatophoren anhängen sehen. 
Ausserdem mag noch darauf hingewiesen werden, dass wie bei vielen anderen Thier- 
gruppen auch bei unseren Krebsen nicht nur die Leitungswege der Männchen und 
der Bau der Spermatophore, sondern die Samenkörper selbst sogar bei sehr nahe 
verwandten Gruppen merklich dilferiren. 

Schmeil zieht in seiner Arbeit nur die ßeceptacula der Weibchen als 
systematisches Merkmal zur Unterscheidung der Cyclops -krt^tii herbei. Auch die 
männlichen Genitalien und speciell die Spermatophore dürften in gleicher 
Weise verwerthbar sein, selbstverständlich bei Bestimmung von vollständig ent- 
wickelten Thieren, während zur Bestimmung der Jugendformen gerade die 
übrigen Merkmale der Speeles allein heranzuziehen sein werden. 

Durch die trefflichen Arbeiten von Ishikawa (10) und anderen Forschern 
sind wir über die Kerntheilungsvorgänge an den Geschlechtsdrüsen einiger Cope- 
poden recht gut informirt; dagegen basiren unsere Kenntnisse über die Bildung 
der Spermatophore, den Vorgang bei der Begattung und die Ablage der Eier 
immer noch auf der viel citirten Arbeit Gr über 's (7) und älterer Untersucher, 
und es wird darum unsere weitere Aufgabe sein, auch diese Frage der Lösung 
näher zu führen. Scheint es doch, dass die Verhältnisse weit einfacher liegen, 
als man bisher vermuthete. 

Eine ausführliche Beschreibung der Lagerung der Geschlechtsorgane, wie 
sie schon so oft gegeben wurde, darf hier füglich unterbleiben; die beigegebene 
Abbildung (Taf. V, Fig. 1) wird den Leser diesbezüglich genügend informiren. 

Ishikawa u. A. unterscheiden an den Geschlechtsdrüsen der von ihnen 
untersuchten Copepoden drei Abschnitte: Die Keimzone (the formative zone), die 
Wachsthumszone (the growing zone) und schliesslich die Reifezone (the zone of 
ripening). Ich möchte dazu noch bemerken, dass diese Abschnitte schon äusser- 



') Vergleiche Th. Garhowski, „Phyletische Deutung der iiYTio&iJw-Formen'*. Zoolog. Jahrb., 
Ahth. f. Syst., Geogr. u. Biol. d. Thiere, Bd. IX, 189G, S. 249, Z. 12 v. o. 



244 



Adolf Steuer. 



lieh am Hoden von Cyclops gut zu erkennen sind. Die Keimzone, durch ihren 
fein granulirt erscheinenden Inhalt vom zweiten Abschnitt deutlich abgegrenzt, 
ist vom letzten auch durch eine Einschnürung gesondert. Im zweiten Theile 
fallen die grossen Samenmutterzellen auf. Klarer noch als an diesem treten 
deutliche Auftreibungeu am folgenden, dritten Abschnitte zu Tage, der mit frisch 
gebildetem Samen dicht gefüllt, zwei weit dorsalwärts vorspringende Wülste bildet, 
von denen sich die vasa deferentia abzweigen. 

Die Dreitheilung des Hodens dürfte übrigens eine bei Copepoden all- 
gemein vorkommende Erscheinung sein, wie ja zu erwarten ist; auch bei dem 
marinen, an Äplysia vorkommenden Lichomolgus doridicola konnte ich sie 
beobachten. Hier war namentlich die Abgrenzung des zweiten mit den grossen, 
kugeligen Samenmutterzellen erfüllten Abschnittes vom dritten, der die fertigen, 
fadenförmigen Samen enthielt, sehr scharf ausgeprägt. Selbstverständlich sind 
diese Grenzen nur während der Portpflanzungszeit der Thiere zu beobachten; 
bei den im Winter untersuchten Süsswassercopepoden stellte der Hoden einen 
einfachen Zapfen dar. 

Es stehen nämlich die Entwicklung der Generationsorgane und die Be- 
gattung mit der Witterung in innigem Zusammenhange: während sich beim 
Beginne meiner Untersuchungen im October die Cjclopiden noch zuweilen 
paarten, bewirkten die ersten kalten Tage des Spätherbstes eine sofortige 
Sistirung aller Fortpflanzungsgeschäfte; selbst die schon fertigen Spermatophoren 
wurden nicht mehr abgegeben und dürften wohl den ganzen Winter über bei 
Aquarienthieren im männlichen Genitale verbleiben oder wieder rückgebildet 
werden, was indessen wenig wahrscheinlich ist. Es schien mir nämlich bei den 
im Winter untersuchten Exemplaren der Inhalt der Spermatophoren in manchen 
Fällen etwas gequollen. 

Wie schon früher erwähnt, führen bei Cyclops von den beiden aufge- 
triebenen Enden des Hodens die beiden vasa deferentia nach abwärts. Oft ver- 
laufen sie dann an der ventralen Seite desselben, zumal wenn der Hoden in derl 
Brunst mächtig aufgetrieben ist. Dieser Umstand mag Wierzejski (19) ver-l 
aolasst habeu, bei dem von ihm untersuchten Lichomolgus sepicola Cls. den 
Abgang des Ausführungsganges an das caudale Ende des Hodens zu verlegen. 
Obgleich mein Material von Lichomolgus wenig gut cihalten war, ist doch au 
der Unrichtigkeit der von Wierzejski gegebenen Abbildung kaum zu zweifeln, 
denn die Reihenfolge der Zonen im Hoden steht in voller Uebereinstimmung 
mit Cyclops, indem die grossen Samenmuttorzellen caudal, das reife Sperma 
dagegen cranial liegen. Icli konnte mich aber auch direct davon überzeugen, dass 
die vasa deferentia wie bei (Jyclops vom cranialen Kiide des Hodens abgolien und 
im Bogf'H lateral nach abwärts zur Geschlechtsöll'nung führen. Die Undurcb- 
siditigkeit des Panzers erschwert die Untersuchung ung(!mein und lässt eim n 
Fc-hler bei der Untersuchung leicht ein.scilien. Auch in einem anderen Theile i i 
WierzejRki's Zeichnung unvollständig, wenngleich sicli im Text (;ine An 
deutung dcH wahren Sacbvcrhalles vorfindet. Bei JAchomolgus erweitert si< h 
niiinlirh das va« deferenn ungefähr in der Mitte und enthält daselbst eine mt ln 



Bemerk, üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis u. anderen Copepoden. 245 



oder weniger unreife Spermatophore ; dieser Theil des vas deferens ist dem in 
meiner letzten Arbeit (15) als Spermatophorenanlage bezeichneten identisch, doch 
macht derselbe bei Lichomolgus den Eindruck grösserer Abgeschlossenheit und 
Vollkommenheit. Die Untersuchungen an Cyclops veranlassten mich, die wenigen 
und nicht sehr gut in Formalin erhaltenen Exemplare einer in Triest an Sepia 
gefundenen und olfenbar mit der oben erwähnten identischen Lichomolgus-Yorm 
mit Hämatoxjlin zu färben und zu untersuchen. Bei erwachsenen Männchen 
war der erste Theil des vas deferens fast nicht zu sehen, während bei Jugend- 
formen in Folge des schon bei Sapphirina erwähnten reicheren Zellenbelages 
sein Verlauf deutlich zu verfolgen war. An Thieren des fünften Stadiums war 
auch schon die Stelle der späteren „Spermatophorenanlage" durch eine merkliche 
Abknickung und kugelförmige, dunkel gefärbte Auftreibung gut zu erkennen 
(Taf. V, Fig. 1 Sa). Leider machte mir es die schlechte Erhaltung meines 
Materiales unmöglich, festzustellen, ob der Hoden von Lichomolgus sepicola vom 
Verfasser richtig gezeichnet und beschrieben wurde. Ich zeichnete ihn auf der 
beigegebenen Tafel (Taf. V, Fig. 1) V-förmig, wie bei Sapphirina, also als un- 
paares Organ. 

Claus gibt in seinen „Beiträgen zur Kenntniss der Schmarotzerkrebse" 
(1864) den Hoden von Caligus pectoralis als paarig an, desgleichen Rob. Hart- 
mann (8) bei dem von ihm untersuchten Bomolochiis Belones. Auch in der 
alten Leydig'schen Arbeit (12) wird für jDoridicola agilis ein paariger Hoden 
a,ngenommen, desgleichen von Deila Valle (16) in seiner 1880 erschienenen 
Arbeit in Bezug auf Lichomolgus Sarsii Clep. und Anthesius Solecurti D. V. 

Voigt (17) endlich hält in seiner 1892 erschienenen Abhandlung den 
Boden von Synapticola teres wohl für paarig, fügt aber sofort folgenden Satz 
hinzu: „. . . . und zeigen (die Hoden) insoferne ein eigenthümliches Verhalten, 
üs sie nur am äussersten Ende hinten durch einen kurzen Canal miteinander 
\7erwachsen sind". Dieser Zusatz widerspricht offenbar der Behauptung, dass der 
Hoden paarig sei; denn unter dem „kurzen Canal" haben wir uns sicher nicht etwa 
eine bindegewebige Brücke vorzustellen, sondern einfach die quer ausgezogene un- 
paare Keimzone. Es ist also kein Grund vorhanden, hier einen paarigen Hoden 
anzunehmen, wir lernen nur daraus, dass alle Uebergänge möglich sind und der 
Hoden sich vielleicht durch einen bei der Präparation eingetretenen Riss mit- 
unter leicht in zwei Theile theilt. Aus dem Umstände, dass die citirten früheren 
(Jntersucher fast ausnahmslos von einer Duplicität des Hodens der Schmarotzer- 
krebse sprechen, wäre auf ein gleiches Verhalten bei dem von mir in Triest auf 
Se2na gefundenen Lichomolgiden zu schliessen. Auch konnte ich bei den er- 
wachsenen Männchen mehr oder weniger deutlich die beiden getrennten Keim- 
Schläuche erkennen. Indessen möchte ich doch noch diese Frage mit Rücksicht 
luf die Bilder, die mir die Cyclopidstadien (V. Stadium) darboten (Taf. V, Fig. 1), 
jffen lassen. Eine Variabilität des Organes bei den einzelnen Individuen oder als 
zweite Möglichkeit eine Theilung des Hodens bei der letzten Häutung anzu- 
lehmen, wäre gewiss sehr gewagt. Sicherlich dürfte es bei reichem Materiale 
licht schwer sein, den wahren Sachverhalt aufzufinden, wenn auch, wie schon 



246 



Adolf Steuer. 



Deila Valle bekennt, die Präparationsmethoden nicht immer den gewünschte! 
Erfolg haben. 

Claus (2) beschreibt in seinen „Freilebenden Copepoden" einen Drüsen 
schlauch am vas deferens von Cyclops, dem die Bedeutung zufallen sollte, di 
peripherischen Partien der Spermatophore zu bilden und als „Austreibemasse 
zu dienen. 

Grub er (7) wies später nach, dass dieser Drüsenschlauch eine Schling 
ist, die das vas deferens kurz nach seinem Austritte aus dem Hoden beschreibt 
Da das fragliche Organ bei flüchtiger Betrachtung thatsächlich das Aussehe] 
eines Schlauches hat und sich die alte, unrichtige Auffassung noch in eine 
neueren systematischen Arbeit (Vosseller, 18) findet, schien es mir nicht gan 
zwecklos, nochmals diese Partie des männlichen Geschlechtsapparates mit Hilfe de 
neuen Methoden (Färbung und Schnittserien) zu untersuchen. Ich kann nun di 
Kichtigkeit der Gruber 'sehen Angaben vollkommen bestätigen (Taf. V, Fig. 2] 
Der nach abwärts führende Schlauch ist bedeutend dicker als der nach aufwärt 
führende. Die Grösse seiner Zellen und ihrer Kerne lassen auf eine secretorisch 
Thätigkeit schliessen. Das Lumen der Schläuche ist so eng, dass nur wenige] 
Samenkörnern, meist nur einem oder zweien gleichzeitig der Durchgang gestatte 
wird, die Verwachsung der beiden Schläuche eine vollkommene und eine Trennuuj 
derselben unmöglich (Taf. V, Fig. 3). 

Die Entstehung der Schlinge lässt sich an den im V. Cyclopid-Stadiun 
befindlichen Thieren leicht verfolgen. Das vas deferens ist in diesem Stadiun 
mit Ausnahme des untersten Theiles, der später die Spermatophore birgt um 
ausgeweitet ist, ziemlich gleichmässig dick und in der Wandung sind gleicl 
grosse Kerne in regelmässiger Vertheilung zu erkennen. Nur an der Ursprung 
stelle der späteren Schlinge ist das vas deferens merklich verdickt und etwa 
nach innen gebogen (Taf. V, Fig. 4). Die Bildung der Schlinge haben wir im 
durch ungleichmässiges Wachsthum der in der Figur mit x bezeichneten Parti 
zu erklären. Bei den verschiedenen Arten von Cyclops finden sich solche Zwischen 
stufen zeitlebens erhalten und das eben beschriebene Jugendstadium von Cyclop 
viridis würde uns die ursprünglichsten Verhältnisse zeigen. Dieven Gruber (7 
gezeichnete Form Cyclops brevicaudatus aus dem Bodensee zeigt die beide) 
Schenkel noch winkelförmig von einander abstehend, während bei Cyclops hrevi 
cornis nach Hartog*) die beiden Schläuche schon ziemlich genähert erscheine« 



•) Wie «choD au« seinen AhbilduuRon zu ersehen ist, nimmt llartog sieben Thoraxsogmcnt 
nod vier Abdominubonmonto an und in dorn Capitcl „SeRuiontation of IJody and Ai)pondapo,s, an 
Voluntary. Muhcular Hyht<!m" (p. 1) Kuclit er die Iliclitigkcit seiner Ansicht diesbezüglich mit folRond( 
Remcrkung zu bewr-iKon : ,Ilut the first has in both sexns a pair «f appendages, reduccd it is trui 
to the condition of genital valves, and Hbould, therofore he ascribod to the thorax, if wo wish ( 
be coONiNtent in our nonienclaiure of tlie (Irustacoa; and I shall accordingly rcgard tliis as the lai' 
or nixih thoriKjic Hognient." .Schon in (!.''.) kam ich auf die S(!gtneiitfrage zu sprechen (s. H. 14! 
Die ton Hartog angrjführten Argument«; diirften kaum stichliilltig sein, <hi ja die Thatsache fori 
Hcbreitender Ueduction der GliedmanHen aligemein bekannt ist. Illeiben wir also liel»er, wenn mo 
•ehon »nf ein*» Abgrenzung in Thorax und Abdomen ein po grosHO« Gewicht legt, bei der alt^ 
Cl«a«'»cb«n LiothoiluDg! 



Bemerk, nh. d. uiännl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis u. anderen Copepoden. 



bei dem reifen Cydops viridis endlich eine vollständige Vei waclisung derselben 
stattgefunden hat. Hartog nennt diesen Theil des vas deferens Epididymis; 
für die Einführung dieser neuen Bezeichnung ist kaum genügend Grund vor- 
handen, da die Gruber 'sehe Benennung „Schlinge" vollkommend passend ist. 

Wie schon früher erwähnt, ist der Zellenbelag des vas deferens noch im 
V. Stadium fast vollkommen gleichartig. Während der Eeife aber dehnt sich der 
untere Theil desselben aus. die Wand wird dünner, die Kerne erscheinen spärlicher 
und im Querschnitt plattgedrückt. Im Lumen hat sich eine homogene, glänzende 
Masse ausgeschieden, die spätere Umhüllung der Spermatophore, und innerhalb 
derselben sehen wir Samenkörper in grosser Zahl, daneben aber auch grössere, 
mit Hämatoxylin heller als das Sperma gefärbte Kügelchen. Als Menstrum 
des Samens endlich ist eine helle Flüssigkeit anzusehen, von der wir annehmen 
müssen, dass sie schon im Hoden abgeschieden wird (Taf. V, Fig. 5, S). 

Gehen wir nun zur Besprechung des letzten Theiles des vas deferens über, 
dem Hartog die Bezeichnung vesicula seminalis beigelegt hat. Die Höhle des- 
selben ist, wie er angibt, mit Chitin ausgekleidet. Wie man sich leicht an 
Kalilaugepräparaten oder an Querschnitten überzeugen kann, ist das nicht 
richtig, wenngleich sich in der Medianlinie des Genitalsegmentes eine Ein- 
kerbung des Hautpanzers vorfindet, die bei Lichomolgiden, von denen Voigt 
(17) angibt, dass sie eine unpaare Geschlechtsöflnung besitzen, weit weniger aus- 
geprägt ist. Es dürfte auch noch fraglich sein, ob thatsächlich bei Lichomolgiden 
die Spermatophoren „mit ihren Stielen zusammenhängen", wie Voigt angibt; 
sicherlich ist das nicht immer in der exacten Weise der Fall, wie bei SabelU- 
pTiilus Sarsii Clap., wo mir freilich die Bildung und Entlehnung dieses Spermato- 
phorenzwilliugs aus dem vas deferens vorläufig unerklärlich ist. 

Was endlich die Spermatophoren selbst und ihre Entstehungsweise anbe- 
langt, so stellte ich mir die Aufgabe, die Herkunft der einzelnen Secrete, aus 
denen sie gebildet werden, festzus.tellen und die Bildung der Spermatophore am 
lebenden Thiere zu beobachten. Leider hatte ich infolge der Ungunst der 
Witterung im heurigen Frühjahre nicht die gewünschten Erfolge, obwohl ich 
ausgewachsene Thiere und solche im V. Stadium isolirte, erstere zum Zwecke der 
Paarung mit Weibchen vereinigt, in Uhrschälchen hielt und durch viele Wochen 
hindurch täglich mehrere Male unter das Mikroskop nahm. 

Schon in Triest versuchte ich mit Schmarotzerkrebsen die gleiche Aufgabe 
zu lösen, hatte aber auch hier mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die wohl Keinem 
erspart bleiben, der sich nicht damit begnügen will, aus kunstvoll gefärbten 
Schnittserien allein biologische Fragen zu lösen. So waren erstens die Männchen 
durchwegs seltener als die Weibchen, und von dem sehr interessanten Sabelli- 
philus Sarsii, von dem schon Deila Valle sagt: „Sventuramente i maschi del 
Copepodo in questione sono abastanza scarsi", fand ich nur ein Männchen, und 
obwohl ich in den folgenden Tagen wohl Hunderte von Spirograplm durch- 
musterte, konnte ich auch nicht mehr ein zweites erlangen. Andere Copepoden- 
arten wieder strebten am Glase über den Wasserspiegel empor zu klettern und 
vertrockneten dort ; endlich musste ich die Wahrnehmung machen, dass die Fort- 

Z. B. Ges. Bd. XLYI. 34 



248 



Adolf Steuer. 



pflanzungsgeschäfte zumeist in der Nacht, wahrscheinlich nach Mitternacht, 
hesorgt werden und sehr rasch vor sich gehen. Dass die Begattung wegen der 
Geschwindigkeit, mit der sie ausgeführt wird, noch immer nicht genauer studirt 
wurde und darum nothwendiger Weise beständig die alten Beobachtungen citirt 
werden, ist bekannt. Aber auch die Bildung der Spermatophore dürfte inner- 
halb weniger Stunden stattfinden und ebenso die Bildung der Eiertrauben in 
kurzer Zeit erfolgen; und zwar konnte ich feststellen, dass ein späteres Nach- 
füllen der letzteren, sowie eine erneuerte Bildung, falls eine losgerissen wird, 
niemals (bei LicJiomolgus doridicola) stattfindet, selbst wenn noch im Oviduct 
genügend Eier vorhanden sein sollten. 

Betrachten wir nun die einzelnen Elemente, aus denen die Spermatophore 
von Cyclops viridis aufgebaut ist. Das vas deferens (Taf. V, Fig. 6, vd) hat auch 
im Genitalsegment die bekannte Zusammensetzung aus Zellen, die sich beim 
Püllen des Schlauches mit der umfangreichen Spermatophorenkapsel dehnen 
und daher dünn und langestreckt werden, während die Kerne plattgedrückt 
erscheinen. Es fiel mir bei Lichomolgus auf, dass, während bei den Thieren 
im V. Cyclopidstadium das vas deferens sich auch im zweiten Abschnitte sehr 
gut färbte, im reifen Thiere diese Partien vollkommen ungefärbt blieben, ein 
glänzend chitiniges Aussehen besassen und in ihrem Verlaufe daher schwer zu 
verfolgen waren. Diese Erscheinung haben wir auf eine Degeneration des Zellen- 
belages zurückzuführen und schliessen aus dieser Degeneration, dass einerseits 
die Zellen selbst bei dem Aufbau der Spermatophorenhülle thätig waren, anderer- 
seits können wir als wahrscheinlich annehmen, dass eine grosse Anzahl von 
Spermatophoren kaum erzeugt werden dürfte, da nur an der oberen Grenze der 
Spermatophorenanlage eine Verjüngung und Neubildung der Hüllsubstanz und 
damit der Spermatophoren selbst stattfinden kann. 

Dieser die Spermatophore einschliessende Sack, also der letzte Abschnitt 
des vas deferens, ist auch, wie die Abbildung zeigt, bei Cyclops deutlich zu sehen, 
und es fallen uns dabei auf der der Medianlinie und der Ventralseile zugekebrten 
Seite die sehr grossen Zellkerne auf (Kd). Ihre Zellen secerniren offenbar 
jene mit Hämatoxylin sich schön dunkelblau färbende, auf Schnitten homogen 
erscheinende Masse, die in ihrer Ausbreitung sich immer eng dem Ausbreitungs- 
bezirk dieser grosskernigen Zellen anschliesst und die Zusammengehöiigkeit 
beider Gebilde erweist. Wir haben es hier mit jener Wucherung des vas deferens 
zu thun, welche frühere Autoren allgemein als „Kittdrüse" bezeichneten und von 
der sie wohl mit Keehl annahmen, dass sie die Bedeutung habe, das Secret zur 
AnheftuDg der Spermatophore aji die weibliche GenitaJoduung zu liefei'U. Wie 
jedoch hereils aus der Abbildung ersichtlich ist, dürfen wir bei wenigstens 
durchaus nicht von einer Kitldriise sjjrechen, da, wir nur olnc Summe gross- 
kerniger, neheneinandi-r liegender, secernirender Zellen vor uns huhcu, welche i 
Kich nicht als gesonderte (;el»ildc ahgrenzen. Hei anderen Fornuin freilich, so 
z. B. hei LirhomolffUH doridicola. ist jener Theil des vas deferens gewaltig auf- 
gfftrifhen und nuinenflich hei Exemplaren mit kleinen SpermatophonfU deutlich 
zu »ehen. Hier mag der Name „Kittdrüse" eher seine ]{erech1igung haben. 



Bemerk, üt. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis u. anderen Copepoden. 249 



Die eigentliche Hüllmasse {Tim) der Samenkörper ist eine fast gar nicht 
färbbare, glänzende Substanz, die wir schon als dünneren Wandbeleg im zweiten 
Abschnitte des vas deferens fanden und die auch den dünnen Stiel der Spermato- 
phore bildet. Wieso es kommt, dass bei dem Ausstossen der Spermatophore der 
Stiel immer in einer bestimmten Entfernung von der Spermatophore abreisst, in 
welcher Weise der Austritt des Spermatophorenzwillings bei Sabelliphilus Sarsii 
möglich ist und vieles Andere ist uns vorläufig unverständlich. 

Was die weiteren Elemente der Spermatophore anlangt, so sagt hierüber 
Hartog: 

The Contents of the spermatophore are of three kinds: 

1. A substance in which the spermatozoa are apparentlv unbedded, which 
swells up in water, becoming at the same time richly vacuolated. Ich habe dem 
beizufügen, dass diese Substanz sich mit Hämatoxylin schwach blau färbt und 
infolge der Präparation sich contrahirte und dadurch, wie die Abbildung zeigt, 
ein zartes Netzwerk bildet, in dessen Lücken die Samen einzeln lagern, über die 
unser Autor unter 

2. berichtet: The ordinary spermatozoa, rod-like bodies, slightly wavy, 
not readily stained, but in water swelling up into disks, which show a refractile 
streak, staining in watery logwood dye. Bei Cyclops viridis färbte sich der 
Samen tief dunkelviolett und war dadurch von den unter 3. angeführten Ele- 
menten gut zu unterscheiden. Die Spermatozoen zeigten eine concentrische 
Lagerung und waren im Innern im Allgemeinen spärlicher als an der Peripherie, 
was beides in der Art der Füllung der Spermatophore seine Erklärung findet. 

Sehr interessant sind die Samen von Lichomolgus doriclicola (Taf. V, 
Fig. 7, S), die ich in ihrer Entwicklung in Triest zu beobachten Gelegenheit 
hatte. Aus den ursprünglich kugeligen unreifen Samenzellen wachsen an zwei 
gegenüber liegenden Polen zarte Fäden aus, der eine meist stärker und dicker 
als der andere, die mit einander später einen Winkel einschliessen, was dem 
Ganzen das Aussehen eines Zirkels gibt. Schon Leydig (12) beschreibt als 
Inhalt der „accessorischen Geschlechtsdrüse" fettähnlich glänzende, rundliche 
oder spitz ausgezogene Kügelchen, und neuerdings entdeckte sie Deila Valle 
bei SahellipTiilus Sarsii und sagt darüber: „In quanto allo sperma, notero come 
la forma degli elimenti spermatici siä quella di due filamenti o flagelli di diversa 
lunghezza, uniti insieme per mezzo in un corpicciulo sferico. Questi filamenti, 
cacciati fuori dagli spermatophori per mezzo della pressioni si muovono assai 
lentamente", und scheint sie für reifen Samen anzusehen. Es dürften aber auch 
hier wie bei Lichomolgus doridicola diese Gebilde zu langen Fäden auswachsen, 
die erst die reifen Samenelemente repräsentiren. 

Ganz ähnliche Gebilde fand schon Kölliker (11) bei CJifhamahis und 
berichtet hierüber: „. . . . man wird sehen, wie die Samenfäden mit einer 
Anschwellung in der Mitte nach zwei Seiten auswachsender Zellen entstehen." 
Und in den sehr interessanten Untersuchungen der beiden Ballowitz (1) finden 
wir in der letzten Arbeit „Zur Kenntniss der Samenkörper der Arthropoden" 
folgende Beschreibung der Samenfäden von Baianus: „In einiger Entfernung 

34* 



250 



Adolf Steuer. 



von der vorderen Spitze sitzt dem Faden ein halbmondförmig gebogener, fein- 
körniger Körper von eigentliümlicli mattem Glänze an. Der Samenfaden zieht 
au diesem Körper, mit demselben verbunden, an dessen concavem Rande vor- 
über, wie sich sehr genau feststellen lässt. Das Vorkommen dieses Körpers ist 

nicht ganz eonstant, er kann auch fehlen, z. B, bei Lepas anatifera 

Wenn man nun aber nach dem Kopfe des Spermatosoms sucht, so ergibt sich 
das höchst merkwürdige Kesultat, dass ein Kopf als distinctes Gebilde sich weder 
an den Spermatozoen von Baianus, noch an denen von Lepas nachweisen lässt." 
Bei der nahen Verwandtschaft der Copepoden und Cirripedien schien mir dieser 
kurze Hinweis auf die Aehnlichkeit der Form der Samenfäden in diesen beiden 
Thiergruppen nicht überflüssig. 

Noch will ich erwähnen, dass ich bei Lichomolgus doridicola eonstant 
kleine, sehr bewegliche Körperchen in den Geschlechtsgängen fand, und zwar 
sowohl beim Männchen, als auch in grosser Zahl in der Vulva und in dem un- 
paaren Blindsack des Receptaculums beim Weibchen — offenbar Bacterien (&); als 
solche sind wohl auch die „sehr feinen Körnchen" anzusprechen, die Wierzejski 
(19) im Samenbehälter von Penella varians auffielen; auch die von diesem 
Forscher beschriebenen „stäbchenförmigen oder vielmehr spindelförmigen undi 
rhombischen Elemente" glaube ich im Genitale von Lichomolgus doridicola 
wiedergefunden zu haben (Taf. V, Fig. 7, spe). Beide Elemente sind im Blindsack 
des Weibchens zu finden und bilden dort jene dunkle Masse, die in dünneren 
Schichten gelb, bei ganz plattgedrückten Präparaten sogar weiss und glänzend 
erscheint. An Quetschpräparaten sieht man dann eine fettglänzende, vielfach 
zerklüftete Masse, gebildet aus den gequollenen, zusammengebackenen, spindel- 
förmigen Körpern, die in ihrem Inneren zahlreiche Vacuolen enthalten. Ich habe 
mich vergeblich bemüht, die Entstehung dieser sonderbaren Gebilde aus irgend 
einem Theile der Samengäuge nachzuweisen und glaube daher, sie ihrem Ur- 
sprünge nach auf den Hoden zurückzuführen. Auch Herr Hofrath Claus, dem 
ich seinerzeit ein Quetschpräparat demonstrirte, äusserte sich in diesem Sinne. 

Zur Be.schreibung der Spermatophorenelemente von Cyclops viridis zu- 
rückkehrend erübrigt uns noch, den dritten Punkt in der Hartog'schen Arbeit 
kurz anzuführen: 

3. Rounded bodies, which in water swell up, .showing a. clear spacc round 
a nucleus, distinctly reticulated (after staining with logwood). In the mature 
spermatophore these baRs, at first mixed with the spermatozoa, become con- 
centrated (by migrationV) into a layer lining the wall, and by their swelling 
contribute to, if fhey do not effect, the expulsion of tho spermatozoa into the 
spermatheca. 

Ich konnte diese Körpci-cilicn als bla,ssbla.u gdlilrbto Kügol(;li(!ii in der 
Spcrniatophorenanlage und in g«'ringer Zahl auch in der Sperma.to])hore nach-; 
weinen (Taf. V, Fig. 5, (>, K). Dio Deutung dieser Gel)ildü maclit grosse Scliwierig-; 
keiten. Anfan^H (glaubte ich sie jnit den sogenannlen Ersatzzellon (Uw Hoden 
in Verbindung bringen zu können. (Audi die Crülier «rwiihnteu rlionihischenj 
vacuoleuhaliit,'»'n K<">rperchen von I AchmnoUjus würden dann vielleicht hieher zui 



Bemerk, üb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis u. anderen Copepoden. 251 



zählen sein.) Ferner dachte ich auch an ihren muthmasslichen Zusammenhang 
mit den Zellkernen der „Schlinge" (Hartog); allein diese und auch die Hoden- 
elemente färben sich intensiver und es scheint mir auch das Lumen der Schlinge 
bei Cyclops viridis viel zu klein, als dass es diesen Gebilden freien Durchlass 
gestatten würde. Da schliesslich die Wandung des unteren Theiles des vas 
deferens schon von der Spermatophorenhülle belegt ist, so bliebe nur das kurze, 
darüber gelegene Stück als Ursprungsstätte dieser Kügelchen übrig. 

Ein sehr beachtenswerthes Gebilde in der Spermatophore ist endlich eine, 
mit Hämatoxylin sich tief dunkelblau färbende, grosse Kugel an der cranialen 
Mündungsstelle derselben (Taf. V, Fig. 6, spp). Das infolge gleicher Färbbarkeit 
ähnliche Aussehen und die Nähe verleiteten mich, diese Secretkugel mit dem 
früher besprochenen Secret der „Kittdrüse" in Verbindung zu bringen; indessen 
war es mir nicht möglich, eine Verbindung zwischen ihnen aufzufinden. Die 
Verschiedenheit in der Färbung macht eine Identification mit der unter 1. an- 
gegebenen Masse unmöglich, denn wenn wir auch die intensive Färbung auf den 
vermehrten Druck dieses zuletzt eintretenden Secretes zurückführen wollten, so 
bliebe doch die Thatsache zu bedenken, dass beide Massen ziemlich unvermittelt 
in einander übergehen und namentlich am lebenden Thier schon durch den 
Glanz des „Spermatophorenpfropfens" deutlich von einander geschieden sind. 
Sollte nicht vielleicht ein Zusammenhang mit den schon früher beschriebenen 
(Taf. V, Fig. 5, 6, K) blassen Kügelchen bestehen? In diesem Falle würde nur 
noch klarzulegen sein, warum nach Füllung der Spermatophore mit Samen 
gerade dann diese Kügelchen in so dichten Massen nachrücken und unter 
einander verbackend (durch Druck?) diese Kugel bilden. 

Ueberdies ist ein solcher Verschluss durch diesen Spermatophorenpfropf, 
wie wir ihn nennen wollen, durchaus keine seltene Erscheinung, wenngleich die 
Beschreibungen der Autoren nicht immer mit den von ihnen gegebenen Zeich- 
nungen in Einklang stehen, was indessen darin seinen Grund haben kann, weil 
die meisten Untersucher auf die feinere Untersuchung der Spermatophore zumeist 
wenig Sorgfalt verwendeten und nicht immer lebendes Material untersuchten. 
Hartog deutet auf seiner diesbezüglichen Abbildung den Spermatophorenpfropf 
nur flüchtig an und Deila Va 11 e nennt diese oberste Partie der Spermatophore 
Sperma, die caudalwärts liegenden Theile: materia glutinosa und materia di 
espulsione. Ich hatte, wie schon erwähnt, leider nur ein Männchen von Sdbelli- 
philus (es dürfte wohl die Speeles Sarsii gewesen sein) zu untersuchen Gelegen- 
heit, doch schien mir die Spermatophore in Vielem von der von Deila Valle 
gegebenen Abbildung verschieden zu sein. In dem von Deila Valle mit sp 
(Sperma) bezeichneten Theil sah ich mehrere grosse Kugeln, während das 
Sperma, wie mir scheint, eine excentrische Lage hatte. Die Existenz einer 
„materia di espulsione", der sogenannte Austreibestoff älterer Autoren, ist wohl 
noch bei vielen Formen wenigstens in seiner Function ein sehr fragliches Ding. 
Wenn meine Deutung, die ich allerdings nur mit grösster Vorsicht aufzunehmen 
bitte, richtig sein sollte, dann würde der Spermapfropf bei Sahelliphilus Sarsii 
ein ursprünglicheres Stadium vorstellen, in dem die einzelnen Elemente des 



252 



Adolf Steuer. 



Pfropfes noch in Form einiger Kugeln gesondert sind, die erst bei anderen Copepoden 
{Cyclops z. B.) zu einer homogenen Masse verschmelzen. Deila Valle's Zeichnung 
macht den Eindruck, als wäre sie nicht nach einem lebenden Thiere angefertigt. 

Auch die Zeichnung von Voigt (17) zeigt einen ähnlichen Pfropf und im 
Text heisst es: „Von den drei Bestandtheilen des Inhalts der Spermatophoren 
waren Samenmasse und Kittstolf infolge der mangelhaften Conservirung nicht 
mehr zu unterscheiden, sondern bildeten zusammen eine 0"06mm lange und 
0'03 mm breite, scharf contourirte, birnförmige Masse. Der hintere Theil der 
Spermatophore ist mit dem Austreibestoff erfüllt, welcher den birnförmigen 
Körper bis zur Hälfte umhüllt." Sollte hier nicht auch der Austreibestoff that-, 
sächlich der Samen sein? 

Volle Klärung dürften erst sorgfältige Beobachtungen der Thiere im letzten 
Häutungsstadium bringen. Wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse konnte 
ich nur zweimal, am Anfang dieser Untersuchungen (Herbst 1895) und in den 
ersten warmen Tagen des heurigen Frühjahres an zwei Thieren die Anfangs- 
stadien der Spermatophorenbildung verfolgen. Es ergoss sich in den schon früher 
ausführlich beschriebenen letzten Abschnitt des vas deferens (Taf. V, Fig. 8, vd), 
der an der medianen, ventralen Seite noch kaum eine Andeutung der „Kittdrüse" 
erkennen liess, ein gelblicher, intensiv glänzender Tropfen, der den Schlauch zur 
Hälfte ausfüllte und durch seinen Glanz die Contouren des Schlauches so in 
Schatten stellte, dass ich anfangs eine Schrumpfung des ganzen Theiles annahm 
und bei dem ersten, im Herbst untersuchten Thiere das Gebilde für eine un- 
vollkommene, verkümmerte Spermatophore hielt. 

Dieser dicke, glänzende Tropfen ist ohne Zweifel das Material zur Um- 
hüllungsmasse der Spermatophore, die offenbar bald in ihren äusseren Schichten 
zu erhärten beginnt. Leider verendete das Thier, bevor die Entwicklung der 
Spermatophore weiter vorgeschritten war, und ich konnte nur bemerken, wie in 
einen der zwei Tropfen ein noch mehr glänzendes Secret sich in Form von 
Wolken eindrängte, und darin befanden sich vermuthlich auch Samenmassen. 
Es wird also anscheinend der erste, anfangs compacte, dicke Tropfen der Um- 
hülliingsniasse durch die nachrückenden Samenmassen aufgebläht, bis der Er- 
weiterung desselben an der Wand des Schlauches ein wirksanier Widerstand ent- 
gegengestellt wird. Dadurch verwandelt sich der anfangs solide Tropfen in die 
dickwandige Schale der Spermatophore, die nun den Samen und die Zwischen- 
substanz enthält. 

Literatur. 

1. Hallowitz K. .1. Zur Kciintiiiss der Sanienkörper der Arthropoden. Intern. 

Monat.sschr. für Anat , II. \U\. 

2. ClauH, Dr. d. Die freilcbendcii ('opcjjoden, 1803. 

3. — Ueitriige zur Kenntiiiss der Schmarotzerkrebse, \HM. 

4. — lieber iSnhrlHphiluH sarsii und das Mäimclicn desselben. Zeitschr. für 

wi«s. Zoologie, Bd., lH7tl. 



Bemerk, öb. d. männl. Geschlechtsorgane von Cydops viridis n. anderen Copepoden 253 

5. Claus. Dr. C. Halbparasitische Copepoden. Arbeiten aus dem zool. Inst. 

der Unir. Wien, 8. Bd. 

6. Gruber Aug. Ueber zwei Süsswasser-Calaniden. Leipzig. 1878. 

7. — Beiträge zur Kenntniss der Generationsorgane der freilebenden Cope- 

poden. Zeitscbr. für wiss. Zoologie, 32. Bd. 

8. Hart mann Bob. Beiträge zur anatomischen Kenntniss der Schmarotzer- 

krebse. Arch. f. Anatomie und Physiologie, Jahrg. 1870. 

9. Hartog M. M. The Morphology of Cydops and the Eelations of the Cope- 

poda. Trans, of the Linn. Soc, Part. 1. July 1888. 

10. Ishikawa C. Spermatogenesis, Oogenesis and Fertilization in Diaptomus. 

Journ. E. Micr. Soc. London, 1892. 

11. Kölliker A. Beiträge zur Kenntniss der Geschlechts Verhältnisse und der 

Samenflüssigkeit wirbelloser Thiere. Berlin. 1841. 

12. Leydig Fr. Zoologische Notizen. 1. Xeuer Schmarotzerkrebs. Zeitschr. für 

wiss. Zoologie, 4. Bd., 1853. 

13. Rom an es G. J. Physiological Selection. Journ. of the Linn. Soc. Vol. XIX. 

p. 337. 

14. SehmeilO. Deutschlands freilebende Süsswasser-Copepoden. I. Th. Biblioth. 

zoologica. 1892. 

15. Steuer Ad. Sapphirinen des Mittelmeeres und der Adria. Denkschr. der 

kais. Akad. der Wissensch, in Wien. Bd. LXII. 

16. Talle, A. Deila. Sui Coriceidi parassiti. e suU' anat. del gen. Lichomolgus. 

Mitth. Neapel. II. Bd.. 18S0. 

17. Voigt W. Sifnajjticola teres. Zeitschr. für wiss. Zoologie, 53. Bd.. Suppl. 1892. 

18. Vosseier J. Freilebende Copepoden. Württembergische Jahreshefte des 

Vereins für vaterl. Naturkunde. Jahrg. 42. 1886. 

19. WierzejskiA. Ueber Schmarotzerkrebse ron Cephalopodeu. Zeitschr. für 

wiss. Zoologie. 29. Bd. 



Erklärimg der Al)l)il(limffeu. 

Tafel V. 

Fig. 1. Lichomolgus sepicola Cls., c, V. Jugendstadium, sa jene Stelle des 
vas deferens, die sich später zur ,,Spermatophorenanlage" erweitert. 
t Hoden. Vergr. Oc. 4. Obj. 4b Eeichert. 
„ 2. Cydops viridis. Theil des Hodens (t) mit der „Schlinge". Vergr. Oc. 4, 
Obj. 7 a Eeich. 

, 3. Cydops viridis. Querschnitt durch die .Schlinge" : in jedem der zwei 
Lumina je zwei dunkelgefärbte Samen. Vergr. Oc. 4 Eeich.. Obj. 8 
Hartn. 

« 4 Cydops viridis. V. Jugendstadium. Hoden mit vas deferens: bei x 
Bildungsstelle der „Schlinge". Vergr. Oc. 4, Obj. 7 a Eeich. 



254 Adolf Steuer. Bemerk, ül», d. männl. Geschlechtsorgane von Cyclops viridis etc. 



Fig. 5. Cyclops viridis. Schnitt durch den unteren Theil des vas deferens übei 
der reifen Spermatophore. vd vas deferens. hm Umhüllungsmasse dei 
Spermatophore. S Grundsubstanz, in der der Samen {sjo) eingebettel 
ist. K blasse Kügelchen. Vergr. Oc. 4 Eeich., Obj. 8 Hartn. 

„ 6. Cyclops viridis. Längsschnitt durch die Spermatophore. vd, hm, s, sp 
K me bei Fig. 5. Spp „Spermatophorenpfropf". Kd die sogenannte 
„Kittdrüse" mit dem ihr anliegenden, dunkelgefärbten Socret. Vergr, 
Oc. 4 Reich., Obj. 8 Hartn. 

„ 7. Lichomolgus doridicola. Zupfer im Süsswasser, daher etwas gequollen, 
Elemente aus den Geschlechtsgängen, h Bacterien, spe spindelförmige, 
vacuolenhältige Körperchen, S Samen. Vergr. Oc. 4 Eeich., Obj. 8 
Hartn. 

„ 8. Cyclops viridis, cf , V. Jugendstadium. Genitalsegment, vd vas deferens. 
Vergr. Oc. 4, Obj. 7 a Reich. 

Sämmtliche Figuren wurden mit dem Abbe 'sehen Zeichenapparat ent- 
worfen. Die Cjclopiden wurden in Picrinsäure-Sublimat gehärtet und mitGre- 
n ach er 's Hämatoxylin gefärbt. 



Polydesmus spelaeorum n. sp. aus dem Banate. 

Von 

Dr. phil. Carl Yerhoelf 

in Bonn am Rhein. 

(Mit 3 Figuren im Texte.) 

(Eingelaufen am 1. Juni 1896.) 

Wenige Minulon von Herkulesbad (im Banate) entfernt befindet sich 
eine geräuniigc Höhle mit grossem, theilweiso hellem Vorräume und einem circaj 
50 wj langen, grösstentlieils finsteren N(!bengang von theilweiso bedeutender Höhe, j 
Sie ist am Orte allgemein als „Räuberhöhle'* bekannt. Ihr Boden ist grössten-i 
theils mit feinem Humuslehm bedeckt, auf welchem sieli liie und da Steintrümmeri 
und spärlich aneh vegetabilisclie Reste finden. Ich besuchte si(! Anfangs Sei)tember 
IHUr» ni«-lirnials und fand den (irund nur an wenigen Stellen feucht. Ueberaus 
reichlich vertreten ist hier der für das Banat charakteristische, grosse Isopodd 
PüraUio Irilohntun Stein, von wel(;heni ich ausserhall) der Höhlen nur zweimal 
jfin vereinzeltes Stück unweit d(!S Cerna-Flüsschens auflaiKl. K,esl,e auch in der 
kleinen, aber trockenen „SchwitzhöhN'". 

Ernt I>eim zweiten und diilt<M IJcsnchi' gcl;ing es mir, in (h-r „Räuben 
hAhlp" Diplopoden aufzufinden, wobei dw ausgelegl,((n Winden pla,ft(in keinen 
nennenNWerthen Erfolg hatten. Ich entdeckte zwei lOxeniplare eines 7m/ms aus dei 



Pohjdesmus spelaeorum n. sp. aus dem Banate. 



255 



Untergattung Typhloiiilus Latz., über welche ich später berichten zu können hoffe, 
und fünf Exemplare eines Poh/des7nus der Entwicklungsstufe Pullus VII, 2 
und 3 5- Diese überstanden glücklich die Erschütterungen einer langen Reise. 

Ich hielt sie daheim in einer Bleehschachtel in einem kühlen Zimmer und 
gab ihnen auf feuchtem Sande Moos und morsches Holz. Bis zum April 1896 
blieben alle diese Thierchen im obigen Stadium. Mitte Mai muss sich das erste 
9 entwickelt haben. Am 20. Mai 1896 fand ich abermals 1 und 1 9 ent- 
wickelt, aber sie waren noch weich und lagen spiralig eingerollt in einem Käm- 
merchen unter einem Holzstück. (Bekanntlich verfertigen diese Thiere kein 
Häiitungsgespinnst.) Von den zugehörigen Exuvien war nichts zu finden. 

Am 29. Mai copulirte das bereits mit einem der 9 und dauerte die 
Copula über einen Tag lang. Noch jetzt (Ende Mai) befinden sich 1 und 1 9 
im Stadium Pullus VII. Da ich nun mehrere Individuen neun Monate während 
dieses Stadiums beobachtet habe, so ist es wahrscheinlich, dass diese Thiere 
durchschnittlich ein ganzes Jahr im Entwicklungsstadium Pullus VII 
mit 19 Rumpfsegmenten verharren. Das gibt schon einen gewissen Ein- 
blick in die Lebensdauer. Das reife lehrte, dass diese Art neu ist. 



JPolydesmus spelaeorum mihi. 

Länge des 9 17"33 mm, des 18'5 mm, Breite 2"5 mm. 

Körper graubraun, ziemlich matt, geg'en das Vorder- und Hinterende etwas 
ins Röthlichbraune übergehend. Sieht habituell dem Pohjdesmus illyricus Verb, 
sehr ähnlich, ist aber schlanker. 

P. spelaeorum, P. illyricus, 

Collum mit drei Reihen deutlicher Collum mitdrei Reihen sehr schwacher 
Börstchen. Börstchen. 

Die Höcker der Rückenplatte des Diese Höcker sind entschieden flach. 
2.-6. Rumpfsegmentes treten be- 
sonders in der dritten Felderreihe 
deutlich nach oben vor. 

Alles Uebrige in der Segmentgestaltung wie bei illyricus, ausgenommen 

dass die Aufbiegung der Seitenflügel der vorderen Rumpfsegmente fehlt. 

Die Copulationsorgane (Fig. 1 und 2) entbehren eines Innenastes. 
Der Aussen ast ist recht gedrungen, fast keulenförmig. An seinem Ende tritt 
nach innen ein zugespitzter Lappen (a) vor, der vor seiner Spitze noch ein Neben- 
spitzchen aufweist. Ein kräftiger Stachel (b) sitzt proximalwärts von jenem Lappen 
und ist gerade nach der Basis gerichtet. Zwischen beiden ragt eine kleine Zacke 
(c) vor. Neben c befindet sich noch ein zweiter kleiner Zahn, der in Fig. 1 durch- 
schimmert. Der Zahn h verdeckt in der Ansicht von hinten die Basis des kräftigen 
Polsters ipo). Proximalwärts von demselben ragt noch ein blasser Höcker {d) vor. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 35 



256 



Carl Verhoeff. 




Fig. 1. 



Gegen den stark beborsteten Femoralabschnitt ist der Tibialabschnitt durch eine 
tiefe Bucht abgesetzt. Auffallend scharf ist der Femoraltheil gegen den Coxal- 
theil fco) abgesetzt. Letzterer trägt nur aussen einige klüftige Tastburstcn. Der, 
Samengang (sr) ist sehr deutlich aus^,'ebildet und erweitert sich basalwärts zu 
ein<*r triehteraiiigen Grube (u, ß). Die Ränder derselben sind wimperartig mit 
feinen Ta.stborsten besetzt. Das stark gebogene Hüfthörnchen {h) (in Fig. 2 dar- 
gestellt wie es mit seinem Ende den Samengiing zustopft) muss sehr elastisch 
sein, da e« «onst zur Einführung in die Sanienrinne ungetagnet wäre. Man er- 
kennt, das« bei y die zweite, stärkere Krümmung liegt. (Das der /oiclinung zu 
Grunde gelegene ^ wurde kurz naeh der Copula getödtet.) 

Ich bemerkt« drei besonders kräftige Tracheen (tr) iiiiKnli.ill» des Copu- 
UtionsfuHses, welche denselben fast der ganzen Länge nach durchziehen, wobei 
nirgends eine Dichotomirung stattfindet. 



PolycU*mus spelaeorum n. sp. aus dem Banate. 



257 



Die Laufbeine des (^f sind im Vergleich zu denen des Q vergrössert 
und verdickt, letzteres nicht besonders stark. Das dritte Tarsaiglied, welches fast 
^ omal länger ist als das erste und zweite zusammen, ist leicht bogenförmig ge- 
krümmt. An der Concavseite aller drei Tarsenglieder (cf. Fig. 3i befinden sich 
drei Reihen warzenartiger, vorstehender Knötchen, welche auch je eine Tastborste 
tragen. Da letztere das Anklammern der Tarsen an die Seiten des 9 t>ei der 
Copula hindern würden, wenn sie gerade abständen, so sind sie distalwärts auf 
die Seite der Knötchen gerückt und stehen nun ungefähr parallel zur Tarsen- 
seitenfläche. Auch in den Beinen sah ich Tracheen unverzweigt durch 
alle Glieder ziehen biis fast zu der langen und spitzen Endkralle. 

Aufenthaltsort. In der genannten „Eäuberhöhle"' fand ich die besagten 
fünf Entwicklungsfurmen theils in völliger Finsterniss, theils in der Dämmerzone 
unter Steinen und vegetabilischen Besten auf feinem Lehmuntergrund. 



Anmerkung 1. Die beschriebenen Höcker an den männlichen Tarsen 
möge man mit den Sohlenhaaren der Tarsen bei Coleopteren und anderen Lisecten 
vergleichen. Sie lassen sich als einfache Vorstufe zu vielen dort vorkommenden 
Bildungen auffassen. 

Anmerkung 2. Der vorliegenden Art kommt PoJydesmiis hanaticus Dad. 
(aus Orsova bekannt) am nächsten. Dei"selbe wurde aber nicht in einer Höhle 
gefunden. Die Copulationsfüsse (Taf. II, Fig. 8 und 9 der .Myriapoda regni 
hungarici" Daday's) weichen ab durch den Besitz eine^ kleinen Inneuastes, um- 
gebogenen Endzahn und andere sonstige Bezahnung. 



Erklärung der Abbildnnsen. 

Fig. 1. Linker Copulationsfuss, von hinten gesehen. Die Tastborsten des Femoral- 
abschnittes sind grösstentheils fortgelassen, x Eiuschnürungsstelle 
zwischen Coxal- und Femoralabschnitt. 

^ 2. Stück des rechten Copulationsfusses, von vorne gesehen. Das Hüft- 
hörnchen ih) hat sein elastisches, umgebogenes Ende in den trichter- 
artig erweiterten Grund des Samengauges isr) eingeführt; c: und ß 
die beborsteten Ränder der basalen, trichterartigen Oeffnung. 

„ 3. Theil der concaven Fläche des mittleren Tarsengliedes eines der Beine 
vom Hintersegmente des siebenten Eumpfdoppelringes des q, mit 
Haftwärzchen. 



258 



Referate . 



Referate. 



Mjcomycophytes 



Asporomyces 



Sporomyces 



Asporomyces conidies 

Myxomycetes 

Siphomycetes .... 



Marcliaiid L. Enumeration methodique et raisonnee des familles et 
des genres de la classe des Mycophytes (Champignons et Lichens). 
Paris, Societe d'editions scientifiques, 1896. 8°. XVI + 334 S. 166 Fig. 

Vorliegendes Werk bringt eine systematische üebersicht der Familien und 
Gattungen der Pilze und Flechten und bildet eine weitere Ausgestaltung der 
früheren Arbeiten des Verfassers, welcher im Bull. Soc. Myc. France, Tome X, 
1894, eine „Synopsis des familles qui composent la classe des Mycophytes", sowie 
ein „Tableau synoptique" publicirt hat. 

Verfasser theilt die Classe der Mycophyten in zwei Subclassen: Myco- 
mycophyten (Pilze) und Mycophycophyten (Lichenen). 
Die weitere Eintheilung zeigt folgendes Schema : 

Asporomyces aconidies. 

Nematomycetales. 
Clinidomycetales. 
Endomyxes. 
Ectomyxes. 
Endoconidiferes. 
Ectoconidiferes. 

{Haplotheces. 
Endotheces. 
Ectotheces. 
I Haplobasides. 

Basidiomycetes l Endobasides. 

I Ectobasides. 

Die Asporomyceten March and 's entsprechen den Pungi imperfeoti der 
meisten Autoren, während die Sporomyceten die anderen Gru])pcn umfassen. 
Die weitere Kinthoilung derselben geschieht in vier Gesellschaften (allianccs), 
Ordnungen, Familien und, wo es nöthig ist, in Tribus und Subtribus. 

Die Gesellschaften werden je nach der Art der Reproductionsorgane unter- 
getheilt und hiebei die Vorsilben endo . . ., ccto . . . und haplo . . ., letzterei 
für solche Ordnungen gebraucht, welche zwischen den beiden anderen stehen. 

Die Systematik der Liebencn ist folgende: 
( Basidioücbens. 

1 , , I ^ . ' ' \ Kndothahunics. , 

Mycophycophytes ; r hoteromeres < 

lliecahfbcns } [ 

' i liomoeomeres. 

Die Ch.'irakt,<'r(! werd«'n Iiis y.n den Subtriben .ingelulirt, wiilirend die 
Genera nur nominell angefiihrl sind. 

Mor|»hol(>gihclie, anatomisclif und biologische D;it,(!n sind am Heginnc! der 
Capilel der beiden gro«.sen Grujjpcn gegeben, wie auch eine Auf/ühlung der 



J^iCtothalninies. 



Referate. 



259 



fossilen Mycophytengenera anhangsweise folgt. Das Werk ist mit 166 Holz- 
schnitten, grösstentheils Copien, ausgestattet. 

Fünf Indiees sind dem Werke, welches für jeden Mjcologen, der sich mit 
der allgemeinen Systematik dieser grossen Pflanzengriippe eingehender beschäftigt, 
von Interesse ist, beigegehen. J. Brunn thaler. 

Campbell Douglas Houglitou. The structure and development of the 
mosses and ferns (Archegoniatae). London, Macmillan & Co., 1895. 
8°. YIII + 544 S. 

Das vorliegende Werk behandelt die Morphologie und Entwicklungsgeschichte 
der unter dem Namen Archegoniaten zusammengefassten Krjptogamen und muss 
als Zusammenfassung der so sehr zerstreuten Literatur über diesen Gegenstand 
freudig begrüsst werden. 

Verfasser bringt nach einer allgemeinen Einleitung die Entwicklungs- 
geschichte und Morphologie der Lebermoose auf ungefähr 150 Seiten zur Dar- 
stellung. Den eigentlichen Moosen sind circa 70 Seiten gewidmet, während die 
grosse Gruppe der Pteridophyten fast 300 Seiten umfasst. 

Auf eine genauere Inhaltsangabe muss in Hinsicht auf die Schwierigkeit und 
den Umfang des Stoffes hier verzichtet werden ; nur die Schlüsse, welche Verfasser 
über die Genesis der Archegoniaten zieht, seien kurz in Folgendem angeführt: 

Die Abstammung von anderen Kryptogamengruppen ist unsicher. Am 
wahrscheinlichsten ist die Abstammung von einer, mit der Algengattung Coleo- 
cliaete verwandten Gattung. 

Als Stammpflanzen der Archegoniaten sieht Campbell die niedersten 
Lebermoose an und unterscheidet drei Stämme derselben: Junger manniaceae, 
Marchantiaceae und Anthoceroteae. Die beiden ersteren bleiben ohne weitere Fort- 
bildung, während von den Anthoceroteae einerseits ein Seitenast, die Sphagnaceae, 
abgeht, welcher als Fortbildung die Bryineae trägt. 

Andererseits spaltet sich die directe Entwicklung der Anthoceroteae in drei 
Gruppen : 

1. Die Equisetinae, ohne weitere Entwicklung. 

2. Die Lycopodiaceae-Selaginelleae mit dem Seitenast der Psilotaceae; 
diese Keihe führt in ihrer weiteren Entwicklung zu den Gymnospermen. 

3. Die Filicineae (Eusporangiatae) mit zwei Seitenästen: den Lepto- 
sporangiatae mit den Marsiliaceae und Salviniaceae und den Isoetaceae, welche 
zur zweiten grossen Phanerogamengruppe, zu den Angiospermen, führt. 

Das Werk ist mit 266 Figuren, theils Copien, theiis Original, illustrirt 
und bringt am Schlüsse eine Bibliographie der Archegoniaten. Allen, die sich 
mit dem Studium der Archegoniaten beschäftigen, sei das Werk aufs Beste 
empfohlen. J. Brunn thaler. 

Woloszczak, Dr. Eustach. Flora polonica exsiccata. Centuria V. Leo- 
poli, 1895. 

Gründe, deren Erörterung nicht hieher gehört, bringen es mit sich, dass 
von nun ab Prof. Woloszczak der alleinige Herausgeber dieses Exsiccatenwerkes 



260 



Eeferate. 



ist. Dasselbe enthält nachfolgende, vom localen und allgemeinen Standpunkte 
interessante Pflanzen: PulsatiUa Wolfgangiana Bess., Banwiculus arvensis L. 
var. echinatus (Ci'antz), Cimicifuga foetida L., Boripa armoracioides Celak., 
Draha alba Gilib., Gyjisopliila fastigiata L., Trifolitim spadiceum L., Spiraea 
salicifolia L., Onagra muricata = Oenothera vmricata Murr, in Comment. 
Gotting., VI, p. 24, Tab. 1 (1745?), Sedum Carpaticum Reuss. = Sedum Faharia 
Auct. Gal. (et Hung.), non Koch, nec Vilm., Senecio liypoleucus = S. paludosus 
y. liypoleucus Led. = S. tomentosus Host, nec alior (Clairv., C. B. Clarke, Mchx., 
Rohde, Salisb.), Solidago serotina Ait., Erigeron acer L. var. Podolicus (Bess.) 
f. arcuatus üllep., Crepis tectorum var. segetalis Roth, Scorzonera rosea W. K., 
Campanula patula L. ß. xestocaulon G. Beck, Gentiana Tatrae Borb., Melam- 
pyrum saxosum Baumg., Tozzia Carpatica Woi'oszcz., Äjuga Chamaepitys Schreb., 
ß. grandiflora Vis. = A. Chia Auct. Ross. austro-occid., non Schreb., Euphorbia 
Peplus L., Iris pumila L., Luzula pallescens Bess., Melica altissima L. und 
Glyceria plicata Fr. J. A. Knapp. 

Erzepiki, Dr. Boleslaw. Dra. Wojciecha Adamski ego Materyaly do 
flory W. Ks. Poznaiiskiego (Dr. Adalbert Adamski's Materialien zur 
Flora des Grossfürstenthuras Posen). Poznan (Posen), F. Chocieszyriski, 189G. 
8°. 58 S., mit Porträt. 

Prof. Ascherson hat wiederholt Anlass genommen, Georg Ritsehl, weil 
Albert Pampuch's „Flora Tremesensis" ein blosses Pflanzenonomastikon ist, als 
Vater der Floristik in Posen zu feiern, doch kommen immerhin noch zwei 
Autoren, wovon der eine durch ein Missverständniss hieher verschlagen worden, 
während der andere schon wegen der Tragik seines Daseins Würdigung verdient, 
in Betracht. Seit Peter des Grossen Zeiten, beziehungsweise seit der Be^- 
gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, wurde 
eine solche Fülle von Details über Russland zu Tage gefördert, d;»ss Johann 
Gottlieb Georgi gegen die Wende des XVIII. Jahrhunderts es für geboten hielt, 
dieselben zu sammeln und in seiner „Geographisch-physikalischen Beschreibung 
des ru.ssischen Reiches, zur Uebersicht bisheriger Kenntnisse von demselben" (Königs- 
berg, 1707—1801) vorzuführen. Dem Abschnitte „Pflanzenarten des russischen 
Iteiches nach der Folge der 24 Classen des Pfi.mzensystems des Ritters v. Jiinne" 
w<'rd<'n die benüfztcn QiieHen vorangescliickt, und figurirt unter diesen Steplian 
Lumnitzer's „Flora Posoniensis exhibens plantas circa Posonium crescentes 
«ecuiidum sy.stcma Ivinnacanum digestas", Lipsiae, Crusius, 1791, VIII, 557 p., 
1 Tab., von welcher er irrthümlich voraussetzte, dass dieselbe die Flora von Posen 
(PosniMiia) behandle, wo doch Pressburg (Posonium) in Ungarn gemeint war, und 
weil nach ihm Po.sen unter demselben Breitegradt; liegt wie Litliauen, so gla,ubte 
er die im genannten Werke erwiihntfüi PllanzifU dieser Provinz (iinverleibciu zu 
dürfen, was .Stanislaus Batys (iorski, den) Bearl)eit(!r der auf die Flora von 
Lithauen bezüglichen Angalien in K i cli wii 1 d 's „Nalurhistorischcr Skizze von 
Lithauen, Volhynien und Podoiien in geognostisch-mineralogischer, botanischer 
und zoologischer llinsichl", Ruprecht, Jjcdebour, Trautvetter und Herder 



Keferate. 



261 



entgangen. Selbst Schmalbausen hatte keine Ahnung von dem doppelten Ver- 
stösse Georgi's und rieth darum, dessen Angaben zu streichen i'vgl. Dr. Ed. Leh- 
manns > Flora von Polnisch-Livland"). Maximilian Joseph Adalbert Andreas 
Anton Adamski, dies der zweite, richtiger der erste in Betracht kommende 
posnische Florist, wurde am 21. November 1796 in Posen geboren, besuchte die 
Universitäten in Wien und Breslau, wurde in letzterer Stadt am 9. December 
1825 zum Doctor der Medicin promovirt und veröffentlichte aus diesem Anlasse 
seine ^Dissertatio in auguralis sistens prodromum historiae rei herbariae in Po- 
lonia a suis initiis usque ad nostra tempora", welche trotz der ihr innewohnenden 
Mängel unerreicht dasteht, was in der Aversion der polnischen Botaniker gegen 
derartige Studien einen Grund hat, und so kommt es. dass die botanische Lite- 
ratur der Polen eine förmliche terra incognita ist. Adamski versprach, der da- 
maligen Gepflogenheit gemäss, auf dieses Thema später ausführlicher zurückzu- 
kommen, doch wissen wir nicht, weil dessen handschriftlicher Kachlass verloren 
gegangen, inwieferne dies erfolgt ist. Als praktischer Arzt in der Bezirksstadt 
Koscian thätig, durchwanderte er Posen und lieferte in der Gazeta W. Ks. Poz- 
nanskiego" (Zeitung des Grossfürstenthums Posen) ein Kalendarium der dortigen 
Flora, welches sich über das Vorkommen der Pflanzen, deren Vulgärnamen, 
worunter mehrere in allen polnischen Wörterbüchern fehlen. Verwendung in der 
Pharmacie, Industrie, im Haushalte, deren PioUe im Volksaberglauben und in der 
Sage mitunter ausführlich verbreitet. Dr. Ludwig Gasiorowski, der berühmte 
medicinisch-naturwissenschaftliche Biograph und Literaturhistoriker, fand ihn noch 
Ende der Dreissigerjahre, wiewohl bereits leidend, mit der Abfassung einer Flora 
von Posen beschäftigt. Diese vielseitige Thätigkeit untergrub seine ohnehin vom 
Hause aus schwache Gesundheit, wofür das frühe Ableben seines Vaters und seine 
spät erfolgte Promotion sprechen, zerrüttete seinen Geist, er verfiel in Wahnsinn 
. und starb in einer Anstalt nächst Posen am 8. Februar 184L Diese in der ge- 
I nannten Zeitung erschienene und geradezu unbekannt gebliebene Artikelserie hat 
I nun der Herausgeber liebevoll gesammelt, eine Biographie Adamski's voran- 
geschickt, den Text mit kritischen Bemerkungen versehen und im Anhange je ein 
Register der darin erwähnten lateinischen, deutschen und polnischen Vulgärnamen 
— unter Ersichtlichmachung der unbekannt gebliebenen durch ein vorangesetztes 
Sternchen — , sowie der Oertlichkeiten, welche von Pflanzenverzeichnissen begleitet 
sind, gegeben. Das Porträt, nach einer Daguerrotypie angefertigt, stellt Adam ski's 
einnehmende Züge dar. „Ex fragmentis recognoscesl" muss man beim Anblicke 
dieses Torsos ausrufen. Bei einer längeren Lebensdauer hätte Adamski noch 
recht Erspriessliches leisten können, doch muss zugegeben werden, dass er nicht 
jganz auf der Höhe der seinerzeitigen Floristik stand. 

; Wir sind dem Herausgeber für diesen hochherzigen Act der Pietät sehr 

dankbar und können ihm dieses, namentlich in Polen so brach liegende Feld 
der Bethätigung nicht genug warm ans Herz legen. 

Das Büchlein verräth, dem Anlasse entsprechend, ein geradezu feierliches 

iGepräge. J. A. Knapp. 



262 



Eingelaufene Geschenlfe für die Bibliothek, 



Eingelaufene Geschenke für die Bibliothelc. 

Albert, Prince de Monaco. Sur la deuxieme campagne scientifique de la 
„Princesse Alice". Sep.-Abdr., Institut de France, Comptes rendus, 
Tom. CXXI. 4°. 4 S. Vom Verfasser. 

Fischer E. Zur experimentellen Erzeugung abnormer Falterformen. Sep.-Abdr, 
aus Entom. Zeitschr., 1896. gr.-i^. 2 S. Vom Verfasser. 

Wiesbau r J. Nowack's Wetterpflanze: Äbrus precatoriiis L. nohilis. Sep.- 
Abdr. aus „Natur und Offenbarung", 1895. 8°. 18 S. Vom Verfasser. 

Ortmann Arnold. Grundzüge der marinen Thiergeographie. Jena, Gustav 
Fischer, 1896. gr.-8". Vom Verfasser. 

Buchenau Franz. Flora von Bremen. Bremen, M. Heinsius, 1885. 8". V + 321S. 

Vom Verfasser. 

Weidmann A. Prodromus cesk3'ch mechü listnatych. Prag, A. Wiesner, 1895. 

8°. I. XIII + 178 S., 17 Taf.; II. S. 179—349, 21 Taf. Vom Verfasser. 
Melichar L. Cicadinen (Hemiptera-Homoptera) von Mitteleuropa. Berlin, 

Felix L. Dames, 1896. 8". XXVII + 364 S., 12 Taf. Vom Verfasser. 

Woloszczak p]. Z granicy flory zachodnio- i wschodnio-Karpackiej. Sep.-Abdr., 

Sprawozd. Komis, fizyoj. Akad. Krakowie, Tom. XXXI, 1895. 8« 41 S. 

Vom Verfasser. 

Campbell D. H. The structure and development of the Mosses and Ferns. 

London, 1895. 8«. VIII + 544 S. Vom Verfasser. 

Standfuss M. Handbuch der paläarktischen Gross-Schmetterlinge für Forscher 

und Sammler. Zweite, gänzlich umgearbeitete und durch Studien zur 

Descendenztheorie erweiterte Auflage des „Handbuches für Sammler der! 

europäischen Gro.ss-Schmetterlinge". Jena, G. Fischer, 1896. 8®. XII -f-' 

392 S., 8 col. Taf. Vom Verfasser. 

Daday, E. v. Cypridicola parasitica nov. gen. nov. sp. Ein neues Räderthier. 

Sep.-Abdr. aus „Terme.szetrajzi Füzetek". Budapest, 1893. 8". 32 S., 1 Taf. 
Madaräsz, J. v. Erläuterungen zu der aus Anlass des II. internationalen Orni- 

thologen-Congrcsses zu Budapest veranstalteten Ausstellung der ungarischen 

Vogelfauna. Budapest, 1891. 8". 122 S. 
Hegyfoki J. IJeber die Windrichtung in den Ländern der ungn.rischen Krone, 

nebst einem Anhang über Barometerstand und Regen. Budapest, 1894. 

4". 173 S. 5 Karten. 
Filarszky F. A Charafrlek (('liar<ucae L., ('1. Ivic.liard) KülöiK'is tckintcttel ai 

magyarorszdgi f;ijokra. MudajM'st, 1893. 4". 129 S., 5 Taf. 

Sämmilicli von der m. k. lermo.szcttiid. tärsulat in Budapest.! 
Kllis J. n. and K verhart \\. M. New Fungi, niostly Urcdineae und Ustüaf/ineael 

from various Localilies and a new Form from Alaska,. Sep.-A])dr, 1895. 8°.' 

— — Now .Speeles of Fungi. Sep.-Abdr. 18!)5. 8". 

— — New Speeles of Fiuigi from various localit.ios. Sep.-Abdr. 1895. 8°. 

Von Herrn J. B. VAlis. 



Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 



263 



Fischer E. Neue experimentelle Untersuchungen und Betrachtungen über das 
Wesen und die Ursachen der Aberrationen in der Faltergruppe Vanessa. 
Berlin, R. Friedländer & Sohn, 1896. 8«. 67 S., 2 Taf. Vom Verfasser. 

Sucker Ludw. Die Fische nebst den essbaren wirbellosen Thieren der Adria und 
ihre Zubereitung. Triest, F. H. Schimpff, 1895. 8«. XVH- 179 S. 

Vom Verleger. 

Albow N. Prodromus florae Colchicae. Tiflis und Genf, 1895. S"". XXVI-f 
287 S., 4 Taf. Vom Verfasser. 

Trusz S. Lekarskie wlasnösci roslin przewaznie dziko rosnaczych i techniczne 
zastosowanie tychze. Zloczöw, 1891. 8^ 

— Przyczynek do flory Galicyi. Ciag dalszy. Zloczow, 1894. 8". 

Von der löbl, Gymnasial-Direction in Zloczow. 
Mueller, F. v. Select extra-tropical Plants readily eligible for industrial Cul- 
ture or Naturalisation. Ninth Edition. Melbourne, 1895. 8« XI + 654 S. 
Mac Alpine D. Systematic Arrangement of Australian Fungi, together with 
Host-Index and List of Works on the Subject. Melbourne, R. S. Brain, 
1895. 4°. VI + 236 S. 

Beide von der löbl. Public Library, Museums and National Gallery of 
Victoria in Melbourne. 
Coincy, A. de. Ecloga plantarum Hispanicarum seu Icones specierum novarum 
vel minus cognitarum per Hispanias nuperrime detectarum. Figures de 
plantes trouvees en Espagne. Paris, G. Massen, 1893. Fol. 25 S., 10 Taf. 

— Ecloga altera plantarum Hispanicarum seu Icones stirpium superioribus 
annis per Hispanias detectarum. Nouvelles Figures de plantes trouvees en 
Espagne. Paris, G. Massen, 1895. Fol. 28 S., 12 Taf. Vom Verfasser. 

üzel H. Monographie der Ordnung Thysanoptera. Königgrätz, B. E. Tolman, 
1895. 4^ 471 S., 10 Taf. Vom Verfasser. 

Lehmann Ed. Flora von Polnisch-Livland, mit besonderer Berücksichtigung 
der Florengebiete Nordwestrusslands, des Ostbalticums, der Gouvernements 
Pskow und St. Petersburg, sowie der Verbreitung der Pflanzen durch 
Eisenbahnen. Jurjew, C. Mattiesen, 1895. 8". XIII + 431 S., 1 Karte. 
Von der löbl. Naturforschenden Gesellschaft bei der Universität Dorpat. 
Drude 0. Deutschlands Pflanzengeographie. Ein geographisches Charakterbild 
der Flora von Deutschland und den angrenzenden Alpen-, sowie Karpathen- 
ländern. I. Theil. Stuttgart, J. Engelhorn, 1896. 8^ XIV + 502 S., mit 
4 Karten. Vom Verfasser. 

Wehmer C. Beiträge zur Kenntniss einheimischer Pilze. Experimentelle Unter- 
suchungen auf dem Gebiete der Physiologie, Biologie und Morphologie 
I pilzlicher Organismen. II. Vom Verfasser. 

jBlochmann Fr. Die mikroskopische Thierwelt des Süsswassers. Abtheilung I: 
1 Protozoa. 2. Aufl. Hamburg, L. Gräfe & Sillem, 1895. 4«'. IX +134 S., 
j 8 Taf. Von den Verlegern. 

iSlacoun J. M. Contributions from the Herbarium of the Geological Survey of 
Canada. I — IV. Sep.-Abdr. aus Canad. Record of Science. Vom Verfasser. 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 36 



264 



Eingelaufene Geschenke für die Bitliothek. 



Trusz S. Przyczynek do flory Galicyi. Zloczow, 1888. 8° Vom Verfasser. 

Battandier et Trabut. Flore de l'Algerie contenant la description de toutes 
les plantes signalees jusqu'ä ce jour comme en Algerie et Catalogue des 
plantes du Maroc. Monocotyledones. Alger et Paris, 1895. 8°. 256 S. 

Vom Verfasser. 

Schaeffer T. W. The Poisonous sting of the „Electric light bug" or Belostoma, 
at it is called by entomologists. Sep.-Abdr. 8**. Vom Verfasser. 

Zacharias, Dr. Otto. Orientirungsblätter für Teichwirthe und Fischzüchter. 
Nr. 1. Plön. 1896. 8^ 12 S. 

— Die Aufgaben der Biologischen Station zu Plön. 8". 3 S. 

— lieber das Gewicht und die Anzahl mikroskopischer Lebewesen in Binnen- 
seen. Plön. 8". 8 S. 

— lieber den Unterschied in den Aufgaben wandernder und stabiler Süss-i 
Wasserstationen. Sep.-Abdr. 1895. 8°. Vom Verfasser,! 

Garbo wski, Dr. Tad. Descendenztheoretisches über Lepidopteren. Sep.-Abdr.i 
1895. 8". I 

— Kausal-analytische Theorie der epigenetischen Evolution mit dreifacher 
Rhythmusharmonie in der Ontogenese. Sep.-Abdr. 1895. 8^. ' 

— Zur Beurtheilung vertebraler Regionen bei Vögeln. Sep.-Abdr. 1895. 8°. ' 

Vom Verfasser. 

Molisch H. Das Erfrieren von Pflanzen bei Temperaturen über dem Eispunkt. 
Sep.-Abdr. aus den Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien^ 
mathem.-naturw. GL, Bd. CV, 1896. 8". 15 S. 

— I. Eine neue mikrochemische Reaction auf Chlorophyll. — II. Die Krystalli-i 
sation und der Nachweis des Xanthophylls (Carotins) im Blatte. Sep.-Abdr. 
aus den Bericht, d. Deutsch, botan. Ges. in Berlin, 1896. 8". 29 S., 1 TafJ 

Vom Verfasser.! 

Jolis, Aug. Le. Remarques sur la nomenclature bryologique. Sep.-Abdr. ausi 
M<^moir. Soc. sc. uat. Cherbourg, Tom. XXIX. 8°. 104 S. Vom Verfasser: 

Hormuzaki, C. v. Neuere Beobachtungen über die Käferfauna der Bukowina. Sep.-i 
Abdr. aus Societas Entomol., XI, 1896. 4*'. S. 11 — 13. Vom VerfasserJ 

Beck, G. V. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Herzegowina. VIII.,1 
Sep.-Abdr. aus den Annal. des k. k- naturhist. Hofmus. in Wien, XI, 1896J 
8«. S. 142—183. Vom Verfasser. 

Magnus P. G. Sonnholz. Se]).-Abdr. aus den Berichten der deutsch, botan. Ges.^ 
XIII, 1895. 8" S. (55)— (58). Vom Verfasser. 

Clark J. M. 'I'be Functions of a great University. Inaugural Address delivered 
-II November 16«»' IHIM. Toronto, Bryant Press, 1805. 8". 18 S. 

Vom Verfasser. 

\V<;iu/,i< rl, 'i'h. V. Das Getreide. Kurze Charaklerislik und Beurtheilung det 
„Körnerfrüchlo" des Handels. Ein Beil rag zu d(!n Entwürfen einc^s Code» 
alimentarius Austri.icus. Nr. H5 d(;r Publioationen der k. k. Samern 
Controlntalion in Wien. Wien, W. I^'riek, 1H96. gr.-8". 8 S. Vom VerfasserJ 



II. Bericht den Section für Botanik. 



Versammluiig am 16. Juni 1896. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck V. Mannagetta. 

Im Laufe der Versammlung berichtet Herr August Ginz- 
berger, stud. phil., über seine Arbeit: „lieber einige Lathyrus- 
Arten aus der Section Eulathyrus und ihre geographische 
Verbreitung".^) 

Die Arbeit behandelt 12 Arten aus der Verwandtschaft des Lathyrus sil- 
vestris L. In der Einleitung wird eine allgemeine CharakteristiJi der Gruppe 
gegeben, sowie einiger teratologischer Bildungen gedacht. Es folgen nun die Be- 
schreibungen der einzelnen Arten mit Angabe der Synonjmie und des Verbrei- 
tungsgebietes, ferner mit Standortsverzeichniss und Bemerkungen über Varietäten 
und geographische Rassen. In den Beschreibungen ist u. A. auch auf einige 
Merkmale grösseres Gewicht gelegt, die früher zu sehr vernachlässigt wurden; 
zu diesen gehört die Nervatur der Blättchen, die Beschaffenheit des Kelches und 
des Griffels, endlich die Bedeckung mit Haaren und Drüsen.^) Alle diese morpho- 
logischen Details sind durch eine beigegebene Tafel veranschaulicht. Von Namens- 
änderungen dürfte die Wahl des Namens Lathyrus megalanthus Steudel anstatt 
der zwar allgemein gebräuchlichen, aber vieldeutigen Bezeichnung Lathyrus lati- 
folius L. von Interesse sein. Die geographische Verbreitung der behandelten 
Arten wird durch drei Kartenskizzen veranschaulicht, aus denen hervorgeht, dass 
es ausser Arten mit grossen, auch solche mit ausserordentlich beschränkten Ver- 
breitungsgebieten gibt, ferner dass der Brennpunkt des Wohngebietes der be- 
sprochenen Artengruppe im südwestlichen Europa und nordwestlichen Afrika 
gelegen ist. 

Sodann legt Herr Dr. A. Zahlbruckner das erste Heft von 
Aschers on's „Synopsis der mitteleuropäischen Flora" vor, wozu 

') Siehe Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, matbem.-naturw. Classe, 
Bd. CV, Abth. I, April 1896. 

Vergl. C. Fritsch, ,.üeber einige Orobus-Arten etc.". Ebenda, Bd. CIV, Abtb. I, Mai 
1895, S. 493. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 37 



266 



Versammlung der Section für Botanik am 16. Juni 1896. 



Herr Prof. Beck bemerkt, dass dieses gross angelegte Werk ein 
Bedürfuiss sei und bei der bekannten Gründlichkeit des Verfassers 
von fundamentaler Bedeutung zu werden verspreche. (Vgl. das Referat 
S. 327.) 



Herr Prof. Dr. G. v. Beck spricht hierauf unter Vorlage der 
betreffenden Pflanzen über: 

Einige «auffällige Geranium-¥ovmen. 

Der Vortragende erläutert zuerst den Formenkreis des Geranium sylvati- 
cum L. und weist nach, dass die Ansicht Simonkai 's (Enum. fl. Transsylv., p. 160), 
als hätten wir in Niederösterreich an Stelle dieser Art nur Geranium alpestre 
Schur (in Verhandl. des Siebenb. Ver., X [1859], S. 131 und Enum. pl. Transsylv. 
[18GG], p. 135 = G. sylvaticum var. eglandulosum Celak., Prodr. d. Fl. Böhm., 
S. 550; Beck, Flora von Niederösterr., S. 560), den Thatsachen durchaus nicht 
entspreche, indem bei uns letztere, drüsenlose Pflanze bisher nur an sehr wenigen 
Standorten (.so z. B. aus dem Semmeringgebiete : Schneeberg, Raxalpe, Handles- 
berg und von der Voralpe) von dem Vortragenden aufgesammelt wurde, hingegen 
das mit der nordischen Pflanze völlig identische, drüsige G. sylvaticum L. allent- 
halben in schmal- und breitblätterigen Formen in unserer Alpcnzone anzutreffen 
sei. Auch Murbeck (Beitrag zur Flora Südbosniens, S. 150) befinde sich im 
gleichen Irrthume nicht nur bezüglich der niederösterreichischen, sondern auch 
in Betreff der bosnischen Pflanze, wie es durch zahlreiche vorgezeigte Exemplare 
aus den Occupationsländern ersichtlich wurde. Geranium alpestre Schur ist in 
den österreichischen Alpenländern und im Occupationsgebicte, ebenso wie das vor- 
gezeigte G. sylvaticum var. parvijlorum Knaf (in Celak., Prodr. d. Fl. Böhm., 
S. 530) nur eine seltene Erscheinung unter dem normalen G. sylvaticum L. (voi-gl- 
Beck, Fl. V. Südbosn., VII., in Ann. des naturhist. Hofmus., X [1895], S. 185—187, 
auch E. Preissmann in Abh. d. naturwiss. Ver. f. Steierm., 1895, S. 101 — 106). 

Sodann zeigt Prof. v. Beck einen neuen Storchschnabel: 

Goranium macrorrhizum P. v.ir. G. dalmaticum (J. Bock nov. var.: 

lihiznma cacspitosum, ramosum, ramis cylindraceis, lignosis, fle.mosis.\ 
Folin hasalia numcrosa, pctiolis fjracilibus, 4—S cm longis praedUa; la.mina 
pnrvula, pluriinnm ITt mm. et summum 25 mm lala, acquilonga, palmalo-quinque- 
loha, loln.H omnihuH trilohis vfl hasalibus loho (/uarlo auclis. Caulcs florifcri 
plurimum nphylli, folin dujdutn sujicrantcs, cymam dcpaupcratam saepius 2- ad\ 
(i-flftravi firenlcH; pcdiiiKidi ((t/i/rrsf/uc hirsuti. rrrrhrs fflanduloso-prihrruli et 
piliH HparniH uhnili 



Versammlung der Section für Botanik am 16. Juni 1896. 



267 



Ddlmatia : In monte Vipera penninsulae Sabioncello in fissuris et glareis 
rupium calcearum alticl. 700 — S50 m s. m., copiose. Florens legit mens. Junio 
1S94 G. de Bec'k. 

Als Prof. V. Beck am 12. Juni des Jahres 1894 die seines Wissens damals 
noch von keinem Botaniker betretene höchste Spitze der Halbinsel Sabioncello, 
nämlich den Monte Vipera (961 m), von Orebic aus bestieg, traf er in der Region 
der Pinns nigra Arn. das Geranium macrorrhizum var. dalmaticum gerade in 
bester Entwicklung an. Da es unter den Felsblöcken weit ausgedehnte, polster- 
förmige oder lockei-e Rasen bildete, die in vollstem Blüthenschmucke prangten, 
erinnerte ihn die Pflanze nach Wuchs und Blumen lebhaft an den in unseren 
Kalkalpen ganz ähnlich wachsenden Bhodothamnus ckamaecistiis Rh. und machte 
demselben den Eindruck einer neuen Art. Spätere Untersuchungen Hessen ihn 
die Pflanze nur als eine auffällige Varietät des Geranium macrorrhizum L. er- 
scheinen, welche er aber bisher auf keinem anderen Gebirge Dalmatieus und der 
dinarischen Alpen angetroffen hat. 

Die auffällige Kleinheit aller Theile, insbesondere die geringen Dimen- 
sionen der Blätter sind dem typischen, auch in Dalmatien (am Prologh, Mossor, 
Biokovo etc.) vorkommenden G. macrorrhizum völlig fremd. Die besten Unter- 
schiede gegenüber letzterem liegen aber in der Gestalt der auch weniger behaarten 
Blattflächen, welche handförmig fünftheilig sind und Abschnitte aufweisen, die 
fast durchwegs nur drei Lappen zeigen. G. macrorrhizum hat hingegen grosse, 
fussnervig siebenschuittige Blätter, mit Abschnitten, welche tief, oft doppelt ein- 
geschnitten gezähnt sind. 

Die Blüthenstiele des G. dalmaticum sind sammt den Kelchen zumeist 
drüsig-zottig, doch finden sich auch Formen, bei welchen die langen Haare spär- 
licher entwickelt sind und die kurze Drüsenbekleidung mehr hervortritt, wie es 
bei G. macrorrhizum meistens der Fall ist. 

Ä ■)<■ 

Zuletzt legt der Vortragende das von ihm für das Occupatiousgebiet nach- 
gewiesene Geranium hohemicum L. vor, welches in Gesellschaft von Geranium 
lucidum L. auf moosigen Felsblöcken wachsend in lichten Buchenwäldern auf der 
Spitze der Gomila velica bei Krupa a. d. Una in einer Meereshöhe von ca. 700 m 
im Juni 1892 entdeckt wurde. Die Pflanze wurde auf der Balkanhalbinsel bisher 
nur in Serbien an mehreren Stellen beobachtet. 



Endlich macht der Herr Vorsitzende Mittheilung von dem Tode 
des Mitgliedes Herrn Ingenieurs Carl Heinrich, dessen Andenken 
die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen ehren und schliesst 
die Versammlung mit dem Bemerken, dass der nächste Sections- 
abend erst im Herbste stattfinden werde. 



37* 



268 



Ausflug nach Eisgrub. 



Am 20. Juui d. J. fand ein von Herrn Prof. Dr. G. Beck 
V. Man naget ta veranstalteter Ausflug nach Eisgrub statt, wo 
unter der liebenswürdigen Führung des fürstl. Liechtenstein'schen 
Garteudirectors, Herrn Lauche, die reichen Schätze der Gewächs- 
häuser, sowie die schönen Parkanlagen besichtigt wurden. Zum 
Schlüsse besuchten die Theilnehmer auch die daselbst von Herrn 
Prof. v. Beck ins Leben gerufene höhere Gartenbauschule, die 
durch ihre Organisation und die reichen Lehrmittel, die ihr nament- 
lich in Form von lebendem Pflanzenmateriale zu Gebote stehen, zu 
grossen Hoffnungen berechtigt. 



Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 

Von 

Dr. C. Eschericli. 

(Eingelaufen am 22. Juni 1896.) 

Gelegentlich eines Aufenthaltes in Tunis unternahm ich, besonders auf 
den Rath des Herrn Prof. Dr. 0. Boettger hin, eine Excursion nach der 
im Golf von Gabes gelegenen Insel Djerba oder Dschebado. Zu diesem Zweck 
engagirte ich mir zunächst zwei Araber als Dolmetsche und Führer: einen 
jüngeren, Hädji Mansor, ^) der am Sammeln von Insecten grosse Freude hatte 
und nicht wenig Geschick darin bewies, und einen tälteren, Amor, der vorgab, 
genaue Localkenntniss von der Insel zu besitzen. Letzteres war aber vollständig 
erlogen und stand mir Amor, der täglich neben der Verköstigung noch 6 Fr. 
orliielt und welcher, schreckliche Frömmigkeit heuchelnd, jeden Augenblick sich 
niederkniete und gegen Mccca zugewendet Gebete vei-richtcte, nur hindernd 
im Wege. 

Am 11. April 180-1 fuhr ich mit meinem Anhang zuerst nach Goletta und 
bestieg dort ein italicnisch(!S Schiff („Persia") der Florio-Rubattino-Gesellschaft, 
da.s die Ostküste von Tunis entlang nach Tripolis und von da nach Malta — Mes- 
sina—Genua fährt. Obwohl ich für meine Diener iJillets III. Class(! genommen 
hatte, «chaffte man sie in das Zwischendeck; natürlich crlio]) i('b dagegen Prot est, 



') lutoroMMaiit int <lie Ilftiirtriicht (Ich Hfidji (d. i. lioiligen) MaiiHor: dor ganze Kopf ist luihl 
ranirt, nur ein langer Hchopf in der Mitt»i int, Htülicn gebliobon. Prof. Dr. r i in in Uioille mir darüber 
brieflich FolgeodcB mit: „Die Hourtracbt IlircH DionorH iHt im Orient uiclit bo ungewöbiilicb ; ho z. B. 
fln'I'l man nio auch in Kgyptcu. Ho viel ich wcisH, «loht oh .Jodom frei, Hie sicli zuzuiogon. In 
I .•.:t'n latHen «ich die TrAger cinoM «olchf ii HiuirHchoi)foH, wenn Hie einmal zu einem angeHohcnon 
.'ik kommen; ihn von dioNom ubHchncidrn, worin beide unHclioinoud cino Kiuung erblicken. " 



Beitrag znr Fauna der tunisischen Insel Djerba. 



269 



\V"t;iuf ich den sonderbaren Bescheid erhielt, dass die Neger und Araber nicht 
in die III. Classe dürften, da sie zu schmutzig seien. Zahlen mussten aber 
alle für die III. Classe, da man in Goletta Billets für das Zwischendeck über- 
haupt nicht ausgab. Empört über diese schmutzige Handlungsweise wandte ich 
mich an den Capitän, der dann bei meinen zwei Dienern eine Ausnahme machte 
und ihnen gnädigst das bewilligte, was ihnen zu Eecht gebührte! 

Die Fahrt dauerte drei Tage, da in Sousa, Mahedia, Monastir, Sfax und 
Gabes längerer Aufenthalt genommen wurde. In Sousa und Sfax stieg ich ans 
Land und sammelte ein wenig; meistens waren es Teuebrioniden, die mir hier 
in Massen begegneten; auf dem hinter Sfax gelegenen arabischen Begräbnissplatz 
wimmelte es geradezu von jB?«j3s Bequieni, Morica, Älcis etc. Von Eeptilien 
war der Clialcides ocellatus Forsk. recht häufig; auch einen Geko. TarentoJa 
maiintanica, erbeuteten wir mehrfach. 

Am 14. April gegen zwei Uhr Mittags landeten wir vor der Insel Djerba, 
die so flach ist, dass man vom Schiff aus vom Lande gar nichts sehen konnte 
und die hohen Dattelpalmen direct aus den Finthen emporzusteigen schienen. 

Die In.sel Djerba oder Dschebado liegt unter dem 34** nördl. Breite, in 
der kleinen Syrte und ist vom Festland im Süden nur durch schmale, äusserst 
seichte Canäle geschieden. Besonders bei El Adjim, El Kautara und Castille bei 
Oudiana nähert sie sich durch drei schmale, lange, nach Süden gerichtete Land- 
zungen dem Festlande ganz bedenklich, und bedarf es bei der grossen Seichtigkeit 
der trennenden Canäle nur ganz geringer Niveauveränderungen, um die Insel 
mit dem Festland zu vereinigen und die Entstehung neuer Schotts zu veranlassen. 
Dies dürfte auch thatsächlich in nicht allzu langer Zeit eintreten, da die tunesische 
Küste gegenwärtig im Aufsteigen begriffen ist, was schon daraus hervorgeht, 
dass die historischen Häfen von Utika und Karthago jetzt vom Meer durch breite 
Streifen Landes getrennt und zu Binnenteichen umgewandelt sind. 

Was die Grösse der Insel betrifi't, so dürfte sie der Insel Malta am 
nächsten kommen; die Bevölkerung, die etwa 50.000 Köpfe, auf mehrere Ort- 
schaften vertheilt, zählt, recrutirt sich hauptsächlich aus Djerabis, reinblütigen 
Berbern, und Negern. Die Djerabis wandern meist in ihrer Jugend nach Tunis, 
wo der Handel ausserhalb des Bazars grösstentheils in ihren Händen liegt. 
Wenn sie sich genügend Geld verdient, kehren sie wieder in ihre Heimat 
zurück.^) Die Djerabis stehen übrigens nicht in dem besten Rufe: Sie legen 
in der Moschee gleich ihren Verwandten, den Mozabiten, bei der Verrichtung 
ihrer Gebete die Hosen ab, um ja nichts Unreines an ihrem Körper zu haben. 
„Der Araber sieht aber in diesem Beweis der höchsten Frömmigkeit nur die 
schändliche Absicht, seine Moschee im ersten unbewachten Augenblick schnöde zu 
verunreinigen." Ausserdem wirft man den Djerabas vor, „dass sie Hunde essen 
und dass sie bei ihren Festen sich im Dunkeln den grössten Ausschweifungen 
ergeben etc.".^) 



1) W. Kobelt, Eeiseerinnerungen aus Algerien und Tunis. Frankfurt. 1885. 
-) W. Kobelt, 1. c. 



270 



C. Escherich. 



Europäer sind ausser den wenigen französischen Beamten wenige auf der 
Insel zu finden; nur ab und zu kommen Kaufleute um Schwämme einzukaufen 
dorthin. Mit der Unterkunft ist es daher nicht besonders gut bestellt und 
mussten wir lange in der Hauptstadt Houmt Souk herumlaufen, um eine solche 
zu finden, und zwar in Gestalt eines kellerartigen Raumes, den uns eine Fran- 
zösin, die sich mit Schnapshandel befasste, vermiethete. 

Wie schon oben bemerkt, ist die Oberflächengestaltung vollkommen flach; 
der Boden besteht grösstentheils aus ungeschichteten, äolischen Gebilden (Sand), 
nur spärlich triff't man humusartige Beschaff'enheit an. Infolge dessen ist die 
Vegetation recht arm; die Dattelpalme und der Oelbaum sind die haupt- 
sächlichsten Bodenerzeugnisse, Getreide wird zwar gebaut, gedeiht aber nur 
schlecht auf dem sterilen Boden. 

Die arme Vegetation bedingt ihrerseits wiederum eine dürftige Fauna. 
Natürlich fehlen alle Thiere, die an Flussläufe, hohe Lage, Hochwald etc. ge- 
bunden sind, und hat man es lediglich mit Arten zu thun, die im Sande und auf 
niederen Pflanzen und Sträuchern leben. Besonders die Sandthiere sind in 
weit überwiegender Mehrzahl zu constatiren und sind es auch diese, die den 
Charakter der Fauna bestimmen. Unter den Coleopteren sind es besonders 
die Tenebrioniden, deren Leben im trockenen Sande sich abspielt und welche die 
Coleopterenfauna von Djerba charakterisiren. Die Tenebrioniden sind es, 
die man überall in erstaunlichen Massen antrifl't, die gegenüber anderen 
Familien stark in den Vordergrund treten und daher das Coleo- 
pteren-Faunenbild beherrschen. Was die Artenzahl betrifft, so erbeutete 
ich an Tenebrioniden 23 Speeles, während ich von der Familie der Carabiciden 10, 
von der artenreichen Familie der Staphyliniden nur 4 und von den Scarabaeiden 
nur 11 Arten etc. erbeutete. Aber nicht allein in der Artenzahl, sondern auch 
in Bezug auf die Individuenzahl stellen die Tenebrioniden weitaus 
das grösste Conti ngent. In der That wimmelte es überall von der grossen 
Pimelia simplex und pilifera, so dass man in einem Tage tausende zusammen- 
sammeln konnte. Kam es mir doch einmal vor, dass Hädji Mansor einen ganzen 
Schurz .schwer voll Pimelien brachte! Ausser den Pimelien huschten überall 
fischartig die blaubestäubten Erodius durch den Sand, während die schön 
sculptirten Adesmien auf iliron langen, s])inncnartigen Beinen stets vor unseren 
P'üssen sich tummelten. 

Die Arten aus anderen Familien waren grösstentheils in geringer Individuen- 
zalil zu sehen, nur die Cicindelen, einige Scarabaeiden {Phyllopcrta Qucdcnfddi, 
Aphodien etc.) und Timarcha Idcrifjata Fb. traten häufiger auf, besonders hstztere^ 
Art lief sehr zahlreich auf den schwach bewachsenen Plät,zen lieiMim und sammelte' 
sich auch unter Steinen in Masse an, so dass wir manclimal 20 — oO Stiicli unteri 
«•iner Platte fanden. 

Au anderen lu.secten .scheint di(! Insel recht arm zu sein, allerdings habe iclii 
aiuuter Coleopteren und OrlhojitenMi die übrigen Insectcn wenig berücksichtigt. 
An letzteren erbeutete ich nclit Arien, darunter eine neue Forficnld (Escherichiii 



Beitrag zur Fauna der tnnisischen Insel Djerba. 



271 



' Die Scorpione sind in drei Arten vertreten, wovon zwei sehr häufig unter 
Steinen anzutreffen waren, besonders Anäroctonns fioiestus. in oft sehr respectablen 
Exemphiren. Während der Keise erzählte man mir öfter von gewaltigen, ganz 
schwarzen Scorpionen, die sehr häufig auf der Insel vorkommen sollten und von 
den Eingebornen ob der grossen Giftigkeit sehr gefürchtet seien. Doch kam mir 
kein einziger dieser Sorte zu Gesicht! An Isopoden stellte ich auch nur drei 
Species fest, 2 Porcellio und 1 Hemilepister. 

Auch die Reptilienfauna ist ziemlich dürftig, und fehlen vor allem 
die Schlangen ganz; häufig fand ich nur Acanthoäactylus hosliamis und den 
Chalcides oceUatus. Ersterer ist ungeheuer flink und hält sich ausserdem an 
mit Binsen und Sträuchern bewachsenen Plätzen auf, so dass die Jagd nach ihm 
nicht ganz leicht fällt. Zu Dreien stellten wir dem flinken Reptil einige Stunden 
nach, meine Diener bluteten au Händen und Füssen und nicht mehr als drei 
Stück kamen in unsere Hände. Der Chalcides hält sich in der Nähe der Häuser 
unter Steinen auf und hat meist eine kleine oder mittlere Gestalt, ungefähr von 
der Grösse der Exemplare, die ich auf der Insel Linosa erbeutete, doch nicht so 
dunkel gefärbt wie diese. 

Eine speci fische Inselfauna besitzt Djerba infolge seiner geringen 
Entfernung vom Festlande nicht und dürften alle auf der Insel vorkommenden 
Thiere auch auf dem gegenüberliegenden Festlande anzutreffen sein! 

Mein Aufenthalt auf der Insel währte fünf Tage. Während dieser Zeit 
sammelte ich grösstentheils an der Nordküste des Eilands in der Nähe von Houmt 
Souk und El Hahara Kehira, nur einmal unternahm ich auf einem zweiräderigen 
Karren eine Tagestour an die Südküste nach El Adjim, das ist der Ort, wo sich 
die Insel dem Festlande am meisten nähert. 

Der Weg führte uns drei Stunden durch eine immer öder werdende Sand- 
wüste, in der die Vegetation immer mehr zurücktrat, erst gegen die Küste zu 
traten der Oelbaum und die Palme wieder zahlreicher auf. Die Tour war sehr 
wenig lohnend und wurde ausser der Cicindela harhara und einem Pärchen der 
Inlodis setifensis nichts Neues erbeutet. 

Am Donnerstag den 19. April, Morgens zwei Uhr, verliessen wir unsere 
Wohnung und wanderten der Küste zu, um wieder nach Tunis zurück zu segeln. 
Es war eine sternenhelle Nacht, der Mond schien auf die schneeweissen Häuser 
und die Kuppeln der Moscheen; dunkel ragte über sie die schlanke Dattelpalme 
und warf gespensterhafte Schatten über die eigenartige Landschaft; dazu die 
grosse gewaltige Stille, die nur durch das ferne eintönige Rauschen des Meeres 
unterbrochen wurde! Gewaltig gefesselt durch alle diese Eindrücke, schritt ich 
hinter zwei schlanken, weissen Gestalten, meinen Dienern, einher, nur wünschend, 
länger diesen schönen Traum träumen zu können. Eine arabische Landschaft 
im Mondschein hat wirklich etwas überaus Märchenhaftes, und verstehe ich sehr 
wohl, wie dadurch die Phantasie bis zu den Märchen von „Tausend und eine 
Nacht" emporgehoben werden kann. 



272 



C. Escherich. 



Die Eückfahrt nach Tunis nahm denselben Verlauf wie die Herfahrt; nur 
ein Ereigniss, das ich in Sfax erlebte und das allgemeines Interesse besitzen 
dürfte, glaube ich hier erzählen zu sollen. 

Mein jüngerer Diener gab vor, njii' etwas sehr Interessantes zeigen zu 
wollen und forderte mich auf, mit ihm zu gehen. Er führte mich an eine 
kleine Hütte und öffnete eine Thüre, die hinab in einen dunklen Keller führte. 
Wir stiegen hinab und kamen bald in einen Eaum, der ziemlich dunkel war 
und in dem ich zuerst gar nichts sah; erst nachdem mein Auge sich etwas an 
die Dunkelheit gewöhnt hatte, gewahrte ich zu meinem grossen Schrecken, dass 
ich mich zwischen zwei lebenden Löwen befand, die ganz frei in dem Raum 
herumliefen. Sie fletschten hie und da die Zähne, im üebrigen aber verhielten 
sie sich recht artig und zahm, so dass auch bei mir schnell wieder die Euhe 
kam, zumal ich auch einige Araber erblickte, die sehr gleichmüthig in einer 
Ecke sassen und sich um die Thiere gar nicht zu kümmern schienen. Beim 
Verlassen des Raumes bat mich der Thürwächter um ein Trinkgeld. Was sollen 
die Löwen? Mein Begleiter gab mir sehr schlechten Aufschluss und sagte mir 
nur, es seien „heilige Löwen der Moschee". Herr Prof. Dr. Grimm, der Ver- 
fasser des bekannten Werkes „Mohammed", theilte mir brieflich Folgendes über die 
..heiligen Löwen" mit: „Es gibt in Algier und Tunis Genossenschaften, die Löwen 
drcssiren und zähmen; die abgerichteten Thiere werden von zwei Bettelbrüdern 
im Lande herumgeführt, und die Gaben, die man dem Löwen, resp. seinen 
Führern spendet, dienen zum Unterhalt irgend eines Klosters oder einer Moschee." 
Ein solcher Löwe war es auch, der den tapferen „Tartarin von Tarascon" in 
gewallige Aufregung versetzte und den unser Held mit sicherem Schuss nieder- 
streckte. Daudet bringt in dem obgenannten, überaus humorvoll geschriebenen 
Roman viel, „was gar nicht romanhaft, sondern richtig nach dem Leben geschildert 
ist" (Grimm). 

Ausser diesem Löwenabcntoucr brachte die Heimreise nach Tunis nichts I 
Besonderes, Leider konnte ich aus Zeitmangel das heilige Kaiman, der einzige ] 
Ort in Tunis, in dem der Zutritt in die Moscheen erlaubt ist und das von ! 
Sousa aus per Trambahn zu erreichen ist, nicht besuchen. Auch in zoologischer I 
Hinsicht ist Kairuan interessant, insofcrne dort die giftige Naja hajc, die von den 
Gauklern überall auf den Stras.sen und Plätzen von Tunis vorgeführt wird, vor- 
k<tn)men soll! 

Am 22. Aitrii langle icli wieder in Tunis an. 



Jni Folgenden gebe i(;li ein Verzeichniss aller von mir auf dcsr Insel Djerbaj 
gesaminelU-n Thicro, das heisst Mollusken, Arthropoden und R(!ptilien. . 

Die Determination der Ausbeute übernahmen in der liebenswiirdigstoin 
Weine die Herren Prof. Dr. Boettger in Frankfurt (Mollusken, Reptilien uud| 
Hiitr.'whier), Prof, Dr Kraepcjjn In Hamburg (Scorpione), Dr. Scharff in[ 
Dublin Mnopoden), Di II Kiaiiss in Tübingen (Orthopteren), Major Dr. L.i 



Beitrag zur Fauna der tunisiscten Insel Djerba. 



273 



V. Heyden in Frankfurt, Dr. Eppelsheim in Germersheim, L. Gangibauer 
in Wien, Dr. G. Kraatz in Berlin, E. Reit t er in Paskau, J. Schmid in 
Garlitz und J. Weise in Berlin (Coleopteren). 

Mollusken. 

Ich hatte eine grosse Anzahl Schnecken gesammelt, die aber leider zum 
»rössten Theil verloren gingen, so dass ich im Folgenden nur zwei Arten 
nennen kann: 

1. Helix (Euparijpha) pisana Müll. 

2. Helix (Herophila) psammathaea Let., Bgt. 

Arthropoden. 

Isopoden. 

1. Hemüepistus Beaumurii Am., Sav. 

2. Porcellio laevis Latr. 

3. Porcellio longicaudata B., L., 9- 

Scorpionideen. 

1. Anäroctonus funestus (Hempr., Ehlg.). Sehr häufig, unter Steinen. 

2. Butlius occitanus (Amor). Häufig. 

3. Heterometrus palmcdus (Hempr., Ehlg.). Nur 1 Exemplar. 

Orthopteren. 

Ed. Bonnet und Ad. Fi not führen in ihrem „Catalogue raisonne des 
Orthopteres de la regence de Tunis" ^) 14 Arten auf, die von der „französischen 
wissenschaftlichen Mission zur Erforschung von Tunesien" vom 10. bis 15. Juni 
1884 auf der Insel Djerba gesammelt wurden. Ich erbeutete nur neun Speeles, 
darunter aber vier, die im Bonne t-Finot'schen Verzeichniss nicht aufgeführt 
sind, so dass also jetzt im Ganzen 18 Orthopterenarten von Djerba bekannt sind. 

Meine Ausbeute enthielt folgende Arten : 

1. Forficula auricularis L., 9 • 

2. Forficula Escliericlii Krauss (Entom. Nachr., 1895, S. 97 ff.). 

3. Anisolahis mauritanica Luc. 2 

i. Pyrgomorpha grylloides Latr. 3 9» 1 cT- 
5. Acrotylus longipes Charp., 9 • 

3. Eremohia Claveli Luc. var. tunensis Sauss., 9» weibliche Larve. 
7. Heterogamia algerica Brunner. 
B. Gryllus hispaniciis Ramb., 

Brachydripes megalocepliala Lefebr. 



M Kevue Sc. Nat. Montpellier, 3. ser., Tom. IV, 1885. 
Z. B. Ges. Bd. XLVI. 



38 



274 



C. Esclierich. 



Die letztere, grosse, interessante Grille fing ich unter ganz ähnlichen 
Verhältnissen wie auf der Insel Linosa, nämlich in Erdlöchern in lockerem 
Boden. Bei Anbruch der Dunkelheit kommen sie aus ihren Wohnungen 
heraus und beginnen mächtig zu zirpen.^) Man fängt sie am besten da- 
durch, dass man sie aus ihren nicht a.llzu tiefen Löchern ausgräbt, oder 
indem man, Avährend sie zirpen, hinter ihnen mit einem Messer eingeht 
und ihnen dadurch den Rückweg versperrt. Was mir an den Djerba- 
Exemplaren auffiel, war, dass sie sehr hell gefärbt waren, jedenfalls viel 
heller als die von der vulcanischen Insel Linosa, die wie die sicilianischen 
braun gefärbt sind. 

Bonnet und Finot führen die Grille nicht von Djerba auf, dagegen 
von „Sfax, seuil de Kriz, commun dans les sables de l'oued Bateha, oasis 
d'Oudref, Gabes et dans tout l'Arad". 

Wie mir Hädji Mansor erzählte, verkauft man in Tunis auf dem 
Markte die Grillen in kleinen Häuschen. Man stellt sie in das Zimmer 
und erfreut sich an dem nächtlichen „Gesang" ! 

Coleopteren. 

Die Coleopteren nahmen in meiner Djerba -Ausbeute weitaus den ersten 
Rang ein, schon deshalb, weil ich diese Insectenordnung hauptsächlich cultivirte ; 
doch dürften in der That die Coleopteren von den Insecten am reichsten ver- 
treten sein. Ich erbeutete im Ganzen 89 Species, die im Folgenden namentlich 
aufgeführt sind: 

Cicinäela littoralis Fabr. Häufig, am Gestade bei Houmt Souk. 
Cicindela lunulata var. barhara. Seltener ebendort; häufig an der Südküste 
bei El Adjim. 

Ueber das Vorkommen der beiden Cicindelen -Arten machte ich eine 
Beobachtung, die mir der Mittheilung werth erscheint. Das flache Gestade 
bei Houmt Souk ist grössteniheils hell gefärbt (Farbe des Sandes), nur hie 
und da finden sich dunklere Stolleu, die vertrockneten Algen oder dunkleren 
G(.'steinsarton etc. ihre Entstehung verdanken. Die heller gefärbte Cicindela 
imomlifi liiolt sich nur aus.schliesslich an die hellereu Partien, und die fast 
.schwarz gefärbte Cicindela lunulala war sircug localisirt auf die kleineren 
(limklen Plätze. Die locale Trennung d(!r }>eiden Species war sehr scliarf 
nn<l kam es selten vor, dass eine dunkle lunulata auf den hellen Grund sich 
verflog. Diese Erscheinung lä.sst sich am einfaclisten durch Aui);i.ssung 
erklän-n, und zwar sjjiclt hi(!rbei der durch Anp;i.ssung entst.-indeiio 
und dann vererbte Instinc,! eine I l,i iipl rolle. r)(;iin nui- (l.ulurcli ist 
uriM-re ('icindda ge.schiitzl,, dass sie sidi auf dciii diiiiklcn (Jiiiiid iiuriiiill; 



M V»l. H. KrftiiB», Dio I)orrnii|it<Tr-ii und Oidinplfircii SiciliiMis. S rv\v.\.\u\\\\\\\^o.u der V. k. 
toiA •iHilaii. üi'wjIUcIi. in Wien, 1Hh7, H. SJOfl. 



Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 



275 



diejenigen Exemplare, die sich aus diesem Eayon hinauswagen, bei denen 
der Instinet, sich nur auf dunklem Grunde zu bewegen, nicht stark genug 
ausgeprtägt ist, setzen sich den Angriffen der Vögel etc. viel mehr aus, da 
sie auf dem hellen Grunde sehr auffallend und leicht zu sehen sind. 
Infolge dessen werden hauptsächlich solche Individuen zur Fortpflanzung 
kommen, bei denen der Instinet, auf dunklem Grunde sich aufzuhalten, ge- 
nügend entwickelt ist. Ueberhaupt spielt die Züchtung eines auf eine 
für die Art nützliche Lebensweise gerichteten Instinctes im 
Kampfe ums Dasein eine sehr grosse Rolle, die meines Erachtens noch 
gar nicht in vollem Umfange gewürdigt wurde. Wie ich an einem anderen 
Ort nächstens ausführen werde, gibt es eine Anzahl von Thieren, die sehr 
lebhaft gefärbt sind und gar keine Uebereinstimmung mit ihrer Umgebung 
aufweisen, und dennoch wissen sich diese oft ausgezeichnet den Blicken 
ihrer Feinde zu entziehen, z. B. dadurch, dass schwarz gefärbte Thiere sich 
mit Vorliebe im Schatten von Blättern oder Gräsern aufhalten u. s. w. 

In El Adjim, wo das ganze Gestade dunkel gefärbt ist, trafen wir 
ausschliesslich die dunkle Cicindela barhara an. 

Scarites striatus Dej. Diese prächtige grosse Art fing ich zweimal in meinem 
Zimmer und noch mehrmals in der Nähe meines Hauses im Sande laufend 
oder unter Steinen. 

Scarites laevigatus Fab. Selten. 

Brosens poUtus Dej. Häufig. 

Laemosthenes picicornis Dej. 5 Stücke. 

Pterostichus harharus Dej. Gemein. 

Amara simplex Dej. 2 Exemplare. 

Äristiis opacus Er. Mehrere Stücke. — Auch auf der Insel Lampedusa von 
E. Eagusa gesammelt. 

Earpalus fulvus Dej. Nur 1 Exemplar. 

Metabletus fiiscomaciilatus Mötsch, (patruelis Chd.). 

Cymindis axillaris var. 

Cercyon quisquilius L. 
i Philontus fenestratus Fauv., longicornis. 
lEulissiis fulgidus Fabr. 
\ Leptacinus parumpimctatus Gyll. 
^^Eister Tuthmosis Mars. 2 Exemplare. 

I Saprinus furvus Er., speculifer, Tunisius Mars., chalcites III. 

[Attagenus hifasciatus Rossi, distinctiis Muls. 

I Telapes posticalis Fairm., liirtulus Eosenh. und var. (?). 

Carpophilus hemipterus L. 1 Exemplar. 

Buhas hison L. 

Onthophagiis Bedeli Ettr. Häufig. 
Oniticellus pallipes var. pallens Ol. 1 Stück. 

Aphodius liier oglyphicus Klug, leucopterus Klug, hydrochaeris Fb., nitididusFh., 
luridus var. limicola Pnz. 



276 



C. Escherich. 



Thorectes spec. ? 

Phyllognathus silenus Fb. var. (V). Flog meistens Abends ins Zimmer an das Licht. 
Lcucocelis amina Fairm. Sehr häufig. 

Phijllopertha Quedenfeldi Reitter. Häufig, Vormittag zwischen 8 — 10 Uhr 

fliegend (ganz nieder) oder auf Compositen sitzend. 
lulodis setifensis Luc. 1 Paar in Copula, auf der Erde sitzend. 
Sphoioptem geminata Fb. ('?), stark sculpirt. 1 Exemplar. 
Corynetinus fivietarius Waltl. Im Pferdedünger. 
Necrohinus frater Reitt. Häufig, wie der vorige. 
Trichodes umhellatarum Oliv. 2 Exemplare. 
Dasytes nov. spec. (V?). 
Psilothrix cyaneus Oliv. 

Zophosis'^) minuta Fb. {suhorbicularis Sol.). Häufig, sehr rasch im Sande huschend. 

Meistens sind die Thiere bläulich reifartig bestäubt. 
Erodius zophosoides Alland., barharus Sol. 

Adesmia metallica Klug und affinis Sol. Die Adesmien sind sehr flink und er- 
innern beim Laufen an Carabus. 
Pachychile Stevern Sol. 
Tentyria Sardea Sol. 
Stenosis affinis Sol. 
Morica S-costata Sol. 
Alis spinosa L. und Goryi Guer. 

Scaurus anyustus Reiche, ovipennis Fairm. und barbarus Sol. 
Blaps gayes L. 

Blaps polychresta Forsk. 2 9 C^^)» ^^ov. spec. (Länge 45 mm). 
Blaps liequieni Sol. Häufig. 
Opatroides punctulatus Brülle. 

Pimeliu pilifera Sen. Die häufigste Art; überall massenhaft im Sande herum- 
laufend. 

rtigosipennis m. nov. var. IJiffert a forma typica elytris opacis, forte 

rugoso-granosis, costis magis elcvatis. 

Eine sehr auflallende Form, die durcli ihre matte Oberseite, stark 

gerunzelten Flügeldecken, die deutlichen scharfen Ripi)en und durch rinnen- i 

artig ausgehöhlte Nahtgegend am Flügeldecken;ibsturz leicht kenntlich ist. 

Ob neue Art? 
J^uiuilia intcrstitüdis Sol. Selten. 
Pivwlifi üiinplcx Sol. Ziemlich häufig. 
Viuuiia JJuponti Sol. (?) Seifen. 
(Jrncrn hispida. Sehr häufig. 

Omophlus distinctuH S;q». Auf ( '(»mposifcn, häufig. 

') Vcrul. VcrwfichniR« «If-r von INihlfs in 'rrijir.lis frosaiiuiiflipn 'l'fhcln ionidrn (Hcülinor 
oDUiinol. /,«itmi(j. IHhJ, H. VA). werden <l..rt Hi.ocio.s suiKonilirt, vom .lonon ich nochH auch auf 



Beitrag zur Fauna der tunisischen Insel Djerba. 



277 



Lytta djerhensis Escher. (vergl. diese „Verhandlungen", 1894, S. 285) = rufula 
Fairm. (Ann. France, 1864, p. 6). 

Fairmaire beschrieb genannte Art als Lydus rufidiis, weshalb 
mir das Thier bei der Kevision der Gattung Lytta entging. Wegen der 
glatten Klauen darf aber unsere Art auf keinen Fall in das Genus Lydus 
gestellt werden. Habituell passt sie freilich auch nicht in die Gattung 
Jjytta und dürfte hier die Errichtung einer neuen Gattung vielleicht an- 
gezeigt sein. 

Ich fing 9 Exemplare auf gelben Compositen. L^ytta rufida Fairm. 
scheint über Nordafrika verbreitet zu sein: Kr a atz besitzt ein Exemplar 
von dem Djerba benachbarten Gabes (von Quedenfeld gesammelt); 
Heyden und Daniel besitzen Exemplare aus Tunis; Fairmaire be- 
schrieb sie aus Biskra. 

Antliims fonnicarius L. var. 

Änaspis spec? — Blylahris (Bruchus) spec. (?). 

Hypera philantus Oliv. 2 Exemplare. 

Baridius sellatus Bob. 2 Exemplare; sonst Spanien. 

Brachycerus spec. (?) 

Apion violaceuvi Kirby. 

Agapantia aspliodeli Latr. und cardui L. 

Phytoecia molyhdaena Dalm. 

Cryptocephcdus 6-notatus Fabr. 

Colaplius pidcheUiis Luc. 

Entomoscelis rumicis Fabr. Häufig. 

Timarcha laevigata Fabr., stärker als gewöhnlich sculptirt. Sehr gemein, sowohl 
auf Grasboden laufend, als unter Steinen; manchmal 20—30 Stück unter 
einem Stein, 
j Chrysomela hicolor var. dolorosa Fairm. 
j Chrysomela gypsophilae var. lucidicollis Küst. 
I Chrysomela Banksi Fabr. 
j Galleruca circumdata Dft. 1 Exemplar. 
Psylliodes inflata Reiche und hyosciami L. 
Chilocorus hipunctatus L. 

ßeptilieii und Batraebier. 

1. Tarentola mauritanica L. Selten; tagsüber unter Steinen. 
,i2. Eremias guttiüata Licht. Schon durch F. Lataste von der Insel Djerba 

I erwähnt. 
3. Acanthodactylus hoskianus Daud. Desgleichen. Sehr häufig (siehe oben). 
;|4. Chalcides ocellatus Forsk., Type. Wie gewöhnlich mit 30 Schuppenreihen um 

die Eumpfmitte. 
j5. Bufo viridis Laur. 1 Stück. 



278 



C. Es eil er ich. 



Anhang. 

Verzeichniss der von mir in der Umgebung von Tunis gesammelten 
Mollusken, Eeptilien und Batrachier. 

(ZusammengesteUt von Prof. Dr. 0. Boettger.) 

Mollusken. 

I. In den Schluchten des Djebel Bon Korn ein, einem südöstlich von 
Tunis an der Meeresküste gelegenen Gebirgskamm, fand ich folgende Arten : 
Helix (Gonostoma) lenticula Fer. 

Helix (Jacosta) idia Bgt. 
Helix (HeropMla) noctuella Bgt. 
Helix (HerophUa) pyramidata Drap. 
Helix (Colchicella) harhara L. 
Helix (Macidaria) vermiculata Müll. 

Buliminus (Pseudomastus) pupa Brug. var. tunetana Rve. 
Bumina decollata L. 
Ferussacia follicidus (Gron.). 
Fernssacia (Fseudazeca) montana Bgt. 
Fomatias perseianus Kob. 

II. Djebel Zaghouan (südlich von Tunis): 
Leucochroa candidissima (L.) var. maxima Bgt. 
Helix (Xenophila) Khangetica Let., Bgt. 

Helix (Xenophila) i^yramidata Drap. 

Helix (Macularia) vermiculata Müll. typ. und var. uticensis Kob. 
Jlulimimis (Nepaeus) thayacus Kob. var. zenyikina Kob. 
Fcriissazia montana Bgt. 

Clausiliu (Mauritanica) perinnei Bgt., 1870 (= polyyyra Bttgr., 1879). 
Pomatiiis j)er8eianus Kob. var. ziynensis Kob. 

III. Djebel Ksass (Bloiberg, südlich von 'J'unis): 
liuliminuH pupa Brug. var. tunetana Rvo. 
Ferussacia montana Bgt. 

Fomatias perseianus Kol), var. lataslcana Let., Bgt. 

Reptilien (111(1 Bainieliier. 

Testudo ihrra I'.ill. lliiiifig, Djebel Ksass. 

(Jlcmwys IrjiroHu Schwcigg. I IOxein]»lar, in eiueiii Wassorgr;ib(!ii. 
Tnrrntola mnu/ritanira L. Hiiulig, milor .Steinen und ( )juinti('nbl;il üü ii. 
( 'h'tmarhoti rulijariH \,;\\\r lliiiifig, Djebel lisass. 
ErrmiaH <inlhil<ito. Liehl. 



Beitrag zur Fauna der tunisiscben Insel Djerba. 



279 



AcantJiodactylus vulgaris D. B. var. lineomaculata D. B., 9 • B^i Hammam en 

Lif am Fusse des Djebel Bou Kornein. 
Lacerta ocellata var. pater. Sehr häufig, überall auf Wegen. 
Ophiops occidenfalis Blgr. 

Chalcides tridactylus Laur. In Tunis bisher nur einmal gefunden. 
Chalcides ocellatus Forsk. Häufig. 

Zamenis Idppocrepis L. Squ. 27, G. ^/s, V. 247, A. Vi, Sc. + 
Macroprotodon ciicullatus Geoifr. Squ. 19, G. V4, V. 183, A. ^/i, Sc. ^'/st + I- 
CoelopeUis lacertina Wagl. Squ. 19, G. ^U, V. 171, A. Vi, Sc. ^V9i + 1. 
Bmia esculenta L. var. ridibunda Fall. 
Bufo viridis Laur. 

Bufo mauritanicus Schlg. Häufig; ein Paar in Copula am Djebel Rsass; meist 

sehr grosse Exemplare. 
Disco glossus pictus Otth. 



Liehenologisehe Beiträge. 

Von 

Prof. E. Kernstock. 

(Eingelaufen am 25. Juni 1896.) 

VII. Ehrenburg im Pusterthale. 

Für einen viermonatlichen Aufenthalt — während der Sommermonate in 
den Jahren 1894 und 1895 — ist das nachfolgende Verzeichniss der iichenologischen 
Ausbeute mager genug. Indessen kommt der Sommer 1895, welchen ich infolge 
eines geringfügigen, aber hartnäckigen Fussleidens mit theoretischen Arbeiten 
ausfüllen musste, für liehenologisehe Excursionen fast gar nicht in Betracht, 
I während andererseits die Untersuchung sich lediglich auf die Thalsohle, in ge- 
j ringem Umkreise und bis auf höchstens 300 — 400 m relative Höhe erstreckt. Ein 
ifür mehrere Tage geplanter Aufenthalt im Gebiete des Kreuzkofels der Enne- 
berger Dolomite musste an dem Umstände scheitern, dass die Sennhütten von 
Klein -Fannes, wo einmal genächtigt wurde, mangels des ärmlichsten Heulagers 
eine ganz unzulängliche Unterkunft gewähren und sonst weit und breit keine 
gastliche Herberge sich befindet. Eine Recognoscirungstour auf die nördlich von 
i Ehrenburg gelegene Kette zwischen der hohen Eidechse und dem Sambock brachte 
iinir die Ueberzeugung, dass auf diesen südlich exponirten trockenen und kurz- 
jgrasigen Abhängen wahrscheinlich nicht viel zu holen sei; die gegen die Ziller- 
jthaler Berge abfallenden Schroffen sind aber fast ungangbar. Die Begehung des 
unmittelbar südlich von Ehrenburg steil ansteigenden, höchst abwechselnden 
jSchieferrückens, welcher über 2000 m erreicht, wurde aber so lauge aufgeschoben, 
jbis sie mir unmöglich wurde. Die mit „S." bezeichneten Funde rühren von Herrn 



280 



E. Kernf5tock. 



H. Simmer her, welcher damals als Verkehrsbeamter der Südbahn in Ehrenburg 
weilte und seine vielseitige Begabung auch in den Dienst der Floristik stellte. 

Der Thonschiefer, in welchem das durchforschte Gebiet liegt, weist eine 
iudividuenreiche, zu Massenvegetationen geneigte, an Arten aber ziemlich magere 
Flora auf, in welcher gleichwohl die Haupttypen der Niederung vertreten sind. 
Einige minder häufige Flechten, von denen gewisse entschieden von den benach- 
barten, besonders den südwärts gelegenen Höhen sich herabgefunden haben, können 
hier genannt werden : Leprocaulon nanum, Imbricaria ciliata excrescens, Imhri- 
caria omplialodes panniformis, Sticta scrohiculata, Acarospora sinopica, Leca- 
nora suhcarnea, eponora und Bockii, Äspicilia conglomerans, Lecidea convexa (?), 
diasemoides, Scoliciosporum umhrinum leptomereum, Sarcogyne eucarpa, Buellia 
aethalea, Catocarpus simillimus, Bhisocarpon gmnde, Oederi, petraeizum, Leca- 
nactis plocitia und einige Syntrophen, darunter zwei Nesolechia- Arten und die 
Cercidospora caudata. Als neu dürften zu bezeichnen sein die von der Äspicilia 
cinereo-rufescens lediglich durch die fehlende Jodreaction unterscheidbare Äspi- 
cilia simidans und die eigenthümlich, man möchte sagen „überreagirende" Form 
der Binodina exigua, nämlich f. ramulicola. 

Unter den auf fast allen Hölzern sich wiederholenden Rindenflechten sind 
durch beinahe constantes Zusammen vorkommen auf gewissen Rinden Buellia 
parasema var. microspora Waiu. f. eruhescens Arn, und Binodina exigua f. ramuli- 
cola m. bemcrkenswerth; beider Thallus wird durch KHO roth gefärbt. Auch 
Binodina sophodes var. alhana Mass. ist sehr verbreitet. 

Die Schieferwände an schattigen Lagen sind bedeckt mit weithin leuchtendem 
Calicium paroicum, zu dem sich an gleichen Orten eine Massenvegetation von 
meist frutificirender Bertusaria corallina gesellt. Besonderes Interesse bietet die 
lange, aus Schieferblöcken jeden Kalibers zusammengetragene Mauer längs des 
Weges zum Marbacher Sattel, auf welcher üppig fruchtendes Stereocaulon coral- 
loides, zahlreiche oxidirte Lecideen, darunter das für Tirol neue Bhizocarpon 
Oederi, endlich Lecanora epanora (in nur einem Exemplare gesehen) und zahl- 
reiche Cladonien gedeihen. Diese Mauer gewährt ganz den Anblick einer alpinem 
Trümmerhalde. 

Dif Erde- und MoosbewohiK.'r dürften auf dem (Jelzenberge ein zusagenderes 
Heim gefunden haben. Der Cladonienflor der etlichen mit Heide und Laub- 
hölzern bestandeneu Rodungen ist zwar sehr üppig, bietet aber mit alleiniger 
Au.snahme von Cladonia amaurocraea f. fasciculata, suhcariosa, cyanipcs und 
etwa der mannigfach und zi(!rlichst entwickelten verticillaia nichts von Belang. 

Ein«' Eigenthümlichkeit in phanerogamistischer Beziehung bietet die Gegend 
um Elin'n])urg darin, dass ein gross(!r Procentsatz aller hier vorkonmieiideD 
(.'ampanula-Xrtau des biaufüi FarbstofTes entbehrt. 

Einige wenige Angaben beziehen sich auf das Anthol/.thal und (his vom 
StallerHattcl südlich herabziehende, im Glimmerschief(.'r liegende Ackstall, wohin 
ich einen zweitägigen Abstecher machte. Gesammelt wurde im Gebiete für Kernorj 
Flora ex.siccata Austro-IIung. und die vom Wicncsr Ilofmuscum herausgegebenen 
„Cryptogariiae cxHiccataü". | 



Lichenologische Beiträge 



281 



I. Speeles saxicolae. 

a) Tlionscliiefer. 

1. Alectoria nigricans Ach. Grünsee ober der Grünwalder Alpe. 

2. Bamalina poUinaria Ach. Verbreitet; auf einem Hügel gegen Kiens mit 

Apothecien. 
f. rupestris Flk. Seltener. 

3. Evernia prunastri L. und 

4. Evernia thamnodes Fw. Auf der Steinmauer am Marbacher Sattel, offenbar 

von beschattenden Coniferen übergesiedelt. 

5. Stereocaidon coralloides Fr. An mehreren Orten, immer fruchtend; von der 

erwähnten Steinmauer gesammelt für Crypt. exs. 

6. Stereocaulon alpinum Laur. Steril und spärlich. 

7. Leprocaulon nanum Ach. Subfrequens. 

8. Imhricaria perlata L. An mehreren Orten grosse Flächen überziehend, steril; 

von hier in Kern., A.-H. 

9. Imhricaria ciliata f. excrescens Arn. Ein paar Wände am Getzenberge über- 

ziehend, gern gesellig mit Sticta scrohiculata. 

10. Imhricaria revoluta Flk.: sorediis marginalibus superficialihusque, sterilis; 

im Marbachthale. 

11. Imhricaria saxatilis f. furfuracea Sch. Vereinzelt. 

12. Imhricaria omphalodes f. paymiformis'V^xAi. An mehreren Orten; auf dem 

Getzenberge mit Früchten. 

13. Imhricaria physodes f. lahrosa Ach. Auf einem Hügel zwischen Ehrenbui-g 

und Kiens. 

14. Imhricaria caperata Dill., tota sorediifera. Auf den Hügeln um Ehrenburg; 

auch sonst häufig. Auf der Steinmauer wächst sie über der folgenden. 

15. Imhricaria conspersa Ehrh. Häufig, doch nicht immer mit Apothecien ; am 

Marbacher Sattel mit beginnender Isidienbildung. 
f. isidiata Anzi. Am letztgenannten Orte. 

16. Imhricaria sorediata Ach. Auf der Steinmauer. 

17. Imhricaria prolixa Ach. Frequens. 

f. pannariiformis Njl. An mehreren Orten. 

f. corrugata m.: thalli laciniae dense pustulato-corrugatae ; ap. maxima, 
varie flexuosa; sperm. angiiste fusiformia vel rarius suhhifusiformia, 
5X1;^) auf einem Hügel. 

18. Imhricaria fuliginosa Fr. An mehreren Orten. 

f. setiformis m. : isidio e filis longis subramosis constante; vereinzelt. 

19. Parmelia trihacia Ach. Im Thälchen gegen Ilstern. 

20. Parmelia stellaris f. hispida Fr. Vereinzelt, übergesiedelt. 

21. Parmelia tenella Scop. Auf der Steinmauer, übergesiedelt. 

22. Parmelia caesia Hoffm. Vereinzelt. 



1) 5 X 1 = 0-005 mm longa et 0-001 mm crassa. 
Z. B. Ges. Bd. XL VI. 



39 



282 



E, Kerustock. 



23. Tarmelia albinea Ach.: thallus ±, laciniae angustae, di(jitato-multiiidae, 

ad oras sorediosae; auf den Hügeln um Ehrenburg. 

24. Parmelia obsciira Ehrh. Vereinzelt. 

25. Sticta scrohiculata Scop. Steril auf dem Getzenberge nicht selten; eine Wand 

völlig bedeckend; von hier in Kern er A.-H. 

26. Stictina fuliginosa Dicks. Ebenso, spärlicher. 

27. Giiepinia pohjspora Hepp. Auf einem Hügel. 

28. Pannaria micropliylla Scop. An mehreren Orten. 

29. Pannaria lanuginosa Ach. An schattigen Wänden häufig. 

30. Placynthium nigrum Ach. Auf dem Kienberge. 

31. Umlnlicaria pustulata L. Ebenda, steril. 

32. GijropJiora spadochroa Ehrh. (S.) 

33. Gijropliora crustulosa Ach. Hügel gegen Kiens. 

34. Xanthoria candelaria L. Auf der Steinmauer, übergesiedelt. 

35. Xanthoria lychnea Ach. Vereinzelt. 

36. Xanthoria idophylla Wallr. (fallax Hepp): lohi hreves lati, digitato-incisi, 

centro thalli sidipulvinati, adscendentes et marginihus truncato-sorediosi ; 
auf einem Hügel. 

37. Physcia murorum HolFm. Auf der Steinmauer, 
f. lohulata Flk. An mehreren Orten. 

38. Physcia cirrhochroa Ach. Auf den Hügeln und in Rodenegg beim Mülilbach (S.). 

39. Candelaria vitellina Ehr. Frequens. 

40. Callopisma flavovirescens Wulf. Auf der Steinmauer und gegen Kiens. 

41. Callopisma aurantiacum Lghtf. : thallus solito melius evolutus; auf einem 

Hügel. 

42. Callopisma rubellianum Ach. Bruneck. (S.) 

43. Callopisma ccrinum f. cyanolepra Fr. Auf der Steinmauer. 

f. chlorinum Fw. Eine Schieferwand auf der Strasse nach Kiens bedeckeiui. 
41. Blastenia ferruginea f. saxicola Mass. Auf der Steinmauer. 

45. Jilastenia lamprocheila DC. Auf Geröllhaufon verbi-eitet, 

46. Blastenia caesiorufa Ach.: thallus vemicoso-areolatus, cinerens vel albidns, 

ap. sat aurantiaca, conferta, suhminuta, excip. thallode; auf einem Hügel. 

47. Placodium murale Schreb. An mehreren Orten, 
f. difj'rac.tum Ach. Gegen Kiens. 

48. Placodium danissum Fw. Cum a]).; sporae ohlongo-ellips., D — JllX'l; "luf 

einem Hügel. 

49. Acarospora fuscata Schrad. Frequens. 
5(1. Ararospora rufescens liorr. Zerstreut. 

51. Ararospora sinopica Wljg. Auf Schicjfcrwändcn g^'gcn Kiens und luif dci" 

St.j'iiimauor. 

52. J)iwrlanm Mnugcotioidrs Nyl. Auf der liolicn lOideclise. (S.) 

PinodiiKi lrn<1iyiira Mass.: thallus allms, verruroso-areolatus, K \ , ap. 
plana, atra, rrrrucis imprrssa, iiiarg. c.rasso, allio, sp. /.S' X — 7, sjioro- 
hluMtiM Huprn jiaulhi caraliH; nieiircren (Ml.cn. 



Liclienologische Beiträge. 



283 



54. Rinodina discolor f. Candida Schaer. Auf den Hügeln um Ehrenburg. 

55. Lecanora suhfusca f. campestris Schaer. An mehreren Orten. 

56. Lecanora atrynea Ach.: ap. valde convexa, atronüjentia, nuda; tliallus 

passim vel totus (ap. inclus.) thallo Pyrenopsidis sanguineae obtectus; 
auf einem Hügel gegen Kiens. 

57. Lecanora sordida Pers. Ziemlich häufig. 

58. Lecanora suhcarnea Sw. : thallus K flav., discus ap. Cl = ; auf der Stein- 

mauer. 

59. Lecanora crenulata Dicks. Vereinzelt. 

60. Lecanora epanora Ach. : thallus fere tantum e sorediis dispersis citrinis for- 

matus, ap. dispersa, variae magnitudinis, lutescentia, marg. citrino; auf 
der Steinmauer. 

61. Lecanora polytropa f. illiisoria Ehrh. Verbreitet. 

var. alpigena f. ecrustacea Schaer. Auf der hohen Eidechse. (S.) 

62. Lecanora intricata Schrad. Im Thale gegen listern. 

63. Lecanora hadia Pers. Nicht häufig. 

64. Lecanora BocJcii Eod. Steril im Marbachthale. 

65. Haematomma ventosum L. Auf der hohen Eidechse. (S.) 

66. Aspicilia calcarea f. Hoffnumni Ach. Vereinzelt. 

67. Aspicilia gibhosa Ach. Verbreitet. 

68. Aspicilia conglomerans Nyl. Flora 1872 S. 292: thallus K—, med. J—, 

caesio-cinereus, hidlato-verrucosus, Verrucae hullatae vel varie tubercidoso- 
conglomeratae ; sp. 28 — 32X1^ — 19, sperm. recta, 8X1; auf einem Hügel 
bei Ehrenburg. 

69. Aspicilia cinerea L. Seltener. 

70. Aspicilia simulans m. : thallus crassus, diffracto-areolatus, einer eo-alhidus, 

super ficie farinosus, amhitit fere squamosus, K — , Cl — , / — ; ap. con- 
ferta, adpressa, ohscure rufa; sp. ellipsoideae vel glohoso-ellips., 11 — MX 
7 — 9, J hym. vinose fidvescens; sperm. recta, 5X1. A ci7iereo-rufescente 
habitu simillima et praecipue a subcinerea Nyl. in Flora 1869 p. 82 (spori- 
bus conveniente) differt thallo J = ; auf einem Hügel gegen Kiens. 

71. Aspicilia ceracea Arn. Vereinzelt. 

72. Urceolaria scruposa L. Zerstreut, 

f. violaria Nyl. Verbreitet, doch häufiger auf Moos und Erde. 
|73. Pertusaria lactea L. Zerstreut. 

|74. Pertusaria corallina L. Stellenweise massenhaft und häufig fruchtend; hie 
! und da mit gut entwickeltem Sclerococcum sphaerale Fr.; von hier in 

Crypt. exs. 

.75. Catolechia pulchella Schrad.: thallus totus pidverosus; vereinzelt. 
i76. Biatora lucida Ach. Hie und da an versteckten Wänden. 
|77. Biatora coarctata Ach. Zerstreut. 

78. Biatora rivulosa Ach. Selten. 

79. Lecidea tessellata Flk. Wenig entwickelt auf der Steinmauer. 

80. Lecidea lactea Flk. Nicht selten. 

3'.;* 



284 



E. Kernstock. 



f. ocliromela Schaer. : thallus oxyäatus, reactio microscopio conspicua, ap. 
pruinosa ; vereinzelt. 

81. Leciäea äeclinans Nyl. Auf der Steinmauer, 
f. suhterluens ochromelaena Njl. Ebenda. 

82. Leciäea lithophila Ach. : apoth. margine fkxuoso, disco varie scisso et fissuris 

marginatis ; auf dem Getzenberge. 
f. ochracea Ach. Auf der Steinmauer, 
f. geographica Arn. Mühlen. (S.) 

83. Lecidea platycarpa Ach. Stellenweise. 

f. microcarpa Hepp. Auf der Steinmauer. 

84. Lecidea convexa Fr.: thallus albus, sublaevigatus, rimulosus, K — , med. J — ; 

ap. minora conferta primum adpressa, plana vel convexiuscula, margi- 
nata, demum convexa, nuda, sp. 15—16 X 8—9 etc. ; auf der Steinmauer. 

85. Lecidea albocoerulescens Wulf. Stellenweise, 
f. alpina Schaer. Auf der Steinmauer. 

f. flavocoerulescens Horn. Ebenda häufig. 

86. Lecidea meiospora Nyl. Mit verschieden entwickeltem Thallus an mehreren 

Orten. Die Speeles scheint mir ein Nothbehelf. 

87. Lecidea crustulata Ach. Spärlich. 

88. Lecidea fumosa Hoffm. Vereinzelt. 

89. Lecidea grisella Flk. In verschiedenen Formen an mehreren Orten; häufig 

auf der Steinmauer. 

90. Lecidea tenebrosa Fw. Sambock. (S.) 

91. Lecidea latypea Ach. Verbreitet. 

92. Lecidea enteroleuca Ach. Auf der Steinmauer. i 
f. granulosa Arn.: thallus granulosus, sordide albescens, ep. sordide viride, 

hyp. incolor ; auf dem Kienberge, 
f. pungens Kbr. Vereinzelt. 

93. Lecidea viridans Fw. Vereinzelt. 

94. Lecidea diasemoides Nyl.: thallus sterilis, verrucoso-areolatus, K flan.,\ 

spermog. numerosa atra, sperm. saepissime arcuata, 11—14X1, intcr- 
mixtis rcctis. Stimmt mit Arn. exs. 1183 lliallodischerseits insoferne 
nicht ganz, als der Thallus bei Arn. mehr verebnet ist; von der habituell 
besser i)assenden Jjccidca subcongrua durch die Spei-ma.tien verschieden; 
auf Hügeln gegen Kiens. 
(»5. tScoliciosporum umbrinum Acli. Sehr iii)iiig (intvvickelt auf dem Kienberge; 
auch sonst. 

f. lepiomcreum Sommerf. Su|»jtl. )». KJl sec. Tli. Fr. Sc. 3(15: Uudhis ochra- 
cr.uH, ap. grcgarin. rirldialra ; auf dei' SIeinmauer. 
90. Sarr<tgy}U' pruinosa Sin. Selten. 

97. Surrogym nimplex l)av. An nielin-ren Orten. 

98. Jiucllia italica MuHH. Stt'll(!nweise mit obsoleter li(;a(!l ion, sonst niclii sielten, 
f. ]{f'cob(irinna Mass. (Jcgen Kirins. 

90. Jht/llia urthfilra Acli. entwickelt ;inf der Sleinniiiuer. 



Lichenologische Beiti-äge. 



285 



100. Budlia verruculom Borr. Sehr verbreitet, 
f. cinerea Fr. Mit voriger, etwas seltener. 

101. Buellia stigmatea Ach. An mehreren Orten. 

102. Buellia hadia Fr.: thallus hene evohitus, zwischen Ehrenburg und Kiens; 

tJiaUiis hene squamosus, super thallum Imhricariae conspersae auf Hügeln 
gegen Kiens. 

103. Catocarpus rivularis Fw. Pernthal (S.). 

104. Catocarpus polycarpus Hepp. Auf den Blöcken der Geröllhaufen sehr ver- 

breitet; von hier in Crypt. exs. 

105. Catocarpus simillimus Anzi: thallus orhiculos parvos formans. cinereus, 
minute areolatns; med. J — , ap. innata minuta, urceolata. sp. 16X8, 
protothallus niger distinctus: auf der Steinmauer. 

106. Bliizocarpon geographicum L. Frequens; auf der Steinmauer mit stark 

rostigen Apothecien. 

107. Bliizocarpon Jlontagnei Fw. In Bruneck und Ehrenburg (S.). 

108. Bliizocarpon distinctum Th. Fr. Verbreitet (von hier iu Crypt. exs.). Auf den 
mehrerwähnten Geröllhaufen, welche zwischen den Hügeln um Ehrenburg, 
auf dem Kienberge, Getzenberge etc. aus den Grundstücken zusammen- 
geworfen wurden, finden sich constant obige Art mit Bliizocarpon grande 
und Catocarpus polycarpus zusammen vor und sind, zumal bei feuchtem 
Wetter, habituell von einander schwer zu unterscheiden; doch vermochte 
ich von dieser Localität folgende trennende Merkmale (makroskopisch) zu 
fixiren : 

Bliizocarpon grande: tliallo hullato-verrucoso, trium maximo, ap. innatis 

aeqii.antüjus immarginatis, planis vel convexis. 
Bliizocarpon distinctum, extus simili priori sed tliallo minore, planiore; 

ap. innatis, suhaecpiantibus, obtuse marginatis, planis vel convexiusculis. 
Catocarpus polycarpus: thallo tenuissimo, arido. ap. sessiWms, coticavis, 
marginiljus acutis flexuosis. 

109. Bliizocarpon Oederi Web. Auf den glatten Flächen der Blöcke auf der 

Steinmauer; von hier in Arn. exs. 1662. 

110. Bliizocarpon grande Flk. Verbreitet (von hier in Kerner A.-H.). 

111. Bliizocarpon petraeizum Nyl. {endamyleum Th. Fr.): thallus plicato-verru- 

cosus, fuscocinereus, K — , Gl — , med. J_-\-, sp. nigrescentes, 8nae; parum 
adest: auf Hügeln gegen Kiens. 

112. Bliizocarpon ohscuratum Ach. Vereinzelt. 

113. Bliizocarpon excentricum Nyl. Vereinzelt. 

114. Bliizocarpon concetitricum Dav. Auf der Steinmauer. 

115. Lecanactis plocina Ach. Der durch den hervorstehenden dunklen Proto- 

thallus fast violett erscheinende, innen gelbe, dicht sorediöse Thallus 
macht äusserlich fast den Eindruck irgend eines Bliizocarpon. Auf einer 
versteckten Wand im Thale gegen listern vereinzelt. 

116. Calicium paroicum Ach. Steril, sehr gemein. 

117. Dermatocarpon pusillum Lönnr. Vereinzelt. 



286 



E. Kernstock. 



118. Stigmatomma clopimum Whg. Bruneck (S.). 

119. Lithoicea nigrescens Pers. Auf der Steinmauer. 

120. Lithoicea glaucina Ach. Zwischen Ehrenburg und Kiens. 

121. Leptogium cyanescens Ach. Im Bucheuwalde gegen Kiens. 

122. Collcma furmim Ach. Gegen Kiens. 

123. Lethagrium flaccidum Ach. Steril hie und da; cum ap. an Steinmauern 

an der Eienz (S.). 

124. Pyrenopsis sanguinea Anzi. Den Thalhis von Scoliciosporum umbrinum 

derart überwuchernd, dass die Apothecien der letzteren als solche der 
ersteren erscheinen; sperm. 3X1'5; auf der Steinmauer. 

125. Spilonema pamdoxum Born. In vielen Pölsterchen auf einem Hügel gegen 

Kiens. 

b) Saxa alia. 

Folgende Vorkommnisse beziehen sich auf eine Wiesensteinmauer bei Kiens, 
bestehend aus Granit-, Gneis- und Quarzitblöcken, auf Quarzfels verschiedener 
Orte und Glimmerschiefer im Ackstall; es bedeuten: Gl. = Glimmerschiefer, 
Gn. = Gneis, Gr. = Granit, Q. = Quarz, Qt. = Quarzit. 

1. Ilamalina pollinaria Ach. Gr., Kiens. 

2. Inihricaria tiliacea- HlFm. Gr., Kiens, übergesiedelt. 

3. Imhricaria encausta Sm. GL, Ackstall. 

4. Imhricaria caperata Dill. Gr., Kiens. 

5. Imhricaria conspersa Ehrh. Ebenda. 
G. Imhricaria prolixa Ach, Gn., Kiens. 
7. Physcia elegans Lk. Gr., Kiens, 

f. granulosa Sch. Gn., Bruneck, (S.) 
(S. Candelaria vitellina Ehrh. Q., Gr., Gn., Kiens etc. 
0. JUastenia ferruginea saxicola Mass. Gn., Kiens. 
lU. Pannaria micropliylla Sw. Q. (S.) 

11. Acarospora fuscata Schrd. Gn., Kiens. 

12. liinodiyia lecanorina Mass. Eb(^nda. 

13. Lecamra polytropa Ehrh. Ebenda und GL, Ackstall. 
f. alpigma ecruHtacea Sch. GL, Ackstall. 

I L Aspiciiia calcarea concreta Sch. Gn., Kiens. 

15, IJrccülaria scruposa L. Ebenda. ' 
10. l'ertusaria coralliiut L. Qt., auf dem Getzenberge. 

17. Lecidea silacea Ach. GL, Ackstall. 

18. Lecidea tcHscUata Flk. l^t., auf dem Getzenl)erge. 
l'J. Lecidea declinam Nyl. GL, Ackstall. 

f. ccrustacm Nyl. (Arn. cxs. 7 ]('>). (ju., Kiens. 
20, Lecidea mrcogynoidcH Kbr. : Ihalliis nuUu» Disihilis, ap. numcrusa cunferta 
parimla plarui, marg. tenui crccto, toia tcnuiter jtruinosa, intun nurnudia; 
von (l(?n Südtirob'r Vovuk'U abweichend duicli diu ljurein-cn Apothec/ien. 
<in., KieoM. 



Lichenologisehe Beiträge. 



287 



21. Lecidea promiscens Nyl. Gl., Ackstall. 

22. Lecidea grisella Flk. Gn., Kiens, Qt.. auf dem Getzenberge. 

23. Lecidea latypea Ach. Gn., Kiens. 

24. Lecidea enteroJeuca Ach. Ebenda. 

25. Lecidea viridam Fw. Gr., Kiens. 

26. Sarcogyne simplex Dav. Gr., Gn., Kiens. 

27. Sarcogyne eucarpa Nyl. Gr., Kiens. 

28. Buellia fusca Anzi Cat. 87. Gr., Kiens, wenig. 

29. Buellia italica Mass., Q.. auf der Steinmauer. 

30. Buellia aethalea Ach. Qt., auf dem Getzenberge. 

31. Buellia stellulata f. minuiula Hepp: thallus minute areolatus, aVms rel 

cinerascem, K flac, med. J — , ap. minuia innata plana aequantia, 
tenuiter marginata, ep. hyp. fuscescem, sp. 8—12X4: Gr.. Kiens. 

32. Buellia stigmatea Ach. Gn., Kiens. 

33. Catocarpus rivularis Fw. Gl., Ackstall. 

34. Bhizocarpon geograplücum L. Gn., Kiens. 

35. Bhizocarpon oljscuratum Ach. Q., auf dem Getzenberge. 

36. Bhizocarpon concentricum Dav. Q., Qt., auf dem Getzenberge. 

37. Sporostati-a morio Eam. Gl.. Ackstall. 

Auf dem Mörtel einer Mauer in Bruneck sammelte H. Simmer: Callo- 
pisma citrinum Ach. und Colletna furcum Ach. 

II. Speeles mnscicolae. 

1. Alectoria bicolor Ehrh. Ueber einem Blocke auf dem Getzenberge. 

2. Bamalina pollinaria Ach. Ebenda. 

3. Imhricaria perlata L. Ebenda. 

! 4. Imhricaria pertusa Schrk. Ebenda. 

5. Imhricaria conspersa Ehrh. Ebenda. 

6. Barmelia pulreruJenta f. muscigena Whg. Auf einem Hügel gegen Kiens. 

7. Xephromium laerigatum Ach. An mehreren Orten, 
f. parile Ach. Auf dem Getzeuberge. 

8. Bannaria coeruleo-hadia Sch. Terenten (S.) und sonst noch. 

9. Bannaria lepidiota Sommerf. Ad saxa, auf dem Kienberge. 

10. Callopisma cerinum f. stillicidiorum Horn. Stellenweise. 

11. Ochrolechia taHarea f. androgyna Hoffm. Auf dem Getzenberge. 

12. Urceolaria hryophila Ehrh. f. violaria Nyl. Auf der Steinmauer zusammen 

mit der Erde bewohnenden Form. Erstere mit glatterem, dünnerem und 
letztere mit dickerem gelblichgrauen Thallus werden beide durch Hydrochl. 
calc. zuerst normal roth, dann aber höchst deutlich und schön violett 
gefärbt. Diese von Nyl ander (als einziges Unterscheidungsmerkmal von 
scruposa, ein anderes stichhältiges ist mir nicht bekannt) für seine violaria 
verlangte Eeaction habe ich schon zu wiederholten Malen an der ganzen 



288 



E. Kornstock. 



Formeureihe von scruposa gefunden, an verschiedenen Orten und bei 
Benützung von frischen und von älteren Chlorkalklösungen; ich halte 
daher die „Art" Urceolaria violaria Nyl. nicht für stichhältig. Die 
Urceolaria scruposa in Runkelstein bei Bozen — über Porphyr und über 
Moosen — gehört ebenfalls hieher. 

13. Biatora sanguineo-atra "Wulf. Vereinzelt. 

14. Biatora granulosa Ehrh. Auf dem Getzenberge. 

15. Lecidea limosa Ach. Ackstall. 

16. Büimhia sphaeroides Dicks. Vereinzelt. 

17. Bilimhia trisepta Naeg. Auf dem Kienberge. 

18. Coniocyhe furfuracea Ach. Zerstreut. ! 

19. Dermatocarpo7i pusillum Lönnv.: sp. 38—46X12—18, gonidia hymenialia 

suhrotunda minutissima ; auf einem Hügel. 

20. Leptogmm atrocoeruleum Hall. Zerstreut. 

21. Lethagrium flaccidum Ach. Vereinzelt. 

III. Speeles terrigenae. 

1. Cladonia rangiferimi L. Frequens; gut fructificirend an mehreren Orten, 
f. incrassata Schaer. Spie. 38: podeüis crassis, sursum usque 6 mm latis 

minus divaricatis verrucosis; auf der Steinmauer. I 
f. fusceseens Flk. Clad. p. 105 (?) : forma gracilis, podetiis kitere ad solum spec- 
tante alhis superiore fumoso-cinereis, apicihus fuscescentilms ; mit voriger.! 

2. Cladonia silvatica L. Frequens, 

3. Cladonia Papillaria f. molariformis Hotfm. Ueppig entwickelt auf dem Kien- 

berge; von hier in Crypt. exs, 

4. Cladonia Floerkeana Fr, Auf dem Kienberge häufig, ; 

5. Cladonia hacilluris Nyl. Ebenda. ' 
f. clavata Ach. Ebenda. 

G. Cladonia macilenta Hoff'm. Ebenda; von hier in Korn er A.-H. 

7. Cladonia digitata Schaer. Ebenda. I 

8. Cladonia coccifcra L. In üppigster Ausbildung ebenda. l 
II. Cladonia pleurota Flk. Auf der Steinmauer, im Ackstall. I 

10. Cladonia dcfonnis f. cremilala Flk. Tereuten (S.), auf dem Kienbergo. i 
f. gonccha Ach. Auf dem Kienberge. 

11. Cladonia amaurocraea Flk. In mannigfachen, meist schlanken Formen^ 

theils bechertragend, theils cornul mit hbrillenarligen Auswüclisen, überall; 
gesammelt für Kern er A.-H. j 
f, fascicnlaia m. Auf dcui Hügeln vor Elii-(;iil)urg und an Jinderen Orten; vom 
tTHten Standorte in Arn. exs. 1005 und Crypt. exs.; Uelx'rgänge von deil 
Stammform in diese liiiufig und in Crypt. exs. niedcrg(4egt. H 

12. Clfulonifi uncialis L. In Massen Vegetation und verschiGdonon !•]) iings-B 

«t.'idien an mehreren Ort (in. I 
f. turgcHCCHH Del. Auf dem Kienberge. ■ 



Lichenologiscbe Beiträge. 



289 



13. Cladonia furcata f. suhulata Flk. In einem Fölirenwäldclien bei St. Sig- 

mund. 

f. corymhosa Ach. Stellenweise; von hier in Kerner A.-H. 
f. mcemosa Hoffm. Frequens. 

f. racemosa foliolifera Njl. (trimcata Flk.). Auf dem Kienberge, 
f. palamaea Ach. Ebenda. 

14. Cladonia crispata Ach. (S.) Auf dem Kienberge seltener. 

15. Cladonia squamosa Hoifm. In zahlreichen unwesentlichen Formen den 

Boden von Waldblössen stellenweise ganz bedeckend ; darunter heraus- 
gefunden die Formen: 

f. denticollis Hoffm. Frequentissime ; von hier in Kerner A.-H. 

f. simpliciusciila Schaer. Frequens. 

f. squamosissima Flk. Frequens. 

16. Cladonia cenotea Ach. Cum ap. auf dem Kienberge. 

17. Cladonia subcariosa Nyl. Auf dem Kienberge und auf einer Steinmauer 

im Thale gegen Ilstern. 

18. Cladonia foliosa Sommerf., cum Arn. exs. 579 a — d omnino congruens, minus 

cum Icon. Arn. 1292 et 1486; auf dem Kienberge. 

19. Cladonia acuminata Ach. : pod. cylindrica decorticata, granuloso-sorediata 

et paullo squamulosa, K flav., apice vage ramosa; vereinzelt. 

20. Cladonia gracilis L. In vielen zum Theil ineinander übergehenden Formen 

verbreitet, von welchen die vier erstgenannten zur Massenvegetation neigen, 
var. cliordalis Flk. Auf dem Kienberge häufig; von hier in Kern er A.-H. 
f. leucochlora Flk. An niehreren Orten, 
var. macroceras Flk. Nicht so häufig, 
var. aspera Flk. Auf dem Getzenberge. 

var. valida Flk. In verschiedener Stärke an mehreren Orten, mit cliordalis 

in der Kegel durcheinander wachsend; von hier in Kerner A.-H. 
var. hyhrida Hoffm. Auf dem Kienberge, 
var. anthocephala Flk. Comm. 37. Ebenda, 
var. dilacerata Flk.: bene evoluta; auf der Steinmauer. 

21. Cladonia degenerans Flk. Im Gerolle, nicht besonders häufig. 

f. aplotea Ach. Auf der Steinmauer ; an anderen Orten in die folgende Form 

übergehend, 
f. anomaea Ach. Stellenweise. 
[ 22. Cladonia verticillata Hoffm. : optime evoluta et fructifera, podetia usque 

10 cm alta; auf dem Kienberge; von hier in Crjpt. exs. 
f. Simplex WUr. Ebenda, fructificirend. 

var. cervicornis Ach., f. phyllopliora Sommerf. Auf der Steinmauer. 

23. Cladonia pyxidata L. Frequens. 

f. syntlieta Ach. An mehreren Orten, 
f. lophyra Ach. Ebenso. 

24. Cladonia ßmhriata L. Frequens. 

f. tuhaeformis Ach. Auf der Steinmauer und anderwärts. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 40 



290 



E. Kernstock. 



f. ßhiäa Ach. Mit Apothecien besonders schön im Walde bei St. Sigmund; 

von hier in Kerner A.-H. 
f. prolifera Weiss. Auf der Steinmauer und in St. Sigmund, 
f. radiata Schreb. Vereinzelt unter voriger. 

25. Cladonia pityrea Flk. : podetia scyphifera, grncüia, cortice granulato, ap. 

margine scyphorum vel apice proUficationum hotryosa. (S.) Ist mir 
zweifelhaft. 

26. Cladonia Botrytes Hag. Auf Humusboden auf dem Kienberge. 

27. Cladonia carneola Fr. Cum ap. ebenda. 

28. Cladonia cy anipes Sommerf., f. Despreauxii Bor j. Zwischen Moos auf Wald- 

boden an mehreren Orten, aber immer ziemlich spärlich; auch unter Calluna. 

29. Stereocaulon coralloides Fr. Cum ap. auf dem Kienberge. 

30. Stereocaulon incrustatupi Flk. Auf der hohen Eidechse (S.). 

31. Cetraria islandica L. Die breit- und schmalblätterige Form auf dem 

Getzenberge. 
f. crispa Ach. Ebenda. 

32. Cetraria aculeata f. alpina Schaer. Ebenda und auf dem Woge nach Kiens, 

33. Platysma ciicuUatum Bell. Forma silvestris erecta; zwischen den Cladonien 

und Heidekräutern auf dem Kienberge. 

34. Stictina fuliginosa Dicks. Hofern. (S.) 

35. Nephromium laevigatum f. parile Ach. An mehreren Orten. 

36. Peltidea aphthom L. Auf der Steinmauer und anderwärts, häufig. 

37. Peltigera canina L. Frequens. 
f. ulorhiza Flk. Vereinzelt. 

38. Peltigera horizontalis L. Cum ap. häufig im Thale gegen listern. 

39. Peltigera polydactyla Hoffm. An mehreren Orten, in grosser Menge im 

Klostergraben; von hier in Crypt. exs. 

40. Peltigera rufescens Hoffm. An mehreren Orten. 

f. praetexiata Flk.: thallus margine integro sed squamulis super ficialihus 
numerosis; im Antholzthale. 

41. Peltigera spuria Ach. Terenten (S.) und auf dem Getzenberge. 

42. Peltigera malacea Ach. An mehreren Orten gut entwickelt. 

43. Solorina crocea L. Gl., im Ackstall. 

44. Pannaria pezizoides Fr. An mehreren Orten. 

45. Pannaria nehulosa f. coronata Holfni. Vereinzelt. 

46. Pannaria lepidiota Somuierf. Auf dem Getzcnl)erge. 

47. Pannaria lanuginosa Ach. Vom Fels übergcsiedidt. 

4H. Urceolaria scrn]>osa Ii. f. violaria Njl. Auf der Steinmauer. 

49. l'crtusaria oculala Dicks.. (V) ])aruin adcst: thallus obsolete pa/pillosvs, cete- 

ruvi laerigatus rel rcrrucnlosiis, K c. flavo sat sanguineus; -.mi' der St.(!in- 
maucr. 

50. Tineomyces roseus J'crs. Fre(|U('ns; aucli im Acikstall ((iliininer). 

51. Sphyridium hyssoidcM \>. Frc(|ucns C-iucli ;iiir Scliiefcr). 
f, HfHHiU N}1. Veniiti/i'll 



Lichenologische Beiträge. 



291 



52. Biatora granulosa Ehrh. Auf Humuserde, besonders des Kienberges häufig; 

von hier in Crjpt. exs. 

53. Biatora gelatinosa Flk. Auf dem Kienberge. 

54. Biatora uliginosa Schrad. Auf dem Getzenberge. 

55. Biatora humosa Ehrh.: thallus le])rosus, sp. 16—19X5 — 8; auf dem Kien- 

berge. 

56. Bilimhia miliaria Fr. Auf dem Getzenberge (S.) und im Thale gegen Ilstern. 

57. Bacidia mmcorum Sw. : thallus verrucosus, albus, K — , Cl — , ap. parva, 
L primum plana, dein convexa, atra vel sanguineoatra, ep. subincol., hyp. 
r fiiscum, exc. rubricosum, K paullo violaceum, sp. acicul. rectae apicibus 

attenuatae, 27 — 32X3, 3sept.; auf dem Kienberge. 

58. Placidium daedaleum Kplh. Auf der hohen Eidechse (S.), 



IV. Speeles lignicolae. 

(Ligna fabrefacta et trunci [tr.] putrid i.) 

1. Usnea barbata L. f. hirta L. Subfrequens, 

2. Alectoria jubata L. Stellenweise. 

3. Alectoria cana Ach. tr. Laricis. 

4. Cladonia digitata Hoffm. tr. Conif. 

5. Cladonia deformis gonecha Ach. tr. Conif. 

6. Cladonia macilenta Ehrh. tr. Conif. 

7. Cladonia squamosa Hoffm. tr. Conif. 

8. Cladonia cenotea Ach. tr. 

9. Cladonia Botrytes Hag. tr. et fabrefacta. 

10. Platysma Oalcesianuyn Tuck. Bruneck (S.). 

11. Platysma complicatum Laur. tr. Laricis. 

12. Imbricaria saxatilis L. Frequens. 

13. Imbricaria dubia Wulf., forma ochroleuca. Issingen. 

14. Imbricaria pTiysodes L. An mehreren Orten, 
f. läbrosa Ach. Vereinzelt. 

15. Imbricaria fuliginosa Fr. Frequens. 

16. Imbricaria caperata Dill. Frequens. 

17. Parmeliopsis ambigua Wulf. tr. Conif. 

18. Parmelia hyperopta Ach. tr. Conif. 

19. Parmelia stellaris L. (S.) 

20. Parmelia obscura Ehrh. (S.) 

21. Physcia cirrhochroa Ach.: thallo leproso, passim lobulato, fere toto soredioso- 

granulato, sat aurantiaco ; am Bahnhofe. 

22. Candelaria vitellina Ehrh. Subfrequens. 

23. Callopisma cerinum Ehrh. Vereinzelt. 

24. Callopisma pyraceum f. holocarpon Ehrh. Subfrequens. 

25. Gyalolechia au/rella Hoffm. (S.) 

26. Blastenia ferruginea Huds. Vereinzelt. 

40* 



292 



E. Kernstock. 



27. Rinodina exigua Ach. (S.) 

28. Binodina pijrina Ach. Siihfrequeny. 

29. Binodina maculiformis Hepp. Vereinzelt. 

30. Lecanora subfusca f. chlarona Ach. An mehreren Orten. 

31. Lecanora Hageni Ach. (S.) 
f. umhrina Ehrh. (S.) 

32. Lecanora varia Ehrh. pallescens Schrk. Subfreqiiens. 

33. Lecanora symmictera Nyl. Frequens. 
f. saepincola Ach. Vereinzelt. 

34. Lecanora effusa Pers. Vereinzelt. 

35. Lecanora Pumilionis Rehm. Vereinzelt. 

36. Icmadophila aeruginosa Fr. tr, 

37. Secoliga diluta Pers. tr., auf dem Kienberge. 

38. Psora ostreata Hoffm. tr. Laricis cum ap. auf dem Kienberge und steril 

auf einem Bretterzaune beim Bahnhof. 

39. Biatora atrofusca Fw. tr., vereinzelt. 

40. Biatora viridescens Schrad. tr., hie und da. 

41. Biatora asserculorum Ach. Vereinzelt. 

42. Lecidea parasema Ach. 

43. Bilimhia melaena Nyl. tr. Laricis. 

44. Buellia punctiformis Ach. Wiesenplanken überziehend. 

45. Coniangium exile f. rugulosiim Kplh. (S.) 

46. Xylographa parallela Fr. tr. Conif. 

47. Calicium parietinum Ach. 

48. Calicium virescens Schaer. tr. Laricis, auf dem Kienberge. 

49. Calicium lenticulare Holfm. tr. Laricis, ebenda. 

50. Calicium trahinellum Ach. tr. 

51. Cyphelium melanophaeum Ach. tr. Laricis, auf dem Kienberge. 

52. Cyphelium trichiale Ach. Auf dem Getzenberge (S.). 

f. fdiforme Schaer.: thallus rarissime crenato- squamosus, plerumque granu- 
loso-leproso-dissolutus, stipites filiformes; rr. Laricis, auf dem Kienberge. 



Auf dem Bretterdache eines Häuschens in Issiiigeu, welcher Ort auf dem 
Pfalzener Plateau zu Füssen der nördlichen Schieferkette gelegen isl, faiui ich 
folgende nicht uninteressante Florula; leider w;ir das Dach niclit besser zugänglich. 

1. ImhricarUi saxaiilis f. furfuracea Schaer. 

2. Imhricaria dahin Wulf. 

3. Imhricaria prolixa Acli. * 

\ Imhricaria conspcrsa Khrli. fluni ap. * 

{. viuliata Anzi. * 
5. Xrmthorin vitcllinn f. xanlhoHligma Pers. 
ß Lecanora hadia f. ciwraHcrns Nyl. Cum a]t 



Lichenologische Beiträge. 



293 



7. ümhilicaria pustulata L. Cum ap. * 

8. Pertiisaria glohuUfera Turn. 

Die mit * bezeichneten Flechten sind offenbar vom benachbarten Fels 
übergesiedelt. 

1^ V. Speeles corticicolae. 

Mit Rücksicht auf die zahlreichen Wiederholungen wird von der syste- 
matischen Aufzählung der einzelnen Rindenfloren abgesehen. Nachfolgendes Ver- 
zeichniss weist die Vorkommnisse auf 27 Rindenarten nach, von welchen jene auf 
Pinus Äbies und silvestris und auf Quercus nur der Form halber hier mitge- 
nommen werden; alle übrigen dürften, was das eingangs umschriebene Gebiet 
beti'ifft, einigermassen vollständig beobachtet sein. Die untersuchten Rinden ge- 
hören an: 

1. Pinns Larix. 

2. Pinus Äbies. 

3. Pinns silvestris. 

4. Juniperus communis. 

5. Betula alba. 

6. Alnus incana. 

7. Alnus viridis. 

8. Populus tremula. 

9. Salix purpurea. 

10. Salix spec. 

11. Coryliis Avellana. 

12. Sambucus nigra. 

13. Sambucus racemosa. 

14. Lonicera Xylosteum. 

Die Pflanzen stehen zum grössten Theile im Marbachthale (8, 9, 11 — 15, 
18—24), auch auf den buschigen Hügeln gegen Kiens (4, 5, 8, 11, 16, 17, 21) oder 
auf dem Kienberge (1—3, 5, 7, 8, 11, 21, 23, 25, 27) oder Getzenberge (5, 26); 
die Auen der Rienz bei Ehrenburg (6, 10) und St. Sigmund (6) lieferten die 
Erlenflora. 

1. Us)iea barbafa L., Larix, Betula, Alnus incana, viridis, Populus, Corylus, 

Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Bhamnus, Calluna. 
f. hii-ta L. Larix, Acer. 

2. TJsnea scdbrata Nyl. Abies im Antholz. 

3. Usnea microcarpa Arn. Ebenda. 

4. Alectoria. jubata L. Larix, Betula. 

5. Alectoria cana Ach. Larix. (S.) 

8. Evernia prunastri L. Larix, Betula, Alnus incana, Populus, Salix pur- 
purea, Corylus, Sambucus nigra, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium. 
Padus, Sorbus, Fraxinus, Berberis, Bhamnus. 
f. sorediifera Ach, Larix. 



15. Quercus pedunculata. 

16. Fagus silvatica. 

17. Acer Pseudoplatanus. 

18. Tilia parvifolia. 

19. Prunus Avium. 

20. Prunus Padus. 

21. Sorbus Aucuparia. 

22. Fraxinus excelsior. 

23. Berberis vulgaris. 

24. Bhamnus Frangula. 

25. Bosa canina. 

26. Vacdnium Vitis Idaea. 

27. Calluna vulgaris. 



294 



E. Kernstock. 



7. Evernia thamnodes F\v. Larix, Betula, Tilia. 

8. Evernia furfuracea L. Larix, Betula, Prunus Avium. 
f. scohicina Ach. Larix. 

9. Evernia vulpina L. Larix, Autholzer See. 

10. Bamalina polUnaHa Ach. Vaccinium. 

11. Platysma complicatum Laiir. Larix (von hier in Kern er A.-H.), Betula. [ 

12. Platysma pinastri Scop. Vaccinium, Calluna. 

13. Imhricaria tiliacea Holfm. Alniis incana, Acer, Prunus Avium, Fraxinus, . 

Berheris. 

14. Imhricaria duhia Wulf. Immer steril, mit grauem oder grünlichgelbem 

Thallus, und im letzteren Falle von einer sorediösen Imhricaria caperata 
oft nur bei genauer Besichtigung unterscheidbar: Larix, Pinns silvestris, 
Betula, Alnus incana (von hier in Kerner A.-H. et Crypt. exs.), Populus, 
Salix, Eagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Berheris, Ehamnus. 

15. Imhricaria saxatilis L. Larix, Juniperus, Betula, Alnus incana, Populus, 

Salix, Corylus, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorhus, 
Fraxinus, Berheris, Bhamnus, Posa. 
IC. Imhricaria physodes L. Laris, Betula (cum ap.), Alnus viridis, incana,. 
Popidus, Corylus, Fagus, Tilia, Prunus Padus, Bliamnus, Calluna. i 
f. lahrosa Ach. Larix, Corylus, Prunus Avitiin. 

17. Imhricaria caperata Dill. Larix, Pinus silvestris, Juniperus, Betula, Alnus 

viridis, incana, Populus, Salix purpurea, Corylus, Fagus, Tilia, Prunus 
Avium (cum ap.), Sorhus, Fraxinus, Berheris, Posa. \ 

18. Imhricaria aspera Mass. Alnus incana, Populus, Corylus, Acer, Tilia. 

Prunus Avium, Sorhus, Phamnus. 

19. Imhricaria exasperatula Njl. Larix, Jimiperus, Alnus viridis, Populus- 

Salix purpurea, Corylus (cum ap.), Samhucus nigra, racemosa, Loni- 
cera, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorhus (cum a-p.), 
Berheris, Bhamnus, Posa. 

20. Imhricaria fuliginosa Fr. Larix, Juniperus, Betula, Alnus viridis, incana^ 

Populu!^, Corylus, Samhucus nigra, Lonicera, Fagus, Acer, Tilia, Prunuh 
Avium, Padus, Sorhus, Berheris, Phamnus, Posa. 
f. Huhaurifcra Njl. Betula, Alnus incana, Salix purpurea, Corylus, Acer 
Tilia, Prunus Padus, Berheris, Phamnus. , 

21. Imhricaria verruculifera Nyl. Larix, Alnus incana, J'opulus, Acer, Tiliw 

]*nmus Avium, Fraxinus, Salix. 

22. Parmelin pulrcrulnila Schreb. Alnus incana, Populus, Salix purpurea 

Salix, (Jorylus, Samhucus nigra, Lonicera, Acer, '/'Hin, J*runus Avium\ 
Sorhus, Fraxinus, Ilcrhcris, Phamnus, Posa. l 

f. df'tcrsa Nyl. Sorhus. ' 

f. renuHla Ach, Alnus incana, Samhucus nigra, Acer, Fraxinus. > 

23. J'nrmdia HteUaris L, Larix, Alnus viridis, incana, Populus, Salix purl 

purra, Salix, ('nrylus, Samhucus nigra, racemosa, lonicera, Acer, Tiliw 
J'runwt Avium, Sorhus, Fraxinus, Ikrheris, Phamnus, Posa. , 



Liclienologische Beiträge. 



295 



t. tuberculata m.: tliallus tuherculis carneo-alhicantihiis conglomeratis liu- 
mectis concolorihus ohsitus (iiec sunt ceplialodia. nam continent gonidia 
thalli). Alnus incana, Corylus, Mliamnus, Bosa. 

f. hispida Fr. Corylus. 

24. Parmelia aipolia Ach. Alnus incana, Salix purpurea, Salix, Acer, Sorhus, 

Fraxinus. 

25. Parmelia tenella Scop. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Corylus, 

Samhucus nigra, racemosa, Lonicera, Tilia, Sorbits, Fraxinus, Rhamnus, 
Rosa, Berheris. 

f. subbreviata Njl. Flora 1882 p. 456: thallus late effusus, imbricatus, 
albido glaucus, laciniae latae breves digitato-crenatae, ad oras sorediosae, 
rarissime fornicatae, superficie nudae, -STdb; stimmt weder mit dimidiata 
Arn., noch tribacia Ach., mit welcher letzteren sie jedoch grosse Aehnlich- 
keit hat. Ahius incana in der Au bei Ehrenburg. 
2ü. Parmelia dimidiata Arn. Alnus incana, Sambucus nigra, Acer, Prunus Padus. 

27. Parmelia obscura Ehrh. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Salix, 

Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, 
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa. 
f. virella Ach. Alnus incana, Acer. 

28. Xantho7'ia parietina L. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Salix, 

Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Sorbus, F'raxinus, Rhamnus. 

29. Xanthoria candelaria L. Alnus incana; Pinus silvestris, Hofern (S.). 

30. Xantlioria lychnea Ach. Larix, Alnus incana, Populus, Salix purpurea, 

Salix, Corylus, Samhucus nigra, Acer, Tilia, Prunus Avium, Sorbus, 
Fraxinus, Berberis, Rhamnus. 

31. Candelaria concolor Dicks. Alnus incana, Populus, Salix, Corylus, Sam- 

bucus nigra, Acer, Tilia, Rhamnus. 

32. Candelaria vitellina Ehrh. Larix, Betula, Alnus incana, Populus, Salix 

purpurea, Corylus, Sambucus nigra, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, 
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa. 
f. xanthostigma Pers. Sambucus nigra, Prunus Avium, Padus, Berberis. 

33. Callopisma cerinum Ehrh. Alnus incana, Populus, Salix purpurea, Salix, 

Corylus, Sambucus nigra, Lonicera, Acer, Prunus Padus, Sorbus, Fra- 
xinus, Berberis, Rhamnus, Rosa. 

34. Callopisma pyraceum Ach. Larix, Alnus viridis, incana, Populus, Salix 

purpurea, Corylus, Sambucus nigra, racemosa, Lonicera, Fagus, Tilia, 
Sorbus, Fraxinus, Berberis, Rhamnus, Rosa. 

35. Callopisma cerinellum Nyl. Acer, auf morschen Aesten. 
B6. Blastenia ferruginea Huds. Prunus Avium. 

37. Blastenia caesiorufa f. corticicola Anzi. Larix, Juniperus, Populus, Sam- 

bucus racemosa, Prunus Padus, Rhamnus. 

38. Rinodina sophodes Ach. Alnus viridis, incana. 

f. albana Mass. Betula, Alnus viridis, Populus, Corylus, Sambucus race- 
mosa, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorbus, Berberis, Rhamnus, Rosa. 



296 



E. Kernstock. 



39. Binodina pijrina Ach. Larix, Jimiperus, Almis incana, Salix purpurea, 

Corylus, Prunus Avium, Rhamnus. 

40. üinodina exigua Ach. Larix, Acer. 

f. ranmlicola m. Alnus incana, Populus (von hier in Arn. 1654), Corylus, 
Samhucus nicjra, Tilia, Prunus Avium, Padus, Sorhus, Berheris, Bhamnus, 
Bosa. 

41. Binodina polyspora Th. Fr. Alnus incana, Populus, Acer, Sorhus, Fraxinusj 

42. Lecanora suhfusca L. Frequens. 

f. chlarona Ach. Larix, Betula, Populus, Salix purpurea, Corylus, Sam-^ 
hucits nigra, Fagus, Tilia, Prunus Avium., Padus, Sorhus, Fraxinus^ 
Bhamnus, Bosa. 

f. glahrata Ach. Betula, Älnus incana, Populus, Corylus, Acer, Tilia 
Prunus Avium; Padus, Fraxinus, Bhamnus. \ 
f. allophana Ach. Alnus incana, Acer, Prunus Avium, Fraxinus. 
f. variolosa Fw. Alnus incana, Fraxinus. 

f. pinastri Scop. Larix, Juniperus. \ 

43. Lecanora alhella Pers. Prunus Padus. \ 

44. Lecanora angulosa Ach. Alnus incana, Acer, Tilia, Prunus Padus, Sorhus*^ 

Fraxinus. j 

45. Lecanora intermedia Kplh. Alnus incana, Acer. 

46. Lecanora Hageni f. umhrina Ach. Lonicera. 

47. Lecanora piniperda Kbr. Larix, Acer (in dei" Nachbarschaft von Coni' 

feren). \ 

48. Lecanora symmictera Nyl. Larix, Juniperus, Betula, Alnus incana, Sam- 

hucus nigra, racemosa, Fagus, Acer, Tilia, Prunus Padus, Sorhus 
Bhamnus, Bosa, Calluna. 

49. Lecania cyrtella Ach. Populus, Salix purpurea. \ 

50. Biatora vernalis f. minor Nyl. Betula. 

51. Psora ostreata Hoffm. Larix, Kienberg; von hier in Kerner A.-H. Au 

dem Pfalzener Plateau häufig. \ 

52. Lecidea parasema Ach. Alnus incana, Corylus, Fagus, Acer, Prunu, 

Avium, Padus, Sorhus, Fraxinus, Bhamnus, Populus. 
f. atroruhens Fr. Alnus incana. 

53. Lecidea elaeochroma Ach. (olivacea R.). Acer, Tilia, Prunus Padim 

Sorhus, Berheris. 

54. Biatorina nigrorlamta Nyl. Populus, Corylus, Prunus Avium, Fraxinus 

Ikrhcris, Hliam nus. 

55. Arthrosporum arcline Fw. Populus, Salix purpurea, Tilia, Sorhus, Berherit 

56. liilimhin Nacgelii Hepp. Alnus incana, l'opulus, lierheris, Bhamnus. 

57. ScolicioHporum corticolum An/i. Jjarix, Jimiperus, Alnus viridis, incam 

PojiuluH, Corylus, Acer, Tilia, Prunus Avium., Padus, Sorhus, Berhcrü 
J\' humum, Bona. 

58. liudlia parasema f. disriformis Vv. Larix, Ihiida, Samhucus nigra, Acen 

J'niHUH PaduM. 



Lichenologische Beiträge. 



297 



var. vulgata Th. Fr. Almis incana, Tüia, Prunus Padus, Wiamnus. 
var. microspora Wain. Betula, Fagus. 

var. microspora f. erubescens Arn. Alnus incana, Populus, Tüia, Prunus 
Avium, Padus, Sorbus, Fraxinus, Rhamnus, Mosa. 

59. Buellia punctiformis Hoffm. Larix, Alnus viridis, Corylus, Sambucus 

racemosa, Tilia, Prunus Avium, Padus, Bhamnus, Posa. 

60. Buellia Schaereri De Not. Larix am Kienberge; von hier in Kerner A.-H. 

61. Arthonia astroidea Ach. Corylus, Acer, Tilia, Prunus Avium, Padus, 

Fraxinus. 

62. Arthonia punctiformis Ach. Populus. 

63. Arthonia populina Mass. Betula, Alnus viridis, Populus, Corylus, Sam- 

bucus racemosa, Acer, Tilia. 

64. Melaspilea proximella Nyl. Juniperus. 

65. Coniangium exile f. rugulosum Kplh. Sambucus nigra, Sorbus. 

66. Graphis scripta f. elongata Ehrh. Alnus incana. 
f. varia Ach. Fagus. 

67. Opegrapha herpetica Ach. Fagus: sperm. curvata (falcata), 5— 6 XI' 5; 

sp. curvulae 3sept., 19—20X4, thallus rufescens. 
f. stellaris Müll. Fl. 1871 S. 406: priori extus intusque similis excepta ap., 
quae sunt stellatim conferta; ebenda. 

68. Acolium viridulum Fr. Larix, Kienberg. 

69. Stenocybe byssacea Fr. : stipites saepius ramosae, sp. viridulae fusiformiellips., 

18 — 24 X 3 — 5, guttulis oleosis vel demum 3sept. Alnus incana. 

70. Calicium paroicum Ach. Pinns silvestris am Getzenberge, Vaccinium, beide- 

male übergesiedelt. 

71. Calicium praecedens Njl. Alnus viridis. 

72. Cyphelium chrysocephaliwi Turn. Larix am Kienberge; von hier in 

Kerner A.-H. 

73. Coniocybe furfuracea Ach. Larix. 

74. Microthelia micula Fw. Alnus incana, Prunus Avium. 

75. Pyrenula Coryli Mass. Corylus, Sambucus racemosa. 

76. Arthopyrenia analepta Ach. Alnus incana. Die Art ist mir zweifelhaft; 

Spermatien suchte ich überall vergebens. 

77. Arthopyrenia fallax Nyl. Populus. 

78. Arthopyrenia punctiformis Ach. Betula, Alnus incana, Populus, Corylus, 

Sambucus racemosa, Tilia, Prunus Avium. 

79. Arthopyrenia rhyponta Ach. Alnus incana, von hier in K e r n e r A.-H. ; Populus. 

80. Arthopyrenia paracapnodes Stizb. Helv. p. 255: thallus tenuis nigricans, 

illo rhypontae similis, ceterum ab illo Coccodinii late obtectus, ap. pro- 
minentia minuta, par. indistinctae, asci feracissimi oblongi, sp. inaegua- 
liter fusiformes, 3—7sept., 16—27 X 3—4. Die in der Mitte wenig dickeren 
Sporen, welche von jenen der Arthopyrenia pluriseptata Nyl. gänzlich 

' verschieden sind, erinnern an die schmalspindeligen gewisser Opegrapha- 

Arten; auf Quercus. 

I Z. B. Ges. Bd. XLVI. 41 



298 



E. Kernstock. 



81. Leptorhaphis oxyspora Nyl. Betula. 

82. Leptorhaphis tremulae Flk. Populus. 

83. 2I}icoporum ptclaeodes Ach. Betula. 

84. Mallotiiun tomentosum Hoffm. Fraxinus. 

85. Coccodinium Bartschii Mass. Corylus, Acer, Tilia. 



Buellia parasema var, microspora Wain. f. erubescens Arn. (Nr. 58), 
Rinodina exigua Ach. f. ramulicola m. (Nr. 40). 

Eine Uebersicht der Eindeuflora zeigt, dass die durch ihre Kalireaction 
(thallus K e flavo satußiineus) ausgezeichneten Parallelformen, nämlich Buellia 
parasema var. microspora Wain., K ruhens (= erubescens Arn. Lieh. Ausfl. XIV 
S. 493), und Binodina exigua Ach. f. ramulicola m. (Arn. exs. 1654 et Zw. 
62a, b), K rubens, nicht nur im Gebiete allgemein verbreitet, sondern überdies 
fast immer an denselben Eindenarten miteinander anzutreffen sind, und zwar auf: 



Älmis incana, 

Populus trenmla, 

Corylus Avellana (nur Binodina), 

Samhucus nigra (nur Binodina), 

Tilia parvifolia, 

Prunus Avium, 



Prunus Padus, 

Soi'bus Aucuparia, 

Fraxinus excelsior (nur Buellia), 

Berberis vulgaris (nur Binodina), 

Bhamnus Frangula, 

Bosa canina. 



beide miteinander also auf 8 von 12 untersuchten Eindenarten. Zu bemerken 
ist, dass auf Prunus Avium, selbst der Thalhis der Lccanora subfusca, wenn 
auch erst nach längerer Zeit, eine deutliche Oraugefärbung durch KllO zeigte.^) 
Dieses merkwürdige Zusammenvorkommeu der beiden abnormen Eeactions- 
formen wird schärfer beleuchtet durch die Thatsacho, dass hie und da auch die- 
selben Formen ohne die eigenthüraliche iC-Eeaction vorkommen, und zwar wieder 
miteinander an denselben Einden; die Buellia parasema var. microspora erscheint 
dann ersetzt durch eine ;indere Form, etwa disciformis. Folgende Ueborsiclit 
mogo dies erläutern : 

Lari.r: V'niodina exigua et Buellia parasema f. disciformis. 

Betula : — Buellia parasema var. microspora. 

Fagus: — Buellia parasema var. microspora. 

Acer: Binodina exigua et JiueUia parasema f. disciformis. 
Auflallend erscheint, dass Samhucus nigra nel)en der Binodina ramulicola 
(Ii*- normal rcagirende Budlia parasema f. disciformis b(!herbergt; indessen ist be- 
züglich letzterer ein Irrthum (mit Vernachlässigung der Ecaction) nicht aus- 
goKchlossen, 

Th<'ils nun dieses bcliMnliclic Zusammenvorkoinmcii auf denselben h'iiulen, 
theil« die gelegenf liehe Ilcdb.-Mbf iing. dass gewisse ItiiKleiipeiidernie diireli KIfO 

') Auf fl<>n fibriRott (.l>f>n Roiianiifi'n IMnflcn wiinli- diiH Vi rlniKcn dnr f.pravorn iinhfnacai 
nicht nnUtmucht. 



Lichenologische Beiträge. 



299 



tief blutroth gefärbt werden, legten mir den Gedanken nahe, dass zwischen dieser 
A'-Reaetion des Periderms und der jedenfalls abnormen gleichartigen gewisser 
Rindenflechten ein Causalnexus bestehen dürfte, und zwar einfach in der Weise, 
dass die /xT-Färbung des Thallus der in Rede stehenden Flechten nicht die 
Reactionserscheinung eines der Flechte angehörigen Stoffes, sondern des darunter 
liegenden Substrates sei, welche durch den Flechtenthallus hindurchschLägt. Für 
diese Ansicht scheinen mir einige Gründe zu sprechen, die ich im Folgenden 
darlegen will. 

Zuvor muss noch bemerkt werden, dass — wie eine viel spätere gelegent- 
liche Besichtigung lehrte — in einem Falle der trockene Thallus von Buellia 
erubescens Arn. genau jenen Stich in"s Röthliche aufwies, wie er alten oder ab- 
geriebenen Lagern von Aspicilia cinerea, Placodium dlphoplacum etc. eigen- 
thümlich ist. 

Eine Untersuchung von Bliamnus Frangula, vfo ich zuerst die ^T-Reaction 
des Periderms beobachtete, ergab folgendes Resultat. Ein Schnitt durch den 
zusammenhängenden Thallus von Buellia eriihescens sammt den darunter liegen- 
den Rindeuschichten zeigt folgende Maasse: Dicke des Thallus an den dicksten 
Stellen 081 — 108 wm , an den Rissen 0-027 — 0-041 »nm, Korkschichte 
041 — 095 wm; alle Zellen der letzteren sind mit einem rothen Farbstoff ge- 
füllt; unter der Korkschichte befinden sich die ebenfalls tangental gestreckten 
und reichlich Clorophyll führenden Zellenzüge des Korkcambiums; unter diesen 
ebenso gestreckte Rindenzellen und in gewissen Abständen radiale und tangentale 
einschichtige oder zweischichtige Zellenzüge mit goldgelbem Inhalt: Frauguliu. 
Auf Zusatz von KHO dringt ein rother Farbstoff der Korkzellen in einer dichten 
Wolke durch die dünne Thallusschicht und lagert auf derselben, wird aber durch 
die geringste Wasserbewegung fortgeschwemmt; dieses Letztere kann auf der 
Flechte im natürlichen Zustande nicht eintreten. Zugleich färben sich die mit 
gelbem Inhalt gefüllten Zellen züge erst orange, dann purpurn, und die Zellenzüge 
des Korkes, welche am Rande des Schnittes liegen, werden ganz entfärbt. Auf 
Zusatz von H2 SO4: zeigt sich nicht die smaragdgrüne Reaction des Frangulin 
(vide S t ras s burger, Botan. Practicum, Reag. IV S. 635), .sondern der Inhalt 
in den goldgelben Zellen scheint sich zu concentriren; auf Zusatz von Wasser 
schiessen Büschel von langen Nadeln an, welche sich in KHO mit rother Farbe 
lösen. Dagegen werden die zahlreichen Gonidien des Flechtenthallus durch 
H2 SO4, intensiv smaragdgrün gefärbt. Die Reactionserscheinungen dieses für 
Frangulin angesehenen Stoffes berühren aber offenbar die Flechte nicht. Bewei- 
send ist folgender Umstand: Wird auf dem Gesammtquerschnitt der Flechten- 
' thallus behutsam vom Periderm gelöst und separat der Einwirkung von KHO 
lausgesetzt, so tritt die Rothfärbung nicht ein; der Flechtenthallus hat also den 
j Farbstoff aus der Rinde nicht in sich aufgenommen. 

j Ganz dasselbe Resultat ergab sich bei der Untersuchung derselben Pflanze 

auf Popidiis tremula, nur dass hier die Frangulinzellen fehlen. Nur die mit 
rothem Farbstoff gefüllten Peridermzellen strahlen auf Zusatz von KHO Wolken 
jenes Farbstoffes aus, welcher in ähnlichen sternförmigen röthlichen Krystall- 

41* 



300 



E. Kernstock. 



bündeln anschiesst, wie der in Aspicilia cinerea, Lecidea lactea, Phhjctis etc. 
enthaltene Stotf. Sollte sich der in vielen Peridermen gefundene mit diesem 
letzteren specifischen Flechtenstoffe ^) als identisch erweisen, so wäre das der 
stärkste, kaum zu widerlegende f]invvand gegen die Stichhältigkeit meiner An- 
sicht, welchem gegenüber ich aber die Richtigkeit des Hauptresultates meiner 
Untersuchungen, nämlich des Hindurchschlagens der Rindenreaction durch den 
Thallus der ganz normal reagirenden Flechte, trotzdem aufrecht halten möchte. 

Weniger evident waren mir die Aufschlüsse, welche ich bei der Unter- 
suchung derselben Flechte auf Prunns Paduf; gewann. Zweifellos zeigen dünne 
Querschnitte, dass auch hier der Thallus an der Rothfärbung durch KHO ganz 
unbetheiligt ist; aber die von der rothen Peridermschichte ausstrahlende Wolke 
drang dui'ch den Thallus nicht hindurch. Möglicherweise dies aber deshalb 
nicht, weil durch den Schnitt eine ziemlich gleichmässig dicke Lage des Thallus 
getroffen war; thatsächlich sieht man die rothe Färbung umso rascher und deut- 
licher auf den Lagern von Buellia eruhescens auftreten, je granulöser, d. h. je 
ungleichmässiger dick sie sind, und dann erscheint die Rothfärbuug niclit gleich- 
massig vertheilt, sondern fleckenförmig intensiver. 

Deutlicher ergab sich der Ursprung der Rothfärbung an dünnen Flächen- 
schnitten durch die Flechte. Tangirte der Schnitt keine röthliche Periderm- 
zellschicht, so ergab sich lediglich die normale Gelbfärbung des Thallus; sobald 
aber die geringste Peridermpartie vom Schnitte getroffen war, so drang von hier 
aus, wie von einer Insel, die rothe Wolke hervor. Der isolirte Thallus ergab 
auch hier keinerlei abnorme Reaction. 

Dieselbe Pflanze auf Prunus Avium verhielt sich ebenso. 

Ganz ähnliche Resultate gewann ich von Rinodina ramuUcola, welche 
icli auf Tilia parvifolia untersuchte. Der isolirte Thallus ergab auch hier keine 
abnorme Reaction. Die Peridermzellen sind ebenfalls mit rothem Farbstoff 
gefüllt. 

Bei Prunus Arnum ist die äusserste mehrschichtige Peridermlage farblos 
und erst die darunter liegende Zellschicht roth gefärbt. Dünne Querschnitte 
zeigten, sowohl bei Hinodina ramulicola als bei Buellia eruhescens, dass emjjor- 
gohobon«- dünne Schichten des farblosen Periderms linsenförmige Nester des stark 
(•lilorojthyUbältigcn Thallus cinschliesscu ; diese Nester mit den da,zwischen 
liegenden l'i ridf rniscliiclitcn liobutsani al)gehoben, zeiglen niclit die iniiideste 
Reaction. 

Dass die Rcthfüi biing des Tlialhis von jAumwra suh/'iisca var. ulahratai 
nicht so int.J'Hsiv und erst nacli längerer Zeit auftritt, kann s(Mne verschiedenen 
Gründe haben, wr'lclie aber alle darin gipfeln, dass der Thallus dieser Flechte 
und viellei<dit aueh von lludlia, pnrasema f. disriformis - fiir den Durch- 
tritt dt'H FarbHtofr"s minder günstig conslituirt ist. 



') Zopf, Znr Kpiiiiliii»»»« 'li-r FIccIifotiHt.oirf, uml S c Ii w ii r •/, , FlocIiioiiHihirr'ri, frabnn mir <ln,r- 
üb«r kainen AufKchliiiiH. 



Lichenologische Beiträge. 



301 



Da ich die abnorme Fcärbung unserer Binodina- und Buellia-Vormen der 
Keaction der Rindensubstrate zuschrieb — ohne freilich über die Natur dieses 
Stoffes trotz fleissigen Nachsuchens in der Literatur irgend einen Aufschluss zu 
erhalten — , so musste mir das Vorkommen der Rinodina ramulicola auf Lärchen- 
planken in Jenesien (von hier in Kern er A.-H. 2749) einen sehr unangenehmen 
Strich durch meine Rechnung bedeuten; denn hier konnte ich eine Reaction des 
Substrates nicht erwarten: die alten Bretter sind völlig rindenlos. 

Der Thallus der Flechte verschwindet hier fast völlig unter den gedrängten 
Apothecien. Der weisse breite Rand derselben wird nach einiger Zeit, nachdem 
eine sichere Gelbfärbung vorausgegangen, durch KHO intensiv blutroth gefärbt; 
der isolirte Rand zeigt mikroskopisch keine abnorme Reaction; man bemerkt 
überhaupt gar keine. 

Wohl aber zeigte es sich, dass rothe Wolken — wieder charakterisirt durch 
die Krystallsternchen — unmittelbar unter den Apothecien entstanden, und zwar 
von zahlreichen kleinen zerstreuten granulösen gelben Klümpchen ausgingen; 
ich konnte mich nicht überzeugen, ob diese Körperchen in den unteren Thallus- 
schichten oder im Bereiche der Unterlage sich befanden. Nun aber machte ich, 
um die Unterlage zu prüfen, einen Tangentalschnitt durch das Holz, und zwar 
auf der anderen Seite des etwa 2 mm dicken Brettchens und. siehe da: in ein- 
zelnen Zellenzügen, und zwar sehr verbreitet, ebenso in allen hier meist ein- 
schichtigen Markstrahlen befanden sich gelbbraun gefärbte, offenbar amoi-phe, 
stark lichtbrechende Körper von unregelmässig eckigen Umrissen, welche durch 
KHO unter den Augen des Beobachters mit rother Farbe sich lösten. 

Auch hier gingen rothe Wolken von dem Schnitte aus, doch konnte ich 
die charakteristischen Nadelbüschel darin nicht entdecken. 

Einen directen Beweis dafür, dass der in der Flechte bemerkte FarbstoÖ 
mit dem in der Unterlage befindlichen identisch sei, kann ich also nicht bei- 
bringen. Soviel steht aber doch fest, dass der Apothecienrand, welcher im 
Zusammenhange mit der Flechte und Unterlage makroskopisch die deutlichste 
Reaction aufweist, isolirt nicht reagirt, und dass die Unterlage sehr reichlich 
einen durch KHO mit rother Farbe löslichen Stoff besitzt. Wenigstens glaube 
ich, dass diese letzten Beobachtungen keinen Gegenbeweis gegen meine oben 
ausgesprochene Ansicht enthalten. 

Aus allen diesen Untersuchungen, welche übrigens in mancherlei Hinsicht 
zu ergänzen wären, glaube ich folgern zu dürfen, dass die Rothfärbung des 
Thallus durch KHO, und zwar bei Buellia eruhescens Arn. und Binodina ra- 
mulicola m., keine diesen Flechten eigenthümliche, sondern vom Substrate her- 
rührende ist. 

Da überdies die Sporen, sowie der Habitus (wie endlich der Standort) der 
Buellia eruhescens Ai-n. mit jenen der Buellia parasema var. microspora 
Wainio völlig übereinstimmen, so glaube ich, dass die beiden Formen der 
Buellia parasema und Binodina exiyua höchstens als Standortsformen, hervor- 
gebracht durch eigenthümliche chemische Beschaffenheit des Substrates, zu be- 
trachten sind. 



302 



E. Kernstock. 



VI. Syntrophen. 

1. Abrothallus Parmeliarum Sommerf. Auf dem ThnWns der Imhricaria prolixa. 

2. NesoJecliia oxyspora Njl. Auf derselben Flechte vom Bretterdache in Issingen 

und auf dem Thallus von Imhricaria saxatilis auf einem Kirschbaum im 
Marbachthale. 

3. Nesolechia punctum Mass. Auf den Thallusschüppchen der Cladonia digitata 

an mehreren Orten. 

4. Cercidospora caudata m. (vide Beitr. VI S. 212), auf der Apothecienscheibe 

von Blastenia ferruginea f. saxiola Mass. Gn., Kiens: sp. 1 sept., incol. 
fusiformes medio.. constrictae, saepius curvulae, 24 — 35 X 5—7, asci 8 sp., 
oblongo-cißindrici, par. fdiformes parcae, perith. sordide glaucum. 

Nachdem Cercidospora Ulothii Kbr. Par. p. 486, Stein Schles. 
S. 347, mit Cercidospora epipolytropa Mudd. offenbar identisch ist, wäre 
diese vorliegende Flechte möglicherweise nur eine Form; dagegen sprechen 
aber die constant grösseren Sporen, welche entweder beiderseits oder an 
einem Ende fast immer in eine feine schwanzartige Spitze ausgezogen 
sind, und endlich der Standort. 

5. Pharcidia congesta Kbr. Auf den Apothecien von Lecanora suhfusca 

f. chlarona an Fraxinus. 

6. Arthopyrenia conspurcans Th. Fr. Supra ap. Scolic. corticoli in Khamno: 

sp. ohtusae Isept., cum 2 guttulis, 9 — 10')i4, par. nullae; nicht ganz sicher. 

7. Tichothecium gemmiferum Tayl. Supra thallum Lecideae enteroleucae f. pun- 

gentis et Ilinodinae discoloris f. candidae. 

8. Tichothecium pygmacum Kbr. Supra thallum Lecideae griscllae (S.). 

f. grandiuscultim Arn. Supra thallum Wiizocarpi exentrici et Lecideae 
griscllae. 



7a\: II. Bozen. 

Einige Nachträge, welche im Frühling 1894 gesaminoK wurden, iiH'igon 
)ii*r Erwähnung finden: 

:i) i'ojm/u.s ihif/ra in der Kaiserau. 

L'fniKilinfi sjicc. (jnacdani, juvenilis. — Imhricaria aspcra Mass. — J^armelia 
(lij)olia Acli. — /' dimidiala Arn. exs. 13(17. — F. tcnella Scop. — 1\ 
ohnaira f. cyclosrlis Ach. — (Umdelaria concolor Dicks. — C. vilellina 
Klirh. — ( 'nllopisma crrinnm. Ehi'h. — C. cerincllum Nyl. — C. pyra- 
ceum Ach. Jjccanora namhuci Pcrs. — Hinodina poiyspora Th. Fi-. — 
Lecidca paraHcmn Ach. — Jiialorina nigroclavata Nyl. -— JHlimhia 
iWnrgrlii Ifcpp, — Cnniangium cxile f. rugulosum. K])lli. — Arlhotiia popu- 
Ihia Mass. — ('alicium populncum De Broud. 



Liclienologisclie Beiträge. 



303 



1)) Fraadnus Ornus in der Kaiserau. 

Blastenia ferruginea Huds. — Lecanora symmictera Nyl. — Biatorina nigro- 
clavata Nyl.; von hier in Kerner A.-H. — Bilimhia Naegelii Hepp. 

c) Tyvus Malus in Ories. 

Xanthoria parietina L. — Ärthopyrenia rhyponta Ach. — Coccodiniiim Bartschii 
Mass. 

d) Pevsica vulgaris in Gries. 

Xanthoria parietina L. — Imhricaria aspera Mass. — Parmelia stellaris L. — 
P. ohscura Ehrh. — Binodina sophoäes f. alhana Mass. — Callopisma 
cerinum Ehrh. — C. pyraceum Ach. — Candelaria concolor Dicks. — 
Artlirosporum accline Fw. 

e) Cydonia vulgaris in Gries. 

Xanthoria parietina L. — X lychnea Ach. — Parmelia aipolia Ach. — P. 
tenella Scop. — P. ohscura Ehrh. et f. virella Ach. — P. adglutinata 
Flk. — Imhricaria verruculifera Nyl. — Candelaria concolor Dicks. — 
Callopisma cerinum Ehrh. — Lecidea parasema Ach. — Biatorina nigro- 
clavata Nyl. 

f) Mauern in Gries. 

Callopisma ßavovirescens. — Binodina crustulata Mass. — Leptogium atro- 
caeriileum. — Collema pulposum. 

g) Castanea vesca im Garten des Sandwirthes. 

Ärthopyrenia analeptella Nyl. Fl. 1872 p. 363: thallus non visihilis, ap. minora 
et confertiora quam apiid fallacem, par. distinctae, sp. ohlongo-ovales, 
non constrictae, 18—20X4—5; Anzi m. r. 395 in coli. Eggerth (Mus. 
Univ. Vienn.) sunt mixta e Ä. pluriseptata Nyl. et punctiformis Ach. 

h) Bew'ässerungsgrälben zwischen Bozen und Sigmundskron. 

Bei der Novemberabkehr des Wassers sammelte tch Ärthopyrenia rivu- 
lorum m. für Kerner A.-H. 

i) Castell Feder. 

Cladonia rangiformis Holfm.; von hier in Kerner A.-H. — C. endiviaefolia 
Dicks.; von hier in Kerner A.-H. — Imhricaria perlata et ciliata DC, 
porph. — Parmelia speciosa Wulf., porph. — Normandina pulchella Borr., 
porph. 



304 



E. Kernstock. 



Zu: V. Judicarien. 

Zu Pfingsten des Jahres 1894 war es mir vergönnt, nach jahrelanger 
Pause wieder einmal mein geliebtes Judicarien aufzusuchen. Hauptsachlich galt 
der Besuch den grandiosen, von einem Bergsturze herrührenden „Marocche", 
einem hügeligen jurassischen Kalktrümmermeere im Sarcathale, von der Stadt 
Arco in IV2 Stunden erreichbar. Leider konnte ich diesem Platze, welcher — den 
Proben nach zu schliessen — eine sehr interessante Ausbeute liefern müsste, nur 
wenige Stunden widmen; denn vor einem ausgiebigen Pfingstregen flüchtend, 
musste ich froh sein, noch denselben Abend den Postwagen nach Arco besteigen 
zu können. Um diese Marocche mit Erfolg durchsuchen zu können, gehört sehr 
viel Zeit, ein eisenbewehrtes Schuhwerk und ein leidlich kühler Tag dazu. Auch 
müssten mit Bedacht günstige Plätze aufgesucht werden, da die Plechtenvegetation 
über einen grossen Raum zerstreut ist. Nach Ausheiterung des Himmels bestieg 
ich Abends den Schlossberg in Arco. Die Oliven zeigten dieselbe artenarme Flora, 
wie ich sie schon Vormittags unterwegs nach Dro auf dem Kirchenhügel von 
St. Martin zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte; fast nur Frullania und kleine 
Laubmoose besiedelten die abgekratzten Stämme. Auf diesen krochen überdies 
eine Menge riesiger luliis terrestris herum, ein schlechtes Wetterprognostikon für 
den nächsten Tag. Auf den Mauerstaffeln der Oelbaumterrassen fällt die üppige 
Vegetation von Collema pulposum auf; eine verfallene Mauer unter dem Thore 
des Castells trug reichliches Fsoroma fulgens. Gerne hätte ich den weithin 
schauenden alten Cypressen einen Besuch gemacht; sie waren mir aber nicht 
zugänglich. 

Am nächsten Moi'gen fuhr ich nach Nago, und konnte nicht umhin, gleich 
ausserhalb des Festungsthores die „Laste" des Monte Baldo zu bearbeiten, unter 
den Augen und sehr zum Erstaunen der Besatzung. Ausser dem ewigen bunten 
Einerlei von Verrucaria purpurascens, Xanthocarpia ochracea und Biatora in- 
crustans war aber wenig zu holen. Der Staub der nahen Landstrasse war wohl 
kaum vegetation.sgünstig. Vom trümmerreichen Abhänge des Monte Baldo ober- 
halb Torbole hatte ich viel mehr erwartet. Nachmittags zog ich bei drückender 
Ciewitterschwüle den alten Saumweg von Torbole unter dem Castell Penedal gegen 
Nago hinauf. Dieser Weg zieht sich anfangs eben, dann aber stark ansteigend 
durch einen grösseren, in den bekannten Stapeln gebauten Oelbaumwald hinan; 
auf einoin einzigen Baume sah ich ("in Mallotium Hildenbrandii in zwerghafter 
Entfaltung und .schön jructilicirendes Lcthayrium comflomcratum. L'gend eine 
interessante pyren()car])e Flechte zu entdecken, was bei der hellfärbigen glatten 
Iiiiido wirklich niclit .schwierig gewesen wäre, war mir selbst ])ei der grössten 
Aufniorksamkeit nicht inöglidi. Auf der Höhe angekommen, untersiiclitc! ich wieder 
die Gesteinsliiöf ke um Abliaiige des Monte Baldo; hier war die Lcciographa para- 
Httira häufig, genidc unter den RuiiuMi des Castells I'enedal. 

In Nago d(!ponirte ich meine bisiierige AusIxMite in einem g(!l'iiliten l*Mochton- 
hacke in der Station. I);inn h(!ga,b ich mich aiif d(!n alten Saum weg nadi Arco, 
welcher unterhalb der neuen Stra.s.se auf einem gegen Süden exixuiirten Vor- 



Lichenologische Beiträge. 



305 



Sprunge zwischen zahlreichen Kalksteinklippen in Windungen hinabzieht und mir 
schon auf früheren Reisen aufgefallen war. Diese sowohl von der Ora des Garda- 
sees als Ton dem aus dem Sareathale kommenden Luftzuge bestrichenen Ft-ls- 
bänke zeigen zahlreiche ausgeni'.gre Höhlungen. Die Hexenringe von Collema 
multifidum. die immer wiederkehrenden und auf dem weissen Gesteine nicht 
übersehbaren südlichen schwarzen Gloeolichenen. sowie eine schraä€htige Cladonia 
endiviaefolia im trockenen Rasengrunde fallen sofort in s Auge. 

Zeigt sich auch die Licheneuflora aller besuchten Plätze beinahe identisch, 
so dürfte doch der Charakter der hiesigen Kalkflora in der gegebenen Ausbeute 
ziemlich ausgeprägt sein; sie unterscheidet sich von der durch Arnold beim 
Pönale gewonnenen sehr wenig. 

Von den Abkürzungen bedeuten: A. = Castell Arco, M. = Marocche. 
X = Nago, P. = Penedal. T. = Abhang ober Torbole, V. = Via vecchia nach Arco. 

1. Speeles calcicolae. 

1. Parmelia albinea Ach. (Arn. exs. 429'. V. 

2. Placynthium nigruin Huds. M.. X.. P. 

3. Wilmsia radiosa Auzi. A.. P. 

4. Physcia ISeppiana Müll. M.. A.. T. (muri), V.. Dro (muri). 

5. Physcia pusiJla Mass. V. 

6. Physcia granulosa Müll.: thallus granuJosits, amhitu indistincte radioso- 

laciniatus. aurantiacoflavus, sterilis, K-r: vestigia: stimmt zu keiner 
anderen. T... V. 
7 Gyalolechia Jactea Mass. A . X.. V. 

S. Callopisma viteUimdum^jl.: thallus citrinus, granuloso-verrucosus, disper- 
sus. ap. plana vitellina, marg. integro. cum thallo K purp., sp. Snae, 
ellipsoid.. sporobl. approximatis : N. 

9. Callopisma flavovirescens Wulf. T. (muri). P. 

10. Callopisma aurantiacum f. Velanum Mass. M., V. 

11. Xanthocarpia ochracea Schaer. N.. P., V. 
f. sa.ricola Mass. Fl. 1881 p. 313. V. 

f. lactea Mass.: thallus albus, passim leviter flavescens: M., V. 

12. Pyrenodesmia chalyhaea Duf. V. 

13. Pyrenodesmia variabilis Pers. M . X . P. 

14. Pyrenodesmia Agardhiana Ach. M.. A.. X . P . V. 

15. Bicasolia candicans Dicks. M. 

16. Placodium murale f. versicolor Pers. M., V. 

17. Psoroma gypjsaceum Sm. T. 

18. Psoroma fulgens Sw. A. 

19. Binodina Bischof fd Hepp. X. 
f. immersa Kbr. X'. 

20. Binodina Dubyanoidcs Hepp. P., V. 

21. Lecanara disjiersa Pers. M., Dro (muri). 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 42 



306 



E. Kernstock. 



22. Lecanora crenulata Dicks. N., Dro (muri). 

23. Lecania Bahenliorstii Hepp. M., A., V. 

24. ÄspiciUa calcarea L. N., V. 
f. contorta Hoffm. P. 

f. cinereovirens Mass. V. 

f. farinosa Flk. P., cum Leciographa. 

25. Jonaspis Prevostii Fr. M., P., V. 

26. Petractis exanthematica Sm. M., N. 

27. Thalloidima candidum Web. V. 

28. Thalloidima coeruleo-nigricans Lghtf. A., N. 

29. Thalloidima tahacinum Ram. T., V. 

30. Toninia aromatica Sm. T. 

31. Biatora rupestris i. rufescens Hoffm. M., A., N., T., P., V. 
f. calva Dicks. M., N., T., P. 

32. Biatora incrustans DC. M., N., P. 

33. Biatora cyclisca Mass. M., P., V. 

34. Biatora Metzleri Kbr. A., P. 

35. Lecidea immersa Web. M., P. 

36. Biatorina lenticularis Ach. M., N., T., P. : forma illa, quam Arn. Licli. 

Ausfl. IX S. 33 descripsit ; V. 
f. nigricans Arn. M. 
f. imlicaris Mass. A. 

37. Catillaria tristis Müll. M., V. 

38. Bilimhia subtrachona Arn. Supra cenicntum muri, A. : thallus crassiuscuhis, 

verrucoso-conglomeratiis, albidus, humectus virescens, ap, atra plana 
marginata vel immarginata, ep. olivaceo-fuligineum, hyp. obscure rufum, 
Sid)lus praecipue addito KlIO purpurascens, sp. 3scpt., elongato-oblongae, 
10 — 22X4, septis paullo constrictae (onmino ut in Arn. Licli. Fr.if^m. 
VII Fig. 4-6). 

30. Sarcogyne pruinosa Sm. A., N. 

40. Diplotomma ejnpolium Ach. P., V. 

'11. Lccnnactis Stenhammari Fr. Thallus stcM'ilis cum Arn. oxs. 560 oxfiis iniusciue 

omniuo congruens. 'J'. 
42. Kndocarpon minialum Ach. M. 

1;;. Catopyrenium lecidcoidcs f. minutttm Mass. A. (ccment.). 
■11. Derma l<)carpon pusilhim Lönnr. A., N. 
45. Sligmatomma (iopimiim Whg. A. 

•16. Lithoicra vnirorum Uahs. M.: thallus atrofuscns, sp. 22 27 X If^—2(); mit 
Kiuksicht. auf Arn. Flora 1860 S. 75 für diese Art entscliieden ; A., 'J'. 

17 lAthoinn macroKloma Du f.: thallus fusco-nigricans, minule rimulosus, ap. 
ampla, promincniia, osliolo papillalo, sp. lalc ellipsoidcac, 27—30X 
14 -IG. A. 

1" f.Hhoirrn Hridula Schrad. (V): thallus rcrruculosns, fusccsccns, ap. mcdiocria 
jiromiucnliu, sp. lalc orales, 2.1— . 31 X M JG. 'J'halhis nicht eigentlich 



Licheaologische Beiträge. 



307 



höckerig, soüderu den warzigen Erhabenheiten des oolithischen Kalksteines 
folgend: übrigens nur ein einziges Äpothecium vorhanden; T. 

49. Lithoicea catalejjtoides 'Njl.: thcdlus fuscus. cliffracto-areolatus, ap. minuta, 

apice prominentia, sp. 19 XS. V. 

50. Lithoicea nigrescens Pers. M., A., X.. T., P., V. 

51. Lithoicea (ßaucina Ach. P. 

52. Verincaria purpitrascens Hoffra. M., N.. P. 

53. Verrucaria Dufourei DC. M., T. 

54. Verrucaria lilacina Mass. N. : thallus lilacinus vel pallide violascens. K 

intensius coloratus, ap. non vidi, spermog. mimerosissima, sperm. ellipsoid., 
atomaria. 

55. Verrucaria muralis Ach. A. 

56. Verrucaria calciseda DC. M., A., N., T., P., V.. 

57. Verrucaria myriocarpa Hepp. X., T., Y. 

58. Verrucaria macidifo rm is KiAh. V.: thallus utnhrinus vel sordide inquinatus, 

continuus vel tenuissime rimulosus; ap. minuta emersa, sp. 11 — 15X7 — 8. 

59. Verrucaria phaeosperma Arn.: thallus caesius conferruminatus. ap. numerosa 

minuta, immersa solo apice visibili non prominente, perith. dimidiatum, 
sp. 23—27 X 9—14. aetate fuscae; T., V. 

60. Amphondium veronense Mass. M., N., P.. V. 

61. Ampjhoridium dolomiticum Mass. M. 

62. Thelidiuvi decipiens Hepp f. scrohiculare Gar. P. 

63. Tlielidium quinqueseptatiim Hepp. N. : thallus albus conferruminatus, ap. 

dispersa mediocria immersa solo apice prominula, vel rarius semiemersa, 
sp. 3 Sept., uno vel altero loculo semel divisis, 38—41X15 — 16- 
f. caesium m.: thallus caesius, ap. parvula, immersa. perith. integrum, sp. 
43— 46 X 12— 16 : durch den gut entwickelten, auffallend bläulichweissen 
Thallus, der nirgend angezeigt wurde, charakterisirt ; N . 

64. Staurothele caesia Arn. M., N. 

65. Staurothele nigella Kplh. : gonidia hymenialia solito majora, diam. 7. numerosa, 

sp. 2nae, 41 — 62X14 — 20, primum incoloratae, demum roseolae: M., A., Y. 

66. Microthelia minor m. : thallus conferruminatus vel crassiusculus. albus 

vel cinerascens, ap. mimitissima, emersa, globosa, nitida, intus bene evo- 
luta: sp. in ascis lote saccatis 8nc(e, obtusissime ellipsoideae, medio rix 
constrictae, fuscae, Isept. 12—18X5—8, par. nullae. J hijm. vinose 
rubens; M., P. 

A marmorata et cartilaginosa diflfert sporis minoribus, aliis, ap. 
minoribus, reactione alia; parum adest. 

Mit Phaeospora propria Arn. Lieh. Ausfl. IX Xachtr. 1893 S. 130 
wohl kaum identisch, da sie wahre 3Iicrothelia-S^oren und stellenweise 
einen deutlichen Thallus besitzt. 

67. Microthelia marmorata Schi. A. 

68. Arthopyrenia saxicola Mass. M., X., P. 

69. Arthopyrenia tichothecioides Arn. M., X., T., Y. 

4-2* 



308 



E. Kernstock. 



70. Leptogium atrocoerideum f. pulvinatum Hoffm. Inter muscos supra cemen- 

tum: A. 

71. Collema multifidum Scop. M., V. 

72. Collema cheileum f. Metsleri Hepp. Dro (muri). 

73. Collema pulposum Ach. A., N., T., P. 

74. Collema mohjhdinum Kbr. An zwei Orten, mir nicht zweifellos ; P. : thallus 

laciniatiis, siccus pruinosus, laciniis imhricatis erectis undulato-plicatis, 
oris integerrimis passim papillis exasperatis; sterilis. Statu Uumectato 

pulposo non dissimilis. V. : sp. 22—30 X 6—8, 3 sept., altero apice sae- 

pissime acutatae. 

75. TJiyrea pulvinata Schaer. M., P. : optime evoluta sed sterilis. 

76. Thyrea decipiens Mass. V. 

77. Thyrea Notarisii Mass. M., T., P., V. 

78. Synalissa ramulosa Schrad. M. N. 

79. Thelochroa Montinii Mass. M., N., P., V. 

80. Spilonema paradoxum Born. (Nyl. Syn. Taf. II Fig. 3). Cum ap. M. : thallus 

fdamentosus, ap. lecideina atra convexula Ulis Placynthii nigri simil- 
lima, ep. sordide glaucum, par. validae piilchre articulatae, sp. ohlongo- 
ellipsiae vel oblong ae, cum guttulis oleosis minutis, 7—11X3 -4, J hym. 
coerulescens. 

Ein paar Psorotichia-S^ecies, die ich nicht unterzubringen weiss, mögen 
hier noch erwähnt werden. 

II. Syntrophen. 

Lcciographa parasitica Mass. In Gruppen am Rande des Thallus von Verru- 
caria calciseda (P.) und auf dem Thallus von Äspicilia calcarea f. fari- 
nosa (P., V.). 

f. con(jlohata m.: ajo. saepissime confertissima, quasi glomerulis conglobata, 
minuta, ellipsoid. vel subrotu/ndata, ohtusa subrecta simplicia, disco 
omnino coarctato, margine rotundato; auf dem Thallus von Dermato- 
carpon pusillum Lönnr. Auf Mauern b(!i T. 

'J idiothecium gcmmiferrcm Tayl. Supra thallum Lithoic. nigresceniis (M., P.). 

TicliiUhecinm pygmacum Kbr. Su])ra thallum Itinodinae Bischof/H, Biatorae 
rup. ruf. et Aspiciliae calcareae (N.), Aspiäliac calcareae f. contorlac (P.) 
et Gyalolcchiae ladme, Vyrcnodcsminr. Agardhianae, Amphorid. Vcro- 
nemia (V.). 

III. Speeles muscicolae et terrigenae. 

1. Chidonia cndimfi'/olid I)i(ks. V., miisci. 

2. (Jladotiia jty.iidata Porillmii Ach. M., V., fcria. 

3. Pelligera ru/'r.Hrcm II. N., um ci. 
i. Solorina nnccala \,. M., terra 



Licbenologische Beiträge. 



309 



5. Wümsia radiosa Anzi. M., musci. 

6. Psoroma decipiens Ehih. M., T., V., terra. 

7. Fsoroiua crassum f. caespitosum Vill. M., terra, 
f. dealbatum Mass. T., terra. 

>. Psoroma gi/psaceicm Sm. T., terra. 
9. Psoroma fulgens Sw. V.. musci. 

10. Urceolaria scruposa L. T., terra. 

11. Thalloidima coeruleonigricans Lghtf. M., T., terra. 

12. Psora lurida Ach. N., T., V., terra. 

13. Dermatocarpon pusilum Lönnr. M., T., V., terra. 

14. Leptogium atrocoerideum Hall. X., musci. 

15. Collema cristatum L. Sterilis inter muscos. M.: tliallus laciniatus imbri- 

catus, undulatocrispus, marginibus gramilato-cristatis. 

16. Collema subplicatile Njl. N., musci. Meine Erfahrung reicht nicht so weit, 

um diese üppig entwickelte, aher sterile Flechte, welche vermöge ihres 
zerschlitzten Thallus in die Gruppe der multifidum gehört, sicher zu be- 
stimmen; am ehesten dürfte sie zur angeführten Art gehören. 

17. Synalissa ramulosa Schrad. M., inter muscos optime fnictifera; sporae 

circa 30, globosoellipsoid., 8—11X7 — 9: ep. hyp. fuscoliiteiim, J hym. 
fulvescens, gonidiorum glomeruli purpurei K violasc. 

IV. Lichenes snpra Oleam enropaeam. 

Mit Rücksicht auf die fleehtenreichen Oelbäume in Italien und den Um- 
stand, dass über die diesbezügliche Flora Tirols bisher meines Wissens nichts 
veröffentlicht wurde, habe ich die Gelegenheit benützt, die zahlreichen Oelbaum- 
haine in der Umgebung des Gardasees zu untersuchen. Ich muss aber gestehen, 
dass selbst alte, wildzerrissene Bäume, au denen namentlich unterhalb Torbole 
kein Mangel ist, eine ebenso gleichförmige als ärmliche Florula ernähren. Ja 
die Rinden vieler Bäume machten mir den Eindruck, als ob sie zeitweise mit 
Absicht von anhaftenden Gewächsen befreit würden, denn sie sehen wie geschunden 
aus und beherbergen auch keines der sonst häufigen kleinen Laubmoose. Die beste 
Ausbeute boten noch die Oelbäume auf dem alten Saumwege von Torbole nach 
Nago. (Zu den Abkürzungen kommt hinzu: M. = St. Martino bei Arco.) 

1. Parmelia stellaris f. hispida Fr. P. 

2. Parmelia tenella Scop. T., M., P. 

3. Parmelia obscura Ehrh. T., A., M., P. 

4. Xanthoria parietina L. M., P. 

5. Candelaria concolor Dicks. T., M., P. 
j6. Candelaria vitellina Ehrh. T. 

E7. Callopisma cerinum Ehrh. M. ; ob nicht vielleicht haematites Chaub., liess 
\ sich aus dem mangelhaften Exemplar nicht erkennen. 
B. Blastenia ferruginea Huds. M. 



310 



E. Kern stock. Lichenologische Beiträge. 



9. Iiinodi)ta Olcac Bgl. (Erb. critt. it. I. 35). A. : thallus granulosus, sordiclus, 
ap. margine suhsordido pallcscente, sp. fusiformi-ohlongae, media vix con- 
stricfae, 19—23X5—6—8, sporohl. rotundis. 

10. Lecanora alhella Pers. M., P. 

11. Lccidea parasema kch. T., M., P. 

12. Artlionia astroidea f. radiata Pers. M. 

13. Mallotium Hildenbrandii Gar. P. 

14. Collema molyhdinum f. Oleae m. M. : thallus rufescens, varie plicatus et 

papillosus, nec pruinosus; ap. ohscure rufa ampla; sp. (simillimae illis 
C. piilposi et molyhdini) 3sept., altero apice acutatae, 24X5 — 7. 

15. Lethagriiim flaccidum Ach. Sterilis, A., M. 

IG. Lcthagrium conglomeratum Hoffm. P. : sp. fusiformes, 19—24 X 4—5; thallus' 
crassus, olivaceus, opacus, varie lohulatus, lohuli adscendentes intestini- 
formi-conglobati, saepissime ap. feracissime ohtecti. Erb. Critt. it. I p. 429 
et II p. 622 non sunt L. conglomeratum, sed verruculosum Hepp: sporis 
latis obtusis; auch in Auzi M. r. 5 fand ich nur a als conglomeratum, 
dagegen h, c als verruculosum. 

17. Sijnechohlastus nigrescens Huds. Cum ap. A. : sp. anguste fusiformes, modo 
5 Sept., 38—51X4—5. 
f. guinqueseptatus m. M.: thallus orhicularis radioso-rugosoplicatus, rugis 
optime fructiferis, sp. longissimis, 68 — 78 X 5, Semper 5sept., anguste fusi- 
formihus; vom Typus abweichend durch die constant fünfthoiligen und 
längeren Sporen; von aggregatus Ach. habituell verschieden. 



beitrüge zur Kryptogamenflora des ßioseiigebirgee 
und seiner Vorlagen. \ 

Von I 

V. V. Cypcrs. i 

(Eiiigolaufcu am .'iO. Juni IHiXI.) 

.1^ i 1 z e. 

11. I 

Erster Nachtrag zu I.^ I 

* Ceralium muridum (Pers ). An iiiorsclHin Fichlonstöcken im Mangclwalde be| 
Harta (-i lUm) niid im Kiidolfsl f NiodcrlioCj (050 w). 

•) I)io mit ♦ bflzoiclinotfn Arten wiinUai in I fHidlu) difsf" „Verliandlmigon", .lalirg. 189.1 
H. 45 ff.) uiclit angnfalirt. 



Beiträge zur Kryptogamenfloia des Eiesengebirges und seiner Vorlagen. 



311 



Cribraria rufa (Roth). Diese seltene Art fand Celakovsk}' fil. mehrfach in 
Nordböhmen, im Gebiete des Riesengebirges an folgenden Localitäten: 
Mummelthal bei Neuwelt, Elbthal bei Spindelmühle und Johannisbad 
(Cel. fil.).i) 

* Cr. vulgaris Schrad. a. genuina. Spindelmühle (Cel. fil.), an faulen Fichten- 

stöeken im Silbergrund bei Schwarzenthai (QSOin); y. inconspicua Cel. fil. 
Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.). 
*Cr. splendens Pers. c) pohßracMa Cel. fil. Muramelthal bei Neuwelt (Cel. fil.). 

* Dictyäium cernmnn (Pers.). Auf allen möglichen Baum?^tümpfen in Nadel- und 

Laubwäldern häufig vorkommend. Im Iser- und Riesengebirge (Cel. fil.), 
in der Wustlich bei Harta, Elbgrund, Schüsselberg (1140?«)) Silbergrund 
bei Schwarzenthai. 

*Ärcyria punicea Pers. Auf faulem Tannenholz im Böhmischen Walde bei Harta. 
*Ar. cinerea (Bull.). Auf PlagiocJiüa asplenioides var. major in der Wustlich 
bei Harta. 

*Ar. pomiformis (Roth). An Bretterzäunen in Harta. 

* Hymenoholiis parasiticus Zukal (Oesterr. botan. Zeitschr., 1893, S. 73). Auf 

Physcia stellaris an Eschen am Damme in Harta, auf Xanthoria parie- 
tina an Pyramidenpappeln in Harta. 
Lycogala epidendron (L.). In Menge mit bis cm breiten Fruchtkörpern auf 
einem Dache der Spinnerei in Harta. 

* Tricliia fallax Pers. Mummelthal bei Neuwelt, Elbgrund und Weisswassergrund 

bei Spindelmühle (Cel. fil.). 

* Jr. r« na Pers. : a. nigripes Rostaf., ß. sessilis Rostaf., genuina Rostaf. 

Mummelthal («, ß), Weisswasserthal {ß, y), Elbthal bei Spindelmühle (ß), 
Johannisbad (ß, y) (Cel. fil.); auf Kiefern in der oberen Wustlich bei 
Harta. 

* Tr. affinis De Bj. Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil). 
*Tr. JacUi Rostaf. Mummelthal (Cel. fil). 

* Tr. inconspicua Rostaf. «. genuina und ß. lutea Cel. fil. im Weisswasserthale 

(Cel. fil.). 

*Tr. intermedia Cel. fil. a. genuina Cel. fil. im Weisswassergrunde (Cel. fil.). 

* Hemiarcyria ruhiformis (Pers.). An faulen Stöcken in Lahres Walde bei Harta. 

* H. Wigandi Rostaf. Diese seltene Art fand Celakovsky fil. 1889 im Weiss- 

wassergrund bei Spindelmühle. Sonst ist sie nur aus Thüringen und dein 
Breisgau bekannt. 

Comatricha typhina (Roth) 5j|)imi7a Rostaf. Mummelthal bei Neuwelt (Cel. fil.). 
Sptumaria alba (Bull). Ueber Gras und Moos in der Weissbach bei Harta. 
Didymium farinaceum Schrad. a) genuinum. Auf Hylocomium splendens am 

Gehänge an der Elbe in Pelsdorf (420 m). 
*Micrococcus cyaneus (Schröter). In einer Bleiche in Nieder-Hohenelbe auf 

gestärkter, feuchter Leinenwaare 1895 in Menge aufgetreten. 



') Die Myxomyceten Böhmens von Dr. Ladislav Celakovsky Sohn. Prag, 1893. 



312 



V. V. Cypers. 



* Leptothrix ochracea Kütz. In einer eisenhaltigen Quelle an der neuen Strasse 

in der Igelsgasse bei Ober- Hohenelbe (560 m). 

* OJpliidium trifolii (Passerini). An Trifolium repens bei Wengler "s Wehre in Harta. 
Synchitrium anemones (DC). An Anemone nemorosa in der Weissbach bei Harta, 

Raubbach bei Hohenelbe, Elbgrund (780 m) ; an Anemone ranunculoides 
in der Weissbach. 

* S. (ßohosum Schröter, Auf Viola silvatica im Mangelwalde bei Harta; auf 

Veronica Beccahunga nächst dem Pelsdorfer Bahnhofe. 

* S. aureum Schröter. Auf Dentaria hulhifera im Silbergrund bei Schwarzen- 

thal (680 m) ; auf Urtica urens in Nieder-Hohenelbe. 

* Physoderma vagans Schröter. Auf Banunculus repens nächst der Wengler- 

schen Wehre in Harta. 

* Mucor mucedo L. Auf Pferdemist in Harta. 

* 31. fusiger Link. Auf CoUybia coUina in Harta. 

Cystopus Candidus Pers. Auf Raphanus rhaphanistrum in Harta. 

* Phytophtora cactorum (Lebert et Cohn). Auf Buchenkeimlingen am Fuchsberge 

bei Harta. 

* Plasmopora densa (Rabenh.). Auf Alectorolophus pulcher am Abhänge des 

Ziegenrückens (1200 m). 

* Bremia lactucae Regel. Auf Sonclius oleraceus in Harta. 

* Peronospora chrysospleni Fuckcl. Auf Chrysosplenium alternif olium in den 

Weissbach bei Harta. 

* Protomyces macrosporus Unger. Auf Aegopodium podagraria in Nieder-Hohen- 

elbe. I 

* Ustilago caricis Pers. Auf Carex pallescens in der Wustlich bei Harta. j 

* Entyloma serotinum Schröter. Auf Symphytum officinale in der oberen 

Schottergrube in Harta. 

* E. verruculosus Passerini. Auf Ranunculus lanuginosus am Pelsdorfer Gehänge 

(417 m). 

'* Uromyces fahae (Pers.). Auf Orobus vermis am Pelsdorfer Gehänge. 
■* U. trifolii (Hedw.). Auf Trifolium repens in Nieder-Hohenelbe. 
U. gernnii (DC), Auf Geranium pratense in Ober-Iiohencdbe und auf (J. pusil- 
lum in Pelsdorf. 

■* IJ. dactylidis Orth. (I.) Auf Ranunculus acer am Damme in Harta. 

* Puccinia galii (Fers.). Auf Galium silvaticum am Pelsdorfer Gehänge. 

riolac (Schum.). Massenhaft auf Viola silvatica im Mangelwalde bei Harta. 
/'. nu nthnc Per.s. Auf Mentha silvestris bei der Dix"sc]i(!n Fabrik in Hennersdorf 
P poarum Nilseu. (I.) Auf Petasites albus l)ci Tclsdorf; auf officindlis in 
der KIbo bei Fuchsberg. 

hieracii (Schuin.). Auf Leontodon autumnalis im Mangelwalde bei Harta. 

* P. aceiona (Schum.). Auf liutncx aceiosa in der Weissbach bei Harta. 

fuHca Relhan. (III.) Auf Anfjmonc nemorosa im Maiigelwaldo Ix'i Harta. 
I'hrfigmitium pofrntillae ÜN-rs.), Auf l'olrnl illa argnilra auf d(!r scIhmhmi Aus-| 
Hiclit in Harta. I 



Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 



313 



Phr. fusciforme Schröter. Auf Bosa alpina am Fuchshübel bei Harta und am 
Pelsdorfer Gehänge. 

* Phr. ruhi idaei (Pers.). Auf Euhus idaeus am Fuchsberge, in der Wustlich 

und im Mangelwalde bei Harta. 

* Phr. carhonariimi (Schlechtd.). Auf Sangiiisorha officinalis bei der Brettsäge 

und in der Wustlich bei Harta. 

* Melampsora helioseopiae (Pers.). Auf Euphorbia helioscopia am Bahndamme 

in Harta. 

* M. euphorhiae dulcis Otth. (I.) Auf Euphorbia dulcis in der Weissbach bei 

Harta. 

31. betulina (Pers.). (III.) Auf Betula pubescens in der oberen Weissbach bei Harta. 
M. pustulata (Pers.). Auf Epilobium roseum an der Elbe in Pelsdorf. 

* Melampsorella cerastii (Pers.). Auf Stellaria graminea am Pinner bei Langenau 

(600 m). 

Coleosporium senecionis (Pers.). Auf Senecio silvaticus bei Huttendorf. 
C. sonchi (Pers.). Auf Ädenostyles albifrons im Weisswasser- und Elbgrund. 
C. euphrasiae (Schum.). Auf Euphrasia curia am Puchsberge bei Harta und 
bei Hennersdorf. 

* Uredo agrimoniae (DC). Auf Ägrimonia eupatoria am Pinner bei Langenau. 

* U. polypodii Pers. Auf Cystopteris fragilifi im Silbergrund bei Schwarzenthai. 

* Caeoma mercurialis (Martins). Auf Mercurialis perennis am Fuchshijbel bei 

Harta. 

Aecidium aquilegiae Pers. Auf Aquilegia vulgaris bei Mönchsdorf. 

* Dacryomyces abietinus (Pers.). An Fichtenholz im Mangelwalde bei Harta. 

* Tomentella ferruginea Pers. Auf abgefallenen Aesten am Fuchsberge bei Harta. 
i^Corticiiim sarcoides (Fr.). An abgefallenen Zweigen von Betula bei Wengler's 

Zaun in Harta. 

* C. lacteum Fr. An Aesten von Prunus spinosa in Harta. 
Ciavaria flava Schaff. Stohnsdorf bei Warmbrunn. ^) 

* Cl. Botrytis (Pers.). Auf Waldboden bei Hennersdorf. 

* Clavariella abietina (Pers.). Auf Waldboden im Böhmischen Walde und in der 

Wustlich bei Harta, bei Hennersdorf, in Menge namentlich in der Nähe 

der Wildfutterplätze. 
*Cl. flaecida (Fr.). Auf Waldboden bei Krausebauden (720 m). 
Phaedon suaveolens (Scop.). Auf Waldboden im Böhmischen Walde bei Harta. 

* Polyporus Donatus (Nees). An Eichenstöcken am Damme in Harta. 
Ochroporus perennis (L.). An Wegböschungen in der Wustlich bei Harta (445 m). 
Boletus scdber Bull. Auf dem Wurzelgeflechte einer geworfenen Birke im „Sumpfe" 

bei Harta. 

Chrysantheron Bull. In Gebüschen am Fuchsberge bei Harta. 

1) Eine grössere Zahl von Hymenomyceten führt C. Schwalb in seinen Mycologischen Bei- 
lagen aus Böhmen („Lotos", Bd. XV, 1893) aus dem Gebiete des ßiesengebirges an, namentlich aus 
ler Umgebung von Trautenau und Johannisbad, da jedoch specielle Standorte meist fehlen, nehme 
ch in der folgenden Aufzählung keine Rücksicht auf diese Arbeit. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 43 



314 



V. V. Cypers. 



B. granulatus L. Im Böhmischen Walde bei Harta. 
Paxilus atro-tomentosiis (Batsch). An Stümpfen von Pinns silvestris in der 
Wustlich bei Harta. 
P. involuüis (Batsch). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude (1150 m). 

* Coprinus cphemertis (Bull). Obstgarten in Harta in der Nähe einer Düngerstättc 

* C. äomestictis (Pers.). In einem Canale der Hartaer Spinnerei (11. /II.). 

* C. stercorarius (Bull.). An einer Düngerstätte in Harta, ebenso nächst der 

Elbfallbaude (1280?»)- 

* C. atramentarius (Bull.). In Auen an der Elbe in Nieder-Hohenelbe. 

* Bolbitns fragilis (L.). Obstgarten in Harta. 

Gomphidius viscidus (L.). Auf Waldboden an der Festung bei Spindelmühle 
(1000 wi) und unterhalb der Spindlerbaude (1140 m). 
* var. elegans G. Beck. Jungwald in der Weissbach bei Harta. 

* Nyctalis parasiHca (Bull.). Auf einer Bussula im Mangelwalde bei Harta. 

* Hygropliorus (Hygrocijhc) puniceus (Fr.). Haide bei Hennersdorf. 

* H. ( Camarophylliis) niveus (Scop.). Auf Triften im „frischen Wasser" bei 

Langenau. 

H. ericeus (Bull.). Am Fuchsberge bei Harta. 

* H. caprinus (Scop.). Auf Waldboden bei Füllenbauden (770 m). 
Limacinm eburneum (Bull.) Auf Waldbodcn im Böhmischen Walde bei Harta 

und im Raubbach bei Hohenelbe. 

* L. agathosmum (Fr.). Auf Nadelwaldboden im Raubbach bei Hohenelbe. 

* L. iepliroleucum (Pers.). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude (1170 m). 

* Lactaria camphorata (Bull.). Auf Waldboden im Weisswassergrund (880 m). 

* L. helva (Fr.). Auf Waldboden bei Brana. 

L. rufa (Scop.). Im Walde unterhalb der Spindlerbaude, im Mangelwalde und in 
der Wustlich bei Harta. 

* L. nmhrina (Pers.). In der Wustlich bei Harta. 

* L. pitdihunda (Scop.). Auf BaumwoUabfällcn unter Bäumen am Untergraben 

der Hartaer Spinnerei, in grossen Exemplaren mit bis 12 cm breiten 
Hüten. 

Jiussula emctica (Schäflf.). Im Mangelwaldc und in der WusÜich bei Harta, 
im Raubbach bei Hohenelbe, im Walde unterhalb der Sjjindlcrbaude. 

7?. foetcnsi (Pers.). In der Weissbach Ijei Ilarta, bei Hennersdorf, im Walde 
unterhalb der Spindlerbaudc. 
ruhra (DC). Auf Wald))oden in der Wustlich bei Harta. 

* I{. rosucea (Bull ). Auf Nadelwaldboden im Mangelwalde bei ITarla. 
Uumdina inlcgra (L,). In der Weissbach und in der Wustlich bei llarta. 

* U. .rcmmjtclina (Sc.hiiir.). Auf Waldboden l)ei Hennersdorf und im Walde 

unterhalb der Spindlerbaudc. 

I. nüinuH (PanuH) stypticus (Bull.). Au Stinnpfcn von Alnits in der Wustlich bei 

Harta, an solchen von Querem am DaniuK; in llarta. 

* // rnriirn-fomrnloHUH (\V,\\Hch) \\\ Sliiniiifcn von IlcliUa im nöliniischeii Walde i 

h.i ll.ul;. 



Beiträge zur Kijptogamenflora des Kiesengebirges und seiner Vorlagen. 



315 



* Marasrnius squamula (ßatsch). An Blattstielen am Elbedamme in Nieder- 

Hohenclbe. 

M. perforans (HoflFm.). Bei Heunersdorf, anf der Festung bei Spindelmüble. 

* 31. alliacens (Jacq.). Im Mangelwalde bei und unter einem Ficlitenzaun in 

Harta. 

M. alliatus (Schaff.). Lahr's Wald bei Harta. 

* M. caryophylUiis (Schaff.). An Rainen, Wegrändern und am Damme in Harta. 

* Coprinarius (Psatliyrella) consimilis Bres. et Henn. (Verh. des botan. Vereins 

der Prov. Brandenburg, 1890, S. 178). Auf faulen Stöcken am Untergraben 

der Hartaer Spinnerei. Durch Grösse und Färbung leicht von dem sonst 

sehr ähnlichen C. disseminatus zu unterscheiden. 
Hypholoma appendiculatum (Bull.). An Buehenstümpfen im Silbergrund bei 

Schwarzenthai. 
H. fasciculare (Huds.). Am Damme in Harta. 
H. lateritium (Schaff.). Im Mangelwalde bei Harta. 

* H. lacrymahundum Fr. An Stöcken im Mangelwalde bei Harta. 

Psalliota campestris (L.) * var. rnfesceyis G. Beck. In der Wustlich bei Harta. 
Berminus (Galera) hypni (Batsch). Auf der Elbwiese (1300 m). 
D. tener (Schäff.). Am Fuchsberge und am Damme in Harta. 
D. (Reheloma) crustiiliniformis (ßuU.). Am Damme in Harta. 

* Inocyhe rimosa (Bull.). Unter Gebüsch in der Wustlich bei Harta. 

* I. dulcamara (Alb. et Schw.). Auf Waldboden in der Weissbach und Wustlich 

bei Harta, am Pinner bei Langenau. 
Cortinarius (Hydrocyhe) acutus (Pers ). In Wäldern bei Hennersdorf. 
*C. saniosus (Fr.). Wustlichwiesen bei Harta, lichte Waldstellen im Weisswasser- 

grund (860 m). 
C. dilutus (Pers.). Im „Sumpfe" bei Harta. 

* C. rigens (Pers.). Auf feuchten Waldwiesen in der Wustlich bei Harta. 

* C. (Telamonia) hemitrichus (Pers.). Im Gebüsche am Fuchsberge bei Harta. 
*C. helüolus (Bull.). Am Damme in Harta. 

* Naucoria inquilina (Fr.). Auf faulen Stöcken im Mangelwalde bei Harta. 

* N. tenax (Fr.). Wie vorige. 

Pholiota candicans (Schäff.). Am Fuchsberge bei Harta, Xieder-Hohenelbe. 
Ph. mutdbilis (Schäff.). Auf Buchenstümpfen im Weisswassergrund (870 ?«); in 

der Igelsgasse bei Ober-Hohenelbe an einem Buchenklotze im Jänner im 

Freien. 

* Ph. aurivella (Batsch). An Salix fragilis in Nieder-Hohenelbe. 
Hyporrhodius (Entoloma) hydrogrammus (Bull.). Nächst dem Schulzaun und 

am Damme in Harta. 
Bhodosporus prunulus (Scop.). Am Fuchsberge bei Harta, auf Waldwiesen bei 
Brana. 

Ägaricus ( Omphalia) fiJnila (Bull.). An Waldrändern bei Hennersdorf. 
*Ag. fragilis Schäff. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta, 
A. umhelliferus L. Am Pinner bei Langenau. 

43* 



316 



V. V. Cypers. 



"^Äg. tricolor Alh. et Schw. Am Damme in Harta. 
"^Äg. pyxidatus Bull. Wie voriger. 

Ag. (Mycena) capillaris Schum. Im Böhmischen Walde bei Harta. 
Ag. corticola Pers. An Stämmen von Salix fragilis in Fuchsberg und auf 
Querciis in Harta. 

* Ag. stißohates Pers. Auf Waldboden im Mangelwalde bei Harta. 

vulgaris Pers. Auf abgefallenen Nadeln am Fuchshübel bei Harta. 
Ag. epipterygius Scop. * var. flava m. Hut und Stiel ganz gelb, ersterer nur in 

der Mitte etwas bräunlich. Auf Waldwiesen bei Brana. 
*Ag. lacteus Schrad. In Wäldern bei Hennersdorf. 

* Ag. acicula Schaff. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta. 
Ag. roseus Bull. In Wäldern bei Hennersdorf. 

^Ag. avenaceus Fr. In Grasgärten am Fuchsberge bei Harta. 

"^Ag. galericulatus Scop. An Quercus in der Weissbach bei Harta, an Pirus 

communis in Nieder-Hohenelbe. 
Ag. ( Colhjhia) dryophyllus Bull. Auf Grasplätzen in Nieder-Hohenelbe. 
Ag. collinus Scop. Auf Triften in Harta. 
'^ Ag. csculentusl^xAi. In Auen in Nieder-Hohenelbe. 
Ag. hutryaceus Bull. Auf Waldboden im Mangelwalde bei Harta. 

* Ag. ( Clitocybe) ostreatus Jacq. An Stümpfen von Tilia am Fuchsberge bei 

Harta. 

* Ag. cyathiformis Bull. Am Damme in Harta. 

*Ag. sinopicus Fr. Auf Grasplätzen am Schüsselberge (1160 m). 

Ag. dealbatus Sow. Auf Haide.stellen im „Sumpfe" bei Harta. 
^Ag. odorus Bull. In der Wustlich bei Harta. 

*Ag. (Tricholoma) melaleucus Pers. Bebuschte Triften in Nieder-Hohenelbe. 

* Ag. sulfureus Bull. Auf Waldboden in der Weissbach bei Harta. 

Ag. terreus Schäff. In der Wustlich bei Harta, am Pinner bei Langenau. 

Ag. rutilans Schäfl'. Im Böhmischen und Mangelwalde bei Harta, Raubbach- 
wäldchen bei Hohenelbe. 

Armillaria mellea (Vahl.). Massenhaft au und unter Salix fragilis an der Elbe 
in Nieder-Hohenelbe. ebenso auf freien Grasflächen in Fuchsberg. 
Ar. ramentacea Bull. Auf lichten Waldstcllen im Böhmisclien Walde bei 
Harta. 

Lejnota crwtata (Boll.) * var. major P. Hennings (Verhandl. des botan. Vereins 
der Prov. Brandenburg, 1880, S. H9). Mit der tyi)isclien Form in Auen 
und auf Triften in Nieder-Hohenelbe. 

Amanita aspera (Fr,). Auf lichten Waldstellen in der Wustlicli hoi Harta. 

Am. hulhosa Bull * var. citrina (Pers.). Im Walde bei Hennersdorf. 

" S der oder ma vulgaris Hörnern. Am D;i,mine in Harta. 

Crucihulum vulgare 'J'nl. Auf faulem Holze im Mangel walde bei lliirta. 

* Cyatlms olla (Batscb). Am I';ili< 'l;i inin in Nic(l("r-IIolifncll»(\ 



Beiträge zur Kryptogamcnfiora des Riesengebirges und seiner Vorlagen. 317 



Erste Fortsetzung von 1. 

Exoascus pruni Fuckel. Auf Früchten von Prunus domestica in Harta, Hohen- 
elbe und Langenau, auf jenen von Prumis spinosa am Rande des Mangel- 
waldes bei Harta. 

E. Wiesneri Rathaj. Auf Pnimis avium an der Strassenallee in Harta und 
Nieder-Hohenelbe. 

E. uhni Fuckel. Auf Blättern von Ulmiis ccmpestris am Fuchsberge bei Harta. 
E. Torquinetii (Westend.). Auf Blättern von Alnus glutinosa am Untergraben 

in Harta und im Raubbach bei Hohenelbe. 
Mitrula phalloides (Bull.). Auf feuchten Waldstellen in der Wustlich bei Harta. 
Geoglossum hirsutum Pers. Im „Sumpfe" bei Harta. 

Spathularia clavata (Schäff.). Auf Waldboden im Gänshals und im Böhmischen 
Walde bei Harta, Silbergrund bei Schwarzenthai (850 m). 

Morchella esculenta (L.). Im Grasgarten bei der Hartaer Schule und auf den 
oberen Wustlichwiesen. 

M. conica Pers. In Gebüschen in der Wustlich bei Pelsdorf. 

Gyromitra esculenta (Pars.). Auf lichten Waldstellen in der Wustlich bei Harta. 

Helvella lacumosa Afzelius. Auf lichten Waldstellen in der Weissbach bei Harta. 

H. crispa (Scop.). Auf Waldboden in der oberen Weissbach bei Harta. 

Pi/ronema omphalodes Bull. Auf einer alten Meilerstelle im Walde unterhalb 
Füllenbauden (760 w). 

Humaria leucoloma (Hedw.). Auf Haiden bei Hennersdorf. 

H. rutilans (Fr.). Zwischen Moos am Bahndamme bei Märzdorf. 

H. lepomm (Fuckel). Auf Hasenmist in der Weissbach bei Harta. 

Humariella umhrata (Fr.). Auf Moorboden im „Sumpfe" bei Harta. 

H. scutellata (L.). Auf feuchter Erde am Damme in Harta. 

Spjliaerospora hrunnea (Alb.etSchw.). Auf Brandstellen am Zigeunerplatz bei Harta. 

Peziza applanata (Hedw.). Auf Erde in Blumentöpfen in Harta. 

P. vesiciilosa Bull. Nächst einer Düngerstätte in Harta. 

P. cerea Sow. Auf vermoderten, aus dem Wasser gezogenen Laub und Geäste 
vor der Turbine der Fuchsberger Spinnerei in grosser Menge. 

P. hadia Pers. An Wegböschungen bei Füllenbauden (770 m). 

P. auratitia Müll. Auf feuchten Dyassandsteinfelsen am rechten Elbeufer in 
Pelsdorf. 

P. macropiis Pers. An faulen Baumstümpfen in der Weissbach bei Harta. 
Lachnea hemisphaerica Wiggers. Auf einer bebuschten Lehne am Fuchsberge bei 
Harta. 

Otidea leporina (Batsch). Auf einer feuchten bewaldeten Lehne im Silbergrund 

bei Schwarzenthai (860 w). 
Lasioholus equinus (Müll.). Auf Pferdemist bei der Spindlerbaude (1200 m). 
Ascololus stercorarius (Bull.). Auf Kuhmist im Gänshals bei Harta. 
Sclerotinia tuherosa (Hedw.). Auf Wiesen im Hutgarten und in der Weissbach 

bei Harta, bei Hennersdorf und im Raubbach bei Hohenelbe. 



318 



V. V. Cypers. 



S. baccarum Schröter. Auf Früchten von Vaccinium Myrtillus im Böhmischen 

Walde bei Harta und am Haidelberge (1000 m). 
S. vaccinii Woronin. Auf Früchten von Vaccinium Vitis idaea bei Hennersdorf. 
*S'. -paäi Woronin. Auf Früchten von Prunus Padus im Zerkenwlukel bei Harta, 
Hymenoscypha (Fezizella) virens (Alb. et Schw.). In hohlen Fichtenstümpfeu im 

Mangelwalde bei Harta. 
Hy. punctiformis Greville. Auf abgefallenen Birkenblättern am Fuchsberge bei 

Harta. 

Ily. (Phialea) strobulina (Fr.). Auf abgefallenen Zapfen von Picea excelsa im 

Böhmischen Walde bei Harta. 
Hy. cyaihoidea (Bull.). Auf abgestorbenen Stengeln von Aconitum variegatum im 

Mangelwalde bei Harta und auf Ädenostyles albifrons im Weisswassergrund 

(980 m). 

Helotium lenticulare (Bull.). Auf Buchenstümpfen im Sattler bei Langenau. 
H. saliccllum (Fr.). Auf abgefallenen Zweigen von Salix fragilis am Elbeufer in 
Pelsdorf. 

H. pallcficens (Pers.). Auf Stümpfen von Coryllus am Fuchsberge bei Harta. 
H. scutula (Pers.). An abgestorbenen Stengeln von Heracleum spondylium in 
Nieder-Hohenelbe. 

H. herbariim (Pers.). An abgestorbenen Stengeln von Urtica dioica in Nieder- 
Hohenelbe. 

Dasyscypha WiWcommii (Hartig). In Menge an Zweigen von Larix decidua in 

der Wustlich bei Harta. 
Lachnum bicolor (Bull.). Auf Bubus idaeus am Fuchsberge bei Harta. 
Lachnella chrysophthalma (Pers.). Auf faulem Kiefernholze im Mangelwalde bei 

Harta. 

Coryne sarcoides (Jac(j.). Auf faulen Stöcken von Quercus in der Weissbach bei 
Harta. 

C. versiformis (Pers.). Auf Tanuenstöckeu im Mangelwalde bei Harta. 
Tapesia fusca (Pers.). Auf abgefallenen Acsten von Coryllus am Pelsdorfer 
Gehänge. 

Mollisia cinerea (Batsch). Auf faulenden Stöcken von Betula in der Weissbach 
bei Harta, auf Fayus im Silbergrund bei Schwarzentha,! (800 w). 

M. uda (Pers.). Auf faulem Erlenliolze in der Weissbacli bei Harta. 

M. mcrcurialis (Fuckel). An alten Stengeln von Mercurialis percnnis im S:ittler 
bei Langenau. 

Viroltnca veneta Sacc. et Sjiegnz. Auf i'nulenden SIeugeln von Mulyedium alpinum 

im WeisswassergiMind. 
Vhraymopora Kiinzri CFIotow) (Lalmia K. K<")rl)('i'). An Salix fr ayilis \\\ 1^'iichs- 

bcig Ifarla. 

AhrolhalltiH pnrmeliarum (Sommerf.). Auf dcün TIimHus von Parmclia saxalilis^ 

auf der Fostung boi Spindolrniilile (1000 in). 
Arthornn diaporm CSchrad ). Auf Ks|)ciirind(! in der Wustlich bei Harta. t 
Arthot/if linrn sjtretnbifc CFlotow). Auf Coryllus am Pelsdorfer (iehiingo. | 



Beiträge zur Kryptogamenflora des Kiesengebirges und seiner Vorlagen. 



319 



Encoelia populnea (Pers.). An abgefallenen Zweigen von Populus tremula in 

der Wustlicli bei Harta. 
Dermatea cerasi (Pers.)- Auf Aesten von Prunus Avium am Fuchsberge bei Harta. 
Pezizula versiformis (Alb. et Schw.). An dürren Zweigen von Fmngula alnus 

im Zerkenwinkel bei Harta. 
B\dgaria polymorpha (Oeder). An Buchenholz im Sattler bei Langenau. 
Xylographa parallela (Ach.). An morschem Holze im Riesengrund (1040 wi)- 
Sderoderris ribesia (Pers.). An Zweigen von Ribes rubrum im Fabriksgarten 

in Harta. 

Tryblidiopsis pinastri (Pers.). An Zweigen von Äbies alba im Mangelwalde bei 
Harta. 

Coccomyces coronatus (Schum.). Auf faulenden Blättern von Querem in der 

oberen Weissbach bei Harta. 
Phijtisma aceriniim (Pers.). Auf Blättern von Acer pseudoplatanus in Harta, 

Fuchsberg, Hohenelbe, Langenau, im Silber-, Weisswasser- und Elbgrund; 

auf A. platanoides an der Hartaer Gemeindestrasse. 
P. salicinum (Pers.). An Blättern von Salix lajjponum am Pauschfall (ISOOm); 

auf S. silesiaea im Elbgrund (1000 m); auf S. einerea im Hartaer und 

im Mangelwalde bei Harta. 
P. autumnale Schröter. Auf Blättern von Salix xmrpurea am Elbeufer in 

Fuchsberg bei Harta und in Nieder-Hohenelbe. 
P. andromedae (Pers.). Auf Andromeda polifolia auf der Weissen Wiese (1400 m). 
Lopliodermium arundinaceum (Schrad.). Auf abgestorbenen Blättern von Ca- 

lamagrostis epigea in der Wustlich bei Harta. 
L. pinastri (Schrad.). Auf den Nadeln von Pinus silvestris im Mangelwalde und 

in der Wustlich bei Harta; auf P. pumilio an einzelnen Stellen am Kamme 

des Piiesengebirges 1894 und 1895 in solchen Massen auftretend, dass die 

Knieholzbestände stellenweise beinahe vollständig kahl erschienen, so 

namentlich an den Teichrändern und am Lahnberge; vereinzelter auch auf 

der Veigelkoppe und dem Krkonosch. 
Mysterium alneum (Ach.). Auf Rinden von Alnus glutinosa am Pelsdorfer 

Gehänge. 

Sphaerotheca pannosa (Wallr.). Auf Posa canina in der Weissbach bei Harta, 
bei Pelsdorf und am Pinner bei Langenau; auf P. tomentosa in der 
unteren Weissbach bei Harta; auf R. centifolia und R. alba im Hartaer 
Fabriksgarten. 

S. Humuli (DC). Auf Geranium pratense im Hutgarten und in der Weissbach 
bei Harta; auf G. silvaticum im Elbgrund (860 m); auf Impatiens noli 
tauigere im Mangelwalde bei Harta, in solchen Mengen auftretend, dass die 
befallenen Pflanzen verkümmern und nicht zur Blüthe gelangen, in der 
Igelsgasse bei Ober-Hohenelbe ; auf Alchemilla vulgaris in Harta, Nieder- 
Hohenelbe, im Sattler bei Langenau und im Silbergrund bei Schwarzen- 
thal; auf Poteritim sanguisorba in der Wustlich und Weissbach bei Harta; 
auf Bidens tripartitus auf den Kranichwiesen bei Langenau ; auf Melam- 



320 V. V. Cypers. Beiträge zur Kryptogamenflora des Riesengebirges u. seiner Vorlagen. 



pyrum silvaticum im Mangelwalde bei Harta; auf Humulus lupulus am 
Elbedamm in Nieder-Hohenelbe. 
S. gigantasca (Sorokin et Thiimen). Auf Euphorbia dulcis in der Weissbach bei ! 
Harta. 

Fodosphaera tridactyla (Wallr.). Auf Prunus spinosa am Rande des Mangel- 
waldes bei Pelsdorf; auf P. Padus in Nieder-Hohenelbe. 

Erysibe polygoni (DC). Auf Hypericum perforatum in Nieder-Hohenelbe. 

E. pisi (DC). Auf Hohinia pseudacacia im Garten der Hartaer Bleiche; auf i 
Spirea ulmaria in der Weissbach bei Harta. 

E. galeopsidis (DC). Auf Galeopsis tetrahit im Mangelwalde bei Harta. 

E. cichoraceum (DC). Auf Cirsium oleraceum am Damme in Harta; auf Lappa ■ 
in Nieder-Hohenelbe. i 

E. heraclei (DC). Auf Heracleum spondylium im Mangelwalde und bei der I 
oberen Schottergrube in Harta, in Nieder-Hohenelbe. 

E. tortilis (Wallr.). Auf Cornus sanguinea am Fuchsberge bei Harta. 

E. astragali (DC). Auf Ästragalus glycyphyllus am Fuchshübel und am Fuchs- 
berge bei Harta. , 

Microsphaera lonicerae (DC). Auf Lonicera hispida im Spinnereigarten in Harta. , 

M. hcrheridis (DC). Auf Berheris vulgaris in Harta und Nieder-Hohenelbe. ; 

31. grossulariae (Lev.). Auf Ribes grossularia in Harta. 

M. Elireiibergii (Lev.). Auf Lonicera caprifolium im Garten der Hartaer ; 
Spinnerei. 

Uncinula Salicis (DC). Auf Salix purpurea am Elbeufer in Fuchsberg bei 
Harta. 

U. prunastri (DC). Auf Prunus spinosa am Rande dos Mangelwaldes bei ; 
Harta. 

IL aceris (DC). Auf Acer pseudoplatanus in der Weissbach bei Harta. 
Phyllactinia suffulta (Rcbent.). Auf Crataegus oxyacantha am Fuclisbcrge bei 

Harta; auf Fagus silvatica im Elbthal unterhalb Hackelsdorf (560 w?). 
Lasiohotrys lonicera Kunze. Auf Lonicera nigra im Weisswassergrund (860 m). 
Nectria j)cziza (Tode). Auf faulenden Stümpfen von Salix fragilis in der Woiss- 

bach bei Harta. 

(iiUhrrclla pnlicaris (Fr.). Auf Samhucus nigra am Elbed;i,inmo in Nieder- [ 
Hohonolbe. ' 

Polystigma rubrum (Pers.). Auf ßlält(?rn von Prunus spinosa am Rand(! des 1 
Mangolwaldes hol Harta; auf P. domestica in Harta und Hohenclbe. 

/' (K-hrarmm (Wlilb.). Auf Blättern von Prunus Padus im „Sumpfe" bei Ilnrta. ' 

f'/firirrps purpurca (Fr.). Auf 7'riticHvi r(pens in Harla; auf Sccale cereale in 
Ilarta, I'clsdorf, IfoliciMilljo, Langenau, Scliwarzcnilial ; auf Lolium pcrcnne 
in Harta. ' 

(' wirrorrphald (Wallr ). CalamagrosllH cjiigcios in der Wtistlicli \n'\ Ilarta. 



Eeferate. 



321 



Referate. 

Heymons Kiehard. Zur Morphologie der Abdominalanhänge bei den 
Insecten. Morphologisches Jahrbuch von Gegenbaur, Bd. XXIY, Heft 1. 
S. 178—204, mit 1 Tafel. Leipzig, 1896. 

Der Verfasser, einer von den wenigen Zoologen, die auf entomologischem 
Gebiete arbeiten, lieferte in seiner neuesten, kurzen, aber sowohl in Bezug auf 
Resultate als rücksichtlich der logisch durchdachten Darstellung vortrefflichen 
Abhandlung einen Beitrag, in welchem die Entomologenwelt, soweit sie sich 
für allgemeine Fragen interessirt, die längst ersehnte, genetische Deutung dreier 
Gebilde findet: der Oer ei, der Styli und der Gonapophjsen. Gleichzeitig 
tritt der Verfasser durch seine exacten Untersuchungen in vortheilhaften Gegen- 
satz zu gewissen Autoren, deren ebenso hastige wie seichte Schriftenfluth die 
herrschende Unklarheit morphologischer Begriffe, anstatt aufzuheben, eher ver- 
grössert und bereits von mehreren Seiten lebhafte Missbilligung erfahren hat. 

Die sogenannten Cerci (fühleräholiche Raife oder Zangen) anlangend, so 
handelt es sich hier um transformirte Gliedmassen des 11. Abdominal- 
segmentes, was sich auf embrvologischem Wege an Dermapteren oder Ortho- 
pteren nachweisen lässt. In Fällen, wo das 11. Segment in späteren Stadien 
obliterirt, wie bei jungem GrijUus campestris. scheinen die Cerci dem zehnten 
Ringe aufzusitzen. (Das letzte, 12. Abdominalsegment besteht lediglich aus 
Analklappen.) 

Die griffelartigen Styli, wie sie z. B. am neunten Hinterleibsringe gewisser 
Orthopteren beobachtet werden, entstehen hingegen nur aus dem distalen 
Abschnitte der ursprünglichen Extremitätenanlage, während der 
proximale Theil der letzteren mit der Sternitplatte spurlos zusammenschmilzt. 
Diese Anhänge sind demnach Erbstücke polypoder Insecten und — da der Unter- 
schied nur graduell — Homologa der Cerci. Bei Embryonen von Mantis religiosa 
sehen denn auch beiderlei Gebilde zum Verwechseln ähnlich aus, und die Be- 
hauptung, dass die Cerci primär gegliedert waren, entspricht nicht den thatsäch- 
lichen Verhältnissen; nichtsdestoweniger ist es aus taxionomischen Gründen 
gerathen, beide Bezeichnungen auch fernerhin aufrecht zu erhalten. Da bei 
Machiiis sp. die Styli auch aus den Coxalstücken der Brustbeine entspringen, so 
haben frühere Autoren in ihnen blosse Integumentausstülpungen vermuthet (wie 
scheinbar bei Scolopendrellen) oder behauptet, dass die Styli mit Extremitäten 
joichts zu schaffen haben. P. Schmidt hat sie rudimentäre Gliedmassen genannt, 
jWas zum Theile zutrifft; demnächst gedenkt Heymons den Nachweis zu führen, 
jiass gewisse Mundgliedmassen sich ebenfalls nur aus bestimmten Theilen der 
jursprünglichen Gliedmassenanlage differenciren. 

! Dem gegenüber wurden die Gonapophysen sowohl beim 9 als beim rf 
\\h phyletisch jüngere, hypodermale Wucherungen erkannt. An dem 
linfangs glatten Abdomen des Grylhts sprossen nämlich die Gonapophysen erst, 
lachdem sich das Junge gehäutet hat, als paarige Zapfen am achten und neunten 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 44 



322 



Referate. 



Sternite hervor. Nach neuerlicher Häutung kommt am neunten Ringe ein drittes . 
Zapfenpaar hinzu. Alles das geschieht also zu einer Zeit, wo die Gliedmassen- 
rudimeute schon längst verschwunden sind. Aehnliches wiederholt sich auch bei 
dem interessanten Decticus verrucivorus. Wenn sich die laterale Apophyse aus 
dem Stylus entwickelt, so hetheiligt sich daran, vielleicht als die eigentliche 
Bildungsstätte, auch die Hypodermis. Die Objection, es könnten hier latente 
Gliedmassenanlagen ins Spiel treten, wird durch den Hinweis auf die Ent- 
wicklung der Wasserrhynchoten hinfällig (Nepa cinerea, Naucoris cimicoides, 
Xotonecta glauca, wahrscheinlich auch Banatra linearis). So besitzen z. B. die 
Embryone der Fangwanze einen völlig fusslosen Hinterleib, und die Gonapophysen, 
deren drittes Paar fälschlich als griffelartige Pleuren (Pseudostyli) des neunten 
Abdominalsegmentes beansprucht war, gelangen hier erst im reiferen Alter zur 
Entwicklung. 

Die schöne Publication Heymons' hätte nur gewonnen, wäre in ihr ein 
breiterer bibliographi.scher Stoff verarbeitet; abgesehen von jedenfalls bedeutenden. 
Autoren, wie B. White oder Gosse, war es doch angezeigt, die alten, grund- 
legenden Untersuchungen eines Laeaze-Duthiers wenigstens dem Titel nach 
zu erwähnen. An der glänzend ausgeführten Tafel wäre bei Fig. 4 die Be- 
zeichnung der Lamina supraanalis nachträglich zu corrigiren. 

Dr. Tad. Garbo wski. 

Saccardo P. A. La Botanica in Italia. Materiali per la storia di questa 
scienza. Venezia, Carlo Ferrani, 1895. 236 S. 4°. 

Bedenkliche Dimensionen muss das in die polyglotte naturwissenschaftliche 
Literatur, folgerichtig auch in die botanische, eingerissene Chaos angenommen 
haben, wenn es nothwendig geworden, für den 14. Juli 1. J. einen internationnlon 
Congress nach London einzuberufen, welcher unter den Auspicien der Royal 
Society tagen und darüber zu borathen haben wird, wie dieser Calamität gründlieh 
vorgebeugt werden könne. Ohne den Beschlüssen desselben vorgreifen zu wollen, 
glauben wir schon heute auf Grund mehr denn d reissigjähriger Erfahrungen 
constatireu zu mü.ssen, dass sich ohne das munificcnte Eingreifen der hohen 
Regierungen, der Akademien, gelehrten Gesellschaften und reichen Privaten nichts 
Erspriessliche.s nach dieser Richtung leisten lässt, schon deshalb, weil die even- 
tuellen Mitarbeiter, welche sicli schliesslich doch nur ;ius den ;ingeblichen diii 
minorum et infimorum gentium rccrutiren werden, für ilu(> Mitwirkung honorirt! 
sein wollen und müssen. 

Am Vorabende dieses Ereignisses, welcluis, geschickt aufgegrillcn und durch-i 
geführt, eine neue, A<'r;i in der Mrkenntniss der Geschichte und Bibliographie der 
Naturwissenscliaften zu iiiaugurinMi ]>erufen ist, trifft uns die vorliegende Arbeit.! 
Die Ge.M-hiclite und l{il)li(>graphi(! <l(!r Bot,;ii)ik in Italien war bis in die neueste 
Zeit eine förmliche fcirra incognita, und wer sich wenigstens über die selbst-, 
Ktändigen Werke und Hroschüren iiilormiren wollf;e, musste nach PritzelV 
„Thesrmnis literalura« botanicae oniniuni g(!ntium" greifen, und über die in derj 
|»eriM(li,s( hen Literatur erschienenen Aufsätze gab der „Catalogue of scientific papors" 



Referate. 



32B 



nicht immer den erwarteten Aufschluss. Wir erfahren, dass sich 1434 Italiener, 
darunter 560 Floristen, 72 Deutsche, 66 Franzosen, 62 Oesterreicher und Ungarn, 
30 Schweizer, 29 Engländer, 17 Scandinavier, 7 Polen, Eussen, Griechen, Türken 
und Südamerikaner, sowie 4 Belgier und Holländer an dem Aufbau der italieni- 
schen Botanik bethätigten, doch sind alle diese Zahlen viel zu nieder gegriffen. 
Unter den benützten Quellen vermissen wir Jeremias David Reuss' „Eepertorium 
commentatiorium a variis societatibus litterariis editarum", worin ein Ver- 
zeichniss der bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in periodischen Schriften 
erschienenen Abhandlungen gegeben wird, eine Reihe von Encyklopädien und 
geradezu alle Conversationslexika, während die von ihm benützten, weil notorische 
Plagiate, jeder Originalität entbehren. Den Autoren folgen kurze biographische 
Daten, Hinweise auf deren ausführlichere Biographien, deren Arbeiten, leider ohne 
Seitenzahl- und Formatangabe, was die Grundbedingung für Bibliographie ist, 
und die denselben gewidmeten Gattungen, doch sind alle diese Zugaben, wohin 
noch die Berücksichtigung der Recensionen, Manuscripte und der Seltenheit ge- 
wisser Schriften gehört hätte, trotz des besten Willens des Verfassers, weil die 
periodische Literatur Italiens und umso mehr die des Auslandes mangelhaft, die 
Kalender, Chorographien, Itinerarien, Sammelwerke und Monographien gar nicht 
benützt worden, selbst für abgelaufene Jahrhunderte und umso mehr für dieses 
Säculum unvollständig. Dasselbe gilt von der Vertheilung der Floristen nach 
Provinzen, den botanischen und Privatgärten, von denen der des Cardinais Bembi, 
um die Mitte des XVI. Jahrhunderts berühmt, Erwähnung verdient hätte. Dass 
die im Laufe unseres Jahrhunderts so mächtig angewachsene horticole Literatur 
keine Beachtung gefunden, befremdet gleichfalls. Dass der Verfasser gleich Berto- 
loni, Pariatore und Arcangeli auf österreichisches Gebiet hinübergreift, sei 
! nebenbei bemerkt. Gegen die Uebersicht der Hauptmomente in der italienischen 
Botanik und die anhangsweise gelieferten biographischen Notizen einzelner Bo- 
taniker haben wir füglich nichts einzuwenden. Ein übersichtlich gehaltenes Sach- 
register bildet den Schluss dieses Werkes, welches, trotz der aus räumlichen Rück- 
sichten flüchtig angedeuteten Mängel, immerhin eine Fülle von Belehrung und 
Anregung enthält. 

Ausstattung und Format sind geradezu tadellos. J. A. Knapp. 

Massee, G. A Revision of the Genus Coprinus (Annais of Botany, Vol. X, 
Nr. XXXVm, 1896, p. 123—184, Tab. X— XI). 

Auf dem Gebiete der Kryptogamenkunde ist jede monographische Zusammen- 
fassung einer Gruppe mit Freude zu begrüssen, und wir müssen es Massee Dank 
'wissen, dass er durch vorliegende Bearbeitung der Gattung Coprinus derartige 
j Erscheinungen um eine neue vermehrte. 

j Dem ausführlichen allgemeinen Theile mögen hier nur folgende Resultate 

■entnommen werden. Coprinus, von Persoon als Section der Gattung Ägaricus 
j abgegliedert, wurde von E. Fries in den Rang einer Gattung erhoben. Nur das 
i biologische Merkmal des endlichen Zerfliessens der Lamellen allein ist constant; 
Idas Fehlen einer Trama ist eine irrthümliche Angabe Fries', ein solches ist stets 
I 44* 



324 



Referate. 



vorhanden. Eine Zerspaltung der Gattung Coprinus nach der Parbenschattirung 
der Sporen in mehrere Genera (nach dem Vorgänge Karsten's), ist unzulässig. 
Das Vorhandensein von Sclerotien wurde bisher für drei Arten nachgewiesen, doch 
dürfte sich die Zahl der sclerotienbildenden Species bei genauerer Beobachtung 
noch vergrössern. Das Fleisch des Hutes ist bei allen Arten sehr dünn, bei einigen 
ungemein reducirt (Veliformes), doch stets vorhanden. Die Stellung der Gat- 
tung Coprinus bei Saccardo in der Mitte der „Melanosporae" ist nicht ganz 
zutreffend. Massee betrachtet Coprinus infolge seiner primitiven Sporenentleerung, 
seiner weitgehenden geographischen Verbreitung, des Fehlens eines milchsaft- 
führenden Systems, scharfer oder giftiger Stoffe — C. comahis und C. atra- 
mentarius sind geniessbar und wohlschmeckend — und lebhafter Farben, alles 
Eigenthümlichkeiten der höheren Agaricineen, als das Ueberbleibsel einer 
Gruppe ursprünglicher Pilze, von welcher die Agaricineen (im modernen Sinne) 
ihre Abstammung ableiten. Zunächst verwandt mit Coprinus ist die Section der 
Melanosporae und innerhalb dieser durch das Gesammtbild ihrer Merkmale die 
Gattung Psathyrella. In der Gruppe der „Ochrosporae" nähert sich Bolhitius, 
und unter den Leucosporae Hiatula am meisten der Gattung Coprinus. 

Coprinus ist ein Cosmopolit. Die bisher bekannten 169 Arten vertheilen 
sich ihrer geographischen Verbreitung nach in folgender Weise: 

Gesammtanzahl Endemische 
der Arten. Arten. 

Europa 117 99 

Asien 12 7 

Afrika 16 9 

Australien 17 5 

Amerika 45 31 

Die Arten gruppirt Massee folgendermassen : 
Sectio 1. Volva vorhanden; Ring vorhanden oder fehlend. 

* Hut mehr als 2 cm hoch und breit. 

t Stiel weiss (1. Coprinus sterquilinus Fr., 2. C. solstitialis Sacc, 3. C. 
ohlectus Fr., 4. C. jasmundianus Kalchbr.). 
1 1 Stiel farbig (5. C. stenocoleus Lindbl., 6. C. umhrinus Mass.). 

* * Hut unter 2 cm hoch und breit. 

t Volva ganz (7. C. cyclodcs Fr., 8. C. equinus Chelch., 0. C. Trappenii 
Oudem., 10. C. volvaceo-minimus Ci'ossl.). 
tt Volva zerfetzt (11. C. dilectus Fr., 12. C. panormitanus Inzeng.). 

Sectio II. Volva fehlend; King vorhanden. 

* Hut 8— 15 67» lioch (13. C. comatus Fr., 14. C. airamentarius Fr., 

15. C. Hoboliferus Fr., 16. C. pyrcnacus Quol., 17. C. praegnansVw). 

• • Hut eine Höhe von Ii cm niemals überschreitend (18. C. raricyaius 

Pock, 19, C. nrmillaris Fr., 20. C. Ifcndersonii Fr., 21. C. hulhil- 
loHUK P:it., 22. cphcmcroidcs Fr., 23. C torquahis Moiit., 24. 
ftcauroidts Godcy, 25. C. Jircsadolac Schulz). 



Referate. 



325 



Sectio III. Volva und Ring fehlend, Velum fehlend, Hut kahl oder namentlich 
am Scheitel mit kleinen Schüppchen versehen. 

* Lamellen dem Stiele angewachsen (26. C. fuscescens Fr., 27. C. in- 

signis Peck, 28. C. imbricatus Eahenh., 29. C. Barheyi Kalchbr., 
30. C. tergiversans Fr., 31. C. Lerchenfeldii Schulz., 32. C. pauci- 
lameTlatus Pat., 33. G. muscicola Berk., 34. C. fibrülosus B. et Br.). 

* * Lamellen frei (35. C. cylindricus Fr., 36. C. Mayrii Allesch., 37. C. 

saatiensis Henn., 38. C. pimctatiis Kalchbr. et Cooke, 39. C. floccu- 
losus Fr., 40. C. steno^jhylliis Mont., 41. C. microsporus B. et Br., 
42. C. macrosporus Peck). 

Sectio IV. Volva und Ring fehlt; Velum vorhanden, später zerreissend. 

* Velum ziemlich dick und filzartig, in unregelmässige, mehr oder minder 

persistirende Lappen zerreissend. 
t Lamellen an den Stiel befestigt (43. C. aphthosus Fr., 44. C. phaeo- 
sporus Karst.). 

tt Lamellen frei (45. C. picaceus Fr., 45*. C. ehulbosus Peck, 46. C. 
tomentosus Fr., 47. C. velatus Quel., 48. C. Forquignoni Massee, 
49. C. varicus Fr.). 

* * Velum in auf den Hut verbleibende flockige oder faserige Schuppen 

sich auflösend, 
t Lamellen an den Stiel befestigt. 

§ Hut weisslich oder grau (50. C. niveus Fr., 51. C. Colensoi Berk., 
52. C. albus Quel., 53. C. pilosus Beck, 54. C. exstinctorius Fr., 
55. C. fimbriatus B. et Br., 56. C. roris Quel., 57. C. Brassicae 
Peck, 58. C. similis B. et Br., 59. C murinus Kalchbr., 60. C. 
Brunandii Quel.). 

§§ Hut lohfarben oder bräunlich (61. C. domesticus Fr., 61*. C. laniger 
Peck, 62. C. alopecia Fr., 63. C. Boudieri Quel., 64. C. Seymouri 
Peck, 65. C. discipes Pat., 66. C. subcoeruleo-griseus Schulz., 67. C. 
macropus B. et Br., 68. C. vir gineus Teck et Bann., 68*. C. giga- 
sporus Massee spec. nov., PI. X, Fig. 3 — 5). 

1 1 Lamellen frei. 
§ Stiel kahl (69. C. nycthemerus Fr., 70. C. gonophyllus Quel., 71. C. 
subglobatus Berk, et Curt., 72. C. rubecula B. et Br., 73. C. 
arcuatus Peck, 74. C. Spraguei Berk, et Curt., 75. C. Spegazzinii 
Karst., 76. C. cubensis B. et C, 11. C. platypus Berk., 78. C. 
rotundosporus Peck). 
§ Stiel zuerst flockig oder pulverig (79. C. narcoticus Fr., 80. C. muralis 
Allesch., 81. C. lagopus Fr., 82. C. lagopides Karst., 83. C. macro- 
cephalus Berk., 84. C. tigrinellus Boud., 85. C. Friesii Quel., 86. C, 
cupulatus E. Jac, 87. C. fimetarius Fr., 88. C. Queletii Schulz. 
89. C. laxus Bresad. et Schulz., 90. C. Älbertinii Karst., 91. C. 
plumbeus Peck, 92. C. Strossmayerii Schulz.). 



326 



Referate. 



* * * Volum Aveissmehlig oder blasig (93. C. tuherosus Quel., 94. C. cineratus 
Quel., 95. C. ßiformis B. et Br., 96. C. luxoviensis Mont., 97. C. 
caducus Harz, 98, C. Britzelmayri Sacc. et Cub., 99. C. allmlus 
Quel., 100. C. semilanatus Beck, 101. C. divergens Britz.). 

Sectio V. Volva und Bing fehlt. Hut mit gLänzenden, glimmerartigen Bar- 
tikelchen bedeckt. 

* Lamellen an den Stiel befestigt (102. C. micaceus Fr., 103. C. marce- 

scens Karst., 104. C. aratus B. et Br., 105. C. stercorariiis Fr., 
106. C. radians Fr.). 
** Laraellen frei (107. C. truncorum Fr., 108. C. inamoenus Karst., 
109. C. intermedius Penz., 110. C. frustulorum Sacc). 

Sectio VI. Volva, Bing und Velum fehlt ; Hut nach den Laraellen sich zerspaltend. 

* Hut mehr oder weniger kleiig oder schorfig, 
t Lamellen an den Stiel befestigt. 

§ Hut weiss (III. C. conditus God., 112. C. nehulosus Zoll, 113. C. 
stellaris Quel.). 

Hut farbig (114. C. coopertus Fr., 115. C. pseudo-plicatilis Vogl, 
116. C. aquatilis Beck, 117. C. velox God., 118. C. ephemerus Fr., 
119. C. mycenopsis Karst., 120. C. Berkeleyi Mont.). 
1 1 Lamellen frei. 
§ Stiel faserig oder flaumig (121. C. cothurnatus God., 122. C. evanidus 
God.). 

§ Stiel kahl (123. C. socmtus Fr., 124, C. sulcato-crenatus Stcinh., 
125. C. Patouillardii Quel, 126. C. papillatus Fr., 127. C. Wrightii 
Berk, et Gurt., 128. C. affmifi Karst., 129. C. curtus Kalchbr,, 
130. C. radiatus Fr., 131. C. lanatus Bong.). 

* Hut kahl. 

t Lamellen an den Stiel befestigt. 

Stiel flaumig oder pulverig (132. C. tardus Karst., 133. C. mutatinus 

Mont., 134. C. sclerotigenm Ev. et EH.). 
§ § Stiel kahl (135. C. aiiricomus Bat., 136. C. pachyterm B. et Br., 

137. C. congregatufi Fr., 138. C. süvaticus Beck, 139. C. alter- 

natus Fr., 140. C. anyulatus Beck, 141. C. digitalis Fr., 142. C. 

hortensis Mont., 143. C. diaphanus Quel, 144. C. sccptrum Fr.. 

1-15. C. crythroccphnluff Fr.). 
1 1 Lamellen frei. 
§ Stiel flaumig oder ])ulvcrig (M6. C. GodcyldWl., 1^7. (l mnislriatm 

Put.. \AH. C. comohrinus Mont.). 
§ Stiel kahl (149. C. pliraiilis Fr., 150. (\ wirafnlU Moni., 151. G. 

(leliqueHccm Fr., 152. (l Ihsculus Berk., 153. (L miscr Karst., 

154. (y. eburnrm Quel., 155. C. hcmerohius Vi ., 156. (J. rapidus Fr., 

157. (J. modrRluH Berk, et ('urt. 158. (\ sororim Karst., 159. 

jilutoniuH Mout., 160. C. spiralis Mout., 161. C. pilulifer Moni , 



Referate. 



327 



162. C. psyUophilHS Karst., löo. C. veJaris Fr.. 164. C. pellucidus 
Karst., 165. C. Schroferi Karst.). 
Die Diagnosen sind in englischer Sprache verfasst. 

Dr. A. Zahlbruckner. 

ischersoii P. Synopsis der mitteleiiropäischeu Flora. I. Band. 1. Lief. 
Leipzig (W. Engelmann). 1S96. 

Jeder, der sich in den letzten Jahren mit dem Studium der mittel- 
niropäischen Floia beschäftigt hat, oder auch nur in Mitteleuropa Pflanzen ge- 
•ammelt und bestimmt hat, wird den Mangel eines zusammenfassenden Werkes für 
iieses Gebiet schmerzlich empfunden haben. Es wurde zwar eine Neubearbeitung 
ier classischen, aber längst veralteten Synopsis von Koch versucht; aber einer- 
seits ist das von dieser Synopsis berücksichtigte Gebiet weit kleiner als ^Mittel- 
europa und andererseits entspricht diese Neubearbeitung nur zum Theile den 
■Anforderungen, die man heute an ein derartiges Werk stellen muss. 

Ascherson's Werk ist deshalb freudigst zu begrüssen. Bürgt doch schon 
1er Name des Verfassers dafür, dass dasselbe gründlichst durchgearbeitet sein wird. 
Es wird fortan das wichtigste Hauptwerk für die Flora von Mitteleuropa sein. 
Cnter .Mitteleuropa" versteht der Verfasser das Gesammtgebiet des deutschen 
Reiches. Holland. Belgien und Luxemburg, das Königreich Polen, die Schweiz, 
lie französischen und italienischen Alpen, ganz Oesterreich-Ungarn mit Eiuschluss 
ies Occupationsgebietes und Montenegro. 

In Bezug auf die Gruppirung der Familien hat sich der Verfasser an 
Eng 1er "s und Prantl s .Pflanzeufamilien" angeschlossen. Er beginnt daher 
nit den Pteridophyten. von welchen die Hymenophyllaceae und ein grosser Theil 
ier Polvpodiaceae in der vorliegenden ersten Lieferung behandelt sind. Zum 
Bestimmen der Classen. Unterclassen. Eeihen. Familien und Gattungen sind 
Fabellen vorhanden : leider nicht auch für die Arten, deren Bestimmung allerdings 
lurch dichotomische Abtheüungen erleichtert wird. Die Beschreibungen der Arten 
sind ausführlich, ohne zu viel unwesentliche Details zu bringen; die wichtigeren 
Merkmale sind durch den Druck hervorgehoben. 

Dass die Synonymie mit den entsprechenden Citateu in gewissenhaftester 
Weise angeführt wird (ohne jedoch hiebei Eaum zu verschwenden), ist bei 
ischerson selbstverständlich,: ebenso, dass auf richtige Xomenclatur grosses 
jrewicht gelegt wird. Die Standortsangaben sind von seltener Vollständigkeit und 
zeigen, wie vollkommen der Verfasser die ausserordentlich umfangreiche ein- 
ichlägige Literatur beherrscht. Dass einzelne Standorte nur bei selteneren 
irten angeführt werden, ist selbstverständlich. 

Dem bei den verschiedenen Autoren sehr wechselnden A rtbegriff wurde 
lurch die Bezeichnungen: Gesammtart. Art und Unterart Eechnung getragen. 
5o haben wir z. B. bei Cystopteris die Art C. fragilis mit den zwei Unterarten 
ru-fragilis und regia, dann die Gesammt-art C. Dwntana, welche die beiden Arten 
7. monfana und C. sndefica umfasst. Ausserdem sind dann unter C. fragilis 
ahlreiche Formen, die verschiedenen systematischen Werth haben, besehrieben. 



328 



Referate. 



Die Bastarde sind ebenso ausführlich behandelt wie die Arten, auch unter 
Berücksichtigung ihrer verschiedenen Formen. 

Von neuen oder ungewohnten systematischen Gruppirungen, beziehungs- 
weise Gattungsabgrenzungen seien die Einbeziehung von Phegopteris zu Äsindium, 
sowie die von Ceterach zu Äspleniiwi (Verfasser schreibt „Äsplenum^) erwähnt. 
Scolopendrium hyhridum zieht Verfasser als Unterart zu S. hemionitis. 

Möge es dem Verfasser vergönnt sein, dieses gross angelegte Werk zu Ende 
zu führen! Wir werden dann endlich wieder einmal eine gute, verlässliche Grund- 
lage für das Studium der mitteleuropäischen Flora besitzen. Fritsch. 

Scholz Eduard. Schlüssel zur Bestimmung der mitteleuropäischen 
Farnpflanzen, Pteridophyta. Mit einer Tafel. XLVI. Jahre.sbericht des 
k. k. Staatsgymnasiums in Görz (1896). 

Man wird selten Bestimmungstabellen finden, die so gründlich und selbst- 
ständig durchgearbeitet sind, und die so sehr auf die Bedürfnisse des Laien 
oder Anfängers Rücksicht nehmen, wie der vorliegende Schlüssel zur Bestim- 
mung der mitteleuropäischen Farnpflanzen- Der Fachmann ersieht aus demselben, 
dass der Verfasser die Mehrzahl der in Frage kommenden Arten aus eigener 
Anschauung kennt, sowie dass derselbe bereits pädagogische Erfahrungen gemacht 
hat. Beides erhellt aus der klaren Disposition, sowie daraus, dass stets die auf- 
fälligsten und am leichtesten zu beobachtenden Merkmale in den Vordergrund 
gestellt sind. Gleich die erste Tabelle zur Bestimmung der Hauptabtheilungen ist 
für den Anfänger vortrefflich: Bezeichnungen wie „Pflanze binsenartig" (Isoetaceae), 
„Pflanze moosartig" (Lycopodiaceae und Selaginellaceae) etc. helfen dem Nicht- 
fachmanne weit mehr als ausführliche Beschreibungen des Baues der Sporangien. 

Bei jeder Art ist die geographische Verbreitung in Mitteleuropa wenigstens 
in den Hauptzügen angegeben. Ausserdem sind die Standorte aus den Umgebungen 
von Görz speciell verzeichnet, so da.ss die Arbeit zugleich eine Pteridophyten- 
Flora von Görz darstellt. Vom Verfasser beobachtete, neue Standorte finden sich 
übrigens nicht nur aus der Görzer Gegend, sondern auch aus Tirol vorzeichnet, so 
z. B. Asplenium fontanum Bernh. var. Halleri Mett. aus dem Oetzthale. 

Bei Asplenium germanicum Weis und Asplenium lepidum. Presl sind 
längere Erörterungen eiugeflochten. Bezüglich des crsteren Farns neigt Verfasser 
der Ansicht zu, dass derselbe A. liuta muraria X septentrionale sei. Asplenium 
lepidum Presl hat Verfasser am Monte Gabriele bei Görz gefunden und sorg- 
fältigst untersucht. Die Pflanze weicht vom typischen A. lepidum in einigen Merk- 
malen ab und wird deshalb ausführlich, auch mit Berücksichtigung anatomischer 
Merkmale, beschrieben. 

Die beigegebene 'i'afel l)i ingt in '20 vom Verfasser selbst nacli der Natur 
gezeichneten Figuren ferlilc Blat,tab.schnitte der wichtig.slen Farnlyi»en; dieselben 
werden beim Bestimmen gute Dienste leisten. Für den Fachmann ist besonders 
die Ai)bildung des Görzer Asplenium lepidum von Interesse. 

Di«! vorliegende Programmarbeit kann Fachmännern und Laien zur Beach- 
tung, bfcziebuugsweibe Benützung, be.steus empfohlen werden. Fritsch. 



329 



Neue Hieraeien des östlichen Europa. 



Von 



Dr. A. R e Ii III a n ii. 




(Eingelaufen am 12. Juli 1S96.) 



n. 



W Die Pflanzen, welche an dieser Stelle als neu beschrieben werden, stammen 
aus denselben Gegenden, welche das Material für die erste Serie geliefert haben. 
Sie gehören ohne Ausnahme der Gruppe Pilosellina N. P. an, welche unter den 
Hieraeien die an Formen reichhaltigste, aber auch für die systematische Behand- 
lung schwierigste ist. Dies bezieht sich vor Allem auf Hieracium PiloseUa L.. 
eine Species, welche im östlichen Galizien und den Nachbarländern durch fast 
unzählige Sippen vertreten ist. Die systematische Behandlung dieser Species 
wird aber nicht nur durch den wirklichen Eeichthum von Formen, sondern 
auch durch diesen Umstand erschwert, dass in der Eegel mehrere Sippen neben 
einander vorkommen und dass sie alle mit einander durch Uebergänge verbunden 
werden, infolge dessen die das Hieracium PiloseUa zusammensetzenden Sippen 
nicht eine einfache Eeihe, sondern ein unregelmässig verwickeltes Xetz dar- 
stellen. Um in dieses Chaos von Formen Einsicht zu gewinnen, ist es vor Allem 
nöthig, die typischen, selbstständigen Formen zu fixiren. Dieser Aufgabe versuchte 
ich für das Hieracium PiloseUa in der vorliegenden Schrift nachzukommen ; sie 
enthält die Beschreibungen der gut markirten, häufiger vorkommenden und 
leichter erkennbaren Formen. 

Ich fühle mich verpflichtet, meinen botanischen Freunden, welche mir in 
! diesen Studien behilflich waren, meinen besten Dank auszusprechen. Ich nenne vor 
I Allem Herrn Oborny in Znaim, welcher die Güte hatte, sehr viele (über 200) 
} meiner Hieraeien mit den Exemplaren seines Herbars zu vergleichen, und Herrn 
i Gallier, jetzt in Südrussland, welcher mir das ganze Hieracium PiloseUa seines 
Herbars für unbeschränkte Zeit zur Benützung überliess. Exsiccaten erhielt ich 
Yon Prof. Oborny aus der Umgebung von Znaim. von Gallier aus Schlesien und 
aus der Krim, von Ullepitsch aus der Hohen Tatra, von Dr. Zalewski aus 
Eussiseh-Polen. 

Da ich in der nächsten Zukunft einen Schlüssel zur Bestimmung aller 
bis jetzt beschriebenen Formen des Hieracium PiloseUa L. herauszugeben beab- 

Z. B. Ges. Bd. XL VI. 45 



330 



A. Rehmann, 



sichtige, so wende ich mich an alle Liebhaber dieser Pflanzen mit der Bitte um 
Zusendung von Material. Es wären mir vor Allem verLässlich nach Nägeli und 
Peter bestimmte Exsiccaten dieser Speeles erwünscht. 

Hieraciiim Hoiypeanimi Schlütes (g^rex: macranthum) sul)si). 
vulpinwn. Khizom dünn. Schcäfte 1 — 8, 20 — 30 an hoch, dünn, steiflich, 
leicht gestreift, mit einer hellen, etwas abstehenden Bractee. Blätter in der 
Rosette 10 — 12, länglich -lanzettlich, stumpf bis spitzlich, dunkelgrün, etwas 
glaucescirend. Hülle 11 mm lang, anfangs kugelig, später etwas gestutzt. 
Schuppen schmal, etwas hellrandig. Haare roth, auf der Hülle reichlich, 
l mm lang, am Schafte vereinzelt, auf den Blättern reichlich, borstig, 
bis 8mm lang. Drüsen der Hülle oder nur vereinzelt, am Schafte bis zum 
Grunde mässig. Flocken röthlich, auf der Hülle reichlich, Schuppenrand 
filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig; Blätter unterseits rothfilzig. 
Blüthen dunkelgelb, die randständigen aussen stark filzig, kaum gestreift. Sto- 
lonen sehr kurz, dünn, grossblättrig. 

Auf sonnigen Hügeln am linken Ufer des Dniester bei Dobrowlany in 
Galizisch-Podolien in Menge. 

Hieracitmi Hoppeanum Schultes (grex: macranthum) siibsp. 
Przybyslawskii, Rhizom dünn. Schäfte 1—3, 14 — 16 cm hoch, dünn, steif, 
leicht gestreift. Blätter in der Rosette 6—7, ± schmal-obovat, gerundet, 
± spitzlich, bläulichgrün, derb. Hülle schwarz, 12 — lAmm lang, kugelig. 
Schuppen aus breiter Basis zugespitzt, hellrandig. Haare der Hülle 
mässig, schwarz, 15— 2 mm lang, am Schafte 0, auf den Blättern reich- 
lich, weiss, borstig, 3— 6 mm lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte 
bis zum Grunde reichlich. Flocken der Hülle mässig, Schuppen r and nackt, 
der Schaft oben und die Blätter unterseits weissfilzig. Blüthen gelb, die rand- 
ständigen aussen etwas tiockig, nur an den Spitzen geröthet. Stolonen kurz, 
dicklich, mit con formen Blättern. Mit Hicracium Hoppeanum subsp. 
(ßaucophyllum N. P. (aus Triest) nahe verwandt, aber durch grössere Köpfchen 
und lanzettliche Schuppen mit nacktem Rande verschieden. 

Auf grasigen Hügeln um die Schlucht Woiciechöw bei Czortowiec (Horo- 
denka-Bczirk im östlichen Galizien), wo ich diese interessante Pflanze in der 
Go.scUscliaft des um die archäologische Erforschung jenes Landes hochvci- 
dieiitcn Kigenthümers von Czortowiec, Herrn Prz yby slawski, sammelte. 

Jjie dem Hicracium IHlosella L. angehörenden Sippen werden unten in 
einer der Monographie von Nägeli und Peter analog(;n Ordnung mit, Angiibe 
der durch sie vertretenen Grup])en angefülirt. 

a) Ti'iehoscopiiiii N. V. 

Iliri ariinit l'iioHvlla L. siil>s|». ImlostvMoiiUs, K'liizom dicklich, viel- 
köpfig. Sclialt in jcdcMn Köpfdicn nur 1, 20 — 38cm lioch, dick, leicht gestreift, 
zuwirnmendrürkbar. Blätl(;r in di-r J{osett(! 4—5 (bei znsaniniengesctztfm IJhi/om 
bin 15!), iuiHseri' obovat, inrn i«- bicil-lanzctllich, faltspilzig, (hinkcl bliiiilich- 



Neue Hieracien des östlichen Europa. 



331 



grün, derb. Hülle 12 vim lang, kugelig mit gerundeter Basis, schwärz- 
lich. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare der Hülle 0, am Schafte nur 
unten vereinzelt, l—2mm lang, auf den Blättern mässig, 2—S mm lang, auf 
den Stolonen reichlich, weiss und weich, 2— 4wi»i lang. Drüsen der Hülle und 
am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig, 
Schuppenrand armflockig, am Schafte reichlich, Blätter unterseits bis weisslich- 
grau. Blüthen gelb, die randständigen aussen armflockig, nur an den Spitzen 
rothstreifig. Stolonenlang, dick. J)em Hieraciiivi Pilosella siibs^. Jiolostemiiu 
N. P. nahe verwandt, aber durch dicken Schaft und Stolonen, breite Blätter und 
armflockigen Schuppenrand verschieden. Eine der stärksten Formen in Galizien. 

1. normale. Auf dem Eisenbahudamme bei Kulparköw und Wolka 
(Lemberg). 

2. pilosiusculum, Haare der Hülle nur am Grunde vereinzelt, am 
Stengel zerstreut, dunkel, borstig, 2 — o mm lang. Dem Hieracium Pilosella L. 
subsp. puhiflorum Eehm. nicht unähnlich, aber durch grössere Köpfchen und 
den Mangel der weissen Haare an den Schuppen verschieden. 

Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw und Zawadow. 

Hieracium Pilosella L. subsp. holosteni forme, Ehizom dünn, 
Schaft 1 (3), 23— 26 m hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift. Blätter 
in der Eosette 5 — 6, äussere kurz, bald absterbend, innere obovat, lanzettlich, 
lauggestielt, spitzlich, bläulichgrün mit hellem durchscheinenden Nerv. 
Hülle 10 mm lang, oval, grünlichgrau, hell. Schuppen schmal, hellrandig. 
Haare der Hülle und am Schafte 0, auf den Blättern mässig, 2 — 3 mm 
lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. 
Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand nackt, am Schafte mässig, 
Blätter unterseits grünlichgrau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen kaum 
flockig, sehr schwach rothstreifig. Stolonen dünn, länglich. Dem Hieracium 
Pilosella L. subsp. holostenum N. P. nahe verwandt, aber durch hellgrüne, ovale 
Hüllen und nackten Schuppenrand verschieden. 

Auf torfigen Wiesen bei Eudno und Kulparköw (Lemberg). 

Zur Gruppe TricJioscapum N. P. gehören auch die in der I. Serie (in 
diesen „Verhandlungen", 1895, Heft 8) beschriebenen subsp. lagarophijllum Eehm. 
und piliperchim Eehm. 

h) Trieliopliorum N. P. 

Hieracium Pilosella Ii, flavoviretis, Ehizom dick. Schäfte 

3—4, 20—26 cm hoch (zuweilen gabelig), dicklich, leicht gestreift, oben dunkel-, 
unten hellgrün. Blätter in der Eosette bis 12, äussere gerundet, stumpf, innere 
obovat, länglich-lanzettlich, spitz, langgestielt, gelblichgrün, glaucescirend. 
Hülle schwärzlichgrün, 115 mm lang, kugelig^ nach Verblühen gestutzt. Schuppen 
breit, hell grünrandig. Haare röthlich, an Schaft und Hülle reichlich, dort 
1'5— 2 5 mm, hier 2 5- 3'5 wm lang, auf den Blättern zerstreut bis mässig, 
borstig, 3 — 4 mm laug. Drüsen an Hülle und Schaft oben mässig, unten ver- 

45* 



332 



A. Reh mann. 



eilizelt. Flocken auf der Hülle massig, Schuppenrand hyalin, annflockig oder 
nackt, am Schaft oben massig, unten zerstreut, Blätter unterseits grünlichgrau. 
Blüthen gelb, die randständigen aussen flockig, schwach rothstreifig. Stolonen 
lang, dicklich. 

Auf Hügeln oberhalb Wolka bei Lemberg. 

Hieracium JPilosella L. siibsp. ijuhifloriim. Rhizom schief oder 
kriechend, dünn. Schäfte 1—4, 15 — 30 cm hoch, dünn bis dicklich, leicht gestreift. 
Blätter in der Rosette 5 — 6, äussere obovat, innere lanzettlich, spitzlich, 
bläulichgrün, derb. Hülle grau bis dunkel, 9'5— 10 »mw lang, kugelig, abgeblüht 
gestutzt. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare an der Hülle hell, ± reichlich, 
1 — 1*5 wm lang, am Schafte mässig bis zerstreut, Vh — 2 h mm lang, auf den 
Blättern mässig, 2 — 4 mm lang. Drüsen der Hülle vereinzelt bis mässig, am 
Schafte oben mässig, abwärts vereinzelt. Flocken auf der Hülle reichlich, 
Schuppenrand flockig, am Schafte reichlich. Blätter unterseits grau. Blüthen 
hellgelb, die randständigen aussen stark flockig, nur an der Spitze schwach 
rothstreifig. Stolonen ± lang, dünn. Dem Hieracium Pilosella L. subsp. 
trichophorum, a. genuimim 2. hrevipihim N. P, nahe verwandt, aber durch 
ovale, blaugrüne Blätter und kleinere, graue Hüllen verschieden. 

Auf dem Eisenbahndamme und auf Hügeln bei Wolka und Kulparkow 
(Lemberg). 

Hieracium rUosella L. subsp. rtiflnense, Rhizom dünn. Schäfte 
1—2, 20— 30 cm hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der Rosette 4— 7, 
obovat, schmal- bis länglich-lanzettlich, spitzlich, in den langen Blattstiel ver- 
laufend, hell, dünn. Hülle O f)- 10-5 mm lang, grau (hell oder zfc dunkel), 
kugelig mit gerundeter Basis. Schuppen etwas breitlich, äussere hellrandig. 
Haare weiss, an der Hülle und am Schaf te verei n zeit, 1— 2 lang, auf 
den Blättern mässig, 2— 3?»'m lang. Drüsen der Hülle mässig bis reich- 
lich, am Schafte oben leichlich, abwärts vereinzelt. Flocken auf der Hülle 
reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft bis zum Grunde flockig, Blätter unterseits 
wei.sslichgrau. Blüthen sehr hellgelb, die raiulständigen aussen flockig, ± roth- 
streifig. Stolonen kurz oder länglich, kaum dick. Dem llicrnciiim Pilosella 
subsp. puhiflorum Rchm. habituell ähnlich, aber durch nie gostulzte Köpfchen, 
längliche Blätler, d<n flockigen Schuppenraud und reichliche Drüsen an den 
Sdiuppen verschieden. Vom Hieracium Pilosella L. subsp. la(jaropJn/lliim Rehni. 
durch helle P'arbe, breite Köpfchen und filzigen Schup])enrand l.'i(;ht zu unter- 
sclieiden. 

n. f/riniitnuii. In W'äldein um li'ii<liin, I ;r/,iirli(i\vlre, niloliors/c/c, IJnidy 
Mild auf dein lOiseiilcilind.iiiiiii bei Kiil|);ul<(i\v 

/;. loiif/ipituiH, lliiilcii dunkel, Haare am Selialle zerstreut l)is iiiüssig, 
;iiir den Bliitieiii reir-.lil jeli, jjorslig, bis 1mm. lang. 

llirrnrhiiH VihtsvUii I>. siibsj». tfi^tUtnflnrm. b'lii/oiii (liiiiii. Sidiäfte 
1 2, W — W cm hoch, sehhink, leicht gestreift, ziiw(!ileii gabelig. Hliitt.er in der 
I^wett« 5—0, obovat h'xn lanzetilich, stumpf bis spilzlich, kurz. Hülle griingrau, 



Neue Hieracien des östliclien Europa. 



333 



dunkel. 9 mm laug, kugelig. Schuppen breitlich, hellrandig. Haare hell, an 
der Hülle und am Schafte massig bis reichlich, l—2mm lang, auf den 
Blättern, besonders unten reichlich, 1'5 — Smm lang. Drüsen der Hülle massig 
oder 0, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle rb 
reichlich, Schuppen spitze fast filzig, Schuppenrand ± flockig, am Schafte 
oben reichlich, unten wenig, Blätter unterseits grau. Blüthen gelb, die rand- 
ständigen aussen schwach flockig, stark rothstreifig. Stolonen kurz, dünn. 
Dem Hieracium Pilosella L. subsp. dasyantlium var. crepidottim N, P., wie es 
in der Flora polonica exsiccata Xr. 51 (nach der Bestimmung Prof. Oborny's) 
herausgegeben wurde, nahe verwandr, aber durch kleinere, dunkle Hüllen, Drüsen 
an den Schuppen und die Tracht eines Hieracium Pilosella vulfjare verschieden. 
cc. geiiuiniini. Drüsen der Hülle zerstreut bis mässig. 

1. ovale. Blätter obovat, meist stumpf. 

2. lanceolaium. Blätter lanzettlich, spitz. 

ß. snbglaiuUilosinn. Blätter wie bei dem vorigen, aber Drüsen der Hülle 0. 

An grasigen Orten in Niankow (Lithauen, Kreis Nowogrodek), gesammelt 
von Dr. W, Djbowski. 

Zur Gruppe Trichophoriim N. P. gehört auch die in der I. Serie (in 
diesen „Verhandlungen". 1895, Heft 8) beschriebene subsp. lioloskense Eehm. 

c) Tricliolepiimi N. P. 

Hieracium Pilosella L. fvicholex)iiim X. P. var. liypoleiicum. 

Ehizom dünn. Schäfte 2 — 4, 20 — 25 cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift, 
zusammendrückbar. Blätter in der Rosette 6—8, lanzettlich bis länglich- 
lanzettlich, spitz, bläulichgrün, etwas glaucescirend, dünn. Hülle dunkelgrau, 
11 mm lang, oval (bis kugelig). Schuppen breitlich, breit hellrandig. Haare der 
Hülle braun, mässig, 5 — 1 mm lang, am Schafte oben ± reichlich, unten zer- 
streut, bis 2 h mm lang; auf den Blättern mässig, 3 — o mm lang, weiss. Drüsen 
der Hülle mässig, am Schafte sehr kurz, oben zerstreut, unten 0. 
Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft filzig, 
Blätter unterseits graulich. Blüthen gelb, die randständigen aussen flockig, 
schwach rothstreifig. Stolonen lang, dünn, grossblättrig. Vom Hieracium 
Pilosella subsp. tricliolepium N. P. a. gennimtm durch breite, breit hellrandige 
Schuppen, Drüsen auf der Hülle und Mangel derselben auf der unteren Hälfte 
des Schaftes verschieden. 

Auf der Gora Wronowskich, im Kilinski'schen Parke (Lemberg) und in 
Wäldern von Brzuchowice und Brody, hier mit Uebergängen zu Pilosella vulgare 
und Pilosella trichoscapiim . Dieselbe Pflanze bei Bojanowo im Grossherzogthum 
Posen, leg. C. Scholz (Herbar Gallier, bestimmt als Hieracium Pilosella steno- 
phyllum X. P., von welchem es sich schon durch den stark filzigen Schuppenrand 
unterscheidet). 

Hieracium Filosella L. subsp. tricholejyitim X. P. var. hypo- ^ 

leucoides. Dem vorhergehenden in allen Theilen fast gleich, aber die Drüsen 



334 



A. Rehmann 



sehr lang', auf der Hülle reichlich, aiii Schafte bis zum Grunde zahl- 
reich, Schuppeuraud hyalin, nur reichflockig (nicht tilzig), Kandblüthen 
stark rothstreifig. 

Auf grasigen Hügeln im Kilinski'schen Park (Lemberg) und in Wäldern 
um Brody. 

(1) Latiusciilum N. P. 

Hieraciitm Pilosella L. sul)sp. chlorolejHum, Rhizom dünn. 
Schäfte 2—4, 14 — 24 cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift. Blätter in der 
Rosette 6, obovat bis länglich, stumpf bis spitzlich, grün, dünn. Hülle 
grün, mm lang, breit-kugelig. Schuppen breit, hellrandig. Haare hell, an der 
Hülle vereinzelt bis massig, 5 — 1 mm lang, am Schafte oben vereinzelt oder 0, 
unten massig, 1 — 2 mm lang; auf den Blättern mässig, 1 — 2 mm lang. Drüsen 
lang, an der Hülle mässig, am Schafte oben massig, unten vereinzelt. Flocken: 
Hülle saninit Schuppenrand armflockig, am Schafte oben reichlich, unten zer- 
streut, Blätter unterseits graulichgrün. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen 
armflockig, nur an den Spitzen rothstreifig. Stolonen lang, dünn. Vom Hiera- 
ciiim Pilosella hadrosoma Rehm. durch grüne Farbe der breiten Schuppen ver- 
schieden; bildet einen Uebergang zur Gruppe des suhviresccm N. P. 

Auf dem Eisenbahndamme in Kulparkow und Percenkowka und auf Hügeln 
in Holosko (Lemberg). 

e) ^lelaiiops N. P. 

Hieraciimi I*ilosella L. siibsp. chlorocraspediim» Rhizom dünn. 
Schäfte 1—3, 20— 30 cm hoch, dünn, schwächlich. Blätter in der Rosette 4—5, 
äussere obovat, innere lanzettlich, stumpf bis spitzlich, bläulichgrün, derb. Hülle 
dunkelgrün, 8'5wi/ulang, kugelig, nach Verblühen gestutzt. Schuppen 
breitlioh, schwach hellrandig. Haare etwas borstig, dunkel, an der Hülle 
reichlich, \—2mm lang; am Schafte zerstreut, PS- 25 w?u lang; auf den 
Blättern mässig, 2'5— 3"5 wm lang. Drüsen der Hülle vereinzelt, am Schafte 
üben mä.ssig, am (Jniiide vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig, 
Schui)iienrand nackt, am Schafte mässig, Blätter unterseits grau. JUütheü 
gelb, die randständigen aussen flockig, ungestreift. Stolonen länglich, dünn, 
'l'rotz der kleinen Köi^fchen ist, die Verwandtschiift, mit Ilin'acium 7'^/o.sr//a subsp. 
tri(:lu)H<>ma N. ]'. uii verkennl)ar. 

In Wölka bei Lemberg, auf der Wiese ])ci Boisko. 

Jlierarium PUoscIlii, L, siibsp. JialaropliytOH. Rhizoiii dünn. 
Schäfte 1—2, 1 5 -2-1 o/i hodi, schlank, .sclnviiclirK-li, leicht gesl reift, zusammen- 
drückbar. Blätter in dr-r Rosette G— 10, I ol^ovat (bis lanzeltlich), stumpf 
hl« hpitzlich, l)Iäulicligri'in ( I glaucescirendj, diinii. Iliill<! dunkel l>is sclivvärz- 
lich, 1! mm lang, ktigelig oder rt zusam mengftd riick t. Scliu|>peii hreitlich, 
. ÄimHcre scbiniii, Innern breit liellriindig. Ilnarc! der lliiile s(;h\v;ir'/, I rcirhlich, 
2— 2'5mwj lan^f; am Sdiafle reiclilidi bis mässig, oben schw;irz, unten lieil. 



Neue Hieracien des östlichen Europa. 



335 



2— 3 ?»m lang; auf den Blättern hell, zerstreut bis massig, 3—4 ?»)» 
lang. Drüsen der Hülle kaum vereinzelt, am Schafte oben massig, unten 
^^ereinzelt. Flocken auf der Hülle und am Schafte massig, Schuppenrand hyalin, 
nackt, BLätter unterseits grünlichgrau. Blütheu gelb, die randständigen aussen 
Bockig, rothstreifig. Stolonen länglich, dünn. Von Hieracium Pilosella L. subsp. 
Irichosoma N. P. durch eiförmige stumpfliche Blätter, kleinere, nicht bauchige 
Hüllen und geringe, kurze Haare an den Blättern verschieden. 

Auf der Gora Wronowskich und auf Hügeln bei Kulparkow und Wolka 
[Lemberg). 

Hieracium Pilosella L. sulbsp. mnoolofna. Rhizom dicklich. 
Schäfte 3—4, 7— 18c?;^ hoch, dicklich, steiflich, kaum gestreift. Blätter in der 
Rosette 12—14, lanzettlich, spitz, bläulichgrün, dunkel, steif. Hülle (grau bis) 
schwärzlich, 11— 14?)i7?i lang, kugelig, nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen 
breitlich, weissrandig. Haare der Hülle und des Schaftes (oder nur 
vereinzelt), auf den Blättern zb reichlich, borstig, weiss, 3 — 5 lang. 
Drüsen der Hülle reichlich, sehr lang, am Schafte kürzer, oben reichlich, 
unten massig. Flocken: Hülle, Schuppenrand, Schaft und die Blätter 
unterseits weissfilzig. Blütheu hellgelb, die randständigen aussen kaum 
flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, dick. Erinnert habituell etwas an ein 
schmalblättriges Hieracium Hoppeaniim. Junge Köpfchen desselben Stockes grau, 
auf der einen Seite zuweilen heller, auf der anderen dunkler, ältere schwärzlich. 

Auf Sandboden im "Walde am Bahnhofe von Brodj. 

Hieracium Pilosella L. sulbsp. rosulati forme, Rhizom dicklich, 
Schäfte 2— 3, 5 — 10 m hoch, aufsteigend, dicklich, schwächlich, kaum gestreift, 
trocken gefurcht. Blätter in der Rosette 8—14, obovat (oder lanzettlich), stumpf 
(oder spitz), bläulichgrün, dunkel, derb. Hülle dunkelgrau bis schwärzlich, 11 "5 
bis 12"5 mwi lang, kugelig, nach dem Verblühen etwas gestutzt. Schuppen 
breitlich, weiss, randlos, durch die schwarzen Haarpostamente in der Mitte zb 
schwarz. Haare der Hülle und am Schafte oben reichlich, schwarz, l b—2'ömm 
lang, unten, sowie auf den Blättern zerstreut, weiss, TS— 2'5 mm lang. Drüsen 
der Hülle mässig oder fast 0, am Schafte oben mässig, unten fast 0. Flocken 
auf der Hülle reichlich, Schuppenrand reichflockig, der Stengel und die Blätter 
unterseits grau. Blütheu hellgelb, die randständigen aussen flockig, rothstreifig. 
Stolonen länglich, dicklich. Vom Hieracium Pilosella hadrosoma Rehm, subsp. 
:mfjustifolium, dem es in dem Köpfchenbau nahesteht, durch den kurzen Schaft, 
grössere Hüllen, breite Blätter und rosuZaüim-artigen Habitus verschieden. Wurde 
in zwei Formen unterschieden: 

c. genuiuum. Blätter in der Rosette 10 — 14, obovat, etwas breiter, 
Drüsen der Hülle mässig. 

ß. lanceolatum, Blätter in der Rosette 8, lanzettlich, etwas schmäler, 
Drüsen der Hülle nur vereinzelt. 

Auf dem Eisenbahndamme bei Percenkowka (Lemberg). 

Hieracium Pilosella L. subsp. pseudorosulatum, Rhizom dünn. 
5Chäfte 1—3, 7 — 17cm hoch, dick, schwächlich, leicht gestreift, zusammendrückbar. 



336 



A. Rebmann. 



Blätter iu der Rosette 10—12, obovat, stumpf bis spitz, bellgrün, derb. Hülle 
dunkel, 11 — IS mm lang, oval. Schuppen breit, bellrandig. Haare an 
Hülle nnd Scbaft oder nur vereinzelt, 2— 3 mm lang; auf den Blättern ^ 
mässig bis reichlich, S—6mm lang. Drüsen der Hülle und am Schafte oben 
reichlich, unten vereinzelt. Flocken: Hülle filzig, Schuppenrand reichflockig, am 
Schafte oben reichlich, unten wenig, Blätter unterseits zh weiss. Blüthen hell-* 
gelb, die randständigen aussen kaum flockig, stark rothstreifig. Stolonen fast! 
kurz, dick. Dem Hierackim Pilosella subsp. rosulatum N. P. nahe verwandt,, 
aber durch grössere, ovale, dunkle Hüllen, breite Schuppen und kaum filzigem' 
Sehuppenrand verschieden. 

«. genuimim. Auf sandigem Boden um Lemberg (Kortumowa gora, 
Holosko, Pohulanka) häufig, bei Dobromil selten. 

ß. leucoloina» Blätter lanzettlich, spitz, Schuppen ran d ± filzig, Haarei 
auf den Blättern in der oberen Hälfte zerstreut, unten mässig, 2 — Smm lang. 
In Wäldern von Bilohorszcze (Lemberg). 

Ilieracium Filosella L. subsp. ijseudomelanops X. P., Hieracien 
Mitteleuropas, I, S. 145, var. themnantJmm, Von der typischen Pflanze 
durch kugelige, nach dem Verblühen gestutzte Köpfchen und kürzere Haare (am 
Schafte PS — omm, auf den Blättern 2 — Smm lang) verschieden. 

Auf Hügeln bei Kulparkow, Wölka, im Kilinski'schen Park, in Wäldern 
um Brody. Diese Varietät wird hier angeführt, weil sie für das Verständniss 
der nächstfolgenden Formen wichtig ist. 

Uiei'cicium IHlosella L. subsp. Jiadrosoma, Rhizom dicklich. 
Schäfte 1—3, 14 — 24 cm hoch, dicklich, schwächlich, leicht gestreift, zusammen- 
drückbar. Blätter in der Rosette 7—8, obovat (bis lanzettlich), + gerundet, 
spitzlich, dunkelgrün, derb. Hülle dunkel, 105 m/w lang, kugelig mit 
gerundeter Basis. Schuppen grün, ,breitlich dz bellrandig. Haare der Hülle 
schwarz, mässig, 2— 3mm lang; am Schafte hell, vereinzelt (oder 0), 2 — Amm 
lang; auf den Blättern weiss und weich, massig, 2— oh mm lang. Drüsen der 
Hülle db mässig, am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der 
Hülle mä.ssig, Schuppeurand hyalin, arm flockig, Kopfstiele am Schafte 
reichlich, Blätter unterseits ib weiss, Blüthen hellgelb, die randständigcu 
aussen etwas flockig, schwach rothstreifig. Stolonen kurz, dicklich. Vom 
Ilieracium ViloscUa subs]). pseudomekmojis N. P. durch kugelige Köpfchen und 
Drüsen an der Hülle verschieden. Die Farbe der Schujjpen ist nicht constaut,' 
ich find«' Pflanzen, bei welchen die lliille auf einer Seite dunkclgriin, auf der 
anderen .schwärzlich ist. 

1. iifßrmale. Auf dem Ki.senbahndamme bei Kul[)arkr)W und l'ercenknwka 
und iui Kiiiriski\(;hen Park Ijci Lemberg. 

2. piloHhiH, Haan; auf den Blättern iciclilicl», steif, — 1 mm lang. An 
Du iester- Ufern bei Uniz im Czortkower Kreise. 

JUerariinn rUoHcJla h» HiihHyy, Jiorof ff iilar. Schäfte 2- M, 12 Wh 
21 (in hoch, diinii. iUätler in dur Ro.sette 0, obovat bis lanzettlich, gerundot; 



Nene Hieracien des fistlichen Enropa, 



337 



kaum spitzlich, bläiilichgrün, dünn. Hülle schwärzlich, 11 — '[2mm lang^ 
kugelig. Schuppen schmal (in der Mitte und an der Spitze violett), weissrandig. 
Haare der Hülle und am Schafte 0, auf den Blättern nur yereinzelt, 2mm 
lang. Drüsen der Hülle und am Schafte oben reichlich, unten ver- 
einzelt. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand reichflockig, am Schafte 
reichlich, Blätter unterseits weisslich. Blüthen goldgelb, die randständigen 
aussen flockig, rothstreifig. Stolonen länglich, dünn, oder kurz, dick. Habituell 
dem Hiemcium Pilosella L. subsp. Jiadrosoma Eehm. fast vollkommen gleich, 
aber durch die hervorgehobenen Merkmale verschieden. Vom Hieraciiim Pilo- 
sella melanocephalmn N. P. durch mehrere (1 — 3) Schäfte und grössere Hüllen 
zu unterscheiden. 

a. geiiuimim, 

1. epilosum. Haare am Schafte 0. An Ufern des Dniester bei Uniz und 
Horodenka in Galizisch-Podolien. 

2. suhpilosum. Mit vereinzelten Haaren am Schafte. Auf der Kortu- 
mowa gora und in Hotosko bei Lemberg, auf Hügeln um Dobromil und in 
Wäldern um Brody. 

ß. strictipilum. Haare auf den Blättern reichlich, steif, 3— 4 mw lang. 
In Wäldern um Brody; wahrscheinlich ein Bastard zwischen der typischen Pflanze 
und Hieracium Pilosella subsp. mnooloma Eehm., unter welchen es gefunden wurde. 

y. chlorocephaltmi, Hüllen grün, Stolonen kurz, dick, Haare der Hülle 
oder vereinzelt. In Wäldern von Holosko bei Lemberg. Möglicherweise ein Bastard 
zwischen der typischen Pflanze und Hieracium Pilosella clilorolepium Rehm., welche 
hier nebeneinander wachsen. 

f) Sul)caulesceus N. P. 

Hieracium Filo,Hella L. subsp. aMclolepiiim. Rhizom dünn. 
Schaft 1, 16— 18 cm hoch, dünn, steiflich, kaum gestreift, ± schwärzlich, zu- 
weilen gabelig, mit 1 — 2 fadenförmigen, länglichen Bracteen. Blätter in der 
Rosette 4—5, lanzettlich, spitzlich, dunkelgrün, derb, klein. Hülle schwarz, 
9'5 lang, oval bis kugelig, nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen aus 
breitem Grunde schmal zugespitzt, schmal hellrandig. Haare der Hülle 
rb reichlich, schwarz, 1 — 2mm lang; am Schafte oder nur vereinzelt, 
dunkel, l—l h mm lang, auf den Blättern nur mässig, hell, 1 — 3 lang. 
Drüsen der Hülle mässig oder nur vereinzelt, am Schafte oben reich- 
lich, unten mässig. Flocken auf der Hülle mässig bis zerstreut, Schuppen- 
rand nackt, am Schafte mässig, Blätter unterseits grüngrau. Blüthen V 
Stolonen kurz, dünn. 

1. genuinum. Auf der Gubalöwka bei Zakopane (Vorgebirge der 
Hohen Tatra). 

2. canescens. Hülle reichflockig mit zerstreuten Drüsen. Auf der Mala 
taka (Hohe Tatra). 

Z. B. Ges. Bd. XLYI. 4G 



338 



A. Rehmann. 



Hieracium Pilosella L. siibsp. akidophylluin. Khizom dicklich. 
Schäfte 1 — 3, 11— 20 c?)? hoch, ± aufsteigend, schlank, oben dünner, steiflich, 
leicht gestreift, grün. Blätter in der ßosette 4 — 6, lanzettlich, kurz, äussere 
stumpf, innere dh mucronat, bläulichgrün, derb. Hülle schwärzlich, 9'5 bis 
l^mm lang, oval mit gerundeter Basis. Schuppen schmal, schmal hellrandig. 
Haare an Hülle und Schaft (0 bis) vereinzelt, hell, dort 1—2, hier TS- 3"5 ??m 
lang; auf den Blättern reichlich, weich, 2— 4 min lang. Drüsen der Hülle 
massig, lang; am Schafte oben massig, unten vereinzelt. Flocken auf der 
Hülle und am Schafte massig bis zerstreut, Schuppenrand arm- 
flockig oder kahl, Blätter unterseits schmutzig grau. Blüthen dunkelgelb, die 
randständigen aussen etwas flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, dünn. 

1. normale. Auf sandigem Boden in Wäldern von Brodj (mit scharf- 
spitzigen) und am Janower Friedhofe in Lemberg (mit weniger spitzen Blättern). 

2. grandifolium, Blätter länglich-lanzettlich, gerundet, gross, dünn. 
Im Kiliüski'schen Park in Lemberg. 

g) Vulgare N. P. 

Hieracium Pilosella L. subsp. nanorosulatum, Rhizom dünn. 
Schäfte 1—2, 3— 5 cm hoch, schlank, schwächlich, nicht gestreift, zusammen- 
drückbar. Blätter in der Rosette 9—13, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, etwas 
bläulichgrün, weich. Hülle grau, 9"5 mm lang, gerundet. Schuppen breitlich, 
hellrandig. Haare der Hülle schwarz, massig, am Schafte zerstreut bis ver- 
einzelt, 0"5 — l'hmm lang; auf den Blättern weiss, weich, oben mässig, 
unten am Blattstiele sehr reichlich, sehopfbildend, 1—7 mm lang. 
Drüsen der Hülle sehr lang, mässig, am Schafte kurz, vereinzelt. Flocken: 
Hülle sammt dem Schuppenrand, der Schaft und die Blätter unterseits weissfilzig. 
Blüthen dunkelgelb, die randständigon aussen kaum flockig, stark rothstreifig. 
Stolonen ziemlich lang, dünn. Vom Hieracium Pilosella subsp. rosnlaium N. P. 
durch lanzettliche Blätter, kugelige Kü])fchen, kurze, spärliche Drüsen und schwarze 
Hiiare an den Schuppen verschieden. 

Auf sandigem Boden in Holosko, an der Quelle. 

Hieracium Pilosella L. subsp. chioneolepiiim. Rhizom dicklich. 
Schäftf 1—2, 12 — 20(7//, lioch, schlank, schwächlich, zusanimendriickbar, kaum 
gestreift. Blättf-r in der iiosette 7— 9, obovat, stum])f bis spitzlich (oder lanzett- 
licb, spitz), hell bliiulicligrün, derb. Hülle grau, 10— H lang, kugelig, 
nach dem Verblühen gestutzt. Schuppen breit, weissraiidig. Haare weiss 
und weich, an der Hülle und am Schafte oben reichlich, unten zerstreut bis 
massig, mm lang; :iuf den Blättern mässig, \ 'U—'iVhmm lang. Drüsen der 

Hülle 0, am Schafte ol/eii mässig, unten 0. l<'locken : Hülle und S(;liaft grau, 
Seil Uppen rand fi Izig bis reichflockig, Blätter unterseits weisslicbgrau. Blüthen 
hi'ligr-lb, die randständigen aus.sen etwas flockig, rfc rotlist reifig. Stolonen läng- 
lii Ji, Kchlarik. Drni Ifierncium J'ilouf'Ua subsp. trichoccphalum N. 1'. nalic ver- 
wandt, aber dnreji die liervorgebobencn Merkmale verscliieden. 



Neue Hieracien des östlichen Europa. 



339 



«. geiiuinum. Auf sandigem Boden in HoJ'osko (Lemberg). 
,3. angustlfolium. Holosko. 

Hieracium Pilosella L. siil>sp. vulgariforme, Ehizom dünn. 
Schaft 1, 15— 18 cm hoch, dünn, schwächlich, leicht gestreift, zusammendrückhar, 
Blätter in der Eosette 5—7, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, hell, dünn. Hülle 
weissgrau, 10 lang, kugelig. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell, 
an der Hülle und am Schafte oben ziemlich reichlich. 1 — Vhmm lang, unten 
und auf den Blättern zerstreut, 2—h mm lang. Drüsen der Hülle 0, am 
Schafte oben mässig, unten 0. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppen- 
rand filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unterseits weiss- 
lichgrau. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen kaum flockig, nicht roth- 
streifig. Stolonen kurz, dünn. Dem Hieracium Pilosella subsp. vulgare Tausch 
sehr ähnlich, aber durch das Intument dem chioneolepium Rehm. näher stehend. 

Auf Gartenrasen in Niarikow (Gouvernement Minsk, Kreis Nowogrodek in 
Lithauen), gesammelt von Dr. W. Djbowski. 

Hieracium Pilosella L. subsp. aphtlionomnoiim, Rhizom etwas 
dick. Schäfte 1—4, 20—30 cm hoch, schlank, steif, leicht gestreift. Blätter in 
der Rosette 5 — 6, lanzettlich, spitz (oder die äusseren obovat, stumpf), bläulich- 
grün, derb. Hülle grau, 10mm lang, kugelig, ± zusammengedrückt. 
Schuppen schmal, etwas hellrandig. Haare der Hülle hell oder dunkel, mässig, 
0"5 — 1"5 mm lang, am Schafte hell, zerstreut oder vereinzelt, bis 2 mm lang, 
auf den Blättern mässig, bis 2mm lang. Drüsen lang, an der Hülle mässig 
bis vereinzelt, am Schafte oben reichlich, unten zahlreich. Flocken auf der Hülle 
reichlich, Schuppenrand filzig, Schaft und die Blätter unterseits graufilzig. 
Blüthen flockig, gelb, die randständigen aussen rothstreifig. Stolonen lang, dünn. 
Dem Hieracium latisqiiamum Dhlst. nahe verwandt, aber durch filzigen Schuppen- 
rand und ± zusammengedrückte Hüllen verschieden. 

a. genuinum. Auf dem Eisenbahndamme und auf Hügeln bei Kulparköw 
und Holosko bei Lemberg und auf Dniester-Ufern bei Uniz, Kreis Horodenka. 

ß. hrevifolium, Blätter kurz, äussere obovat, stumpf, Hüllen breit, 
zusammengedrückt. Neigt stark gegen Hieracium Pilosella subsp. rosulatiim. 
Kulparköw, Holosko, Kortumowa göra, Lyczakower Park, Dobromil. 

y. furcatum. Blätter wie bei dem Vorigen, aber die Hüllen oval, 
Schäfte meistens gabelig. Kulparköw, Stielerowka. 

Hieracium Pilosella L. subsp. aphthonotrichtim, Rhizom dick- 
lich. Schäfte 2—4, 16— 24 cm hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der 
Rosette 6—10, schmal, lanzettlich, lang, zugespitzt, hell, steif. Hülle 
dunkelgrau, 10"5 »nm lang, kugelig, nach dem Verblühen zusammengezogen, 
cylindrisch, gestutzt. Schuppen schmal, hellrandig. Haare hell, an Hülle und 
Schaft reichlich, dort 1 — 2mm lang, hier 2— 3*5 mm lang, auf den Blättern 
rh reichlich, bis 4 b mm lang. Drüsen der Hülle 0, oder nur vereinzelt, 
am Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle reichlich, 
Schuppenrand filzig, am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unter- 

46^- 



340 



A. Rehmann. 



seits grau. Blüthen gelb, die randstäiidigen aussen stark rothstreifig. Stolonen 
etwas verlängert, dünn. 

Auf sandigen Hügeln in Holosko bei Lemberg. 

Ilieracium Filosella L. siilbsp, scitopJiylhim, Rhizom dünn. 
Schäfte 1 — 3, 9 — 25 m hoch, dünn, steif, leicht gestreift. Blätter in der 
Rosette 6 — 8, obovat bis lanzettlich, stampf bis spitzlich, bläulichgrün, dunkel, 
derb. Hülle (dunkelgrau bis) schwärzlich, 11 (—9) mm lang, kugelig bis 
zusammengedrückt. Schuppen schmal, fast randlos. Haare der Hülle oder 
massig, I h mm lang, am Schafte 0, auf den Blättern vereinzelt, weiss, 
weich, l b—2'b mm lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte bis zum 
Grunde zerstreut. Flocken auf der Hülle und am Schafte mässig, Schuppen- 
rand armflockig (oder nackt), Blätter unterseits graulich. Blüthen dunkelgelb, die 
randstäudigen aussen flockig, stark rothstreifig. Stolonen länglich, dünn, 
steif, zuweilen verästelt. Mit Hieracium Filosella subsp. imrvifhrum N. P. 
durch Mittelformen verbunden, in typischer Form unterscheidet es sich von 
demselben durch dunkle, grosse Köpfchen, ± nackten Schuppenrand, breite 
Blätter und die Zahl der Schäfte. Wurde in zwei habituell fast gleichen Formen 
beobachtet. 

a. f/eiminuni, Hülle zusammengedrückt, schwärzlich, 9 mm lang, Haare 
der Hülle 0, Drüsen reichlich, Schuppenrand armflockig. Kuhberg und Pöi)pitzer 
Schlucht bei Znaim (comm. Oborny, für Hieracium rosulatum und Hieracium 
ongustius). 

ß. canescens, Hülle kugelig, bis 11 mm lang, dunkclgrau, Haare der 
Hülle mässig, Drüsen zerstreut. In Wäldern um Pogryzow, Gouvernement Kowno 
in Lithauen, und Sosnowo bei Rypin, Gouvernement Plock in Russisch-Polen, 
hier gesammelt von Dr. Zalewski. 

JUerarium l*ilosella L. subsp. nannoides, Rhizom dünn. Schaft 1, 
\ — cm hoch, schlank, schwächlich, nicht gestreift. Blätter in der Rosette 4, 
länglich-lanzettlich, spitzlich, graugrün. Hülle grau, d_- dunkel, Smm lang, 
kugelig. Schup])en breit, helirandig. Haare an Hülle und Schaft bis ver- 
einzelt, hell, 5—1 mm lang; auf den Blättern zerstreut, l~r5?mn lang. Drüsen 
an der Hülle und am Schafte oben mässig, unten 0. Flocken: Hülle, Schuppen- 
rand und der Schaft filzig, Blätter unterseits hellgrau. Blüthen hellgelb, die 
ramlständigen aussen ka»im flockig, ± rothstreiflg. Stolonen kurz oder länglich 
j^chlank. Kleinen Formeji des Hieracium leucojmirum Dlilst. ähnlich, aber durch 
das Intumeut verschieden. 

In Wäldern von Urzuehowice bei Lemberg. 

Jtierftfhtm J'i/osfl/a L. subsp. isrhuanthuni. lihizum (liijni. 
.Sr-haft, 1, {')—\{)cm lioch, dünn, sfliwäclilich, niclit gestreift, zusammendrückbar. 
Bl;itt<'r in der J(oselte 4- 5, länglich-ianzet,tlich, spitzlicli, hcsllgrün, dünn. Hüllo 
Krün, i dunkel, H mm lang, oval. Schu))pen scliinal, lidlrandig. ]Iaa,re hell, 
an der Hülle und anj Schafte vereinzelt bis mässig, 1 1 5 lang; auf den 
filkft'.ni niilssig bis reichlieli, \- 2 mm. lang. Drüsen der Hülle und des Schaftes 



Neue Hieracien des östlichen Europi 



341 



(bis zum Grunde) vereinzelt bis massig. Flocken auf der Hülle massig, Schuppen- 
rand hyalin, dr nackt, am Schafte reichlich, Blätter unterseits hellgrau. Blüthen 
hellgelb, die randständigen aussen etwas flockig, nicht rothstreifig. Stolonen 
kurz, dünn. Dem Hieraciiim Tapeimm Dhlst. täuschend ähnlich und mit Hiera- 
ciiim Pilosella L. subsp. nannoicles Kehm. nahe verwandt, aber von beiden durch 
oben hervorgehobene Merkmale verschieden. 

1. ^lormale. In Wäldern von Holosko bei Lemberg. 

2. midtifloccum, Hülle grau, Schuppenrand reichflockig, randständige 
Blüthen ± rothstreifig. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparkow (Lemberg). 

Hieraciiim Pilosella L. sul)si). hrachycalathium. Rhizom dünn. 
Schaft 1, 10— 14c??i hoch, dünn, schwächlich, nicht gestreift. Blätter in 
der Rosette 4 — 9, lanzettlich, stumpf bis spitzlich, grasgrün, etwas glauceseirend. 
Hülle schwärzlich, 8— 9 m?>i lang, kugelig. Schuppen etwas breitlich, hell- 
randig. Haare der Hülle sehr dunkel, reichlich, 1 — 2mm lang; am 
Schafte 0, auf den Blättern reichlich, borstig, hell, 2 — 4mm lang. Drüsen der 
Hülle 0, am Schafte bis zum Grunde vereinzelt. Flocken: Hülle (sammt 
Schuppenrand) und Schaft filzig, Blätter unterseits grau. Blüthen hellgelb, die 
raudständigen aussen etwas flockig, nicht rothstreifig. Stolonen lang, dünn. 
Vom Hieracium Pilosella L. subsp. ischnanthum Rehm. durch kugelige Hüllen 
und breitere, stark behaarte, drüsenlose Schuppen verschieden. 

In Wäldern von Holosko bei Lemberg. 

Hieraciiim Pilosella L. subsp. stenophyllum X. P. var. steno- 
phylloides* Rhizom dicklich. Schäfte 1—3, 12 — 26 cm hoch, schlank, steiflich, 
leicht gestreift, unten gelblich. Blätter in der Rosette 6—8, lanzettlich, schmal, 
spitzlich bis spitz, gelblicbgrün, derb. Hülle grau, dunkel oder hell, 9 mm lang, 
kugelig. Schuppen schmal, hellraudig. Haare der Hülle vereinzelt, hell, 0'5 — 1 ?nwi 
lang; am Schafte oder vereinzelt, auf den Blättern mässig, 1 — 2 mm 
lang. Drüsen der Hülle mässig, am Schafte oben mässig, unten vereinzelt. 
Flocken: Schuppen sammt Schuppenrand reichflockig, am Schafte oben 
reichlich, unten wenig, Blätter unterseits weisslichgrau. Blüthen gelb, die rand- 
ständigen aussen etwas flockig, rothstreifig. Stolonen kurz, dünn. Vom typischen 
Hieracium Pilosella subsp. stenophyllum N. P. durch graue Hüllen, flockigen 
Schuppenrand und kürzere Haare verschieden. 

Auf trockenen Hügeln um Lemberg (Holosko, Kortumowa gora, Janower 
Friedhof). 

Hieracium Pilosella L. subsp. indivisiforme. Rhizom dünn. 
Schaft 1, 20 — 32 cm hoch, dünn, steiflich, kaum gestreift. Blätter in der Rosette 
3—4, lanzettlich, in den langen Blattstiel verlaufend, spitzlich, gelblichgrün, 
;dünn. Hülle dunkelgrün, lO'S ??zm lang, kugelig. Schuppen etwas breitlich, 
ihellrandig. Haare der Hülle 0, am Schafte vereinzelt, 1—2 mm lang; auf 
jden Blättern mässig, weich, l—Qmm lang. Drüsen der Hülle reichlich, lang, 
iam Schafte oben reichlich, unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle mässig, 
Schuppenrand hyalin, armflockig, am Schafte oben reichlich, unten zerstreut 



342 



A. Rehmann. 



Blätter unterseits ± weisslichgrau. Blüthen hellgelb, die randstäiidigen aussen 
etwas flockig, nur an den Spitzen schwach rothstreifig. Stolonen kurz, dünn. 
Vom Hieracium Pilosella L. subsp. indivisum N. P. durch kleinere Hüllen, 
breitere, hellrandige Schuppen, durch das Induraent und kaum gestreifte Rand- 
blüthen verschieden. 

In Wäldern von Holosko bei Lemberg. 

Hieracium Pilosella L. subsp. ovpluiodes, Rhizom dünn. Schäfte 
1—3, 18 — 36 cm hoch, dicklich bis dick, schwächlich, leicht gestreift, zusammen- 
drückbar. Blätter in der Rosette 5, breit lanzettlich, i gerundet, stumpf 
bis spitzlich, bläulichgrün, dünn. Hülle dunkelgrau bis schwarz, 10 bis 
Wmm, bei üppigen Exemplaren bis 13 mw lang, db breit kugelig, nach dem 
Verblühen gestutzt. Schuppen breit, grün randig. Haare der Hülle bis reich- 
lich, dunkel, 2 — 2> mm lang; am Schafte vereinzelt bis massig, dunkel, bis imm 
lang; auf den Blättern zt reichlich, hell und weich, l—2'hmm lang. Drüsen 
kurz und sehr lang, untermischt, an der Hülle und am Schafte oben reich- 
lich, unten zerstreut. Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand ± nackt, 
am Schafte oben reichlich, unten mässig, Blätter unterseits graulich. Blüthen 
sattgelb, die randständigen aussen etwas flockig, it rothstreifig. Stolonen hing, 
dicklich. Mit Hieracium Pilosella subsp. scalptum N. P. nahe verwandt, von 
welchem es sich durch breite Blätter und nackten Schuj)penrand unterscheidet. 
Andererseits erinnern schmalblättrige Formen an Hieracium Pilosella subsp. an- 
giistius N. P., mit dem es den nackten Schuppenrand gemeinschaftlich hat. 

(c. f/enuinum. Schuppen dunkelgrau, Haare an Hülle und Schaft ver- 
einzelt. In Gebüschen und auf Holzschlägen der Hohen Tatra. Schmecks (leg. 
Scher f fei), Zakopane, Jaszczurowka, Mala Laka. 

ß. atriceps, Schuppen schwärzlich, sonst wie ci. Schmecks (leg. Scher ff el), 
Mengsdorfer Thal, Olczyska und Rostoka. 

/• polytrlclium, Schuppen schwarz, Drüsen der Hülle mässig, Haare an 
Hülle und Schaft reichlich, 2—4 mm lang. Jaszczurowka, Olczyska. 

(f. uinbrosaui. Blätter schmal, spitz, Schaft und Stolonen düini, Haiire 
der Hülle 0. Am Waldrande unter dem Nosal bei Zakopane. 

Zur Grupjie Vulcjatum N. P. gehört auch das in der Flora polouicai 
exsiccata Nr, 50 ausgcgelxiue und beschriebene Hieracium Tioardoivskianum 
Kehm. et Wol. 

Ji) Subvlrcsceiis N. P. 

liieraeimn IHloHcUa L. subsp. dlcranuin. K'hizom dünn. Scliäfto 
1 — 3, 25 — 15cm hoch, meist in der unteren Hälfte gabelig, dümi, steif, 
leicht gestreift, gelblichgrün. Blätter in der Ro.sette \ 10, lanzettlich, ziemlich 
breit, spitz, abwärts lang versdiniälert, gelblicligrün, dünn. Hülle dunkel- 
grün, 0—10'5 mm lang, kugelig. Schuppen schmal, hellrandig. Haare holl.l 
an (h-r Hülle mässig, 1 5 2 mm lang; am Schafte mässig bis reichlich, 2 .'{wim,| 
auf den Flagellen bis 5 mm laug; auf den Blättern reichlich, oben kurz, untenl 



Neue Hieracien des östlichen Europ: 



343 



bis 7 )nm lang. Drüsen der Hülle massig, lang, am Schafte oben reicblicli, 
unten vereinzelt. Flocken auf der Hülle massig, Schuppenrand armflockig, 
am Schafte oben reichlich, unten zerstreut, Blätter unterseits blassgrün, reich- 
flockig. Blüthen hellgelb, die randständigen aussen etwas flockig, schwach roth- 
streifig. Stolonen lang, dünn, oft stengelartig entwickelt, blühend. Vom Hieracmm 
Pilosella subsp. chaetocaulon N. P. durch kleinere Hüllen, dunkelgrüne, deutlich 
gerandete Schuppen, flockigen Schuppenrand und helle Haare verschieden. 

Auf sandigem Boden im Walde von Bilohorszcze bei Lemberg, am Ein- 
gange zwischen dem Wege und der Eisenbahn. 

i) Trichadeuium N. P. 

Hieracimn JPilosella L. subsp. pseudodilatatum. Rhizom dick- 
lich. Schäfte 1 — 5, 15—25 cm hoch, dicklich, steiflich, leicht gestreift, zusammen- 
drückbar, grün. Blätter in der Rosette 8—12, lanzettlich, spitzlich, gelblichgrün, 
glaucescirend, derb. Hülle dunkelgrau, 10 wzm lang, kugelig. Schuppen 
breit, hellrandig. Haare hell, an der Hülle und am Schafte oben mässig bis 
reichlich, 1 — Vhmm, unten und auf den Blättern zerstreut, 1—2 mm lang. 
Drüsen der Hülle mässig, lang, am Schafte oben ziemlich reichlich, unten 0. 
Flocken auf der Hülle mässig, Schuppenrand hyalin, armflockig, am Schafte 
oben reichlich, zerstreut, Blätter unterseits grau. Blüthen hellgelb, die rand- 
ständigen aussen stark flockig, nicht rothstreifig. Stolonen dr lang, dicklich, 
häufig verästelt. Vom Hieracium Pilosella subsp. dilatatum N. P. durch ge- 
rundete, nicht gestutzte Köpfchen, breitere Schuppen mit flockigem Rande, un- 
gestreifte äussere Blumen und kürzere Haare verschieden. 

c. brevifoliuin. Auf dem Eisenbahndamme bei Kulparköw, habituell 
dem von Nägeli und Peter unter Nr. 237 herausgegebenen subsp. dilatatum 
zum Verwechseln ähnlich. 

ß. loiigifoliimi. Blätter länglich -lanzettlich, in den Blattstiel schmal 
verlaufend. Auf Hügeln bei der Lewinski'schen Ziegelei in Lemberg. 

Hieracium liypeuryinti^^V. snh^iy, jjodoliciini. Rhizom dick. 
Schäfte 1—3, 16 — 25 cm hoch, schlank, unten dicklich, steiflich, leicht gestreift. 
Blätter in der Rosette 7—8, äussere obovat, stumpf, innere lanzettlich, spitz, 
bläulichgrün, derb. Hülle dunkel, 10 — lO'b mm laug, zusammengedrückt. 
Schuppen breit, hellrandig. Haare der Hülle reichlich, borstig, 
1— 2?/m lang, am Schafte oben vereinzelt, unten mässig, bis 3 5 mm lang, auf 
den Blättern, namentlich unten am Blattstiele, reichlich, bis 7mm lang. 
Drüsen der Hülle nur vereinzelt, am Schafte oben mässig, unten ± 0. 
Flocken auf der Hülle reichlich, Schuppenrand hyalin, armflockig, am 
Schafte oben mässig, unten vereinzelt, Blätter unterseits rothfilzig. 
Blüthen ? Stolonen verlängert, schlank. Eine stattliche, grossköpfige 
Pflanze, ohne Zweifel ein Bastard zwischen Hieracium Hoppeanum subsp. vul- 
pinum Rehm. und einem Hieracium Pilosella, dem ersten näher stehend, aber 
durch schmale, spitze Blätter und lange, schlanke Stolonen verschieden. 



344 



A. Reh mann. Nene Hleracien des östlichen Europa. 



Auf grasigen Hügeln bei Dobrowlany in Galizisch-Podolien, am nördlichen 
Dniester-Ufer. Dieser Standort miiss der Aufmerksamkeit künftiger Botaniker 
sehr empfohlen werden, weil daselbst mehrere andere Formen von Hieracium 
PiloselJa vorkommen, welche gegenwärtig, nach einem Vierteljahrhundert, nicht 
mehr hinreichend charakterisirt werden können. 



Beiträge zur Kenntniss der Eeptilien und Batrachier 
von Centraiamerika und Chile, 
sowie einiger seltenerer Schlangenarten. 

Von 

Dr. Franz Werner. 

(Mit Tafel VI.) 

(Eingelaufen am 30. Septeinher 189G.) 

A. Honduras. 

Herr Naturalienhändler W. Schlüter in Halle a. d. S. sandte mir eine 
Collection von Eeptilien und Batrachier zur Determination, welche nicht wenige 
sehr interessante Arten enthält, von denen einige, darunter eine hübsche Coluher- 
Art, für die Wissenschaft neu, andere aber, wie Euhlepharis dovii Blngr., äusserst 
selten sind. Die Sammlung Ist in den Besitz des Petersburger Museums über- 
gegangen. 

I. ClK^loniii. 

a) Chelydridac. 

1. CMydra rossignoni Bocourt. (Blngr., Cai. Cholon., ]). 2.'>.) 

Ein junges Exemplar, von der Schnauzen- zur Schwanzspitzo HO ?m» laug, 
Kopflänge 2.'i, Kopfbreitc 19, Schwanzlänge 55, Carapax 57, Plastron 43 ?»w lang, 
Brücke G mm breit, also ein Siebentel der Plastronlänge. Kinn mit drei Bartfäden 
Cliiiker hinterer felilcnd), die beiden vorderen mit weisser Spitze. Carai)ax schvvarz- 
Ifraiin, Kopf, Schwanz und Extremitäten oben braun. Kopf mit schwarzer Ziigel- 
und Schläfengcgf'iid, scharf von der l)raunen Oberseite abgcsit-zt. Auf den licller 
braunen oliercn Augenlidern ein schwarzer (^ujrstrich. Umgebung des Auges mit 
M'liwarzen liadiärsf riehen. Unterseile braun, gelblich marmorirt, Phistron dunkel- 
braun mit gelblichen Flecken. Unterrand des Carai)ax gelblich mil einem briiunon 
Flocken auf jedem Schild. 

Die Schnauze ist kürzer, der Carapax mehr rauh, borkig, die Zähne seines 
Ilint.crrandeK länger als bei ('hcb/dra Hcrpcrifinn. Uebrigens besitze ich aucli ein 



Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centraiamerika und Chile. 345 



Exemplar von Chelydra serpentina mit drei Bartfäden (recliter hinterer fehlend, 
bezw. ein linker hinterer vorhanden), welche jedenfalls aus den Warzen der 
Hautunterseite sieh entwickelt haben, wie dies ganz ähnliche Gebilde weiter 
hinten am Kinn darthun. 

h) Cinosteritidae. 

2. Cinosternum leucostomum A. Dum. (Blngr., Cat. Chelon., p. 42.) 

Erwachsenes Exemplar, schwierig von Cinosternum cruentatum A. Dum. 
zu unterscheiden, da von den Rückenkielen keine Spur zu sehen. Oben braun, 
unten gelb, Suturen schwarz; Schnabel horugelb ($). Pectoralia bilden eine 
sehr schmale Sutur. 

IL Saiiria. 

a) Gedconidae. 

1. Thecadactyhis rapicaudus Houtt. (Blngr., Cat. Liz., I. p. III.) 
Schnauze 1-3 Augendurchmesser. Oberlippenschilder 11—12, Unterlippen- 
schilder 8 — 9. Ein erwachsenes Exemplar mit regenerirtem Schwänze. 

2. SpJiuerodactylus argiis Gosse u. var. continenUilis. 

In jeder Hinsicht mit dem Tjpus von Jamaica (Blngr., Cat. Liz.. I. 
p. 223, PI. XYin. Fig. 5) übereinstimmend, nur in der Färbung verschieden. 

Oben röthlichgrau, graphitartig glänzend, mit schwarzem Längsstrich 
hinter jedem Auge und zahli-eichen, in Längsreihen angeordneten schwarzen 
Punkten. Unterseite weisslich, grau bestäubt. Totallänge 62 mm, Schwanz 32 mm. 

h) EMepliar 'idae. 

3. Euhlepharis docii Blngr. (Taf. VI, Fig. 1;. (Blngr , Cat. Liz., I, p. 233.) 
Ein $ dieser seltenen Art, welches mit Ausnahme der Zeichnung genau 

mit dem von Boulenger beschriebenen q übereinstimmt. Oberseite weisslich, 
Kopf oben mit dunklen Flecken wie bei Eublepjliaris variegatis, dahinter ein 
hufeisenförmiger dunkler Fleck, dessen Schenkel dem Hinterrand des Auges ent- 
springen. Hinter diesem ein grosser viereckiger Fleck mit zwei vorderen Fort- 
sätzen zu den Mundwinkeln und darauffolgend noch drei breite, vorn und hinten 
dimkler geränderte Querbänder. Schwanz mit fünf breiten dunklen Quer- 
bändern, die 3—4 mal so breit sind als die hellen Zwischenräume. Seiten mit 
kleinen dunklen Flecken, Unterseite einfarbig weisslich. Die vergrösserten 
Schwanztuberkeln nur an der Basis des Schwanzes (welcher iutact ist!). 

Totallänge 137 mm, Kopflänge bis zur Ohröffnung 18 ?nm, Schwanz- 
lange 62 mm. 

cj Iguanidae. 

4. AnoUs sdllaei Gthr. (Blngr., Cat. Liz., II. p. 79.) 

Ein ^ von gelblichbrauner Färbung; schwarzbraun ist Schnauze und 
Stirn, purpurviolett der Fleck auf dem trotz der Kleinheit des Exemplares wohl- 

Z. B. Ges. Bd. XLYI. 47 



346 



Franz Werner. 



entwickelten Kehlsack. Die Kehlschuppen finde ich glatt, kann aber sonst keinen 
Unterschied von obgenannter Art finden. 

5. Anolis tropidonotus Ptrs. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 83.) 

Zwei 9 und ein (f. Letzteres einfarbig grau, unten weiss, Kehlsack 
dottergelb; Schwanz reproducirt. Das eine 5 ist grau mit zwei schwarzen, 
unterbrochenen Längslinien auf dem Rücken, das zweite hellbraun mit hell- 
gelbem, breitem Eückenstreif, der von dunkelbraunen dreieckigen Flecken derart 
eingefasst wird, dass eine helle Rautenbinde entsteht. -Goldglanz bei diesem 
Exemplar sehr stark, die beiden anderen dürften geschunden sein. Im Uebrigen 
gleichen sich die drei Exemplare sehr. 

C. Anolis hiporcatus Wiegm. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 88.) 
Ein 9, auch wieder mit glatten Kehlschuppen, sonst typisch. Goldglanz 
sehr deutlich. 

7. Anolis capito Ptrs. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 94.) 

Ein 9 dieser grossen Art. Hellgelb mit zwei schwarzen Längsstreifen, 
die am Oeciput sich zusammenneigen. Jeder dieser beiden Längsstreifen ist 
dreimal unterbrochen, jedes Stück in der Mitte etwas erweitert. Ende der 
Rückenstreifen in der Sacralgegend. Schwanzschuppen schwach gekielt, Körper- 
schuppen glatt, polygonal, flach. 

8. Corythophanes cristatus Merr. (Taf. VI, Fig. 2). (Blngr., Cat. Liz., 
II, p. 101.) 

Ein dieser stattlichen Eidechse, 266 mm lang, davon der augenschein- 
lich grösstentheils fehlende Schwanz 161 mm. Höhe des Thieres von der Spitze 
des Kammes zu der des Kehlsackes 55 mm. 

9. Basiliscus vittatus Wiegm. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 109.) 
Ein junges Exemplar. 

10. Ifjuana tuherculata Laur. var. rhinolopha. (Blngr., Cat. Liz., 
II, p. 189.) 

Ein schönes junges Exemplar mit bereits recht deutlicher Höckerbildung 
auf der Schnauze. Fomoralporen 16 — 17. Der Jfjiiana delicatissima ähnelt das 
Thier durch die ziemlich deutlich konische Ausbildung der Occipitalschuppen. 
Länge 495 mm (Schwanz 365 mm). 

11. Sceleporus serrifcr Cope. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 221.) 

Ein grosses Exemplar, oben oliveugrün, unten ganz blau. Foiiioral- 
l.oren 13— ir,. 

12. Sceleporus aencus Wiegln. (Blngr., ('al. Liz., 11, p. 2.')3.) 
Ein schlecht erhaltenes junges Exemplar. 

(/) XanliiHiiddc. 

13. Jjjiidojilijimd fUir<nna<ulahim A. Dum. (Blngr., (>at,. Liz., II, ]>. 326.) 
Kill typiscbcH 9 von 185 wm Tot;illiing(! (Schwanz \i)Hmm). 



Beiträge zur Keuntniss der Reptilien und Batracliier von Centraiamerika und Chile. 347 



e) Teiidae. 

14. Cnemidopliorus sexlineatus L. typ. (Blügr., Cat. Liz., II, p. 364.) 
Ein ziemlich junges Exemplar. Das vierte Supraociüare durch .Granulae 

vom dritten getrennt, länglich. Drei Parietalia. 18 Femoralporen jederseits. 

f) Scincidae. 

15. Mdbuia agilis Eaddi. (Blngr.,' Cat. Liz., III, p. 190.) 

Ein schönes Exemplar der typischen Form. Supranasalia in Contact, 
ebenso Frontonasale und Frontale. Schuppen in 30 Längsreihen, ganz glatt. 
Oberseite einfarbig braun, das helle (weissliche) Lateralband unten noch "durch 
ein dunkles begrenzt, welches gegen den Bauch zu undeutlich wird, oben aber 
ebenso wie das obere dunkle Lateralbaud dunkel gerändert ist. 

* III. Opliidia. 

Colubridae aglyphae. 

1. Drymobius hoddaerti Sentz. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 11.) 

Ein Exemplar der Form Ä (p. 12), oben und unten einfarbig bis auf die 
(auch nur angedeuteten) Postocularstreifen. 

2. BrijmoTjius margaritiferus Schleg. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 17.) 
Ein junges Exemplar. 

3. Coluber corais Boie var. B. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 31, 32.) 
Ein jüngeres Exemplar. Kein Suboculare vorhanden; das untere Tempo- 
rale erste Eeihe vertical getheilt. Schuppen glatt. 

Schuppenformel: Sq. 17, V. 200, A. 1, Sc. '2/^2 + 1. 

4. Coluber polylepis u. sp. (Taf. VI, Fig. 3 a—c). 

Diese hübsche Schlange, welche mir in einem jungen Exemplare vorliegt, 
zeichnet sich durch die grosse Zahl von 33 Schuppenreihen aus, welche sonst 
nur in der ehemaligen Ehinechis-Pityophis-GvuY)^e vorkommt. Habitus der von 
Coluber leopardinus, ebenso die Form des Kopfes, doch ist die neue Art ge- 
drungener und hierin mehr Elaphis-2i]m\\c\i. Das Eostrale ist siebeneckig, ebenso 
breit als hoch, sein von oben sichtbarer Theil kaum ein Drittel seines Abstandes 
vom Frontale (bei Boulenger steht auf p. 28, Zeile 5 von unten, irrthümlich 
wieder „rostral"). Die Internasalia sind halb so lang als die Praefrontalia, das 
Frontale P/2 mal so lang als breit, etwas kürzer als sein Abstand von der Schnauzen- 
spitze und bedeutend kürzer als die Parietalen, Frenale trapezförmig, etwa so 
hoch als breit. Ein Praeoculare, zwei Postocularia, 3 -{- 4 Temporalia, von denen 
aber nur die zwei oberen der ersten Reihe die Postocularen berühren. Supra- 
iabialia 8—9, das 4. und 5., bezw. 5. und 6. das Auge berührend. Fünf Unter- 
iippenschilder berühren die vorderen Rinnenschilder, welche bedeutend grösser 
iind als die hinteren, welche durch zwei kleine und zwei grössere Schildchen 
getrennt sind. 

47* 



348 



Franz Werner. 



Schuppenformel: Sq. 33, V. 245, A. Vi, Sc. ^^/gg + l. 

Die Schuppen sind klein und vollkommen glatt, die Ventralen sehr schmal. 
Die Zeichnung gleicht sehr der von Coluber leopardinus, die Flecken sind aber 
nicht rothbraun, sondern graubraun, im Uebrigen verweise ich auf die Abbildung. 

Totallänge 450 mm, Schwanz 91 mm, also ^/s. 

5. Strcptopliorus atratus Hall. var. D. (Blngr., Cat. Snakes, II, p. 292, 293.) 
Zwei Exemplare, eines mit, eines ohne schwarze Querbinden. Supralabialia 7, 

das 3. und 4. das Auge berührend; Postocularia 1, 2. 

Schuppenformel: V. 130, 135, Sc. 50, 60. 

Coluhridae opistJioglypJiae. 

6. Himantodes elegans Jan. (Blngr., Cat. Snajfes, III, p. 85.) 

Ein mittelgrosses und ein junges Exemplar, ersteres graubraun, letzteres \ 
röthlichgelb mit dunkelbraunen, licht geränderten- Flecken. 

7. Oxyhelis acuminatus Wied. (BJngr., Cat. Snakes, III, p. 192.) 
Ein Exemplar. « 

Coluhridae proteroglyphae. 

8. Elaps fulvius L. var. cqnatus Jan (= acjlaeope Cope). (Blngr., Cat. 
Snakes, III, p. 426 [var. J].) 

Ein grösseres und ein junges Exemplar dieser dem Typus sehr unähnlichen 
Varietät, welche wahrscheinlich von Urotheca elapoides nachgeahmt wird (var. 
aequalis). 

9. Elaps fulvius L. var. nigrocinctus Gir. (— diastema DB.). (Blngr.J 
Cat. Snakes, III, p. 424.) 

Ein schönes Exemplar dieser dorn Elaps comllinus ähnlichen Varietät. 

Viperidae (Crotalinac) . 

10. JAicJicsis utrox L. (Blngr., Cat. Snakes, III, ]). 537.) 

Zwei junge Kxeniplare. Schwanzspitze weiss, wie ich es bei atrox im 
Gegensatze zu lancco latus (lanceolutiis -{- jararaca) stets gefunden habe. Schuppen- 
kiel<; kürzer Caber nicht um viel) als die Schuj)pen. Flecken mit wcisslichem,! 
dunkel getüpfeltem Rand. Schnauze etwas aufgeworfen, ebenso Supraocularial 
gewiilbt, Schujijjcn weniger lanzettlich als bei lanceolatus, an der Spitze mehr, 
abgerundet, Auge rund, ])oi den verglichenen lanceolatus scl)ief (slliptisch. 

11. Ijaclicsis hicolnr l^ocourt (Taf. VI, Fig. 4). (Blngr., ('at. Snakes, 

III, p. 

diese Art auf die i);iiier haltbar sein wird, will ich dahin g(;slelll- seim 
laMHen, vielleicht ist sie nur eine Varietät von Lachesis lalaralis Ptrs., und auchl 
LrichesiH niffroviridis Ptrs, dürften die.se beiden Schlangen sehr nahe st,(ihen.i 
Vorliegendes Exemplar, von 756 mm Totül- und 125 mm. Schwanzläiige, stimmt itt) 



Beiträge zur Keuutniss der Reptilien und Batrachier von Centraiamerika und Chile. 349 



der Hauptsache mit LacJiesis hicolor überein, doch besitzt es, soweit sich au dem 
etwas zerschlagenen Kopfe erkennen lässt, bestimmt nur sieben ziemlich grosse, 
gekielte Schuppen in einer Querreihe zwischen den durchaus nicht sehr schmalen 
Supraocularen. Auch bildet von den 10 Supralabialen, wenigstens auf der rechten, 
intacten Seite, das zweite Supralabiale die Begrenzung der Zügelgrube und das 
vierte ist von ansehnlicherer Grösse als die übrigen. Färbung typisch. 
Schuppenformel: Sq. 21, V. 165, A. 1, Sc. + 

lY. BatracMa Saliciitia. 

a) Banidae. 

1. Bana virescens Kalm var. austricola Cope. 

Eana maculata Brocchi, Bull. Soc. Philom. (7), I, p. 178. 

„ „ „ Miss. Scientif. Mexique, Batr., p. 13, Pl.III, Fig. 2. 

Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 42. 
V „ virescens var.. austricola Cope, Batr. North America (Bull. United 
• States Nat. Mus., Nr. 34, Washington, 1889). 
„ virescens var. austricola Werner, Bemerk, über nordamerik. Bana- 
Arten (Jahrb. des Magdeb. naturwiss. Ver., 1894, S. 130). 
Ein mittelgrosses Exemplar, vollständig mit den von mir untersuchten 
Exemplaren aus Costarica übereinstimmend. Das Tympanum ist halb so breit 
als das Auge, die Hinterbeine lang; die Gaumenzahngruppen sind klein, rundlich, 
einander genähert und die Verbindungslinie der hinteren Choanenränder über- 
ragend. Die Flecken sind allerdings kleiner, auf dem vorderen Theil des Rückens 
in drei, hinten in zwei Eeihen angeordnet. 

h ) Cystignathidae. 

2. Hylodes laevissimus n. sp. 

Nahe verwandt dem Hylodes poäiciferus, aber durch die starken, unter 
einem spitzen Winkel nach hinten convergirenden Gaumenzahngruppen, die auch 
ganz hinter den Choanen liegen, die längere, abgerundete Schnauze (gegen 
P/amal so lang als der Augendurchmesser), den schmäleren Interocularraum, der 
kaum merklich breiter ist als ein oberes Augenlid, und das kleinere Tympanum 
(halb so gross als das Auge) leicht unterscheidbar. 

Oben graubraun mit weissem, schmalem Spinalstreifen von der Schnauzen- 
spitze zum After. Schnauze bis zwischen die Augen hellgrau, durch eine dunkle, 
quer über Augenbrauen und Stirn verlaufende Linie von der dunklen Färbung 
des Hinterkopfes getrennt. Vier dunkle Verticalflecken auf jeder Seite der Ober- 



'KHier ist Beulen ger ein kleiner Lapsus passirt, indem auf p. 533 das Änstossen des zweiten 
SupralalmSe an die Grube für Lachesis hicolor, auf p. 566 für LacJiesis lateralis in Anspruch ge- 
nommen wird : 



350 



Franz Werner. 



lippe. ebenso ein dunkler Streifen über dem Tympanuni. Kehle, Brust und Unter- 
seite der Extremitäten braun, Bauch weisslich, Hinterbacken schwarzbraun, weiss 
getüpfelt. Hinterbeine oben sehr undeutlich gebändert. Totallänge 35 mm. 
o. Hylodes rostralis ii. sp. 

Dieser grosse Hylodes ist verwandt dem Hylodes laticeps A. Dum. (Cat. 
Batr. Sal., p. 210). Die Zunge ist aber hinten etwas eingekerbt, die Gaumen- 
zähne in mehr queren, nicht schiefen Reihen; Lateralfalten fehlen. Die Schnauze 
zeichnet sich durch die sehr deutliche und fast gerade Schnauzenkante und eine 
vordere Kante zwischen den wie bei voriger Art weit nach vorn liegenden Nasen- 
löchern aus. Der Interpalpebralraum ist etwas breiter als ein Augenlid, das 
Trommelfell sehr deutlich, höher als breit, sein längerer Durchmesser von ^/g, 
sein kürzerer von ^/s Augendurchmesser. Hinterbeine erreichen mit dem Tibio- 
tarsalgelenk die Schnauzenspitze. Oberseite röthlichgrau, Schnauzenspitze weiss, 
Zügel- und Schläfengegend schwarzbraun, deutlich von der Oberseite des Kopfes 
abgegrenzt. Hinter dem Tympanum, auf dem Unterarm und nahe dem Knie je 
ein schwarzer Flecken. Aftergegend, Aussenrand von' Oberarm und Tibia, Unter- 
seite des Tarsus schwarz. Unterseite weiss. Hinterbeine undeutlich gebändert. 

c) Biifonidae. 

4. Bufo valUceps Wiegm. n. var. microtis, (Blngr., Cat. Batr. 
Sal, p. 319.) 

Ein schönes 9 > welches sich nur durch das kleinere Tympanum (^/s Augen- 
durchmesser) und durch das Fehlen einer besonders ausgesprochenen Warzenreihi' 
hinter den Paratoiden vom Typus unterscheidet. Oben braun mit einem gelb- 
lichen grossen Flecken zwischen den Augenbrauen, einer unregelmässigen gelben 
Spinallinie, einem undeutlich begrenzten gelbbraunen breiten Längsband an jeder 
Körperseite, am Paratoidenhinterrand beginnend, und mehreren schwarzbraunen 
Flecken auf den braunen Theilen der Oberseite. Tarsus und Zehen hell und dunkel- 
braun gebändert. 

d) Ilylidae. 

5. Hyla haudinii DB. (Blngr., Cat. Batr. Sal., j). 871.) 

Zwei 9> 55— 5G ?nm lang, ganz typisch. Tibiotarsalgelenk reicht bei dem 
einen Exemplar bis zum Nasenloch, beim anderen bis zum Vorderrand des Auges. 
'Jyinpanuin sehr deutlich, '^j^ Augendurchmesser. Vorder- und Hinterbeine sehr 
d(,'utlich gebändert, Oberlip])e mit drei dunklen Verticalfleckcn jederseits. 

5. Hyla ? salvinii Blngr. (Blngr., Cat. Batr. Sal., p. 372.) 

Ein halbwüchsiges r^, welches sich von Boulonger's Beschreibung zweier 
9 au.s Costarica in folgenden Stücken unterscheidet: Zunge etwas eingekerbt. 
Schiiauzenkaiite undeutlicli. Int<'ror])italrauni deutlich ])reiter als ein oberes 
Augr-nlid. Tympanum etwas kleiner ;i.ls der halbe Augendurchmesser, daher dio 
Saugscheiben ebenso gro.ss als erstere«. Ich h;ilte aber diese Unterschiede für 
nicht wesentlich genug, um diesen Frosch H])ecifisc]i abzutrennen. Bemeikens- 
wiTth ist die abgerundete Scbnauzt; und eine starke H;uitfaUe vom Klll)ogen 



Beiträge zur Kenntniss der Reptilien und Batrachier von Centraiamerika und Chile. 351 



zur Seite des Körpers. Oberseite des Körpers gelbbraun, Hinterbeine undeutlich 
quergebändert. Ein 9 (erwachsen) aus Costa rica in meiner Sammlung besitzt 
schwach eingekerbte Zunge, schwache Hautfalte an der Achsel, sonst alle Merk- 
male der typischen Form. 

6. Äfjalychnis moreletii A. Dum. (Blngr., Cat. Batr. Sah, p. 422.) 

Das vorliegende 9 besitzt eher die Gaumenzahnform des Agalychnis calli- 
dryas Cope, ist aber sonst typisch. Tympanum ^/s Augendurchmesser. Schwimm- 
häute nur am dritten Finger die Saugscheiben nicht erreichend, dasselbe bei 
der vierten Zehe der Fall. Scheiben der Finger so gross, die der Zehen kleiner 
als das Tympanum. Merkwürdig ist bei dieser Form die vollständige Pigment- 
losigkeit aller Theile der Oberseite, die im hockenden Zustand des Thieres ver- 
borgen sind; so der ganze Oberarm und der grösste Theil des Oberschenkels bis 
auf einen schmalen grünen Streifen auf der Oberseite und alle Finger und Zehen 
bis auf die äussersten jeder Seite (vierter Finger und fünfte Zehe). Legt man 
den Frosch so zusammen, wie er in natürlicher Stellung sitzt, so sind die pigment- 
losen Theile völlig bedeckt, und diese Verborgenheit mag die Eüokbildung des 
Pigments an den betreffenden Stellen verursacht haben. 

Y. Batracliia Gfradientia. 

Spelerpes variegatus Gray, var. C. (Blngr., Cat. Batr. Grad., p. 73.) 
Ein Exemplar. 

YI. Batrachia Apoda. 

BermoinMs mexicanus DB. (Blngr., Cat. Batr. Grad., p. 98.) 
Ein erwachsenes Exemplar. 

B. Guatemala. 

Die herpetologische Sammlung des Staates in München, deren Neubestim- 
mung und Neuaufstellung nach Boulenger"s System ich im August dieses 
Jahres infolge Auftrages des Herrn Prof. E. Hertwig durchführte, enthält eine 
ziemlich grosse Anzahl bereits determinirter Arten aus dem Inneren von Guate- 
mala, welche von Herrn Saper gesammelt worden sind. Au.sser diesen Arten, 
unter welchen sich manche prächtige Formen, wie der mir auch aus Honduras 
vorliegende Corythophanes cristatus Merr., Laemanctus dehorrii Blngr, u. a., be- 
finden, waren noch eine Anzahl undetermiuirter Arten vorhanden, deren Ver- 
zeichniss ich nachstehend gebe. 

I. Sauria. 

a) Iguanidae. 
1. Anolis petersii Boe, u. rar. hivittata. 

Ein cf, typisch bis auf den Umstand, dass die Mittelreihe der oberen 
Schwanzschuppen nicht vergrössert ist und auf die Färbung (vergl. Blngr., Cat. 



352 



Franz Werner. 



Liz., II, p. 6ö). Rücken mit zwei breiten, einander ziemlich genälierten, am 
Aussenrande gezackten, dunkelbraunen Längsstreifen, die, oft unterbrochen, bis 
zur Schwanzmitte verlaufen; zwischen beiden zwei dunkle, auf dem Schwänze 
weit deutlicher als am Rücken sichtbare Längslinien. Oberseite mit goldrothem 
und kupferigem Metallglanz. Ober- und Unterkieferrand dunkel; ein dunkles 
Schläfenband, ein undeutliches helles Band unter den dunklen Rückenstreifen; 
225 myn lang, Schwanz 180 mm. 

2. Anolis sdllaei Gthr. 9- (Blngr., Cat. Liz., II, p. 79.) 

3. Sceleporiis serrifer Cope. (Blngr., Cat. Liz., II, p, 221.) ' 

Ein schönes , oben hellbraun, mit einem um den ganzen Hals herum- 
laufenden, nur im Nacken offenen Halsband; Kehle und Bauchseiten prachtvoll 
blaugrün, Bauchniitte gelblich, beide Färbungen deutlich geschieden. 

h) XantJiusiidae. 

4. Lepidophijma fJavo7naculatum A. Dum. (Blngr., Cat. Liz., II, p. 326.) 
Ein typisches Exemplar. 

II. Opliidia. 

a) Cohibrinae. 

1. Streptophorus diadematus B, et G. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 291.) 
Zwei Exemplare. 

2. Streptophorus atratus Hall., var. D. (Blngr., Cat. Snakes, I, p. 292, 293.) 
Zwei Exemplare, beide mit schwarzen Querbinden, ganz wie das eine aus 

Honduras. 

3. Polyodontophis annulatus DB. — Dum., Bibr. Erp. Gen., VII, p. 335, 
PI. LXXX, Fig. 1 (Enümjnathus) ; Jan, Icon. Gen., IG, PI. IV, Fig. 3 (Eni- 
cofj)iathusj; Blngr., Cat. Snakes, I, p. 189. 

Ein schönes Exemplar dieser merkwürdigen Art. Der Besclireibung Bou- 
lenger 's habe ich nichts von Belang hinzuzufügen; zwar die Internasalia sind 
nur etwas kürzer als die Praefrontalia und die Anzahl der Subcaudalenpaare ist 
noch grösser als die grösste angegebene, nämlich 145, während die Ventralen in 
der Zahl 143 vorhanden sind. 'J'otalläuge G12 wim, Schwanz 289 mw (cf). 

4. JJroihcca elajmdcs Co])e var. aequidis Salvin. (Blngr., Cat. Snakes, 
II, I». 182, 183.) 

Ein Exemplar; zwischen den schwarzen Ringen belinden sich schwarze 
l'leekeii. Sehr ähnlich der var. apialus Jan von P'Aaps fulvius L. 

5. Coronclla microplwli.s Cope, var. Ii. (Blngr., Cat. Snakes, II, p.203, 204.) 
Zwei gros.sc Exemplare; (iniiKHarhe der Oberseite sehr dunkelroth. 

<i. Airactus (fuadririrfjalus .I.iii. flilngr., Cat. Snakes, IJ, ]t. 31;».) 
KId Exemplar. 



Beiträge zur Kenntniss dec Reptilien und Batrachier von Centraiamerika und Chile. 353 



h) D }psadomor]}Mnae. 

7. Himantocles cencJioa L. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 84.) 
Zwei Exemplare. 

8. Oxyhelis acuminatus Wied. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 192.) 
Ein Exemplar. 

9. ErytJirolamprus imperialis B. et G. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 206.) 
Ein Exemplar, welches leider so arg beschädigt ist, dass sich nur die Zahl 

der Ventralen mit 124 +. . ., im Ganzen vielleicht 130, nicht aber die der Siib- 
caudaleu bestimmen lässt. 

10. Enjthrolamprus fissidens Gthr. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 207.) 

Ein Exemplar mit 127 Ventralen und 65 Subcaudaleupaaren; oben ein- 
farbig braun, nur mit zwei gelben Linien an den Kopfseiten, eine auf dem Ober- 
rande der Labialen, eine darüber parallel laufende am Halse. 

11. Stenorhina degenhardti Berth. (Blngr., Cat. Snakes, III, p. 229, 230.) 
Ein junges Exemplar der var. Ä; oben hellgrau mit ziemlich regulären 

schmalen schwarzen Querbinden, die einen feinen weissen Rand jederseits besitzen. 

c) Elapinae. 

12. Elaps elegans Jan. (Jan, Icou. Gen., 42, PI. V. Fig. 2. — Blngr., 
Cat. Snakes, III, p. 418.) 

Von dieser schönen Art waren drei Exemplare vorhanden, die einander sehr 
ähnlich sind: 

I. cf: V. 205, Sc. 44. IL $: V. 220, Sc. 30. IIL (f: V. 224, Sc. 30. 

Die Färbung der Oberseite ist dunkel rothbraun mit einer sehr compli- 
cirten Zeichnung, die aus Triaden breiter schwarzer Ringe besteht; zwischen den 
drei Ringen einer Triade, welche Vollringe, d. h. auf dem Bauche geschlossen sind, 
befinden sich schmale schwarze Ringe, die nicht auf den Bauch hinabreichen, 
und zwischen je zwei verschiedenen Triaden befindet sich wieder ein schwarzer 
Ring, der bald auf dem Bauche geschlossen ist, bald jedoch gär nicht auf den 
Bauch hinabreicht oder wieder auf den Ventralen nur durch einen oder zwei 
schwarze Flecken markirt ist. Die Vertheilung der Ringe auf der Dorsalseite 
wäre also, die Ringe der Triaden mit ^, die innerhalb der Triade gelegeneu 
mit ß, die zwischen ihnen liegenden mit y bezeichnet, folgende: 

A—ß—A—ß—A—y—A—ß—A—ß—A—) — A—ß—A—ß—A . . . 

Die Ringe der Triade sind vier, die anderen kaum eine Sehuppenlänge 
breit, auf der Ventralseite entspricht ein jeder Ring der Triade zwei (oder seltener 
einer oder drei, da sie nicht sehr regelmässig sind) Ventralen. Es sind 15 Triaden 
; vorhanden, vor der ersten noch ein schmaler und ein breiter Ring, hinter der 
■ letzten ein schmaler, ein breiter und wieder ein schmaler Ring. Schwanz mit 
i sieben einfachen Vollringen. 

Z. B. Ges. Bd. XLVI. 48 



354 



Franz Werner. 



Kopf schwarz mit einem gelben Fleck hinter jedem Auge, das vorderste 
Drittel eines Parietale, das erste und die vordere Hälfte des zweiten Temporale 
und das sechste und siebente Supralabiale einnehmend. Kehle schwarz mit drei 
gelben Flecken. 

Man kann die Zeichnung aller Corallenschlangen, welche, wie ich in meinen 
„Untersuchungen über die Zeichnung der Schlangen" (Wien, 1890) erwähnte, 
auf ganz andere Weise entsteht, als die der sie nachahmenden Coronella- Arten, 
in beliebiger Genauigkeit durch eine Formel ausdrücken, wenn man mit A die 
primären Ringe, mit ß die secundären, mit F die tertiären und mit cT die quater- 
nären Ringe bezeichnet, und überdies durch ei-n , ' vor und hinter dem Zeichen 
eines Ringes die schmalen gelben, durch einen Bindestrich — die breiten 
rothen Ringe andeutet und schliesslich die Breite jedes Ringes durch die Zahl 
der Schuppenreihen, die er einnimmt, darunter setzt. 

Wir hätten also auf diese Weise z. B.: 



1. Für £'Zaps corallinus A—A—A—A~ (A = 3; — = 8—10). 

2. „ „ „ var. circinalis ^A' — ^A' — ^A' — ^A' — = 3; , — 1; 

- = 6). 

3. „ „ fulvms var. nigrocincttis A — A — A-~. 

4. „ r « „ tener ^A'~^A'~^A'— {A r= l ■ ^ ^ 2; — \\). 

5. „ „ „ „ apiatus ^A' — ß — ^A' — ß (.■4—2; , — 1; — — 2; 

ß=l). 

6. „ „ (lecoratus | = 4; , = IV2; ß = l'/2; 

- = 5). 

7. „ „ surinamensis | ^A'ß—ß^A'ß—ß^A = 8; , = 1 ; 3; — = 8). 

8. „ „ corallinus var. 

bocoiirti J (^ = 4; ^ = 1; ^' = 2; — 5). 

9. „ „ filiformis 

10. „ „ marccjravn [A — 2; — — 2; ß = 2; 

11. „ kinniscatus A-ß—ß—A—ß^ß-A (A ■= 4; — =^1; ß ■= 

12. „ „ hemprichii (A 9; — ^ '^l^; ß ^ ; 

} ^^2). 

13. „ „ clegans^) A—ß—r—ß-A=&=A—ß-r—ß—A^i^ (A ■= 3; 

--1; ß-^-\; r-3; ---2; = 1). 
11. r „ heriicifji n. A—A~A—A—A{A — A—r^',—-r--2). 

l'>. r, r, mipartitus A—A—A—A—A {A \\; — — 1). 
10. „ „ corallinus var. ornafissimus A—ß—A—ß—A (y/ — 3; — — 1; 

ß ■= 5-8). 



') fjcriuiicr aln vorhin anpfogobcn, du ilic drei Uiii),'(> oinor 'rriiidc, oliwolil plcicli Incit, <l()(li 
nicht |{lr>irhwcrthi(; nin'I. 

*) In (lor 7,oolo({itchon flaininliinp ih's SfiiiiluM in Mliiiclicti ; vfrw.iiidl FJajm firnwnhornli 
wir<l «|>ftt«>r |iti)ilirirt nonlfti. 



Beiträge zur Kenutniss der Reptilien- und Batraebier von Centralamcrika und Chile. 355 



17. Für Elaps tschiidii \ [a = h-, — = 2). 

18. „ „ psyches ( = 3-4; - = 1). 

19. „ „ narducci j 

20. „ „ langsdorifi ) 

21. „ „ ancoralis A—ß—ß—A—ß—ß—A. 

13. Lachesis aurifer Salvin (Taf. VI, Fig. 5). — Salvin, Proc. Zool. Süc. 
London, 1860, p. 459, PI. 32, Fig. 1 (Thamnocenchris). — Cope, Proc. Acad. 
Philadelphia, 1871, p. 207 (Bothriechis). — F. Müller, Verh. d. Nat. Ges. Basel, 
1878, VI, p. 401 (Bothrops). — Blngr., Cat. Snakes, III, p. 568. 

Von dieser prachtvollen Giftschlange enthielt die Collection Saper ein 
Exemplar, von dessen Kopfoberseite ich eine Abbildung gebe. Man ersieht daraus, 
dass sich Internasalia, Praefrontalia, Supraocularia, Parietalia und Frontale, so- 
wie zwei weitere grössere Schilderpaare gut unterscheiden lassen und dass eigent- 
lich nur Frontale und Supraocularia durch (eine Reihe von) Schuppen getrennt 
sind. Es wird also durch diese Art eine Annäherung zum Aneistrodon-'Yy]}\xii 
vermittelt, wie andererseits Äncistrodon hypnale durch die Auflösung der Inter- 
nasalia und Praefrontalia in kleine Schildchen an die Lachesis -Arten erinnert. 
Ventralia 162, Subcauda 61 (c^), Nasale halbgetheilt ; 9—10 Oberlippenschilder. 

Oben wundervoll gelbgrün, mit einer Dorsalreihe gelber, blauviolett ge- 
länderter Flecken von ungefähr rhombischer oder elliptischer Gestalt. Zwei 
dunkle Flecken im Nacken. Schwanz hellgrün, dunkelgrün gefleckt. Ein schwarzer 
Schläfenstreif vorhanden. Unterseite gelbgrün. 

Totallänge 550 mm, Schwanz 99 mm. 

III. Batracliia. 

1. Hylodes muricinus Cope. — Cope, Journ. Acad. Philad. (New Series), 
VIII, 1876, p. 108 (Litliodytes). — Brocchi, Miss. Scient. Mex. Batr., p. 56. — 
Blngr., Cat. Batr. Sal , p. 203. 

Ein leider sehr schlecht erhaltenes Exemplar. Oben röthlichbraun, unten 
weiss, ein breites dunkles Band von der Schnauzenspitze zum Mundwinkel durch 
das Auge und über das Tympanum. Schnauzenkante sehr deutlich, Schnauze 
länger als der Augendurchmesser. 

2. Hyla (jabUi Cope (1. c, p. 103; Blngr., 1. c, p. 372). 

Ein junges Exemplar. Färbung oben bläulich aschgrau mit irregulären 
grösseren und kleineren gelblichen Flecken und dunklen Punkten. Aussenrand 
des Unterarmes weiss, ebenso ein weisses Band auf Oberlippe und Rumpfseite, mit 
dunklen Punkten. Oberschenkel bis auf einen schmalen Streifen, sowie innere 
Finger und Zehen pigmentlos. 

C. Chile. 

Von Herrn Dr. Müller (Naturhistorisches Institut „Linnaea") in Berlin 
erhielt ich eine sehr schöne Collection von Reptilien und Batrachiern aus Fini- 

48* 



356 



Franz Werner. 



tillar in Chile zur Bestimmung, welche auch zwei neue Batrachierarten enthält. 
Da die Erhaltung der Exemplare vorzüglich ist und die meisten Arten in grösserer 
Anzahl vorliegen, so glaube ich durch die ausführliche Beschreibung dieser Arten 
einen nicht uninteressanten kleinen Beitrag zur Herpetologie von Chile liefern 
zu können. Die Reptilien sind allerdings schwach, und zwar die Schlangen und 
Eidechsen nur durch je eine Art vertreten, umso besser dagegen die Batrachier. 

I. Sauria. 

Liolaemus pictiis DB. (IV, p. 276). (Blngr., Cat. Liz., II, p. 151.) 

Diese in Chile so reich vertretene Gattung wird in der vorliegenden Samm- 
lung durch obenstehende Art in 10 Exemplaren verschiedenen Alters, darunter 
zwei erwachsene cf, repräsentirt; diese besitzen zwei Praeanalporen. Die be- 
sitzen auf gelblicher, die 9 ^^if mehr blau- oder graugrüner Grundfarbe drei 
breite dunkle Längsstreifen, von welchen der dorsale häufig in ein Zickzackband 
oder (auf der Hinterhälfte des Rückens) in Querstreifen umgewandelt ist. Die 
ganze Oberseite des cf i^t dicht gelb punktirt. 

IL Opliidia. 

Tachymenis penovianaY^iegm. (Blngr., Cat. Snakes, III, p, 118.) 

Von dieser gemeinen, ja zweifellos häufigsten aller Schlangen Chiles, das 
ja recht arm an Arten ist, liegen mir zehn meist schöne Exemplare in ver- 
schiedener Färbung vor, von hellbraun mit undeutlicher (meist cT), bis dunkel- 
braun mit sehr scharfer dunkler Längsstreifung (meist 9); helle Rücken- 
linie aber immer deutlich erkennbar. 





V. 158, 


Sc. 89, 


Supral. 7—7, Praeoc. 


3-3, 


Temp. 2 + 2, 1 + 2, 


Suhl. 4. 


^• 


151, 


46, 


7-7, 


2-2, 


1 + 3, 2 + 3, 


4. 




153, 


43, 


6-7, 


3-3, 


2 + 3, 2 + 3, 


4. 


(nur (las ."i. u. d. Auge) 










154, 


45, 


7-7, 


2-3, 


2 + 3, 2 + 2, 


4. 




140, 


45, 


7-7, 


3-3, 


1 + 3, 2 + 3, 


4-5. 




158, 


49, 


7-7, 


3-3, 


2 + 3, 2 + 3, 


4-5. 


9- 


144, 


38, 


V-7, 


2-2, 


1+2, 1 + 1+3 


4. 






(1 Postocularo) 








9. 


145, 


38, 


7-7, 


2-2, 


2 + 3, 2 + 2, 


4. 


9. 


1-17, 


38, 


7-7, 


2-2, 


1+2, 1+2, 


4. 




1 II. 


•10, 


7-7, 


'2-2, 


2 + 3, 2 + 3, 


4. 




Al.o 


die Yen Ii 


•alcuzalilen sind für die cf 14!) — 158, für die 9 


141-147, 


dl« 


Su]>caudalenzahle 


n für die 30—49, 


für die 9 38—40, im Du 


•(ths(;hnitt 


•l' iiuia'h für die r/' 


V. 151, Sc. 44, für die 


9 V. 


144, Se. 30. 





Auffallend ist das überaus häufige Vorkommen von drei JM-acocularen 
b"iiii (f, viermal beiderseits, einmal auf einer Seite, während bei den 9 iimner 



Beiträge zur KeuiituLss der Reptilien und Batrachier von Gentralamerika und Chile. 357 



nur zwei Praeocularen vorhanden sind. Die Längsverbindung der Ventralflecken 
zu drei Längsstreifen oder Längsfleckenreihen tritt nur heim 9 ^^^f) das cT be- 
sitzt einfach dunkel geränderte Ventralia. 

IIJ. Batracliia. 

a ) Engystomatidae. 

\. Bliinoäerma darivinii DB. (Blngr., Cat. Batr. Sah, p. 148.) 

Drei Exemplare, eines oben hell bläulichgrau, das zweite hellbräunlich, 
undeutlich r